Die Anmeldung P 38 03 339-41 - aus der der Gegenstand der vorliegenden
Anmeldung ausgeschieden worden ist - betrifft ein Verfahren zur Herstellung von 1.6-β-
D-Anhydroglucopyranose (Levoglucosan) in hoher Reinheit aus Stärke und/oder
stärkehaltigem Material durch Pyrolyse mit anschließender Aufarbeitung des durch
Kondensation der flüchtigen Bestandteile erhaltenen Produkts. Dabei wird im Rahmen
einer im Vakuum bei 150 bis 500°C durchgeführten Pyrolyse zunächst das Ausgangsgut
auf einen Wassergehalt von maximal 20% gebracht und nach der Pyrolyse eine
Kondensation der flüchtigen Bestandteile vorgenommen. Alsdann wird das Kondensat
auf einen pH-Wert von 6 bis 8 gebracht. Weiter anschließend erfolgt dann nach einer
evtl. Behandlung mit einem Adsorptiosmittel eine chromatographische Trennung über
Ionenaustauscher mit Wasser als Elutionsmittel sowie die abschließende Aufarbeitung
der levoglucosanhaltigen Lösungen durch Einengen der Fraktionen und Gewinnung des
kristallinen Levoglucosans aus den wässerigen Lösungen durch eine Verdampfungs-
und/oder Kühlungskristallisation.
Zu jeder dieser Stufen werden bevorzugte Ausgestaltungen in den Unterlagen der
Stammanmeldung genannt, also einerseits zu den Pyrolysebedingungen und andererseits
in Bezug auf die Aufarbeitung der levoglucosanhaltigen Lösungen. So ist vorgesehen,
die chromatographische Trennung mit Kationenaustauscherharzen in der ein-, zwei-
oder dreiwertigen Salzform vorzunehmen.
Aus DE-OS 35 45 107 ist eine chromatographische Abtrennung von Rhamnose aus
Gummi-arabicum-Hydrolysaten durch Chromatographie über Ionenaustauscher bekannt,
wobei die Aufarbeitung durch Zugabe eines polaren organischen Lösungsmittels in einer
Menge vom 5- bis 20fachen des Volumens der Menge der wäßrigen Lösung erfolgt. Als
Lösungsmittel werden Azeton, Ethanol, Isopropanol oder Acetonitril verwendet. Die
Ionenaustauschchromatographie wird mit einer Mischung von 60 bis 80 Volumenteilen
Wasser und von 40 bis 20 Volumenteilen Azeton oder Acetonitril als Extraktiosmittel
durchgeführt.
Demgegenüber wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren ausschließlich mit Wasser
als Elutionsmittel bei der Ionenaustauschchromatographie gearbeitet. Es kann also auf
organischen Lösungsmittel wie Azeton und Acetonitril, die die Nachteile von leichter
Entzündbarkeit und Giftigkeit aufweisen, verzichtet werden.
Die Anwendung der in der Stammanmeldung abgehandelten Aufarbeitungsmaßnahmen
auf nicht durch Pyrolyse von Stärkematerial erhaltene wässerige levoglucosanhaltige
Lösungen ist Gegenstand der vorliegenden Trennanmeldung, nachdem im Rahmen der
für die Stammanmeldung vorgenommenen Arbeiten gefunden wurde, daß diese mehr
physikalischen Maßnahmen mit gleich großem Erfolg auch bei nicht durch Pyrolyse
erhaltenen wässerigen Lösungen unter Gewinnung von Kristallinem Levoglucosan in
hoher Reinheit anwendbar sind.
Solche wässerigen Lösungen fallen z. B. an bei der basenkatalysierten HF-Eliminierung
von α-D-Glucopyranosylfluorid (vgl. Phytochemistry, 21, 2301 (1982)) und werden als
Aufgabelösungen der Chromatographie zugeführt.
Die Lösungen werden nach einer evtl. Behandlung mit einem Adsorptiosmittel, wie
Aktivkohle, bei einem pH-Wert von 6 bis 8 einer chromatographischen Trennung über
Ionenaustauscher unterworfen, wobei mit Wasser als Elutionsmittel gearbeitet wird. Die
erhaltenen Fraktionen werden eingeengt und aus dem aufkonzentrierten Produkt wird
dann durch Verdampfungs- und/oder Kühlungskristallisation kristallines Levoglucosan
gewonnen.
Das Levoglucosan, das nach der chemischen Nomenklatur als
1,6-β-D-Anhydroglucopyranose bezeichnet wird und dem die Formel
zukommt, kann erfindungsgemäß mit Wasser als einzigem Lösungsmittel in guter
Ausbeute und hoher Reinheit hergestellt werden. Es ist ein Glucoseabkömmling, der für
verschiedenste Einsatzgebiete herangezogen werden kann. Es besteht daher ein großes
Interesse an seiner leichten Reingewinnung.
Die mit Wasser als Elutionsmittel durchgeführte Chromatographie erfolgt bei einer
Temperatur zwischen 20 bis 100°C, vorzugsweise zwischen 30 und 95°C, insbesondere
zwischen 50 bis 70°C, und einer lineren Strömungsgeschwindigkeit von 2-8 cm/min,
vorzugsweise 3-5 cm/min.
Als Chromatographieharze können Kationenaustauscher in einwertiger Salzform (z. B.
Na&spplus;), in zweiwertiger Form (z. B. Ca2+) oder in dreiwertiger Form (z. B. Al3+)
verwendet werden. Die Ionenaustauscher können z. B. sein stark saure, hochvernetzte,
makroporöse Kationenaustauscher auf Polystyrolsulfonsäurebasis (z. B. Lewatit SP
112®), schwach saure, makroporöse Kationenaustauscher auf Polyacrylatbasis (z. B.
Lewatit CNP LF®) oder stark saure, schwachvernetzte, gelartige Kationenaustauscher (z.
B. Lewatit TSW 40®). Indessen kommen auch andere Kationenaustauscher bei dem
erfindungsgemäßen Verfahren in Frage. Sofern in den wässerigen Lösungen Farbstoffe
und salzartige Verunreinigungen enthalten sind, werden diese deutlich vor den
levoglucosanhaltigen Fraktionen, die durch einen negativen Drehwert am Polarimeter
angezeigt werden, eluiert.
Die Aufarbeitung kannn chargenweise, aber auch kontinuierlich vorgenommen werden.
Die bei der Chromatographie anfallenden Fraktionen mit einem Levoglucosangehalt
von >75% in der Trockensubstanz werden vereinigt und im Vakuum oder im
Normaldruckbereich bei einer Temperatur bis 110°C konzentriert.
In einem Vakuumverdampfungskristallisator wird der eingedickte levoglucosanhaltige
Sirup durch Wasserverdampfung leicht übersättigt, z. B. 76% TS bei 40°C,
Übersättigung ca. 1,06 (vgl. Fig. 1), dann werden Impfkristalle zugegeben und
isotherm die Übersättigung unter Rühren abgebaut, wobei es zu einem Kristallzuwachs
kommt.
Durch Nachziehen der zu kristallisierenden Lösung unter gleichzeitigem Verdampfen
von Wasser bildet sich ein Kristallmagma aus, das nach Beendigung des
Kristallisationsvorganges in einer Siebkorbzentrifuge in Kristalle und Mutterlauge
getrennt wird.
Alternativ kann auch durch eine Kühlungskristallisation nach Impfen am
Sättigungspunkt und langsamem Abkühlen auf die Temperatur, bei der z. B. eine 50
%ige Kristallausbeute erreicht wird (vgl. Fig. 2), eine Kristallsuspension erhalten
werden, die in einer Siebkorbzentrifuge oder einer Nutsche in Kristalle und Mutterlauge
aufgetrennt wird.
Auch eine kombinierte Verdampfungs-/Kühlungskristallisation ist möglich, indem
zunächst in einer Verdampfungskristallisation bei erhöhter Temperatur (ca. 80°C) ein
Magma erzeugt wird und anschließend die Kristallsuspension unter Bewegung auf
Raumtemperatur abgekühlt wird.
Die hohen Reinheiten der bei der erfindungsgemäßen Chromatographie anfallenden
levoglucosanhaltigen Lösungen sind der Grund dafür, daß ein grobkörniges, gut
zentrifugierbares Kristallisat anfällt, das bereits nach der ersten Kristallisation eine hohe
Reinheit aufweist.
Die Muttelaugen aus der Kristallisation können allein oder vereinigt mit
chromatographischen Fraktionen, die weniger als 75% Levoclucosan enthalten, einer
weiteren Chromatographie unterworfen werden.
Die Konzentrationsbestimmung für Levoglucosan in wässerigen Lösungen kann
refraktometrisch nach Tabellen aus Latv. PSR Zinat. Akad. Vestis Kim. Ser. 1967 (1),
119-221 (zit. in Chem. Abstr. 67, 50 437 b) erfolgen.
BeispielHerstellung von Levoglucosan
2,3,4,6-Tetra-O-acetyl-α-D-glucopyranosylfluorid (35 g, 100 mmol)
werden portionsweise in fester Form zu einer auf 70°C erhitzten
Suspension von 55,5 g Ca(OH)&sub2; in 250 ml Wasser zugegeben.
Es wird 3 Std. bei dieser Temperatur gerührt und anschließend
filtriert.
In das Filtrat (320 ml) wird CO&sub2; eingeleitet bis zu einem pH-Wert
von 6,4. Das entstehende CaCO&sub3; wird abfiltriert, das Filtrat
(337 g mit 15 Bx) eingeengt und (nach erneuter Filtration) über
Ionenaustauscher chromatographiert.
Aufarbeitung von Levoclucosan
188 g eines Reaktions-Gemisches (aus mehreren Ansätzen) werden
als wässerige Lösung (641 g; 29,3% TS) über eine Säule (200 cm
Länge, 8 cm Durchmesser), gefüllt mit Lewatit TSW 40® in Ca2+-Form,
gepumpt. Die Temperatur beträgt 65°C, die lineare Strömungsgeschwindigkeit
3,3 cm/min.
Nach einem Vorlauf von 2 l werden Fraktionen von 0,5 bis 0,25 l
gesammelt und analysiert.
In Fig. 3 sind Parameter der chromatographischen Trennung dargestellt.
Dabei wird deutlich, daß das Maximum des Trockensubstanzgehaltes,
dargestellt als Kurve , mit dem Maximum der Leitfähigkeit,
dargestellt als Asche, zusammenfällt. Aus der Analyse der Fraktionen
ergibt sich, daß diese Maxima auf das Vorhandensein von
Acetat-Ionen zurückzuführen sind.
Levoglucosan wird deutlich nach den Salzen eluiert, wie durch
die negativen Werte der optischen Drehung, dargestellt als Kurve
°α, gezeigt wird. In der Trockensubstanz-Kurve ist Levoglucosan
nur als Schulter zu erkennen; zu beachten ist auch der unterschiedliche
Maßstab für die analytiscche Kurve für Acetat und
Levoglucosan.
Vorteilhaft bei obiger Aufarbeitung ist auch die Tatsache, daß
farbige Verunreinigungen, dargestellt als ABS-Kurve bzw. Farbe
(420 nm), deutlich vor der Produktfraktion eluiert werden.
Die Levoglucosan enthaltenden Fraktionen werden vereinigt und eingeengt;
aus den aufkonzentrierten Lösungen wird dann das kristalline
Levoglucosan gewonnen.
Anspruch[de]
1. Verfahren zur Gewinnung von kristallinem Levoclucosan aus wäßrigen, nicht
durch Pyrolyse von Stärke hergestellten levoglucosanhaltigen Lösungen, dadurch
gekennzeichnet, daß die Lösungen nach einer pH-Einstellung auf einen Wert von
6 bis 8 einer chromatographischen Trennung über Ionenaustauscher mit Wasser als
Elutionsmittel unterworfen und die Levoglucosan enthaltenden Fraktionen eingeengt
werden und dann aus den so erhaltenen aufkonzentrierten wäßrigen Lösungen durch
eine Verdampfungs- und/oder Kühlungskristallisation kristallines Levoglucosan
gewonnen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Lösungen an zur
chromatograhischen Trennung geeigneten Kationenaustauscherharzen, die in ein-,
zwei- oder dreiwertiger Salzform vorliegen, chromatographiert werden, wobei das
Kation der Harze mit dem Kation der Base, die zum Neutralisieren verwendet wurde,
übereinstimmt.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß
Ionenaustauscher auf der Basis von stark sauren, hochvernetzten, makroporösen
Kationenaustauschern auf Polystyrolsulfonsäurebasis oder schwach sauren,
makroporösen Kationenaustauschern auf Polyacrylatbasis oder stark sauren,
schwachvernetzten, gelartigen Kationenaustauschern zum Einsatz kommen.
4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die
Chromatographie mit Wasser unter sonst bekannter üblicher linearer
Strömungsgeschwindigkeit und Aufgabenmenge bei einer Temperatur zwischen 20 und
100°C, vorzugsweise 50-70°C, durchgeführt wird.
5. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die
Fraktionen, die Levoglucosan enthalten, ggf. im Vakuum, eingeengt werden bis zu dem
Trockensubstanzgehalt, der einer Übersättigung von 1,01-1,10 entspricht, und durch
Kühlung oder Wasserverdampfung das darin enthaltene Levoglucosan zur Kristallisation
gebracht werden.
6. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß
Mutterlaugen aus der Kristallisation allein oder vereinigt mit chromatographischen
Fraktionen, die weniger als 75% Levoglucosan in der Trockensubstanz enthalten, einer
erneuten Chromatographie unterworfen werden.