Verfahren zur Gewinnung einer Alkohol/Wassermischung aus einem viele
Feststoffe enthaltenden Ausgangsmaterial von geringem Alkoholgehalt.
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Gewinnung
einer höher konzentrierten reinen Alkohol/Wassermischung aus einem viele Feststoffe
enthaltendem Ausgangsmaterial mit niedriger Alkoholkonzentration.
Ein Ausgangsmaterial, das nach dem Stand der Technik nur mit erheblichem
apparativem Aufwand weiterverarbeitet werden kann, liegt dann vor, wenn Abfälle
oder Rückstände zwecks Alkoholgewinnung vergoren werden. Solche Abfälle fallen z
B. als Preßrückstände bei der Obstsaftherstellung oder der Zuckerherstellung an.
Es ist bekannt, diese Preßrückstände mit Wasser zu versetzen, zu
vergären, anschließend den Trester unter ständigem Umrühren vorsichtig zu erhitzen,
um aus den entweichenden Dämpfen durch bekannte Destillationsverfahren den Alkohol
zu gewinnen. Das Erhitzen des Tresters macht erhebliche Schwierigkeiten, da dieser
sehr viele Stoffe enthält, die sich leicht an den Kesselwänden festsetzen.
Wegen der Gefahr des Festsetzens oder Festbrennens darf nur ein relativ
geringer Wärmeübergang von den Kesselwänden zum Trester stattfinden, so daß der
Kessel sehr groß sein muß, um eine ausreichende Verdampfungsleistung zu erhalten.
Ein weiterer Nachteil der bekannten Verfahren besteht darin, daß
zum Zwecke einer hohen Alkoholausbeute aus dem Trester, dessen Anteil an Flüssigkeit
fast vollständig verdampft werden müßte, wodurch große Wärmemengen für die Verdampfung
verbraucht werden. Da die Bedingungen für das Rühren und für den Wärmeübergang
bei hohem Verdampfungsgrad zu schlecht werden, begnügen sich die bekannten Verfahren
mit einer Teilverdampfung und einem relativ hohen verlorenen Anteil an Alkohol
im nicht verdampften flüssigen Rest des Tresters.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die beschriebenen Nachteile
zu vermeiden und ein Verfahren und eine Vorrichtung zu schaffen, bei denen mit
geringem apparativen Aufwand äußerst betriebssicher und mit relativ wenig Energieaufwand
ein hoher Anteil an Alkohol aus einem beliebigen wäßrigen Ausgangsmaterial erhalten
wird.
Diese Aufgabe wird entsprechend dem kennzeichnenden Teil des Anspruches
1 gelöst. Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen 2 und 3 enthalten.
Im Anspruch 3 ist eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens beschrieben,
deren Weiterbildungen in den Ansprüchen 4 bis 10 enthalten ist.
Das Verfahren und die Vorrichtung werden an einem Ausführungsbeispiel
anhand der Figuren näher erläutert.
Das vergorene Ausgangsmaterial fließt infolge eines Höhenunterschiedes
vom Fermentationslager 11 zur Pumpe 12 und wird von dieser in die Leitung 13 gedrückt,
die unter einem Druck von ca. 4 bis 5 bar steht. In die Leitung 13 ist kurz vor
ihrer Mündung in den Expansionsbehälter 14 ein Druckregelventil 15 eingebaut,
das in dem Teil der Leitung 13 der zwischen der Pumpe 12 und dem Druckregelventil
15 liegt, einen annähernd konstanten Druck von 4 bis 5 bar aufbaut.
In die Leitung 13 sind zwischen der Pumpe 12 und dem Druckregelventil
15 zwei Injektionsdüsen 16 und 17 eingebaut.
Mit Hilfe dieser Düsen wird mittels Wasserdampf von 7 bis 8 bar in
2 Stufen das Rohprodukt mit einer Temperatur von 20 °C bis °C auf ca. 140 °C bis
150 °C erhitzt. Der Wasserdampf fließt durch die Leitung 20 zu den Injektionsdüsen
16 und 17. In der Injektionsdüse 16 erwärmt sich das Rohprodukt auf ca. 90 °C bis
100 °C. Hier ist die Anordnung des Dampfeintrittes in das Rohprodukt durch eine
oder wenige große Düsen ausreichend, da es sich um eine Vorwärmestufe handelt.
Es reicht z. B. eine Düse aus, deren Öffnung konzentrisch zur Längsachse der Injektionsdüse
16 mündet. Die Injektionsdüsen 16 und 17 sind ca. 5 m voneinander entfernt, damit
eine Kondensation des Wasserdampfes und damit die Vorwärmung des Rohproduktes,
gewährleistet ist.
In der Injektionsdüse 17 wird das vorgewärmte Rohprodukt von ca.
100 °C auf ca. 140 °C bis 150 °C durch den Wasserdampf von ca. 7 bis 8 bar aufgeheizt.
Die Injektionsdüse 17 besteht aus einem kleinen Behälter, der einen
gelochten Teil der Leitung 13 umgibt. Der gelochte Teil der Leitung 13 enthält
eine Vielzahl von Bohrungen, welche auf dem Umfang dieser Leitung verteilt sind.
Diese Bohrungen sind unter verschiedenen Winkeln in die Leitung 13 gebohrt, damit
der Dampf das Produkt verwirbelt und in kürzester Zeit kondensiert und dadurch
das Rohprodukt aufgeheizt wird.
Zwischen der Injektionsdüse 17 und dem Druckregelventil 15 befindet
sich eine Mischstrecke von 2 m.
Hinter dem Druckregelventil 15 kommt es im Expansionsbehälter 14 infolge
eines starken Druckabfalles zu einer starken Expansionsverdampfung des Ausgangsmaterials.
Im Expansionsbehälter 14 herrscht ein Druck von 0,6 bar und eine Temperatur von
85° C.
Bei dem Ausführungsbeispiel beträgt die in die Leitung 13 gepumpte
Fördermenge 66 1/min. Die Leitung 13 hat einen lichten Durchmesser von 80 mm.
Im Expansionsbehälter 14 fließen vom oberen Teil durch das Rohr 18
Dämpfe ab, die zu 22 bis 25 Gew-% aus Alkohol und zu 75 bis 78 Gew-% aus Wasserdampf
bestehen.
Im unteren Teil des Expansionsbehälters 14 fließt durch das Rohr
19 die Schlempe ab, welche als Beimengungen alle festen und schwer flüchtigen Stoffe
enthält, die auch im Ausgangsmaterial enthalten waren.
Aus den Dämpfen der Leitung 18 kann in bekannter Weise durch Destillation/Rektifikation
ein Alkohol von hoher Konzentration gewonnen werden.
Durch das Rohr 19 fließen 60 % der Wassermengen ab, bezogen auf die
gesamte Wassermenge, die im Ausgangsmaterial enthalten ist und durch die Pumpe
12 in die Leitung 13 gefördert wird. In der durch das Rohr 19 abfließenden Schlempe
sind überraschenderweise nur 10 % der Alkoholmenge des Ausgangsmaterials enthalten,
so daß die Anlage z. B. beim Betrieb mit Apfeltrestermaische, die ca. 3 - 4 Vol
% Alkohol enthält, eine Alkoholausbeute von 90 % erbringt. Bei konventioneller
Technik sind unter den gleichen Bedingungen und mit der gleichen Abdampfrate nur
65 % Alkoholausbeute möglich.
Das Verfahren und die Vorrichtung eignen sich nicht nur für die Alkoholgewinnung
aus vergärbaren Abfällen oder Rückständen, sie sind auch zum Alkoholentzug von
Flüssigkeiten wie z. B. Weinen einsetzbar.
Die im Beispiel angegebenen Betriebsbedingungen in bezug auf Druck
und Temperatur sind in gewissen Grenzen veränderbar. Es kann z. B. auch der Druck
im Expansionsbehälter 14 1 bar betragen, wenn der Druck und die Temperatur in der
Leitung 13 etwas erhöht werden. Umgekehrt sind die Expansionsverdampfungen in
gleichen Maße auch möglich, wenn der Druck in der Leitung 13 nur 2 bar und die
Temperatur nur 120°C betragen und dafür der Druck im Expansionsbehälter auf 0,2
bar erniedrigt wird.
Die vorstehend beschriebene Erfindung läßt sich auch zum Gewinnen
von alkoholarmen Getränken benutzen, wenn anstelle des Feststoffe enthaltenden
Ausgangsmaterials z. B. ein Wein, vergorener Obstsaft order Bier mit relativ hohem
Alkoholgehalt genommen wird. Das alkoholarme Getränk entsteht dann anstelle der
Schlempe im unteren Teil des Exppansionsbehälters 14.
Wegen des extrem schnell ablaufenden Verfahrens werden die Getränke
nur für den Bruchteil einer Sekunde erhitzt undim Expansionbehälter sofort weider
abgekühlt, was den Vorteil hat, daß die Geschmachsstoff weitgehend erhalten bleiben,
weil sie keine ausreichende Zeit zum Zerfallen haben.
Die Schlempe ist deshalb wohlschmeckend und kann als wertvolles Veihfutter
benutzt werden, während die bei herkömmlichen Verfahren anfallende Schlempe nicht
einmal als Dünger benutzt werden kann, weil sie zu sauer ist. Sie stellt deshalb
ein Umweltproblem dar.
Die vorstehend beschriebene Erfindung kann auch bei alkoholfreiem
Ausgangsmaterial nur dazu benutzt werden, um eine wohlschmeckende "Schlempe" zu
gewinnen.
Bei alkoholfreiem Augangsmaterial, das z. b. aus verkleinertem Obst
bestehen kann, würden dann im Expansionsbehälter 14 im oberen Teil nur reiner Wasserdampf
abziehen während die "Schlempe" im unteren Teil des Expansionsbehälters eine wohlschmeckende
Marmelade ergibt.
- 11 Fermentationslager
- 12 Pumpe
- 13 Leitung
- 14 Expansionsbehälter
- 15 Durckregelventil
- 16 Injektionsdüse 1
- 17 Injektionsdüse 2
- 18 Rohr (oberes)
- 19 Rohr (unteres)