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Dokumentenidentifikation DE3830011A1 15.03.1990
Titel Bekämpfung von Algen oder Flechten
Anmelder Dr. Wolman GmbH, 7573 Sinzheim, DE
Erfinder Heidenreich, Hans-Peter, 7570 Baden-Baden, DE;
Marx, Hans-Norbert, Dipl.-Ing., 7580 Bühl, DE;
Stanek, Richard, Dr., 7552 Durmersheim, DE
DE-Anmeldedatum 03.09.1988
DE-Aktenzeichen 3830011
Offenlegungstag 15.03.1990
Veröffentlichungstag im Patentblatt 15.03.1990
IPC-Hauptklasse A01N 33/26
IPC-Nebenklasse A01N 25/34   
IPC additional class // C09D 5/14,133/04,125/08  
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft Mittel zur Bekämpfung von Algen, Flechten oder Organismen, die sich unter Wasser oder in feuchter Luft auf festen Gegenständen ansiedeln. Diese Mittel enthalten ein Amin- oder Metallsalz des N-Cyclohexyldiazeniumdioxids oder eine Mischung dieser Salze.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Bekämpfung von Algen, Flechten oder Unterwasserorganismen.

Es ist bekannt, Metallsalze des N-Cyclohexyldiazeniumdioxids, insbesondere das Aluminiumsalz oder das Kupfersalz, als Holzschutzmittel zur Bekämpfung von Pilzen im Holz zu verwenden (DE 10 24 743).

Diese Holzschutzmittel haben den Nachteil, daß sie gegen holzverfärbende Pilze (Ascomyceten), Bakterien im Holz und das Holz besiedelnde Insekten (Käfer) nur schlecht wirksam sind.

Es ist ferner bekannt, bei Flachdächern Dachdichtungsbahnen aus organischen Polymeren zu verwenden, die der direkten Bewitterung ausgesetzt sind, durch Algen oder Flechten besiedelt werden und die dadurch, beispielsweise bei Rotalgenbefall, undicht werden.

Es ist ferner bekannt, daß in Wasser lebende Organismen, z. B. Insekten, Mollusken (Weichtiere, z. B. Schnecken oder Muscheln), Crustaceen, Krustentiere, z. B. Krebse, Acsidien, z. B. Seescheiden, Bryozoen, z. B. Moostierchen, und Unkraut auf Gegenständen, die sich unter Wasser (z. B. Seewasser) befinden, aufwachsen, z. B. auf Schiffsrümpfen, Fischernetzen, Piers, Unterwasserkabeln, Ein- und Auslaßrohren für Wasser, z. B. Kühlmittelleitungen. Sie werden bekanntlich mit Antifoulingmitteln, z. B. Antifoulingfarben, bekämpft. Zu diesem Zweck werden anorganische Schwermetallverbindungen, wie Kupfer(I)- oder Quecksilberoxid, sowie metallorganische Verbindungen, wei Zinn- oder Arsen-organische Verbindungen, verwendet. Diese Verbindungen sind jedoch toxikologisch nicht unbedenklich. Zum Beispiel in USA wurde deshalb die Auswaschrate der bioziden Wirkstoffe auf einen Wert von max. 168 µg/ft² pro 14 Tage begrenzt. Auch werden organische Halogenverbindungen, wie 1,2,3,4,5,6-Hexachlorcyclohexan und 1,1,1-Trichlor-2,2-bis(p-chlorphenyl)- ethan (DDT), eingesetzt. Diese halogenhaltigen Verbindungen haben den Nachteil, daß sie nur schwer abgebaut werden können und sich deshalb in den im Wasser lebenden Organismen kumulieren (anreichern) können. Deshalb besteht ein Bedarf an Antifoulingmitteln, die gegen im Wasser lebende Organismen ausreichend wirksam sind, gegenüber Säugetieren eine sehr niedrige Toxizität aufweisen und sicher zu handhaben sind.

Ein weiterer Bedarf an hochwirksamen und umweltfreundlichen Antibewuchsmitteln ist im Bereich der wärmegedämmten Fassaden von Gebäuden entstanden. Sie bieten, insbesondere in Gegenden mit hoher Luftfeuchtigkeit, ideale Wuchsbedingungen für Algen, Flechten und andere Mikroorganismen, was relativ schnell zu einem Befall der Fassaden mit diesen Lebewesen führen kann.

Es wurde nun gefunden, daß Amin- oder Metallsalze des N-Cyclohexyldiazeniumdioxids (HDO-Salze) oder eine Mischung dieser Salze zur Bekämpfung von Algen, Flechten oder Organismen, die sich unter Wasser oder in feuchter Luft auf festen Gegenständen ansiedeln, sehr gut geeignet sind. Sie können beispielsweise in Mitteln zur Bekämpfung dieser Lebewesen enthalten sein. Diese Mittel enthalten nach dem Trocknen (in der Trockensubstanz) z. B. 0,1 bis 30 Gew.-%, insbesondere 1 bis 15 Gew.-%, an dem Wirkstoff. Die Mittel können zusätzlich auch noch einen weiteren bekannten bioziden Wirkstoff enthalten.

Aminsalze sind z. B. die Salze von Ammoniak, Tri-(C1-4)-alkylamin, z. B. Trimethylamin, oder Tri-C1-4-Alkylanolamine, z. B. Triethanolamin, oder Salze von stickstoffhaltigen 6-Ring-Heterocyclen mit einem Stickstoffatom im Ring, z. B. Morpholin oder N-Tridecyl-2,6-dimethylmorpholin (Tridemorph). Unter den Metallsalzen zeigt das Kupfersalz eine besonders ausgeprägte gute Wirkung. Weiterhin können z. B. die Aluminium-, Magnesium-, Zink- und Zinnsalze oder ihre Mischungen verwendet werden.

Die Anwendung erfolgt z. B. in der Weise, daß die Wirkstoffe beispielsweise zum Schutz organischer Polymere direkt in die Kunststoffmatrix eingearbeitet werden, wie z. B. im Fall von extrudierten oder kalandrierten Dachdichtungsbahnen, oder sie werden als biozide Komponenten z. B. den flüssigen oder pastösen Farben, Putzen, Kitten oder Spachtelmassen zugemischt, die als Mittel gegen den Bewuchs verwendet werden sollen.

Je nach den Anforderungen der einzelnen Verwendungsgebiete können die HDO-Salze in wäßrige Formulierungen (Dispersionsfarben, -putze, -spachtel, Emulsionspräparate) oder auch in organische Lösemittel enthaltende Zubereitungen (z. B. Antifoulingfarben) eingearbeitet werden.

Im Vergleich zu den bekannten, als Antibewuchsmitteln verwendeten bioziden Wirkstoffen (vorwiegend auf Basis von zinnorganischen Verbindungen) zeichnen sich die neuen Mittel insbesondere durch ihre bessere toxikologische Verträglichkeit und damit Umweltfreundlichkeit aus.

Die Verwendungsmöglichkeiten der neuen Mittel sollen anhand der nachfolgenden Anwendungsbeispiele erläutert werden.

Beispiel 1 Bewuchshemmendes Mittel für den Dachbereich

Aus Polyisobutylen-Granulat, das mit unterschiedlichen Mengen der Wirkstoffe versetzt war, wurden 1 mm starke und 50 cm breite Folien extrudiert.

Die Folien wurden künstlich aufgerauht und als 2 m lange Musterabschnitte auf einem Flachdach verlegt, wo durch hohen Baumbewuchs und einen in der Nähe befindlichen Ventilationsschacht einer Großküche besonders günstige Vegetationsbedingungen (hohe Luftfeuchtigkeit, Schatten) für einen Bewuchs auf dem Dach vorhanden sind.

Nach 2jähriger Verweilzeit wurden die Folien im Spätherbst ausgebaut und der Algenbefall nach einer 4stufigen Bewertungsskala (0=kein Befall, 1=gering, 2=mittel, 3=stark befallen) beurteilt.

Beispiel 2 Antifoulingwirkung

50×50 cm große Musterplatten aus 3 mm starkem glasfaservertärktem Polyesterharz wurden mit jeweils 250 g/m² einer handelsüblichen Chlorkautschukfarbe, die mit verschiedenen Wirkstoffmengen versetzt war, gestrichen und für 4 Monate (Mai-August) in der Meeresbucht von Rabac an der Ostküste von Istrien (Jugoslawien, Mittelmeer) versenkt.

Bei der Auswertung wurde der Bewuchs mit Acsidien, Bryozoen und Algen nach einer 4stufigen Bewertungsskala (0=kein Bewuchs, 1=gering, 2=mittel und 3=stark bewachsen) beurteilt.

Als bekannter Vergleichswirkstoff wurde TBTF (Tributylzinnfluorid) in den Testversuch einbezogen.



Die Wirkung der HDO-Salze ist etwa so gut wie die der bekannten Zinnverbindung, ohne daß die HDO-Salze toxikologisch so bedenklich sind wie die Zinnverbindung.

Beispiel 3 Bewuchshemmende Mittel für den Fassadenbereich an Häusern

Als Testobjekt diente ein zweistöckiges Wohnhaus, dessen Nord-West-Fassade einen sehr starken Algenbefall aufwies und nur im Randbereich durch Fenster unterbrochen war. Das Wohnhaus war Mitte der siebziger Jahre (etwa 1975) mit einem auf aufgeschäumtem Polystyrol basierenden Wärmedämmverbundsystem versehen worden. Die äußere Beschichtung bestand aus einem Rollputz auf Basis einer Dispersion mit organischen Polymeren, der mit den üblichen Konservierungsmitteln für die Dispersion ausgerüstet war. Nach Angaben des Hausbesitzers zeigten sich schon nach zwei Jahren Anzeichen eines beginnenden Algenbefalls.

Im Rahmen der Sanierung der Fassade wurden die befallenen Stellen mit Chlorbleichlösung (NaOCl-Lösung) vorbehandelt und danach mit Dampfstrahlen gesäubert. Anschließend wurden drei Seiten des Hauses mit einer Fassadenfarbe gestrichen, die 2 Gew.-% eines handelsüblichen bekannten Algizids enthielt.

An der Nordwestfassade dagegen wurde eine Testfläche von 5,2×7 m ausgespart, die in 18 gleich große (2 m hoch, 1 m breit) Einzelfelder aufgeteilt wurde.

Für die Beschichtung der einzelnen Felder wurde die Fassadenfarbe mit unterschiedlichen Wirkstoffen gemischt und auf jeweils zwei getrennt liegende Einzelfelder aufgebracht.

Die bewuchshemmende Wirkung der einzelnen Wirkstoffe wurde nach zwei, drei und vier Jahren bewertet.

Grundlage daür war eine 4stufige Bewertungsskala (0=kein Bewuchs, 1= gering, 2=mittel, 3=stark bewachsen).


Anspruch[de]
  1. 1. Mittel zur Bekämpfung von Algen, Flechten oder Organismen, die sich unter Wasser oder in feuchter Luft auf festen Gegenständen ansiedeln, enthaltend ein Amin- oder Metallsalz des N-Cyclohexyldiazeniumdioxids oder eine Mischung dieser Salze.
  2. 2. Verwendung eines Amin- oder Metallsalzes des N-Cyclohexyldiazeniumdioxids oder einer Mischung dieser Salze zur Bekämpfung von Algen, Flechten oder Organismen, die sich unter Wasser oder in feuchter Luft auf festen Gegenständen ansiedeln.
  3. 3. Verfahren zur Bekämpfung von Algen, Flechten oder Organismen, die sich unter Wasser oder in feuchter Luft auf festen Gegenständen ansiedeln, dadurch gekennzeichnet, daß man die Gegenstände, die vor dem Befall durch die obengenannten Lebewesen geschützt werden sollen, mit einem Amin- oder Metallsalz des N-Cyclohexyldiazeniumdioxids oder mit einer Mischung dieser Salze behandelt.
  4. 4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß man die Gegenstände, die vor dem Befall geschützt werden sollen, mit einem Mittel behandelt, das in der Trockensubstanz 0,1 bis 30 Gew.-%, insbesondere 1 bis 15 Gew.-% des Salzes oder einer Mischung der Salze enthält.
  5. 5. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß man neben dem Salz einen anderen bekannten bioziden Wirkstoff verwendet.
  6. 6. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß man 0,1 bis 30 Gew.-% des Salzes oder einer Mischung der Salze in eine Folie oder Platte einarbeitet, durch welche die Oberfläche des zu schützenden Gegenstandes bedeckt wird.






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