PatentDe  


Dokumentenidentifikation DE3017151C2 10.03.1988
Titel Menschliches Blut-Plättchen-Analogen für den Gebrauch als hämatologische Bezugs- und Vergleichszusammensetzung und Verfahren zu seiner Herstellung
Anmelder Coulter Electronics, Inc., Hialeah, Fla., US
Erfinder Chastain jun., David Lee, Ft.Lauderdale, Fla., US;
Crews, Harold Richardson, Miami, Fla., US;
Ledis, Stephen Lawrence, Hialeah, Fla., US
Vertreter Eder, E., Dipl.-Ing.; Schieschke, K., Dipl.-Ing., Pat.-Anwälte, 8000 München
DE-Anmeldedatum 05.05.1980
DE-Aktenzeichen 3017151
Offenlegungstag 27.11.1980
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 10.03.1988
Veröffentlichungstag im Patentblatt 10.03.1988
IPC-Hauptklasse G01N 33/96

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein menschliches Blut-Plättchen- Analogon für den Gebrauch als hämatologische Bezugs- und Vergleichszusammensetzung sowie ein Verfahren zur Herstellung derselben.

Derzeit werden hämatologische Voll-Blut-Vergleichszusammensetzungen aus stabilisierten menschlichen Erythrozyten, aus konservierten menschlichen Erythrozyten als Leukozytenanalogons und aus stabilisierten menschlichen Plättchen hergestellt. Menschliche Blutplättchen (Thrombozyten) sind runde oder ovale Scheiben von etwa einem Drittel bis zur Hälfte des Durchmessers der Erythrozyten (roten Blutkörperchen), wie sie im menschlichen Blut gefunden werden. Sie enthalten kein Hämoglobin (roten Blutfarbstoff) und sind normalerweise zwischen 150 000 bis 350 000 in je 1 mm³ im normalen menschlichen Blut enthalten.

Derzeit erhältliche Bezugs- und Vergleichszusammensetzungen für die Überprüfung der charakteristischen Eigenschaften von Teilchen-Analysiergeräten zur Bestimmung der Plättchenparameter weisen eine Reihe von Nachteilen auf. Diese liegen begründet in der begrenzten Verfügbarkeit oder den hohen Kosten von menschlichen Blutplättchen und der Schwierigkeit einer nur geringen Stabilität und/oder den umständlichen Methoden im Gebrauch insbesondere für automatisch arbeitende Teilchenzählgeräte. Kommerzielle Erfahrung hat klar gezeigt, daß der Gebrauch menschlicher Plättchen betroffen ist von den schwerwiegenden Herstellungskosten, was eine Belastung darstellt für die Anwendung von menschlichen Blutreserven für "in vitro"-Diagnostik- Produkte und was seinerseits im Gegensatz steht zu dem Bedarf der Entwicklung eines freiwilligen Blutspenderprogramms.

Ein für Kontrollen benutztes Produkt muß genau auf einer vergleichenden Basis anzeigen, was eine Testprobe von Blut bei einer speziellen Bestimmung darstellt. Weiterhin ist es offensichtlich, wie wichtig es für die zur Steuerung benutzten Produkte ist, Blut zu simulieren, welches in gewöhnlich benutzten Antikoagulantien gesammelt wird. Wenn beispielsweise das für den Vergleich benutzte Produkt Zellen enthält, welche in den Abmessungen größer sind, dann wird das experimentell gewonnene Resultat bei vielen Arten von automatischen Meßeinrichtungen ungenau, wenn nicht sogar völlig unbrauchbar, weil ohne Aussagekraft.

Jegliches System für die automatische Zählung von Plättchen, welches menschliche Plättchen von anderen Zellen im Blut auf der Basis des charakteristischen Größenbereichs und der Volumenverteilung unterscheidet, macht es erforderlich, daß das hierfür benutzte Bezugs- und Vergleichsmaterial so nahe wie möglich den Größenbereich und die Volumenverteilungs-Charakteristik von Plättchen in normalem menschlichen Blut simuliert. Eine Vergleichskontrolle, welche nur mit Plättchen oder simulierten Plättchen arbeitet, welche eine enge Größenverteilung haben, würde nicht brauchbar sein, um zu bestimmen, ob die Größenverteilungs- Grenzen, zwischen denen das Instrument "Plättchen" zählte, korrekt gesetzt worden sind oder nicht. Beide, und zwar die obere und die untere Größen-Grenze der Plättchen muß in dem zum Vergleich benutzten Bezugsmaterial vertreten sein. Weiterhin sollte das mittlere Plättchenvolumen des zum Vergleich benutzten Materials möglichst nahe bei dem der normalen menschlichen Plättchen liegen. Wenn die oberen und die unteren Grenzen für die Größe und das mittlere Plättchenvolumen auf diese Art und Weise bestimmt sind, wird es eine tatsächliche Notwendigkeit für das Volumen-Verteilungs- Histogramm des Plättchenmaterials die loagrithmische Normal-Verteilung frischen menschlichen Blutes möglichst genau anzunähern.

Ein Vergleich der Volumenverteilung eines Histogramms der Plättchen in frischem menschlichen Blut mit dem Histogramm der Volumenverteilung eines typischen kommerziellen, aus menschlichen Plättchen hergestellten Vergleichsmaterials zeigt, daß der Modenverteilungspunkt der Verteilung der kommerziellen Plättchen-Vergleichs-Suspension signifikant niedriger liegt als der der Plättchen im frischen Blut. Zusätzlich ist das Ende im Bereich der niedrigen Volumenwerte des Histogramms für das Vergleichsmaterial niedriger als das, welches bei den frischen Plättchen gefunden wird. Dies scheint anzudeuten, daß der gegenwärtig bei der Herstellung der Vergleichssuspension benutzte Herstellungsprozeß einen signifikanten Schwund der Plättchen bewirkt hat.

Andere kommerzielle Plättchen-Vergleichs-Präparate leiden darunter, daß altersabhängig eine Verschlechterung der Volumenverteilung in der Charakteristik des Histogramms eintritt und auch eine Verschlechterung anderer Parameter gegeben ist. Auf diese Weise kann die Brauchbarkeit einer gegebenen Anzahl von Vergleichszusammensetzungen oder auch von echtem Blut, welches Plättchen enthält, durch den Mangel an Stabilität der zugehörigen Werte eingeschränkt sein.

Es scheint eine Unvereinbarkeit vorhanden zu sein zwischen der Notwendigkeit, die Vergleichsplättchen für die Erzielung einer guten Haltbarkeit zu stabilisieren und der Erhaltung des Größenbereiches, des mittleren Volumens und der logarithmisch-normalen Größenverteilung im Histogramm, welche charakteristisch sind für eine normale Plättchenverteilung. Die Lösung für dieses Problem lieg nicht in der Richtung, eine noch effektivere Art der Stabilisierung von "echten" (menschlichen) Plättchen zu finden, sondern darin, ein Surrogat zu schaffen, welches die Anforderungen erfüllt, welche an dieses Produkt gestellt werden. Tierische Plättchen sind im allgemeinen nicht brauchbar, weil sie in nur geringer Zahl auftreten und auch dazu neigen zusammenzuklumpen.

Mit dem steigenden Gebrauch von automatisch arbeitenden Vorrichtungen zur Durchführung verschiedener hämatologischer Untersuchungen und mit der Einführung von Techniken automatischer Zell-Zählung ist ein erhöhter Bedarf entstanden nach der Entwicklung von Teilchen, welche einerseits als Vergleichsgrößen benutzt werden können oder andererseits auch als Kalibratoren (Normale).

Drei grundsätzlich unterschiedliche Typen von Partikeln wurden in diesem Zusammenhang untersucht, nämlich menschliche oder tierische Zellen, nichttierische Zellen, wie z. B. Hefe oder Pollen und synthetische Teilchen, wie z. B. Polystyrol-Latex. Latex-Teilchen, welche an sich geeignet sind, in sehr engen Volumenbereichen und Größenverteilungen hergestellt zu werden, ergeben eine Schwierigkeit dadurch, daß Probleme auftreten, weiche und gleichmäßige Suspensionen zu erhalten. Bei Pollen und Hefen, welche auch die Probleme mit der Stabilität der Suspension wie bei Latexteilchen aufweisen, tritt zusätzlich die Schwierigkeit auf, daß von Fall zu Fall die Gleichmäßigkeit nicht gewährleistet werden kann und auch manchmal die Verfügbarkeit nicht gegeben ist. Ein weiteres Erfordernis für Plättchenkomponenten in einem Vergleichsmaterial für Multi-Parameter- Instrumente besteht darin, daß die Zellen durch ein lytisches Reagenz gelöst werden müssen. Latex-Teilchen und nichttierische Zellen haben diese Eigenschaft nicht.

Es wurde gefunden, daß Ziegen, welche Erythrozyten aufweisen, die normalerweise in den niedrigen Größen-(Volumen-) Bereich fallen, auf eine entsprechend beeinflußte Umgebung durch die Erzeugung von Erythrozyten reagieren, welche ähnlich sind oder geändert bzw. gemischt werden können, um sie ähnlich zu machen der Verteilung von menschlichen Blutplättchen, und zwar hinsichtlich der Zahl, der Größe und Volumen-Verteilung. Auf diese Weise lassen sich diese Erythrozyten als ein den menschlichen Plättchen entsprechendes Analogon verwenden, welches stabil und reproduzierbar ist und besonders geeignet als Vergleichszusammensetzung in Teilchenanalysiergeräten des Coulter- Typs, wie sie beispielsweise unter den Markennamen Coulter- Channelyzer, Coulter-Counter S-Plus oder Thrombocounter bekannt sind und die alle von der Firma Coulter Electronics Inc. Hialeah, Florida, hergestellt werden.

Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein menschliches Blut-Plättchen-Analogon zu schaffen, dessen Eigenschaften so weit als möglich diejenigen frischen menschlichen Blutes zu simulieren gestatten. Zusätzlich soll ein Verfahren zur Herstellung dieses Analogons gefunden werden.

Die Erfindung löst die erste Teilaufgabe mit den Merkmalen des Kennzeichnungsteils des Patentanspruchs 1.

Durch die Erfindung können Erythrozyten, die von Ziegen stammen, geändert oder so gemischt werden, daß ein menschliches Plättchen-Analogon gewonnen wird, welches stabil und reproduzierbar ist im Hinblick auf die absolute Zahl von Erythrozyten pro mm³ Blut und auch im Hinblick auf die Anforderungen bezüglich der Volumen- und Größenverteilung. Zusätzlich weist das durch die Erfindung hergestellte Produkt Eigenschaften auf, die bei frischen, normalen Plättchen nicht gefunden werden, nämlich ein hohes Maß an Stabilität der Parameter, wie sie von den Zellen-Zählern gemessen werden, in denen das Produkt benutzt wird. Dementsprechend ist eine standardisierte und stabilisierte Komposition aus roten Blutkörperchen von Ziegen als Referenz- und Vergleichsmaterial geeignet, wie es bei der Zählung von menschlichen Plättchen durch automatisch arbeitende Meßinstrumente nach dem Coulter-Prinzip benötigt wird. Darüber hinaus sind Anwendungsmöglichkeiten bei verschiedenen Mikroskopiertechniken gegeben, beispielsweise bei der Illuminations- oder Phasen-Kontrast-Methode. Die Zellen, welche nach dem erfinderischen Verfahren behandelt worden sind, liefern ein hervorragendes System von Überprüfungen in einer Ausgewogenheit, welches für die Bestimmung von hämatologischen Größen notwendig ist.

Die zweite Teilaufgabe löst die Erfindung mit den Merkmalen des Kennzeichnungsteils des Patentanspruchs 4.

Erythrozyten von Ziegen fallen normalerweise in den Bereich kleinen Volumens. Es wurde nun gefunden, daß die Verteilungsbereiche für das Volumen und die Größe der Ziegen- Erythrozyten einer bestimmten Ziege von verschiedenen Faktoren beeinflußt werden, so z. B. von ihrem Alter in Monaten, ihrem Geschlecht, von Erbfaktoren, welche durch selektive Züchtung gesteuert werden können, von der veterinären Behandlung in vivo oder in vitro, von Phlebotomie (Blutung), welche eine entweder zugefügte oder erhaltene Anämie ergibt, vom generellen Gesundheitszustand, von der Nahrung und von einer entsprechend beeinflußten Umgebung oder von pharmakologischen Einflüssen. Durch sorgfältige Auswahl dieser Faktoren können Ziegen-Erythrozyten erhalten werden, welche eine Volumen- und Größenverteilung haben, welche nahe der typischen Größen- und Volumenverteilung von frischen menschlichen Plättchen liegt. Derartige Ziegen haben mittlere Erythrozyten-Volumina, welche nur zwei- oder dreimal so groß sind wie das mittlere Volumen von menschlichen Plättchen (7 bis 9 Kubikmikron).

Diese Erythrozyten zeigen im allgemeinen ausgezeichnete Suspensionsstabilität, eine in hohem Maße reproduzierbare Volumen-Verteilungs-Charakteristik und sind im kommerziellen Bereich bereits verfügbar. Ziegen zwischen drei und neun Monaten sind besonders bevorzugt geeignet.

Die Nützlichkeit derartiger Erythrozyten als Surrogat- Plättchen könnte von der Notwendigkeit beschränkt werden, sie bis zum Größenbereich der Plättchen zu schrumpfen. Wenn die Erythrozyten hyper- oder hypo-osmotischen Umgebungen ausgesetzt werden, so hat dies den grundsätzlichen Effekt einer Änderung des mittleren Korpuskularvolumens, wobei eine geringfügige Erhöhung oder Erniedrigung der Breiten der Größen-Verteilungs-Histogramme eintritt, jedoch nur ein geringer Effekt bei der Symmetrie des Größen- Verteilungs-Histogramms.

Die Schrumpfung oder Dehnung der Zellen durch eine Manipulation ihrer osmotischen Umgebung vor einer Fixierung hat Grenzen in bezug auf den Fixierungsprozeß, welcher notwenig ist, um die Stabilität der geänderten Zellen zu gewährleisten. Im allgemeinen kann man Erythrozyten nicht mehr schrumpfen oder anschwellen lassen als um etwa 30% für diesen Zweck. Deshalb ist es notwendig, mit tierischen Erythrozyten zu beginnen, welche nahe in dem Größenbereich liegen, für den sie schließlich als menschliches Blutplättchen- Surrogat benötigt werden.

Weitere Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.

Nachfolgend wird ein spezifisches Beispiel von bevorzugten Reagenzien für die Behandlung der Ziegen-Zellen gegeben.

Antikoagulanzien für die Sammlung von Ziegen-Blut

Eines oder mehrere der folgenden Antikoagulanzien können in passender Menge benutzt werden, wie vom Fachmann zu bestimmen ist.

  • 1. Standard ACD (acid-citrate-dextrose; Säure-Zitrat- Dextrose)
  • 2. Standard CPD (citrate-phosphate-dextrose; Zitrat-Phosphat- Dextrose)
  • 3. Disodium EDTA (ethylenediamine tetraacetate Äthylendiamintetraacetat), 2 mg/ml Blut
  • 4. Die Stabilisierungs und Volumenänderungslösung wird nachfolgend beschrieben (Liter-Formulierung):

    Laktose (lactose) 90,0 gm

    Natriumazid (sodium azide) 1,5 gm

    Trinatrium-Zitrat-Dihydrat

    (Trisodium citrate dihydrate) 5,0 gm

    Zitronensäuremonohydrat

    (Citric acid monohydrate) 0,1 gm

    Nichtionischer Schaumerzeuger

    (Non-ionic surfactant-Pluronic F 68) 1,0 gm

    Wasser QS bis

    350 mOs/kg

    pH 6,8-7,0

    zugelassener pH-Bereich 6,5-7,5

    Osm = 350-360 mOsm/kg

    Waschlösung (Liter-Formulierung):

    Laktose (lactose) 100,00 gm

    Trinatrium-Zitrat-Dihydrat

    (Trisodium citrate dihydrate) 2,50 gm

    Zitronensäuremonohydrat

    (Citric acid monohydrate) 0,20 gm



Zellen von Ziegen, welche in der vorstehend beschriebenen Weise behandelt werden, sind äußerst stabil, wenn sie als Blut-Vergleichs- und Bezugsmittel benutzt werden.

Obwohl Ziegen-Erythrozyten normalerweise in den Bereich kleiner Volumengröße fallen, zeigt Blut von irgendeiner Ziege eine offensichtlich universelle Charakteristik von Erythrozyten, nämlich, daß das Volumen-Verteilungs-Histogramm ganz oder nahezu nach einer Gauß-Verteilung verläuft (Glockenkurve) und weniger nach einer logarithmischen Normal-Volumenverteilung, welche für genaue Simulation menschlichen Blutes erforderlich ist. Jedoch sind die mathematischen Beziehungen von nicht-Gauß-förmigen Verteilungen ausgedrückt in Termen von multiphasigen Gauß-Familien wohlbekannt. Beides, nämlich sowohl einfache harmonische Analyse und Fourier-Analyse-Techniken sind auf komplexe Wellenformen seit vielen Jahren angewandt worden, und es ist bekannt, daß virtuell jegliches Verteilungs- Histogramm von Wellenformen durch eine passende Kombination von einfachen symmetrischen Wellenformen (oder Histogrammen) synthetisiert werden kann, wobei jede Wellenform eine bekannte Amplitude und Frequenzcharakteristik hat.

Bei einer Ausführungsform der Erfindung können die mathematischen Beziehungen der Wellenform-Analyse angewandt werden, um die quantitativen Beziehungen einer minimalen Zahl von verschiedenen Ziegen-Erythrozyten-Populationen innerhalb der Klein-Zellenkolonien zu spezifizieren, welche, wenn sie zusammengemixt werden, ein Volumen-Verteilungs- Histogramm ergeben, welches sehr nahe angenähert ist an das Volumen-Verteilungs-Histogramm von Plättchen in frischem normalen menschlichen Blut. Ziegen-Erythrozyten ergeben eine Quantität der kleineren Zellen, welche ausreicht, um eine logarithmische Normal-Verteilung auf dem Histogramm zu erzeugen. Auf diese Weise kann eine passende logarithmische Normal-Verteilung von Ziegen-Erythrozyten hergestellt werden durch Mischung verschiedener Populationen von vorgegebenen Verhältnissen von Blut aus vielen einzelnen Ziegen.

Um einen Bezug und einen Vergleich von Ziegen-Erythrozyten zu erhalten, welcher stabil und reproduzierbar ist, und so sinnvoll als menschliches Plättchen-Analogon verwendet werden kann mittels manueller Methoden, wird die Erfindung nun beispielsweise unter Bezugnahme auf die beigefügten Zeichnungen beschrieben, in denen Populationshistogramme dargestellt sind. Es zeigt

Fig. 1 eine Ausgangs-Probe von roten Zellen von Ziegenblut nach einer Volumenänderung und

Fig. 2 eine Probe von Zellen, zu denen rote Blutzellen einer Ziege hinzugefügt worden sind, und zwar ausgehend von einer Verteilung zunächst nach Fig. 1; dadurch erhöht sich die Neigung der Kurve nach rechts;

Fig. 3 zeigt die Populations-Verteilungs-Kurve, wenn Zellen mit einem kleineren mittleren Zellvolumen der Probe nach Fig. 2 hinzugefügt werden, wodurch die Verteilung in Richtung auf kleinere Mittelwerte verschoben wird;

Fig. 4 zeigt die Populations-Verteilungs-Kurve, wenn Zellen von einem dazwischenliegenden mittleren Zell-Volumen- Vorrat der Probe hinzugefügt werden, um den mittleren Teil der Kurve anzuheben durch eine Versteilerung der Kurve nach rechts und so eine logarithmische Normal-Kurve zu erhalten;

Fig. 5 zeigt die Populations-Verteilungs-Kurve, welche der logarithmischen Normal-Verteilung von frischen unbehandelten menschlichen Blutplättchen entspricht.

Ein manuell durchgeführtes Herstellungsverfahren ist in den folgenden Schritten durchführbar:

Aus erhältlichen Vorräten von Ziegenzellen werden stabilisierte Ziegen-Zellen ausgewählt, welche (durch Aufteilung in einzelne Kanäle) geprüft worden sind und von denen man gefunden hat, daß sie eine Gaußsche oder nahezu Gaußsche Zellverteilung aufweisen. Zellproben, welche mittlere zellulare Volumina zwischen 7,5 und 12 Kubikmikrons aufweisen, sind für die Mischung annehmbar. Aus diesen niederohmigen Zellvorräten wird derjenige Zellvorrat ausgewählt, welcher das kleinste mittlere Zellvolumen aufweist. Um die im wesentlichen Gaußsche Verteilung dieses Ausgangsvorrates in die gewünschte logarithmische Normalverteilung, welche typisch ist für Plättchen, zu modifizieren, wird es notwendig sein, diesem Ausgangsvorrat kleinere Mengen von Zellvorräten hinzuzufügen, welche ein größeres mittleres Zellvolumen aufweisen. Man vergleicht die Ausgangsvorrats-Verteilung mit derjenigen der anderen verfügbaren Vorräte und wählt einen solchen aus, welcher ein mittleres Zellvolumen aufweist, welches etwa 10 bis 25% größer ist als von dem Ausgangsvorrat. Dann fügt man dem Ausgangsvorrat einen Anteil von Zellen aus dem ausgewählten Vorrat hinzu, welcher etwa 10 bis 20% von dem Zellenzählwert des gesamten Ausgangsvorrates ist und mischt das Ganze gut durch. Anschließend wird die Gesamtverteilung gemessen und mit der logarithmischen Normalverteilung verglichen, welche gewünscht wird. Falls notwendig, wird ein anderer Zellvorrat ausgewählt und Zellen zu diesem Ausgangsvorrat hinzugefügt, um die Verteilung zu verbreitern. Dann wird wieder die Gesamtverteilung gemessen und aufgezeichnet. Anschließend wird der Anpassungsprozeß mit dem gleichen Zellvorrat oder einem anderen Zellvorrat wiederholt, um die Fom der Kurve so lange anzupassen, bis eine logarithmische Normalverteilung erhalten wird.

Verschiedene Arten von pharmakologischen Einflüssen tendieren dazu, die Gaußschen Verteilungs-Histogramme einer speziellen Ziege etwas zu verändern. Beispielsweise kann eine mikrozytische Anämie mit einem erhöhten Anteil von Retikulozyten durch Blutung erzeugt werden. Eine abgeschrägte Verteilung der Erythrozyten ergibt ein Histogramm, welches stärker die logarithmische Normalform annähert, welche dem frischen menschlichen Blutes ähnlich ist. Es ist ein Vorteil der vorstehend erwähnten manuellen Verfahrensweise, daß diese Methode anwendbar ist, wenn von einem spezifischen Vorrat an Ziegen-Zellen ausgegangen wird, wie auch immer zu Anfang die jeweilige Form der Verteilung der Erythrozyten sich herausstellt. In einigen Fällen kann nur eine geringe Anpassung notwendig werden, um die Kurve an die gewünschte logarithmische Normalform anzupassen, um die Plättchen von frischem normalen menschlichen Blut zu simulieren. Manchmal ist sogar überhaupt keine Anpassung notwendig.


Anspruch[de]
  1. 1. Menschliches Blut-Plättchen-Analogon für den Gebrauch als hämatologische Bezugs- und Vergleichszusammensetzung, dadurch gekennzeichnet, daß in einer Verdünnung eine Mischung von Ziegen-Erythrozyten vorliegt, welche nach Zahl, Größe und Volumenverteilung die im menschlichen Vollblut vorhandenen Plättchen simuliert.
  2. 2. Menschliches Plättchen-Analogon nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Erythrozyten von Ziegen stammen, welche ausgewählt werden im Hinblick auf mindestens eines der folgenden Merkmale: Alter, Geschlecht, selektive Züchtung, beeinflußte Umgebung, erhaltene Anämie in vivo, zugefügte Anämie in vivo und Nahrung, um Erythrozyten zu erhalten, die nahe bei der typischen Größe und dem Volumenverteilungsbereich von menschlichen Plättchen liegen.
  3. 3. Menschliches Plättchen-Analogon nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Ziegen-Erythrozyten von verschiedenen individuellen Ziegen kombiniert sind.
  4. 4. Verfahren zur Herstellung eines menschlichen Blut- Plättchen-Analogons für den Gebrauch als hämatologische Bezugs- und Vergleichszusammensetzung, gekennzeichnet durch folgende Schritte:

    1. a) Bereitstellung von Ziegen-Erythrozyten, welche eine mittlere Größenverteilung um nicht mehr als etwa 30% größer als die menschlicher Plättchen aufweisen,
    2. b) gegebenenfalls Verändern des spezifischen Volumens dieser Erythrozyten, um sie dem Volumen menschlicher Plättchen anzunähern,
    3. c) Bestimmen der Anzahl und der mittleren Größenverteilung der vorgenannten veränderten Erythrozyten mittels eines Teilchenzählgerätes und
    4. d) Behandeln von Proben von verschiedenen individuellen Ziegen gemäß den Schritten a) bis c) und Vereinigung derselben, um eine Mischung von Ziegen-Erythrozyten zu erhalten, welche nach Zahl, Größe und Volumenverteilung die im menschlichen Vollblut vorhandenen Plättchen simuliert.


  5. 5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Ziegen-Erythrozyten von etwa drei bis neun Monate alten Ziegen stammen.
  6. 6. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Ziegen-Erythrozyten von Ziegen stammen, welche eine durch Phlebotomie verursachte Anämie haben.
  7. 7. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Schritt b) mit mindestens einer der folgenden Techniken durchgeführt wird:

    1. (1) durch chemische Mittel unter Verwendung einer Stabilisierungs- und Volumenänderungslösung, um die Erythrozyten zu schrumpfen;
    2. (2) durch leichte Erwärmung innerhalb des Bereichs von 20° bis 60°C für mindestens vier Minuten.


  8. 8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Stabilisierungs- und Volumenänderungslösung in passender Zusammensetzung eine Mischung aus Natriumazid, Laktose, Zitronensäure und Trinatrium-Zitrat enthält.
  9. 9. Verfahren nach einem der Ansprüche 4, 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Behandeln nach Schritt d) in der folgenden Weise durchgeführt wird:

    1. (a) Auswählen von Zellvorräten mit mittlerer Zellvolumina zwischen 7,5 und 12 Kubikmikrons, wobei ein Ausgangszellvorrat ein ziemlich kleines mittleres Zellvolumen aufweist,
    2. (b) Bildung eines modifizierten Zellvorrates durch Hinzufügen zu dem genannten Ausgangszellvorrat eines Anteils von einem anderen Zellvorrat von etwa 10 bis 20% der Anzahl der Zellen in dem Ausgangsvorrat, wobei der andere Zellvorrat ein mittleres Zellvolumen hat, das etwa 10 bis 25% größer ist als beim Ausgangszellvorrat,
    3. (c) Bestimmung der Populationsverteilung des modifizierten Zellvorrates und Vergleich desselben mit der gewünschten menschlichen Plättchen-Verteilung,
    4. (d) Auswahl eines weiteren Zellvorrates, falls nötig, für die Hinzufügung von Zellen zu dem modifizierten Zellvorrat, um seine Populations-Verteilung zu ändern,
    5. (e) Bestimmung der geänderten Populations-Verteilung und Vergleich derselben mit der gewünschten menschlichen Plättchen-Verteilung und
    6. (f) Wiederholung der Schritte (d) und (e) mit Zellvorräten bis die erhaltene Populations-Verteilung eine Verteilung von menschlichen Plättchen annimmt.


  10. 10. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Mischung von Ziegen-Erythrozyten eine logarithmische Normalverteilung ergibt.






IPC
A Täglicher Lebensbedarf
B Arbeitsverfahren; Transportieren
C Chemie; Hüttenwesen
D Textilien; Papier
E Bauwesen; Erdbohren; Bergbau
F Maschinenbau; Beleuchtung; Heizung; Waffen; Sprengen
G Physik
H Elektrotechnik

Anmelder
Datum

Patentrecherche

Patent Zeichnungen (PDF)

Copyright © 2008 Patent-De Alle Rechte vorbehalten. eMail: info@patent-de.com