PatentDe  


Dokumentenidentifikation DE3616594A1 19.11.1987
Titel Backmittel für Brötchenteige
Anmelder Jodlbauer, Heinz D., Dr., 1000 Berlin, DE;
Kampffmeyer Mühlen GmbH, 2102 Hamburg, DE;
Vereinigte Kunstmühlen AG, 8300 Ergolding, DE;
A. Nattermann & Cie GmbH, 5000 Köln, DE
Erfinder Jodlbauer, Heinz D., Dr., 1000 Berlin, DE
Vertreter Hauck, H., Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing., 8000 München; Schmitz, W., Dipl.-Phys.; Graalfs, E., Dipl.-Ing., 2000 Hamburg; Wehnert, W., Dipl.-Ing., 8000 München; Döring, W., Dipl.-Wirtsch.-Ing. Dr.-Ing., Pat.-Anw., 4000 Düsseldorf
DE-Anmeldedatum 16.05.1986
DE-Aktenzeichen 3616594
Offenlegungstag 19.11.1987
Veröffentlichungstag im Patentblatt 19.11.1987
IPC-Hauptklasse A21D 2/30

Beschreibung[de]

Die Erfindung ist auf ein Backmittel für Brötchenteige und Verfahren zur Herstellung solcher Backmittel gerichtet.

Brötchenteige werden mit Hefe getrieben und aus Mehl hergestellt, das ganz oder zum größten Teil Weizenmehl ist. Weizenmehl enthält Phospholipide, die während der Teigbereitung eine wichtige Rolle spielen, indem sie z.B. die Verkleisterung der Stärke begünstigen. Nachdem man festgestellt hatte, daß die Phospholipide des Weizens auch in Lecithin enthalten sind, hat man den Teigen Rohlecithin zugesetzt und damit eine Verbesserung der Backeigenschaften der fertigen Brötchen erzielt.

Beim Übergang von der Handverarbeitung auf die maschinelle Verarbeitung ergaben sich viele Probleme bei der Herstellung des Teiges. Erst durch Zusatz von Lipiden als Emulgatoren konnte man die Knettoleranz von Teigen erhöhen.

Untersucht man die Zusammensetzung der natürlicherseits im Weizenmehl vorkommenden Lipide, so findet man eine Reihe von Lipidkomponenten, die sich im Rohlecithin wiederfinden, wie z.B. Lysophosphatidylcholin, Phosphatidylcholin, N-Acylphosphatidylethanolamine, Phosphatidylinosid, Phosphatidsäure, Lysophosphatidsäure, Phosphatidylglycerol, Lysophosphatidylethanolamin, Lysophosphatidylglycerol, Diglyceride, Monoglyceride, Triglyceride, Stearine usw. Diese Weizenlipide spielen während der Teigbearbeitung eine nicht unerhebliche Rolle, diese Rolle kann sehr deutlich durch Zusatz von Lecithin bzw. synthetischen Emulgatoren verstärkt werden. Dabei können einzelne Komponenten wie auch das Verhältnis der einzelnen Phospholipide im Lecithin stören (L. Wassermann, Fette Seifen Anstrichmittel 1983, 85, 20; Y. Pomeranz, Food Techol 1970, 24, 928).

Die Wirkungsweise von Emulgatoren aus Lipiden, wie z.B. Lecithin in Form des sogenannten Rohlecithins, welches aus tierischen und pflanzlichen Materialien wie Eiern, Ölsaaten und Ölfrüchten wie z.B. Kokosnuß-Kopra, Palmkerne, Erdnüsse, Raps, Sonnenblumenkerne, Sojabohnen, Ölpalmen und Oliven, gewonnen wird (J. Eichberg, Kirk-Othmer, Encyclopedia of Chemical Technology Vol. 14 Seite 250- 269), in Teigen und Backmassen ist eingehend untersucht worden (H.D. Jodlbauer ZLR 1977 (1) 33-45; Y. Pomeranz, cereal Chem. 1970, 47, 435 ff; Y. Pomeranz, Food Technol. 1970, 24, 928 ff; I.B.M. Coppock, J. Sci. Food Agr. 1954, 5, 19 ff; DE-PS 11 83 452; J. Pomeranz in B.F. Szuhaj and G.R. List "Lecithins&min; AOCS 1985).

Bereits in den vierziger Jahren wurde Lecithin in Mengen von 0,1 bis 0,5%, auf Mehl gerechnet, beim Brotbacken verwendet (L. Wassermann, Fette Seifen Anstrichmittel 1983, 85, 120 ff; DE-PS 7 19 268; W. Schäfer, Bäckerei Techn. 1972, 73 ff). Dabei machte sich die verbesserte Teigkonsistenz bei der Verarbeitung der Teige über Maschinen bemerkbar. Das eingesetzte handelsübliche Lecithin hat pastöse bis flüssige Konsistenz. Zur besseren Handhabung in der Bäckerei wird Lecithin auf mehlartige Bestandteile aufgezogen. Durch die schwankende Qualität und Zusammensetzung, bedingt durch die verschiedene Herkunft der eingesetzten Lecithine, ist jedoch nicht immer ein guter Backerfolg gewährleistet, so daß man verstärkt auf synthetische Emulgatoren überging.

Erst der Einsatz von synthetischen Emulgatoren, allein oder im Gemisch mit Lecithin, erlaubte Backwaren maschinell so herzustellen, daß Schwankungen in den Eigenschaften der Gebäcke kaum auftraten. Bevorzugte Emulgatoren sind Mono- und Diglyceride von Diacetylweinsäure oder Mono- und Diglyceride verestert mit Genußsäuren, wie Zitronensäure und Milchsäure sowie sonstige Emulgatoren, wie beispielsweise Polyglycerinester, teilweise oder vollständig verestert mit Fettsäuren.

Mit den synthetischen Emulgatoren werden immer gleich gute Eigenschaften erhalten. In jüngster Zeit geht jedoch das Bestreben dahin, Nahrungsmittel auf den Markt zu bringen, die frei von synthetischen Stoffen sind.

Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Backmittel für Brötchenteige zu schaffen, das als Emulgator ein Naturprodukt enthält, welches die bisherigen Nachteile der Lecithinemulgatoren überwindet, das zu reproduzierbaren verbesserten Eigenschaften hinsichtlich des Backverhaltens und der Brötchen führt.

Die Aufgabe wird durch ein Backmittel gelöst, das als alleinigen Emulgator eine gereinigte entölte Phospholipidfraktion enthält, bei der der Anteil von Phosphatidylcholin zu Phosphatidylethanolamin größer als 1 ist.

Die Phospholipidfraktion wirkt als Emulgator. Als solcher ermöglicht die Fraktion die Bildung einer Fett/Wasser- Emulsion, so daß das Fett besser verteilt und die Wasseraufnahmefähigkeit des Teiges erhöht werden kann, was wiederum zu einer Verbesserung der Teigstruktur führt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Emulgatoren, wie Diacetylweinsäureester, die das Wachstum der Hefe aktivieren, bis sich ein Gleichgewicht eingestellt hat, verändert die Phospholipidfraktion die Teigstruktur durch Veränderung der Viskosität und damit ist die Möglichkeit gegeben, daß der Teig das gleiche Volumen erreicht wie mit einem synthetischen Emulgator. Die einzelnen in der Fraktion enthaltenen Phospholipide wirken auf die Bestandteile des Mehls, wie Proteine, Stärke und Schleimstoffe ein, was viele Eigenschaftsverbesserungen bringt. So wird die Krume des fertigen Teiges weicher, das Volumen größer, die Poren feiner und die Porenwände dünner. Auch der Gärvorgang des Teiges wird beeinflußt, so daß eine Gärunterbrechung möglich wird. Die fertige Backware läßt sich besser aus der Form herausnehmen und die Frischhaltezeit wird verlängert. Worauf zurückzuführen ist, daß mit einer Phospholipidfraktion, bei der der Anteil an Phosphatidylcholin zu Phosphatidylethanolamin größer als 1 ist, eine besonders gute Eigenschaftsverbesserung erhalten wird, ist bisher nicht geklärt.

Bevorzugt werden Phospholipidfraktionen, die 75-95 Gew.-% Phospholipide und 5-25 Gew.-% Sterine, Steringlykoside, Zucker und/oder Mo-, Di- oder Triglyceride enthalten, wobei das Verhältnis von Phosphatidylcholin zu Phosphatidylethanolamin 1,1 : 1 bis 10 : 1 beträgt.

Bevorzugt sind Phospholipidfraktionen, die 23 bis 80 Gew.-% Phosphatidylcholin, 5 bis 35 Gew.-% Phosphatidylethanolamin und als weitere Phospholipide Lysophosphatidylcholin, Lysophosphatidylethanolamin, Lysophosphatidylinositol, Phosphatidylinositol, Phosphatidsäure, Lysophosphatidsäure, Phosphatidylglycerol, Lysophosphatidylglycerol, N-Acylphosphatidylethanolamin oder Lysophosphatidylglycerol enthalten.

Besonders bevorzugt sind Phospholipidfraktionen, die

23-80 Gew.-% Phosphatidylcholin

5-35 Gew.-% Phosphatidylethanolamin

3-15 Gew.-% N-Acylphosphatidylethanolamin

5-25 Gew.-% sonstige Phospholipide,

Sterine, Steringlykoside,

Zucker, Triglyceride

wobei der Triglyceridgehalt

maximal 5% beträgt



enthalten.

Die Phospholipidfraktionen können nach an sich bekannten Verfahren gemäß DE-OS 30 47 048, DE-OS 30 47 012 und DE- OS 30 47 011 aus Sojabohnen, Raps, Sonnenblumenkernen und anderen Ölsaaten und Ölfrüchten, bevorzugt jedoch aus Sojabohnen, gewonnen werden.

Bevorzugt werden die Phospholipidfraktionen gewonnen, indem man Rohlecithin (z.B. Sojarohlecithin) bei ca. 75°C mit Ethanol extrahiert. Die ethanollöslichen Bestandteile werden von den unlöslichen Bestandteilen abgetrennt und nach Sedimentation bei erniedrigter Temperatur gemäß EP 00 54 770 einer Säulenchromatographie über Kieselgel unterzogen.

Durch Variation der Extraktions- und Säulenchromatographiebedingungen kann das Verhältnis von Phosphatidylcholin zu Phosphatidylethanolamin je nach Bedarf insbes. von 2:1 bis 10:1 eingestellt werden.

Die Phospholipidfraktion liegt allgemein in einer Menge im Bereich von 0,05 bis 25% in dem Backmittel vor, vorzugsweise in einer Menge von 0,2 bis 7,5%.

Das erfindungsgemäße Backmittel hat eine hohe Lagerstabilität. Wenn man es mit einem Fett, das frei von Lipase und Lipoxigenase ist und einem Zuckergehalt von mindestens 40% herstellt, so ist es garantiert mindestens 1 Jahr haltbar.

Es wird nun auf Verfahren zur Herstellung des vorstehend beschriebenen Backmittels eingegangen. Das Backmittel für Brötchenteige kann nach bekannten Verfahren und den Verfahren hergestellt werden, die in der schon erwähnten Patentanmeldung "Backmittel für Hefeteige" (Aktenzeichen P, Anwaltsakte 33 364) offenbart sind.

Die Erfindung wird nun noch anhand eines Beispieles näher erläutert.

Beispiel

Es wurde ein pastenförmiges Backmittel nachstehender Zusammensetzung hergestellt:

tierische und pflanzliche Fette 300 kg

Zucker 280 kg

Glucose 197,6 kg

Ascorbinsäure 1,3 kg

Malzmehl enzymhaltig 1,1 kg

Phospholipidfraktion 220 kg



Die Phospholipidfraktion hatte die nachstehende Zusammensetzung:

Phosphatidylcholin 32-33%

Phosphatidylethanolamin 12-13%

N-Acyl-phosphatidyl-ethanolamin

(N-Acyl-PE) 6- 8%

Sonstige Phospholipide, Sterine,

Steringlykoside, Zucker und

Triglyceride 35-38%

Säurezahl (SZ) 24



PC : PE = 1 : 0,4

Die Phospholipidfraktion wurde mit dem geschmolzenen Fett vermischt und bei 60°C mit den übrigen Komponenten vereinigt und durch ständiges Umpumpen homogenisiert und langsam abgekühlt.

Es wurde ein Brötchenteig nachstehender Zusammensetzung hergestellt:

200 g Mehl, Type 550,

1220 g (ml) Wasser,

100 g Hefe,

40 g Salz.

In diesen Brötchenteig wurden 60 g des vorstehend beschriebenen Backmittels in einem Spiralkneter 6 Minuten lang eingeknetet. Teigruhezeit 5 + 15 Minuten, Teigausbeute 161, Teigeinlage 1600 g, Gärzeit 40 Minuten, Teigtemperatur 26°C, Ofentemperatur 240°C, Backzeit 20 Minuten.

Backergebnis:


Anspruch[de]
  1. 1. Backmittel für Brötchenteige, das eine Fettkomponente und/oder Mehl, Zucker sowie Phospholipide und gegebenenfalls weitere übliche Zusatzstoffe enthält, dadurch gekennzeichnet, daß es als Phospholipid eine Fraktion enthält, bei der der Anteil von Phosphatidylcholin zu Phosphatidylethanolamin größer als 1 ist.
  2. 2. Backmittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es als Phospholipid eine Fraktion enthält, bei der der Anteil von Phosphatidylcholin zu Phosphatidylethanolamin 1,1:1 bis 10:1 beträgt.
  3. 3. Backmittel nach einem der Ansprüche 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Phospholipidfraktion 75- 95 Gew.-% Phospholipide und 5-25 Gew.-% Sterine, Steringlykoside, Zucker und/oder Mono-, Di- oder Triglyceride enthält.
  4. 4. Backmittel nach einem der Ansprüche 1-3, dadurch gekennzeichnet, daß die Phospholipidfraktion 23 bis 80 Gew.-% Phosphatidylcholin, 5 bis 35 Gew.-% Phosphatidylethanolamin, als weitere Phospholipide Lysophosphatidylcholin, Lysophosphatidylethanolamin, Lysophosphatidylinositol, Phosphatidylinositol, Phosphatidsäure, Lysophosphatidsäure, Phosphatidylglycerol, Lysophosphatidylglycerol, N-Acylphosphatidylethanolamin, Lyso-N-acylphosphatidylethanolamin sowie ggf. Sterine, Steringlykoside, Zucker und/oder Mo-, Di- oder Triglyceride enthält.
  5. 5. Backmittel nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Phospholipidfraktion

    23-80 Gew.-% Phosphatidylcholin

    5-35 Gew.-% Phosphatidylethanolamin

    3-15 Gew.-% N-Acylphosphatidylethanolamin

    5-25 Gew.-% sonstige Phospholipide,

    Sterine, Steringlykoside,

    Zucker, Triglyceride



    enthalten.
  6. 6. Backmittel nach einem der Ansprüche 1-5, dadurch gekennzeichnet, daß die Phospholipidfraktion < 5 Gew.-% Triglyceride enthält.
  7. 7. Backmittel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß es die Phospholipidfraktion in einer Menge von 0,05 bis 25 Gew.-% enthält.
  8. 8. Backmittel nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß es die Phospholipidfraktion in einer Menge von 0,2 bis 7,5 Gew.-% enthält.
  9. 9. Verwendung des Backmittels nach einem der Ansprüche 1 bis 8 in Brötchenteigen in einer Menge von 0,5% bis 25% bezogen auf die Menge eingesetzten Mehls.
  10. 10. Verwendung nach Anspruch 9, gekennzeichnet durch 0,2 bis 7,5% Backmittel, bezogen auf die Menge eingesetzten Mehls.






IPC
A Täglicher Lebensbedarf
B Arbeitsverfahren; Transportieren
C Chemie; Hüttenwesen
D Textilien; Papier
E Bauwesen; Erdbohren; Bergbau
F Maschinenbau; Beleuchtung; Heizung; Waffen; Sprengen
G Physik
H Elektrotechnik

Anmelder
Datum

Patentrecherche

Patent Zeichnungen (PDF)

Copyright © 2008 Patent-De Alle Rechte vorbehalten. eMail: info@patent-de.com