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Dokumentenidentifikation EP0199070 24.08.1989
EP-Veröffentlichungsnummer 0199070
Titel Verfahren zur Herstellung von Formteilen.
Anmelder Ametex AG, Niederurnen, CH
Erfinder Hofmann, Hans, CH-8722 Kaltbrunn, CH;
Meier, Ottokar, CH-8867 Niederurnen, CH;
Mühlethaler, Walter, C-1530 Payerne, CH;
Spiess, Hansueli, CH-8872 Weesen, CH
Vertreter derzeit kein Vertreter bestellt
DE-Aktenzeichen 3664458
Vertragsstaaten AT, BE, CH, DE, FR, GB, IT, LI, NL, SE
Sprache des Dokument De
EP-Anmeldetag 14.03.1986
EP-Aktenzeichen 861035038
EP-Offenlegungsdatum 29.10.1986
EP date of grant 19.07.1989
Veröffentlichungstag im Patentblatt 24.08.1989
IPC-Hauptklasse C04B 18/26

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Formteilen, insbesondere Bauplatten, aus mit Holzfasern armiertem, hydraulisch abbindbarem Material.

Es sind seit langem Formteile, insbesondere Platten aus zementgebundenem Material bekannt, welche Holz- oder Zellulosefasern als Armierung enthalten.

Die herkömmlichen Holz-Zementprodukte weisen einen ausserordentlich hohen Holzanteil von etwa 25-40 Gew.-% auf. Dabei sind die verwendeten Holzfasern verhältnismässig sehr grob (Holzspäne). Dabei wird ein Teil der verwendeten Holzfasern in sehr grober Form für die Herstellung der mittleren Schicht der Platte verwendet, während für die Deckschicht feinere Fasern eingesetzt werden. Zudem müssen die so hergestellten Platten zusätzlich noch einer Langzeitpressung unterzogen werden. Dies verhinderte bisher eine wirtschaftliche Herstellung, insbesondere von relativ dünnwandigen Produkten mit guten Festigkeitseigenschaften, insbesondere mit gutem Langzeitverhalten.

Ferner ist aus der DE-OS 30 07 012 eine Bauplatte bekannt, welche aus einem Faser-Bindemittel-Gemisch aus Holzspähnen und Zement unter Zusatz von Chemikalien hergestellt ist, wobei neben den Holzspänen noch zusätzliche Bewehrungsfasern (Glasfasern, Zellulosefasern, synthetische Fasern, Steinwollfasern) zur Erhöhung der Biegefestigkeit eingesetzt wurden. Die Herstellung erfolgte im Langfilzverfahren, welches erlaubte, die zusätzlichen Bewehrungsfasern auszurichten.

Eine Bauplatte nur mit Holzfasern zu bewehren und eine ausreichende Biegefestigkeit zu erreichen wurde dabei für ausgeschlossen gehalten.

Obwohl dieses Verfahren relativ einfach erscheint, müssen für solche bekannten Bauplatten neben den billigen Holzfasern noch zusätzliche teure Bewehrungsfasern eingesetzt werden.

Zweck der vorliegenden Erfindung ist somit die Schaffung eines Verfahrens zur Herstellung von Formteilen unter Verwendung von praktisch überall vorhandenen Materialien, nämlich Zement und Armierungsfasern aus Holz, wobei die Bereitstellung keine aufwendigen Vorbehandlungen bedingt, und die Herstellung wirtschaftlich erfolgen kann. Die entstehenden Produkte sollen dabei optimale Festigkeitswerte erlangen.

Das erfindungsgemässe Verfahren zur Herstellung von Formteilen aus hydraulisch abbindendem Material wie Zement, Gips, Kalk, das mit Holzfasern armiert ist, zeichnet sich dadurch aus, dass dem Bindemittel höchstens 15 Gew.-%, bezogen auf das Mischungsgewicht, armierende Holzfasern und/oder Holzfaserbündel sowie Wasser beigemischt werden, und das Ganze auf Entwässerungsmaschinen im Wickelverfahren zu Platten verarbeitet wird.

In gewissen Fällen kann es von Vorteil sein, neben den armierenden Holzfasern noch weitere organische Fasern einzusetzen, beispielsweise um spezifische Eigenschaften des Produktes zu modifizieren, wie z.B. Dilatationsverhalten, Porosität, oder um besonderen Festigkeitsanforderungen zu genügen.

Vorzugsweise wird mit Holzfasern mit verschiedenen Feinheiten gearbeitet.

Die vorzugsweise verwendeten Holzfasern haben beispielsweise eine Länge von 0,3-15mm und einen mittleren Durchmesser von 10-500 µm, je nach Art des eingesetzten Holzes und des angewendeten Defibrillierungsverfahrens.

Vor dem Erhärten können die erfindungsgemäss hergestellten Platten einer beliebigen Formgebung unterzogen werden (z.B. Bildung von Wellplatten).

Diese Herstellungsart ist ausserordentlich wirtschaftlich, insbesondere bei der Bildung von relativ dünnwandigen Platten.

Dank dem Einsatz einer relativ grossen Wassermenge, welche zur Bildung der Grundmasse dient, entsteht eine gleichmässige Mischung und Verteilung der Holzfasern. Damit ist eine Grundvoraussetzung für die geforderten Festigkeitswerte geschaffen. Durch die Herstellung der Formteile auf Entwässerungsmaschinen im Wickelverfahren, d.h. durch Uebereinanderlagern einer Mehrzahl von Materiallagen, von denen jede für sich relativ dünn ist, kann die in der Grundmasse vorhandene optimale Faserverteilung beibehalten und somit die gewünschte Festigkeit (Biegezugfestigkeit) der Endprodukte mit hervorragendem Alterungsverhalten gewährleistet werden.

Das Ganze erlaubt überraschenderweise mit einem grossen Holzfaseranteil zu arbeiten (mit eventuellen Prozessfasern als Zementrückhalt in der Matrix), d.h. ohne teure Zusatzfasern.

Durch den erfindungsgemässen Einsatz der Holzfaserbündel werden, neben den preislichen Vorteilen, die nachstehenden wesentlichen Verbesserungen gegenüber Faserzementprodukten mit chemisch aufgeschlossenen Zellstoffen erzielt:

- eine wesentlich geringere Versprödung

- eine hohe Langzeitbeständigkeit der Holzfaser in der Matriz des ganzen Gebildes

- eine wesentlich bessere Einbindung in der Matrix im Vergleich zu den üblicherweise verwendeten chemisch aufgeschlossenen Zellstoffen

- eine höhere Zähigkeit

Ein erfindungsgemäss hergestelltes Formteil weist üblicherweise etwa 7 Gew.-% Holzfasern, davon ca. 60-80% grobe und 20-40% feine, und 90 Gew.-% Bindemittel und Zuschlagstoffe auf.

Feine Fasern sind im vorliegendem Fall solche, welche eine Feinheit entsprechend Sieb mit Maschenzahl über 100 aufweisen, grobe Fasern solche mit Feinheit eines Siebes mit Maschenzahl unter 100.

Die Erfindung wird nachstehend anhand von Beispielen noch etwas näher erläutert.

Versuchsbeispiel

Auf einer Hatschekmaschine wurden gepresste Platten aus folgenden zwei Mischungen hergestellt und während 28 Tagen in einer Feuchtekammer bei 100% rel. Feuchtigkeit bei 25°C aushärten gelassen:

Die erfindungsgemäss eingesetzte Mischung wurde etwa wie folgt zubereitet:

80kg CTMP-Holzschliff (CTMP = Chemical-thermo-mechanical pulp) wurden in 1m³ Wasser mit 20kg Aluminiumsulfat während 10 Min. in einem Solvopulper gepulpt. Der Holzschliff zeigte nach der Bauer Mc Nett-Siebanalyse folgende Faktionen:

Nach dem Umpumpen der Faseraufschlämmung in einen Horizontalmischer wurde mit 2m³ Wasser weiter verdünnt und 720kg Portlandzement und 180kg Kalksteinmehl zugefügt. Nach einer Mischzeit von 10 Min. wurde die Aufschlämmung über eine Rührbütte der Hatschekmaschine zugefügt, wobei noch zusätzlich 80ppm eines Polyacrylamides zudosiert wurden. Auf der Maschine wurden mit sieben Umdrehungen der Formatwalze Platten von 6mm hergestellt. Die Hälfte der Platten wurden zwischen geölten Blechen während 45 Min. in einer Stapelpresse bei einem spezifischen Pressdruck von 250 bar auf eine Dicke von 4,9mm gepresst.

Nach der Aushärtung der Proben wurden diese einer beschleunigten Alterung unterworfen. Dieser Alterungstest bestand in folgenden Zyklen:

3Std aufheizen mittels JR-Lampen, trocken bis 80°C

9Std JR-Lampen, trocken bei 80°C

3Std Abkühlung, trocken bis 25°C

9 Std unter Wasser bei 25°C

Nach 1,3,6 und 12 Monaten wurden Proben gezogen und an diesen Platten die bruchmechanischen Daten im Wasser gesättigten Zustand bestimmt. Die in Tabelle II zusammengestellten Resultate zeigen, dass die Platten mit den erfindungsgemässen Holzfasern (Mischung A) eine ausgezeichnete Alterungs- und Langzeitbeständigkeit aufweisen, während die Platten mit dem Sulfatzellstoff über ein Jahr stark verspröden und schon deutliche Festigkeitseinbussen erleiden.

Die nachstehende Tabelle zeigt dabei die festgestellten Werte.

Als typische Beispiele seien nachstehende erfindungsgemäss eingesetzte Zusammensetzungen angegeben:

Unter Prozessfasern, auch Filterfasern genannt, sind allgemein faserige Systeme zu verstehen, welche keinen nennenswerten Beitrag zur eigentlichen Verstärkung des Zementes leisten. Die Hauptaufgabe dieser Fasern besteht darin, den Zement beim Entwässern der Faser-Zement-Aufschlämmung im Verbund zurückzuhalten.

Für das erfindungsgemässe Verfahren gegebenenfalls einzusetzende geeignete Filterfasern sind z.B. Zellulosefasern jeder Art, z.B. in Form von Chemical Pulp, Holzschliff, Altpapier, Holzmehl, zellulosehaltigen Abfällen von Müllbeseitigungsanlagen, etc. Es können aber auch Wollfasern, Seide oder "Fibride", z.B. aus Polyaethylen, verwendet werden.

Die Holzfasern können je nach Art und Einsatz der Formteile, der Art des Holzes und der Verarbeitung chemisch oder physikalisch vorbehandelt werden.

Unter chemischer Vorbehandlung versteht man z.B. die Mineralisierung der Holzfasern mittels Aluminium Sulfat zwecks Verbesserung der Zementabbindung, Verbesserung des Verbundes zwischen Matrix und Fasern wie auch des Brandverhaltens. Eine physikalische Vorbehandlung der Fasern durch Wärme bezweckt die Reduktion des Quellvermögens.


Anspruch[de]
  • 1. Verfahren zur Herstellung von Formteilen, insbesondere Bauplatten, aus mit Holzfasern armiertem, hydraulisch abbindendem Material, dadurch gekennzeichnet, dass dem Bindemittel höchstens 15 Gew.-%, bezogen auf das Trockengewicht der Mischung, armierende Holzfasern und/oder Holzfaserbündel sowie Wasser beigemischt werden und das Ganze auf Entwässerungsmaschinen im Wickelverfahren zu Platten verarbeitet wird.
  • 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Verarbeitung im Hatscheck- oder im Flow-on-Verfahren erfolgt.
  • 3. Verfahren nach Anspruch 1-2, dadurch gekennzeichnet, dass der Wasseranteil bezogen auf das Trockengewicht der Mischung mindestens 300 Gew.-%, vorzugsweise mindestens 400 Gew.-% beträgt.
  • 4. Verfahren nach Anspruch 1-3, dadurch gekennzeichnet, dass sich der Holzfaseranteil aus etwa 60-80% groben Fasern und etwa 20-40% feinen Fasern zusammensetzt.
  • 5. Verfahren nach Anspruch 1-4, dadurch gekennzeichnet, dass die Holzfasern eine Länge zwischen etwa 0,3-15 mm, vorzugsweise 0,5-6 mm und einen mittleren Durchmesser von etwa 10-500 µm aufweisen.
  • 6. Verfahren nach Anspruch 1-5, dadurch gekennzeichnet, dass der Mischung neben dem eigentlichen Bindemittel noch Füllstoffe, wie beispielsweise Kalksteinmehl, Asche, Schlacke oder Sand zugefügt werden.
  • 7. Verfahren nach Anspruch 1-6 dadurch gekennzeichnet, dass neben den armierenden Holzfasern noch natürliche oder synthetische Feinfasern als Prozessfasern eingesetzt werden.
  • 8. Verfahren nach Anspruch 1-7, dadurch gekennzeichnet, dass neben den armierenden Holzfasern noch weitere organische Fasern eingesetzt werden.
  • 9. Verfahren nach Anspruch 1-8, dadurch gekennzeichnet, dass eine Mischung folgender Zusammensetzung verwendet wird:
  • 10. Verfahren nach Anspruch 1-8, dadurch gekennzeichnet, dass eine Mischung folgender Zusammensetzung verwendet wird:
    und die Platten nach erfolgter Formgebung simultan einer Pressung von 400 bis 100 N/m² und einer Wärmebehandlung von 50 bis 95°C während 4-12 h unterzogen werden.
  • 11. Verfahren nach Anspruch 1-8, dadurch gekennzeichnet, dass eine Mischung folgender Zusammensetzung verwendet wird:
    und die Formstücke nach erfolgter Formgebung einer Autoklavhärtung unterzogen werden.
  • 12. Verfahren nach Anspruch 1-11, dadurch gekennzeichnet, dass die erstellten Platten vor dem Erhärten einer Formgebung, z.B. Wellung, unterzogen werden.
  • 13. Verfahren nach Anspruch 1-12, dadurch gekennzeichnet, dass die eingesetzten Holzfasern vorgängig der Verarbeitung einer Vorbehandlung unterzogen werden.
  • 14. Verfahren nach Anspruch 1-12, dadurch gekennzeichnet, dass jede Platte aus wenigstens 3 Wickellagen aufgebaut wird, wobei jede Lage vor dem Pressen vorzugsweise eine Dicke von höchstens 1,5mm aufweist.
  • 15. Formteil, insbesondere Bauplatte, hergestellt nach einem der Ansprüche 1-14.






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