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Dokumentenidentifikation DE3220232C2 22.10.1987
Titel Verfahren zur Stabilisierung von in einer Suspensionsflüssigkeit suspendierten Blutplättchen, stabilisierende Lösung zur Verwendung in diesem Verfahren und hämatologisches Vergleichskontrollmedium zur Bestimmung mehrfacher Blutblättchenparameter mit einer elektronischen Vorrichtung
Anmelder Coulter Electronics, Inc., Hialeah, Fla., US
Erfinder Crews, Harold R., Miami, Fla., US;
Carter II, James H., Ft. Lauderdale, Fla., US;
Sena, Ted, Miami, Fla., US
Vertreter Eder, E., Dipl.-Ing.; Schieschke, K., Dipl.-Ing., Pat.-Anw., 8000 München
DE-Anmeldedatum 28.05.1982
DE-Aktenzeichen 3220232
Offenlegungstag 23.12.1982
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 22.10.1987
Veröffentlichungstag im Patentblatt 22.10.1987
IPC-Hauptklasse G01N 33/96
Zusammenfassung Nach der Erfindung wird zur Stabilisierung von Blutplättchen eine Kombination von Jodacetamid und einer Iminodi essigsäure oder eines Salzes derselben zusammen mit einem verträglichen bakteriostatischen Mittel in einer wäßrigen Elektrolytlösung verwendet, die auf einem vorgegebenen pH- und Osmolalitätsbereich gehalten wird. Eine bevorzugte Formulierung der stabilisierenden Lösung enthält Jodacetamid, N-(2-Acetamido)iminodiessigsäure und Natriumpenicillin. Äthylendiamintetraessigsäure und deren Salze sind ggfs. als zusätzlicher Bestandteil vorhanden.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Stabilisierung von in einer Suspensionsflüssigkeit suspendierten Blutplättchen, eine stabilisierende Lösung zur Verwendung in diesem Verfahren und ein hämatologisches Vergleichskontrollmedium zur Bestimmung mehrfacher Blutplättchenparameter mit einer elektronischen Vorrichtung.

Um Blutplättchenvergleichskontrollen herzustellen, werden die Blutplättchen aus dem Blut durch Zentrifugieren entfernt, mit gepufferter Salzlösung gewaschen und dann mit Mitteln "fixiert" wie Glutaraldehyd, Formaldehyd, Brenztraubensäure oder dergleichen. Die mit Aldehyd umgesetzten Blutplättchen werden dann in einem Puffer suspendiert.

Die suspendierten Blutplättchen sind nicht stabil und bilden unter zahlreichen Umständen Aggregate. Darüber hinaus ändern die mit Aldehyd umgesetzten Blutplättchen allmählich ihre Form, wobei sie mit zunehmendem Alter zusammenschrumpfen.

Die aldehydumgesetzten Blutplättchen sind dazu vorgesehen, in Teilchenzählgeräten verwendet zu werden, deren Ergebnisse durch die Teilchengröße beeinträchtigt werden. Die Vergleichskontrolle sollte daher im Idealfall Blutplättchen enthalten, die der Größe nach den Blutplättchenteilchen im normalen menschlichen Blut möglichst ähnlich sind. Es ist ersichtlich, daß die Aggregation die Zählung und die Größe der Teilchen in den Vergleichskontrollen beeinträchtigt. Es ist auch ersichtlich, daß jede vorkommende Schrumpfung oder Schwellung den Wert der Kontrolle beeinträchtigt, da die Blutplättchen dann nicht mehr die gleiche Größe aufweisen wie die Blutplättchen im frischen menschlichen Blut.

Es werden gegenwärtig mehrere menschliche Blutplättchenvergleichskontrollen auf den Markt gebracht. Es ist jedoch eine Verbesserung in bezug auf eine langanhaltende Stabilität bei der Messung des mittleren Blutplättchenvolumens und der Größenverteilungsbreite erforderlich.

Ein Gerät, welches zählt und die Zählungs- sowie die Volumenverteilung menschlicher Blutplättchen in Gesamtblutproben überprüft, ist der bekannte "Coulter Counter" Modell S-Plus Hämatologiesystem. Ähnliche Geräte dieses Typs werden von anderen Unternehmen zu diesem Zweck hergestellt. Die Einzelheiten der elektronischen Eichung werden der Bedienungsperson derartiger Geräte genau beschrieben. Eine menschliche Blutplättchenvergleichskontrolle muß sämtliche Kriterien erfüllen, die mit menschlichen Patienten-Proben gemessen werden. Die Vergleichskontrolle muß einer normalen frischen Gesamtblutprobe möglichst nahe kommen. Sie muß auch den genau eingestellten Grenzwerten in bezug auf die Zählweise, genau ausgeglichenen Öffnungen, dem Strom, den Verstärkungseinstellungen und der Empfindlichkeit des Systems hinsichtlich sämtlicher funktioneller Gesichtspunkte entsprechen.

Die mittlere Blutplättchenvolumenverteilungs-Analyse hat in jüngerer Zeit zunehmend Beachtung gefunden als geeignete Messung für die klinische Anwendung. Die Größenverteilungsbreite menschlicher Blutplättchen kann jetzt aufgrund spezifisch gemessener Parameter errechnet werden. Jeder der gemessenen Parameter trägt zu einer Verbesserung bei der Prüfung der logarithmischen normalen Verteilung von menschlichen Blutplättchen bei.

Änderungen und Verschiebungen bei dem Verfahren führen zu falschen Zählungen. Der Grund für diese Zählabweichungen ist im allgemeinen die Aggregation. Die Aggregation der Blutplättchen führt zu Doubletten, die bei dem weißen Blutkörperchenverfahren gezählt werden, was zu unzuverlässigen Qualitätskontrollmessungen führt. In dem Ausmaß, in dem die Blutplättchen einer Aggregation unterliegen, erscheinen die Blutplättchen-Aggregate der automatischen Vorrichtung als weiße Blutkörperchen und werden als solche gezählt. Da die Zahl der vorhandenen Blutplättchen etwa 30mal größer ist als die Zahl der im frischen Blut vorhandenen weißen Blutkörperchen, kann, selbst wenn nur ein kleiner Anteil der Blutplättchen Aggregate bildet, dies zu unzuverlässigen Ergebnissen bezüglich der Zählung der weißen Blutkörperchen führen, insbesondere nach Behandlung mit den üblichen Fixiermitteln.

Die Haftfähigkeit der Blutplättchen führt gleichfalls zu falschen Zählungen. Die Adhäsion der Blutplättchen an "fremde" Oberflächen ist mit einer Vielzahl von Methoden gemessen worden. Im Prinzip sind alle diese Tests die gleichen. Die Verringerung der Blutplättchenzahl, die auftritt, wenn Blut mit einer "fremden" Oberfläche für einen bestimmten Zeitraum in Berührung kommen kann, wird bestimmt. Diese Verringerung ist zum Teil ein Hinweis auf die Zahl der Blutplättchen, die an der fremden Oberfläche haften, wobei dieser Wert, der als Prozentsatz der ursprünglichen Blutplättchenzahl ausgedrückt wird, als Haftfähigkeit bezeichnet wird. Es ist jedoch bekannt, daß der Blutplättchenverlust zum Teil auch auf die Blutplättchenaggregation zurückzuführen ist. Die Haftfähigkeit der Blutplättchen, obgleich entweder von Kalzium- oder Magnesiumionen abhängig, ist nicht so selektiv in dieser Beziehung als die Haftfähigkeit der Polymorphonukleozyten.

Die Blutplättchen nehmen an der primären Hämostase teil, indem sie Aggregate an verletzten Blutgefäßstellen bilden. Das Mittel, das letztlich für die Blutplättchenaggregation verantwortlich ist, dürfte Adenosindiphosphat (ADP) sein, das von verletztem Gewebe oder Erythrozyten abgegeben werden kann oder von den Blutplättchen selbst abgegeben wird u. a. durch Kollagen, Thrombin und Epenephrin. Bei einigen Patienten mit Blutungsstörungen und bei normalen Patienten nach der Einnahme von Arzneimitteln kann die Blutplättchenaggregation durch eine oder mehrere dieser Mittel beeinträchtigt werden. Diese Beeinträchtigung der Blutplättchenaggregation kann zu einer verlängerten Blutungsdauer führen, die bei diesen Patienten oft auftritt.

Eine weitere Abweichung der Blutplättchenzählung wird durch das schlechte Stabilitätsverhalten bis zu dem erwarteten Verfallsdatum der Kontrolle hervorgerufen. Versuche, die menschlichen Blutplättchen zu stabilisieren, haben sich als außerordentlich schwierig erwiesen. Ein Hauptproblem besteht in der Zersetzung der Blutplättchenmembran. Es sind Fixiermittel verwendet worden, um die Zersetzung zu steuern. Wenn die Blutplättchenmembranen sich zersetzen, bilden sie Zerfallsprodukte, wodurch falsche Zählungen hervorgerufen werden. Die neuen Methoden aufgrund einer verbesserten Computertechnologie zur Kurvenanpassung von Ausgangsdaten haften diese Probleme an.

In der US-PS 41 98 206 wird ein Verfahren zur Herstellung von Kontrollen aus Blutplättchen beschrieben, die keine Aggregate bilden und die die gleiche Größe wie Blutplättchen im menschlichen Blut aufweisen sowie ihre Größe mindestens sechs Monate beibehalten. Diese Kontrolle ist eine Suspension aus mit Aldehyd umgesetzten Blutplättchen, die mit einer Lösung gewaschen worden sind aus

  • 1) einer Aminosäure, nämlich Glycin oder Alanin;
  • 2) Glycol, Glyzerin oder Methanol;
  • 3) Natriumchlorid und Natriumphosphat und
  • 4) ein festes Polyäthylenglycol (Molekulargewicht 4000 bis 20 000.


Der vorgeschlagene Mechanismus dieser Reaktion zeigt, daß die Aminogruppe der Aminosäure mit der Aldehydgruppe reagiert, so daß eine weitere Reaktion, die eine Vernetzung einschließt, die zu einer Verhärtung und einer Schrumpfung der Blutplättchen führt, nicht auftreten kann.

Ein anderes Verfahren ist aus der US-PS 41 60 644 bekannt.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Stabilisierung von Blutplättchen zu schaffen, durch das die Blutplättchen über längere Zeit stabil erhalten bleiben, wobei eine Verhärtung und Schrumpfung der Blutplättchen vermieden wird.

Die Erfindung löst diese Aufgabe mit den kennzeichnenden Merkmalen des Patentanspruches 1.

Hierdurch wird die Stabilität der Zellen während eines langen Zeitraums erhöht, ohne daß Zellgrößenverteilung verändert wird.

Die stabilisierende Lösung zur Verwendung im Verfahren zur Stabilisierung der Blutplättchen ist gekennzeichnet durch die Merkmale des Patentanspruches 9.

Das hämatologische Vergleichskontrollmedium zur Bestimmung mehrfacher Blutplättchenparameter mit einer elektronischen Vorrichtung ist schließlich gekennzeichnet durch die Merkmale des Patentanspruches 10.

Die Iminodiessigsäure ist vorzugsweise N-(2-Acetamido)- iminodiessigsäure (ADA) und die bakteriostatische Verbindung gehört vorzugsweise zur Penicillingruppe und ist insbesondere Natriumpenicillin, das eine weitere stabilisierende Wirkung auf die Blutplättchen haben kann.

Äthylendiamintetraessigsäure (EDTA), dessen Natrium- oder Kaliumsalz oder Hydroxyäthyläthylendiamintriessigsäure können in der Formulierung enthalten sein.

Bei der Erfindung wird zur Stabilisierung von Blutplättchen eine Kombination von Jodacetamid und eine Iminoessigsäure oder dessen Salz zusammen mit einem verträglichen bakteriostatischen Mittel verwendet, und zwar in einer wäßrigen elektrolytischen Lösung, die auf einem vorbestimmten pH- und Osmolalitätsbereich gehalten wird.

Durch Jodacetamid wird eine Herabsetzung oder Beseitigung der Haftfähigkeit der Blutplättchen und der polymorphonuklearen Zellen bewirkt. Ohne Einschränkung auf irgendeine theoretische Wirkungsweise ist es bekannt, daß Blutplättchen und polymorphonukleare Zellen aktive glycolysierende Systeme aufweisen, wobei die Daten übereinstimmen mit der Hypothese, daß Jodacetamid auf die Haftfähigkeit durch Blockierung der Glycolyse einwirkt. Die Daten stimmen jedoch auch mit einer Hypothese überein, die die Haftfähigkeit einem schwefelhydratabhängigen Mechanismus mit einer ähnlichen Empfindlichkeit gegenüber Jodacetamid zuschreibt.

Die Haftfähigkeit der Blutplättchen scheint gleichfalls von den zweiwertigen Kationen abhängig zu sein, obgleich die für die Blutplättchen erforderliche Konzentration viel niedriger zu sein scheint als diejenige, die für die polymorphonuklearen Zellen erforderlich ist. Sowohl Magnesium- wie Kalziumionen sind für die Haftfähigkeit erforderlich. Kalziumionen allein sind nicht in der Lage, die Haftfähigkeit der polymorphonuklearen Zellen aus Blut wieder herzustellen, das mit einem Chelatharz behandelt worden ist, um die zweiwertigen Kationen zu entfernen.

Die kombinierte Verwendung von N-(2-Acetamido)iminodiessigsäure (ADA) und Jodacetamid als spezifische Chelatreagenzien hat auch gezeigt, daß menschliche Blutplättchen für eine ausgedehnte Zeitspanne ohne Aggregation oder Verlust ihrer Unversehrtheit stabilisiert werden können. Jodacetamid allein gleicht diese Faktoren nicht aus. Auch sind die Puffereigenschaften für die Suspendierung in blutplättchenreichem Plasma nicht ausreichend.

Die Kombination von Iminodiessigsäuresalzen, insbesondere ADA, mit Jodacetamid erhöht die Stabilität, beseitigt die Aggregation und erhöht die Wirkung der antikoagulierenden Eigenschaften des ADA. Die Puffereigenschaften des ADA sind für menschliche Blutplättchen ideal. Etwa 0,5 Gramm bis etwa 2,0 Gramm Jodacetamid werden pro Liter Stabilisierungslösung zugesetzt.

Geeignete Iminodiessigsäureverbindungen sind: N-(2-Acetamido)iminodiessigsäure (ADA), Natrium-ADA, Kalium-ADA, Lithium-ADA, Tris-ADA oder Imidazol-ADA. Etwa 0,5 bis 2,0 Gramm ADA oder das Äquivalentgewicht von dessen Salz wird pro Liter wäßrige Blutplättchensuspension, beispielsweise einem blutplättchenreichem Plasma, zugesetzt.

Das verträgliche bakteriostatische Mittel umfaßt Natriumpenicillin G, Kaliumpenicillin G, Procainpenicillin G, Kaliumpenicillin V, Ampicillin und Carbenicillin

Bevorzugte Formulierung

1. Jodacetamid 1,0 g

2. N-(2-Acetamido)iminodiessigsäure (ADA) 1,0 g

3. Natriumchlorid 9,4166 g

4. Natriumpenicillin 0,155 g

aufgefüllt auf einen Liter mit

destilliertem Wasser

Osmolalität = 310; pH eingestellt

auf 7,0±0,1 mit NaOH.

Bei der vorstehenden Formulierung ist es wünschenswert, Äthylendiamintetraessigsäure (EDTA) oder dessen Salze als möglichen Bestandteil zuzusetzen, um als Chelatreagenz für zweiwertige Ionen zu wirken. Etwa 0,5 Gramm bis etwa 2,0 Gramm EDTA oder das Äquivalentgewicht dessen Salzes werden pro Liter wäßrige Blutplättchensuspension zugesetzt.

Herstellungsverfahren

  • 1. Etwa 500 ml destilliertes Wasser werden in einen 1-Liter-Kolben gegeben.
  • 2. 1 Gramm ADA wird zugesetzt und aufgelöst.
  • 3. Wenn die Formulierung Dinatrium-EDTA umfaßt, wird 1 Gramm zugegeben und aufgelöst.
  • 4. 1 Gramm Jodacetamid wird zugegeben und aufgelöst.
  • 5. 9,4166 Gramm Natriumchlorid werden zugegeben und aufgelöst.
  • 6. 0,155 Gramm Natriumpenicillin werden zugegeben und aufgelöst.
  • 7. Mit destilliertem Wasser wird auf einen Liter aufgefüllt.
  • 8. Mit Natriumhydroxid wird der pH auf 7,0±0,5 eingestellt, und die Osmolalität mit Natriumchlorid auf 330±30.
  • 9. Durch einen 0,22-Mikron-Filter wird in sterile Beutel filtriert.
  • 10. Es erfolgt eine Aufbewahrung bei Raumtemperatur bis zu sechs Monaten.


In der US-PS 41 16 635 werden die antikoagulierenden Eigenschaften sowohl von EDTA wie von ADA unter Verwendung von Gesamtblut beschrieben, wobei die in Tabelle I dieser Patentschrift angegebenen Ergebnisse genannt werden. Log K&min;, die bedingte Stabilitätskonstante bei pH 7,5 betrug 7,9 für EDTA und lediglich 4,0 für ADA. Nach einem Verfahren zur Prüfung einer Blutprobe bezüglich der Koagulation und anderer Faktoren gemäß dem Anspruch 1 dieser Patentschrift wies das gewählte Antikoagulanz einen Log K&min; von 3,4 bis etwa 4,2 auf, schloß also ADA ein, jedoch EDTA aus.

Es ist überraschend, daß erfindungsgemäß die besseren Ergebnisse erzielt werden, wenn sowohl ADA wie EDTA in etwa gleichen Mengen in der Formulierung verwendet werden. Die Menge des EDTA, das der wäßrigen Formulierung der Blutplättchen zugegeben wird, beträgt etwa 0,5 Gramm bis etwa 2 Gramm je Liter.

Die nachstehenden Beispiele erläutern das erfindungsgemäße Verfahren zur Stabilisierung der Blutplättchen.

Stabilität eines blutplättchenreichen Plasmas ohne Behandlung mit einer stabilisierenden Lösung


Die vorstehenden Ergebnisse wurden erhalten, wenn eine stabilisierende Lösung bei 2 bis 8°C aufbewahrt und eine Bestimmung mit einem Standard Coulter Counter Model S-Plus Gerät erfolgte.

Das Signal/Untergrund-Verhältnis nahm mit der Zeit ab, d. h. der Untergrund erhöhte sich gegenüber dem Signal. Alle Parameter zeigten Veränderungen mit der Zeit. Nach 7 Tagen zeigte sich ein vollständiger Zellzerfall, der zu einer ungeeigneten Form der Verteilungsanalysen-Aufzeichnung führte. Die Blutplättchenzählung, das mittlere Blutplättchenvolumen (MPV) und die Größenverteilung konnten mit diesem Gerät nicht bestimmt werden.

Repräsentative Proben von glutaraldehydfixierten Blutplättchen in einer phosphatgepufferten salzhaltigen Lösung zeigten ebenfalls eine Abnahme des mittleren Blutplättchenvolumens nach einer bestimmten Zeit. Die gegenwärtig hergestellten klinischen hämatologischen Geräte können eine Verschiebung nach links (Abnahme) von der mittleren Blutplättchengrößenverteilung nicht aufnehmen. Diese Verschiebung führt zu einer ungeeigneten Bedingung.

Eine zu große Menge an Bruchstücken führt zu ungeeigneten Größenverteilungskurven.

Repräsentative Proben nach der Behandlung von Blutplättchen mit einer stabilisierenden Lösung mit der bevorzugten Formulierung



Die vorstehenden Ergebnisse wurden erhalten, wenn bei 2 bis 8°C aufbewahrt und mit einem Standard Coulter Counter Model S-Plus Gerät bestimmt wurde. Diese Ergebnisse zeigen, daß eine signifikante Änderung bei irgendeinem Parameter nach 180 Tagen auftritt. Es liegt eine hervorragende Stabilität in bezug auf sämtliche kritischen Parameter vor, die für Qualitätskontrollanwendungen, die mit elektronischen Vorrichtungen gemessen werden, notwendig sind.

Die Signal/Untergrund-Verhältnisse müssen maximiert werden, damit die Bedienungsperson sicher ist, daß das Instrument sich entsprechend den Daten des Herstellers verhält. Ein zu starker Untergrund ist ein stets vorhandenes Problem, aufgrund der Blutplättchenzerfallsprodukte und des Zellzerfalls während der Lebensdauer dieser Produkte. Bei diesen Proben zeigte das Signal/Untergrund-Verhältnis keine Abnahme, wodurch das Gerät nicht mehr in der Lage wäre, die Parameter bei Qualitätskontrollmessungen exakt zu messen. Verminderte Signal/Untergrund-Verhältnisse können bei elektronischen Teilchen-Größenbestimmungsgeräten nicht akzeptiert werden, insbesondere bei niedrigen Grenzwerten, bei denen die Blutplättchen gezählt und ihre Teilchenverteilung bestimmt wird.

Statistische Daten dokumentieren die Verwendung der vorstehend angegebenen stabilisierten menschlichen Blutplättchen in Gesamtblutkontrollpräparaten nach 100 Tagen in mehreren klinischen hämatologischen Laboratorien.

Durch die Vorbehandlung menschlicher Blutplättchen mit der erfindungsgemäßen stabilisierenden Lösung können die Zellen erneut in menschlichen oder tierischen roten Blutkörperchenpräparaten als Kontrolle zur Überwachung elektronischer Geräte suspendiert werden. Auch ist es möglich, menschliche Blutplättchen für in vitro- therapeutische Anwendungen zu stabilisieren.

Zur Vorbehandlung der Blutplättchen werden etwa 50 bis 100 ml des stabilisierenden Verdünnungsmittels direkt zu einer 200±50-g-Menge eines blutplättchenreichen Plasmas (PRP) gegeben und gut vermischt. Das stabilisierte PRP kann dann bei Raumtemperatur 7 Tage stehen gelassen werden vor dem Zentrifugieren zur Erzeugung eines Blutplättchenkonzentrats. Statt dessen kann das PRP durch die Zugabe des stabilisierenden Verdünnungsmittels bei 4 bis 6°C bis zu 3 Monaten aufbewahrt werden, bevor eine Weiterverarbeitung durch Zentrifugieren erfolgt, um das Blutplättchenkonzentrat zu erhalten.

PRP wird bei etwa 3800 U/min 5 Minuten lang (gekühlte Zentrifuge) zentrifugiert und der Überstand wird abgedrückt und verworfen. Eine phosphatgepufferte salzhaltige Lösung mit einem pH von 7,0 bis 7,2 und 320 mOs/kg wird unter Rühren zugegeben und der Waschschritt wird ein zweites Mal wiederholt. Die Blutplättchen werden nach dem zweiten Waschgang konzentriert und zu einem einzigen hochkonzentrierten Vorrat zusammengefaßt.

Das Blutplättchenkonzentrat wird dann erneut in dem Verdünnungsmittel in der gewünschten Konzentration suspendiert, wobei dieses Präparat zu den stabilisierten Erythrozyten zugegeben wird, um als eine Gesamtblutkontrolle eingesetzt zu werden. Das Endpräparat wird bei 2 bis 8°C bis zu 6 Monaten aufbewahrt.

Dieses Verdünnungsmittel stabilisiert ein blutplättchenreiches Plasma mit Erfolg, das unter Verwendung von herkömmlich hergestellten Antikoagulanzien erhalten worden ist, wie CPD (Citrat-phosphat-dextrose), ACD (Säure- citratdextrose) und EDTA (Äthylendiamintetraessigsäure).

Die stabilisierten Blutplättchen können in einzelnen Blutplättchenkontrollen Verwendung finden, desgleichen in Gesamtblutvergleichskontrollen, um gute Qualitätskontrollverfahren sicherzustellen und mehrfache Blutplättchenparameter zu überwachen, einschließlich (1) der Zählung, (2) der mittleren Teilchenverteilung, (3) dem mittleren Blutplättchenvolumen und (4) dem Signal/Untergrund- Verhältnis (Zerfallsprodukte).

Es ist bekannt, daß stabilisierte Blutzellenpräparate, die sich zur Überprüfung der Genauigkeit automatischer Zählgeräte für Blutbestandteile eignen, in einem gewissen Ausmaß akzeptierbaren Veränderungen unterliegen. Derartige Präparate werden kurz auf Seite 14 des Buchs "Hematology" von Williams, Beutler, Erslev und Rundles, McGraw-Hill, Inc. (1972) erörtert.

In der Hämatologie wird ein Unterschied zwischen der Bezeichnung "Eichung" und "Vergleichskontrolle" gemacht. Eichungen sind Blutzellenpräparate, die verwendet werden, um das automatische Gerät im Hinblick auf bestimmte wesentliche Zahlen einzustellen, wobei sie lediglich einmal verwendet werden. Vergleichskontrollen sind Blutzellenpräparate, die von Zeit zu Zeit verwendet werden, um die kontinuierliche Genauigkeit eines automatischen Geräts zu überprüfen, das vorher "geeicht" worden ist, mit dem Blutzelleneichpräparat.

Ein Vorteil der Erfindung besteht darin, daß Blutplättchen, die nach dem hier beschriebenen Verfahren ohne die Verwendung von Aldehyden als Fixiermitteln stabilisiert worden sind, um Vergleichskontrollen zu erhalten, die 60 Tage und mehr stabil sind, dann einer zweiten Stabilisierungsbehandlung nach anderen Verfahren unterworfen werden können, einschließlich Verfahren, bei denen Aldehyde und/oder oberflächenaktive Mittel eingesetzt werden, um Blutplättchenpräparate zu erhalten, die eine verbesserte Stabilität über einen langen Zeitraum aufweisen, insbesondere für bestimmte Zwecke. Solche Präparate sind insbesondere für Eichzusammensetzungen geeignet.

Die Blutplättchen, die nach einer bevorzugten erfindungsgemäßen Formulierung stabilisiert sind, können beispielsweise dann mit einem Fixiermittel-Stabilisier-Medium behandelt werden, das folgende Formulierung aufweist:

NaH&sub2;PO&sub4; · H&sub2;O 0,196 g

Na&sub2;HPO&sub4; · 7 H&sub2;O 9,980 g

NaN&sub3; 0,098 g

NaCl 7,9 g

Glutaraldehyd, 49% 8,4 g

Tergitol 15-S-12 0,5 g

Wasser (gefüllt) 1 l

Der pH wird mit Phosphat auf 7,3 bis 7,4 eingestellt, und die

Osmolalität auf 290 mOs/kg mit NaCl.

Tergitol 15-S-12 ist ein Gemisch aus Äthoxylaten isomerer linearer Alkohole, die in der US-PS 39 12 450 (1975) und der US-PS 39 68 248 (1976) beschrieben werden. Das Gemisch weist folgende Formel auf:



worin die Polyoxyäthylenkette zufallsverteilt an die lineare aliphatische Kette gebunden und n = 9 bis 13 und x = 9 bis 13 ist.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zur Stabilisierung von in einer Suspensionsflüssigkeit suspendierten Blutplättchen, dadurch gekennzeichnet, daß eine stabilisierende Lösung zugegeben wird, die umfaßt eine wäßrige Lösung von (a) Jodacetamid, (b) einer Iminodiessigsäure und (c) einem verträglichen bakteriostatischen Mittel, wobei die Lösung in einem vorgegebenen pH- und Osmolalitätsbereich unter Verwendung eines Alkalimetallhydroxids und eines Alkalimetallchlorids gehalten wird.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Blutplättchen mit der stabilisierenden Lösung eine geeignete Zeit lang bei einer geeigneten Temperatur stehen gelassen werden und dann von der stabilisierenden Lösung getrennt werden und daß dann zu den Blutplättchen eine geeignete Menge Glutaraldehyd und eines nichtionischen oberflächenaktiven Mittels gegeben wird, wobei letzteres ein Gemisch aus Äthoxylaten isomerer linearer Alkohole mit der Formel



    ist, worin die Polyoxylenkette zufallsverteilt an die lineare aliphatische Kette gebunden und n = 9 bis 13, x = 9 bis 13 ist, wobei die Zusammensetzung auf einen vorbestimmten pH- und Osmolalitätsbereich eingestellt wird.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß Äthylendiamintetraessigsäure sowie deren Natrium- oder Kaliumsalze als zusätzlicher Bestandteil der stabilisierenden Lösung vorliegen.
  4. 4. Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Iminodiessigsäure N-(2-Acetamido)-iminodiessigsäure ist.
  5. 5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Iminodiessigsäure in einer Konzentration von 0,5 g bis 2,0 g pro Liter vorliegt.
  6. 6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das bakteriostatische Mittel der Penicillingruppe angehört, einschließlich Penicillin G, Kaliumpenicillin G, Procainpenicillin G, Kaliumpenicillin V, Ampicillin und Carbenicillin.
  7. 7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die stabilisierende Lösung zu einem blutplättchenreichen Plasma gegeben wird.
  8. 8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Jodacetamid in einer Konzentration von 0,5 g bis 2,0 g pro Liter vorliegt.
  9. 9. Stabilisierende Lösung zur Verwendung im Verfahren nach Anspruch 1 bis 8, gekennzeichnet durch eine wäßrige Lösung von (a) Jodacetamid, (b) einer Iminodiessigsäure und (c) einem verträglichen bakteriostatischen Mittel, wobei die Lösung in einem vorgegebenen pH- und Osmolalitätsbereich unter Verwendung eines Alkalimetallhydroxids und eines Alkalimetallchlorids gehalten wird.
  10. 10. Hämatologisches Vergleichskontrollmedium zur Bestimmung mehrfacher Blutplättchenparameter mit einer elektronischen Vorrichtung, gekennzeichnet durch eine Suspension von Blutplättchen, die nach dem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 und 3 bis 8 stabilisiert sind.
  11. 11. Hämatologisches Vergleichskontrollmedium nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß es neben den Blutplättchen auch rote Blutkörperchen enthält.






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