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Dokumentenidentifikation DE3723447A1 20.10.1988
Titel Verfahren, Material und Lösung zur biologischen Behandlung lebender Organismen
Anmelder Gümbel, Dietrich, Dr.rer.nat., 7758 Meersburg, DE
Erfinder Gümbel, Dietrich, Dr.rer.nat., 7758 Meersburg, DE
Vertreter Brinkmann, K., Pat.-Anw., 7758 Meersburg
DE-Anmeldedatum 16.07.1987
DE-Aktenzeichen 3723447
Offenlegungstag 20.10.1988
Veröffentlichungstag im Patentblatt 20.10.1988
IPC-Hauptklasse A01N 61/00
IPC-Nebenklasse A01G 7/00   

Beschreibung[de]

Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren, Material und eine Lösung zur biologischen Behandlung lebender Organismen, insbesondere Pflanzen, pflanzlichen Vermehrungsguts, Tieren und Mikroorganismen, auch in wässrigen Lösungen und aquatischen Systemen.

In Landwirtschaft und Gartenbau ist es bekannt, zur Erwirtschaftung höherer Erträge, den Pflanzenwurzeln anorganischen Dünger zuzuführen. Dieses Verfahren hat aber den Nachteil, daß das Bodenleben dezimiert wird, und der Boden hierdurch immer weniger Wasser über einen längeren Zeitraum halten kann. Bodenerosion ist die Folge, insbesondere in den Zeiten umfangreicher Niederschläge durch Wegschwemmen des Bodens oder bei langanhaltender Trockenheit durch Abtragung des Bodens durch Windeinwirkung. Mit anorganischen Substanzen geht man auch gegen Schädlingsbefall der pflanzlichen Organismen vor, seien es Insekten, Pilze, Bakterien, Flechten oder Viren. Behandelt man die pflanzlichen Organismen auf diese Weise, werden sie vielfach gegen eine Reihe von Mitteln zur Schädlingsbekämpfung immun, weshalb man zu höher konzentrierten Dosen oder gar zu gefährlicheren Substanzen übergehen muß, was die Kosten des Pflanzenschutzes weiter in die Höhe treibt und das biologische Gleichgewicht mehr und mehr stört. In Schwimmbädern sowie anderen Bädern, z.B. für kneippsche Anwendungen, werden zur Keimzahlreduzierung chemische Substanzen eingesetzt, die bei manchen Menschen Allergien hervorrufen. Auch hier entfalten die Keime höhere Resistenzwirkung gegen die eingesetzten chemischen Substanzen, worauf die Substanzen in höheren Dosen eingesetzt werden müssen.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren, Material und eine Lösung zur biologischen Behandlung lebender Organismen zu schaffen die keinen nachteiligen Einfluß auf das Ökosystem haben.

Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch die im Kennzeichen des Anspruchs 1 aufgeführten Merkmale gelöst.

Die Erfindung weist gegenüber dem Bekannten die Vorteile auf, daß trotz Behandlung der im Boden stehenden Pflanze bzw. des Saatguts das Bodenleben nicht nachteilig beeinflußt wird, Setzlinge und Saatgut nicht mit giftigen Substanzen beaufschlagt werden. Demgegenüber erfolgt sogar eine Stimulierung der Keimung, des Wachstums und der Reifung, also der Vitalität und Fruchtbarkeit, der Pflanzen. Die Biozönose im Boden, also die Lebensgemeinschaft aus Kleinstlebewesen, Bakterien, tierischen Einzellern, Algen, Pilzen, Insekten, Spinnen, Asseln, Springschwänzen, Milben, Würmern und anderen bleibt im wesentlichen ungestört. Andererseits dienen die ätherischen Essenzen an der Pflanze aber dem Schutz vor Schädlingen, die der Pflanze unmittelbar zusetzen, also Pilzen, Bakterien, Flechten, Viren und Insekten und wirken hier antibiotisch, fungizid, antimycotisch, antibakteriell und/oder zytotoxisch. Der Einsatz der ätherischen Essenzen in wässrigen Lösungen, wie z.B. Schwimmbädern, kneippschen Arm- und Fußbädern sowie aquatischen Ökosystemen, wie z.B. Quellen, Bächen, Flüssen, Weihern, Mooren und Seen, macht den Einsatz chemischer Substanzen zur Bekämpfung pathogener Keime oder Erreger überflüssig. Mit dem biologischen Verfahren ist eine höhere Entkeimungswirkung erzielbar, als mit bisher bekannten Substanzen. Es tritt keine Resistenzwirkung der pathogenen Keime oder Erreger auf. Hingegen vermehren sich aerobe, also sauerstoffbedürftige, Mikroorganismen durch die düngende Wirkung ohne Nährstoffzufuhr auf sauerstoffproduzierende Algen und Wasserpflanzen. Dadurch werden die Gärung und Fäulnis auslösenden anaeroben Bakterien und Mikroorganismen in ihrem Massenauftreten reduziert. Die Folge sind positive Wirkungen für die Tier- und Pflanzenwelt, den Menschen und die gesamte Biozönose, also die Lebensgemeinschaft, von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen, auch in wässrigen Lösungen und aquatischen Ökosystemen. Terrestrische Ökosysteme können durch kombinierte Düngung und Schädlingsbekämpfung behandelt werden, um z.B. dem Waldsterben dadurch zu begegnen, daß die Widerstands- und Lebenskraft der Bäume und der gesamten Biozönose des Ökosystems gestärkt und vor dem Absterben gerettet wird.

Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung gehen aus den Ansprüchen und der nachfolgenden Beschreibung hervor.

Die Erfindung wird nachfolgend an Ausführungsbeispielen erläutert.

Ätherische Öle werden von manchen Pflanzen als flüchtige, duftende Öle gebildet. Sie finden sich besonders in Blüten, Samen, Blättern und Stengeln, Wurzeln, Hölzern, Rinden, Fruchtschalen und Pflanzenexkreten.

In Anwendung auf Landwirtschaft und Gartenbau werden aus ätherischen Ölen bestimmter Pflanzen, von denen sich die Gewinnung lohnt, Essenzen durch enorme Verdünnung, z.B. im Verhältnis 1:1000 in Wasser mit einem Lösungsvermittler gewonnen.

Diese ätherischen Essenzen werden zur Beaufschlagung der lebenden Organismen verwendet, die zum Zweck der Schädlingsbekämpfung, der Stimulierung der Keimung, des Wachstums und der Reifung, also der Vitalität und Fruchtbarkeit, behandelt werden sollen.

Als Ausgangsstoffe für die ätherischen Essenzen eignen sich beispielsweise Zitronenöl, Orangenöl, Kiefernadelöl, Eukalyptusöl, Lemongrasöl, Pfefferminzöl, Nardenöl, Rosmarinöl, Lavendelöl, Thymianöl, Salbeiöl, Sandelholzöl und Vetiveröl.

Die verwendeten ätherischen Öle erlauben es, von "Aromatischem Pflanzenschutz" "Aromatischem Gartenbau", "Aromatischem Gewässerschutz", "Aromatischer Landwirtschaft" oder "Aromatischer Schwimmbadhygiene" zu sprechen.

Eine unmittelbare Beaufschlagung der Pflanzen mit ätherischen Essenzen erfolgt durch Verspritzen oder Besprühen der im Boden stehenden Pflanzen oder durch Einlegen der Pflanzen in ein Bad, also eine Beize, aus ätherischen Essenzen, was insbesondere bei Stecklingen vorteilhaft ist. Auch bei Vermehrungsgut, insbesondere bei Samen, ist dessen unmittelbare Beaufschlagung durch seine Einbringung in ein ätherisches Bad gegeben.

Eine mittelbare Beaufschlagung im Boden stehender Pflanzen mit ätherischen Essenzen ist durch deren Eintragung in den Boden möglich, in dem die Pflanzen stehen, oder in den die Pflanzen eingesetzt werden, aber auch durch aromatischen Kompost, dem vorher ätherische Essenzen beigemischt wurden, und der untergegraben oder als Deckmulch um die Pflanzen herum auf die Pflanzerde aufgebracht wird.

Jede Anbaufrucht hat eine charakteristische Betonung einer oder mehrerer Pflanzenfunktionen. Beim Blumenkohl, der das Sproßwachstum auf ein Minimum in Form einer Blattrosette reduziert, dafür aber eine gewaltige Blüte treibt, die gleich auf der Wurzel aufsitzt, überwiegt das Blütenprinzip. Beim Getreide liegt der Schwerpunkt in der Samenbildung. Bei den Blattsalaten überwiegt das Blattprinzip. Bei der Kartoffel stellt die Bildung der Speicherknollen ein verstärktes Wurzelprinzip dar.

Blüten-, Frucht- und Samenöle wirken auf den gesamten pflanzlichen Organismus ein, haben aber ihren Wirkungsschwerpunkt im Blütenbereich der Pflanzen. Deshalb werden vorzugsweise der Blütenbereich der Pflanzen sowie Vermehrungsgut, vor allem Saatgut, mit Essenzen beaufschlagt, die aus Blüten-, Frucht- und Samenölen gewonnen sind. So sind z.B. aus Zitronenschalen- oder Orangenschalenölen gewonnene Essenzen besonders wirksam auf den Blüten- und Fruchtbereich der Pflanzen anwendbar.

Blatt- und Sproßöle wirken ebenfalls auf den gesamten pflanzlichen Organismus ein, haben aber ihren Wirkungsschwerpunkt im Blatt-, Sproß- und Stengelbereich der Pflanzen. Deshalb werden vorzugsweise der Blatt-, Sproß- und Stengelbereich der Pflanzen mit Essenzen beaufschlagt, die aus Blatt- und Sproßölen gewonnen sind. So sind z.B. aus Kiefernadelöl, Eukalyptusöl, Lemongrasöl, Nardenöl, Rosmarinöl, Lavendelöl, Thymianöl und Salbeiöl, gewonnene Essenzen besonders wirksam auf den Blatt-, Sproß- und Stengelbereich der Pflanzen anwendbar.

Auch Wurzel- und Holzöle wirken auf den gesamten pflanzlichen Organismus ein. Sie haben aber ihren Wirkungsschwerpunkt im Wurzel- und auch im Stengelbereich der Pflanzen. Deshalb werden vor allem der Wurzel- und der Stengelbereich der Pflanzen mit Essenzen beaufschlagt, die aus Wurzel- und Holzölen gewonnen sind. So sind z.B. aus Sandelholzöl und Vetiveröl gewonnene Essenzen besonders wirksam auf den Wurzel- und Stengelbereich der Pflanzen anwendbar.

Hält man sich an diese Zuordnungen der verschiedenen Essenzen an die verschiedenen Bereiche der betreffenden Pflanzen, erzielt man die besten Ergebnisse hinsichtlich der Entwicklung und Widerstandskraft der pflanzlichen Organismen, nämlich der Keimfähigkeit, des Wachstums, der Reifung und der Erhöhung der Widerstandsfähigkeit der Pflanzen, wie auch des Schutzes der Pflanzen vor Schädlingsbefall.

Auch Tieren können ätherische Essenzen zugeführt werden, z.B. durch Zugabe zum Futter.

Ebenso können ätherische Essenzen in homöapatischer Vedünnung beim Menschen ihre Wirksamkeit entfalten.

Lebenden Organismen in wässrigen Lösungen bzw. aquatischen Systemen können eine oder mehrere ätherische Essenzen durch Zugabe in das betreffende Fluid, z.B. auch in Bächen und Flüssen, nämlich durch ein über einen längeren Zeitraum arbeitendes Dosiergerät, zugeführt werden.

Auch hier können ätherische Essenzen zur Anwendung kommen, die aus Blüten-, Frucht- und/oder Samenölen, aus Blattund/oder Sproßölen, aus Wurzel- und/oder Holzölen gewonnen sind.

Gemäß einem Ausführungsbeispiel wird eine Lösung mit einer ätherischen Essenz versetzt und als Tierbad verwendet.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zur biologischen Behandlung lebender Organismen, insbesondere Pflanzen, pflanzlichen Vermehrungsguts, Tieren und Mikroorganismen, auch in wässrigen Lösungen und aquatischen Systemen, dadurch gekennzeichnet, daß eine oder mehrere ätherische Essenzen zur Beaufschlagung der Organismen verwendet werden.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß den Organismen mindestens eine ätherische Essenz durch Besprühen oder Baden unmittelbar zugeführt wird.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß dem Vermehrungsgut mindestens eine ätherische Essenz durch ein Saatbad unmittelbar zugeführt wird.
  4. 4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß den Pflanzen mindestens eine ätherische Essenz durch Bodeneintragung mittelbar zugeführt wird.
  5. 5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß den Pflanzen mindestens eine ätherische Essenz mittels Kompostmaterials als Träger der ätherischen Essenz(en) mittelbar zugeführt wird.
  6. 6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß den Tieren mindestens eine ätherische Essenz über das Futter zugeführt wird.
  7. 7. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß den Organismen in wässrigen Lösungen bzw. aquatischen Systemen mindestens eine ätherische Essenz durch Zugabe in die wässrige Lösung bzw. das aquatische System zugeführt wird.
  8. 8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß als Essenz(en) verdünnte Lösung(en) verwendet wird/werden.
  9. 9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß die verdünnte(n) Lösung(en) eine enorme Verdünnung aufweist/aufweisen.
  10. 10. Verfahren nach den Ansprüchen 8 und 9, dadurch gekennzeichnet, daß die verdünnte(n) Lösung(en) eine Verdünnung von mindestens 1:1000 aufweist/aufweisen.
  11. 11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3 sowie 8 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß für den Blüten- bzw. Fruchtbereich der Pflanzen aus Blüten-, Frucht- und/oder Samenölen gewonnene Essenz(en) angewendet wird/werden.
  12. 12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 und 2 sowie 8 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß für den Blatt-, Sproßbzw. Stengelbereich der Pflanzen aus Blatt- und/oder Sproßölen gewonnene Essenz(en) angewendet wird/werden.
  13. 13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 und 2, 4 und 5 sowie 8 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß für den Wurzel- bzw. Stengelbereich der Pflanzen aus Wurzelund/oder Holzölen gewonnene Essenz(en) angewendet wird/werden.
  14. 14. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß Kompostmaterial mit mindestens einer ätherischen Essenz beaufschlagt wird.
  15. 15. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß einer wässrigen Lösung bzw. einem aquatischen System Essenz(en) zugeführt wird/werden, die aus Blüten-, Frucht- und/oder Samenölen gewonnen ist/sind.
  16. 16. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß einer wässrigen Lösung bzw. einem aquatischen System Essenz(en) zugeführt wird/werden, die aus Blatt- und/oder Sproßölen gewonnen ist/sind.
  17. 17. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß einer wässrigen Lösung bzw. einem aquatischen System Essenz(en) zugeführt wird/werden, die aus Wurzel- und/oder Holzölen gewonnen ist/sind.
  18. 18. Verfahren nach einem der Ansprüche 15 bis 17, dadurch gekennzeichnet, daß die die ätherische(n) Essenz(en) enthaltende wässrige Lösung als Tierbad dient.
  19. 19. Material zur biologischen Behandlung von Pflanzen, dadurch gekennzeichnet, daß Kompostmaterial vorgesehen ist, das mindestens eine ätherische Essenz enthält.
  20. 20. Material zur biologischen Behandlung lebender Organismen, insbesondere Tieren, auch in aquatischen Systemen, dadurch gekennzeichnet, daß Futtermaterial vorgesehen ist, das mindestens eine ätherische Essenz enthält.
  21. 21. Lösung, dadurch gekennzeichnet, daß eine wässrige Lösung vorgesehen ist, die mindestens eine ätherische Essenz enthält.






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