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Dokumentenidentifikation DE3641680A1 16.06.1988
Titel Stoff zum Schutz gegen den Rindenfraß des Großen braunen Rüsselkäfers (Hylobius abietis) an jungen Forstpflanzen
Anmelder Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, 3000 Hannover, DE
Erfinder Niemeyer, Hans, Dr., 3400 Göttingen, DE
DE-Anmeldedatum 05.12.1986
DE-Aktenzeichen 3641680
Offenlegungstag 16.06.1988
Veröffentlichungstag im Patentblatt 16.06.1988
IPC-Hauptklasse A01N 25/12
IPC-Nebenklasse A01N 25/24   A01N 25/04   

Beschreibung[de]

Die Erfindung bezieht sich auf einen Stoff zum Schutz junger Forstpflanzen (Nadelbäume) gegen den Rindenfraß des Großen braunen Rüsselkäfers, bestehend aus einem Gemisch aus offenporigem Dispersionskleber und Gesteinsmehl, das auf das Stämmchen der Pflanze allseits appliziert wird.

Der Große braune Rüsselkäfer (Hylobius abietis) ist in forstlichen Nadelbaumpflanzungen Mittel- und Nordeuropas der weitaus schlimmste Kulturschädling. Im Jahr der Pflanzung, oft auch noch 1 oder 2 Jahre später, befressen die Käfer vorwiegend im unteren Teil der Pflanze die Rinde des Stämmchens derart, daß bis auf das Holz reichende, mehr oder weniger ausgedehnte Löcher entstehen, wodurch die Pflanze bei starkem Befall abstirbt. In der Bundesrepublik Deutschland müssen in jedem Jahr mehrere Tausend Hektar Nadelholzkulturen mit Insektiziden gegen diesen Käfer behandelt werden. In Skandinavien sind noch weit größere Flächen gefährdet.

Zur Bekämpfung sind derzeit in der Bundesrepublik Deutschland nur drei Insektizide, alle mit 80% Lindan als Wirkstoff, zugelassen. Diese Mittel werden 1%ig in Wasser verdünnt und entweder vor der Pflanzung appliziert, indem ganze Pflanzenbündel in die Insektizidbrühe getaucht werden, oder nach der Pflanzung z. B. durch Anspritzen mittels Zangendüse bzw. Andrücken mittels Schwammzange (letzteres in Schweden). Die Insektizidanwendung ist zwar wirksam und wirtschaftlich, doch ökologisch unerwünscht. Wegen besonders scharfer Wasserschutzgebietsauflagen ist das Tauchen in Insektizidbrühe auf großen Flächenanteilen im Walde nicht möglich. Vor allem für sehr kleine, maschinell gepflanzte Bäume geeignete mechanische Mittel bestehen aus einem Plastikkragen (Hersteller: Tenova / Schweden) oder einem strumpfartigen Kunststoffgewebe (Hersteller: Vinetta / Schweden) um die Pflanze. Beide Verfahren haben sich in Deutschland als wenig geeignet erwiesen, weil die Käfer über natürliche Brücken aus Gräsern, Kräutern oder Reisig leicht die künstlichen Hindernisse überwinden und in derem Schutz umso ungestörter fressen.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Stoff zum Schutz gegen den Rindenfraß des Großen braunen Rüsselkäfers anzugeben, der, unmittelbar auf den gefährdeten Teil des Stämmchens aufgebracht, die Pflanze vor tödlichem Fraß schützt, ohne toxisch zu wirken und ohne das Wachstum der Pflanze zu beeinträchtigen.

Diese Aufgabe wird mit einem Stoff der eingangs geschilderten Art gemäß der Erfindung dadurch gelöst,

  • - daß der Stoff aus einem Gemisch von offenporigem Dispersionskleber und Gesteinsmehl besteht,
  • - daß der Anteil des Gesteinsmehls hoch genug ist, um ein Durchfressen der Käfer sicher zu verhindern,
  • - daß das Gemisch flüssig genug ist, um mit einem Spezialgerät an das Stämmchen der Pflanze gespritzt werden zu können,
  • - daß der offenporige Dispersionskleber bald antrocknet und über einen ausreichend langen Zeitraum einen wirksamen Belag aus Gesteinsmehl auf der Rinde hält.


Das Gesteinsmehl hat die Aufgabe, den Käferfraß giftfrei zu verhindern. Andere mineralische Stoffe, wie z. B. Quarzsand, oder natürliche Fraßhemmstoffe, wie z. B. der Extrakt des Neembaumes Azadirachtha indica, haben in Laborversuchen mit an lebende Fichtenpflanzen gesetzten Käfern (ein schärferer Test als Freilandprüfungen!) keine ausreichende Wirkung gezeigt. Der offenporige Dispersionskleber allein, ohne Zusatz, wurde nahezu hemmungslos durchfressen. Eine fast hundertprozentige Fraßreduktion konnte dagegen mit einer Mischung aus offenporigem Dispersionskleber und Gesteinsmehl zu gleichen Volumenteilen erzielt werden.

Der offenporige Dispersionskleber dient als Träger des Gesteinsmehls und erhält über einen ausreichend langen Zeitraum einen funktionsfähigen Belag auf der Rinde. Als ausreichend wird nach den Zulassungsrichtlinien der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft ein Schutzbelag gegen den Großen braunen Rüsselkäfer angesehen, der wenigstens 1 Vegetationszeit seine schadensmindernde Wirkung (80% Reduktion gegenüber Unbehandelt als Mindestanforderung bei Insektiziden) behält. Aus dem Anwendungsbereich Schälschutzmittel (Pflanzenschutzmittelverzeichnis, Teil 4, Forst) ist bekannt, daß offenporige Dispersionskleber mit Quarzsand über mindestens 3 Jahre wirksam gegen das Schälen (Abbeißen der Rinde durch Hirsche) bleiben.

Die besondere Art des Trägerstoffs, offenporiger Dispersionskleber, gewährleistet Luftdurchlässigkeit und Elastizität des Belags, so daß keine Pflanzenschädigungen auftreten und der Belag dem Dickenwachstum des Stämmchens soweit standhält, daß keine Risse entstehen, durch welche die Käfer hindurchnagen könnten.

Prinzipiell kann der Stoff gemäß der Erfindung auf beliebige Weise auf die Rinde des Stämmchens aufgetragen werden, beispielsweise mittels Zangenbürsten (wie zur Applikation von manchen Wildverbißschutzmitteln), mittels Schwammzange (eine schwedische Entwicklung zur Applikation von Insektizidbrühen), mittels Handschuh (insbesondere, wenn dessen Handfläche schwammartig gestaltet ist) und vorzugsweise mittels Spritzgerät. Letzteres ermöglicht einen besonders niedrigen Zeitaufwand je behandelte Pflanze, den lückenlosesten Belag auch bei Stämmchen mit vielen Zweigen, einen zusätzlichen Schutz der Zweigansätze und eine ergonomisch günstige Arbeitsweise, vorausgesetzt, das Spritzgerät ist entsprechend gestaltet.


Anspruch[de]
  1. 1. Stoff zum Schutz junger Forstpflanzen gegen Rindenfraß des Großen braunen Rüsselkäfers, bestehend aus einer giftfreien Flüssigkeit mit einem ebenfalls giftfreien fraßverhindernden Bestandteil, die allseits auf das Stämmchen aufgebracht wird und antrocknet, dadurch gekennzeichnet,

    1. - daß der fraßverhindernde Bestandteil Gesteinsmehl ist,
    2. - daß das Gesteinsmehl in offenporigem Dispersionskleber suspendiert ist,
    3. - daß beide Bestandteile ungiftig auch für die Käfer sind.


  2. 2. Stoff nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der als Träger fungierende offenporige Dispersionskleber eine Viskosität aufweist, die einerseits noch die Applikation des Stoffes mittels Spritze gestattet, andererseits aber das Absinken des Gesteinsmehls verhindert.
  3. 3. Stoff nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,

    1. - daß keiner der Bestandteile schädigend auf die Pflanze wirkt,
    2. - daß der offenporige Dispersionskleber nach Antrocknen zusammen mit dem Gesteinsmehl einen elastischen Belag gewährleistet, der wenigstens 3 Jahre seine fraßabwehrende Wirkung auch unter den Witterungsverhältnissen des Freilands und bei zunehmender Dicke des Stämmchens der Pflanze beibehält.


  4. 4. Stoff nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die volumenbezogenen Mischungsanteile von offenporigem Dispersionskleber und Gesteinsmehl in bevorzugter Ausführung etwa 1:1 betragen.






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