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Dokumentenidentifikation DE4111831A1 15.10.1992
Titel Verfahren zur Auslösung eines elektrischen Schalters sowie Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens
Anmelder ABB Patent GmbH, 6800 Mannheim, DE
Erfinder Berthold, Rainer, Dipl.-Ing., 6901 Gaiberg, DE
DE-Anmeldedatum 11.04.1991
DE-Aktenzeichen 4111831
Offenlegungstag 15.10.1992
Veröffentlichungstag im Patentblatt 15.10.1992
IPC-Hauptklasse H02H 3/44
Zusammenfassung Es wird ein Verfahren zur Auslösung eines elektrischen Schalters, zur raschen Abschaltung eines Überstroms, vorzugsweise zur strombegrenzenden Abschaltung eines Kurzschlußstromes, in Wechsel- und Drehstromnetzen angegeben, das gekennzeichnet ist durch folgende Verfahrensschritte:
- Messen des Stromes i in jeder Hauptstrombahn in regelmäßigen Zeitabständen,
- Differenzieren der Stromwerte zur Ermittlung der Stromsteilheit di/dt für jeden Stromwert,
- Verknüpfen der Augenblickswerte des Stromes und der Stromsteilheit und Vergleichen des Wertepaares mit einer vorgegebenen Schwellenwertfunktion, in der Strom- und Stromsteilheit miteinander verknüpft sind und
- Auslösen des Schalters bei Überschreiten des von der Schwellenwertfunktion vorgegebenen zulässigen Bereiches durch das ermittelte Wertepaar.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Auslösung eines elektrischen Schalters nach dem Oberbegriff des Anspruches 1 sowie eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens.

Aus der DE 36 42 136 C2 ist ein Auslöser bekannt geworden, mit dem ein Schalter vorzugsweise bei einem Kurzschluß strombegrenzend abgeschaltet werden kann. Der Auslöser besitzt in den Hauptstrompfaden eines Wechsel- oder Drehstromnetzes je einen Sensor, mit dem die Stromsteilheit di/dt gemessen wird. Hieraus werden bei einer ersten Ausgestaltung durch Integration die Stromwerte errechnet und beide Wertepaare, di/dt sowie i, mit einer Schwellenwertfunktion verglichen. Bei Überschreiten eines zulässigen Bereiches der Schwellenwertfunktion löst der Auslöser aus und schaltet den Schalter ab. Bei einer zweiten Ausgestaltung werden die gemessenen Stromsteilheitswerte di/dt addiert und bei Abweichen der Summe vom Wert Null ein Auslöseimpuls gegeben. Als Sensor wird bevorzugt eine Rogowskispule benutzt, mit der, wie bekannt, die di/dt-Werte direkt gemessen werden können. Bei beiden Ausführungen werden die gemessenen di/dt-Werte digitalisiert und danach weiterverarbeitet.

Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren der eingangs genannten Art zu schaffen, mit dem mit üblichen, einfachen Sensoren, die leicht und ohne besondere Änderungen auch in Leitungsschutzschalter eingebaut werden können, eine entsprechende Auslösung strombegrenzend bei Kurzschluß oder allgemein bei Oberstrom erzeugt werden kann. Weiterhin soll eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens angegeben werden.

Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruches 1.

Im Gegensatz zu dem Auslöser nach der DE 36 42 136 C2 werden zunächst die Stromwerte gemessen, differenziert und dann die beiden Wertepaare mit einer Schwellenwertfunktion verglichen.

Dabei ist selbstverständlich, daß die gemessenen Stromwerte digitalisiert und die digitalisierten Signale weiterverarbeitet werden. Die Messung der Stromwerte erfolgt in sehr kurzen regelmäßigen Zeitabständen, vorzugsweise etwa 10 µs, um eine kontinuierliche Strommessung und di/dt-Berechnung vornehmen zu können.

Dadurch, daß zunächst der Strom gemessen wird, kann man in die Hauptstrompfade einen einfach ausgebildeten Stromsensor einsetzen, der im einfachsten Fall ein geeigneter Widerstand sein kann. Der Widerstand sollte dann als Drahtstück aus einem Material mit extrem kleinem Temperaturkoeffizienten hergestellt werden, damit Temperaturänderungen aufgrund eines Kurzschlußstromes keinen größeren Einfluß auf die gemessenen Stromwerte als 1 ‰ haben und Verfälschungen verhindert werden. Will man noch genauer messen, berücksichtigt man in der elektronischen Meßwertverarbeitung die Funktion R = f(T) = f(i2), in dem man jeweils vom vorhergehenden, gemessenen i-Wert ausgeht.

Fließt durch einen solchen Widerstand, der einen sehr kleinen Temperaturkoeffizienten besitzt, ein Kurzschlußstrom, so ist zu erwarten, daß die Widerstandsänderung im Promillebereich liegt, wenn der Widerstand zwischen zwei ausreichend dicken Kupferdrähten eingelötet ist. Aus einer Abschätzung geht hervor, daß dies für einen Kurzschlußstrom von 1000 A der 10-3s fließt, zutrifft, wenn der Widerstand einen Querschnitt von 1 mm2 hat. Aus der Abschätzung geht weiter hervor, daß nur die Stromdichte i das Ergebnis beeinflußt. Das heißt für in = 10 KA (tn = 10-3s) braucht man den Querschnitt des Widerstandsdrahtes nur verzehnfachen, um die gleichen, kleinen Fehler zu erhalten. Benutzt man diesen Widerstand (z. B. aus Konstantan) zur Strommessung, in dem man die an ihm abfallende Spannung mißt und das Ohm'sche Gesetz unter der Annahme "R = const." anwendet, so liegen die Meßfehler aufgrund dieser Annahme ebenfalls im Promillebereich.

Anstatt eines Widerstandes kann auch ein einfacher Stromwandler verwendet werden. Ein zusätzlicher Vorteil besteht darin, daß der Differenzierschritt, also der Schritt vom Strom i zur Stromsteilheit di/dt, einfacher durchzuführen ist, als der Integrierschritt bei dem Auslöser nach der DE 36 42 136 C2.

Eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens, d. h. also ein Auslöser zur Durchführung des Verfahrens ist dadurch gekennzeichnet, daß in jeder Hauptstrombahn zur Messung des Stromes in regelmäßigen kurzen Zeitabständen ein Sensor vorgesehen ist, daß aus diesen Stromwerten durch Differentiation die Stromsteilheit ermittelt wird, daß ein aus den Augenblickswerten von Strom und Stromsteilheit gebildetes Wertepaar mit einer vorgebbaren Strom und Stromsteilheit miteinander verknüpfenden Schwellenwertfunktion verglichen wird, und daß bei Überschreitung des von der Schwellenwertfunktion vorgegebenen, zulässigen Bereiches durch das ermittelte Wertepaar eine unverzögerte Auslösung des Schalters erfolgt.

Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen dieses Auslösers sind den Ansprüchen 3 und 4 zu entnehmen.

Eine weitere Ausgestaltung der Erfindung kann gekennzeichnet sein durch die Merkmale des Anspruches 5.

Auch hier hat man den Vorteil, daß lediglich der Stromwert i in jedem Hauptstrompfad des Schalters gemessen werden muß, wodurch die gleiche vereinfachte Ausführungsform wie bei der oben erwähnten ersten Ausgestaltung der Erfindung erreicht werden kann.

Ein Auslöser, mit dem das Verfahren ausgeführt werden kann, ist in den kennzeichnenden Merkmalen des Anspruches 6 beschrieben.

Die Erfindung findet bevorzugt Anwendung bei Leitungsschutzschaltern, kann aber auch bei Leistungsschaltern oder Motorschutzschaltern benutzt werden.

Wie oben erwähnt, werden die gemessenen Stromwerte vor ihrer Weiterverarbeitung in einem Analog/Digitalwandler digitalisiert.

Anhand der Zeichnung, in der ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Auslösers dargestellt ist, sollen die Erfindung sowie weitere vorteilhafte Ausgestaltungen und Verbesserungen der Erfindung näher erläutert und beschrieben werden.

Die einzige Figur zeigt eine schematische Schaltungsanordnung eines erfindungsgemäßen Auslösers.

Ein elektrisches Netz ist gebildet durch drei Strompfade R, S und T, in der jeweils ein Stromsensor 10, 11 und 12 eingesetzt ist. Als Stromsensoren können Stromwandler oder einfach Widerstandsdrähte verwendet werden.

Die von den Sensoren 10, 11, 12 gemessenen Stromwerte werden in digitalisierte Stromsignale i umgewandelt und einem Differenzierglied 13, 14 und 15 zugeführt, in dem sie differenziert werden, so daß der Stromsteilheitswert di/dt erhalten wird. Dieses Ausgangssignal di/dt wird einem Multiplizierer 16, 17 und 18 zugeführt, in dem der Wert di/dt mit dem Wert i mulitpliziert bzw. zu einem geeigneten Wertepaar verknüpft wird. In einem Rechner 19 werden die Ausgangssignale der Multiplizierer 16 bis 18 mit einer vorgegebenen Schwellwertfunktion verglichen und bei Überschreiten des zulässigen Bereiches der Schwellenwertfunktion wird von dem Rechner ein Signal über eine Leitung 20 an einen Auslöser 21 gegeben. Dieser Auslöser 21 betätigt ggf. über ein Schaltschloß in den Hauptstrompfaden R, S, T befindliche Kontakte 22.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zur Auslösung eines elektrischen Schalters zur raschen Abschaltung eines Überstroms, vorzugsweise zur strombegrenzenden Abschaltung eines Kurzschlußstromes, in Wechsel- und Drehstromnetzen, gekennzeichnet durch folgende Verfahrensschritte:
    1. - Messen des Stromes i in jeder Hauptstrombahn in regelmäßigen Zeitabständen,
    2. - Differenzieren der Stromwerte zur Ermittlung der Stromsteilheit di/dt für jeden Stromwert,
    3. - Verknüpfen der Augenblickswerte des Stromes und der Stromsteilheit und Vergleichen des Wertepaares mit einer vorgegebenen Schwellenwertfunktion, in der Strom- und Stromsteilheit miteinander verknüpft sind und
    4. - Auslösen des Schalters bei Überschreiten des von der Schwellenwertfunktion vorgegebenen zulässigen Bereiches durch das ermittelte Wertepaar.
  2. 2. Auslöser zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß in jeder Hauptstrombahn ein Sensor zur Messung des Stromes in regelmäßigen kurzen Zeitabständen vorgesehen ist, daß aus diesen Stromwerten in einem Differenzierer durch Differentiation die Stromsteilheit ermittelt wird, daß ein aus den Augenblickswerten von Strom und Stromsteilheit gebildetes Wertepaar in einem Rechner mit einer vorgebbaren Strom und Stromsteilheit miteinander verknüpfenden Schwellenwertfunktion verglichen wird, und daß bei Überschreitung des von der Schwellenwertfunktion vorgegebenen, zulässigen Bereiches durch das ermittelte Wertepaar eine unverzögerte Auslösung des Schalters erfolgt.
  3. 3. Auslöser nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß bei Vorliegen eines zulässigen Wertepaares dieses Wertepaar einem weiteren Vergleich mit einer anderen Schwellenwertfunktion unterzogen wird, die kleinere Werte von Strom und Stromsteilheit miteinander verknüpft, und daß bei Überschreitung dieser Schwellenwertfunktion ein Verzögerungsglied erst nach einer vorgegebenen Anzahl von Überschreitungen den Auslöseimpuls gibt.
  4. 4. Auslöser nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß Verlauf der Schwellenwertfunktion in einem rechtwinkligen Koordinatensystem, dessen einer Koordinate die Augenblickswerte des Stromes und dessen anderer Koordinate die Augenblickswerte der Stromsteilheit zugeordnet sind, ellipsen-, kreis-, rechteck- oder spiralförmig ist.
  5. 5. Verfahren zur Auslösung eines elektrischen Schalters, zur raschen Abschaltung eines Oberstroms, vorzugsweise zur strombegrenzenden Abschaltung eines Kurzschlußstromes, in Wechsel- und Drehstromnetzen, gekennzeichnet durch folgende Verfahrensschritte:
    1. - Messen des Stromes i in jeder Hauptstrombahn des Schalters in regelmäßigen Zeitabständen,
    2. - Differenzieren der Stromwerte zur Ermittlung der augenblicklichen Stromsteilheit di/dt für jeden Stromwert,
    3. - Bilden der Summe der augenblicklichen Stromsteilheitswerte und
    4. - Erzeugen eines Auslösesignales bei Abweichung des Summenwertes vom Wert Null.
  6. 6. Auslöser zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß in jeder Hauptstrombahn eines mehrpoligen Schalters ein Sensor zur Messung des Stromes in regelmäßigen kurzen Zeitabständen vorgesehen ist, daß aus diesen Stromwerten durch Differentiation in einem Differenzierer die Stromsteilheit ermittelt wird und daß aus den so gewonnenen Stromsteilheitswerten in einem Rechner die Summe derselben gebildet und bei Abweichung der Summe vom Wert Null ein Auslöseimpuls gegeben wird.






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