| Dokumentenidentifikation |
DE3534353A1 02.04.1987 |
| Titel |
Verfahren zur Herstellung von Fischleder |
| Anmelder |
Beck, Bernardo von, 8000 München, DE |
| Erfinder |
Ernst, Rudolf, Santiago, CL |
| Vertreter |
Berendt, T., Dipl.-Chem. Dr.; Leyh, H., Dipl.-Ing. Dr.-Ing., PAT.-ANW., 8000 München |
| DE-Anmeldedatum |
26.09.1985 |
| DE-Aktenzeichen |
3534353 |
| Offenlegungstag |
02.04.1987 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
02.04.1987 |
| IPC-Hauptklasse |
C14C 13/00
|
| IPC-Nebenklasse |
C14C 1/00
C14C 3/00
C14C 5/00
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| Beschreibung[de] |
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Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen von
Fischleder.
Die Lederherstellung aus Häuten tierischen Ursprungs umfaßt
üblicherweise das Bloßlegen der Lederhaut, gegebenenfalls
Vorgerben, Gerben und Nachbehandeln, wobei zur
Nachbehandlung das Färben, Fetten, Trocknen und Appretieren sowie die
mechanische Zurichtung gehören.
Während für die Häute von Säugetieren, insbesondere Rindern,
Schweinen, Schafen und Ziegen eine hochentwickelte
Lederherstellungstechnik existiert, ist die Lederherstellung aus
Fischhaut bisher technisch vernachlässigt worden, weil sich
wegen der besonderen Struktur des Kollagens der sogenannten
Lederhaut besondere Schwierigkeiten ergeben, wenn man von
der Haifischhaut absieht, die hiervon abweicht. Die Prozesse
der üblichen Vorbereitung der sogenannten Blöße durch
Konservieren, Trocknen, Weichen in Wasser, Enthaaren bzw.
Entschuppen durch Äschern, d. h. Abbau des Keratins mittels
Calciumhydroxid und Natriumsulfid, Entkalken und Beizen, sowie
Pickeln in Säure-Salz-Lösungen und Gerben in rotierenden
Gerbfässern mit Gerbstoffen, wie Chromsalzen oder
pflanzlichen Gerbstoffen, Waschen, Fetten, Trocknen, gegebenenfalls
Färben und der mechanischen Behandlung (Zurichtung) ergeben
bei Fischhaut meist zu weiche, lappige Leder oder aber zu
feste Leder, ähnlich Reptilleder, aber keine gleichzeitig
geschmeidige, weiche und griffeste Leder.
In der US-PS 27 00 590 wird der Gebrauch von Gerbstoffen hoher
Adstringenz, wie z. B. die Kombination von bestimmten
vegetabilen Extrakten und ein Kondensationsprodukt einer
Phenolsulfosäure mit Formalin für die Gerbung von Häuten von
Knochenfischen, Haien und Säugetieren beschrieben unter
besonderem Hinweis auf die leichte Hydrolisierbarkeit des
Fischkollagens. Hierdurch wird eine Gerbung und somit
Konservierung der Häute erreicht, die Leder werden sehr
fest, ähnlich wie Reptilleder, aber ohne Geschmeidigkeit
und Weichheit. Außerdem wird weder das Entschuppen, noch
die Entfernung der Keratine und anderer Eiweißkomponenten
der Haut erwähnt.
Gemäß dem Verfahren der US-PS 43 79 708, wonach die Haut
auf einen pH-Wert 1,5-3,5 eingestellt und zweistufig
erst in verdünnter, unter 35°C und dann in konzentrierter
Lösung über 35°C gegerbt und schließlich gewaschen und
gefettet und auf einen pH-Wert von wenigstens 6 eingestellt
wird, kann man ein Leder von gewisser Weichheit erreichen.
Eine gute Zerreißfestigkeit und ein voller Griff, die
Geschmeidigkeit des Endproduktes und die
Widerstandsfähigkeit gegen die Adstringenz der Chemikalien während des
Prozesses werden aber nicht erreicht.
In der FR-PS 7 29 242 wird eine Gerbemethode für Fischleder
beschrieben, in der Syntane und anschließend vegetabile
Gerbstoffe, oder eine Mischung von beiden verwendet werden,
gefolgt von einer Chromgerbung. Mit dieser Methode wird
weder die Weichheit noch die Geschmeidigkeit erreicht, die
wünschenswert sind.
Das Fischhautgerbeverfahren ist sehr verschieden vom
Gerbverfahren für Säugetierhäute wegen des großen Unterschiedes
in der Molekularstruktur des Kollagens der Fische und
Säugetiere. Das Fischkollagen hat eine lineare Struktur,
während das Säugetierkollagen verzweigt ist. Hierdurch
erklärt sich der bemerkenswerte Unterschied in den
Bindungen, die gegerbt werden können, hinsichtlich der Festigkeit
gegen die Hydrolysetemperaturen und der Zerreißfestigkeit.
Außerdem besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen
den Hydrolysetemperaturen der Häute. Für Fischhaut liegt
dieser Wert für fast alle Arten etwa 20°C unter dem für
Säugetierhäute. Das bedeutet, daß alle der Gerbung
vorausgehenden Prozesse 20° unter der für Säugetierhäute
empfohlenen Temperatur vorgenommen werden müssen.
Es wurde ein Verfahren gefunden, wonach es gelingt, weiche,
geschmeidige und doch feste Fischleder herzustellen. Das
erfindungsgemäße Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, daß
man
- a) die Häute in einem Bad mit wenig Wasser, enthaltend ein
oder mehrere oberflächenaktive anionische, nichtionische
oder amphotere organische Verbindungen entschuppt und
mindestens teilweise entfettet,
- b) die Häute in einem Bad unter Bewegen behandelt, welches
ein keratolytisches Enzym oder ein Alkalisulfid und/oder
-hydrogensulfid, gelöschten Kalk und Wasser enthält, und
anschließend gegebenenfalls unter Zusatz von Fällmitteln
für das Sulfid von Sulfid befreit und wäscht,
- c) die Häute gleichzeitig im Schritt b) oder getrennt
hiervon mittels oberflächenaktiver, nichtionischer und/oder
anionischer Verbindungen und/oder Lösungsmitteln und/
oder von Enzymen entfettet,
- d) die Häute bei einer Temperatur von unter 20°C und bei
einem pH-Wert von 5 bis 8 mit einem aromatischen Syntan
vorgerbt,
- e) die Häute in einer Säure-Salz-Lösung (Pickel) auf einen
pH-Wert 1,5-4 bringt und
- f) in an sich bekannter Weise eine Gerbung, insbesondere
Chromgerbung und/oder Gerbung mittels Syntanen durchführt
und
- g) gegebenenfalls nach einer mehrstündigen Wartezeit wäscht
und eine Nachgerbung mit Chrom- oder Aluminiumsalzen und/
oder Syntanen und anschließend gegebenenfalls eine an
sich bekannte Färbung und Fettung vornimmt, trocknet und
mechanisch weiterverarbeitet.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform wird als
oberflächenaktive Verbindung in Schritt a) ein Kondensationsprodukt
von Alkylenoxid mit einem C&sub5;- bis C&sub2;&sub0;-Alkanol, einem höheren
Fettsäureester mit einem C&sub5;- bis C&sub2;&sub0;-Alkanol oder einem Fett-
bzw. Fettalkoholsulfonat oder -sulfat verwendet.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform nimmt man
die Vorgerbung in Schritt d) mit einem Kondensationsprodukt
einer aromatischen Mono-, Di- oder Trisulfonsäure mit
Formaldehyd vor. Als bevorzugte aromatische Mono-, Di- oder
Trisulfonsäure wird eine solche verwendet, die von Phenol,
Naphthalin und/oder Lignin abgeleitet ist.
Während erfindungsgemäß im wesentlichen von in der
Lederherstellung an sich bekannten Chemikalien und Bädern Gebrauch
gemacht wird, unterscheiden sich die Verfahrensschritte in
der Reihenfolge ihrer Anwendung und zumindest teilweise
durch die Verfahrensbedingungen. Daß hierdurch Fischhäute
zu gebrauchsfertigem Leder mit besonders günstigen
Eigenschaften verarbeitet werden können, war anhand des bekannten
Standes der Technik überraschend und nicht vorhersehbar.
Die Erfindung wird durch folgendes Beispiel näher erläutert.
Beispiel
Das erfindungsgemäße Verfahren wurde auf das Gerben der Haut
des Zackenbarsches angewendet, der zur Familie der Seranidae
gehört.
Die angegebenen Mengen beziehen sich auf 1000 g frische
oder geweichte Häute.
- a) Die Haut wurde zur Entfettung und Entschuppung behandelt
mit 5 bis 12 g eines Kondensationsproduktes von
Äthylenoxid mit einem C8-C12-Alkanolgemisch in 50 bis 100 g
Wasser 15 bis 60 min lang. Dann werden die Häute gewaschen,
indem Wasser bis zu einem Badverhältnis von 100 bis 300%
zugegeben wird.
- b) Zu den Häuten im Gerbefaß wurden 1000 bis 3000 g Wasser
und 3 bis 5 g Natriumsulfid und 6 bis 14 g eines
Calciumhydroxid zugegeben, um das Kollagen für den Gerbprozeß
vorzubereiten. Dieses Bad stand 20 bis 60 min lang unter
Dauerbewegung. Anschließend wurden die Häute mindestens
20 min lang mit einer großen Wassermenge gut gespült.
- c) Nun wurden 1000 bis 2000 g Wasser zu den gespülten Häuten
zugegeben und 15 bis 30 g eines anorganischen Salzes, das
mit der alkalischen Schwefelverbindung des vorigen
Schrittes reagiert und ein unlösliches Salz bildet wie
Calciumcarbonat und 3 bis 8 g eines löslichen Natriumsalzes einer
organischen Säure, nämlich Phenolsulfonsäure und 20 bis
30 min. lang dauernd bewegt, bis die Chemikalien, die im
Schritt b) verwendet wurden, vollkommen ausgeschieden
sind. Dann wurde erneut 15 min lang gespült.
- d) Zu den gespülten Häuten wurden nun 1000 g Wasser und 5
bis 15 g eines Kondensationsproduktes von Formaldehyd mit
Phenol oder Naphthalin, das fähig ist, bei Temperaturen
unter 19°C und bei einem pH-Wert zwischen 5 und 8 zu
reagieren, zugegeben. Diese Behandlung wurde während 15 bis
45 min unter ständiger Bewegung fortgeführt.
- Anschließend wurden 2000 g Wasser und 140 g
Natriumchlorid zugegeben und das Gerbefaß weitere 15 min.
laufengelassen. Danach wurde 18 g einer vorzugsweise
organischen Säure, nämlich Ameisensäure, zugegeben,
aber auch eine anorganische Säure wäre möglich (in
unserem Beispiel wurde Ameisensäure verwendet), um einen
pH-Wert von 1,5 bis 3,5 zu erreichen. Das Bad wurde
weitere 120 bis 180 min in Bewegung gehalten.
- e) Nun wurden 25 bis 40 g Gerbstoff zugegeben, vorzugsweise
ein Chromsulfat von 33% Basizität. Das Gerbefaß wurde
ungefähr 120 min laufen gelassen und danach Ruhe- und
Bewegungsperioden im Wechsel vorgenommen, bis ungefähr
12 Stunden Behandlung erreicht waren. Jetzt kann das Bad
abgelassen oder der Prozeß in ihm weitergeführt werden.
- f) Es wurde ein neues Bad für eine gewöhnliche Chromgerbung
verwendet, bei dem 9% Chromsalz von 33% Basizität benutzt
wurden, und das auf übliche Weise basifiziert wurde.
Danach wurden die Leder während 8 Stunden aufgebockt.
- g) Anschließend folgte eine Nachgerbung mit einer Mischung von
zwei Syntanen, beide Kondensationsprodukte des Formalins
mit verschiedenen organischen Säuren, nämlich einer Mischung
von Glutaraldehyd und einem Kondensat von
Naphthalindisulfonsäure mit Formalin.
- Danach wurde das Leder durch übliche Färbung und Fettung
und mechanische Behandlung fertiggestellt.
Das erhaltene Leder hatte äußerlich eine gewisse Ähnlichkeit
mit Reptilienleder von etwa gleicher Festigkeit, war aber
biegsam und geschmeidig wie ein feines Galanterieleder.
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| Anspruch[de] |
- 1. Verfahren zur Herstellung von Fischleder durch Bloßlegen
der Lederhaut, Vorgerben, Gerben und ggf. Nachbehandeln
mittels Färben, Fetten, Trocknen und/oder Appretieren,
dadurch gekennzeichnet, daß man
- a) die Häute in einem Bad mit wenig Wasser, enthaltend
ein oder mehrere oberflächenaktive anionische,
nichtionische oder amphotere organische Verbindungen
entschuppt und mindestens teilweise entfettet,
- b) die Häute in einem Bad unter Bewegung behandelt,
welches ein keratolytisches Enzym oder ein Alkalisulfid
und/oder -hydrogensulfid, gelöschten Kalk und Wasser
enthält, und anschließend gegebenenfalls unter Zusatz
von Fällmitteln für das Sulfid von Sulfid befreit und
wäscht,
- c) die Häute gleichzeitig im Schritt b) oder getrennt
hiervon mittels oberflächenaktiver, nichtionischer
und/oder anionischer Verbindungen und/oder
Lösungsmitteln und/oder Enzymen entfettet,
- d) die Häute bei einer Temperatur von unter 20° und
bei einem pH-Wert von 5 bis 8 mit einem aromatischen
Syntan vorgerbt,
- e) die Häute in einer Säure Salz-Lösung-(Pickel) auf
einen pH-Wert 1,5-4 bringt und
- f) in an sich bekannter Weise eine Gerbung, insbesondere
Chromgerbung und/oder Gerbung mittels Syntanen
durchführt und
- g) gegebenenfalls nach einer mehrstündigen Wartezeit
wäscht und eine Nachgerbung mit Chrom- oder
Aluminiumsalzen und/oder Syntanen und anschließend
gegebenenfalls eine an sich bekannte Färbung und Fettung
vornimmt, trocknet und mechanisch weiterverarbeitet.
- 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
man als oberflächenaktive Verbindung in Schritt a) ein
Kondensationsprodukt von Äthylenoxid mit einem C5- bis
C20-Alkanol, einem höheren Fettsäureester mit einem C5-
C20-Alkanol oder einem Fett- bzw. Fettalkoholsulfonat
oder -Sulfat verwendet.
- 3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
man die Vorgerbung in Schritt d) mit einem
Kondensationsprodukt einer aromatischen Mono-, Di- oder Trisulfonsäure
mit Formaldehyd vornimmt.
- 4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß
man als aromatische Mono-, Di- oder Trisulfonsäure eine
solche verwendet, die von Phenol, Naphthalin und/oder
Lignin abgeleitet ist.
- 5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß
man die Schritte d) und f) im gleichen Bad vornimmt.
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Patent Zeichnungen (PDF)
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