Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Reparatur eines an der Peripherie
eines Abstandshalters beschädigten Kernreaktorbrennelementes eines wassergekühlten
Kernreaktors, das aus einem Bündel längserstreckter Brennstäbe besteht, die über
mehrere gitterförmige, axial zueinander beabstandete Abstandshalter in ihrer Position
gehalten sind, wobei jeder Brennstab eien von hochkant angeordneten, sich kreuzenden
Blechstegen gebildete Zelle des Abstandshalters durchsetzt und darin federnd abgestützt
ist.
Während der Be- oder Entladung eines Reaktorkerns mit Brennelementen
werden gelegentlich periphere Abstandshalterzellen durch Verhaken mit Nachbarbrennelementen
beschädigt.
Zur Behebung solcher Schäden wurde seither nach dem Abtrennen bzw.
Richten der beschädigten Blechteile des Abstandshalters ein Brennstab oder eine
Brennstabattrappe wieder in die Position eingesetzt. Insbesondere wenn zwei oder
mehr übereinander angeordnete Abstandshalterzellen beschädigt sind und die Blechteile
komplett entfernt werden müssen, führt die fehlende Halterung zu Schwingungen des
Brennstabes mit nicht auszuschließender Beschädigung des selben oder der Nachbarbrennstäbe.
Will man das Schwingen vermeiden, so müssen nach dem Stand der Technik
in einer zeitaufwendigen Weise alle Stäbe des Brennelementes gezogen und in ein
neues Brennelement-Skelett bestehend aus Abstandshalter, Führungsrohren und Endstücken
eingesetzt werden. Neben dem Zeitverlust besteht hier noch die Gefahr, daß die Brennstäbe
bei dem Ziehen und Wiedereinsetzen unzulässige Kratzspuren erhalten und außerdem
die Abstandshalter beschädigt werden.
Zur Vermeidung der Schwingungen und der aufwendigen Arbeiten beim
Wiedereinsetzen eines Brennstabes oder einer Brennstabattrappe wird nach der Erfindung
ein anderer Weg beschritten, in dem die beschädigten Stege abgetrennt und der Brennstab
ersatzlos entfernt wird.
Auch bei Schäden an beliebigen Kernpositionen kann ein Brennstab
ersatzlos entfernt werden.
Berechnungen für ein typisches Druckwasserreaktor-Brennelement der
17 x 17 Stabanordnung haben gezeigt, daß ein fehlender Stab den thermischen Neutronenfluß
im sogenannten Wasserspalt etwas anhebt und das Neutronenspektrum in den benachbarten
Brennstäben weicher macht.
Daraus ergibt sich eine Leistungserhöhung in den Nachbarbrennstäben
der unbesetzten Position um bis zu 11 % bezogen auf das Brennelement ohne Wasserspalt.
Diese Werte bewegen sich in den zulässigen Grenzen und liegen überraschenderweise
nur unwesentlich über den Werten, die beim Einsatz von Brennstabattrappen (z. B.
eines Zircaloy-4-Massivstabes) auftreten. Auch beim Einsatz eines Ersatzbrennstabes
treten Leistungsassymetrien auf, da in der Regel der Ersatzbrennstab neu ist und
daher nicht im gleichen Umfang bestrahlt ist wie der ausgetauschte Brennstab mit
einem Abbrand von mindestens einem Zyklus.
Durch ein einfaches Herausnehmen des nicht mehr zuverlässig in den
einzelnen Zellen einer Stabposition zu haltenden Brennstabes wird ohne aufwendige
Zusatzarbeiten der weitere Einsatz eines an der Peripherie eines Abstandshalters
beschädigten Brennelementes erreicht.
Die Anordnung eines derartig reparierten Brennelementes im Brennelementverband
einer Kernladung muß in einer solchen Kernposition erfolgen, bei der eine Leistungserhöhung
in den der Freiposition benachbarten Brennstäben innerhalb der vorgegebenen Leistungsgrenzen
verbleibt.
Vorzugsweise ist das reparierte Brennelement in einer Randposition
der Kernladung angeordnet, wobei die reparierten Stege der Kernumfassung zugewandt
sind. Die Anordnung in einer Randposition ist deshalb anzustreben, weil dann der
unbesetzten Stabposition kein Brennelement gegenüberliegt und somit eine Leistungserhöhung
lediglich in den Nachbarstäben des die unbesetzte Stabposition aufweisenden Brennelementes
auftritt.
Thermohydraulische und mechanische Rechnungen für ein 17 x 17-Brennelement
habe gezeigt, daß der axiale Kühlmitteldurchsatz durch einen Wasserspalt um bis
zu 30 % höher ist als der Durchsatz durch einen Unterkanal, der einen Brennstab
enthält. Auch wird die Querströmung von den ungestörten Unterkanälen in den Wasserspalt
hinein erhöht. Beides führt zur Zunahme der Schwingungsamplitude der Nachbarbrennstäbe.
Jedoch liegt ein ausreichender Sicherheitsabstand zur spezifierten Schwingungsamplitude
für relaxierte Abstandshalterfedern von max. 40 µm vor.
Anhand eines Ausführungsbeispieles wird das Reparaturverfahren und
die Anordnung eines reparierten Brennelementes im Brennelementverband einer Kernladung
beschrieben.
Dabei zeigt die
- Figur 1 eine Gesamtansicht eines Brennelementes,
- Figur 2 einen Schnitt entlang der Linie II-II der Figur 1,
- Figur 3 ein Brennelementquerschnitt mit unbesetzten Stabpositionen und
- Figur 4 einen Querschnitt durch einen Reaktordruckbehälter und die darin angeordnete
Kernladung.
Die Figur 1 zeigt ein Kernreaktorbrennelement 1 in einer Gesamtansicht.
Es besteht aus einer Vielzahl von Brennstäben 2, die von mehreren axial beabstandeten
Abstandshaltern 3 in ihrer Position gehalten werden. Ein oberes und ein unteres
Brennelementendstück 4, 5 wird von nicht dargestellten Führungsrohren zusammengehalten.
Die Führungsrohre und ein ebenfalls nicht dargestelltes Instrumentierungsrohr tragen
die Abstandshalter und fixieren sie in ihrem axialen Abstand.
Wie aus der Figur 2, die in einem größeren Maßstab den Teilbereich
eines Abstandshalters zeigt, zu ersehen ist, durchsetzt jeder Brennstab 2 eine
Zelle 6, so daß er von vier die Zelle bildenden Stegen 7 eingeschlossen ist, deren
zum Teil federnd ausgebildete Noppen 8 den Brennstab 2 kontakten.
Wie aus der Figur 3 entnehmbar ist, sind die an der Peripherie des
Abstandshalters liegenden Stege 7 einer Zelle 6 wegen einer Beschädigung abgetrennt
und die Brennstäbe aus diesen Stabpositionen entnommen worden.
Die Figur 4 zeigt den Querschnitt durch einen Reaktordruckbehälter
9 und durch eine darin angeordnete Kernladung 10. Die aus einer Vielzahl von Brennelementen
1 zu einem Brennelementverband zusammengefaßte Kernladung ist von einer der Peripherie
des Brennelementverbandes angepaßten Kernumfassung 11 umgeben. Zwischen der Kernumfassung
und dem Reaktordruckbehälter ist ein thermischer Schild 12 angeordnet.
Erfindungsgemäß ist das in der aufgezeigten Weise reparierte Brennelement
in einer Randposition 13 der Kernladung 9 angordnet, so daß die aufgrund des Reparaturverfahrens
nicht mit einem Stab besetzten Positionen der Kernumfassung 11 zugewandt sind.