Diese Erfindung betrifft eine neue Geometrie der
Begrenzungs-Wasserwände in einem vertikalen Wirbelschichtreaktor
und im besonderen die Geometrie der Wasserwände in einem
Zwischenbereich zwischen dem oberen unbeschichteten
Wasserwandabschnitt und dem unteren feuerfest ausgekleideten
Wasserwandabschnitt.
Wirbelschichtreaktoren werden bei vielen verschiedenen
Verbrennungs-, Wärmeübertragungs-, chemischen oder
metallurgischen Prozessen eingesetzt. Je nach dem Prozess werden
im System verschiedene Bettmaterialien fluidisiert oder
zirkuliert. Bei Verbrennungsprozessen können
partikelförmiger Brennstoff wie Kohle, Koks, Lignit, Holz, Holzabfall,
Kohleabfall oder Torf wie auch anderes partikelförmiges
Material, wie Sand, Asche, Schwefelabsorbens, Katalysatoren
oder Metalloxide Bestandteile der Wirbelschicht sein.
Ein Wärme erzeugender Wirbelschichtreaktor besteht aus
einer senkrechten Reaktionskammer mit hauptsächlich
vertikalen umfassungswänden. Die Wände sind als Wasserwände oder
Rohrwände ausgeführt, wobei vertikale Rohre mittels
Plattenmaterial oder Flossen miteinander verbunden sind. Die
Wände im unteren Teil des Reaktors sind gewöhnlich feuerfest
ausgekleidet, um Hitze und Erosion standzuhalten. Die
starke Turbulenz der abrasiven partikeln und die relativ
hohe Konzentration von Feststoff führen zu äußerst erosiven
Verhältnissen im Bodenabschnitt des Reaktors.
An bestimmten Stellen des Reaktors finden sowohl
Abwärtsals auch Aufwärtsströmungen des Partikelmaterials statt.
Der absolute Massenstrom variiert in radialer sowie axialer
Richtung in der Reaktionskammer. In der Nähe der
Umfassungswände ist der Massenstrom am größten. Wenn die
Partikeldichte abwärts in der Reaktionskammer zunimmt, wächst auch
der die Außenwände entlang abwärts fallende Partikelfilm.
Der abwärts fallende Film kann 10 bis 50 mm dick oder noch
dicker sein. Jede Veränderung in der Richtung des abwärts
fliegenden Films verursacht Erosion.
Die Oberkante der feuerfesten Auskleidung der
Wasserwandkonstruktion bildet eine Schulter in der Reaktionskammer und
verursacht Wirbelbildung im abwärtsfließenden Film des
Bettmaterials. Die Richtung des jeweils zwei benachbarte
Rohre verbindende Flossen entlang vertikal
abwärtsfließenden Films wird teilweise umgelenkt und zum Strömen an der
Grenzlinie der feuerfesten Auskleidung entlang geleitet.
Die Wirbelbildung und horizontale Strömung von Partikeln
die Grenzlinie entlang ruft starke Erosion der
Wasserwandrohre insbesondere in der Nähe der feuerfesten Auskleidung
hervor. Die Erosion ist besonders problematisch in feste
Brennstoffe verfeuernden Kesseln mit hocherosiven
Verhältnissen.
Die Rohre der Wasserwände sollen zeitweise überprüft werden
und bei Bedarf mit neuem Opfermaterial neubeschichtet oder
durch neue Rohre ersetzt werden. Das Herausschneiden von
beschädigten Rohren und Montieren von neuen Rohren oder
Erneuern des Schutzüberzugs setzen eine lange Ausfallzeit
voraus. Beide sind mühsame und zeitraubende Prozesse.
Die Erosion der Rohre in Wirbelschichtreaktoren ist ein
wohlbekanntes Problem, und es sind verschiedene Lösungen
zur Herabsetzung der Erosion vorgeschlagen worden, welche
Lösungen aber nicht vollkommen erfolgreich gewesen sind.
Eine die Rohre schützende feuerfeste Auskleidung hoch in
den Reaktor hinein würde die Erosion vermindern, aber
auch den Wärmeübergang auf die Rohre vermindern.
Man hat versucht, eine Schicht, einen Opferbelag, durch
Schweissen auf die Oberfläche der Rohre an besonders
empfindlichen Stellen aufzutragen. Die Schweißverbindungen
würden jedoch nicht sehr lange in einer hocherosiven
Umgebung halten. Man hat auch vorgeschlagen, die Rohre
mit verschleißestem Material, wie etwa gesintertem Metall
oder keramischen Materialien zu überziehen. Dies ist eine
teuere Lösung und vermindert den wärmeübergang in die Rohre.
Ferner hat man vorgeschlagen, die Strömungsgeschwindigkeit
an den Rohrwänden herabzusetzen, indem den Rohren Noppen
oder andere die Strömungsgeschwindigkeit der Partikeln auf
den Rohren verlangsamende Hindernisse aufgeschweißt werden.
Die hohe Geschwindigkeit im Reaktor ist jedoch ein Vorteil
für die Wärmeübertragung an den Rohrwänden und sollte
nicht unbedingt heragesetzt werden. Es ist im schwedischen
Patent SE 454,725 auch vorgeschlagen worden, den Rohren
an Stellen mit besonders starkem Verschleiß gekrümmte
Segmente aufzuschweißen.
Im schwedischen Patent SE 452,360 hat man auch
vorgeschlagen, die ganzen Reaktorwände nach oben hin einwärts geneigt
anzuordnen, um die Erosion an den Wänden herabzusetzen.
Dies ist eine sehr eigenartige Konstruktion und nicht
sehr leicht zu verwirklichen.
Es ist daher eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine
Lösung für die Rohrwände in einem Wirbelschichtreaktor
vorzusehen, die Erosion an Stellen in der Nähe des feuerfest
ausgekleideten Teils der Wände vermindert.
Es ist eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung, die
Ausfallzeit von Wirbelschichtkesseln infolge von
Rohraustausch zu verkürzen.
Um die obigen Aufgaben zu erfüllen, ist die Rohrwand im
Zwischenbereich zwischen der nicht feuerfest
ausgekleideten Rohrwand und der feuerfest ausgekleideten Rohrwand
nach unten hin und auswärts in einem Winkel zur vertikalen
Ebene gebogen.
Die Rohrwand ist entweder zurück zur Vertikalen in einem
Abstand abwärts von der ersten Biegestelle gebogen oder
aber die Rohrwand kann in einem Winkel einwärts gebogen
werden, um eine geneigte Innenwand der Brennkammer zu
bilden. Besonders könnten die Vorder- und Rückwände als
geneigte Wände ausgebildet sein, die Seitenwände könnten
vertikal sein.
Im folgenden werden Ausführungsformen der vorliegenden
Erfindung anhand der beigefügten Zeichnungen beschrieben.
Es zeigt dabei
Fig. 1 einen Schnitt durch den unteren Teil eines
Wirbelschichtreaktors,
Fig. 2 eine vergößerte schematische Ansicht eines Teils
des Zwischenabschnitts zwischen der oberen unbedeckten
Rohrwand und der unteren feuerfest ausgekleideten Rohrwand,
Fig. 3 einen Schnitt aus Fig. 2,
Fig. 4 bis 6 Schnitte entsprechend Fig. 3 durch andere
Ausführungsformen der Erfindung.
Fig. 1 zeigt den unteren Teil eines Wirbelschichtreaktors
mit einer Brennkammer 1 und Umfassungswänden 2, wie etwa
Membranwänden. Das Partikelmaterial in der Brennkammer
wird mittels aus einem Windkasten 3 unter der Brennkammer
eingeführter Luft fluidisiert. Die Luft wird aus dem
Windkasten in die Brennkammer durch Düsen 4 in einer
Rostplatte 5 verteilt. Wenn anderes Gas als Luft zur
Fluidisierung des Partikelmaterials in der Brennkammer
verwendet wird, soll Luft oder oxidierendes Gas durch
andere nicht dargestellte Einlaßöffnungen eingeleitet
werden. Brennstoff, Zusätze und anderes Partikelmaterial
oder Sekundärgas werden bei Bedarf durch in der Fig. nicht
gezeigte Einlaßöffnungen eingegeben.
Die Wasserwände im oberen Teil 6 der Brennkammer sind
unbeschichtet. Im unteren Teil 7 der Brennkammer sind die
Wasserwände mit feuerfestem Material 8 ausgekleidet. In
einer Zwischenzone 9 zwischen der oberen unbeschichteten
Wasserwand 10 und der unteren feuerfest ausgekleideten
Wasserwand 11 sind die Wasserwände auswärts gebogen. Das
Verhältnis der Höhe des feuerfest ausgemauerten
Wandabschnittes zur Höhe der gesamten Vertikalwand in einer
Brennkammer beträgt normalerweise 1:3 bis 1:10.
Die Zwischenzone ist detaillierter aus Fig. 2 und 3
ersichtlich. Die Wasserwand 10 ist in einem Punkt 12 nach unten
hin und auswärts in einem Winkel α beim Eintritt in die
Zwischenzone zwischen der unbeschichteten und der
feuerfest ausgemauerten Wasserwand gebogen. Der Winkel α zwischen
der gebogenen Wasserwand und der Vertikalebene kann 5 bis
30º betragen. In den meisten Fällen ist ein Winkel von
ungefähr 10 bis 20º ausreichend.
Die feuerfeste Auskleidung 8 der wasserwand beginnt an der
Biegestelle. Die Innenoberfläche 13 der Auskleidung bildet
eine gerade nach unten gerichtete Fortsetzung für die
Innenoberfläche 14 der die benachbarten Rohre 10
verbindenden Platten oder Flossen 15. Die Konstruktion vermeidet die
normalerweise durch die feuerfeste Auskleidung in einer
geraden vertikalen wasserwand gebildete Schulter und lädt
den abwärtsfallenden Film die Rohre ohne Wirbelbildung im
Partikelstroms passieren. Ein die Flossen 15 entlang
abwärtsfliegender Partikelstrom kann dann die feuerfeste
Auskleidung entlang weiter abwärtsfließen und wird nicht
veranlaßt, seine Richtung zu ändern. Auch die Rohre 10
entlang abwärtsfliegenden Partikeln können ihre Strömung
ungestört fortsetzen. Die Biegung der Wasserwand schützt
die Rohrwände sehr wirksam.
Die oberste relativ dünne Schicht der feuerfesten
Auskleidung kann durch eine Abdeckung oder eine Schutzplatte
17 geschützt werden, die als vertikale Verlängerung mit
der Platte 15 verschweißt ist, wie aus Fig. 4 ersichtlich
ist, um die feuerfeste Auskleidung an ihrem obersten Teil
zu schützen.
Bei Bedarf kann an der Außenseite der Wasserwand ein Steg
zur Versteifung der Wasserwand an der Biegestelle
aufgeschweißt werden.
Die Wasserwand in der Zwischenzone 9 ist an einer weiter
nach unten gelegenen stelle 16 zurück zur Vertikalen
gebogen. Die Wasserwand kann sogar weiter nach innen
gebogen werden, wenn die Querschnittsfäche des unteren
Teils der Brennkammer nach unten verringert werden soll,
wie aus Fig. 1 und 5 ersichtlich ist. Wenn die Wasserwand
weiter nach innen gebogen ist, bildet die Innenoberfläche
der feuerfesten Auskleidung eine nach unten und innen
geneigte Oberfläche der feuerfesten Auskleidung, die an
einer vertikalebene auswärts von der Vertikalebene der
Flossen beginnt.
Zweitens können die Wasserwände um einen Winkel von rund 5
bis 30º von der Vertikalen einwärts gebogen sein. Der
Abstand zwischen der ersten und zweiten Biegestelle kann
ungefähr 200 bis 400 mm betragen.
Der Zwischenabschnitt 9 der Wasserwände kann leicht als
Modulsystem mit unterschiedlichen Biegungen ausgeführt
und leicht mit den geraden Wandabschnitten verbunden werden.
Die feuerfeste Auskleidung kann einer anderen
Ausführungsform der Erfindung zufolge, wie in Fig. 5 dargestellt ist,
mit einer Kante oder einem Schulterabschnitt ausgeführt
werden, wobei die Auskleidung unterhalb der ersten Biegung
der wasserwand beginnt. Die Schulter kann einen spitzen
Winkel gegenüber der Vertikalen bilden. Der Winkel ist
vorzugsweise so gewählt, dar sich keine Partikeln auf der
Schulter anhäufen, es kann z.B. ein Winkel von rund 45º
gewählt werden. Bei dieser Ausführungsform kann die obere
Fläche der feuerfesten Auskleidung durch eine Stahlplatte
oder dgl. geschützt werden, um die feuerfeste Auskleidung
vor Beschädigungen zu schützen.
Die feuerfeste Auskleidung kann nach einer weiteren
Ausführungsform der Erfindung mit einem geneigten
Schulterabschnitt ausgeführt werden, wie in Fig. 6 gezeigt ist, wo die
feuerfeste Auskleidung ebenfalls unterhalb der ersten
Biegung der Wasserwand beginnt. Der die wasserwand entlang
abwärtsfallende Partikelfilm gleitet nach dem Aufschlag
auf die feuerfeste Auskleidung nach unten.
Bei den in Fig. 5 und 6 dargestellten Ausführungsformen
setzen die abwärtsfließenden partikeln die Strömung ohne
starke Turbulenz fort, die Erosion im Grenzbereich der
feuerfesten Auskleidung verursachen würde. Die Dicke der
feuerfesten Auskleidung kann bei diesen Ausführungsformen
unabhängig von den Biegungen der Wände gewählt werden.
Die feuerfeste Schicht beginnt vorzugsweise unterhalb der
Ebene, in der die Innenoberfläche der Rohre die
Vertikalebene der Platten 15 nach der Biegung erreicht hat. Auf
dieser Höhe verursachen die von den Platten 15 nach unten
strömenden Partikeln keine erodierende Turbulenz im
Grenzbereich zwischen den Rohren und der feuerfesten Auskleidung.
Die Rohroberfläche kann an der Biegestelle zusätzlich
durch Schutzmaterial geschützt werden, das in diesem Fall
nicht sehr leicht abgenutzt wird, weil der turbulente
Partikelstrom dicht an der Rohroberf läche zurückgegangen
ist.
Verzweigungswasserrohre 18, wie sie in Fig. 6 dargestellt
sind, können im Zwischenabschnitt in den Ecken der
Reaktionskammer installiert werden, um die Wasserwand an der
Biegestelle in den Ecken abzudichten. In den Ecken nimmt
der Abstand zwischen den Rohren zu, wenn die Rohre gebogen
werden. Zusätzliche Rohre, z.B. Zweigrohre können zur
Abdichtung der Zwischenräume zwischen den Rohren benutzt
werden.