PatentDe  


Dokumentenidentifikation DE3114002C2 24.05.1989
Titel Verfahren zur Herstellung von Gummigranulat
Anmelder Semperit Gummiwerk Deggendorf GmbH, 8360 Deggendorf, DE
Erfinder Baci, Erich, Ing., Ternitz-Pottschach, AT
DE-Anmeldedatum 07.04.1981
DE-Aktenzeichen 3114002
Offenlegungstag 11.02.1982
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 24.05.1989
Veröffentlichungstag im Patentblatt 24.05.1989
IPC-Hauptklasse B29B 17/02
Zusammenfassung Textilhaltiger Altgummi, insbesondere Alt-Pkw-Reifen mit einem überwiegenden Anteil an Styrol-Butadienkautschuk, wird zerkleinert und unter Dampfbehandlung auf 180 bis 220 ° C erhitzt. Dabei verkohlt der Textilanteil und man erhält ein textilfreies Regenerat.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Gummigranulat aus textilhaltigen, einen überwiegenden Anteil von Styrol-Butadienkautschuk enthaltenden Altreifen, wobei die Altreifen entwulstet, mechanisch zu Mahlgut zerkleinert und danach gegebenenfalls vorhandene Drahtteile, insbes. magnetisch, abgeschieden werden.

Es gibt derzeit eine Reihe von technischen Einsatzmöglichkeiten für Gummigranulat, wobei die Voraussetzung für die Einsatzmöglichkeit darin besteht, daß der Gummi im wesentlichen textilfrei und eisenfrei ist. Um diese Voraussetzung zu gewährleisten, geht man daher größtenteils bei der Herstellung derartigen Gummigranulats von textilfreien Gummiteilen, das sind insbesondere Laufflächen von Altreifen und hier wieder fast ausschließlich von LKW-Reifen aus. Das Abschälen der Lauffläche von PKW-Reifen ist im Vergleich zu der Menge an gewonnener Lauffläche zu gering um die Herstellung von Gummigranulat daraus wirtschaftlich zu gestalten, wenn nicht gleichzeitig die PKW-Karkasse runderneuert wird. Der zunehmende Bedarf an Gummigranulat mact es jedoch erforderlich, auch andere Teile der Altreifen, insbesondere ganze PKW-Reifen, eventuell inklusive Stahlcordgürtel, zur Herstellung von Granulat heranzuziehen.

Zur Abtrennung der Textilbestandteile im Altreifen wurden bereits eine Reihe von mechanischen und pneumatischen Verfahren entwickelt, denen gemeinsam der Anfall einer großen Menge eines Textil-Grummigemisches ist, das wirtschaftlich nicht verwendet werden kann. Entsprechend hoch sind die Kosten für das bei diesem Verfahren anfallende reine Gummigranulat.

Die Erfindung hat sich daher die Schaffung eines Verfahrens zum Ziel gesetzt, das es möglich macht, ein im wesentlichen textilfreies Gummigranulat aus solchen Reifenteilen herzustellen, die Textilverstärkungen besitzen. Dieses Verfahren soll dabei den Anfall von wirtschaftlich unverwertbaren Nebenprodukten vermeiden, so daß jeder Nebenaufwand, der die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens beeinträchtigen könnte, entfällt.

Dies wird bei einem Verfahren nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1 erfindungsgemäß dadurch erreicht, daß das Mahlgut anschließend etwa 40 bis etwa 90 Minuten lang mit Wasserdampf bei einer Temperatur von etwa 180 bis etwa 220°C behandelt wird.

Unter diesen Bedingungen kommt es zu einer Verkohlung des Textilanteils, so daß der Textilcharakter völlig verloren geht. Die für die Weiterverwendung des Gummigranulats nachteiligen Textileigenschaften, wie das Kompressionsverhalten, die Hydrophile und Kapillarwirksamkeit werden durch die erfindungsgemäße Behandlung beseitigt.

Es sind bereits Verfahren zur Herstellung von Gummiregenerat, das heißt replastifiziertem vulkanisiertem Gummi bekannt, bei denen Mahlgut aus überwiegend naturkautschukhaltigem Gummi, das sind hauptsächlich Laufflächen von LKW-Altreifen, mit einem Zusatz von etwa 10 Gew.-% Regenerierhilfsmittel (Quellmittel, Tallöle etc.) 21/2 bis 3 Stunden lang mit etwa 150°C heißem Wasserdampf behandelt und anschließend über Refinerwalzwerke homogenisiert wird. Bei diesem Verfahren tritt eine teilweise Depolymerisation des Gumminetzwerkes ein, so daß derartig hergestellte Gummiregenerate in gewissen Prozentsätzen neuen Kautschukmischungen als Ersatzkautschukkomponente zugesetzt werden können. Eventuell vorhandener Textilanteil verkohlt bei dieser Behandlung.

Dieses bekannte Verfahren ist auf überwiegend Styrol-Butadien- Gummi (SBR) enthaltende Vulkanisate nicht anwendbar, weil dieser nicht replastifizierbar ist, sondern unter Zyklisierung verhärtet.

Gemäß der Erfindung wurde aber überraschenderweise festgestellt, daß durch die erfindungsgemäße Behandlung des Mahlgutes ausschließlich mit Wasserdampf keine merkbare Verhärtung des SBR eintritt, sondern der Gummianteil im wesentlichen seine ursprünglichen Eigenschaften beibehält und nur die Textilfasern karbonisiert werden. Die Erfindung liefert somit ein Verfahren, mit dem erstmals PKW-Altreifen auf einfache Weise in wiederverwertbares Gummigranulat übergeführt werden können.

Zweckmäßigerweise findet die Behandlung mit Wasserdampf in einem geeigneten Autoklaven statt. Die gewünschte Temperatur läßt sich dann durch den Betriebsüberdruck des Wasserdampfes einstellen. Um eine Temperatur von etwa 205°C zu erreichen ist beispielsweise ein Überdruck von etwa 20 bar erforderlich.

Die mechanische Vorzerkleinerung der Altreifen nach Entfernen der Wülste geschieht zweckmäßig in einem Brecher. Aus dem Brecher erhält man Granulat mit einer Korngröße von etwa 7 bis 10 mm. Die anschließende Feinzerkleinerung kann beispielsweise auf Mühlen erfolgen. Bei Reifen, die in der Karkasse auch Stahldrahtanteile enthalten, schließt sich an die Feinzerkleinerung in der Mühle eine Magnetabscheidung der Drahtteilchen an.

Um die ausreichende Tiefenwirkung der erfindungsgemäßen Behandlung sicherzustellen, ist es zweckmäßig, wenn die Behandlung des Mahlgutes bei einer Korngröße desselben von etwa 0,2 bis etwa 1,5 mm durchgeführt wird. Der Weg, den der heiße Wasserdampf dann innerhalb des Granulatkorns zur Karbonisierung des Textils zurücklegen muß ist relativ klein, so daß auch die Behandlungszeit entsprechend gering gehalten werden kann. Es hat sich als vorteilhaft herausgestellt, wenn die Behandlung des Mahlgutes etwa 60 Minuten lang durchgeführt wird.

Das nach der Behandlung erhaltene textilfreie Gummigranulat kann anschließend noch gesiebt werden, wobei die größeren Korngrößen zur Feinvermahlung zurückgeführt werden können.

Der wesentliche Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht in seinem geringen Manipulationsaufwand und in der Tatsache, daß keinerlei Nebenprodukte anfallen. Die Anwendbarkeit des erfindungsgemäßen Verfahrens ist bei allen heute in der Reifenherstellung üblichen Textilmaterialien, das sind Rayon, Polyamid, Polyester und dergleichen gegeben.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zur Herstellung von Gummigranulat aus textilhaltigem, einen überwiegenden Anteil von Styrol-Butadien- Gummi enthaltenden Altreifen, bei dem die Altreifen entwulstet, mechanisch zu Mahlgut zerkleinert und danach gegebenenfalls vorhandene Drahtteile, insbesondere magnetisch, abgeschieden werden, dadurch gekennzeichnet, daß das Mahlgut anschließend etwa 40 bis etwa 90 Minuten lang mit Wasserdampf bei einer Temperatur von etwa 180 bis etwa 220°C behandelt wird.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Behandlung des Mahlgutes bei einer Korngröße desselben von etwa 0,2 bis etwa 1,5 mm durchgeführt wird.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Behandlung des Mahlgutes etwa 60 Minuten lang durchgeführt wird.






IPC
A Täglicher Lebensbedarf
B Arbeitsverfahren; Transportieren
C Chemie; Hüttenwesen
D Textilien; Papier
E Bauwesen; Erdbohren; Bergbau
F Maschinenbau; Beleuchtung; Heizung; Waffen; Sprengen
G Physik
H Elektrotechnik

Anmelder
Datum

Patentrecherche

Patent Zeichnungen (PDF)

Copyright © 2008 Patent-De Alle Rechte vorbehalten. eMail: info@patent-de.com