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Dokumentenidentifikation DE3808782C1 17.11.1988
Titel Verfahren zum Betäuben von lungenatmenden Schlachttieren
Anmelder Tönnies, Bernd, 4840 Rheda-Wiedenbrück, DE
Erfinder Tönnies, Bernd, 4840 Rheda-Wiedenbrück, DE
Vertreter Thielking, B., Dipl.-Ing.; Elbertzhagen, O., Dipl.-Ing., Pat.-Anwälte, 4800 Bielefeld
DE-Anmeldedatum 16.03.1988
DE-Aktenzeichen 3808782
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 17.11.1988
Veröffentlichungstag im Patentblatt 17.11.1988
IPC-Hauptklasse A22B 3/00

Beschreibung[de]

Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Betäuben von lungenatmenden Schlachttieren vor dem Entblutungsvorgang, insbesondere zum Betäuben von Schweinen, Rindern, Geflügel und dergleichen, wobei die an einen bestimmten Umgebungsluftdruck, wie den atmosphärischen Druck, gewöhnten Tiere vorübergehend einem Luftunterdruck ausgesetzt werden.

Ein solches Verfahren ist aus der US-PS 25 88 770 bekannt, danach werden die Schlachttiere in einer Unterdruckkammer einem derart vorbestimmten Luftunterdruck ausgesetzt, daß sie entweder betäubt oder getötet werden. Im ersteren Falle wird der Luftdruck in einem einstufigen Vorgang auf einen bestimmten Unterdruckwert gebracht, dem das Tier so lange ausgesetzt bleibt, bis ein Schlafzustand oder eine Bewußtlosigkeit erreicht ist. Im zweiten Falle, wenn also die Tötung des Tieres beabsichtigt ist, wird in einer zweiten Verfahrensstufe der Luftdruck noch weiter abgesenkt, um durch andauernden Sauerstoffentzug die Tötung zu bewirken. Nach neueren Erkenntnissen darf jedoch vor dem Entblutungsvorgang eine Tötung des betreffenden Schlachttieres nicht erfolgen, damit der Kreislauf des Tieres beim anschließenden Entblutungsvorgang noch aktiv beteiligt werden kann.

Ein anderes Problem ist es, bei den Schlachttieren vor oder während des Betäubungsvorganges eine Schmerz- oder Streßphase möglichst zu vermeiden. Denn eine solche Phase, die auf den natürlichen Abwehrmechanismus im Tierkörper zurückzuführen ist, bewirkt ein Erregungsstadium, das in ein Krampfstadium übergehen kann. Durch Krämpfe im Tierkörper kommt es zu Stoffwechselreaktionen, die für die Fleischqualität nachteilig sind, und es treten Störungen beim nachfolgenden Entblutungsvorgang auf.

Ferner haben Versuche gezeigt, daß ein einstufiges Aufbringen des Luftunterdrucks für den beabsichtigten Betäubungsvorgang bei den Schlachttieren nachteilig ist. An sich kann man den Betäubungsvorgang durch Aufbringung eines hohen Luftunterdrucks verkürzen, weil damit der Sauerstoffentzug wirksamer ist und der reflexlose Zustand des Tierkörpers schneller erreicht wird. Hierbei wird der Körper des Schlachttieres jedoch einer sehr schnellen Entspannung unterworfen, und der sich rasch vollziehende Druckausgleich im Tierkörper von innen nach außen hin kann zu Gefäß- und Gewebezerreißungen insbesondere in der Lunge führen. Folglich kann man mit einer einstufigen Luftdruckabsenkung kein besonders hohes Vakuum fahren, womit sich der gesamte Betäubungsvorgang verzögert.

Der Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, das Verfahren der eingangs genannten Art zu verbessern, indem mit der Unterdruckbetäubung möglichst schnell ein krampffreier, reflexloser Zustand des noch lebenden Tierkörpers erreicht wird.

Diese Aufgabe wird nach der Erfindung bei einem Verfahren der gattungsbildenden Art dadurch gelöst, daß der Luftunterdruck in einer ersten Stufe zunächst auf einen Zwischenwert abgesenkt wird und dann in zumindest einer weiteren Stufe auf einen Endwert abgesenkt und auf diesem Endwert gehalten wird, wobei die Zeitspanne der ersten Stufe so lang bemessen wird, bis die Schlachttiere keine Bewußtseinsreaktionen sondern nur noch Reflexe zeigen, und die Dauer der weiteren Stufe so lang bemessen wird, bis eine Reflexlosigkeit der Schlachttiere erreicht ist.

Der besondere Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens liegt darin, daß die Schlachttiere einer zweistufigen Dekompressionsphase ausgesetzt werden, wobei die erste Stufe der Dekompressionsphase eine Verzögerung des Atemreflexes bewirkt, weil nicht sofort der Unterdruckendwert erreicht wird, womit Streßeinflüsse für die Schlachttiere weitestgehend vermieden werden können. Zudem ermöglicht die erste Stufe des geringeren Luftunterdrucks eine Anpassung des Tierkörpers, um insbesondere Lungenzerreißungen nicht auftreten zu lassen. Während der ersten Stufe der Dekompressionsphase tritt eine solche Sauerstoffverarmung in den Ganglienzellen des Tierkörpers ein, daß schon nach wenigen Sekunden Bewußtseinsreaktionen nicht mehr auftreten. Wenn danach in der zweiten Stufe der Dekompressionsphase über eine Zeitspanne von ebenfalls wenigen Sekunden der Luftunterdruck auf seinen Endwert abgesenkt und anschließend für eine bestimmte Dauer gehalten wird, wird der Sauerstofftransport in der Blutbahn des Tieres blockiert, und es findet eine solche Sauerstoffverknappung in den Gehirn- und Rückenmarkszellen des Tieres statt, daß schon nach einer verhältnismäßig kurzen Reflexphase die Reflexlosigkeit erreicht wird, bei der die Nervenbahnen und insbesondere damit die Schmerzleitungsbahnen unterbrochen sind. Der Tierkörper fällt dann in einen schlaffen, krampfreien Zustand. Das alles findet bei noch regelmäßigem Herzschlag des Schlachttieres statt, so daß der Kreislauf des Tieres für den nachfolgenden Entblutungsvorgang noch aktionsfähig ist. Durch die zweite Stufe der Dekompressionsphase kann der eigentliche Betäubungsvorgang schneller von statten gehen, weil man nun einen niedrigen Enddruck erreichen kann, ohne daß sich schädliche Auswirkungen auf den Tierkörper infolge Unterdruckausgleichs ergeben.

Praktische Versuche an Schweinen haben ergeben, daß man mit einer Dauer der ersten Stufe, in der der Luftunterdruck auf den Zwischenwert abgesenkt wird, von etwa 3 Sekunden auskommt. Diese relativ geringe Zeitspanne reicht zur Verzögerung des Atemreflexes und zur Anpassung des Tierkörpers an den Unterdruck aus. Ausgehend von einem üblichen atmosphärischen Umgebungsluftdruck von 1030 mbar findet während dieser Stufe der Dekompressionsphase eine Absenkung des Luftdrucks auf etwa 150 mbar statt. In der nachfolgenden Stufe der Dekompressionsphase wird dann über eine Zeitdauer von vier Sekunden hinweg ein Luftunterdruck von 30 mbar erreicht, der anschließend über eine Zeitdauer von etwa 30 Sekunden gehalten wird, was - wie gesagt - an Schweinen erfolgreich erprobt worden ist. Bei anderen warmblütigen, lungenatmenden Tieren wird man auf empirischem Wege andere Zeitspannen und Luftunterdruckwerte einhalten müssen. Entscheidend dabei ist jedoch immer, daß zwar immer noch eine relativ plötzliche Luftdruckabsenkung erfolgt, dafür jedoch definierte Zeitspannen eingehalten werden, um einerseits physische Schäden, wie Zerreißungen von Lungengeweben und Kapillargefäßen, und andererseits Streß- sowie Schmerzphasen und dadurch bedingten Krampfzustände weitestgehend auszuschalten. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann am Schluß der Isokompressionsphase, während der der Luftunterdruck auf seinem Endwert über eine bestimmte Zeitdauer gehalten worden ist, in der letzten Rekompressionsphase der Luftdruck schlagartig auf den Ausgangsluftdruck gebracht werden, wonach die Schlachttiere so lange in dem schlaffen reflexlosen Zustand verbleiben, wie es für die Einleitung des sich anschließenden Entblutungsvorganges erforderlich ist. Solange bleibt die Herztätigkeit des Tieres und damit der Blutkreislauf unter unveränderten Bedingungen intakt, weswegen beim Entbluten der Blutkreislauf aktiv beteiligt ist, was den Entblutungsvorgang fördert.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zum Betäuben von lungenatmenden Schlachttieren vor dem Entblutungsvorgang, insbesondere zum Betäuben von Schweinen, Rindern, Geflügel und dergleichen, wobei die an einen bestimmten Umgebungsluftdruck, wie den atmosphärischen Druck, gewöhnten Tiere vorübergehend einem Luftunterdruck ausgesetzt werden, dadurch gekennzeichnet, daß der Luftunterdruck in einer ersten Stufe zunächst auf einen Zwischenwert abgesenkt wird und dann in zumindest einer weiteren Stufe auf einen Endwert abgesenkt und auf diesem Endwert gehalten wird, wobei die Zeitspanne der ersten Stufe so lang bemessen wird, bis die Schlachttiere keine Bewußtseinsreaktionen sondern nur noch Reflexe zeigen und die Dauer der weiteren Stufe so lang bemessen wird, bis eine Reflexlosigkeit der Schlachttiere erreicht ist.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Druckabsenkung von dem Umgebungsluftdruck auf den Zwischenwert des Luftunterdrucks in der ersten Stufe sowie von dem Zwischenwert auf den Endwert des Luftunterdrucks in der weiteren Stufe während weniger Sekunden erfolgt.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß bei Schweinen die Zeitspanne der ersten Stufe etwa drei Sekunden, und die Dauer der Druckabsenkung bis zur Erreichung des Unterdruckendwertes in der zweiten Stufe etwa vier Sekunden beträgt.
  4. 4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Endwert des Luftunterdrucks in der zweiten Stufe über eine Dauer von etwa 30 Sekunden gehalten wird.
  5. 5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß am Ende der Dauer der zweiten Stufe der Luftdruck schlagartig auf den Ausgangsluftdruck gebracht wird.
  6. 6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ausgehend von einem atmosphärischen Druck von etwa 1030 mbar in der ersten Stufe der Luftdruck auf etwa 150 mbar und in der zweiten Stufe auf etwa 30 mbar abgesenkt wird.






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