Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Regelung eines
Druckwasserkernreaktors, von der Art, bei der die Position von Steuerstäben im Reaktorkern verändert
wird, wenn ein Steuerparameter, der den Unterschied zwischen der Leistung des
Kerns und der abgefragten Leistung darstellt (zum Beispiel die mittlere
Kerntemperatur), ein festgelegtes, als "toten Bereich" bezeichnetes Intervall verläßt und bei
dem die verschobenen Stäbe so ausgewählt werden, daß eine Verstärkung des
Unterschieds zwischen der axialen Leistungsabweichung und einem Referenzwert
vermieden wird; der Ausdruck "axiale Leistungsabweichung" bezeichnet das Verhältnis
zwischen der Differenz der Neutronenflüsse in der oberen und der unteren Hälfte
des Kerns und der Summe dieser Flüsse, oder einen anderen Parameter, der das
Ungleichgewicht der Flüsse längs des Umlaufweges des Kühlwassers im Kern darstellt.
Es ist bereits ein Regelungsverfahren der oben definierten Art bekannt (EP-A-00
51 542 oder FR-A-2 493 582). Die zur Regelung dienenden Stäbe enthalten ein
Material, das Neutronen stark absorbiert, ohne spaltbare Isotope zu erzeugen (zum
Beispiel Hafnium), in einer solchen Menge, daß die Stäbe eine ausreichende
negative Reaktivität aufweisen, um eine Lastfolge zu bewirken (üblicherweise 1000 pcm¹,
wenn die Stäbe vollständig in den Kern eingefährt sind). Die Stäbe bestehen im
allgemeinen aus einem Bündel von Stiften, von denen jeder eine Hülle besitzt und
die Pellets aus absorbierendem Material enthalten.
Das Dokument EP-A-00 51 542 schlägt folgendes Regelungsgesetz vor:
wenn der Steuerparameter außerhalb des toten Bereichs liegt, wird in
Abhängigkeit von Betrag und Vorzeichen des Parameters die Richtung und
Geschwindigkeit bestimmt, mit der eine Gruppe von Stäben zu bewegen ist, die in
Abhängigkeit von der axialen Abweichung ausgewählt wird, um eine
Abweichung der letzteren von ihrem Referenzwert zu vermeiden;
¹pro centum mille, 1/100000
wenn der Steuerparameter innerhalb des toten Bereichs liegt, wird nur dann
eine Gruppe von Stäben bewegt, um die axiale Abweichung zu verringern,
wenn der Unterschied zwischen letzterer und dem Referenzwert eine
festgelegte Schwelle überschreitet, in diesem Fall wird die Bewegung durch eine
Veränderung der Borkonzentration kompensiert.
Dieses Verfahren nach dem bisherigen Stand der Technik erfordert neben der
Verwendung der Steuerstäbe (und von Anhaltestäben, die im Normalbetrieb immer
aus dem Kern herausgezogen sind und nur zum Anhalten und zur Erhaltung des
Haltezustands des Reaktors eingeführt werden) die Verwendung von Bor in Form
einer im als Kühlmittel verwendeten Wasser löslichen Verbindung; der Borgehalt
wird verändert, um die Abnahme der Reaktivität zu kompensieren, die
insbesondere aus der fortschreitenden Erschöpfung des Brennstoffs folgt, und um im Falle
eines schweren Unfalls die negative Reaktivität stark zu erhöhen. Die
Anfangskonzentration muß folglich sehr hoch sein.
Oft wird die Änderung des Borgehalts des Wassers benutzt, um die Leistung des
Reaktors zu regeln und insbesondere, um die Veränderungen der Xenonvergiftung
zu kompensieren, die Steuerstäbe werden dann nur bewegt, um die Reaktivität bei
schnellen Betriebs änderungen zu variieren.
Die Verwendung von in dem als Primärkühlmittel verwendeten Wasser gelöst ein
Bor hat Vorteile. Die mit ihm verbundene negative Reaktivität wird gleichmäßig
im Kern verteilt. Im Gegenzug hat sie auch schwere Nachteile. Die Anwesenheit
des Bors führt zu einer großen Produktion von Abwässern, die in einer komplexen
Anlage behandelt weren müssen. Die Borsäure korrodiert bestimmte Materialien,
insbesondere die Hüllen aus einer Legierung auf Zirkonbasis.
Ein anderer Nachteil ist mit der Tatsache verbundern, daß es gefährlich wäre, sich
nur auf die Einspritzung von Bor zu verlassen, um den Reaktor im Falle einer
schweren Störung zu anzuhalten, denn aufgrund seiner Konstruktion hat das
Einspritzsystem für das lösliche Bor eine große Zeitkonstante. Auch wenn das lösliche Bor
als Hauptsteuerungselement verwendet wird, ist es deswegen nicht weniger wichtig,
daß die absorbierenden Stäbe eine ausreichende negative Reaktivität haben, um den
Nothalt des Reaktors zu ermöglichen. Die Lastfolge macht es erforderlich, den
Borgehalt schnell verringern zu können. Dies wird unmöglich, sobald der Borgehalt im
Normalbetrieb aufgrund des Abbrands des Kerns auf einen niedrigen Wert gebracht
wurde.
Es sind bereits Verfahren vorgeschlagen worden, die es ermöglichen, die dem als
primäres Kühlmittel verwendeten Wasser zu gebende maximale Borkonzentration
und/oder die Konzentrationsänderungen während des Betriebs zu verringern. Gemäß
dem Dokument FR-A-2 547 447 werden Gruppen von Steuerstäben bewegt und
gegebenenfalls die Konzentration von löslichem Bor im Primärkreislauf verändert, wenn
der Reaktor von einem Zustand φ, der die wirkliche axiale Verteilung und Leistung
des Reaktors ausdrückt, in einen Sollzustand φc gebracht werden muß, in
Abhängigkeit von den Ergebnissen einer Rechnung. Diese Rechnung besteht darin, die den
externen Parametern (insbesondere der Position der Steuerbündel und der
Borkonzentration) zu gebenden Änderungen durch eine Iterationsrechnung zu bestimmen,
die die Aufstellung einer Kopplungsrelation zwischen den externen Parametern und
dem Zustand des Reaktors in Abhängigkeit von nicht steuerbaren internen
Parametern wie dem Moderationskoeffizienten impliziert. Wenn diese Kopplungsrelation
einmal bestimmt ist, werden die optimalen Änderungen der externen Parameter
bestimmt, die es ermöglichen, sich dem Sollzustand φc anzunähern. Doch legt das
Dokument FR-A-2 547 447 nicht dar, wie man die Kopplungsrelation bestimmen
kann und scheint nur die axiale Verteilung der Leistung in Betracht zu ziehen,
wohingegen es jedoch wichtig ist, die radiale Verteilung der Leistung und insbesondere
das Risiko des Auftretens von Leistungsspitzen nicht zu vernachlässigen.
Eine andere Lösung, die es ermöglicht, die zur Kompensation der Erschöpfung
des Brennstoffs nötigen Änderungen der Borkonzentration und damit den
anfänglichen Borgehalt zu verringern, beteht darin, das Energiespektrum der Neutronen
im Laufe eines Funktionszyklus des Kerns zu verändern, ausgehend von einem
epithermischen Spektrum. Das Dokument FR-A-2 496 319 macht ein solches Verfahren
bekannt, gemäß dem "graue" Stäbe, das heißt solche mit mäßiger
Neutronenabsorption, in dem Maße herausgezogen werden, wie der Kern sich erschöpft. Der Platz
dieser Stäbe wird dann von Wasser eingenommen, das das Moderationsverhältnis
erhöht und das Energiespektrum der Neutronen dem thermischen Bereich annähert.
Die Leistung des Reaktors wird mit Hilfe von "schwarzen" Stäben geregelt. Zu
diesem Zweck mißt man den örtlichen Neutronenfluß in mehreren Bereichen des Kerns
mit in großer Zahl angebrachten ortsfesten Detektoren und wählt die Kombination
von Stabbewegungen, die die erforderliche Änderung der Reaktivität bei minimaler
Störung des Profils der Leistungsverteilung ergibt, in Abhängigkeit von der
abgefragten Leistung. Dieses Verfahren impliziert eine äußerst komplexe Rechnung, die
die Meßwerte einer sehr großen Zahl von im Kern angebrachten Flußdetektoren
verwendet, doch trotzdem ermöglicht es dieses Verfahren nicht, die Verwendung von
Bor im Zustand einer löslichen Verbindung zur Regelung des Reaktors überflüssig
zu machen.
Die Erfindung zielt insbesondere darauf, ein Verfahren zur Regelung eines
Druckwasserreaktors der oben definierten Art zu liefern, das es ermöglicht, Änderungen in
der abgefragten Leistung ohne Änderung des Borgehalts des als primäres Kühlmittel
verwendeten Wassers zu folgen, wobei der Borgehalt auch Null sein kann.
Insbesondere zielt sie darauf, es zu ermöglichen, daß gleichzeitig der Steuerparameter in
der Nähe seines Sollwerts gehalten werden kann, zum Beispiel indem die mittlere
Temperatur in der Nähe einer Referenztemperatur gehalten wird, und die axiale
Leistungsabweichung in der Nähe ihres Referenzwerts gehalten werden kann, und
zwar ohne Änderung des Gehalts an löslichem Bor im Normalbetrieb, einschließlich
des Anhaltens bei mittlerer Temperatur. Außerdem zielt sie darauf, Störungen der
radialen Leistungsverteilung zu vermeiden, um die oben angegebenen Ergebnisse zu
erreichen.
Zu diesem Zweck schlägt die Erfindung insbesondere ein Verfahren der oben
definierten Art vor, bei dem - wobei die absorbierenden Regelungsstäbe eine
ausreichende negative Reaktivität haben, um die Gesamtheit der Reaktivitätsänderungen
zu kompensieren, die im Laufe des Normalbetriebs des Reaktors und im Falle
eines Zwischenfalls, der den Nothalt des Reaktors erfordert, während das Kühlmittel
bei seiner normalen Arbeitstemperatur ist, auftreten - wenn der Steuerparameter
den toten Bereich verläßt und/oder die Abweichung der axialen
Leistungsverteilung einen Referenzwert überschreitet, durch einen Simulationsprozess diejenigen
der Bündel bestimmt werden, die bewegt werden müssen, um den Steuerparameter
und/oder die Abweichung auf ihre normalen Werte zurückzuführen, unter
Minimierung eines Enthalpie-Erhöhungsfaktors im Kern, wobei die Enthalpieerhöhung als
die Differenz zwischen dem Wert der Enthalpie (polynomiale Funktion der
Temperatur) am Ausgang des Kerns und der Enthalpie am Eingang des Kerns, eventuell
zu einem früheren Zeitpunkt, und der Enthalpie-Erhöhungsfaktor als das Verhältnis
zwischen dem Maximalwert der Erhöhung und ihrem Mittelwert im Kern (oder in
einem vorher festgelegten Bereich des Kerns) definiert ist.
Die Betriebssicherheit des Reaktors erfordert eine Redundanz der
Vorrichtungen, die die Kompensation der Reaktivitätsänderungen und das Anhalten der
Neutronenreaktion ermöglichen, für den Fall des Ausfallens einzelner Stäbe. Im Falle
einer Regelung ohne Bor kann dieses Ergebnis insbesondere erreicht werden, indem
einerseits "schwarze" Stäbe vorgesehen werden, die nur dazu dienen, den Halt des
Reaktors zu hervorzurufen und die im Normalbetrieb vollständig aus dem Kern
herausgezogen sind, andererseits, indem "graue" Steuerstäbe vorgesehen werden, das
heißt solche, deren individuelle negative Reaktivität zwischen der der
"transparenten" Stäbe aus schwach neutronenabsorbierendem Material und der der schwarzen
Stäbe liegt, und die völlig unabhängige Bedienungssysteme haben: Wenn global die
"grauen" Stäbe eine ausreichende negative Reaktivität haben, ist eine Redundanz
hergestellt, so daß der Nothalt auch im Falle der Betriebsstörung eines Systems
möglich bleibt.
Im Falle eines Reaktors mit veränderlichem Spektrum muß darüberhinaus die Summe
der negativen Reaktivität der Haltestäbe und der negativen Reaktivitäten der
Steuerstäbe ausreichend sein, um, wenn alle diese Stäbe in den Kern eingeführt sind,
den Halt auch dann aufrechtzuerhalten, wenn die Temperatur des als Kühlmittel
verwendeten Wassers vom Wert des Normalbetriebs auf einen mittleren Wert
abgenommen hat. Die Einspritzung von Bor ist nur noch nötig, um den Reaktorhalt
aufrechtzuerhalten, wenn das Kühlmittel kalt ist.
Aufgrund der Tatsache, daß hierbei eine große Anzahl von "grauen" Steuerstäben
(die im allgemeinen eine ungefähr halb so große negative Reaktivität wie die
schwarzen Stäbe, von zum Beispiel 75 pcm statt 150 pcm haben) nötig wird, ist es
vorteilhaft, die Stäbe in zwei Sätze aufzuteilen, wobei jeder Stab eines Satzes (oder sein
Steuermechanismus) koaxial zu einem Stab des anderen Satzes (oder seinem
Steuermechanismus) liegt. Man verringert so die Zahl der nötigen Durchbrechungen im
Deckel des Reaktorbehälters.
Das erfindungsgemäße Regelungsverfahren besitzt zahlreiche Vorteile. Aufgrund
der Tatsache, daß sich im Normalbetrieb kein Bor mehr oder nur noch wenig Bor
im Wasser befindet, ist der Koeffizient der Reaktivitätsänderung in Abhängigkeit
von der Temperatur immer stark negativ, was bei allen Unfällen nützlich ist, die
dazu neigen, die Temperatur des Kerns zu erhöhen. Darüberhinaus bewirkt der
große Wert der negativen Reaktivität der Bündel, daß im Falle eines Bruchs im
Dampfleitungssystem kein Risiko des Kritischwerdens des Reaktors mehr besteht.
Die Tritiumproduktion ist verringert. Die primären Abwässer sind verringert. Die
gewählte Art der Bestimmung des zu bewegenden Stabes (oder der zu bewegenden
Stäbe) ermöglicht es, die Spitzenfaktoren der radialen Verteilung des
Neutronenflusses zu vermeiden oder zu abzuschwächen und dabei einen Betrieb des Reaktors
in Lastfolge zu ermöglichen.
Die Erfindung ist besser zu verstehen beim Lesen der nachfolgenden
Beschreibung eines Verfahrens, das eine besondere Ausführung der Erfindung ist und als
nicht einschränkendes Beispiel gegeben wird. Die Beschreibung bezieht sich auf die
begleitenden Zeichnungen, in denen
die Figur 1 ein Schema ist, das die Verteilung der verschiedenen Plätze der
Steuerstäbe in einem Bruchteil des horizontalen Querschnitts durch den Kern
eines repräsentativen Reaktors zeigt;
die Figur 2 eine Kurve ist, die die in einen Reaktorkern einzuführende negative
Reaktivität während eines beispielhaft gewählten Zyklus zeigt;
die Figuren 3A, 3B und 3C Diagramme sind, die jeweils Beispiele geben fär die
Änderungen der axialen Leistungsabweichung, des
Enthalpie-Erhöhungsfaktors FΔH und der Position der Regelungsstäbe in einem der sechs
Winkelsektoren des Reaktors aus Figur 1, entsprechend der in den Kern einzuführenden
negativen Reaktivität;
die Figur 4 eine mögliche, von der in Figur 3C gezeigten verschiedene
Verteilung der Regelungsstäbe in Abhängigkeit von der eingefährten Reaktivität
zeigt;
die Figur 5 ein Beispiel ist für eine Kurve, die den Enthalpie-Erhöhungsfaktor
FΔH (Verhältnis der Enthalpieerhöhung im heißesten Kanal zum Mittelwert
über alle Kanäle) in dem heißesten Brennelementbündel eines Sektors darstellt,
in Abhängigkeit von ΔH;
die Figur 6 ein prinzipielles Ablaufdiagramm für die Anwendung des Verfahrens
ist;
die Figur 7, ähnlich der Figur 6, eine Abwandlung der Anwendung zeigt;
die Figur 8 ein Schema ist, das noch eine Abwandlung der Anwendung zeigt,
die es ermöglicht, die radialen Ungleichgewichte zu verringern.
Das Anwendungsbeispiel der Erfindung, das im folgenden beschrieben wird, kann
als repräsentativ angesehen werden für die Anwendung des Verfahrens auf einen
Druckwasserreaktor, mit einer Leistung von zum Beispiel 1300 MW, dessen Kern
aus nebeneinandergesetzten Brennstoffanordnungen von sechseckigem Querschnitt
gebildet ist. Es soll hier nicht die allgemeine Beschaffenheit des Reaktors
beschrieben werden, die ähnlich der von gegenwärtig untersuchten Druckwasserreaktoren
wie insbesondere dem im Dokument EP-A-0 231 710 beschriebenen sein kann,
obwohl die Erfindung ebenfalls auf einen Kern mit quadratischem Gitter anwendbar
ist.
Der Kern kann als aus sechs Winkelsektoren bestehend angesehen werden, die alle
dieselbe Beschaffenheit haben, und aus diesem Grund werden nur zwei Sektoren
vollständig in der Figur 1 gezeigt.
Jeder Sektor umfaßt neununddreißig Brennelementbündel (unter Vernachlässigung
des zentralen Brennelementbündels des Kerns), von denen jeder von einem
Mechanismus zur Einführung der Steuerstäbe überdeckt wird. Die acht Plätze 10,
die durch weiße Sechsecke bezeichnet werden, sind zur Aufnahme der zum Anhalten
der Neutronen dienenden Stäbe bestimmt, die als "schwarze" Stäbe bezeichnet
werden, weil sie die Neutronen stark absorbieren. Der Reaktor umfaßt also insgesamt
neunundvierzig Haltestäbe, die für sich allein ausreichend sind, um den heißen
Reaktor anzuhalten. Die Stäbe bestehen im allgemeinen jeder aus einem Bündel von
Stiften, von denen jeder eine Hülle besitzt, die vorgesehen sind, in Führungsrohre
in dem zugehörigen Brennelementbündel eingeführt zu werden, und die Pellets aus
absorbierendem Material enthalten. Man sieht, daß der Reaktor insgesamt
neunundvierzig Haltebündel umfaßt, die im Normalbetrieb des letzteren vollständig aus dem
Kern herausgezogen (das heißt im oberen Innenbereich des Reaktors enthalten) sind.
Jeder Sektor besitzt außerdem zwanzig Brennelementbündelplätze 12, die zur
Aufnahme von Stäben vorgesehen sind, die nach einer Betriebsdauer, die einem
Bruchteil der Gesamtdauer eines Zyklus entspricht, aus dem Kern herausgezogen sind.
Die für die zwanzig Plätze 12 vorgesehenen Stäbe enthalten abbrennbares Gift,
dessen fortschreitender Abbau die Erschöpfung des Brennstoffs im Laufe einer
Anfangsphase des Betriebs kompensiert. Die Bündel werden nicht notwendigerweise
alle zusammen entfernt. In Abhängigkeit von der Erschöpfung des Brennstoffs wird
eine erste Gruppe von Bündeln 12 entfernt. Anschließend wird nach einer mehr oder
weniger großen Verzögerung eine zweite Gruppe Bündel entfernt. Die Gruppen von
Bündeln werden in einer Weise bestimmt, daß die radiale Leistungsverteilung nicht
gestört wird. Der Einführungsgrad der Bündel 12 mit abbrennbarem Gift ist von
der Brennstofführung unabhängig und kann so gewählt werden, daß die radiale
Leistungsverteilung so konstant wie möglich wird. Es wird daher hier nicht die
Steuerungsweise dieser Bündel beschrieben. Es muß nur erwähnt werden, daß sie
es außerdem ermöglichen, das Energiespektrum der Neutronen zu verändern: Wenn
sie aus dem Kern herausgezogen sind, dringt Wasser in die Führungsrohre ein, in
denen sie vorher enthalten waren, wodurch das Moderationsverhältnis des Kerns
erhöht wird. Dieser Effekt einer Änderung des Neutronenspektrums hin zu
niedrigen Energien wird verstärkt, wenn die Bündel brütbares Material enthalten, so wie
zum Beispiel im Dokument EP-A-0 231 710 beschrieben ist.
Die Plätze 14 schließlich, die in der Figur 1 als schraffierte Sechsecke dargestellt
sind, sind zur Aufnahme der Steuerstäbe bestimmt. Auch diese Stäbe bestehen
aus Bündeln absorbierender Stifte. Um die Zahl der zur Steuerung der Bewegung
aller Stäbe notwendigen Durchbrechungen im Deckel zu verringern, ist es
vorteilhaft, an jedem Platz 14 zwei unabhängige Stäbe vorzusehen und sie über zwei
koaxial oder Seite an Seite angebrachte Mechanismen zu steuern. Es sind bereits
Vorrichtungen bekannt, die es ermöglichen, zwei Steuerstäbe, die denselben Platz
im Kern besetzen, unabhängig zu steuern. Manche Anordnungen ermöglichen eine
vollständige Unabhängigkeit der Bewegung. Häufiger unterliegt die Anordnung
jedoch aus Gründen der Einfachheit einer Einschränkung: Einer der beiden Stäbe,
der vorher festgelegt wird, muß immer einen geringeren Grad der Einführung in den
Kern haben als der andere Stab (oder kann sogar nur dann abgesenkt werden, wenn
der andere vollständig in den Kern eingeführt ist).
Im in Figur 1 gezeigten Fall sieht man, daß jeder Sektor des Kerns sechs regelmäßig
verteilte Plätze 14 umfaßt, jeder davon für einen Satz von zwei Steuerstäben.
Die Figur 2 gibt ein Beispiel, das die maximale Veränderung der gesamten
negativen Reaktivität im Kern zeigt, die durch Einführen und Herausziehen der
Regelungsstäbe verfügbar sein muß. Die Figur 2 entspricht einem Fall, wo die
vorzusehende gesamte negative Reaktivität sich folgendermaßen zusammensetzt, für einen
neuen Kern am Anfang der Brennzeit:
Verbrennungsreserve (nach Abzug des Effekts des abbrennbaren Gifts) 1000 pcm
Regelungsspielraum 500 pcm
Spielraum des Leistungsbetriebs 2000 pcm
Kompensation der Xenonvergiftung 2000 pcm
Die Verbrennungsreserve von 1000 pcm, die dazu bestimmt ist, die Nutzung des
Reaktors bei 100% seiner Nennleistung zu ermöglichen, wird, wenn der Kern neu
ist, durch die an den Plätzen 12 angebrachten 6 x 20 Bündel abbrennbaren Giftes
kompensiert. Wenn der Kern neu ist, tritt keine Xenonvergiftung auf, und es sind
die an den Plätzen 14 angebrachten Regelungsstäbe, die die der maximalen
Xenonvergiftung entsprechende negative Reaktivität liefern müssen. Infolgedessen müssen
die Regelungsstäbe eine negative Reaktivität von mindestens 5500 pcm darstellen.
Die Figur 2 zeigt als Beispiel eine repräsentative Entwicklung, die so im Laufe der
Zeit vorkommen kann, bei der nacheinander auftreten:
Betrieb bei 100% der Nennleistung, mit Xenonsättigung (Punkt A);
Übergang auf 50% der Nennleistung (Punkt B);
Aufrechterhalten der 50% der Nennleistung, begleitet von einer Änderung der
negativen Reaktivität aufgrund des Xenons (Punkt C);
Rückkehr auf 100% der Nennleistung ohne Änderung des Xenongehalts (Punkt
D);
fortschreitende Abnahme der durch das Xenon verursachten negativen
Reaktivität (Punkt E).
Es werden nun unter Bezugnahme auf die Figuren 3A, 3B, 3C die Bedingungen
für die Anwendung eines erfindungsgemäßen Regelungsverfahrens für den Fall
beschrieben, daß es darauf abzielt,
den Steuerparameter, der aus der Differenz zwischen der wirklichen
Temperatur am Ausgang des Kerns und einer Solltemperatur besteht, in einem toten
Bereich von + oder - 3º C zu halten;
den Abstand zwischen der wirklichen axialen Abweichung und der zugehörigen
Referenzabweichung in einem Bereich von ± 3% zu halten (Figur 3A);
den Enthalpie-Erhöhungsfaktor FΔH auf einem minimalen Wert und in jedem
Fall unter 1,3 zu halten (Figur 3B).
Die Enthalpie-Erhöhung ΔH kann entweder für ein einzelnes Breunelementbündel
oder einen Bruchteil des Kerns, oder auch für den ganzen Kern berechnet
werden. Für die betrachtete Einheit (Brennelementbündel, Bruchteil des Kerns oder
Kern) kann die Enthalpie-Erhöhung ΔH aus den Eingangs- und
Ausgangstemperaturen des Wassers über eine Polynomfunktion zweiten Grades oder dritten Grades
der Temperatur berechnet werden, je nach angestrebter Genauigkeit. Die
verglichenen Eingangs- und Ausgangstemperaturen sind nicht notwendigerweise die, die
zur gleichen Zeit gemessen werden, sofern man die Durchgangszeit des als
Kühlmittel verwendeten Wassers durch die betrachtete Einheit berücksichtigen will.
Die Figur 3C zeigt für den Fall, daß die Regelung es ermöglichen soll, den Abstand
der axialen Abweichung auf einem Wert unterhalb von + oder -3% zu halten, die
möglichen Änderungen der in den Kern eingeführten negativen Reaktivität, für den
Fall, daß die Regelungsstäbe oder -bündel die in Figur 1 gezeigte Anordnung haben.
In dieser Figur sind entsprechend der Figur 3C die sechs Plätze der Regelungsbündel
mit den Zahlen 1 bis 6 bezeichnet. Diese Zahlen sind für die weiter in den Kern
eingeführten Stäbe mit dem Index a, für die weniger weit in den Kern eingeführten
Stäbe aus einem Satz von zwei Stäben mit dem Index b belegt. Man sieht, daß
solange die einzuführende negative Reaktivität 2000 pcm nicht überschreitet, nur
die Stäbe a eingeführt sind. Darüber ist es notwendig, die Stäbe a und b zu
verwenden, um den Abstand der axialen Abweichung zwischen 17 und 20% zu halten:
die Anderung dieses Abstands ist in Figur 3A gezeigt. Man sieht in dieser Figur bei
einer negativen Reaktivität von ungefähr 3000 pcm eine unstetige Entwicklung des
Abstands der axialen Abweichung, die notwendig ist, um den
Enthalpie-Erhöhungsfaktor FΔH wirklich minimal und auf jeden Fall unterhalb von 1,3 zu halten (Figur
3B).
Im folgenden wird ein Beispiel für die Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens
bei einem Reaktor geschrieben, dessen Kern die in Figur 1 schematisch dargestellte
Beschaffenheit hat, bei dem die Regelung unabhängig für jeden der sechs Sektoren
durchgefährt wird und bei dem die einzuhaltenden Bedingungen die bei der
Beschreibung der Figuren 3A und 3B bereits festgelegten sind.
Für einen vorgegebenen Reaktor kann man für jedes Brennelementbündel eine
Beziehung festlegen, die den Enthalpie-Erhöhungsfaktor mit der Position der Stäbe
des Sektors verknüpft. Insbesondere kann man den Enthalpie-Erhöhungsfaktor
E=FΔH des heißesten Brennelementbündels durch eine Beziehung festlegen, die
eine Linearkombination von vorberechneten "Einflußfunktionen" fij ist:
Ej = E0j + fij × (ri) (1)
wobei:
E0j den anfänglichen Enthalpie-Erhöhungsfaktor FΔH bezeichnet,
die Funktionen fij den Beitrag des Stabs j zu Ej für den Anfangszustand E0j
bezeichnet,
die Terme ri die durch die Bewegung der Stäbe i hervorgerufenen Anderungen
der negativen Reaktivität bezeichnet, mit i = 1a 1b, ..., 6b,
Ej den Faktor FΔH nach der Bewegung der Stäbe, die die Veränderungen ri
hervorrufen, die im folgenden zur Vereinfachung mit 1a, 1b, ..., 6b bezeichnet
werden.
Es kann notwendig sein, die Einflußfunktionen zu aktualisieren, wenn der Zustand
des Reaktors sich stark verändert hat. Man kann hierzu eine on-line-Berechnung
der Leistungsverteilung in drei Dimensionen durchführen.
Wie weiter oben erwähnt reagiert das erfindungsgemäße Regelungsverfahren auf
jede Entwicklung des Steuerparameters, die ihn aus dem toten Bereich herausführt,
durch die Veränderung der position von mindestens einem der Steuerstäbe, wobei
die Amplitude und die Richtung der Bewegung zumindest so bestimmt sind, daß
der Steuerparameter ins Innere des toten Bereichs zurückgeführt wird,
der Abstand der axialen Abweichung im zugelassenen Bereich gehalten (oder
dorthin zurückgeführt) wird (Figur 3A),
der Enthalpie-Erhöhungsfaktor optimiert wird.
Der erste durchzuführende Schritt besteht darin, die notwendige Änderung der
negativen Reaktivität zu berechnen, um die mittlere Ausgangstemperatur des Sektors
auf den Sollwert zurückzuführen; anschließend wird ein Simulationsprozess
angewandt, der darauf abzielt, einen Stab (oder Stäbe) zu bestimmen, dessen (oder
deren) Bewegung diese Veränderung unter Optimierung von FΔH verwirklicht.
Zu diesem Zweck kann man sich insbesondere der im Ablaufdiagramm von Figur
6 dargestellten Strategie bedienen. Diese Strategie impliziert den Ablauf mehrerer
Kommandoschleifen, bis der Abstand zwischen der erwarteten Änderung der
Reaktivität und der notwendigen Änderung unterhalb eines gegebenen Werts liegt.
1. Der erste Schritt besteht in der zufälligen Auswahl
eines Stabes aus den sechs, oder allgemeiner, n, eines Sektors (wobei
vorläufig angenommen wird, daß die sechs äquivalenten Stäbe in den sechs
Sektoren im gleichen Maße bewegt werden);
einer beliebigen Bewegung aus allen Bewegungen (einschließlich Null) mit
einer solchen Amplitude, daß sie eine Reaktivitätsänderung innerhalb
einer vorgegebenen Bandbreite um die notwendige Reaktivitätsänderung
herum hervorrufen: zum Beispiel in dem in Figur 6 illustrierten Fall einer
notwendigen Änderung von -5 pcm kann diese Bewegung eine beliebige
aus all denen sein, die eine Änderung zwischen (-5 + 10) = +5 pcm und
(- 5 - 10) = -15 pcm hervorrufen;
Anschließend wird durch die Rechnung überprüft, ob diese Bewegung den
Abstand der axialen Abweichung nicht aus dem zugelassenen Bereich herausführt.
Die Berechnung des Abstands der axialen Abweichung wird nach dem
Beibehalt eines Stabes (oder einer Gruppe) und einer Bewegung durchgeführt.
Wenn die Bedingung nicht erfüllt ist, wird die versuchte Bewegung unterlassen
und ein neuer Stab und/oder eine neue Bewegung zufällig ausgewählt.
Die Rechnung wird neu begonnen und wiederholt, bis die Bedingungen der
axialen Verteilung eingehalten werden.
2. Wenn die Bedingung der axialen Verteilung erfüllt ist, wird die durch die
Bewegung hervorgerufene Entwicklung Δ ( FΔH) des Enthalpie-Erhöhungsfaktors
berechnet, gemäß der oben aufgeführten Formel (1). Wenn zum Beispiel der
Anfangszustand E&sub0; ist und das Bündel 2a ausgewählt worden ist und die
simulierte Bewegung seine negative Reaktivität von 2a auf 2a mod ändert, erhält
man für das heißeste Brennelementbündel den Zustand E&sub1;:
E&sub1; = E&sub0; + f1a(1a) + ... + f2a(2amod) + ... + f6b(6b)
(a) Wenn E&sub1; - E&sub0; = Δ(FΔH) negativ oder null ist, wird die Bewegung als
befriedigend angesehen und abgespeichert.
(b) Wenn Δ(FΔH) positiv ist, wird der Bewegung eine zwischen 0 und 1
liegende Wahrscheinlichkeit P zugewiesen, die vom Absolutbetrag vonΔ(FΔH)
abhängt:
P = exp[-Δ(FΔH)/kT]
Diese Wahrscheinlichkeit P ist eine vom Boltzmanngesetz über die Verteilung
der Energien in Abhängigkeit von der Temperatur abgeleitete Funktion, und
aus diesem Grund wird die Konstante im Nenner der Exponentialfunktion mit
kT bezeichnet.
Bei der Initialisierung des Verfahrens gibt man kT im allgemeinen einen sehr
hohen Wert, so daß die negative Exponentialfunkion, die P angibt, einen Wert
nahe bei 1 hat. In der Praxis wird man kT einen Wert geben, der den
maximalen Wert von Δ(FΔH) um mindestens eine Größenordnung übersteigt.
Sobald der Wert von P für den Wert von Δ(FΔH) = E&sub1; - E&sub0;, zu dem die
versuchte Bewegung führt, durch die Rechnung bestimmt ist, wird eine Zahl
zwischen 0 und 1 zufällig ausgewählt: der mittlere Anteil der positiven
Bestimmungen, das heißt solche zwischen 0 und P, ist gleich dieser
Wahrscheinlichkeit.
Wenn die Zufallsauswahl positiv ist, das heißt, wenn der zufällig gewählte
Wert unter 0,8 ² liegt, wird der Wert E&sub1; als Nennwert angesehen.
Im umgekehrten Fall wird das Ergebnis nicht in Betracht gezogen, das
heißt der versuchte Stab und/oder die versuchte Bewegung werden
verworfen und ein neuer Stab und eine neue Bewegung zufällig ausgewählt,
was dem Durchlauf einer neuen Schleife in der Figur 6 entspricht.
Im Initialzustand des Systems, bei dem die Wahrscheinlichkeit nahe bei 1 liegt,
ergeben die zufälligen Auswahlen einer Zahl zwischen 0 und 1 fast alle ein
positives Ergebnis. Vorteilhafterweise wendet das Verfahren daher eine Schaltung
oder ein Rechenprogramm an, das die Beziehung zwischen der Anzahl
posi-²Wahrscheinlich ist hier P gemeint.tiver Auswahlen und der Gesamtzahl der versuchten Bewegungen bestimmt.
Wenn das Ergebnis zu oft günstig ist (zum Beispiel in über 90% der Fälle),
wird kT um ein festgelegtes Inkrement verringert; wenn umgekehrt die
Wahrscheinlichkeit zu gering ist (zum Beispiel unter 70%), wird kT um dasselbe
oder ein anderes Inkrement erhöht.
Der Schritt wird wiederholt, bis ein Stab und eine Bewegung beibehalten
werden; die beibehaltenen Werte und die zugehörige Änderung der Reaktivität
werden dann abgespeichert.
Es ist notwendig, auch Bewegungen der Stäbe zu akzeptieren, die eine Erhöhung
von FΔH bewirken können. In manchen Situationen ermöglicht keine
Bewegung eine weitere Verringerung von FΔH.
Darüberhinaus ermöglicht dies die Inbetrachtziehung von Veränderungen, die
nicht in die richtige Richtung zu führen scheinen, das System aus einem
sekundären Minimum der Funktion (so wie sie in Figur 5 auftreten)
herauszuführen, um ein besseres Minimum zu finden.
3. Der Simulationsprozess wird solange wiederholt, bis die Summe der
vorgesehenen Bewegungen (wobei die Anzahl der betroffenen Stäbe im Fall des
betrachteten Beispiels von 1 bis 6 in dernselben Sektor gehen kann) innerhalb
einer vorgegebenen Toleranz die notwendige Reaktivitätsänderung liefert. Dann
werden alle Bewegungen mit Hilfe von Stellgliedern ausgeführt.
Die Figur 5 zeigt, daß für jedes Brennelementbündel die Änderungskurve des
Enthalpie-Erhöhungsfaktors Δ(FΔH) in Abhängigkeit von ΔH aufeinanderfolgende
Minima durchläuft. Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht die Auswahl von
Bewegungen, die das Erreichen eines Minimums ermöglichen, das nicht zwangsläufig
der niedrigste mögliche Wert ist.
Die Figur 4 zeigt als Beispiel repräsentative Anordnungen der Stäbe für
verschiedene eingeführte negative Reaktivitäten.
Das Ablaufdiagramm aus Figur 6 eignet sich für zahlreiche Abwandlungen.
Insbesondere kann das aus der Figur 7 verwendet werden, bei dem die Berechnung des
Effekts der Bewegung der Bündel auf das axiale Ungleichgewicht erst nach der
erfolgreichen zufälligen Auswahl der Stäbe und Bewegungen, die es ermöglichen, die
notwendige Änderung der negativen Reaktivität mit einem akzeptablen Effekt auf
FΔH zu erreichen, durchgeführt wird.
Das Ablaufdiagramm aus der Figur 7 wird hier nicht im Detail beschrieben, da es
sich direkt von dem der Figur 6 ableitet. Dieses Ablaufdiagramm entspricht dem
Fall, wo eine erste Rechnung gezeigt hat, daß die gesamte zu erzielende Änderung der
Reaktivität x pcm beträgt; a, h, Nm und Nb sind anpaßbare Parameter, deren Werte
vorab durch Dimensionierungsuntersuchungen festgelegt werden. Die Abkürzungen
bezeichnen:
AO : axiale Abweichung
FΔH: Enthalpie-Erhöhungsfaktor
abs : Absolutwert
Bisher wurde angenommen, daß nach Beendigung der Rechnung alle zu
derselben Gruppe gehörenden Stäbe, zum Beispiel die Stäbe 2a, in den sechs Sektoren
gleichzeitig in demselben Maße bewegt werden. Diese Funktionsweise berücksichtigt
nicht die eventuellen azimutalen Ungleichgewichte der Leistungsverteilung. Jedoch
können solche Ungleichgewichte von geringem Ausmaß auftreten infolge von
mechanischen oder geometrischen Unregelmäßigkeiten oder (insbesondere, wenn die Stäbe
über hydraulische Mechanismen gesteuert werden, die Leckagen aufweisen können)
infolge langsamen Driftens eines oder mehrerer Stäbe.
Die Reaktoren sind im Regelfall mit Thermoelementen, die es ermöglichen, die
Temperatur des unter Druck stehenden Wassers am Ausgang der einzelnen
Brennelementbündel zu messen, und mit außerhalb des Kerns angebrachteten
Ionisationskammern, die es ermöglichen, den Neutronenfluß zu messen, ausgerüstet. Die
von diesen Meßfühlern gelieferten Werte ermöglichen die Berechnung der
azimutalen Ungleichgewichte mit Hilfe bekannter Programme wie dem "PROSPER"-
Programm der antragstellenden Gesellschaft. Die Ungleichgewichte können in Form
harmonischer Funktionen dargestellt werden, deren Amplitude das Ausmaß des
Ungleichgewichts angibt und deren Phase die Bestimmung der Achse der Asymmetrie
ermöglicht. Durch eine leichte Veränderung des Einfährungsgrades eines oder
mehrerer in der Nähe der Achse der Asymmetrie angebrachter Bündel kann man diese
unterhalb einer Toleranzschwelle zurückführen.
Die Figur 8 ist ein Schema, das eine Steuerungsweise zeigt, die es ermöglicht,
azimutale Ungleichgewichte abzuschwächen. In der Figur 8 bezeichnet die Referenz 20
einen Rechner, der durch Anwendung des Algorithmus aus Figur 6 oder Figur 7 die
Bestimmung der mit den Stäben der Gruppen 1 bis 6 (oder 1 bis 12 im Fall
doppelter Stäbe) auszuführenden Bewegungen ermöglicht. Anstatt die über die Ausgänge
1 bis 6 (oder 1 bis 12, im Fall doppelter Stäbe) gelieferten Befehle direkt, einen
jeden auf alle Stäbe einer Gruppe, anzuwenden, schickt der Rechner die Befehle, die
aus einer Darstellung der Amplitude und einer Darstellung der Richtung bestehen,
an eine Schaltung 22 zur Berechnung der mit den Stäben auszuführenden einzelnen
Bewegungen, in Abhängigkeit von Informationen über das azimutale
Ungleichgewicht, die über Eingänge 24 geliefert werden.
In einer einfachen Ausführungsweise liefern die Eingänge 24 einfach sechs
Koeffizienten, die es ermöglichen, unter den Stäben einer Gruppe Abweichungen von der
nominellen, vom Rechner 20 berechneten Bewegung zu verteilen, unter Einhaltung
der Bedingung, daß nötige Änderung der negativen Reaktivität aufrechtzuerhalten
ist.
In einer verfeinerten Ausführungsweise empfängt der Eingang 24 eine Matrix von
Korrekturkoeffizienten mit 6 x 6 (oder 6 x 12) Termen, die es ermöglicht, das
Ergebnis zu verfeinern. Diese Matrix kann von einem separaten (nicht dargestellten)
Rechner unter Verwendung eines vorhandenen Rechenprogramms geliefert werden.
In diesem Fall muß die Schaltung 22 eine Matrixmultiplikation der vom Rechner 20
gelieferten Bewegungsmatrix für die sechsunddreißig (oder zweiundsiebzig) Stäbe
mit der Koeffizientenmatrix durchführen.
Je nach angewandter Lösung liefert die Schaltung 22 an sechsunddreißig Ausgängen
(im Fall einfacher Stäbe) oder zweiundsiebzig Ausgängen (im Fall doppelter Stäbe)
individuelle Informationen über Richtung und Amplitude, die an die
entsprechenden Steuermechanismen 26 geschickt werden.
In dem Fall, daß der Mechanismus 26 hydraulisch ist, umfaßt er üblicherweise einen
Zylinder, dessen Kolben den Stab trägt und ein Stellglied für Wechselbewegung,
wobei jede Betätigung des Stellglieds den Zylinder um einen festgelegten
Amplitudenschritt bewegt. Da der Kolben dazu neigt, Leckagen aufzuweisen, die zu
einer langsamen Abwärtsbewegung des Stabes führen, kann ein Nachstellsystem
vorgesehen werden um dieses Gleiten zukompensieren. In der in Figur 8 gezeigten
Ausführungsweise umfaßt dieses System Einrichtungen 28 zur Bestimmung der
Position des Stabes an mehreren Punkten, einen Zähler 30, der die an den Mechanismus
26 geschickten Befehle empfängt und anhand dieser Befehle die theoretische Position
des Bündels bestimmt und schiießlich einen Komparator 32, der jedesmal ausgelöst
wird, wenn der Stab oder sein Steuermechanismus einen Meßpunkt des
Positionsbestirnmungssystems passiert. Der Komparator bestimmt die Differenz zwischen dem
theoretischen, vom Zähler 30 gegebenen Stand und dem effektiven, vom Meßpunkt
gegebenen und aus der Konstruktion bekannten Stand. Wenn die Differenz größer
ist als ein Betriebsschritt der Pumpe, schickt der Komparator 32 an das Stellglied
den Befehl, den Stab um eine der Kompensation der Gleitbewegung entsprechende
Zahl von Schritten auf- oder abwärtszubewegen.
Die Erfindung eignet sich für zahlreiche andere Abwandlungen der Ausführung.
Insbesondere könnte die Zahl der Stäbe pro Sektor oft verringert werden, durch
Fortlassen der Gruppe 5, die wenig nützlich ist. Die Verwendung von Doppelbündeln
anstelle einfacher Bündel ist nur für die Hochlaurphasen nach einem
langdauernden Halt notwendig, der die Abnahme des Xenongehalts ermöglicht hat. Andere
Parameter könnten verwandt werden, zum Beispiel um die Verringerung der
Leistung pro Längeneinheit der Brennstoffstifte zu verringern, unter Berücksichtigung
der Kriterien chemischer Wechselwirkungen zwischen der Hülle der Stifte und den
Brennstoffpellets.