Wäßriges saures Bad zur Entfernung von Zinn- und Zinn/Blei-Schichten von Kupferoberflächen, enthaltend im wesentlichen eine oder mehrere anorganische und/oder organische Säuren sowie ein oder mehrere Oxidationsmittel und zum Schutz der Kupferoberflächen als Inhibitoren quaternäre Ammoniumsalze I
<formula>
R1, R2 C1-C4-Alkyl, R3 C8-C18-Alkyl, R4 Wasserstoff oder C1-C4-Alkyl, $I2 ein m-fach geladenes Anion, m je nach vorliegendem Anion 1, 2, 3 oder 4 und n 0 oder 1, in einer Konzentration von 0,05 bis 1,0 g/l.
Beschreibung[de]
Die vorliegende Erfindung betrifft ein neues wäßriges saures Bad zur
Entfernung von Zinn- und Zinn/Blei-Schichten von Kupferoberflächen, welches
im wesentlichen eine oder mehrere anorganische und/oder organische Säuren
sowie ein oder mehrere Oxidationsmittel enthält.
Bei der Herstellung von Leiterplatten bedient man sich häufig der
Metallresisttechnik, um Leiterbahnen und Kontaktflächen während des Abätzens des
Basiskupfers (Kupferkaschierung des Leiterplatten-Basismaterials) zu
schützen. Hierbei wird auf die späteren Leiterbahnen und Kontaktflächen
galvanisch eine Zinn- bzw. Zinn/Blei-Schicht aufgebracht, die von dem Bad,
welches das Basiskupfer entfernt, nicht angegriffen wird. Wenn dann in
einem nachfolgenden Herstellungsschritt die Leiterplatte mit einer
Lötstoppmaske versehen werden soll, muß vorher diese Zinn- bzw. Zinn/Blei-
Schicht wieder entfernt werden. Hierzu wird die Leiterplatte mit einem
wäßrigen sauren, oxidierend wirkenden Bad behandelt. Hierbei ist in der
Regel die Verwendung eines Inhibitors nötig, der verhindert, daß außer der
zu entfernenden Schicht auch das darunterliegende Kupfer angegriffen oder
gar abgeäzt wird.
Zum Schutze des Kupfers beim Abätzen (Strippen) der Zinn bzw. Zinn/Blei-
Schichten wurden zahlreiche Inhibitoren vorgeschlagen. Gemäß
DE-A-35 17 382 (1) kann man ein Bad auf der Basis
Borfluorwasserstoffsäure/Wasserstoffperoxid verwenden, das als Inhibitor 8-Hydroxychinolin
enthält. Die DE-A-32 12 410 (2) sieht als Inhibitoren schwefelfreie
heterocyclische Verbindungen vor, die ein Stickstoffatom in der Form -NH-
oder -N= als Ringglied enthalten. In der DE-A-37 38 307 (3) schließlich
werden Blockcopolymere aus Propylenoxid und Ethylenoxid, Polyethylenglykol
und Polyole als Inhibitoren empfohlen.
Nachteilig bei den genannten Inhibitoren ist jedoch, daß der Inhibitor
jeweils nur in einem ganz Speziellen Bad, daß mit Nachteilen (Toxizität,
Unwirtschaftlichkeit) behaftet sein kann, mit Erfolg eingesetzt werden
kann oder erst in verhältnismäßig hohen Konzentrationen wirksam wird.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung war somit die Bereitstellung eines
Inhibitors, der universell für die verschiedensten Badsysteme anwendbar
und vor allem in schon sehr geringen KonZentrationen wirksam ist und damit
eine hohe Wirtschaftlichkeit des Ätzverfahrens bewirkt.
Demgemäß wurde ein wäßriges saures Bad zur Entfernung von Zinn- und Zinn/-
Blei-Schichten von Kupferoberflächen gefunden, welches im wesentlichen
eine oder mehrere anorganische und/oder organische Säuren sowie ein oder
mehrere Oxidationsmittel enthält und welches dadurch gekennzeichnet ist,
daß es zum Schutz der Kupferoberflächen als Inhibitoren quaternäre
Ammoniumsalze der allgemeinen Formel I
in der die Variablen folgende Bedeutung haben
R¹, R² C&sub1;-C&sub4;-Alkyl,
R³ C&sub8;-C&sub1;&sub8;-Alkyl,
R&sup4; Wasserstoff oder C&sub1;-C&sub4;-Alkyl,
Xm⊖ ein m-fach geladenes Anion,
m je nach vorliegendem Anion 1, 2, 3 oder 4 und
n 0 oder 1,
in einer Konzentration von 0,05 bis 1,0 g/l enthält.
Quaternäre Ammoniumsalze des Types I sind im Prinzip bekannt, z. B. aus der
Technischen Information TI/ES 1074d vom Februar 1990 der BASF
Aktiengesellschaft über Protectol® KLC-Marken (4). Hierin wird quaternäres
C12/C14-Alkyl-dimethyl-benzyl-ammoniumchlorid als kationisches biozides
Tensid für die chemische, technische und die Reinigungsmittelindustrie
empfohlen.
Als C1-C4-Alkylreste für R¹, R² und R&sup4; kommen z. B. Methyl, Ethyl,
n-Propyl, iso-Propyl, n-Butyl, iso-Butyl, sec.-Butyl und tert.-Butyl in
Betracht.
Als geradkettige oder verzweigte C&sub8;-C&sub1;&sub8;-Alkylreste für R³ sind
beispielsweise n-Octyl, 2-Ethylhexyl, n-Nonyl, iso-Nonyl, n-Decyl, n-Undecyl,
n-Dodecyl, n-Tridecyl, iso-Tridecyl, n-Tetradecyl, n-Pentadecyl, n-Hexadecyl,
n-Heptadecyl und n-Octadecyl zu nennen.
Bevorzugt werden Verbindungen I, bei denen R¹ und R2 für Methyl, R3 für
C&sub1;&sub0;-C&sub1;&sub6;-Alkyl R4 für Wasserstoff und n für 1 stehen.
Als Anionen X kommen die üblichen, normalerweise die Wasserlöslichkeit
fördernden anorganischen oder organischen Anionen in Betracht, so vor
allem Chlorid, Bromid, Fluorid, Sulfat, Hydrogensulfat, Methansulfonat,
Trifluormethansulfonat, 2-Hydroxyethansulfonat, p-Toluolsulfonat, Nitrat,
Tetrafluoroborat, Perchlorat, 1-Hydroxyethan-1,1-diphosphonat,
Dihydrogenphosphat, Hydrogenphosphat, Phosphat, Formiat, Acetat, Oxalat und Tartrat.
Hiervon werden die ein- oder zweifach (m = 1 oder 2) geladenen Anionen
Chlorid, Bromid, Fluorid, Sulfat, Methansulfonat, Nitrat und
Tetrafluoroborat bevorzugt, insbesondere Chlorid und Methansulfonat.
Als anorganische oder organische Säuren eignen sich alle für derartige
Bäder verwendbare protonenliefernde Verbindungen.
Die Wahl der Säuren richtet sich zweckmäßigerweise nach dem zu
entfernenden Metall. Besteht die zu entfernende Schicht aus Zinn allein, können
z. B. Salzsäure, Bromwasserstoffsäure, Salpetersäure oder Schwefelsäure
verwendet werden. Zum Entfernen einer Zinn/Blei-Schicht ist es
vorteilhaft, Salpetersäure, Methansulfonsäure, 2-Hydroxyethansulfonsäure oder
1-Hydroxyethan-1,1-diphosphonsäure zu verwenden. Auch Tetrafluoroborsäure
kann für beide Fälle verwendet werden. Mischungen der genannten Säuren
sind ebenfalls einsetzbar. Die Konzentration der Säuren beträgt
normalerweise 10 bis 500 g/l, insbesondere 20 bis 300 g/l.
Als Oxidationsmittel kommen hauptsächlich Wasserstoffperoxid in einer
Konzentration von üblicherweise 0,5 bis 100 g/l, vorzugsweise 1 bis
20 g/l, und Eisen(III)-chlorid in einer Konzentration von üblicherweise 2
bis 15 g/l, vorzugsweise 4 bis 9 g/l, oder eine Mischung hieraus in Frage.
Auch Salpetersäure kann als Oxidationsmittel verwendet oder mitverwendet
werden, insbesondere wenn ihre Konzentration oberhalb von 150 g/l liegt.
Die Konzentration des erfindungsgemäßen Inhibitors beträgt 0,05 bis
1,0 g/l, sollte jedoch innerhalb dieses Bereiches auf das verwendete Bad
nochmals abgestimmt werden. Dies kann durch einfache Ätzversuche an
kleinen Leiterplattenstücken geschehen. Während bei zu geringer Inhibitor-
Konzentration die Kupferschicht angegriffen wird, verlangsamt eine zu hohe
Konzentration das Ätzen der Zinn- bzw. Zinn/Blei-Schicht. In den meisten
Fällen genügt eine Konzentration von 0,05 bis 0,3 g/l.
Die Temperatur des erfindungsgemäßen Bades sollte zwischen 20 und 50°C,
insbesondere zwischen 25 und 45°C liegen. Die Dauer der Ätzung beträgt in
der Regel unter diesen Bedingungen 15 sec bis 10 min, insbesondere 30 sec
bis 5 min.
Die erfindungsgemäßen Inhibitoren I sind universell für die
verschiedensten Badsysteme anwendbar und vor allem in schon sehr geringen
Konzentrationen wirksam. Die dadurch erzielte hohe Wirtschaftlichkeit des
Ätzverfahrens wird noch durch die gute Zugänglichkeit der Verbindungen I und
deren preiswerte Herstellungsmöglichkeiten unterstrichen.
Beispiele
Die folgenden Beispiele demonstrieren die Wirkung der erfindungsgemäßen
Bäder. Die Zusammensetzung der Bäder wird in den einzelnen Beispielen
angeführt.
Zur Prüfung wurden jeweils ca. 70 ml der angegebenen Bäder in ein
Reagenzglas mit einem Durchmesser von ca. 3 cm gefüllt. Dann wurde im Wasserbad
auf 40°C thermostatisiert. Nach Erreichen dieser Temperatur wurde ein
Leiterplattenstück der Größe 2×5 cm einer Zinn/Blei-Schicht (Gewichts-
Verhältnis 67 : 33) auf den Kupfer-Leiterbahnen in das Reagenzglas gegeben
und das Abätzen der Zinn/Blei-Schicht beobachtet. Nach Waschen und
Trocknen wurden die Leiterplatten unter dem Mikroskop auf Beschädigungen
des Kupfers geprüft.
Beispiel 1
Badzusammensetzung:
100 g Salzsäure (35 gew.-%ig)
200 g Salpetersäure (68 gew.-%ig)
50 g Wasserstoffperoxid (30 gew.-%ig)
0,08 g C&sub1;&sub2;/C&sub1;&sub4;-Alkyl-dimethyl-benzyl-ammoniumchlorid
als Inhibitor
ad 1000 ml Wasser
Ergebnis
Innerhalb von 5 min war die Zinn/Blei-Schicht abgelöst. Nach weiteren
25 min Behandlungsdauer war kein Angriff auf das Kupfer der Leiterbahnen,
Lötaugen und Kontaktflächen feststellbar.
Beispiel 2 (zum Vergleich)
Badzusammensetzung:
Wie in Beispiel 1, jedoch ohne Inhibitor
Ergebnis
Innerhalb von 10 min war neben der Zinn/Blei-Schicht auch alles Kupfer
vollständig abgeätzt.
Beispiel 3
Badzusammensetzung:
300 g Salpetersäure (68 gew.-%ig)
100 g Methansulfonsäure (67 gew.-%ig)
0,16 g C&sub1;&sub2;/C&sub1;&sub4;-Alkyl-dimethyl-benzyl-ammoniumchlorid
als Inhibitor
ad 1000 ml Wasser
Ergebnis
Innerhalb von 5 min war die Zinn/Blei-Schicht abgelöst. Ein Angriff auf
Leiterbahnen, Lötaugen und Kontaktflächen war nach weiteren 25 min nicht
festzustellen.
Beispiel 4 (zum Vergleich)
Badzusammensetzung:
wie in Beispiel 3, jedoch ohne Inhibitor
Ergebnis
Innerhalb von 5 min war neben der Zinn/Blei-Schicht auch alles Kupfer
vollständig abgeätzt.
Anspruch[de]
1. Wäßriges saures Bad zur Entfernung von Zinn- und Zinn/Blei-Schichten
von Kupferoberflächen, enthaltend im wesentlichen eine oder mehrere
anorganische und/oder organische Säuren sowie ein oder mehrere
Oxidationsmittel, dadurch gekennzeichnet, daß es zum Schutz der
Kupferoberflächen als Inhibitoren quaternäre Ammoniumsalze der allgemeinen
Formel I
in der die Variablen folgende Bedeutung haben
R¹, R² C&sub1;-C&sub4;-Alkyl,
R³ C&sub8;-C&sub1;&sub8;-Alkyl,
R&sup4; Wasserstoff oder C&sub1;-C&sub4;-Alkyl,
Xm⊖ ein m-fach geladenes Anion,
m je nach vorliegendem Anion 1, 2, 3 oder 4 und
n 0 oder 1,
in einer Konzentration von 0,05 bis 1,0 g/l enthält.
2. Wäßriges saures Bad nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es
quaternäre Ammoniumsalze I enthält, bei denen die Variablen folgende
Bedeutungen haben
R¹, R² Methyl,
R³ C&sub1;&sub0;-C&sub1;&sub8;-Alkyl,
R&sup4; Wasserstoff,
Xm⊖ Chlorid, Bromid, Fluorid, Sulfat, Methansulfonat, Nitrat
oder Tetrafluoroborat,
m je nach vorliegendem Anion 1 oder 2 und
n 1.
3. Wäßriges saures Bad nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß es als Säuren Salzsäure, Bromwasserstoffsäure, Schwefelsäure,
Methansulfonsäure, 2-Hydroxyethansulfonsäure, Salpetersäure,
Tetrafluoroborsäure und/oder 1-Hydroxyethan-1,1-diphosphonsäure enthält.
4. Wäßriges saures Bad nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch
gekennzeichnet, daß es als Oxidationsmittel Wasserstoffperoxid,
Eisen(III)-chlorid und/oder Salpetersäure enthält.
5. Verfahren zur Entfernung von Zinn- und Zinn/Blei-Schichten von
Kupferoberflächen mittels eines wäßrigen sauren Bades, enthaltend im
wesentlichen eine oder mehrere anorganische und/oder organische Säuren
sowie ein oder mehrere Oxidationsmittel, dadurch gekennzeichnet, daß
das Bad zum Schutz der Kupferoberflächen als Inhibitoren quaternäre
Ammoniumsalze I gemäß Anspruch 1 enthält.