Verfahren und Vorrichtungen für die Abpressung
von Zuckerrohrbagasse Die Erfindung stellt eine Weiterentwicklung
des in der Offenlegungsschrift DE 30 21 311 A 1 offenbarten Verfahrens und seiner
konstruktiven Merkmale zur Abpressung von zerkleinertem Zuckerrohr (Bagasse) in
einem Niederdruckverfahren dar, nachdem die Bagasse einen Diffuseur (Figur 1 und
2 der Offenlegungsschrift DE 30 21 311 Al) durchlaufen hat.
Sie ermöglicht neben weiteren Vorteilen den Bau von Niederdruck-Anlagen
in oder hinter einem Diffuseur mit Walzenmänteln ohne Siebflächen und erlaubt die
Steigerung der bisher möglichen Preßdrücke um ein Mehrfaches, so daß die bisher
notwendige Anordnung einer Hochdruck-Dreiwalzenmühle hinter der Niederdruckabpressung
entfallen kann.
Die Ausführung nach Figur 1 der Offenlegungsschrift hat insofern betriebliche
und bauliche Vorteile gegenüber der Ausführung nach Figur 2 der Offenlegungsschrift,
als sie die Funktion der Umlenkwalze für die sehr schweren Ketten (Figur 1 von DE
30 21 311 A 1) mit Belastungen bis zu 200 Tonnen für diese Ketten mit der unteren
Abpreßwalze (Figur 1 Teil 2 der Offenlegungsschrift DE 30 21 311 A 1) kombiniert.
Diese Walze wird im folgenden Kombinationswalze genannt.
Mit dieser Kombinationswalze lassen sich keine höheren Preßdrücke
als um 10 - 15 kg/cm2 in senkrechter Richtung erzielen. Dieser Nachteil entsteht
dadurch, daß die Mitnehmer (Figur 1 dieser Schrift, Teil 1 und Figur 4 Teil 1) zwischen
den Transportketten (Figur 1 Teil 2 und Figur 4 Teil 2) im Diffuseur (Figur 1 Teil
3 und Figur 4 Teil 3) einen bestimmten Mindestfreiraum (Figur 1, Teil 5) besitzen
müssen, um den Transport des z.B. 1,5 m hohen Bagassebettes im Diffuseur sicherzustellen.
Die Belastung um 10 - 15 kg/cm² entspricht dabei auch einem maximal erreichbaren
Preßdruck der gleichen Größe. Dieser Preßdruck kann unter Umständen ausreichen,
um bei einem Niederdruckverfahren nach DE 30 21 311 A 1 bei Verwendung einer Kombinationswalze
nur noch mit einer der teueren und reparaturanfälligen Dreiwalzen-Hochdruckmühle
mit Drücken bis zu 1.200 kg/cm2 für die erwünschte endgültige Abpressung der Bagasse
auf eine Restfeuchtigkeit von weniger als z.B.
50 % zu kommen, die aus Gründen der Kesselbefeuerung mit Bagasse notwendig
ist.
Will man sicher diese Restfeuchtigkeit ohne der einer Niederdruck
nachgeschalteten Hochdruckmühle erreichen, werden aber Preßdrücke in einer Niederdruckabpressungsanlage
nach DE 30 21 311 A 1 von ca. 70 - 80 kg/cm² notwendig (Figur 1 von DE 30 21 311
A 1). Solche Preßdrücke lassen sich mit einer Kombinationswalze nach Figar 1 DE
30 21 311 A 1 nicht erreichen, sie werden durch den Freiraum (Figur 1 Teil 1) und
der Kombinationswalze (Figur 1 Teil 6) verhindert. Während ihres Aufenthaltes im
Diffuseur (Figur 1 Teil 3 und Figur 4 Teil 3) sind die Mitnehmer durch das über
ihnen liegende Gemisch von Bagasse und Extraktionsflüssigkeit mit einer Höhe von
z.B. 1,5 m belastet. Diese relativ geringe Belastung
der Mitnehmer
wird im Diffuseur von den Ketten (Figur 4 Teil 2) aufgenommen, die über den Boden
des Diffuseurs, z.B. seinen Siebboden gleiten (Figur 2 Teil 4).
Diese geringe Belastung der Mitnehmer wird von dem Augenblick um ein
Vielfaches und nicht mehr beherrschbares Maß bis auf ca. 80 - 100 kg/cm² größer,
wo die Mitnehmer in den Pressungsbereich zwischen Oberwalze (Figur 4 Teil 4) und
der Kombinationswalze (Figur 4 Teil 6) eintreten und an die Stelle höchsten Preßdruckes
gelangen.
Es wäre nun möglich, die Beherrschbarkeit der so hoch auf Biegung
belasteten Mitnehmer dadurch zu lösen, daß man die Ketten im Bereich der Kombinationswalze
so führt, daß die Mitnehmer auf der Oberfläche der Kombinationswalze über ihre ganze
Breite aufliegen (Figur 3 Teil 6) und damit keinerlei Biegungsbeanspruchung mehr
ausgesetzt sind.
Das direkte Aufliegen der Mitnehmer (Figur 3 Teil 1) auf der Kombiwalze
löst zwar die Frage der Mitnehmer im Bereich der Kombinationswalze durch Beseitigung
des Freiraumes (Figur 1 Teil 5) unter ihnen.
Diese Lösung würde zu einem sehr ungünstigen Verlauf der Abpressung
zwischen den beiden Walzen führen, z.B. würde bei einer größten Zusammendrückung
des Preßgutes auf z.B.
14 cm (die Ausgangshöhe des zu pressenden Gutes im Diffuseur liegt
dabei bei 150 cm) hier ein Pressdruck von z.B.
2 100 kg/cm2 entstehen, unmittelbar neben dem Mitnehmer (bei seiner
Stärke von z.B. 3,0 cm), würde der Preßdruck auf der 2 Kombinationswalze nur noch
46 kg/cm2 betragen. Es würde also im Bereich von etwa 60 % der Preßfläche eine ungenügende
Abpressung erfolgen.
Alle diese Nachteile vermeidet die Erfindung. Sie ist durch folgende
drei Merkmale gekennzeichnet: Durch die Absenkung der Kettenauflagerfläche im Bereich
der Kombinationswalze (Figur 3 allgemein und Figur 4 Teil 9) gegenüber der Oberfläche
der Kombinationswalze und die dadurch mögliche unmittelbare Auflage der Mitnehmer
(Figur 4 Teil 1) über die gesamte Breite der Kombinationswalze unten.
Sie ist desweiteren gekennzeichnet durch örtliche Vergrößerungen
des Durchmessers der Kombinationswalze im Bereich zwischen den Mitnehmern (Figur
3 Teil 8 und Figur 4 Teil 8). Die tangential gemessene örtliche Erhöhung beträgt
über dem Durchmesser der Kombinationswalze zwischen den Mitnehmern (Figur 3 Teil
1) zur Erzielung eines möglichst ausgeglichenen Preßverlaufes nicht weniger als
17 % der Stärke der Mitnehmer oder 3,5 % des Abstandes zwischen der Oberkante des
Mitnehmers und dem Mantel der Oberwalze.
Erfindungsgemäß ist desweiteren gekennzeichnet, daß eine Verringerung
des Durchmessers der Kombinationswalze gegenüber der Druckwalze auf weniger als
60 % erfolgt.
Diese Verringerung des Durchmessers der Kombinationswalze bringt vier
voneinander unabhängige Vorteile: a) Sie ermöglicht die Erhöhung des maximalen Preßdruckes
über den Mitnehmer auf z.B. 100 kg/cm2 bei z.B. 63 kg/cm2 als höchstem Druck im
Pressraum zwischen den Mitnehmern.
Dadurch wird das Verhältnis von Pressdruck in kg/cm2 zu Preßzeit
in Sekunden z.B. von 2 = 24 = 0,6 (siehe Versuchsergebnisse DE t 40 30 21 311 A
1 Seite 13) auf 2 = 80 = 1,0 t 80 erhöht, wenn als mittlerer Preßdruck aus dem Druck
über den Erhöhungen der Kombiwalze ca. 63 kg/cm2 und dem Druck 2 über den Mitnehmer
von 100 kg/cm2 unter Berücksichtigung der verschieden großen Preßflächen und -zeiten
ein Wert von z.B. ca. 80 kg/cm² angesetzt wird.
Gegenüber der im Sinne der Erfindung durch die kleinere Kombinationswalze
ermöglichte Erhöhung des maximalen Preßdruckes auf das 3,25-fache ist die Verringerung
der Preßzeit von 110 Sekunden (siehe Seite 24 von DE 30 21 311 A 1) auf z.B. 80
Sekunden = 73 % belanglos.
b) Die Verringerung des Durchmessers der Kombinationswalze bringt
durch das Herausragen der Oberwalze über die Kombinationswalze (Figur 4) gleichzeitig
eine bessere Beherrschung der anfänglich schon bei geringsten Preßdrücken im ersten
Teil einer Preßzone anfallenden relativ großen Flüssigkeitsmenge. Die Abführung
dieser Menge brachte gewisse Schwierigkeiten, die zu der Notwendigkeit des Einbaues
von zusätzlichen Sieben in den Seitenwänden des Diffuseurs führte. Das Herüberragen
der großen Oberwalze bringt eine Verbesserung des betrieblichen Ablaufes.
c) Die Verkleinerung des Durchmessers der Kombinationswalze gegenüber
dem Durchmesser der Druckwalze führt auch zu einer Verkürzung der Preßstrecke entsprechend
des oben dargestellten Verhältnisses von z.B. E = 1,0.
t Hierdurch wird auch eine bedeutendere Verringerung des Antriebsdrehmomentes
des großen Antriebsgetriebes für die Oberwalze möglich (Drehmomente bis über 100.000
Meter - Kilogramm). Eine vergleichsfähige Verringerung dieses Drehmomentes auf unter
70 % wird durch die Erfindung ermöglicht. Die Verringerung dieses Drehmomentes ist
eine unmittelbare Folge des geringeren Durchmessers des erfindungsgemäß gegenüber
der Druckwalze herabgesetzten Durchmessers auf weniger als 60 %.
d) Die Erfindung ermöglicht und beansprucht die Verwendung siebloser
Kombinationswalzen und Oberwalzen als Folge der starken Absenkung des Durchmessers
der Kombinationswalze gegenüber dem der oberen Walze. Die Walzenmäntel beider Walzen
sind also ungelocht, das bringt eine bedeutende Verringerung der Herstellkosten
sowie betriebliche Vorteile. Selbst bei den niedrigen Preßdrücken von bisher etwa
um 30 kg/cm2 bei bisherigen Niederdruckabpressungen erfordern die relativ dünnwandigen
als Siebe ausgebildeten Mantelflächen der Walzen für diese Innenausbauten zur Aufnahme
der schon bei diesen Drücken hohen örtlichen Kräfte.
Die Erfindung ermöglicht aufgrund des im Mittel auf 80 kg/cm² gesteigerten
Preßdruckes keine Siebfläche für die Kombinations- und Druckwalze mehr. Die betriebliche
Arbeit wird durch das ständige Reinigen des Innenteils der Walzen zur Vermeidung
von wichtigen Infektionen in einer Zuckerfabrik vermieden.
Die Möglichkeit, sieblos zu bauen, ergibt sich nach den bekannten
Untersuchungen von Noel-Deer daraus, daß bei einer Hochdruckmühle mit z.B. 727 kg/cm²
Preßdruck und einer üblichen Walzengeschwindigkeit von z.B. 0,25 m/sec zur Steigerung
des Preßdruckes von ebenfalls 80 kg/cm² (wie bei dem Beispiel des Erfindungsgegenstandes)
nur eine Preßzeit bis auf den Endwert von 727 kg/cm2 etwas weniger als 1/100 Sekunden
zur Verfügung stehen. In dieser kurzen Zeit findet aber praktisch keine nennenswerte
Abpressung von Flüssigkeit aus der Bagasse mehr statt und die über 80 kg/cm2 aufgewandte
Energie wird lediglich in Wärme umgewandelt.
In einer solchen Hochdruckmühle steht nach den schon aufgeführten
Untersuchungen von Noel-Deer für die Steigerung des Preßdruckes von 0 auf 80 kg/cm²
(wie bei dem Erfindungsgegenstand) bei 0,25 m/sec Walzengeschwindigkei eine Zeit
von ca. 0,8 - 0,9 Sekunden zur Verfügung). Bei dem Erfindungsgegenstand beträgt
die Zeit zur Abpressung auf den gleichen Wert von 80 kg/cm² z.B. 80 Sekunden, also
das etwa Zenfache.
Eine Hochdruckmühle ist also bei diesen Gegebenheiten hinter dem Erfindungsgegenstand
nicht erforderlich, um mit Sicherheit die erforderliche Restfeuchtigkeit von ca.
50 % zu gewährleisten.
Erfindungsgemäß wird ferner in Anspruch genommen, daß zur optimalen
Wirksamkeit der Kombinationswalze (Figur 4 Teil 6) ein Winkel von größer als 100
zwischen der Verbindungslinie der Kombinationswalze mit der Oberwalze und dem Boden
des Diffuseurs vorhanden ist.
Diese Anordnung vermeidet eine Belastung der Siebfläche im Diffuseur
durch den Preßdruck mit Reibung und eine zusätzliche Belastung der Ketten. Des weiteren
wird in Anspruch genommen, daß das Verhältnis von Durchmesser der Oberwalze in mm
zur Preßzeit in Sekunden einen Wert von kleiner als 30 besitzt. Es bringt wahlweise
denselben Vorteil, wie der vorher in Anspruch genommene Winkel von größer als 100
Eine bessere Abpressung wird erreicht, wenn während dieses Vorganges eine Bewegung
der abzupressenden Teilchen gegeneinander erfolgt. Erfindungsgemäß wird in Anspruch
genommen, daß zwischen der Anfangsgeschwindigkeit der Kombinationswalze (Figur 4
Teil 6) und derjenigen der Oberwalze (Figur 4) eine Differenz vorhanden ist.
Es kann zweckmäßig sein, daß eine an sich bekannte stärkere Vorabpressung
der Bagasse im Diffuseur selbst erfolgt (DE 30 21 311 A 1 Figur 1 Teil 6). Die Höhe
dieser Vorabpressung war bisher begrenzt, da die hohen Reibungskräfte über dem gelochten
Siebboden eine weitere Belastung der Transportketten ergaben. Erfindungsgemäß kann
eine Steigerung auch dieser Vorabpressung erfolgen, wenn die Merkmale der Kombinationswalze
(Figur 3 Teil 6) mit ihren Erhöhungen (Figur 3 Teil 8) auch ohne Antrieb unter einer
Vorabpressungswalze (DE 30 21 311 A 1 Figur 1 Teil 6) im Bereich des Siebbodens
des Diffuseurs erfolgt.
Es wird eine Verbesserung und günstigere Zuführung der Zuckerrohrbagasse
zur Niederdruckabpressung erreicht.
- Leerseite -