Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines
sulfatierten Lignins durch Umsetzung von Lignin mit einem
organischen Amin-Schwefeltrioxidkomplex.
Lignin ist ein komplexes Polymeres mit hohem Molekulargewicht,
das in der Natur in enger Verbindung mit cellulosehaltigen
Pflanzen und Bäumen auftritt. In der Papierindustrie läßt sich
Lignin als Nebenprodukt des Celluloseproduktes in zwei
hauptsächlichen Holzaufschlußverfahren gewinnen, nämlich im
Sulfitverfahren und im Sulfatverfahren. Das Lignin aus dem
Sulfitverfahren wird durch direkte Sulfonierung aus dem
cellulosehaltigen Anteil des Holzschliffs gelöst, wohingegen das
Sulfatverfahren auf einem alkalischen Abbauvorgang beruht, der
eine Spaltung der β-Arylether-Bindungen im polymeren Lignin
verursacht, was sequentiell chemische Funktionen phenolischer
und karboxylischer Art ergibt. Lignin aus dem Sulfatverfahren
wird durch Säurefällung der Ablauge des
Holzaufschlußverfahrens bei einem pH-Wert unterhalb des pKa-Wertes der
Phenolgruppen isoliert.
Ligninprodukte werden in breitem Umfang als Zusätze in
verschiedenen chemischen Verfahren und Zusammensetzungen
verwendet. Wegen der hochgradigen chemischen Aktivität von Lignin
wird es vielfältig als oberflächenaktives Mittel,
Streckmittel, Dispersionsmittel, Verstärkungsmittel, Lösungsmittel,
Bindemittel, Abscheidemittel, Emulgator und
Emulsionsstabilisator, sowie als Stabilisations- und Schutzkolloid
verwendet. Lignin wird unter dem Warenzeichen INDULIN® von der
Westvaco Corporation, North Charleston, South Carolina,
Vereinigte Staaten von Amerika, vertrieben.
Sulfonierte Ligninverbindungen, insbesondere Natriumsalze von
Lignosulfonaten, werden im großen Umfang als Zusätze und
Dispersionsmittel in Textil-Färbemitteln und Druckpigmenten
verwendet, und seit einigen Jahren von der Westvaco Corporation
unter den Warenzeichen POLYFON® und REAX® vertrieben. Der
Sulfonierungsgrad von Lignin bestimmt im allgemeinen seine
Wasserlöslichkeit bei verschiedenen pH-Werten; Natriumsalze
von sulfonierten Ligninen sind zum Beispiel bei alkalischen
und höheren pH-Werten allgemein wasserlöslich, während sie bei
niedrigeren, oder sauren pH-Werten wasserunlöslich sind.
Die ebenfalls anhängigen, durch Übertragung auf die Anmelderin
übergegangenen US-Patentanmeldungen Nr. 07/2 98 677 mit
Anmeldedatum vom 19. Januar 1989 und Nr. 07/3 24 320 mit
Anmeldedatum vom 16. März 1989 beschreiben die Herstellung von
sulfonierten Ligninzusammensetzungen mit hohem Sulfonierungsgrad
und hoher Wasserlöslichkeit durch Umsetzung des
Ligninausgangsmaterials mit Schwefelsäure bzw. Oleum. Bei der
Sulfonierung von Ligninen binden sich die aus der
Sulfonierungsreaktion hervorgegangenen Sulfonsäuregruppen in Ortho-Stellung
zu der Hauptseitenkette des Lignins direkt an den aromatischen
Ligninring, wie es in der nachstehenden Formel dargestellt
ist:
worin R = H oder OCH3 ist.
Die Sulfonierung von Ligninen kann auch in einem
Sulfomethylierungsverfahren erfolgen, bei dem das Ligninmaterial
zunächst mit einem geeigneten Methylolationsmittel, wie z. B.
Formaldehyd, methyloliert und anschließend mit einem Sulfit-
oder Bisulfitsalz wie beispielsweise Natriumbisulfit behandelt
wird, um die Sulfonsäuregruppen an die den Phenolgruppen des
Ligninmaterials benachbarte Methylolseitenkette zu binden, wie
aus der nachstehenden Formel hervorgeht:
Die Sulfonierung von Ligninen kann auch durch Sulfonierung der
Seitenkette des Lignins zur Herstellung eines POLYFON®-
Ligninproduktes erfolgen, wie es in der nachstehenden Formel
dargestellt ist:
Die US-Patentanmeldung 26 88 611 schlägt vor, Ligninsulfate
durch Behandlung von Ligninmaterial in einem wasserfreien
Medium mit einer eine SO3-Gruppe enthaltenden Verbindung, die
aus der Gruppe mit Alkalimetallchlorosulfonaten,
Metallchlorosulfonaten der Gruppe II-A und Schwefeltrioxid-Amin-
Komplexen ausgewählt wurde, herzustellen, um unter
Einbeziehung der Hydroxylgruppen der Phenolringkomponenten des
Lignins sulfatierte Lignine zu gewinnen.
Die Umsetzungen werden in organischen Lösungsmitteln, wie
Benzol, substituiertes Benzol, Chlorbenzol, Toluol und Dioxan
durchgeführt. Die Reaktionsdauer beträgt 2 bis 14 Stunden.
Die Verwendung organischer Lösungsmittel ist nicht nur
kostspielig, sondern auch nachteilig wegen der
Gesundheitsrisiken für die Anwender des Verfahrens wie auch
der Umweltgefährdung. Zudem ist das bekannte Verfahren noch zu
langwierig und führt nicht zu den hohen Sulfatierungsgraden,
die für eine hochgradige Wasserlöslichkeit des Produktes
erforderlich sind.
Hochgradig sulfonierte Lignine sind zur Verbesserung der
Wasserlöslichkeit und für Anwendungen bei hohem Elektrolytgehalt
erwünscht, wie z. B. als Ligninzusätze in Bohrflüssigkeiten
für Ölquellen, gewissen Färbemitteln, Tintenformulierungen,
Spurennährstoffen, Beton und Zement. Zwar beeinträchtigen
Salze die Ligninlöslichkeit unterhalb der
Ionenladungsbedingungen derartiger Systeme auf negative Weise; ein Ausgleich
der Löslichkeit läßt sich jedoch durch Erhöhung des Gehaltes
an Sulfonsäure des Lignins schaffen.
Die Löslichkeit des sulfatierten oder sulfonierten Lignins
läßt sich durch Säurepunkt oder Säurefällungspunkt bzw. -zahl
ausdrücken, welches die Gramm-Menge an 50%iger Schwefelsäure
darstellt, die zur Auslösung des Fällungsvorganges in 35 ml
Lösung mit 0,5 Gew.-% Lignin erforderlich ist. Wie bereits
erwähnt ist, je höher die Säurezahl des Lignins, desto größer
dessen Gehalt an Sulfonsäure/Sulfat und dessen
Wasserlöslichkeit.
Eine weitere Aufgabe besteht darin, ein sulfatiertes Ligninprodukt
mit hohem Gehalt sulfatierter Gruppen zur Verfügung zu
stellen, das in Anwendungen eingesetzt werden kann, die eine
hochgradige Wasserlöslichkeit des Ligninzusatzes erfordern.
Eine weitere Aufgabe ist es, ein verbessertes Verfahren zur
Herstellung sulfatierter Lignine durch ihre Umsetzung mit
einem organischen Amin-Schwefeltrioxid-Komplex in wäßrigem
Medium zur Verfügung zu stellen.
Die vorliegende Erfindung betrifft ein verbessertes Verfahren
zur Herstellung eines sulfatierten Lignins mit hohem Sulfatierungsgehalt
und ausgezeichneter Wasserlöslichkeit, bei dem
Lignin in wäßriger Lösung mit einem organischen Amin-Schwefeltrioxid-
Komplex umgesetzt wird, insbesondere mit einem Komplex
aus der Gruppe von Pyridin-Schwefeltrioxid, Triethylenamin-
Schwefeltrioxid und Trimethylamin-Schwefeltrioxid, unter Bedingungen,
die eine Sulfatierung des Lignins an der ionisierten
Hydroxylgruppe (O&supmin;Na&spplus;) des organischen Phenolringes, wie in
der nachstehenden Formel dargestellt, bewirken:
Die Menge des in wäßriger Lösung gelösten Lignins läßt sich
variieren, je nach gewünschtem Sulfatierungsgrad, beträgt aber
mindestens 25 Gew.-% Feststoff.
Zur optimalen Sulfatierung ist der pH-Wert der wäßrigen Lösung
vorzugsweise so hoch wie praktisch möglich. Die Menge des
verwendeten Amin-Schwefeltrioxid-Komplexes kann variieren, je
nach gewünschtem Sulfatierungsgrad im Ligninprodukt. Wird ein
geringer Sulfatierungsgrad gewünscht, kann weniger Komplex
verwendet werden, und bei gewünschtem hohem Sulfatierungsgrad
wird entsprechend mehr Komplex in der Reaktion verwendet. Die
Komplexmenge kann üblicherweise zwischen ca. 1 Mol bis ca. 5
Mol Komplex pro 1000 Gramm-Mol Lignin in Lösung variieren. Die
optimalen Reaktionstemperaturen wechseln in Abhängigkeit von
dem jeweiligen gewählten Amin-Schwefeltrioxid-Komplex. Die
optimale Reaktionszeit ist im allgemeinen die gleiche, oder
ca. 60 Minuten.
Die verschiedenen Parameter der Erfindung und die Auswirkung
von Temperatur, Konzentrationen, und pH-Wert der Reaktion auf
die bei den umgesetzten Ligninprodukten erhaltenen Säurezahlen
lassen sich durch die nachfolgenden Beispiele und die aus
ihnen errechneten Daten erläutern. Mengen nichtsulfonierten
Lignins, z. B. INDULIN-Lignin, und bereits vorsulfonierter
Lignine, z. B. REAX® und POLYFON®, werden als
Ausgangsligninmaterial verwendet, wäßrige Lösungsproben davon werden mit
verschiedenen Komplexen von Pyridin-Schwefeltrioxid, Triethylen-
Schwefeltrioxid und Trimethylen-Schwefeltrioxid umgesetzt. Die
Reaktionen laufen während ca. 60 Minuten ab und die
Säurepunkte der Endprodukte sind in den nachfolgenden Tabellen
aufgeführt:
PYRIDIN-SCHWEFELTRIOXID-KOMPLEXTemperaturprofil TRIETHYLAMIN-SCHWEFELTRIOXID-KOMPLEXTemperatur-Profil TRIETHYLAMIN-SCHWEFELTRIOXID-KOMPLEXTemperaturprofil in bezug auf Molverhältnisse des Komplexes und der Ligninkonzentration
Aus den voranstehenden Daten läßt sich ersehen, daß
Temperaturen zur Erzielung einer optimalen Sulfatierung des Lignins
von der Art des in der Reaktion verwendeten Komplexes
vorgegeben werden. Wie aus den Tabellen ersichtlich, scheint die
Reaktion des Pyridin-Schwefeltrioxid-Komplexes am besten bei
ca. 25°C abzulaufen, während der Trimethylamin-Komplex bei
einer Reaktionstemperatur von 90-100°C optimale
Ergebnisse zeigte. Die optimale Temperatur für die Reaktion des
Triethylamin-Komplexes beträgt ca. 60°C. Ferner steigt der
Sulfatierungsgrad bei Erhöhung der Konzentration des Lignins
in wäßriger Lösung.
Wie aus den Daten hervorgeht, lassen sich Säurezahl und
Wasserlöslichkeit von bereits vorsulfonierten Ligninen, wie z. B.
der von Westvaco hergestellten REAX®- und POLYFON®-Lignine,
durch Sulfatierung gemäß dem Verfahren der vorliegenden
Erfindung erhöhen, bei dem die Hydroxylgruppe am aromatischen
Phenolkern des Lignins sulfatiert wird.
Da sowohl Sulfon- als auch Sulfatgruppen bei ungefähr
demselben pKa-Wert, nämlich 1,7, vorliegen, lassen sich die
Säurepunktkonzentrationen austauschbar zur Bestimmung des
Umsetzungsgrades verwenden. Wird beispielsweise ein sulfoniertes
Vorprodukt, z. B. REAX®- und POLYFON®-Lignin, sulfatiert, zeigt
die Differenz der Säurepunkte von Vorstufe und sulfatiertem
Lignin die Menge der sulfatierten Gruppen, die in das Lignin-
"Rückgrat" eingeführt wurden.
Die Ligninsulfatierung in wäßriger Lösung bietet mehrere
Vorteile gegenüber der herkömmlichen Ligninsulfonierung gemäß dem
Stand der Technik. Diese Vorteile umfassen eine Erhöhung der
Reaktionsgeschwindigkeit, da die Reaktion bei pH 11 innerhalb
einer Stunde abgelaufen ist, während im allgemeinen längere
Reaktionszeiten, z. B. 6-12 Stunden, für eine
Sulfomethylierung (atmosphärisch) und ca. 2 Stunden für eine
Sulfonierung (unter Druck) erforderlich sind. Ferner erfolgt eine
Phenolblockierung bei der Sulfatierung, was ein
Sulfatierungsprodukt ergibt, das farblich heller ist, eine geringere
Faserverfärbung und eine allgemein geringere
Azofarbstoffreduktion aufweist als die sulfonierten und sulfomethylierten
Lignine des Standes der Technik. Da die Pufferkapazität der
Phenole in üblichen Ligninen während der Sulfatierung
größtenteils ausgeschaltet wird, lassen sich die pH-Werte leichter
einstellen. Reine sulfatierte Lignine können biologisch
leichter abbaubar sein als ihre sulfonierten oder sulfomethylierten
Gegenstücke, da sulfatierte Gruppen ziemlich leicht spaltbar
sind, was die Stabilisierungswirkung von sulfonierten
Strukturen ausschaltet.
Das folgende Beispiel erläutert ein spezifisches
Laborverfahren zur Herstellung von sulfatiertem Lignin mit 3 Mol eines
Trimethylamin-Schwefeltrioxid-Komplexes:
340 Gramm einer 34%igen wäßrigen Indulin A
Lignin-Aufschlämmung (100 g getrocknetes Lignin) werden mit 50%iger
Natriumhydroxid-Lösung auf einen pH-Wert von 11 alkalisch gemacht.
Die Temperatur wird auf 90°C erhöht, woraufhin 41.7 g des
Trimethylamin-Schwefeltrioxid-Komplexes hinzugefügt werden.
Der pH-Wert wird mit Natriumhydroxid bei 11 gehalten, und nach
60 Minuten wird freies Trimethylamin in einem
Rotationsverdampfer entfernt. Das entstandene sulfatierte
Natriumsalzlignin wird anschließend sprühgetrocknet. Der Grad der
Sulfatierung wird quantitativ über den Säurepunkt und durch Analyse
des organischen Schwefels bestimmt. Der Säurepunkt wird durch
Titration von 35 ml einer 0,5% Ligninlösung mit 50%
Schwefelsäure auf den Punkt, an dem die Ligninausfällung einsetzt,
bestimmt. Schwefelsäure wird tropfenweise in Intervallen von
jeweils 1 Sekunde zugesetzt. Die Menge des Titrationsmittels
steht quantitativ in bezug zum Sulfatierungsgrad des Lignins.
Organischer Schwefel wird quantitativ analysiert durch
Auswaschen der anorganischen Salze aus 5 g des Ligninsulfats
mittels Ultrafiltration (der Punkt, an dem das Eluiermittel in
seiner Leitfähigkeit gleich dem Auswaschwasser ist, schließt
das Ultrafiltrationsverfahren ab). Eine Membran für
Molekulargewicht 500 der Amicon Corporation wird verwendet, das
erhaltene reine Ligninsulfat in einem Konvektionsofen getrocknet
und Schwefel mit einem LECO-Analysegerät bestimmt. Bei der
Berechnung des Wertes des organischen Ligninsulfates muß
jedwede in dem Ausgangslignin (Indulin A) vorhandene
Schwefelmenge von der gesamten Schwefelmenge, wie sie mit dem LECO-
Analysegerät bestimmt wurde, subtrahiert werden.
Anspruch[de]
1. Verfahren zur Herstellung eines sulfatierten Lignins,
durch Umsetzung von Lignin mit einem organischen Amin-
Schwefeltrioxid-Komplex,
gekennzeichnet durch die folgenden Schritte:
- Auflösen des Lignins in einer wäßrigen alkalischen
Lösung und
- Umsetzung des gelösten Lignins mit dem organischen
Amin-Schwefeltrioxid-Komplex, wobei die
Ligninkonzentration in der Lösung zumindest 25 Gew.-%
Feststoff beträgt und die Reaktionsdauer bis zu
ungefähr 1 Stunde beträgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß die Ligninkonzentration in
der Lösung ca. 25 bis 50 Gew.-% Feststoff beträgt.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 2,
dadurch gekennzeichnet, daß die Reaktionsdauer 60 Minuten
beträgt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß der Schwefeltrioxid-Amin-
Komplex mit Lignin bei einer Temperatur zwischen ca. 25°C
und dem Siedepunkt der Ligninlösung umgesetzt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, daß der Schwefeltrioxid-Amin-
Komplex Pyridin und Schwefeltrioxid umfaßt und die
Reaktionstemperatur ca. 25°C beträgt.
6. Verfahren nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, daß der Schwefeltrioxid-Amin-
Komplex Triethylamin und Schwefeltrioxid umfaßt und die
Reaktionstemperatur ca. 70°C beträgt.
7. Verfahren nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, daß der Schwefeltrioxid-Amin-
Komplex Triethylamin und Schwefeltrioxid umfaßt und die
Reaktionstemperatur ca. 90°C beträgt.
8. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß das umzusetzende Lignin ein
bereits vorsulfoniertes Lignin ist.
9. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß der pH-Wert der alkalischen
Ligninlösung ca. 11 beträgt.
10. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß das Lignin an der
phenolischen OH-Gruppe sulfatiert wird.