Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur
Prüfung der Belastbarkeit von Hülsen. Das
erfindungsgemäße Verfahren eignet sich besonders z.B. zur Prüfung
der Festigkeit der in der Papierindustrie verwendeten
Kartonhülsen.
Die bekannten in der Papierindustrie verwendeten Hülsen
bestehen aus mehreren, z.B. 25 bis 30, dünnen, z.B. 0,5
bis 1,0 mm, und schmalen, rund 100 bis 200 mm breiten
Kartonstreifen, die durch Verkleben und spiralförmig
Winden mittels einer speziellen Maschine zu einem
rohrförmigen Produkt zusainrnengefügt werden, das z.B. als
Kern für Papier- und Plastikrollen benutzt wird.
Die bekannten Verfahren zur Prüfung von Hülsen basieren
nahezu vollständig auf statischem Testen. Beispiele für
die verschiedenartigen Methoden dieser Gruppe sind
Verfahren, die auf der Bestimmung der radialen
Druckfestigkeit, axialen Druckfestigkeit, Torsionsfestigkeit,
Dehnungsfestigkeit, Biegefestigkeit und entsprechenden
Werten beruhen. Bei diesen Verfahren entsprechen weder
die Belastungssituation noch das Belastungsverfahren den
Verhältnissen, denen die Fülse in der Wirklichkeit
ausgesetzt wird. Solche Verfahren sind auch nicht in der
Lage, alle in der Hülse vorliegenden Fehler aufzudecken,
wie etwa eine mangelhafte Klebstoffuge oder schwache
Kartonschicht.
Anderseits gibt es auch einige dynamische Prüfverfahren
für Hülsen, wie etwa die Ausnutzung der Vibration, die
entsteht, wenn die Hülse auf einem Prüf stand umläuf und
die Belastung einer auf einem Spannfutter umlaufenden
Hülse mit einem Band. Obwohl diese Verfahren dank ihrer
Dynamik erheblich besser sind als die obengenannten
stati- schen Verfahren, entsprechen auch die dynamischen
Verfahren nicht genau den Belastungssituationen. So
spiegelt z.B. die Vibration auf dem Prüfstand eine andere
Eigenschaft wider als die Belastbarkeit der Hülse beim
Rollen.
Die oben angeführten zahlreichen Verfahren liefern keine
Informationen mit ausreichender Zuverlässigkeit und
Genauigkeit über die Belastbarkeit von Kartonhülsen in
wirklichen Rollsituationen. Deshalb hat man ein
neuartiges Prüfverfahren für Hülsen entwickelt. Die Hülse
wird auf eine Weise belastet, die den tatsächlichen
Verhältnissen an Stützwalzenrollern von Rollenschneidern
und Abrollern von Druckmaschinen entspricht, wobei die
durch das Gewicht der Papierrolle auf die Rülse ausgeübte
Belastung simuliert werden kann.
Das erfindungsgemäße Verfahren zur Prüfung der
Belastbarkeit einer Hülse oder eines ähnlichen Teils
Glieds wird dadurch gekennzeichnet, daß die Hülse auf
einem Spannfutter eingespannt wird und die Hülse
dynamisch mit einer Rolle belastet wird, um die
jeweiligen Einsatzverhältnisse zu simulieren, wobei die
Belastung der Rülse und/oder die Umlaufgeschwindigkeit
auf eine vorgegebene Weise im Verhältnis zur Zeit
geändert werden, bis die Hülse bricht; und Veränderungen
in der Hülsenstruktur erfaßt werden und die
Umlaufgeschwindigkeit und/oder die Hülse belastende Kraft
zum Zeitpunkt der Veränderung und/oder die zum Zeitpunkt
der Veränderung verstrichene Zeit aufgezeichnet werden.
Durch das Verfahren und den Apparat gemäß der Erfindung
werden gegenüber den bekannten Verfahren zur Prüfung von
Hülsen z.B. folgende Vorteile erreicht:
- der Bruchmechanismus wie auch die Bruchfläche und -form
entsprechen wirklichen Situationen;
- das Verfahren deckt sogar den kleinsten Fehler in der
Verklebung oder dem Karton der Hülse auf;
- durch das Verfahren wird eine gute Korrelation zu den
mit den Hülsenqualitäten in der Praxis zu erreichenden
Rollengewichten erreicht;
- Belastung und Prüfdauer der zu prüfenden Hülse
entsprechen der jeweiligen Situation besser als bei den
anderen bekannten Verfahren und Apparaten zur Prüfung von
Hülsen; und
- der Prüfapparat ist mit einem automatischen Melder der
Bruchstelle, der in keine der bekannten Anordnungen
eingeht, und einer direkten Rapportierung der Ergebnisse
verbunden.
Das erfindungsgemäße Verfahren wird nachstehend anhand
der beigefügten Zeichnungen näher erläutert, wobei
Fig. 1 eine schematische Seitenansicht eines Teils eines
zur Verwirklichung des erfindungsgemäßen Verfahrens
anwendbaren Apparats zur Prüfung von Hülsen ist;
Fig. 2 a, b und c graphische Darstellungen der für das
erfindungsgemäße Verfahren anwendbare Prüfprinzipien
sind; und
Fig. 3 eine schematische Teilansicht der zentralen Teile
des Apparats ist.
Fig. 1 stellt einen Apparat zur Prüfung von Hülsen dar,
der an einem Gestell 1 montiert ist. Der Prüfapparat
besteht prinzipiell aus drei Hauptteilen: einer
Stützvorrichtung 2 für die zu prüfende Hülse, einer
Belastungsvorrichtung 3 und einer Meldevorrichtung 4 zur
Erfassung und Anzeige von Auswirkungen der Belastung. Die
Stützkonstruktion 2 der Hülse besteht aus einer am
Gestell 1 befestigten Trägeranordnung 5, einer in der
Trägeranordnung 5 gelagerten Welle 6. Bei dieser
Ausführungsform ist an einem Ende der Welle 6 eine
Riemenscheibe oder -rolle angeordnet, über die die Welle
6 angetrieben werden kann. Am anderen Ende der Welle 6
befindet sich ein Spannfutter 8, das verstellt werden
kann, wodurch verschiedene, Hülsen verwendende
Apparatetypen simuliert werden können. Die zu prüfende
Hülse wird auf dem Spannfutter placiert, und über der
Hülse wird noch eine Belastungshülse 10 angeordnert, die
verhindert, daß die Belastungsvorrichtung die Oberfläche
der Hülse 9 beschädigt und wodurch die Belastung auch
gleichmäßiger, der tatsächlichen Anwendungssituation
entsprechend auf die Oberfläche der Hülse 9 verteilt
wird. Als Spannfutter 8 kann jedes beliebige, bei Hülsen
verwendenden Apparaten benutzte Spannfutter sein, wobei
es auch möglich ist, die durch das Spannfutter 8 auf die
Innenfläche der Hülse 9 ausgeübte Kraft zu untersuchen.
Die Belastungsvorrichtung 3 umfaßt eine die Hülse 9 über
die Belastungshülse 10 anpressende Rolle 11, welche Rolle
11 auf einer Welle 15 gelagert ist, die auf einem in den
Führungen 13 des Gestells 12 der Belastungsvorrichtung 3
gleitenden Schlitten 14 befestigt ist. Der in den
Führungen 13 vertikal verschiebbare Schlitten 14 ist bei
der in der Fig. dargestellten Ausführungsform über eine
Stange 17 mit einem am Gestell 12 der
Belastungsvorrichtung 3 befestigten Druckluftzylinder 16
verbunden. Als zusätzliche Einzelheit soll ein Flansch
18 an der Rolle 11 erwähnt werden, der verhindern soll,
daß Hülse 9 und Belastungshülse 10 in einer
Belastungssituation vom Spannfutter 8 abgleiten.
Die Meldevorrichtung 4 bei der in der Fig. dargestellten
Ausführungsform zeigt den durch die Belastung
verursachten Druck an und besteht aus einer Lichtquelle
19, mit der die Kante der auf dem Spannfutter 8
umlaufenden Hülse beleuchtet wird, und einem
Lichtdetektor 20, der die Intensität des von der Kante
der Hülse zurückgeworfenen Lichts mißt. Wenn während der
Belastung der Hülse 9 durch die Belastungshülse 10 über
Rolle 11 z.B Spaltung des Kartons oder Lösen der
Verleimung zwischen zwei Kartonschichten infolge eines
Klebefehlers an Hülse 9 eintritt, entsteht an der Kante
der Hülse 9 ein schmaler ringförmiger Spalt, welcher
Spalt kein Licht zum Detektor reflektiert, wobei die
Meßvorrichtung den momentanen Druck von Rolle 11 gegen
Belastungshülse 10 registriert. Obwohl beim obigen
Beispiel über der Hülse 9 eine Belastungshülse 10 benutzt
wird, die z.B. aus Nylon bestehen kann, ist es
selbstverständlich möglich, Hülsen ohne Belastungshülse
zu belasten, wobei der Überzug der Belastungsrolle bei
Bedarf leicht elastisch sein kann, damit die auf die
Hülse ausge- übte Belastung nicht exakt linear wird.
Die in den Koordinaten von Fig. 2 a bis c benutzte
Vertikalachse repräsentiert die Belastung (F) und die
Umlaufgeschwindigkeit (rpm) und die Horizontalachse
repräsentiert die Zeit (t).
Fig. 2a stellt ein Prüfverfahren dar, bei dem die
Belastung gleichmäßig erhöht und die
Umlaufgeschwindigkeit gesenkt wird. Mit anderen Worten
wird eine Situation dargestellt, wo eine Papierbahn auf
einer Hülse zu einer Rolle aufgewickelt wird, die auf die
Hülse ausgeübte Belastung am Beginn an ihrem Minimum und
die Umlaufgeschwindigkeit entsprechend an ihrem Maximum
steht und sich verändert, wenn die Rolle figurgemäß
aufgewickelt wird. Im Prinzip wird eine entsprechende
Figur gebildet, wenn die Rolle abgewickelt wird, wobei
Fig. 2a von rechts nach links gelesen werden soll.
Fig. 2b zeigt ein Prüfverfahren, bei dem die
Umlaufgeschwindigkeit gleichmäßig angehoben und die
Belastung während der ganzen Zeit konstant gehalten wird.
Fig. 2c stellt ein Prüfverfahren dar, bei dem die
Umlaufgeschwindigkeit konstant gehalten und die Belastung
erhöht wird. Solche Experimente unterscheiden sich auch
leicht von den normalen Belastungsverhältnissen, können
aber in Zusammenhang mit besonderen Hülsen in Betracht
kommen. Zusätzlich zu den oben beschriebenen Meßmethoden
ist es möglich, z.B. die Auswirkungen einer pulsierenden
Belastung zu untersuchen, weil beim Aufrollen in der
Praxis manchmal Vibrationen vorkommen können, die eine
pulsierende Belastung zur Folge haben. Heute, der in
mehreren Zusammenhängen zur Verfügung stehenden Technik
zufolge, ist es leicht, den gesamten Testablauf
automatisch derart zu arrangieren, daß z.B. ein
Mikrocomputer oder Mikroprozessor das Testen anhand
vorgegebener Grundinformationen kontrolliert oder
steuert.
Der erfindungsgemäße Apparat umfaßt ferner eine
Datenerfassungs- oder Speichereinheit, die die über Rolle
11 auf die Hülse ausgeübte Belastung und die
Umlaufgeschwindigkeit anhand derjenigen Informationen
aufzeichnet, die der von der Registriervorrichtung 4 für
Belastungen eintrifft. Weil es sich bei solchen
Einheiten meistens um aus mehreren Sparten der Technik
bekannte Geräte auf Mikroprozessorbasis handelt, hat man
es nicht für notwendig gehalten, deren Konstruktion und
Funktion in diesem Zusammenhang detailliert zu
beschreiben. Durch Verschaltung der Messungen z.B. zur
Auszeichnung durch ei- nen Mikrocomputer, ist es möglich,
notwendige Rechenoperationen oder andere Bestimmungen
gleichzeitig vorzunehmen. Für jeden zu prüfenden
Hülsentyp kann eine Kraft oder Masse bestimmt werden, die
die Hülse bricht, indem aus dem Wert der Belastungskraft
die ensprechende Masse ermittelt wird.
Ferner ist es möglich, anhand einer Hülse bestimmter
Größe und Stärke eine für einen bestimmten Zweck
geeignete Hülse zu bestimmen. Wenn mit anderen Worten die
beim Einsatzobjekt auf die Hülse ausgeübte Beanspruchung
bekannt ist, kann anhand der praktischen Kenntnisse
derjenigen Hülsentyp ermittelt werden, der
voraussichtlich für den namentlichen Zweck geeignet ist.
Durch Ausführung der Prüfung an diesem Typ kann
festgestellt werden, ob besagter Typ genau passend ist,
oder ob es möglich ist, eine weniger teure und in Stärke
etwas schwächere Hülse zu wählen, oder ob eventuell die
nächste Größe gewählt werden soll. Somit ist es durch
das Verfahren und den Apparat gemäß der Erfindung für den
Anwender möglich, die am besten geeignete Hülse für jeden
Verwendungszweck zu wählen, ohne daß Bruchgefahr der
Hülse besteht.
Wie aus der obigen Beschreibung hervorgeht, hat man man
ein neuartiges Prüfverfahren für Hülsen entwickelt, das
einfach aber gleichzeitig zuverlässig ist und wirkliche
Situationen genau simulieren kann. Obwohl von dem jedoch
nur eine Ausführungsform detailliert beschrieben ist,
kann wahlweise auch eine Belastungsrolle mit Antrieb
angeordnet werden, wobei sie allein die Hülse, die
Belastungshülse und das Spannfutter samt Welle drehen
würde. Desweiteren ist es möglich, daß beide genannten
Organe mit der gleichen Geschwindigkeit angetrieben
würden, wobei die Friktionswirkungen oder -faktoren
eliminiert oder minimiert werden können. Was die
Beobachtungsanlage betrifft, kann auch sie von der oben
Beschriebenen abweichen, die nur als Beispiel für ein im
allgemeinen optisch funktionierendes Gerät betrachtet
werden sollte. Andere mögliche Alternativen sind
verschiedene Vibrationsaufnehmer, die den Moment
anzeigen, wo eine radikale Veränderung in der Hülse
eintritt, wie etwa ein Riß in einer der
Kartonschichten, oder Lösen der Verklebung zwischen den Schichten.
Zudem ist es möglich, einen dünnen elektrisch leitenden
Draht über die Schichten anzuordnen, wobei ein Bruch der
Bindung zwischen den Schichten und das Gleiten der
Schichten gegenüber einander einen Drahtbruch und einen
somit leicht zu registrierenden Alarm verursachen. Es ist
selbstverständlich möglich, und bei einigen Hülsen
ausreichend, visuelle Beobachtung wie etwa mittels eines
Stroboskops zu arrangieren, wobei die Anlage nicht
vollautomatisch ist, wie sie bei den anderen
beschriebenen Ausführungsformen sein kann. Diese Art von
Beobachtung ist auch nicht sehr zuverlässig und schnell,
kann aber bei einigen Anwendungen des Verfahrens und
Apparats gemäß der Erfindung ausreichen. Schließlich
sollte festgestellt werden, daß obwohl das
erfindungsgemäße Verfahren beim Testen von Hülsen
beschrieben wurde, kann es ebensogut beim Testen von
anderen Produkten derselben Form angewendet werden, die
einer Belastung des gleichen Typs ausgesetzt werden.