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Dokumentenidentifikation DE3919692A1 20.12.1990
Titel Verfahren zum Erzielen von Mustereffekten beim Färben oder Bedrucken von Textilmaterial in Abwesenheit von Alkali oder Reduktionsmitteln
Anmelder Hoechst AG, 6230 Frankfurt, DE
Erfinder Martini, Thomas, Dr., 6233 Kelkheim, DE
DE-Anmeldedatum 16.06.1989
DE-Aktenzeichen 3919692
Offenlegungstag 20.12.1990
Veröffentlichungstag im Patentblatt 20.12.1990
IPC-Hauptklasse D06P 1/52
IPC-Nebenklasse D06M 15/61   D06M 15/55   D06P 1/38   D06P 1/39   D06P 1/30   D06P 1/44   
IPC additional class // D06P 3/60,3/66,3/82,D06M 11/82,11/50,11/30,13/438,C09B 62/503,62/28,62/12,62/04,62/20,62/343  
Zusammenfassung Das Verfahren dient zum Erzielen von Mustereffekten beim Färben oder Bedrucken von Textilmaterial. Das Textilmaterial wird mit einem Kationisierungsmittel vorbehandelt und getrocknet. Auf die vorbehandelte Ware wird anschließend ein Oxidationsmittel in Form eines Musters aufgebracht. Danach wird mit Reaktiv-, Direkt-, Säure-, wasserlöslichen Schwefelfarbstoffen oder Pigmentfarbstoffen gefärbt oder bedruckt, wobei kein Alkali oder Reduktionsmittel vorhanden ist.

Beschreibung[de]

Das Färben von Textilmaterialien, wie z.V. Geweben, Gewirken oder auch Garnen und Fäden, bestehend aus oder enthaltend Cellulosefasern, mit Reaktivfarbstoffen kann nach bekannten Verfahren dadurch erfolgen, daß das Textilmaterial nach Art eines Ausziehverfahrens mit einer Reaktivfarbstoff enthaltenden Färbeflotte, meist bei erhöhter Temperatur und bei den meisten handelsüblichen Reaktivfarbstoffentypen in Gegenwart von Alkali, behandelt wird, oder es können kontinuierliche bzw. diskontinuierliche Prozesse, wie z.B. das sogenannte Pad-Steam-Verfahren, oder das Kaltverweilverfahren angewendet werden. Beim Pad-Steam-Prozeß wie auch beim Kaltverweilverfahren wird das Textilmaterial zunächst mit einer Reaktivfarbstoffflotte geklotzt, wobei das zur Fixierung notwendige Alkali überlicherweise in einem getrennten Imprägnierschritt appliziert wird. Beim Pad-Steam-Verfahren wird die Farbstoffixierung dann durch einen Dämpfprozeß, beim Kaltverweilverfahren durch Aufdocken der imprägnierten Ware und mehrstündiges Verweilen bei Raumtemperatur vollzogen. Auch andere Fixiermöglichkeiten, wie z.B. das Behandeln der mit einer alkalifreien Reaktivfarbstoffflotte geklotzten Ware mit einer Natronlauge/Wasserglaslösung sind bekannt geworden und werden technisch ausgeübt.

Bei allen genannten Reaktiv-Färbeverfahren wird im Verlauf des Färbevorgangs eine kovalente chemische Bindung zwischen Farbstoffmolekül und Cellulosemolekül hergestellt. Hierfür ist in jedem fall die Anwesenheit von Alkali zwingend notwendig.

In der EP-Anmeldung 02 84 010 ist ein Verfahren zum Färben von Cellulosefasern mit Reaktivfarbstoffen beschrieben, bei dem die Anwesenheit von Alkali nicht erforderlich ist. Die Fixierung der Farbstoffe auf den Fasern wird bei diesem Verfahren dadurch erreicht, daß die Fasern vor dem Färben mit einem Kationisierungsmittel z.B. in Form eines Umsetzungsproduktes aus Polyethylenimin und einem bifunktionellen Alkylierungsmittel vorbehandelt wird.

Alle diese Färbeverfahren sind darauf angelegt, eine möglichst gleichmäßige Verteilung der Farbstoffe über die gesamte Länge und Breite des Textilmaterials zu erhalten.

In weiterer Ausgestaltung des in der EP-Anmeldung 02 84 010 beschriebenen Verfahrens wurde nun gefunden, daß man bei dieser Art des Färbens oder auch Druckens in Abwesenheit von Alkali Mustereffekte erreichen kann, indem auf das Textilmaterial das zuvor mit dem Kationisierungsmittel behandelt wurde, ein Oxidationsmittel in Form eines Musters aufgetragen wird.

Gegenstand der Erfindung ist somit ein Verfahren zum Erzielen von Mustereffekten beim Färben oder Bedrucken von Textilmaterial in Abwesenheit von Alkali oder Reduktionsmitteln, bei dem man das Textilmaterial mit einem Kationisierungsmittel vorbehandelt, trocknet, ein Oxidationsmittel mustermäßig aufbringt, trocknet und in Abwesenheit von Alkali- oder eines Reduktionsmittels mit Reaktiv-, Direkt-, Säure-, wasserlöslichen Schwefelfarbstoffen oder Pigmentfarbstoffen färbt oder bedruckt.

Das zu färbende oder zu bedruckende Textilmaterial besteht ganz aus Baumwolle oder es handelt sich um Mischungen von Baumwolle mit anderen Fasern synthetischer oder natürlicher Art. Dieses Textilmaterial, das als fertiges Gewebe, Gewirk oder als Garn vorliegen kann, wird zunächst mit einem Kationisierungsmittel behandelt. Kationisierungsmittel sind in der Färberei und Druckerei generell bekannt, sie werden in erster Linie zur Nachbehandlung von gefärbten Textilmaterial genommen, um die Echtheiten der Färbungen zu verbessern. Bevorzugt werden im Rahmen dieser Erfindung folgende Kationisierungsmittel genommen:

I. Umsetzungsprodukte von Polyethyleniminen der Formel



worin

X ein Rest der Formel -(CH&sub2;-CH&sub2;-NH)c-H

a und b unabhängig voneinander Zahlen von 0 bis 600 sind wobei die Summe a+b eine Zahl von 60-600 ist und

c eine Zahl von 0 bis 50 ist, mit bifunktionellen Alkylierungsmitteln, vorzugsweise solchen Alkylierungsmitteln der Formel (II)

A-Z-A (II)

worin A den Rest eines alkylierenden Agenz und Z entweder eine direkte Bindung oder ein zweiwertiges Brückenglied bedeutet.

Besonders geeignet für die Umsetzung mit den Polyethyleniminen zu erfindungsgemäßen einzusetzenden Hilfsmitteln sind solche bifunktionellen Alkylierungsmittel der Formel II, in denen A eine Gruppe der Formel -CH&sub2;-Y, worin Y ein als Anion abspaltbarer Substituent, insbesondere Chlor, Brom, Jod oder -OH oder eine als Anion abspaltbare Gruppe, insbesondere die Sulfatogruppe oder eine Sulfonyloxygruppe, insbesondere Phenylsulfonyloxy oder p-Tolylsulfonyloxy, oder die Epoxygruppe



bedeutet und Z, sofern es keine direkte Bindung ist, für einen zweiwertigen geradkettigen oder verzweigten Rest der Formel (III)

-CnH2n- (III)

worin n einen Zahl von 1 bis 4 ist, einen zweiwertigen Rest der Formel IV

-CmH2m-D-CmH2m- (IV)

worin m die Zahl 1 oder 2 bedeutet und D für -O-, -S-, -NH-, -CO-, -SO-, -SO&sub2;-, oder für Phenylen steht.

Bevorzugt für die Umsetzung mit Polyethylenimin zu erfindungsgemäß einzusetzenden Hilfsmitteln sind solche bifunktionellen Alkylierungsmittel, in denen A Gruppen der Formel -CH&sub2;-Y sind, die über ein Brückenglied der Formel IV miteinander verknüpft sind, oder solche, in denen einer der Rest A eine Gruppe der Fortmel -CH&sub2;-Y ist, die direkt an eine Epoxygruppe gebunden ist.

Beispiele für solche bifunktionellen Alkylierungsmitteln sind Epichlorhydrin, Glycid, 1,3-Dichlor-propan-2-ol, β,β&min;-Dichlor-diethylether, β,β&min;-Dichlor-diethylamin, β,β&min;-Dichlor-diethylsulfid, β,β&min;-Dichlor-diethylsulfoxid, β,β&min;-Dichlor-diethylsulfon, β,β&min;-Disulfatoethylether, β,β&min;-Diphenylsulfonyloxyethylether, meta- oder para-Diepoxyethylbenzol, meta- oder para-Diepoxypropylbenzol, Diepoxybutan, Diepoxy-2-methylbutan, Diepoxypropylamin.

Diese Umsetzungsprodukte, ausgehend von Polyethylenimin, sind im Detail in US 45 88 413 beschrieben. Diese Umsetzungsprodukte können auch mit C&sub1;-C&sub4;-, vorzugsweise C&sub1;-C&sub3;-Alkylgruppen quaterniert sein. Die Quaternierung kann mit Alkyhalogeniden, bevorzugt Alkylchloriden, oder Dialkylsulfaten nach bekannten Methoden vorgenommen werden.

II.Umsetzungsprodukte aus einem Epichlorhydrin und Ammoniak oder einem Amin der Formel



worin

A Wasserstoff, Alkyl mit 1 bis 5 C-Atomen, Hydroxyalkyl mit 1 bis 5 C-Atomen,

R Alkyl mit 1 bis 5 C-Atomen, Hydroxyalkyl mit 1 bis 5 C-Atomen,

eine Gruppe der Formel



eine Gruppe der Formel



oder R und A zusammen



und alkylen jeweils C&sub1;-C&sub6;-, vorzugsweise C&sub2;-C&sub3;-alkylen bedeuten.

Diese Kationisierungsmittel werden hergestellt durch Reaktion eines Epihalogenhydrins, vorzugsweise Epichlorhydrin, mit Ammoniak oder einem Amin der angegebenen Formel bei Temperaturen von ca. 60 bis 70°C in Wasser oder einem niederen Alkohol als Lösungsmittel. Gegebenenfalls können diese Kationisierungsmittel auch quaterniert werden, beispielsweise mit C&sub1;-C&sub4;-Dialkylsulfaten oder C&sub1;-C&sub4;-Alkylchloriden.

Als Amine, die der vorstehend aufgeführten Formel entsprechen, seien beispielsweidse genannt:

Mono-methyl-, -äthyl-, -propyl-, -isopropyl-, -butyl-, -isobutylamin, Monooxäthyl, Monooxypropylamin, Äthylendiamin, Diaminopropane, Diaminobutane, Diaminohexan, 3,3&min;-Diaminodipropyläther, Piperazin, Monooxäthyl- und Di-oxäthyläthylendiamin, Diäthylentriamin, Dipropylentriamin, Triäthylentetramin u.a.

Die Herstellung dieser Kationisierungsmittel ist im einzelnen in DE-A 16 19 392 beschrieben.

Diese zuvor beschriebenen Kationisierungsmittel werden zusammen mit einem in der Textilindustrie üblichen Netz- oder Klotzhilfsmittel aus wäßriger Flotte auf das zu färbende oder zu bedruckende Textilmaterial aufgebracht.

Als derartige Netz- oder Klotzhilfsmittel werden Alkansulfonate, Di-alkyl-sulfosuccinate, Di-alkyl-phosphate oder Propylenoxid-Ethylenoxid- Blockpolymerisate mit einem Anteil von 40-80 Gew.-% an Ethylenoxid genommen, insbesondere aber nichtionische Verbindungen, beispielsweise oxethyliertes Nonylphenol.

Die Vorbehandlung mit dem Hilfsmittel zusammen mit einem nichtionischen Netzmittel geschieht aus wäßriger Flotte nach üblichen Verfahren durch Foulardieren oder im Ausziehverfahren bei Temperaturen von ca. 20 bis 70°C, vorzugsweise 40 bis 60°C, in der Schlichte von 80°C bis Kochtemperatur. Die Flotte wird auf einen schwach saueren pH-Wert, vorzugsweise pH 6, eingestellt. Die Menge an Hilfsmittel beträgt ca. 3 bis 10%, vorzugsweise 3 bis 8%, bezogen auf das Warengewicht. Die Menge an Netzmittel beträgt vorzugsweise 2 bis 4 g/l. Die Vorbehandlungsflotte wird abschließend abgequetscht und die Ware getrocknet.

Auf die so vorbehandelte Ware wird dann anschließend ein Oxidationsmittel in Musterform aufgebracht. Als Oxidationsmittel kommen insbesondere in Frage Persulfat, Natriumchlorit, Natriumhypochlorit, Perborate, Wasserstoffperoxid oder chlorhaltige Amide wie z.B. N-Chlor-N-methylparatoluolsulfonsäureamid. Diese Oxidationsmittel werden üblicherweise in Form von sogenannten Einstellungen benutzt, die neben dem Oxidationsmittel noch Netzmittel, Dispergiermittel, Entschäumer, Stabilisatoren und anderen Hilfsmitteln enthalten.

Diese Oxidationsmittel werden als wäßrige Einstellungen mit einem Gehalt von ungefähr 0,05 bis 50 Gew.-% an Oxidationsmittel auf das Textilmaterial aufgetragen. Die Flottenaufnahme beträgt etwa 5 bis 200 Gew.-%. Der Auftrag dieser Oxidationsmittel erfolgt durch gleichmäßiges oder ungleichmäßiges Aufsprühen, Aufdrucken, Aufpinseln oder durch ähnliche Techniken. Man kann das Oxidationsmittel auch in einer Musterform, z.B. in einer Schablone auf das Textilmaterial aufbringen.

Eine bevorzugte Verfahrensvariante besteht darin, daß man Kettgarn in üblicher Weise mit einem Schlichtemittel behandelt, wobei das Schlichtemittel zusätzlich noch ein Kationisierungsmittel enthält. Nachdem Trocknen wird dann das Kettgarn verwebt und auf das Gewebe das Oxidationsmittel aufgebracht. Die Anwesenheit des Schlichtemittels, wie z.B. Polyvinylalkohol oder Stärkeschlichten bewirkt, daß die Konturenschärfe der Mustereffekte erhöht sind.

Die mit Oxidationsmittel so vorbehandelte Ware wird dann anschließend nach üblichen Verfahren und auf üblichen Färbeaggregaten mit Direkt-, Reaktiv- oder sulfogruppenhaltigen Schwefelfarbstoffen gefärbt, beispielsweise nach dem Kaltverweilverfahren oder nach einem Ausziehverfahren. Das Flottenverhältnis kann dabei etwa 1 : 3 bis 1 : 40 betragen. Wichtig ist hierbei jedoch, daß, im Gegensatz zu der bisher üblichen Arbeitsweise, im vorliegenden Fall kein Alkali oder Reduktionsmittel eingesetzt wird.

Als Reaktivfarbstoffe bei diesem Verfahren kommen alle bekannten Typen von Reaktivfarbstoffen in Frage, die gegenüber den Hydroxylgruppen der Cellulose reaktionsfähige Gruppen enthalten und unter den erfindungsgemäß beschriebenen Färbebedingungen bevorzugterweise durch Reaktion mit den beschriebenen, auf dem Zellulosematerial fixierten Polymerisaten reagieren. Die reaktionsfähigen Gruppen sind beispielsweise Gruppen mit leicht abspaltbaren Substituenten, die einen elektrophilen Rest hinterlassen, wie Reaktivgruppen des Vinylsulfon-Typs, mit Halogenatomen substituierte Gruppen der Ringsysteme Chinoxalin, Phthalazin, Triazin, Pyrimidin oder Pyridazon oder mit Alkylsulfonylresten substituierte reaktive Gruppen bei Sulfonylpyrimidin- oder Sulfonylbenzthiazolfarbstoffen. Im einzelnen sind Farbstoffe mit den reaktiven Gruppen β-Sulfatoethylsulfon, β-Chlorethylsulfon, β-Thiosulfatoethylsulfon, β-Phosphatoethylsulfon, Chlortriazinylamino, Dichlortriazinylamino, Chlortriazinyldiamino, Trichlorpyrimidylamino, Dichlorpyrimidylamino, Dichlorpyridazinylamino, Trichlorpyridazinylamino, Dichlorpyridazinylcarbonylamino, 2-Chlor-benzthiazol-6-yl-amino, 2-Methylsulfonylbenzthiazol-6-yl-amino, 2,3-Dichlorchinoyalin-6-yl- carbonylamino oder 4-Chlor-5-methyl-2-methylsulfonylpyrimid-3-yl-amino zu erwähnen.

Geeignete Farbstoffgrundkörper der Reaktivfarbstoffe sind beispielsweise wasserlösliche Azo-, Disazo-, Formazan-, Anthrachinon-, Dioxazin- oder Phthalocycaninfarbstoffe. Bevorzugt werden wasserlösliche Azo- und Disazoreaktivfarbstoffe, die auch Metallkomplexreaktivfarbstoffe sein können, verwendet. Nach dem Färben wird die Ware durch Spülen, evtl. Seifen und Trocknen fertiggestellt.

Das erfindungsgemäße Verfahren läßt sich nicht nur mit Reaktivfarbstoffen durchführen, sondern in gleicher Weise auch mit anderen Farbstofftypen, die anionische, beispielsweise Sulfogruppen enthalten, wie beispielsweise Direktfarbstoffe, Säurefarbstoffe.

Man erreicht mit diesen Farbstoffen ähnliche Effekte und Echtheiten wie mit den Reaktivfarbstoffen. Beim Einsatz wasserlöslicher Schwefelfarbstoffe wurden besonders hohe Lichtechtheiten erzielt. Daneben können in dem Verfahren auch Pigmentfarbstoffe, Küpen- und Schwefelküpenfarbstoffe angewendet werden.

Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich besonders zum Bedrucken. Hierbei wird das Textilmaterial mit einer Druckpaste bedruckt, die gegebenenfalls einen Signierfarbstoff und das erfindungsgemäß zu verwendende Hilfsmittel enthält. Nach dem Trocknen wird das Textilmaterial dann mit Reaktivfarbstoffen ohne Alkali oder bei wasserlöslichen Schwefelfarbstoffen ohne Reduktionsmittel vorzugsweise nach dem Pad-Steam-Verfahren oder nach dem Ausziehverfahren überfärbt. Eine andere Möglichkeit besteht darin, daß man die mit dem beschriebenen Hilfsmittel vorgebeizten Baumwollketten oder Baumwollgewebe mit einer Druckpaste bedruckt, die den Reaktivfarbstoff, aber kein Alkali enthält und anschließend den Farbstoff z.B. durch Dämpfen während 8 Minuten bei 102-105°C fixiert. Die anschließende Nachbehandlung erfolgt analog wie bei den Färbungen.

Bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird die Ware an den Stellen, an denen das Oxidationsmittel aufgebracht wird, je nach Menge des aufgebrachten Oxidationsmittels nur sehr schwach oder gar nicht gefärbt. Man erhält dadurch Muster mit einer ausgeprägten Konturensicherheit, wie man sie sonst nur in Drucken, z.B. in Weißätzdrucken erreichen kann. Besonders interessant ist das erfindungsgemäße Verfahren zum Färben von vorgefertigten Kleidungsstücken im Ausziehverfahren (Garment-Dyeing).

Beispiel 1

Auf einer Schlichtemaschine werden in dem dafür vorgesehenen Trog Baumwollkettgarne wie folgt behandelt:

40 g/l Polyvinylalkohol (PVA)

5 g/l Polyethylenglykol

2 g/l nichtionisches Netzmittel

100 g/l Polyethylenimin-Kondensationsprodukt gemäß dem Beispiel in der Tabelle 1, letzte Zeile der Patentanmeldung EP 01 33 933

Flottenaufnahme 100-200% (Hochleistungsquetschwerke).

Das Garn läuft mit einer Geschwindigkeit von 60 m/min, die Flottentemperatur beträgt 80-90°C. Nach Verlassen des Schlichtetrogs werden die Baumwollketten mit Kontakthitze bei ca. 130°C getrocknet. Anstelle von PVS können auch nichtionische modifizierte Stärke bzw. Mischungen aus nichtionisch modifizierter Stärke und PVA eingesetzt werden. Auch reine Stärke und Mischen mit PVA sind verwendbar. Anschließend werden die Baumwollketten mit dem Baumwollschuß verwebt und auf das erhaltene Gewebe wird mit einer 1:10 verdünnten, wäßrigen Einstellung eines handelsüblichen, persulfathaltigen Oxidationsmittels (®Leonil EBL) ein beliebiges Muster aufgepinselt, so daß die Flottenaufnahme an der benetzten Stelle, bezogen auf das Warengewicht ca. 50% beträgt. Das imprägnierte Gewebe wird bei Raumtemperatur getrocknet und mit einer Flotte 30 Minuten bei 60°C überfärbt, die 5 Gew.-% Reactive Blue 19 (C.I.-Nr. 61200) enthält. Nach der üblichen Nachbehandlung durch Spülen, Seifen, Spülen erhält man Denimeffekte, wobei einerseits nur die kationisierte Kette türkisblau angefärbt wird, andererseits die mit der Persulfatlösung getränkten Stellen konturenscharf unangefärbt bleiben und das gewünschte Muster wiedergeben wird.

Bringt man das Oxidationsmittel stellenweise auf die laufende, getrocknete Kette auf, so kann auch hier zusätzlich eine Reservierung erzielt werden.

Beispiel 2

Es wird wie unter Beispiel 1 beschrieben gearbeitet. Als Oxidationsmittel wird eine 50%ige Natriumchlorit-Lösung verwendet, die im Verhältnis 1 : 10 verdünnt wurde. Die Effekte sind ähnlich Beispiel 1.

Beispiel 3

Es wird wie unter Beispiel 1 gearbeitet. Als Oxidationsmittel wird eine 0,2 g/l Aktivchlor in Form von Hypochlorit enthaltenden Lösung verwendet. Die Effekte sind ähnlich Beispiel 1.

Beispiel 4

Es wird wie unter Beispiel 1 gearbeitet. Als Oxidationsmittel wird eine Lösung verwendet, welche 3,5% H&sub2;O&sub2; enthält. Man erhält eine ausgerägte Konturenschärfe und Musterwiedergabe.

Beispiel 5

Es wird wie unter Beispiel 1 gearbeitet. Als Oxidationsmittel wird eine 10%ige Natriumperborat-Lösung verwendet. Man erhält eine scharfe Konturenwiedergabe mit etwas geringeren Ausbleicheffekten.

Beispiel 6

Es wird wie unter Beispiel 1 gearbeitet. Als Kationisierungsmittel wird ein handelsübliches Kondensationsprodukt aus Diethylentriamin und Epichlorhydrin der Schlichte zugegeben. Die Ergebnisse entsprechen denen von Beispiel 1.

Beispiel 7

Es wird wie unter Beispiel 1 gearbeitet. Als Farbstoff werden jedoch 5 Gew.-% Solubilized Sulphur Red 11 neu eingesetzt. Die Ergebnisse entsprechen denen von Beispiel 1.

Beispiel 8

Es wird wie bei Beispiel 1 gearbeitet. Als Farbstoff werden jedoch 5 Gew.-% Solubilized Sulphur Brom 16 (C.I. 53286) eingesetzt. Es wurden gleiche Effekte wie bei Beispiel 1 erhalten.

Beispiel 9

Es wird wie unter Beispiel 1 gearbeitet. Als Oxidationsmittel wird eine 10% Lösung von N-Chlor-N-Methylparatoluolsulfonamid genommen. Die Ergebnisse entsprechen denen von Beispiel 1.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zum Erzielen von Mustereffekten beim Färben oder Bedrucken von Textilmaterial in Abwesenheit von Alkali oder Reduktionsmitteln, dadurch gekennzeichnet, daß man das Textilmaterial mit einem Kationisierungsmittel vorbehandelt, trocknet, ein Oxidationsmittel mustermäßig aufbringt, trocknet und in Abwesenheit von Alkali oder eines Reduktionsmittels mit Reaktiv-, Direkt-, Säure-, wasserlöslichen Schwefelfarbstoffen oder Pigmentfarbstoffen färbt oder bedruckt.
  2. 2. Verfahren zum Erzielen von Mustereffekten beim Färben von Textilmaterial in Abwesenheit von Alkali- oder Reduktionsmitteln, dadurch gekennzeichnet, daß man Kettgarn gleichzeitig mit einem Kationisierungsmittel und einem Schlichtemittel vorbehandelt, trocknet, anschließend das Kettgarn mit einem Schußgarn verwebt, auf das erhaltene Gewebe ein Oxidationsmittel mustermäßig aufbringt, trocknet und in Abwesenheit von Alkali oder eines Reduktionsmittels mit Reaktiv-, Direkt-, Säure-, wasserlöslichen Schwefelfarbstoffen oder Pigmentfarbstoffen färbt.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man als Kationisierungsmittel ein gegebenenfalls quaterniertes Umsetzungsprodukt von Polyethyleniminen der Formel



    worin

    X ein Rest der Formel -(CH&sub2;-CH&sub2;-NH)c-H

    a und b unabhängig voneinander Zahlen von 0 bis 600 sind, wobei die Summe a+b eine Zahl von 60-600 ist und

    c eine Zahl von 0 bis 50 ist, mit bifunktionellen Alkylierungsmitteln, vorzugsweise mit Alkylierungsmitteln der Formel

    A-Z-A

    worin A den Rest eines alkylierenden Agenz und Z entweder eine direkte Bindung oder ein zweiwertiges Brückenglied bedeutet, nimmt.
  4. 4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man als Kationisierungsmittel ein gegebenenfalls quaterniertes Umsetzungsprodukt aus einem Epichlorhydrin und Ammoniak oder einem Amin der Formel



    worin

    A Wasserstoff, Alkyl mit 1 bis 5 C-Atomen, Hydroxyalkyl mit 1 bis 5 C-Atomen,

    R Alkyl mit 1 bis 5 C-Atomen, Hydroxyalkyl mit 1 bis 5 C-Atomen,

    eine Gruppe der Formel



    eine Gruppe der Formel



    oder R und A zusammen



    und alkylen jeweils C&sub1;-C&sub6;-, vorzugsweise C&sub2;-C&sub3;-alkylen bedeuten, nimmt.






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