Die Erfindung betrifft einen Steuerstab zur Beeinflussung der Reaktivität
eines Kernreaktor, wobei der Steuerstab aus einem an seinen Enden verschlossenen
Hüllrohr besteht, dessen unterer, zuerst in den Reaktorkern einfahrender Bereich,
einen Ag-In-Cd-Absorber enthält an den sich ein Bereich mit einem B&sub4;C-Absorber
anschließt.
Ein derartiger, allgemein als Hybrid-Stab bezeichneter Steuerstab
vermeidet den gefürchteten B-10-Ausbrand am unteren Stabende eines vollständig
mit B&sub4;C gefüllten Stabes und reduziert das hohe Gewicht eines Steuerstabes
mit vollständiger Ag-In-Cd-Füllung.
Der einer B&sub4;C-Tablettenfüllung eigene Nachteil des Aufreißens
einiger Tabletten kann jedoch dazu führen, daß Bruchstücke der Tabletten herunterfallen
und den Spalt zwischen dem Ag-In-Cd-Absorber und dem Hüllrohr auffüllen. Es ist
dann nicht auszuschließen, daß die große Schwellwirkung des B&sub4;C-Absorbers
im Bereich der Ag-In-Cd-Absorberfüllung zu einer unerwünschten Beschädigung des
Hüllrohres führt.
Es stellt sich die Aufgabe einen Steuerstab der eingangs genannten
Art anzugeben, der ein Eindringen von B&sub4;C-Absorbermaterial in den Ringspalt
zwischen Ag-In-Cd-Absorber und Hüllrohr vermeidet und zu einer Kompensierung der
thermischen Differenzdehnungen beiträgt.
Gelöst wird diese Aufgabe erfindungsgemäß dadurch, daß der Ag-In-Cd-Absorber
von dem B&sub4;C-Absorber durch einen starr mit dem Hüllrohr verbundenen Zwischenstopfen
getrennt ist und daß zwischen dem Zwischenstopfen und dem Ag-In-Cd-Absorber ein
Leerraum vorgesehen ist.
Damit wird ein Eindringen von B&sub4;C in den Spalt zwischen dem
Ag-In-Cd-Absorber und dem Hüllrohr vermieden und durch den Leerraum eine Kompensierung
der thermischen Differenzdehnungen erzielt.
Eine bevorzugte Ausbildung sieht vor, daß im Leerraum zwischen Ag-In-Cd-Absorber
und Zwischenstopfen eine zylindrische Schraubenfeder angeordnet ist.
Mit dieser Ausbildung wird die thermische und bestrahlungsbedingte
Differenz-Längenänderung des Absorbers aufgenommen und eine Stützfunktion des Hüllrohres
erzielt. Dabei ist es von Vorteil, die Länge des Leerraumes um die Blocklänge der
Schraubenfeder zu vergrößern.
Nach einer anderen Ausgestaltung ist die Verbindung zwischen dem Hüllrohr
und dem Zwischenstopfen als Schrumpfpassung ausgebildet.
Diese Befestigungsart ist von Vorteil, da das Einfügen des Zwischenstopfens
durch einfache Unterkühlung desselben erfolgt, so daß eine schädliche Wärmeeinwirkung
nicht erforderlich ist.
Um die Haftkraft zwischen dem Zwischenstopfen und dem Hüllrohr bei
einer Schrumpfverbindung zu erhöhen, wird vorgesehen, daß die Mantelfläche des
Zwischenstopfens leicht konkav ausgebildet ist, daß die Schrumpfpassung im Bereich
der beiden größten Außendurchmesser des konkav ausgebildeten Zwischenstopfens wirkt
und daß das Hüllrohr im Bereich der Stopfenmitte einrolliert wird.
Eine andere Lösung der Aufgabe sieht vor, daß der Ag-In-Cd-Absorber
von dem B&sub4;C-Absorber durch einen in axialer Richtung des Hüllrohres bewegbaren
Zwischenstopfen getrennt ist.
Der axial bewegbare Stopfen erlaubt einen Ausgleich der Differenzdehnungen
und verhindert wegen der geringen Spaltausbildung zum Hüllrohr hin ein Durchtritt
von B&sub4;C.
Durch die Verwendung des gleichen Werkstoffes für den Zwischenstopfen
und das Hüllrohr kann eine extrem geringe Spaltbreite von 20 bis 30 µm zwischen
dem Zwischenstopfen und dem Hüllrohr erzielt werden.
Nach einer weiteren Ausgestaltung weist der Zwischenstopfen wenigstens
eine Ringnut auf, wobei in die Ringnut ein Federring eingelegt ist, der mit seiner
Außenumfangsfläche eine Reibschlußverbindung mit dem Hüllrohr eingeht.
Mit dieser Ausgestaltung gelingt eine dichte und trotzdem noch gleitende
Verbindung, die ebenfalls keinen Leerraum zum Ausgleich der thermischen Dilferenzdehnungen
benötigt.
Die Kanten des Schlitzes weisen an der zum B&sub4;C-Absorber hingerichteten
Seitenfläche des Federringes einen geringeren Abstand zum B&sub4;C-Absorber auf
als diese Seitenfläche.
Dadurch werden die B&sub4;C-Brösel an einem Durchtritt im Bereich
des Schlitzes gehindert.
Eine Anordnung mehrerer mit einem Zwischenstopfen und einem Leerraum
ausgerüsteter Steuerstäbe zu einem Steuerelement eines Kernreaktors zeichnet sich
dadurch aus, daß die Leerräume nebeneinander angeordneter Steuerstäbe in axialer
Richtung betrachtet gegeneinander versetzt sind und daß die Steuerstäbe eines Steuerelements
mit auf gleicher Höhe angeordneten Leerräumen in symetrischen Kernpositionen eingesetzt
sind.
Damit soll eine negative Auswirkung auf die Leistungsverteilung des
Brennelementes, in das das Steuerelement eintaucht, vermieden werden.
Anhand verschiedener Ausführungsbeispiele und der schematischen Zeichnungen
Figur 1 bis 6 wird ein Steuerstab nach der Erfindung und eine Anordnung mehrere
solcher Steuerstäbe zu einem Steuerelement beschrieben.
Dabei zeigt die:
- Figur 1 einen Längsschnitt durch einen Steuerstab mit einem Stopfen zwischen
den verschiedenen Absorberbereichen und einem Leerraum unterhalb des Stopfens,
- Figur 2 einen Teilbereich des Steuerstabes nach Figur 1 in einem größeren Maßstab,
- Figur 3 einen Längsschnitt durch einen Steuerstab mit einem Stopfen zwischen
den beiden Absorberbereichen,
- Figur 4 einen Teilbereich des Steuerstabes nach Figur 3 in einem größeren Maßstab,
- Figur 4a eine Aufsicht auf einen Federring nach Figur 4 in einem kleineren
Maßstab,
- Figur 5 zwei nebeneinander angeordnete Steuerstäbe aus einem Steuerelement
und
- Figur 6 eine Aufsicht auf einen Halter zur Aufnahme eines Steuerelementes.
Die Figur 1 zeigt einen Steuerstab 1 im Längsschnitt. Er besteht
aus einem an beiden Enden verschlossenen Hüllrohr 2, das an seinem oberen Ende einen
Zapfen 3 zur Verbindung mit einem Halteelement aufweist und an seinem unteren
Ende mit einer Spitze 4 abgeschlossen ist. In seinem unterem Bereich, der zuerst
in den Reaktorkern einfährt, weist das Hüllrohr einen in der Regel stabförmig ausgebildeten
Ag-In-Cd-Absorber 5 auf. Zwischen dem Ag-In-Cd-Absorber und der Hüllrohrinnenwand
ist ein Spalt vorgesehen, um die Wärmeausdehnung kompensieren zu konnen. Oberhalb
des Ag-In-Cd-Absorber ist ein B&sub4;C-Absorber 6 angeordnet. Um ein Eindringen
von Bruchstücken der in der Regel in Tablettenform vorliegenden B&sub4;C-Füllung
zu vermeiden, sind die beiden Absorberfüllungen durch einen Zwischenstopfen 7 voneinander
getrennt. Der Zwischenstopfen 7 besteht aus dem selben Werkstoff wie das Hüllrohr
und ist mit dem selben durch Schweißen, Loten, Schrumpfen oder dgl. starr verbunden.
Zur Aufnahme der betriebsbedingten thermischen Differenzdehnungen zwischen dem
Ag-In-Cd-Absorber und dem Hüllrohr ist unterhalb des Zwischenstopfens 7 ein Leerraum
8 vorgesehen, der sich zwischen den Ag-In-Cd-Absorber 5 und den Zwischenstopfen
7 erstreckt. Die Verbindung zwischen Hüllrohr und Zwischenstopfen muß so ausgebildet
sein, daß der Zwischenstopfen einer negativen Bremsbeschleunigung von maximal 20
g während einer Schnellabschaltung standhält. Ist in dem Leerraum eine zylindrische
Schraubenfeder 9 untergebracht, so muß die Leerraumlänge um die Blocklänge der
Feder vergrößert werden.
Die Figur 2 zeigt ein Beispiel einer stationären Festlegung des Zwischenstopfens
7 im Hüllrohr 2. Der mit einer leicht konkav ausgebildeten Mantelfläche ausgeführte
Zwischenstopfen weist an seinen größten Durchmessern ein Schrumpfübermaß auf und
wird nach einer Abkühlung in seine Position gebracht. Nach seiner Erwärmung auf
die Umgebungstemperatur bildet er eine Schrumpfpassung mit dem Hüllrohr 2. Der
Zwischenstopfen 7 weist in seiner Mitte einen um ca. 0,3 mm kleineren Außendurchmesser
auf als im Bereich der Schrumpfpassung. Durch eine Einrollierung des Hüllrohres
2 an dieser im Durchmesser reduzierten Stelle des Zwischenstopfens 7 wird die Zuverlässigkeit
der Schrumpfpassung erhöht. Die Figur 2 läßt den relativ großen Spalt 10 zwischen
den Absorbern und dem Hüllrohr erkennen.
Die Figur 3 zeigt in einer anderen erfindungsgemäßen Lösung einen
axial beweglichen Zwischenstopfen 7 zwischen dem Ag-In-Cd-Absorber 5 und dem B&sub4;C-Absorber
6. Bei dieser Ausführung ist ein Leerraum nicht erforderlich, da die thermischen
Differenzdehnungen zwischen dem Ag-In-Cd-Absorber und dem B&sub4;C-Absorber durch
den axial beweglichen Zwischenstopfen ausgeglichen werden können. Da für den Zwischenstopfen
der selbe Werkstoff verwendet wird wie für das Hüllrohr, genügt eine Spaltbreite
von 20 bis 30 µm zur Gewährleistung eines für die axiale Bewegbarkeit ausreichenden
Spiels.
Die Figur 4 zeigt ein anderes Ausführungsbeispiel zur Erzielung einer
dichten und trotzdem noch gleitenden Ausbildung des Zwischenstopfens 7. Der Zwischenstopfen
ist hierzu mit zwei Ringnuten 11 versehen, die jeweils einen auch in Figur 4a
dargestellten Federring 12 aufnehmen. Die Federinge stellen eine Reibschlußverbindung
her, die verhindert, daß Bruchstücke des B&sub4;C-Absorbers in den Spalt zwischen
dem Ag-In-Cd-Absorber 5 und dem Hüllrohr 2 eindringen.
Ein Schlitz 18 des Federringes 12 ist bei eingesetztem Federring
nicht ganz geschlossen. Damit keine auf der Seitenfläche 16 des Federringes 12
aufgefangene B&sub4;C-Brösel in den Schlitz 18 gelangen, sind die dem B&sub4;C-Absorber
zugewandten Kanten 17 hochgezogen, so daß sie einen Wulst bilden.
Die Figur 5 zeigt zwei nebeneinander angeordnete Steuerstäbe 1 eines
Steuerelementes, wie es in Figur 6 mit dem Haltelement 13 zur Aufnahme einer Vielzahl
von Steuerstäben symbolisiert ist. Zur Vermeidung von ungünstigen lokalen Leistungsverteilungen
beim Einfahren eines solchen Steuerelementes wird die Position des Leerraumes 8
variiert. So sind die Zwischenstopfen 7 und der Leerraum 8 zweier benachbarter
Steuerstäbe 1, 1a um mindestens die Länge eines solchen Zwischenstopfens plus Leerraum
versetzt. Die am oberen Ende der Figur 5 angegebene Kennzeichnung 14, 15 wird
auch bei der Positionsangabe in Figur 6 verwendet. Daraus wird deutlich, daß Absorberstäbe
mit gleicher Lage des Leerraumes 8 in symetrischen Positionen des Steuerelementes
angeordnet sind.