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Dokumentenidentifikation DE4117049C2 22.07.1993
Titel Verfahren zur Eindampfung von Ablaugen und zur Rückgewinnung von leichtflüchtigen Stoffen aus Ablaugen bei der Zellstoffherstellung
Anmelder A. Ahlstrom Corp., Noormarkku, FI
Erfinder Fägerlind, Olof, Föreboda, SE;
Ågren, Erik, Saltsjö-Bo, SE
Vertreter Eitle, W., Dipl.-Ing.; Hoffmann, K., Dipl.-Ing. Dr.rer.nat.; Lehn, W., Dipl.-Ing.; Füchsle, K., Dipl.-Ing.; Hansen, B., Dipl.-Chem. Dr.rer.nat.; Brauns, H., Dipl.-Chem. Dr.rer.nat.; Görg, K., Dipl.-Ing.; Kohlmann, K., Dipl.-Ing.; Ritter und Edler von Fischern, B., Dipl.-Ing.; Kolb, H., Dipl.-Chem. Dr.rer.nat., Pat.-Anwälte; Nette, A., Rechtsanw., 8000 München
DE-Anmeldedatum 24.05.1991
DE-Aktenzeichen 4117049
Offenlegungstag 22.10.1992
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 22.07.1993
Veröffentlichungstag im Patentblatt 22.07.1993
IPC-Hauptklasse D21C 11/10
IPC-Nebenklasse D21C 3/20   D21C 11/06   

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Eindampfung von Ablaugen und zur Rückgewinnung von leicht flüchtigen Stoffen aus Ablaugen bei der Zellstoffherstellung in einer mehrstufigen Eindampfvorrichtung mit integrierter Ausrüstung zur Rückgewinnung leichtflüchtiger Stoffe.

Bei der Zellstoffherstellung wird das Kochverfahren an die gewünschten Eigenschaften und Qualitäten des Endprodukts angepaßt, bei dem es sich um eine hauptsächlich aus Zellstoff bestehende Masse handelt. Ein unkonventionelles Kochverfahren ist der Organosolv-Prozeß, der Kochflüssigkeiten verwendet, die als wirksame Bestandteile Alkohole, z. B. Methanol, oder andere Flüssigkeiten enthalten, deren Siedepunkt niedriger als der von Wasser ist.

Bei der Zellstoffherstellung nach dem Methanolverfahren werden die Hackschnitzel zunächst dampfbeheizt und anschließend der Vorhydrolyse-Stufe zugeführt. Das Kochen selbst erfolgt in zwei Stufen. In der ersten Stufe werden die Hackschnitzel mit einer Chemikalienlösung gekocht, die aus Methanol und aus Wasser im Verhältnis von ca. 1:1 besteht. Das Kochen erfolgt bei einer Temperatur von 190°C für 20 bis 50 Minuten. In der zweiten Stufe wird Natriumhydroxid mit einer Konzentration von 18 bis 22% beigemischt. Dabei wird die Temperatur ca. 60 Minuten lang zwischen 165 und 175°C gehalten.

Nach dem Kochen oder teilweise schon während des Kochens beginnt das Waschen des Zellstoffs. Dabei werden die beim Kochen in der Masse aufgelösten Stoffe, wie z. B. Lignin, ausgewaschen, und gleichzeitig soll die Rückgewinnung von Ausschlußchemikalien eingeleitet werden. Die als Ablauge bezeichnete Waschflüssigkeit enthält 17 bis 20 Gew.-% Methanol, das zum Teil aus der aufbereiteten Kochlösung stammt, zum Teil während des Kochens neu gebildet wird. Ferner enthält die Ablauge ca. 10 bis 15% Trockensubstanz. Die Ablauge wird auf einen Trockengehalt von ca. 55 bis 65% eingedickt, so daß diese auch als Dicklauge bezeichnete Lauge im Kessel verfeuert und die Chemikalien bei gleichzeitiger Wärmerückgewinnung aus den gelösten organischen Stoffen zurückgewonnen werden können.

US 38 07 479 offenbart ein Verfahren zur Eindampfung von Ablauge aus dem Sulfat-Cellulose-Prozeß und zur Verminderung von flüchtigen Alkoholen und Schwefelverbindungen in der Ablauge. Hierbei wird die Ablauge in einer Stufe mit gleichem Druck der Reihe nach durch zwei oder mehrere Eindampfvorrichtungen geführt. Der Wärmeinhalt der hierbei entstehenden Laugendämpfe dient zur Weiterverdampfung der Ablauge, und das Kondensat aus den Laugendämpfen wird entweder der Ablauge wieder zugeführt oder durch Destillation gereinigt.

Die Ablauge hat, wenn sie zur Eindampfung gelangt, eine hohe Temperatur und steht unter hohem Druck. Ferner enthält sie eine solche Menge an leichtflüchtigen Stoffen, daß sie als feuergefährlich und explosiv eingestuft wird. All das macht die Zwischenlagerung vor und während der Eindampfung teuer und aufwendig. Die Ablauge sollte entweder in druckbeaufschlagten Behältern gelagert oder vor der Lagerung auf unter 50°C abgekühlt werden. Erfindungsgemäß können die Rückgewinnung von Chemikalien und die Eindampfung ohne Puffer oder Zwischenlager durchgeführt werden.

Beim Eintreffen der Ablauge im Eindampfungssystem, das in der Regel mehrstufig ausgeführt ist, beginnt man, durch mehrere stufenweise Expansionen Wasser aus der Lauge abzuscheiden und den Gehalt an leichtflüchtigen Stoffen herabzusetzen. Dies ermöglicht dann die Eindampfung der sehr zum Schäumen neigenden Lauge in Eindampfungsvorrichtungen. Hohe Gehalte an leichtflüchtigen Stoffen senken die Kondensationstemperatur der bei der Expansion und der Eindampfung der Lauge entstehenden Dämpfe sehr und verschlechtern die Wärmeübertragung, was das konventionelle Kaskadenverfahren zur Eindampfung weniger ökonomisch macht.

Aufgabe der Erfindung ist es, die schlechte Wärmeübertragung von Heizmedium auf die Ablauge während des Eindampfens zu verbessern und die bei einem konventionellen Verfahren zur Eindampfung von Ablaugen aus der Zellstoffherstellung und Rückgewinnung leichtflüchtiger Stoffe aus diesen Ablaugen auftretende Schaumbildung der Ablauge zu verhindern.

In der vorliegenden Erfindung wird diese Aufgabe gelöst, indem man die Ablauge (10) stufenweise in Expansionsgefäßen (109, 111, 113, 116) auf einen niedrigeren Druck und eine niedrigere Temperatur expandiert, die so expandierte Ablauge (53) stufenweise in Eindampfvorrichtungen (103, 102) eindampft, die während der Expansion entstehenden Expansionsdämpfe (20, 21, 22) und die während des Eindampfens entstehenden Laugendämpfe (40, 41) in jeder einzelnen Eindampfvorrichtung (102, 103) getrennt kondensiert und die hierbei freiwerdende Wärme zum Eindampfen der Ablauge einsetzt.

Die Wärmeübertragung wird verbessert, indem man bei der Eindampfung abgeteilte Heizflächen benutzt, die reichliche Belüftung und frühe Abscheidung von leicht flüchtigen Stoffen ermöglichen. Dabei findet erwärmende Kondensation in jeder einzelnen Vorrichtung auf mehreren voneinander getrennten Heizflächen statt. Die Heizfläche der Eindampfungsvorrichtungen kann aus Rohren oder Lamellen bestehen. Ein Teil der Heizfläche kondensiert den Verdunstungs- und Expansionslaugendampf, ein zweiter abgetrennter Teil kondensiert Expansionsdampf des Frischkondensats. Somit braucht z. B. das Frischkondensat nicht mit dem methanolhaltigen Kondensat vermischt werden.

In einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung wird reines Wasser oder Kondensat auf die wärmere Seite der Eindampfungsvorrichtungen eingespritzt, um die Kondensationstemperatur des Dampfes zu erhöhen und um die zur Verfügung stehende effektive Temperaturdifferenz zu verbessern. Der Zusatz von Wasser zum Laugendampf und/oder Expansionsdampf bewirkt eine neue Gleichgewichtssituation zwischen Dampf und Flüssigkeit, wobei die Methanolkonzentration des Dampfes reduziert wird und die Kondensationstemperatur des Dampfes ansteigt.

Auf der Laugenseite der Eindampfungsvorrichtungen wird die Lauge von oben einer oder mehreren Verteilervorrichtungen zugeführt, die entweder ungeteilt oder für die getrennten Heizflächen unterteilt sind, und die Lauge im nichtgeteilten Dampfraum eingedampft.

Die kennzeichnenden Merkmale der Erfindung gehen aus den nachfolgenden Patentansprüchen hervor.

Die Erfindung wird im folgenden anhand von schematischen Ausführungsbeispielen mit Verweis auf die beiliegende Zeichnung näher erläutert.

Die Dünnlauge (10) aus der Kocherei expandiert in den ersten Expansionsgefäßen (109, 111) auf einen niedrigeren Druck und eine niedrigere Temperatur. Die erste Vorrichtung, der Endeindicker (101), wird mit Frischdampf (30) über die Heizfläche (200) betrieben, und verdunsteter Laugendampf (40) aus dieser Vorrichtung treibt einen Teil (201) der Heizfläche der zweiten Vorrichtung (102) an. Der restliche Teil (202) der Heizfläche wird mit dem Expansionsdampf (20, 21) aus der ersten Laugenexpansion (109, 111) angetrieben.

Die Lauge (50, 51) aus den ersten Expansionsgefäßen (109, 111) wird der zweiten Expansion (113) zugeführt, und dieser Expansionsdampf (22) wird in der dritten Stufe (103) im abgetrennten Teil (204) der Heizfläche kondensiert. Ein Teil (203) der Heizfläche der dritten Stufe (103) kondensiert Dampf (41) aus der zweiten Stufe (102).

Von der zweiten Expansion (113) wird die Lauge (52) der dritten Expansion (116) zugeführt, und dieser dritte Expansionsdampf (23) wird in einem Teil (206) der Heizfläche im Wiederbedampfer (104) kondensiert, deren Dampf (43) die Kolonne (105) antreibt. Auf den getrennten Heizflächen (205, 206) des Wiederbedampfers (104) werden der Laugendampf (42) der dritten Stufe (103) und die Expansionsdämpfe (23) aus den vorhergehenden Stufen (115, 116) kondensiert. Die Laugenkondensate (70, 72) aus der zweiten und dritten Stufe (102, 103) expandieren in Expansionsgefäßen (114, 117), während die Expansionskondensate (71, 73) in den Expansionsgefäßen (112, 115, 118) expandieren.

Nach den Expansionen in den Expansionsgefäßen (109, 111, 113, 116) wird die Lauge (53) aus dem Expansionsgefäß (116) zur dritten Stufe (103) geleitet und aufwärts einer Verteilervorrichtung zugeführt, die entweder ungeteilt oder für die verschiedenen Heizflächen (203, 204) unterteilt ist. Der von den Heizflächen verdunstete Laugendampf (42) wird durch den Dampfaustritt in der Vorrichtung (103) abgezogen. Aus der dritten Stufe (103) wird die Lauge (54) der zweiten Stufe (102), und aus der zweiten Stufe (102) wird die Lauge (55) durch Vorwärmer (107) dem konventionellen Endeindicker (101) zugeführt.

Dieser Vorwärmer (107) kondensiert Expansionsdampf (32) aus Frischkondensat, der in den Expansionsgefäßen (108, 110) expandiert wird. Der Vorwärmer (107) kann aber auch Laugenexpansionsdampf (20) (nicht dargestellt) kondensieren und verbessert damit die Wärmewirtschaft des Systems und begünstigt die Wärmeübertragung in der ersten Stufe, indem er die Laugentemperatur vor der Endstufe (101) erhöht, die mit der dicksten und viskosesten Lauge (56) arbeitet.

Die fertig eingedampfte Dicklauge (57) wird aus dem Endeindicker (101) abgezogen.

In die Expansionsdämpfe (20, 21, 22, 23) und Laugendampf (42) wird Wasser (11) oder Dampfkondensat zur Erhöhung der Kondensationstemperatur des Dampfes eingespritzt.

Die in der Anlage integrierte Kolonne (105) wird mit Laugendampf (43) aus dem Wiederbedampfer (104) betrieben. Die Kolonne (105) und der Wiederbedampfer (104) sind zwischen der dritten Eindampfungsstufe (103) und einem Oberflächenkondensator (106) angeordnet. Dank dieser Anordnung können große und reine Dampfmengen durch die Kolonne durchgesetzt werden, wobei Methanol zurückgewonnen wird. Der Dampf (44) aus der Kolonne (105) und die nichtkondensierten Dämpfe (90, 91, 92, 93, 94, 95) aus der zweiten und dritten Stufe (102, 103) sowie dem Wiederbedampfer (104), die alle Methanol enthalten, werden im Oberflächenkondensator (106) zur Rückgewinnung von Methanol (12) kondensiert. Ein Teil der Heizfläche im Oberflächenkondensator (106) kühlt aus der Anlage ausströmendes Gas (96).

Mit der vorliegenden Erfindung können ökonomisch Endprodukte hoher Qualität zurückgewonnen werden, die alle in derselben Fabrik wie folgt direkt Verwendung finden: Methanol in der Kocherei, Laugendampfkondensat beim Waschen, Gase und Dicklauge als Brennstoff in Kesseln.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zur Eindampfung von Ablaugen und zur Rückgewinnung von leichtflüchtigen Stoffen aus Ablaugen bei der Zellstoffherstellung in einer mehrstufigen Eindampfvorrichtung mit integrierter Ausrüstung zur Rückgewinnung leichtflüchtiger Stoffe , dadurch gekennzeichnet, daß man die Ablauge (10) stufenweise in Expansionsgefäßen (109, 111, 113, 116) auf einen niedrigeren Druck und eine niedrigere Temperatur expandiert, die so expandierte Ablauge (53) stufenweise in Eindampfvorrichtungen (103, 102) eindampft, die während der Expansion entstehenden Expansionsdämpfe (20, 21, 22) und die während des Eindampfens entstehenden Laugendämpfe (40, 41) in jeder einzelnen Eindampfvorrichtung (102, 103) getrennt kondensiert und die hierbei freiwerdende Wärme zum Eindampfen der Ablauge einsetzt.
  2. 2. Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß reines Wasser (11) oder Dampfkondensat in die Expansionsdämpfe (20, 21, 22, 23) und den Laugendampf (42) eingespritzt wird.
  3. 3. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man den Laugendampf (42) aus der dritten Stufe (103) und den Expansionsdampf (23) aus den vorhergehenden Stufen (115, 116) in einem Wiederbedampfer (104) getrennt kondensiert.
  4. 4. Verfahren gemäß Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß eine Kolonne (105) durch den mit dem Wiederbedampfer (104) erzeugten Laugendampf (43) betrieben wird.
  5. 5. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Lauge (53, 54) auf der Laugenseite der Eindampfungsvorrichtungen (103, 102) von oben einer oder mehreren Verteileranordnungen zugeführt wird, die entweder ungeteilt oder für die getrennten Heizflächen (201, 202, 203, 204) unterteilt sind, und die Lauge (53, 54) im nichtgeteilten Dampfraum verdunstet wird.
  6. 6. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Lauge (55) vor der Endkonzentrierung in einem Vorwärmer (107) mittels Expansionsdampf (32) aus Frischkondesat oder mittels Laugenexpansionsdampf (20) über die Siedetemperatur erwärmt wird.






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