Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Simulation der Betriebsbeanspruchungen
einer Bauteilverbindung mit einem als kreisförmige Scheibe ausgebildeten Testkörper,
der in seinem zentralen Innenbereich von mehreren Hohlzylindern durchsetzt ist,
die im Bereich der Scheibendicke mit Hülsen oder Hohlstopfen verbunden sind, wobei
durch eine im Außenbereich des Testkörpers eingeleitete Kraft ein den Betriebsbeanspruchungen
entsprechender Spannungszustand im Innenbereich entsteht.
Bei einem derartigen Verfahren wird der Spannungszustand durch sechs
am Umfang gleichmäßig verteilte und an der Umfangsfläche angreifende Hydraulikzylinder
mit entsprechend großem apparativen Aufwand erzeugt. Neben dem großen apparativen
Aufwand weist dieses Verfahren den großen Nachteil auf, daß der Verzerrungszustand
des Testkörpers zu ungleichmäßig wird, da die Kräfte nicht gleichmäßig am Umfang,
sondern nur in sechs diskreten Punkten eingeleitet werden.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs
genannten Art anzugeben, mit dem auf einfache Weise eine gleichmäßige Krafteinleitung
vom Umfang des Testkörpers her erfolgt.
Gelöst wird die Aufgabe erfindungsgemäß dadurch, daß die Scheibe
des Testkörpers im Außenbereich durch gleichmäßigen Wärmeeintrag beheizt wird, während
der Innenbereich gekühlt wird.
Durch die behinderte Wärmedehnung zwischen dem beheizten Außenbereich
und dem gekühlten Innenbereich der Scheibe wird im gelochten Innenbereich ein Zugspannungszustand
erzeugt.
Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen des Verfahrens sind in den das
Verfahren betreffenden Unteransprüchen angegeben.
Eine Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens zeichnet sich dadurch
aus, daß dem Außenbereich des Testkörpers eine elektrische Widerstandsheizung und
eine Wärmeisolierung zugeordnet ist, und daß der Innenbereich vom Außenbereich
durch als Kühlkanäle dienende Hohlzylinder abgegrenzt ist.
Damit läßt sich die Wärme des Außenbereichs zuverlässig gegen den
auf einer niedrigen Temperatur zu haltenden Innenbreich abgrenzen.
Vorzugsweise wird ein gleichmäßiger Wärmeeintrag durch die Anordnung
der elektrischen Widerstandsheizung an der Umfangsfläche des Außenbereiches erzielt.
Zur Ermittlung der Tangentialdehnung wird vorgesehen, daß der Innenumfangsfläche
des Hohlstopfens oder der Hülse im Bereich ihrer Verbindung mit dem Hohlzylinder
ein Dehnungsmeßstreifen zugeordnet ist.
Damit macht man sich die Tatsache zu Nutzen, daß die an der Hohlstopfen-
bzw. Hülseninnenseite gemessenen Tangentialdehnungswerte mit den bekannten Spannungs-
und Dehnungsbeziehungen eindeutig auf die entsprechenden Dehnungen in der Kontaktzone
zwischen Hohlzylinder und Scheibe bzw. zwischen Hohlzylinder und Hohlstopfen oder
Hülse umgerechnet werden können.
Um die Reproduzierbarkeit der Dehnungswerte bei verschiedenen Simulationsvorgängen
sicherzustellen, soll der Dehnungsmeßstreifen bei allen Hohlstopfen stets die
gleiche Position einnehmen.
Anhand eines Ausführungsbeispiels wird die Simulation der Betriebsbeanspruchungen
für den Rohrboden eines Dampferzeugers beschrieben.
Dabei zeigt:
- Figur 1 einen Testkörper in einem Halbschnitt entlang der Linie I-I der Figur
2 und
- Figur 2 eine Ansicht in Pfeilrichtung II der Figur 1.
Das Verfahren und die Einrichtung wird nach dem Ausführungsbeispiel
zur Simulation der Betriebsbeanspruchungen eingesetzt, die in Betriebs-, Prüf-
und ggf. auch Störfällen auf die bei Dampferzeuger-Reparaturen im Rohrbodenbereich
ausgeführten Walzverbindungen wirken. Defekte Dampferzeugerrohre werden hier häufig
durch Einwalzen eines Hohlstopfens verschlossen oder die schadhafte Stelle wird
durch Einwalzen einer Hülse überbrückt. Die Verbindung zwischen der Hülse bzw.
dem Hohlstopfen und dem Dampferzeugerrohr kann neben Walzen, Schrumpfen oder sonstigen
federnden Verspannungen auch durch Schweißen, Löten, Kleben oder dergleichen hergestellt
sein. Die bestehende Verbindung zwischen einer Hülse bzw. einem Hohlstopfen und
einem Dampferzeugerrohr muß z. B. bei einer Temperatur von mehr als 300 °C einem
primärseitigen Druck von 228 bar und einem sekundärseitigen Druck von 106 bar ohne
Leckageverluste standhalten. Diese Druckdifferenz führt beim Betrieb des Dampferzeugers
an der Unterseite des Dampferzeuger-Rohrbodens, also im Einwalzbereich der Hohlstopfen
bzw. der Hülsen, zu Druck- bzw. Zugspannungen. Da beim jungfräulich eingewalzten
Hohlstopfen bzw. der Hülse oder des Damperzeugerrohres die durch das Einwalzen aufgebauten
tangentialen Eigendruckspannungen erfahrungsgemäß nur knapp unterhalb der Fließgrenze
des Materials liegen, bewirken Druckspannungen im Rohrboden und die damit verbundene
Erhöhung der Druckspannungen im Stopfen eine plastische Verformung der Stopfenwand,
die sich nach Entlastung als plastische Rückstauchung der Walzverbindung und damit
als Verringerung der Gesamtverspannung äußert.
Mit dem nachfolgend beschriebenen Verfahren und der dazu vorgesehenen
Einrichtung werden derartige Belastungsfälle simuliert um die Zuverlässigkeit der
Verbindungen im praktischen Betrieb zu gewährleisten.
Ein Testkörper 1 besteht aus einer kreisförmigen Scheibe 2, deren
Zentrum von neunzehn Bohrungen 3 durchsetzt ist. In jede Bohrung ist ein Hohlzylinder
4, 4a über die Scheibendicke, die ca. 50 mm beträgt, eingewalzt. In die sieben
inneren Hohlzylinder 4 ist jeweils ein Hohlstopfen 5 mit einem vorgebbaren Einwalzbereich
6 eingewalzt. Die geometrische Anordnung der Bohrungen 3 sowie die Abmessungen
der Hohlzylinder 4, 4a bzw. der Hohlstopfen 5 und die Einwalztechnik entspricht
den Bedingungen bei den zu simulierenden Walzverbindungen im Dampferzeuger-Rohrboden,
wobei die Hohlzylinder 4, 4a den Damperzeugerrohren gleichzusetzen sind. Die sieben
mit Hohlstopfen 5 bestückten Hohlzylinder 4 bilden einen Innenbereich 7 des Testkörpers
1, der von dem Außenbereich 8 des Testkörpers 1 durch die äußeren nicht mit Hohlstopfen
bestückten Hohlzylinder 4a getrennt ist. Einer Umfangsfläche 9 der ca. 300 mm im
Durchmesser aufweisenden Scheibe 2 ist eine elektrische Widerstandsheizung 10
zugeordnet. Die Widerstandsheizung und der restliche Teil des Außenbereiches 8
sind mit einer Isolierung 11 zur Vermeidung von Wärmeverlusten versehen.
Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren wird der Außenbereich 8 erwärmt,
während der Innenbereich 7 mittels durch die äußeren Hohlzylinder 4a strömenden
Kühlwassers (Pfeilrichtung 12) gekühlt wird. Der Einsatz von Hohlzylindern 4a als
Kühlkanäle ist nicht zwingend erforderlich. Stattdessen können unmittelbar in die
Bohrungen 3 nicht dargestellte Fittinge eingeschraubt werden, an die sich eine
Kühlwasserversorgung anschließen läßt. Durch die behinderte Wärmedehnung zwischen
dem beheizten, von einer Isolierung 11 umgebenen Außenbereich 8 und dem gekühlten
Innenbereich 7 der Scheibe 2 wird im gelochten Innenbereich 7 ein Zugspannungszustand
erzeugt, der sich durch Regelung der Beheizung feinfühlig an die jeweiligen Sollbelastungszustände
anpassen läßt. Je nach dem zu simulierenden Spannungszuständ im Innenbereich 7
treten Temperaturdifferenzen bis zu ca. 300 °C zwischen dem Innenbereich 7 und
dem Außenbereich 8 auf, deren Verlauf durch mehrere in radialer Richtung im Testkörper
1 angeordnete Temperaturfühler 13 überwacht wird. Mit der vorübergehenden Erzeugung
eines Zugspannungszustandes im Innenbereich 7 des Testkörpers 1 erfolte eine elastische
Aufweitung der Bohrungen 3 des Innenbereiches 7, sodaß sich die eingangs erwähnte
bleibende plastische Rückstauchung des Hohlstopfens 5 an der Unterseite des Rohrbodens
eindeutig simulieren läßt.
Da die Lochgeometrie des Innenbereiches 7 mit der des wirklichen
Dampferzeuger-Rohrbodens übereinstimmt, stellt sich die Spannungs- und Dehnungsverteilung
im Stegbereich zwischen den Bohrungen, insbesondere die Spannungs- und Dehnungsüberhöhung
am Bohrungsrand, zwangsläufig richtig ein.
Zur überwachung des Dehnungszustandes des Innenbereiches 7 ist in
jeden Hohlstopfen 5, jeweils in der mitte des Einwalzbereiches 6 in Umfangsrichtung
ein Dehnungsmeßstreifen 14 eingeklebt, wobei die azimutale Position im Hinblick
auf Reproduzierbarkeit der Meßwerte gegenüber einer Nachbarbohrung gewählt wird.
Die an dieser leicht zugängigen Stelle ermittelten tangentialen Dehnungsmeßwerte
lassen sich unter Verwendung der bekannten Spannungs- und Dehnungsbeziehungen eindeutig
auf die entsprechenden Dehnungen in den Kontaktzonen umrechnen.
Sobald der entsprechende Sollwert der Betriebsbelastung mit der Simulation
stationär erreicht ist, können die für die Qualifikation der Walzverbindung erforderlichen
Untersuchungen, wie Dichtheitsuntersuchung durch Heliumlecktest oder hydraulische
Auspreßversuche des Hohlstopfens, durchgeführt werden. Die dazu erforderlichen Anschlußverbindungen
und Aggregate sind aus Gründen der vereinfachten Darstellung ebensowenig dargestellt
wie die Anschlüsse für die Kühlwasserversorgung.
Bezugszeichenliste
- 1 Testkörper
- 2 Scheibe
- 3 Bohrung
- 4, 4a Hohlzylinder
- 5 Hohlstopfen
- 6 Einwalzbereich
- 7 Innenbereich
- 8 Außenbereich
- 9 Umfangsfläche
- 10 Widerstandsheizung
- 11 Isolierung
- 12 Pfeilrichtung
- 13 Temperaturfühler
- 14 Dehnungsstreifen