Kussendrager, Klaas Daniel, NL-5467 DN Veghel, NL; van den Biggelaar, Henricus Alphonsus Maria, NL-5463 CK Veghel, NL; Vromans, Herman, NL-9342 PC Een, NL
Die Erfindung betrifft sprühgetrocknete Lactoseprodukte
mit verbesserten Eigenschaften zur Herstellung von
Tabletten und ein Verfahren zur Herstellung solcher
Produkte.
Das US-Patent 3 639 170 beschreibt die Herstellung von
Lactoseprodukten durch Sprühtrocknen, wobei ein Brei
von Lactosekristallen in einer Lactoselösung in einem
Sprühtrockner zerstäubt wird. Der Brei von Kristallen
kann dann durch Kristallisation einer konzentrierten
Lactoselösung präpariert werden, die eine Temperatur
von 80º bis 65ºC besitzt und durch Zugabe von etwa
1 Gew.% von Lactosekeimkristallen mit einer
durchschnittlichen Größe von 5 um auf 45º bis 30ºC
gekühlt wird. Der größte Teil der auf diese Weise
gebildeten Kristalle hat eine Größe von 50 bis 100 um,
vorzugsweise weniger als 60% der Lactose in dem Brei
ist in dieser Form. In der Praxis wird ein Brei
sprühgetrocknet, der 75 bis 85% der Lactose in
kristalliner Form besitzt. Ein alternatives
Herstellungsverfahren beginnt mit gemahlener Lactose,
die in Wasser suspendiert wird, so daß ein Teil von ihr
in Lösung geht, wobei nicht weniger als 80 bis 90% der
vorhandenen Lactose während des Sprühtrocknens in der
Form der oben genannten Kristalle von im wesentlichen
50 bis 100 um verbleiben. Das Sprühtrocknen führt dann
zu einem Produkt, das aus im wesentlichen kugeligen
Teilchen von 80 bis 250 um besteht. Diese Teilchen
enthalten die Lactose im wesentlichen in der Form von
Kristallen von 50 bis 100 um, die durch Lactose in
amorpher Form umgeben und durch diese aneinander
gebunden sind.
Zu den speziellen Vorteilen dieser Lactoseform wird
Bezug genommen auf ihre verbesserte Löslichkeit und
ihre günstigeren Fließeigenschaften. Bei der
Herstellung von Tabletten in
Hochgeschwindigkeitstablettiermaschinen ist die
schnellere Füllung der Tablettenformen von Vorteil für
dieses granulare kugelige Lactoseprodukt.
Die Tabletten, die von dem in dem US-Patent 3,639,170
beschriebenen Lactoseprodukt hergestellt werden können,
unterscheiden sich nicht weiter gegenüber Tabletten,
die mit anderen sprühgetrockneten oder durch direkte
Kristallisation erhaltenen Lactoseprodukten hergestellt
worden sind, soweit jedenfalls die Eigenschaften dieser
Tablette in Betracht kommen. Durch konventionelle
Prüfverfahren wird ein Bruch- oder Belastungswiderstand
von meist 39,2-58,8 N in Tabletten von 500 mg mit
einem Durchmesser von 13 mm gemessen, wobei diese
Tabletten aus diesen bekannten sprühgetrockneten
Lactoseprodukten bei einer Verdichtungslast von 10 kN
(1 t) gewonnen worden sind.
In GB-A 740,255, J. Pharm. Pharmac. Vol. 22 (1970),
S. 247/248 und Acta Pharm. Suec. Vol. 22 (1985),
S. 163.172 werden kristalline alpha-
Lactosehydratprodukte mit kleinen Partikelgrößen
beschrieben. In J. Pharm. Sci. Vol. 60 (1971), 5.1428/9
und in C.A. Vol. 74, No. 6 (1971), 24975a, wird der
Einfluß der Partikelgröße von Lactose auf die
Tablettenfestigkeit diskutiert. In Pharm. Weekblad
Sci. Ed. Vol. 7 (1985) werden die
Verdichtungseigenschaften von kristalliner Lactose
erörtert.
Es ist jetzt gefunden worden, daß die Tabletten auf
Lactosebasis mit Zugabe von pharmazeutisch aktiven
Substanzen oder anderen, in Tabletten konventionellen
Substanzen mit einem Belastungswiderstand 58,8-196 N
hergestellt werden können, wenn man von im wesentlichen
sphärischen, sprühgetrockneten Lactosepartikeln
ausgeht, die aus kleinen primären, in amorpher Lactose
eingebetteten kristallinen Partikeln bestehen und nicht
mehr als 50 Gew.% an Lactose in amorpher Form
enthalten, wobei wenigstens 50 Gew.% der kristallinen
Primärpartikel eine Größe von weniger als 50 um haben.
Im einzelnen können Tabletten mit einem Bruchwiderstand
von 98-196 N erhalten werden, wenn 50 Gew.% des
kristallinen Teils der Lactose aus Kristallen besteht,
die eine Größe von weniger als 16 um besitzen.
Es wurde gefunden, daß innerhalb des oben angegebenen
Bereichs die Bruchfestigkeit der Tabletten, die aus
sprühgetrockneter Lactose mit einem konstanten amorphen
Lactosegehalt hergestellt worden sind, höher ist, da
die primären kristallinen Partikel in den sphärischen
sprühgetrockneten Partikeln kleiner sind.
In bekannten Verfahren zur Herstellung
sprühgetrockneter Lactose wird eine derartige Feinheit
der primären kristallinen Partikel in den
sprühgetrockneten sphärischen Partikeln im allgemeinen
nicht gewonnen. In der Tat, wenn von einer
konzentrierten Lactoselösung ausgegangen wird, zu der
beispielsweise etwa 1 Gew.% von Lactosekeimkristallen
mit einer durchschnittlichen Größe von 5 um zugegeben
werden, und wobei die Kristallisation dann durch Kühlen
stattfindet, wachsen die meisten der Kristalle zu
Größen, die vielfach größer sind als jene des
Keimmaterials, d. h. auch wesentlich größer als für die
für die Erfindung erforderlichen Primärpartikel
gewünscht sind. Wenn alternativ von einem feinen
gemahlenen Lactoseprodukt ausgegangen wird, das in
bekannter Weise in Wasser suspendiert wird, werden
speziell die feinsten Partikel zuerst in Lösung gehen,
so daß genau die gröbsten Partikel in dem Brei
verbleiben. Beim Sprühtrocknen solch eines Breis nimmt
die Lactosekonzentration in den sprühgetrockneten
Tröpfchen rasch zu, und auch dann besteht für die in
dem Brei in aufgelöstem Zustand vorhandene Lactose
wenig Gelegenheit, in den kristallinen Zustand
überzugehen.
Folglich wird in dem sprühgetrockneten Produkt der
Gehalt an kristalliner Lactose zunächst der in dem Brei
vor dem Trocknen vorhandenen Kristallmenge entsprechen
und der aufgelöste Teil des Breis wird in dem
sprühgetrockneten Produkt als amorphe Lactose im
wesentlichen wiedergefunden. Als Folge davon sind die
Primärkristalle in den sprühgetrockneten Partikeln
nahezu immer so groß wie oder größer als die Kristalle
in dem Brei.
Folglich ist es für die erfindungsgemäße Herstellung
der Lactoseprodukte notwendig, sowohl das Verhältnis
zwischen gelöster und kristalliner Lactose wie auch die
Größen der Kristalle in dem Brei im Augenblick des
Sprühens auf Werte einzustellen, die den für das
Trockenprodukt erforderlichen Werten entsprechen.
Die erforderlichen Größen der in dem erfindungsgemäß
sprühzutrocknenden Brei enthaltenen Kristalle werden
auf bekannte Weise entweder aus groben Kristallen durch
Mahlen und/oder Aussieben eines feinen Anteils mit
Größen erhalten, die geringer oder gleich den
erforderlichen Größen der Primärkristallpartikel in dem
beabsichtigten Produkt sind oder durch ähnlich bekannte
Kristallisation einer Lösung zur Bildung solch eines
feinen Kristalls und Abtrennen der Mutterflotte.
Das erforderliche Verhältnis zwischen amorpher und
kristalliner Lactose wird dann durch Suspension dieser
Kristalle mit bekannten Größen in einer gesättigten
oder praktisch gesättigten Lactoselösung bei einer
Temperatur im Bereich von 0ºC bis 90ºC erhalten, wobei
diese Temperatur bis zum Augenblick des Sprühtrocknens
derart konstant gehalten wird, daß im wesentlichen
keinerlei Kristallisation oder Auflösung möglich ist.
Die Wahl des Verhältnisses zwischen den Mengen des
kristallinen Materials und der aufgelösten Lactose in
dem Brei bestimmt das Verhältnis zwischen den Mengen
von kristalliner und amorpher Lactose in dem
sprühgetrockneten Produkt.
Durch eine derartige Herstellung eines
sprühgetrockneten Lactoseprodukts mit einem gesteuerten
Verhältnis zwischen amorpher und kristalliner Lactose
und einer gesteuerten Partikelgröße der primären
kristallinen Partikel wird ein Produkt erhalten, das
die bereits bekannten Eigenschaften einer schnelleren
Löslichkeit und verbesserten Fließcharakteristik mit
neuen günstigen Eigenschaften bei der Herstellung von
Tabletten verbindet.
Es ist ein spezieller Vorteil der Erfindung, daß somit
festere Tabletten, zum Beispiel zur Verwendung in der
pharmazeutischen Industrie, gewonnen werden können,
ohne daß die erforderliche Formulierung verändert
würde. In der Tat werden die verbesserten Eigenschaften
mit einer Substanz erhalten, die die gleiche chemische
Zusammensetzung wie früher verwendet und die gleichen
physikalischen Eigenschaften in jeder relevanten
Hinsicht hat, wie etwa Pulverfließcharakteristiken. Die
Formulierung des pharmazeutischen Produkts erfordert
keinerlei Änderung und die Tabletten unterliegen noch
weniger dem Bruch.
Die Erfindung wird weiter durch die nachstehenden
Beispiele erläutert.
BEISPIEL 1
Von einem pulverisierten alpha-Lactosehydrat werden
Portionen unterschiedlicher Größen durch Sieben
erhalten. Die gesiebten Fraktionen von 1 bis 8 um, 8
bis 16 um, 16 bis 24 um, 24 bis 32 um, 32 bis 45 um
werden in gesättigten Lactoselösungen suspendiert. Die
Menge an Lösung im Verhältnis zur Menge an Kristall
wurde so variiert, daß nach dem Trocknen jeweils 15 bis
21%, etwa 30% und etwa 50% amorpher Lactose in dem
Trockenprodukt erhalten wurden. Die so nach dem
Sprühtrocknen erhaltenen Produkte wurden auf
verschiedenen Wegen tablettiert. Ohne Zugabe von
Gleitmitteln oder aktiven Komponenten und ohne
Vorgranulation konnten Tabletten von je 500 mg Lactose
mit einem Durchmesser von 13 mm mit einer jeweiligen
Verdichtungslast von 10 kN (1 t) gebildet werden, wobei
die Tabletten auf Bruchwiderstand durch ein
Bruchwiderstandsprüfgerät Typ Schleuniger Modell 2E
getestet wurden. Die Ergebnisse sind in Tabelle 1
angegeben.
Je feiner die Siebfraktion gewählt wurde, desto höher
waren die gemessenen Bruchwiderstände.
Auch der Gehalt an amorpher Lactose in dem
tablettierten Produkt erweist sich wichtig für die
Festigkeit der erhaltenen Tablette. Eine spezielle Wahl
des Ausgangsmaterials macht eine wesentlich stärkere
Variation der Festigkeit der erhaltenen Tabletten
möglich, als das mit den bisher üblichen Formen
sprühgetrockneter Lactose möglich war.
TABELLE 1
amorpher Gehalt Siebfraktion Bruchwiderstand N
BEISPIEL 2
Eine gefilterte, entfärbte Lactoselösung mit einem 59
prozentigen Trockenfeststoffgehalt bei 90ºC wurde
gekühlt, wobei die Temperatur auf 28ºC innerhalb von
zwei Stunden abgesenkt wurde. Pulverisiertes
Lactosekristall in einer Menge von 0,4% wurde als
Keimmaterial zugegeben. Wenn die Brechung keinen
weiteren Abfall durch Kristallisation zeigte, wurde die
Masse sprühgetrocknet und es wurde ein Produkt
erhalten, das entsprechend der Analyse 4,2%
Kristallwasser und 0,7% anderweitig gebundenes Wasser
enthielt.
Das Produkt enthielt daher etwa 84 Gew.% kristallines
Material und 16 Gew.% amorphe Lactose mit 5,3 Gew.%
beta-Lactose. Eine mikroskopische Prüfung zeigte, daß
die Kristalle in den sprühgetrockneten Partikeln Größen
in der Größenordnung von 20 um hatten.
Dieses Produkt wurde in 13 mm Tabletten von 500 mg bei
einer Verdichtungslast von 10 kN (1 t) geformt. In
einem Meßgerät für Bruchwiderstand wurde ein
Bruchwiderstand von 88,2 N gemessen.
BEISPIEL 3
Eine pharmazeutische Lactose, die auf eine Handelsgröße
"500 mesh" (30 um und weniger) gemahlen worden war,
wurde in Lactoselösungen suspendiert, die zunehmende
Lactosegehalte und entsprechende Temperaturen hatten.
Die Korngrößenverteilung des Ausgangsmaterials und der
Breie wurde mit Coulter-Zähler erstellt. Die Breie
wurden sprühgetrocknet, wobei die Temperatur sorgfältig
konstant gehalten wurde.
In den getrockneten Produkten wurde der Gehalt an
Kristallwasser und anderweitig gebundenem Wasser wie
auch das Verhältnis zwischen den verschiedenen
Lactoseformen bestimmt. Ferner wurden Tabletten von
500 mg Lactose mit einem Durchmesser von 13 mm und
einer Verdichtungslast von 10 kN (1 t) gebildet und
anschließend wurde der Bruchwiderstand gemessen. Die
Ergebnisse sind in der folgenden Tabelle aufgelistet.
Eine mikroskopische Verifizierung zeigte, daß die
Kristalle in den sprühgetrockneten Partikeln Größen von
etwa 16 bis 20 um besaßen.
TABELLE 2
Ausgangs-Material Sprühgetrocknete Produkte kristallin amorph beta lactose Korngröße weniger als 12,6 um Bruchwiderstand N (einer Tablette von 500 mg, 10 kN
Anspruch[de]
1. Sprühgetrocknete, im wesentlichen kugelartige
Laktoseprodukte bestehend aus Laktosekristallen, die
in eine Matrix von amorpher Laktose eingebettet
sind, welche durch Zugabe eines Breis aus
kristallinem Alpha-Laktose-Hydrat in einer
gesättigten Laktoselösung zu einem Sprühtrockner und
Trocknen derselben erhalten wird, dadurch
gekennzeichnet, daß die sprühgetrockneten Teilchen
nicht mehr als 50 Gew. -Prozent der Laktose in
amorpher Form enthalten und daß wenigstens 50 Gew.-
Prozent der kristallinen Primärteilchen eine Größe
von weniger als 50 pm besitzen.
2. Laktoseprodukte nach Anspruch 1, dadurch
gekennzeichnet, daß wenigstens 50 Gew.-Prozent der
kristallinen Primärteilchen eine Größe von weniger
als 16 um besitzen.
3. Pastillen bestehend im wesentlichen aus Laktose und
mit einer Belastungsfestigkeit von mehr als 58,8 N,
dadurch gekennzeichnet, daß sie aus Laktoseprodukten
gemäß Anspruch 1 präpariert worden sind.
4. Pastillen bestehend im wesentlichen aus Laktose und
mit einer Belastungsfestigkeit von mehr als 98 N,
dadurch gekennzeichnet, daß sie aus Laktoseprodukten
gemäß Anspruch 2 präpariert worden sind.
5. Verfahren zur Gewinnung von Laktoseprodukten nach
Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß kristallines
Alpha-Laktose-Hydrat mit wengistens 50 Gew. -Prozent
an Kristallen mit einer Größe von weniger als 50 pm
in einer gesättigten Laktoselösung aufgeschlemmt
wird, welche höchstens soviel Laktose enthält wie
als kristallines Material hinzugegeben ist, bei
einer Temperatur im Bereich von 0ºC bis 90ºC; daß
die Aufschlemmung einem Sprühtrockner zugeführt und
getrocknet wird, wobei bis zum Augenblick des
Sprühtrocknens die Temperatur derart konstant
gehalten wird, daß keine wesentliche Kristallisation
oder Auflösung möglich ist.