Girieud, Patrick Residence La Cerisaie, F-92140 Clamart, FR
Vertreter
Beetz, R., Dipl.-Ing. Dr.-Ing.; Timpe, W., Dr.-Ing.; Siegfried, J., Dipl.-Ing.; Schmitt-Fumian, W., Prof. Dipl.-Chem. Dr.rer.nat.; Mayr, C., Dipl.-Phys.Dr.rer.nat., Pat.-Anwälte, 80538 München
Die vorliegende Erfindung betrifft die Steuerung von
Druckwasserkernkraftwerken und insbesondere die Bestimmung und
Abschätzung der Notabschaltreserve des Reaktors eines solchen
Kraftwerks. Genauer gesagt zielt sie auf eine Abschätzung der
Notabschaltreserve, die vorbeugend unfallbedingtes Entweichen des
Dampfes des Sekundärkreislaufs berücksichtigt.
Druckwasserkernkraftwerke sind gut bekannt. Im Wesentlichen
umfassen sie einen Reaktor, der in einem Behälter
Brennelementkassetten enthält, die aus Brennstäben gebildet sind, die
spaltbare Materialien enthalten; in einige von diesen werden
bewegliche Steuerstäbe eingeführt, die ein
neutronenabsorbierendes Material enthalten. Die Steuerstäbe einer
Brennelementkassette, die zusammen gesteuert werden, bilden ein
Steuerbündel. Die Brennelementkassetten sind in druckbeaufschlagtes
Wasser eingetaucht, das in einem Primärkreislauf zirkuliert, der
mehrere Primärschleifen umfaßt, die jeweils eine Primärpumpe
und einen Dampferzeuger beinhalten. Eine dieser Schleifen
umfaßt zusätzlich einen Druckhalter, der den Wasserdruck im
Reaktor aufrechterhält. Das Druckwasser dient als Moderator-
und Wärmetauscherfluid. Außerdem enthält es gelöstes Bor, ein
neutronenabsorbierendes Material, das genauso wie die
Steuerbündel zur Steuerung des Reaktors dient.
Die Dampferzeuger versorgen einen Sekundärkreislauf mit Dampf,
der im Wesentlichen eine einen Wechselstromgenerator
antreibende Turbine, einen Kondensator und Pumpen umfaßt.
Die Reaktivität ist ein Maß für die Entwicklung der
Kettenreaktion im Reaktorkern. Bei dieser Kettenreaktion rufen die durch
die Spaltung schwerer Kerne erzeugten Neutronen, die durch das
als Moderator dienende Druckwasser des Primärkreislaufs
abgebremst und durch die Steuerstäbe und das gelöste Bor mehr oder
weniger stark absorbiert worden sind, ihrerseits neue
Spaltungen hervor. Der mit k bezeichnete Faktor, um den sich die Zahl
der Spaltungen von einer Generation zur nächsten vermehrt, ist
im allgemeinen gleich 1. Er kann zeitweilig größer als 1 sein.
Die positive Abweichung des Werts von k von 1 wird Reaktivität
genannt. Sie wird angegeben in pcm (Teile auf 100 000). Bei
einer nicht verschwindenden Reaktivität neigt die
Kettenreaktion zu einer Verstärkung. Zu anderen Zeiten kann der Faktor k
kleiner als 1 sein, dann ist die Reaktivität negativ und man
spricht von Antireaktivität. In diesem Fall neigt die Reaktion
zum Verlöschen.
Die Leistung des Reaktors wird durch Einwirken auf die
Reaktivität justiert, indem auf die Position der Steuerstäbe und/oder
die Borkonzentration eingewirkt wird. Um die Leistung zu
erhöhen, wird eine positive Reaktivität zugefügt. Die Reaktion
verstärkt sich. Die Temperatur im Reaktor nimmt zu und die
Dichte des Wassers im Primärkreislauf nimmt ab. Sein
Moderatoreffekt nimmt dadurch ab, was einen Beitrag zur Antireaktivität
bedeutet, der letztendlich die Reaktivität ausgleicht. Der
Reaktor stabilisiert sich dann auf einem höheren
Leistungsniveau. Um die Leistung zu verringern, wird in umgekehrter Weise
vorgegangen.
So kann der Reaktor die thermische Leistung liefern, die von
ihm verlangt wird, im allgemeinen um den Strombedarf des Netzes
zu befriedigen, an das das Kraftwerk angeschlossen ist.
Bei den Überlegungen, die die Auswahl zwischen den beiden
Steuerungsarten eines Kernreaktors, durch Steuerstäbe oder
durch den Borgehalt, bestimmen, muß zunächst erwähnt werden,
daß die Einwirkung auf die Steuerstäbe unmittelbare Wirkung
hat, wohingegen die Wirkung des gelösten Bors vergleichsweise
langsamer ist.
Außerdem sind zur Erhöhung der Konzentration des gelösten Bors
Einrichtungen zum Lagern und zum Einspritzen von Borsäure
erforderlich, wohingegen zur Verringerung Einrichtungen zur
Verdünnung und insbesondere zur Verarbeitung und Lagerung der
Abwässer erforderlich sind, Einrichtungen, die umso wichtiger
und kostspieliger sind, je häufiger und länger auf die Wirkung
des gelösten Bors zurückgegriffen wird.
Man neigt daher dazu, das gelöste Bor nur zur Korrektur
langfristiger Veränderungen der Reaktivität des Reaktors zu
verändern, d. h. im Wesentlichen bei der Xenonvergiftung und der
Brennstoffalterung.
Die Steuerung der thermischen Leistung des Reaktors in
Abhängigkeit von den Anforderungen des Stromnetzes wird daher
vorzugsweise durch Steuerstäbe durchgeführt. Die Einführung der
Steuerstäbe beeinflußt jedoch in nachteiliger Weise die axiale
Verteilung der im Reaktor erzeugten Leistung. Es ergeben sich
hieraus Ungleichmäßigkeiten der Temperatur im Reaktorkern, mit
insbesondere einem beschleunigten Verbrauch des Brennstoffs an
den heißesten Stellen und einer örtlichen Xenonerzeugung,
Faktoren, die einen einschränkenden Einfluß auf den
Steuervorgang des Reaktors haben und es erforderlich machen, korreliert
auf die Konzentration an gelöstem Bor einzuwirken.
Jedoch ist es mit zunehmendem Anteil der Kernkraftwerke an der
Gesamtstromerzeugung notwendig geworden, daß die
Kernkraftwerke, die ursprünglich als Grundlastkraftwerke mit quasi
konstantem Produktionsniveau betrieben wurden, im Lastfolgebetrieb
eingesetzt werden, mit einem einer Tageskurve folgenden
Produktionsniveau oder sogar in zeitgebunden ferngeregeltem Betrieb,
wobei das Produktionsniveau einer willkürlichen Kurve folgt,
wodurch die Steuereinwirkungen vervielfacht werden, mit den
oben erwähnten nachteiligen Folgen. Man hat daher nach
Steuerverfahren durch Steuerstäbe gesucht, bei denen die Verzerrung
der axialen Leistungsverteilung verringert ist und ihre
nachteiligen Effekte begrenzt werden.
In diesem Zusammenhang ist im französischen Patent FR-A-2 395
572 ein Verfahren zum Steuern eines Kernreaktors beschrieben,
bei dem zum Steuern der durch Leistungsänderungen bedingten
Reaktivitätseffekte in Abhängigkeit allein von der der Turbine
abverlangten Leistung aus Bündeln von absorbierendem Material
zusammengesetze Gruppen verschoben werden, von denen wenigstens
ein Bündel eine verringerte Antireaktivität hat, um die
Leistungen des Reaktors zu verändern, und bei dem eine als
R-Gruppe bezeichnete Gruppe, die aus stark absorbierenden Bündeln
besteht, in Abhängigkeit von der Temperaturdifferenz, die zu
jedem Zeitpunkt zwischen der mittleren Kerntemperatur und einer
Referenztemperatur, die vom abgefragten Leistungsniveau
abhängt, verschoben wird, wobei die Einwirkung auf die
Konzentration des gelösten Bors dazu dient, die R-Gruppe in einem
gewissen Bereich zu halten und außerdem die Langzeitveränderung der
Reaktivität zu korrigieren.
Später wurde in der Patentanmeldung EP-A-0 051 542, die der
FR-A-2 493 582 entspricht, ein Verfahren zum Führen eines
Kernreaktors durch gekoppelte Verschiebung von
Steuerstabbündeln im Reaktorkern beschrieben, durch das die Störungen der
axialen Leistungsverteilung immer begrenzt bleiben, was es
ermöglicht, den Rückgriff auf das gelöste Bor zu vermeiden,
dessen Konzentration folglich nur justiert wird, um die Effekte
der Xenonentstehung und der Alterung der Brennstäbe zu
kompensieren.
Obwohl letzeres Verfahren unleugbare Vorteile im Normalbetrieb
eines Reaktors hat, weist es doch einen Nachteil hinsichtlich
der Sicherheit auf, wenn die Gefahr einer unfallbedingten
Unterbrechung des Sekundärkreislaufs in Betracht gezogen wird.
In einer solchen Situation wird der Sekundärkreislauf plötzlich
abgekühlt. Gleiches gilt für die Primärkreisläufe und den
Reaktorkern. Die Sicherheitsvorrichtungen springen an und rufen
die vollständige Einführung einer Steuerstäbe und eine
Sicherheitseinspritzung von Bor hervor. Normalerweise folgt darauf
der Halt des Reaktors.
Bei den beiden oben beschriebenen Steuerverfahren kann jedoch
in dem Moment, wo dies geschieht, die Konzentration des
gelösten Bors relativ gering sein, wohingegen die Steuerstäbe
relativ weit eingeführt sein können. Die vollständige
Einführung der Steuerstäbe bringt eine ausreichende Antireaktivität,
um die Freisetzung thermischer Leistung im Reaktor anzuhalten.
Dies führt im Zusammenhang mit der durch die Unterbrechung des
Sekundärkreislaufs bedingte Abkühlung des Primärkreislaufs zu
einem beträchtlichen Temperaturabfall des Wassers im
Reaktorkern und damit zu einer Steigerung von dessen
Moderatoreffizienz und einem entsprechenden Beitrag zur Reaktivität. Da die
Wirkung der Sicherheits-Boreinspritzung nicht unmittelbar
eintritt, könnte dieser Beitrag zur Reaktivität die durch die
vollständige Einführung der Steuerstäbe bewirkte
Antireaktivität überwiegen und die Reaktion würde zeitweilig wiederaufleben,
was dann für kurze Zeit zu einer inakzeptablen Steigerung der
Temperatur der Brennelemente führen würde.
Dieses Problem wurde erkannt und gelöst durch ein Verfahren zur
Bestimmung und Abschätzung der Notabschaltreserve, d. h. der
für einen Nothalt verfügbaren Antireaktivität, bezogen auf die
spezifisch bei einem Bruch des Sekundärkreislaufs erforderliche
Antireaktivität, mit dem Ziel, Korrekturmaßnahmen
herbeizuführen, wenn diese nicht ausreichend ist.
Dieses Verfahren, das insbesondere im Zusammenhang mit dem
Verfahren zum Steuern eines Kernreaktors aus FR-A-2 395 572
definiert ist, besteht im Wesentlichen darin, fortlaufend die
Antireaktivität zu überwachen, die die R-Gruppe erzeugen kann.
Man kann dabei davon ausgehen, daß der Beitrag der Steuerbündel
bis zu ihrer vollständigen Einführung Null ist. Sie tragen zwar
eine Antireaktivität bei, doch die entsprechende Verringerung
der Moderatortemperatur liefert eine Reaktivität mit demselben
Wert. Außerdem ist der diesbezügliche Beitrag der
Sicherheitsstäbe bekannt. Allein die Stäbe der R-Gruppe sind in einer
kontinuierlich veränderbaren Position, die nicht von der
Temperatur abhängt; ihre Position ist daher der einzige zu
überwachende Parameter. Es muß hinzugefügt werden, daß die
Abschätzung im Sinne der Sicherheit allen Ungenauigkeiten des
Steuerungsverfahrens Rechnung tragen muß, insbesondere
hinsichtlich der Wirkung der Antireaktivität der
Leistungssteuerstäbe. Die erforderliche Antireaktivität wird so um einen
Sicherheitsterm mit konstantem Wert erhöht, der näherungsweise
definiert ist, um die ungünstigsten Bedingungen abzudecken.
Außerdem ist die Antireaktivität, die die Temperaturregelstäbe
beitragen können, nur ein Schätzwert, der von der Position der
Stäbe und einer Beziehung zwischen der Position der Stäbe und
der Antireaktivität im hinsichtlich der Sicherheit
ungünstigsten Fall abgeleitet ist.
Ein solches Verfahren ist im Fall des Steuerverfahrens aus dem
Patent FR-A-2 493 582 nicht mehr anwendbar. Es verschwindet
hier die Unterscheidung zwischen Leistungssteuergruppen und der
Temperaturregelgruppe R. Die Position der
Leistungssteuergruppen ist durch ein komplexes Programm gesteuert kontinuierlich
veränderbar. Es gibt nicht mehr einen einzigen zu
überwachenden Parameter, sondern mehrere, und es dreht sich nicht mehr
allein um die Position der Steuerbündelgruppen.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist daher ein Verfahren
zur Bestimmung der Notabschaltreserve von Druckwasserreaktoren,
das für das an zweiter Stelle betrachtete Steuerverfahren
geeignet ist und allgemeiner, das für ein beliebiges
Steuerverfahren geeignet ist.
Außerdem umfaßt wie erwähnt das zur Bestimmung der
Sicherheitsabschaltreserve verwendete Verfahren eine Näherung über
nicht gemessene Einflüsse, in Form eines Sicherheitsterms, der
die erforderliche Antireaktivität steigert und eine andere
Näherung hinsichtlich der Antireaktivität, die zu einem
gegebenen Zeitpunkt die Temperaturregelstäbe erzeugen können. Daraus
ergeben sich häufig unerwünschte Einschränkungen bei der
Steuerung des Reaktors.
Gegenstand der Erfindung ist daher auch ein Verfahren zur
Bestimmung der Sicherheitsabschaltreserve, das solchen
Beschränkungen nicht unterliegt.
Das erfindungsgemäße Verfahren zur Bestimmung und Abschätzung
der Sicherheitsabschaltreserve eines Druckwasserkernreaktors
besteht darin, daß eine Abschaltreserve durch die Anwendung der
allgemeinen Formel
Mar = ΔPg + ΔPg - ΔPr
berechnet wird, wobei Mar die gesuchte Abschaltreserve, ΔPg
die der Gesamtheit der Steuerstäbe des Reaktors zugeordnete
Antireaktivität (mit negativem Vorzeichen) ist, wenn diese
Gesamtheit von dem nichteingeführten Zustand in den
vollständig eingeführten übergeht, ΔPp die Reaktivität (mit
positivem Vorzeichen) ist, die durch den Übergang von der nominalen
Leistung zur Leistung Null erzeugt wird, und ΔPr die
(negative) Antireaktivität ist, die schon verbraucht wurde, um den
Reaktor in den Zustand zu bringen, den er im betrachteten
Moment einnimmt und die sich aus der Anwendung der folgenden
Formel berechnet:
ΔPr = EG + DC + EGo,
wobei in dieser Formel EG die Antireaktivität ist, die sich
aus der gemessenen Lage der Leistungssteuerbündel ergibt,
unter Einbeziehung der gemessenen axialen Leistungsverteilung
und des vorab definierten Kernabbrands, DC ein Ausdruck ist,
mit dem die Reaktivitätszunahme abgeschätzt wird, die sich aus
dem Leistungsabfall zwischen der nominalen Leistung und der
aktuellen Situation des Reaktors ergibt und EGo eine
Skalierungskonstante enthält.
Der Ausdruck DC kann eine Summe über einen oder mehrere der
folgenden Ausdrücke sein:
- einen ersten Ausdruck DP, der dem Reaktivitätseffekt
entspricht, der sich aus der Verminderung der Leistung bezüglich
der nominalen Leistung ergibt und der eine Funktion ersten
Grades der gemessenen axialen Verzerrung der Leistung ist;
- einen ersten Korrekturterm FP, der dem Reaktivitätseffekt
der Abweichung von der tatsächlichen Leistung, wie sie gemessen
wird, entspricht, hervorgerufen durch die Dichteverteilung des
Wassers im Reaktorkern, die eine Funktion zweiten Grades der
gemessenen axialen Verzerrung der Leistung ist;
- einen zweiten Korrekturterm FT, der dem Reaktivitäseffekt
entspricht, der sich aus dem Unterschied zwischen der mittleren
Kerntemperatur, die eine gemessene Größe ist, und der
Solltemperatur ergibt, die eine vorgegebene Größe ist.
Das erfindungsgemäße Verfahren sieht ferner vor, die Differenz
zwischen der so berechneten Notabschaltreserve und einer
einmalig für den Reaktor berechneten und als konstant angesehenen
Minimalreserve zu berechnen, die in der Konstanten EGo
enthalten ist.
Es ist ferner vorgesehen, diese Differenz zu verwenden, um eine
Koffekturmaßnahme auszulösen, die darin besteht, den Gehalt an
gelöstem Bor im Primärkreislauf zu ändern.
Die verschiedenen Aufgaben und Merkmale der Erfindung werden in
der nun folgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispiels der
Erfindung genauer erläutert, wobei Bezug genommen wird auf die
beigefügte Zeichnung, die in stark schematisierter Weise ein
Druckwasserkernkraftwert darstellt.
In Figur 1 ist der Reaktorkern eines Druckwasserkernreaktors 1
über einen Primärkreislauf 4 mit einem Dampferzeuger 2
verbunden. Die Bewegung des Druckwassers wird durch eine Primärpumpe
3 angetrieben. Ein Druckhalter 5 hält das Volumen und den Druck
des Wassers im Primärkreislauf konstant. Diese verschiedenen
Elemente sind in einer Umhüllung 10 angeordnet, durch die die
Leitungen eines Sekundärkreislaufs 12 hindurchverlaufen, der an
den Dampferzeuger 2 angeschlossen ist. Dieser Sekundärkreislauf
12 umfaßt eine Turbine 13, die einen Wechselstromgenerator 14
antreibt, einen Kondensator 15 und eine Sekundärpumpe 16.
Ventile 19 und 20 ermöglichen die Umgehung der Turbine 13, um
den Sekundärkreislauf auch dann aufrechtzuerhalten, wenn der
Antrieb des Generators unterbrochen werden muß.
Wie oben angegeben enthält der Reaktorkern in einem Behälter
Brennelementkassetten, die von Brennelementstäben gebildet
werden, die das Spaltmaterial enthalten; in einige von ihnen
werden bewegliche Steuerstäbe oder -stiffe 20 eingeschoben, die
ein neutronenabsorbierendes Material enthalten. Die
Steuerstäbe einer Brennelementkassette, die zusammen gesteuert werden,
bilden ein Steuerbündel. Die Brennelementkassetten sind in
Druckwasser getaucht, das im Primärkreislauf 4 zirkuliert, der
mehrere Primärschleifen umfaßt, von denen nur eine, die in der
Figur dargestellte, den Druckhalter 5 einschließt. Das
Druckwasser dient als Moderator- und Wärmetauscherfluid. Außerdem
enthält es gelöstes Bor als neutronenabsorbierendes Material,
das genauso wie die Steuerbündel zur Steuerung des
Reaktorbetriebs dient.
Die Leitungen zur Einspritzung des Bors in Form von Borsäure in
den Primärkreislauf 4 sind nicht dargestellt.
Die Figur zeigt, mit C1 bis C6 bezeichnet, in der Nähe des
Reaktors außerhalb des Behälters angeordnete Ionisationskammern
zur Messung des Neutronenflusses in unterschiedlichen Höhen. In
der Praxis bestehen diese Detektoren aus vier Einzeldetektoren
pro Niveau, deren Ausgangssignale kombiniert werden, um
jeweils ein Signal zu liefern, das die momentan vom Reaktor in
der entsprechenden Höhe abgegebene Leistung darstellt.
Nicht dargestellt sind Vorrichtung zur Messung und Bestimmung
diverser Größen wie der Temperatur an unterschiedlichen Stellen
des Primärkreislaufs, der Einschiebtiefe der Steuerstäbe, des
Borgehalts im Druckwasser des Primärkreislaufs etc..
Der Zustand des Reaktorkerns in bekannter Weise regelmäßig
neu bestimmt, indem der reaktor vorgegebenen
Betriebsbedingungen unterworfen wird, unter denen dann spezifische Messungen
durchgeführt werden, von denen manche zu diesem Zweck in den
Kern eingeführte Sonden benötigen.
Im Betrieb wird die wirkliche Reaktorleistung Prel ausgedrückt
in Form eines Bruchteils der Nominalleistung, d. h. der maximal
im Normalbetrieb des Reaktors vorgesehenen Leistung, bei der
die Einschiebtiefe der Steuerstäbe minimal ist. Die wirkliche
Leistung wird z. B. anhand der von den Detektoren C1 bis C6
angezeigten Neutronenflüsse bestimmt. Die axiale
Leistungsverzerrung, d. h. ein Wert, der die Asymetrie der wirklichen
Leistungsverteilung kennzeichnet, wird ebenfalls von den
Ausgangssignalen dieser Detektoren abgeleitet. Die Position der
Steuerstäbe wird direkt durch Zähler für die Zahl der
Einschleibschritte der Bündel angegeben. Eine Referenztemperatur
Tref ist in Abhängigkeit von der vom Reaktor Tmoy wird von den
im Primärkreislauf, am Eingang des Druckwassers in den Reaktor
und an dessen Ausgang gemessenen Temperaturen abgeleitet.
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Bestimmung und
Abschätzung der Notabschaltreserve für einen solchen Reaktor in
einer normalen Betriebssituation, bei der vorbeugend der
Verlust des Dampfes des Sekundärkreislaufs 12 berücksichtigt wird.
In einer solchen Situation rufen die automatischen Sicherungen,
durch anomale Abweichungen der Druck- und Temperaturwerte
ausgelöst, die vollständige Einführung sämtlicher Steuerstäbe
hervor, doch muß zur Sicherheit angenommen werden, daß eines
der Steuerstabbündel nicht eingeführt werden kann. Gleichzeitig
findet eine Sicherungseinsprizung von Bor statt, deren Wirkung
mit Sicherheit der Stillstand der Reaktion ist.
Das Problem ist, daß die Wirkung des Boreinspritzbefehls nicht
unmittelbar eintritt, und daß die durch ein Einführung der
Steuerstäbe beigetragene Antireaktivität ausreichen muß, um
mindestens die reaktivität auszugleichen, die durch die
Abkühlung des Wassers des Primärkreislaufs im Anschluß an das
Entweichen des Dampfes aus dem Sekundärkreislauf hinzugefügt wird.
Diese unfallsbedingte Reaktivität läßt sich berechnen. Es ist
daher sicherzustellen, daß die potentielle Antireaktivität der
Steuerstabbündel in jedem Moment ausreicht, um diesen Bedarf zu
decken. Hierfür muß diese berechnet und abgeschätzt werden.
Erfindungsgemäß wird zur Berechnung einer Notabschaltreserve
die allgemeine Formel:
Mar = ΔPg + ΔPp - ΔPr
angewandt, bei der Mar die gesuchte (negative)
Notabschaltreserve, ΔPg die (negative) Antireaktivität ist, die der
Gesamtheit der Steuerstäbe des Reaktors zugeordnet ist, wenn diese
von verschwindender Einführung zu vollständiger Einführung
übergeht. ΔPp ist die (positive) Reaktivität, die durch den
Übergang von der Nominalleistung zu verschwindender Leistung
beigetragen wird, ΔPr ist die (negative) Antireaktivität, die
bereits verbraucht wurde, um den Reaktor in den Zustand zu
bringen, in dem er sich zum betrachteten Zeitpunkt befindet,
und wird berechnet durch Anwendung der folgenden Formel:
ΔPr = EG + DC + EGo,
bei der EG die Antireaktivität ist, die sich aus der
gemessenen Position der Leistungssteuerbündel ergibt, unter
Berücksichtigung der gemessenen axialen Leistungsverteilung und des
vorab definierten Kernabbrands; DC ist ein Ausdruck, mit dem
der Reaktivitätsbeitrag durch die Verringerung der Leistung von
der nominalen Leistung zur aktuellen Reaktorleistung
abgeschätzt wird, EGo ist eine Skalenkonstante.
Die unterschiedlichen Ausdrücke in den obigen Formeln werden
folgendermaßen gewonnen:
- ΔPg, die gesamte Antireaktivität der Steuerstäbe
einschließlich der Leistungssteuerstäbe und der Notabschaltstäbe
ist eine vorab bestimmte Eigenschaft des Reaktors, bei der zur
Sicherheit angenommen wird, daß ein Bündel mit maximaler
Antireaktivität nicht zur Einführung gelangt,
- ΔPp, die Gesamtreaktivität aufgrund der Abkühlung des
Druckwassers auf die Temperatur, die dem Stillstand der
Reaktion entspricht, ist ebenfalls eine vorab bestimmte Eigenschaft
des Reaktors,
- ΔPr, die durch die eingeführten Steuerstäbe verbrauchte
Antireaktivität, hängt folglich von den reellen
Betriebsumständen des Reaktors ab.
- EGo ist eine Konstante.
Da die Ausdrücke ΔPg, ΔPp und EGo vorab nach den
Reaktoreigenschaften bestimmte Konstanten sind, sieht das erfindungsgemäße
Verfahren daher nur die Bestimmung von ΔPr in Echtzeit vor, und
es soll nun ein Beispiel dafür gegeben werden, wie die
unterschiedlichen Teile, aus denen dieser Ausdruck besteht, bestimmt
werden.
Der Ausdruck EG entspricht der durch Einführung der Stäbe
verbrauchten Antireaktivität und wird anhand von
Leistungsmeßsignalen der Neutronenflußdetektoren und von Einführungsniveaus
der Leistungssteuerbündel bestimmt.
Gemäß einem Anwendungsbeispiel der Erfindung resultiert der
Ausdruck EG aus der Anwendung der folgenden Formel in Matrix-
Schreibweise:
in der [Pref] und [Pr] Vektoren sind, die eine axiale
Leistungsverteilung darstellen, von denen der erste periodisch in
einer Bezugskonfiguration neu bestimmt wird, um die axiale
Erschöpfung des Kerns darzustellen, wohingegen der zweite sich
aus mit den Neutronenflußdetektoren durchgeführten
Echtzeitmessungen ergibt.
Beide werden bestimmt durch Anwendung einer Formel vom Typ:
[P] = [T]&supmin;¹ [S]&supmin;¹ [I] ,
in der [P] die axiale Leistungsverteilung ist, [T] eine
Transfermatrix des Meßsystems ist, [S] eine Empfindlichkeitsmatrix
der Detektoren ist und [I] die Ausgangssignale der
Neutronendetektoren darstellt.
Der Ausdruck [A] ist eine Diagonalmatrix, die die durch die
Leistungssteuerbündel beigetragene Antireaktivität darstellt
und ist die Summe aus so vielen Termen:
[A] = CI [GI] ,
wie es Leistungssteuergruppen gibt, wobei CI die
Gesamteffizienz der Gruppe ist, die vorab bestimmt oder gemessen worden
ist, und [GI] eine Positionsmatrix ist, deren Terme direkt
durch die durch den Einführungsschrittzähler der Gruppe
angezeigte Position bestimmt sind.
Die Erfindung sieht ferner vor, den Reaktivitätsbeitrag
aufgrund der Leistungsdifferenz zwischen der nominalen Leistung
und der aktuellen Situation des Reaktors in Form eines
Ausdrucks DC zu berücksichtigen. Um den Wert der bereits
verbrauchten Reaktivität so genau wie möglich einzugrenzen, sieht
die Erfindung für diesen Ausdruck eine Summe vor, die einen
oder mehrere der nachfolgend definierten Ausdrücke DP, FP, FT
umfaßt.
Der erste Ausdruck DP entspricht dem Reaktivitätseffekt der
Leistungsverringerung im Vergleich zur nominellen Leistung, die
eine Funktion ersten Grades der gemessenen axialen
Leistungsverzerrung nach der Formel:
DP = (p1 + p2.Ao) (1-Prel)
ist, in der p1 und p2 konstante Dimensionierungskoeffizienten
sind, Prel schon definiert wurde und Ao die axiale
Leistungsverzerrung ist, die anhand der Formel:
berechnet wird, wobei Pa und Pb Leistungen im oberen und im
unteren Abschnitt des Kerns sind, die mit durch die
Neutronendetektoren durchgeführten Echtzeitmessungen bestimmt werden.
Der erste Korrekturterm FP entspricht dem Reaktivitätseffekt
der Verzerrung der Dichteverteilung des Wassers im Reaktorkern
bei der reellen gemessenen Leistung und ist eine Funktion
zweiten Grades der gemessenen axialen Leistungsverzerrung nach der
Formel:
FP = Prel (p3 + p4.Ao + p5.Ao²) ,
wobei p3, p4, p5 wieder konstante Dimensionierungskoeffizienten
sind.
Der zweite Korrekturterm FT entspricht dem Reaktivitätseffekt
der Abweichung zwischen der mittleren Kerntemperatur, die eine
gemessene Größe ist und der Solltemperatur, die eine
vorgegebene Größe ist, nach der Formel:
FT = p6 (Tmoy - Tref) ,
wobei p6 ein weiterer konstanter Koeffizient ist und Tmoy die
mittlere Temperatur des Reaktorkerns ist, die anhand der
Temperaturen des Primärkreislaufs am Eingang und am Ausgang des
Kerns erhalten wird.
Nach diesen Korrekturen hat die Bestimmung der potentiellen
Antireaktivität der Steuerstäbe eine große Genauigkeit, so daß
der Ausdruck EGo eine einfache Skalierungskonstante sein kann.
Diese Konstante kann allerdings eine einmalig für den Reaktor
berechnete und als konstant angesehene Minimalreserve umfassen,
welche die Reserve ist, die es ermöglicht, den Folgen einer
Unterbrechung des Sekundärkreislauf zu begegnen. In diesem Fall
ist die Abschätzung der bestimmten Reserve einfach, es reicht,
daß sie größer als Null ist.
Die Erfindung sieht außerdem vor, die so bestimmte und
abgeschätzte Notabschaltreserve zu verwenden, um durch beliebige
Mittel eine Korrekturmaßnahme auszulösen, die darin besteht,
den Gehalt an gelöstem Bor im Primärkreislauf anzuheben.
Selbstverständlich dienen die vorangegangenen Beschreibungen
nur als nicht einschränkendes Beispiel und es sind zahlreiche
Abwandlungen vorstellbar, die nicht den Rahmen der Erfindung
verlassen.
Anspruch[de]
1. Verfahren zur Bestimmung und Abschätzung der
Notabschaltreserve eines Druckwasserkernreaktors,
dadurch gekennzeichnet, daß
eine Abschaltreserve durch die Anwendung der
allgemeinen Formel.
Mar = ΔPg + ΔPp - ΔPr,
berechnet wird, wobei in dieser Formel Mar die
gesuchte Abschaltreserve, ΔPg die der Gesamtheit der
Steuerstäbe des Peaktors zugeordnete Antireaktivität
des Reaktors ist, wenn diese Gesamtheit von dem
nichteingetauchten Zustand bis zum vollständigen Eintauchen
übergeht, ΔPp die Reaktivität ist, die erzeugt wird
durch den Übergang der nominalen Leistung zur Leistung
0, ΔPr die Antireaktivität ist, die schon verbraucht
wurde, um den Reaktor in den Zustand zu bringen, den er
im betrachteten Moment einnimmt und die sich aus der
Anwendung der folgenden Formel berechnet:
Pr = EG + DC + EGo,
wobei in dieser Formel EG die Antireaktivität ist, die
sich aus der gemessenen Lage der
Leistungseinstellstabbündel ergibt, unter Einbeziehung der axialen
gemessenen Leistungsverteilung und des vorab definierten
Kernabstands, DC ist ein Ausdruck, mit dem die
Reaktivitätszunahme abgeschätzt wird, die sich aus dem
Leistungsabfall zwischen der Nominalleistung und der
aktuellen Situation des Reaktors ergibt und wobei EGo
eine Skalierungskonstante enthält.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Ausdruck DC eine Summe ist bestehend aus einem oder
mehreren der folgenden Ausdrücke:
- einem ersten Ausdruck DP, der dem Reaktivitätseffekt
entspricht, der sich aus der Verminderung der
Leistung bezüglich der Nominalleistung ergibt und der
eine Funktion ersten Grades der axialen Verzerrung
der gemessenen Leistung ist,
- einem ersten Korrekturterm FP, der dem
Reaktivitätseffekt des Fehlers der tatsächlichen Leistung, wie
sie gemessen wird, entspricht, hervorgerufen durch
die Verzerrung der Dichteverteilung des Wassers im
Reaktorkern, die eine Funktion zweiten Grades der
axialen Verzerrung der gemessenen Leistung ist,
- einem zweiten Korrekturterm FT, der dem
Reaktivitätseffekt entspricht, der sich aus dem Unterschied
zwischen der mittleren Kerntemperatur, die eine
gemessene Größe ist, und der Soll-Temperatur ergibt, die
eine vorgegebene Größe ist.
3. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
der erste Ausdruck DP dem Effekt der Reaktivität auf
grund der Leistungsverminderung bezüglich der
Nominalleistung entspricht, die eine Funktion ersten Grades
der axialen Verzerrung der gemessenen Leistung ist,
nach der Formel:
DP = (p1 + p2 Ao) (1 - Prel),
bei der p1 und p2 konstante
Dimensionierungskoeffizienten sind, Prel die relative Leistung ist, die vom
Reaktorkern abgegeben wird, bestimmt aus einer Meßreihe des
vom Reaktorkern abgegebenen Neutronenflusses, und Ao
die axiale Verzerrung der Leistung ist, die durch die
Formel bestimmt wird:
wobei Ph und Pb jeweils die Leistungen in dem oberen
bzw. in dem unteren Bereich des Reaktorkerns sind, die
sich aus Reihenmessungen des Neutronenflusses ergeben.
4. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
der erste Korrekturterm FP im Effekt der Reaktivität
entspricht, die sich aus dem Abstand zur tatsächlichen
gemessenen Leistung ergibt, aufgrund der
Dichteverteilungsverzerrung des Wassers im Kern des Reaktors, die
eine Funktion zweiten Grades der axialen Verzerrung der
gemessenen Leistung nach der Formel
FP = Prel (p3 + p4 A0 + p5 Ao²) ist,
wobei p3, p4 und p5 konstante
Dimensionierungskoeffizienten sind.
5. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
der zweite Korrekturterm FT dem Reaktivitätseffekt des
Abstands zwischen der mittleren Temperatur des Kerns,
die eine Meßgröße ist, und der Soll-Temperatur ist, die
eine vorbestimmte Größe ist, nach der Formel:
FT = p6 (Tmoy - Tref),
wobei p6 ein konstanter Koeffizient ist und Tmoy die
mittlere Temperatur des Reaktorkerns ist, erhalten
ausgehend von den Temperaturen des Primärkreises am
Eingang und am Ausgang des Kerns.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, daß
damit die so berechnete Notabschaltreserve den
Unterschied im Verhältnis zu einer minimalen ein für
allemal berechneten Reserve für den Reaktor bestimmt, die
als konstant angenommen wird, diese minimale Reserve in
der Konstanten EGo enthalten ist.
7. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
es die Verwendung der Notabschaltreserve zur Auslösung
einer Korrekturmaßnahme aufweist, die darin besteht,
den Gehalt an gelöstem Bor im Primärkreis zu ändern.