PatentDe  


Dokumentenidentifikation DE3720493A1 26.01.1989
Titel Arzneizubereitungen mit mikronisierten EBSELEN-Kristallen
Anmelder A. Nattermann & Cie GmbH, 5000 Köln, DE
Erfinder Römer, Axel, Dr., 5030 Hürth, DE;
Seidel, Jürgen, Dr., 5024 Pulheim, DE
Vertreter Cohausz, W., Dipl.-Ing.; Knauf, R., Dipl.-Ing.; Cohausz, H., Dipl.-Ing.; Werner, D., Dipl.-Ing.; Redies, B., Dipl.-Chem. Dr.rer.nat.; Fitzner, U., Dipl.-Ing. Dr.-Ing. Dr.jur., Pat.-Anwälte, 4000 Düsseldorf
DE-Anmeldedatum 20.06.1987
DE-Aktenzeichen 3720493
Offenlegungstag 26.01.1989
Veröffentlichungstag im Patentblatt 26.01.1989
IPC-Hauptklasse A61K 31/395
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft feste Arzneizubereitungen mit hoher Bioverfügbarkeit unter Verwendung von mikronisierten EBSELEN-Kristallen sowie Verfahren zu ihrer Herstellung.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft feste Arzneizubereitungen mit hoher Bioverfügbarkeit unter Verwendung von mikronisierten 2-Phenyl-1,2-benzisoselenazol-3(2H)-on (INN EBSELEN)- kristallen, die sich durch wertvolle pharmakologische Eigenschaften auszeichnen sowie Verfahren zu ihrer Herstellung. EBSELEN ist eine bekannte Substanz (DE-PS 30 27 073) und kann nach dem Verfahren von R. Weber und M. Renson, Bulletin de la Soc. Chim. de France 1976 (7/8), 1124-1126 durch Reaktion von 2-Methylseleno-N-phenyl-benzamid mit Phosphorpentachlorid und anschließender Hydrolyse hergestellt werden.

EBSELEN-Präparate können zur Behandlung zahlreicher Krankheiten verwendet werden, wie z.B. zur Prophylaxe und Therapie von Infektionskrankheiten, zur Therapie von malignen Tumoren, zur Stimulierung des Immunsystems oder bei Selen-Mangelkrankheiten. Hervorzuheben sind antiarteriosklerotische und entzündungshemmende Eigenschaften zur Therapie von rheumatischen Krankheiten. Darüber hinaus eignet sich EBSELEN zur Behandlung von Krankheiten, die durch eine Zellschädigung aufgrund vermehrter Bildung von aktiven Sauerstoffmetaboliten hervorgerufen werden, wie z.B. Leberschäden, Herzinfarkt, Psoriasis und Strahlenschäden.

Dem breiten Wirkungsspektrum entgegen steht die geringe Wasserlöslichkeit des EBSELENS und die dadurch ungünstig beeinflußte Bioverfügbarkeit. Durch die Bioverfügbarkeit wird vor allem die nach Applikation einer Arzneiform in den Blutkreislauf gelangte Pharmakonmenge charakterisiert. Zur Prüfung der Bioverfügbarkeit werden im allgemeinen Blutspiegelkurven verwendet. Voraussetzung hierfür ist, daß der Arzneistoff oder relevante Metaboliten im Blut mit chemisch-analytischen Verfahren erfaßbar ist und daß der Blutspiegel und die therapeutische Wirksamkeit des Arzneistoffs in Relation stehen.

Verglichen werden die Flächen unter den Blut(plasma)konzentrations-Zeit-Kurven (AUC = area under curve). Die Fläche unter der Kurve entspricht der Arzneistoffmenge, welche die systemische Zirkulation erreicht, in Abhängigkeit vom Verteilungsvolumen und der Eliminationsgeschwindigkeitskonstante (Metabolismus und Ausscheidung).

Zur Charakterisierung der Bioverfügbarkeit werden die folgenden Parameter herangezogen:

die Fläche unter der Blutspiegelkurve (AUC),

die Höhe des Blutspiegelmaximums Cmax,

die Zeit bis zum Erreichen des Blutspiegelmaximums Tmax.

Bei Blutspiegeluntersuchungen nach gleichen Dosierungen an Minipigs wurde gefunden, daß mikronisiertes EBSELEN eine überraschende Zunahme der Bioverfügbarkeit bewirkt.

Verglichen wurde dabei das bei der Synthese anfallende und bisher verwendete kristalline EBSELEN mit einer mittleren Teilchengröße von 70 µm mit dem mikronisierten EBSELEN der mittleren Teilchengröße 2 µm.

Das EBSELEN wurde in Hartgelatinekapseln in mikronisierter (2 µm) und kristalliner (70 µm) Form in einer Dosierung von 50 mg/kg Körpergewicht an fastende Minipigs verabreicht.

Die auf diese Weise erhaltenen Plasma-Konzentrationskurven in Abhängigkeit von der Zeit sind in Abb. 1 dargestellt und zeigen bei ähnlichem Verlauf sehr deutliche Unterschiede in ihren Cmax-Werten und folglich auch in den AUC-Werten.

Mit der mikronisierten Form wurden zwischen der 1. bis 4. Stunde nach der Einnahme Plasmaspiegel von 4,5 bis 5,5 mg Se/l erreicht. Bei dem 70 µm-EBSELEN war die Plasmakonzentration deutlich niedriger und bewegte sich bei ähnlichem Tmax zwischen 1,5-2,5 mg Se/l.

Nach 48 Stunden erreichten die Plasmaspiegel in beiden Fällen den Ausgangswert.

Die mittleren AUC-Werte (0-48 h) der beiden Formulierungen betrugen

41 mg×h/l für die 70 µm-Form

61 mg×h/l für die 2 µm-Form

Die mittlere kumulative Ausscheidung über den Harn - in % der Dosierung - betrug über einen Zeitraum von 48 Stunden 28 für die 70 µm-Form und 59 für die 2 µm-Form. Aus diesen Werten wird ersichtlich, daß die neue mikronisierte Form des EBSELENS erhebliche Vorteile gegenüber der 70 µm-Form bietet.

Der mittlere Plasmaspiegel ist um den Faktor 2 erhöht, ebenso die Ausscheidung über den Urin, der AUC-Wert ist um ungefähr 50% größer.

Die neue mikronisierte Form des EBSELEN zeigt eine erhöhte Bioverfügbarkeit und kann mit größeren Erfolgsaussichten zur Behandlung zahlreicher Krankheiten verwendet werden, wie z.B. zur Prophylaxe und Therapie von Infektionskrankheiten, zur Stimulierung des Immunsystems oder bei Selenmangelkrankheiten.

Die neue mikronisierte Form zeichnet sich besonders durch antiarteriosklerotische und entzündungshemmende Eigenschaften aus. Sie eignet sich daher besonders zur Therapie von rheumatischen Krankheiten, wie z.B. Arthrosen oder chronischer Polyarthritis, zur Lebertherapie, zur Behandlung von Hautkrankheiten wie Psoriasis. Die neuen Formulierungen zeichnen sich durch eine sehr gute Verträglichkeit aus, da sie untoxisch sind und im Gegensatz zu bekannten entzündungshemmenden Therapeutika keinerlei Ulcusbildung oder gastrointestinale Irritationen zeigen.

Die vorliegende Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Herstellung von festen Arzneizubereitungen, welche EBSELEN-Kristalle mit einem mittleren Durchmesser von 2 µm enthalten.

Die Herstellung der erfindungsgemäß verwendeten EBSELEN- Kristalle mit einem mittleren Durchmesser von 2 µm erfolgt, indem man die aus der Synthese von EBSELEN erhaltenen Kristalle mahlt. Die Mahlung kann z.B. mit Stiftmühlen oder Hammermühlen erfolgen. Durch Variation der Drehzahl der Mühle, der zulaufenden Menge Produkt und/oder der Mahlungsdauer kann EBSELEN der gewünschten Teilchengröße gewonnen werden. Besonders vorteilhaft ist die Mahlung mit Luftstrahlmühlen durchzuführen. Die Herstellung der erfindungsgemäßen Arzneizubereitungen erfolgt nach üblichen Methoden, indem man mikronisierte EBSELEN-Kristalle mit geeigneten Hilfsstoffen mischt oder granuliert und aus den Mischungen oder Granulaten nach üblichen Verfahren feste Arzneizubereitungen herstellt. Als feste Arzneizubereitungen seien vorzugsweise genannt: Tabletten, Pillen, Dragees und Kapseln.

Die vorliegende Erfindung betrifft ebenfalls pharmazeutische Präparate, welche mikronisiertes EBSELEN enthalten. Bei den erfindungsgemäßen pharmazeutischen Präparaten handelt es sich um solche zur enteralen, wie oralen oder rektalen sowie parenteralen Verabreichung, welche den pharmazeutischen Wirkstoff allein oder zusammen mit einem üblichen, pharmazeutisch anwendbaren Trägermaterial enthalten. Vorteilhafterweise liegt die pharmazeutische Zubereitung des Wirkstoffes in Form von Einzeldosen vor, die auf die gewünschte Verabreichung abgestimmt sind, wie z.B. Tabletten, Dragees, Kapseln, Suppositorien oder Granulate. Die Dosierung des Wirkstoffes liegt üblicherweise zwischen 10 und 2000 mg pro Tag, vorzugsweise zwischen 30 und 300 mg pro Tag und kann in einer Dosis oder mehreren Teildosen, vorzugsweise in zwei bis drei Teildosen pro Tag, verabreicht werden.

Die Herstellung der erfindungsgemäßen Arzneizubereitungen wird durch die folgenden Beispiele näher erläutert.

Beispiel 1 Tablette:

Mikronisiertes EBSELEN 250 mg

Lactose 160 mg

Kollidon 25 10 mg

Maisstärke 52 mg

Talkum 12 mg



Die aufgeführten Stoffe werden nach üblichen Verfahren gemischt und gepreßt. Die Preßlinge können gegebenenfalls mit einem Filmüberzug versehen werden. Beispiel 2 Kapsel:

Mikronisiertes EBSELEN 100 mg

Talkum 10 mg

Aerosil 200 20 mg



Die aufgeführten Stoffe werden nach üblichen Verfahren gemischt, granuliert und in Hartgelatinekapseln abgefüllt.


Anspruch[de]
  1. 1. Feste Arzneizubereitungen mit hoher Bioverfügbarkeit unter Verwendung von mikronisierten 2-Phenyl-1,2- benzisoselenazol-3(2H)-on (INN EBSELEN)-Kristallen.
  2. 2. Arzneizubereitungen gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß sie EBSELEN-Kristalle mit einem mittleren Durchmesser zwischen 10 und 1 µm enthalten.
  3. 3. Arzneizubereitungen gemäß den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß sie EBSELEN-Kristalle mit einem mittleren Durchmesser von 2 µm enthalten.
  4. 4. Feste Arzneizubereitungen gemäß den Ansprüchen 1 bis 3 in Form von Tabletten, Pillen, Dragees, Kapseln oder Suppositorien.
  5. 5. Verfahren zur Herstellung von festen Arzneizubereitungen gemäß den Ansprüchen 1-4, dadurch gekennzeichnet, daß man aus der Synthese erhaltene EBSELEN-Kristalle durch Mahlung oder Siebung in ein Kristallpulver mit einem mittleren Teilchendurchmesser von 2 µm überführt und aus diesen EBSELEN-Kristallen nach üblichen Methoden unter Verwendung von Hilfs- und Trägerstoffen feste Arzneizubereitungen formuliert.
  6. 6. Verwendung von EBSELEN-Kristallen mit einem mittleren Durchmesser von 2 µm zur Herstellung von Arzneizubereitungen.






IPC
A Täglicher Lebensbedarf
B Arbeitsverfahren; Transportieren
C Chemie; Hüttenwesen
D Textilien; Papier
E Bauwesen; Erdbohren; Bergbau
F Maschinenbau; Beleuchtung; Heizung; Waffen; Sprengen
G Physik
H Elektrotechnik

Anmelder
Datum

Patentrecherche

Patent Zeichnungen (PDF)

Copyright © 2008 Patent-De Alle Rechte vorbehalten. eMail: info@patent-de.com