Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum automatischen Schutz
einer Anlage, vorzugsweise zum Schutz eines Kraftwerks, insbesondere eines Kernkraftwerks,
wobei mit einem Rechennetzwerk Eingangssignale aus der Anlage redundant erfaßt
und verarbeitet und Ausgangssignale in Form von Auslöse- und/oder Stellbefehlen
für Stellglieder abgegeben werden, wenn vorgegebene Kriterien erfüllt sind.
Für die leittechnische Überwachung einer Anlage, insbesondere eines
Kraftwerks, und in noch verstärktem Maße für den leittechnischen Schutz eines Kernkraftwerks
sind für die Festlegung des Schutzkonzeptes und die Auswahl der Gerätetechnik
folgende Kriterien maßgebend: größtmögliche Sicherheit, hohe Verfügbarkeit und
bestmögliche Wirtschaftlichkeit. Das Kriterium "größtmögliche Sicherheit" hat
absoluten Vorrang vor allen anderen. Das Kriterium "hohe Verfügbarkeit" ergibt
sich aus den relativ hohen Investitionskosten und den großen Einheitsleistungen
sowie - bei Kernkraftwerken - aus den niedrigeren Betriebskosten im Vergleich
zu fossil beheizten Kraftwerken. Unter dem Kriterium "bestmögliche Wirtschaftlichkeit"
ist insbesondere der materialschonende Betrieb und die optimale Ausnutzung des
Brennstoffs zu verstehen.
Die Leittechnik kann in zwei Teilbereiche aufgeteilt werden, in die
Sicherheitsleittechnik und in die betriebliche Leittechnik. Die vorliegende Erfindung
befaßt sich vorwiegend mit der Sicherheitsleittechnik, deren Funktionsfähigkeit
durch redundanten Aufbau und/oder durch selbsttätige Funktionsprüfung oder andere
Maßnahmen dauernd sichergestellt wird, die jedoch im völlig ungestörten Betrieb
keine Aktionen auszuführen hat. Im Anforderungsfall haben die Systeme der Sicherheitsleittechnik
Vorrang vor allen Aktionen der betrieblichen Leittechnik. Zur Sicherheitsleittechnik
zählen bei einem Kernreaktor der Reaktorschutz, die Reaktor-Begrenzungen und in
begrenztem Maße die Reaktorregelung und das Informationssystem.
Bei Einsatz der bisherigen analog/binären Geräte- und Systemtechnik
für die Reaktor-Sicherheitsleittechnik wurden mit Rücksicht auf die begrenzten
Möglichkeiten dieser Technik, aber auch die geforderte Zuverlässigkeit der Funktionen,
möglichst einfache Funktionen vorgesehen. Dies gilt sowohl für die Störungserkennung
als auch für die Entscheidung der Durchführung von (Abhilfe-)Maßnahmen.
Durch die Erfindung soll ein Verfahren der eingangs genannten Art
geschaffen werden, welches nicht nur bei Verwendung analoger, sondern auch bei
Verwendung digitaler, rechnergestützter Leittechnik mindestens denselben Global-Funktionsumfang
bei nennenswert verbessertem Detail der Auslegung aufweist wie die bisherigen
leittechnischen Schutz- und Überwachungsverfahren auf der Basis von Analog-/Binärtechnik,
und dies, obwohl das Qualifizierungsverfahren für digitale Leittechnik andersartig
und - insbesondere was die Software angeht - schwieriger ist. Für die höchst zuverlässigen
Funktionen der einfachen (analogen/binären) Schutztechnik wurden bisher viele
parallel verarbeitete Meßgrößen auf Grenzwerte und einfache Kriterien überwacht
und das Erreichen von Ansprechwerten - (binär) zwei-vondrei oder zwei-von-vier
ausgewertet - als Erkennungskriterium einer Störung verwendet, wobei jeden Störfall
mindestens je zwei dieser Erkennungskriterien erkennen müssen und bestimmte Maßnahmen
auslösen. Vorrangbildung wird durch logischen Vorrang binärer Signale in der Betätigungsebene
erzielt.
Durch die vorliegende Erfindung soll das Verfahren der eingangs genannten
Art so ausgestaltet werden, daß auch der Einsatz digitaler Leittechnik, die Anwendung
sogenannter Identifizierungskriterien und die anschließende Vorrangbildung ermöglicht
werden. Insbesondere sollen die Vorteile der digitalen Technik (vor allem verbesserte
Rechenmöglichkeiten und damit die Anwendung sogenannter analytischer Redundanz)
so genutzt werden, daß die notwendigen Sicherheitsmargen verringert werden, dabei
aber trotzdem gleich große oder gar noch größere Zuverlässigkeit als sie durch
die bisherige Leittechnik erreichbar ist, nachweisbar verwirklicht wird.
Erfindungsgemäß wird die gestellte Aufgabe mit einem Verfahren der
eingangs genannten Art gemäß Kennzeichen des Anspruchs 1 durch die folgenden Maßnahmen
gelöst:
- a) in mindestens zwei, jeweils mehrkanaligen und zueinander diversitären Rechensystemen
werden über Signalbewertungsstufen aus den Eingangssignalen analoge oder binäre
Informationen erzeugt, welche anomalie-signifikante Prozeßparameter der Anlage,
sogenannte Teilkriterien xi, liefern;
- b) die Teilkriterien xi werden einer oder mehreren Signalvorrangstufen
zugeführt, welche jeweils die Information der Teilkriterien xi nutzen,
ein störungs-, störfall- oder situations-signifikantes Identifizierungskriterium
Xk als - gegebenenfalls zeitabhängige - Funktion
Xk(t) = f(xi)
der Teilkriterien xi zu ermitteln, welches als Schlüsselwert zur Auswahl
der jeweils am besten geeigneten Gegenmaßnahmen dient,
- c) die Vorrangbildung hinsichtlich der zu treffenden Gegenmaßnahmen erfolgt
vorzugsweise durch Bestätigung oder Korrektur des Identifizierungskriteriums Xk
abhängig von einer die Wahrscheinlichkeit korrekter Identifizierung angebenden
Kennzahl Yk, wobei die Kennzahl Yk als - ggf. zeitabhängige
- Funktion
Yk(t) = f(yi)
von Teilkennzahlen yi ermittelt wird.
Vorteilhafte Weiterbildungen dieses Verfahrens sind in den Ansprüchen
2 bis 9 angegeben. Bevorzugt werden von den zueinander diversitären Rechensystemen
nach Anspruch 1 dem einen oder einer Gruppe dieser Rechensysteme ereignisorientierte
Identifizierungskriterien Xk und dem anderen Rechensystem oder einer
anderen Gruppe von Rechensystemen symptom-orientierte Identifizierungskriterien
Xk zugrundegelegt. Vorteilhaft ist es auch, wenn zur Erkennung ein
und desselben Störfalls im Sinne einer analytischen Redundanz mehrere vollständig
diversitäre Identifizierungskriterien Xk herangezogen werden, so daß
aus dieser Mehrzahl von Identifizierungskriterien dasjenige mit der höchsten Priorität
ausgewählt werden kann. Dies gelingt vorzugsweise durch Bildung von die Wahrscheinlichkeit
korrekter Identifizierung angebenden Kennzahlen Yk.
Wenn in einer oder mehreren Signalvorrangstufen eine Vorrangbildung
hinsichtlich eines oder mehrerer Identifizierungskriterien Xk getroffen
wurde, so wird gemäß einem weiteren Merkmal der Erfindung mittels einer nachgeschalteten
und zur Ansteuerung von Stellgliedern vorgesehenen Maßnahmen-Auswahlstufe jeweils
diejenige Maßnahmenkombination angewählt, welche die am besten geeigneten Gegenmaßnahmen
gegen die dem jeweils ermittelten Identifizierungskriterium Xk entsprechende
Störung oder unerwünschte Situation umfaßt.
Das Identifizierungskriterium Xk oder mehrere solcher
Kriterien können grundsätzlich in analoger oder binärer Form vorliegen. Eine Analogform
der Identifizierungskriterien Xk erhält man gemäß einem weiteren Merkmal
der Erfindung dadurch, daß innerhalb der jeweiligen Signalbewertungsstufe die
Eingangssignale einer Auswahlstufe, z.B. einer zwei-von-vier-Auswahlstufe, zugeleitet
werden und dem ausgewählten oder durchgelassenen Signal in einer Wichtungsstufe
ein zwischen Null und 100 % (bzw. zwischen Null und 1) liegender Signalpegel aufgedrückt
wird, welcher der Anomalie-Signifikanz des so erzeugten Teilkriteriums gerecht
wird. Besonders einfach ist es in diesem Zusammenhang, wenn zur Bildung des Identifizierungskriteriums
Xk
die Signalpegel der Teilkriterien xi innerhalb der jeweiligen
Signalvorrangstufe einander überlagert werden.
Soll das Identifizierungskriterium Xk aus einer Mehrzahl
oder Vielzahl von Binärsignalen gebildet werden, so empfiehlt es sich gemäß einer
Weiterbildung der Erfindung, daß innerhalb der jeweiligen Signalbewertungsstufe
die Eingangssignale einer Auswahlstufe zugeleitet werden und diese Auswahlstufe
die Auswahl nach einem Auswahlkriterium trifft und/oder eine gesonderte Wichtungsstufe
vorgesehen ist, welche die Wichtung nach einem Wichtungskriterium trifft, und
daß am Ausgang der Signalbewertungsstufe für den Fall, daß das Eingangssignal das
Auswahlkriterium und/oder das Wichtungskriterium erfüllt hat, ein binäres L-Signal
als Teilkriterium xi ansteht, im anderen Falle ein binäres Null-Signal
als Teilkriterium.
Zur Ableitung des Identifizierungskriteriums Xk aus in
binärer Form vorliegenden Teilkriterien xi hat es sich als vorteilhaft
erwiesen, daß in der jeweiligen, mehreren Signalbewertungsstufen gemeinsamen Signalvorrangstufe
anhand von Potentialpunkten, repräsentierend m mögliche binäre Teilkriterien xi,
festgestellt wird, bei wievielen, z.B. n, der Potentialpunkte je ein L-Signal ansteht,
und daß aus den n von m Teilkriterien auf das Identifizierungskriterium Xk
geschlossen wird. Die Ableitung des Identifizierungskriteriums Xk aus
n in binärer Form vorliegenden Teilkriterien xi kann noch dadurch verfeinert
werden, daß in die m-von-n-Analyse der Teilkriterien auch deren Art bzw. die Lage
der n L-Signal führenden Potentialpunkte innerhalb der Menge der m möglichen Potentialpunkte
eingeht.
Gemäß einer bevorzugten Verfahrensvariante werden zur Bildung der
Teilkennzahlen yi innerhalb einer Kennzahlenbildungsstufe die Eingangssignale
einer Auswahlstufe zugeleitet, wobei diese Auswahlstufe selbst die Auswahl mittels
eines Auswahlkriteriums trifft und/oder eine gesonderte Wichtungsstufe vorgesehen
ist, welche die Wichtung nach einem Wichtungskriterium trifft, und ist die Kennzahlenbildungsstufe
so ausgebildet, daß an deren Ausgang für den Fall, daß das Ausgangssignal das
Auswahlkriterium und/oder das Wichtungskriterium erfüllt, ein analoges Signal bestimmter
Pegelhöhe als Teilkennzahl ansteht, im anderen Falle ein analoges Signal, dessen
Pegel Null ist oder unterhalb eines für die Berücksichtigung der betreffenden Teilkennzahl
yi maßgebenden Grenzwertes liegt.
Die vorstehend erläuterte Kennzahl in Analogform eignet sich gemäß
einem weiteren Merkmal der Erfindung bevorzugt dazu, daß sie durch Summation aller
ermittelten Teilkennzahlen yi eine Kennzahlenbildungsstufe gebildet
wird, wobei die Kennzahl Yk z.B. dreistellig mit durch Analogwerten
besetzten Einer-, Zehner- und Hunderter-Positionen ist.
Aufgrund der vorstehenden Erläuterungen kann nun eine genauere Beschreibung
einer bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens nach der Erfindung wie folgt gegeben
werden: Zu jedem Identifizierungskriterium Xk wird eine Kennzahl Yk
der
Wahrscheinlichkeit für korrekte Identifikation errechnet und der Erkennungsinformation
beigegeben. Alle so entstehenden Wertepaare werden Prioritätenauswahlen, z.B.
Maximumauswahlen, zugeführt. Die aus Einzelmaßnahmen bestehende Maßnahmenkombination
des Identifizierungskriteriums Xk mit der größten Kennzahl Yk
erhält dann den Vorrang bei der Prioritätenermittlung zur Ansteuerung aller relevanten
Stellglieder.
Die mit der Erfindung erzielbaren Vorteile sind vor allem darin zu
sehen, daß aufgrund der analogen und/oder digitalen Signalauswertung und der verbesserten
Rechenmöglichkeiten mit digitaler Technik viele nicht meßbare physikalische Größen
und sinnvolle "Sicherheitsvariable" schnell, zuverlässig und genau genug berechnet
werden können, und nun mit ihrer Hilfe Identifizierungskriterien Xk
abgeleitet werden können, die nicht nur Mindestinformationen enthalten, sondern
durch Zusatzinformation sowohl in ihrer Zuverlässigkeit gegen (auch mehrere) Eingangssignalfehler
resistenter gemacht werden können als auch nennenswert die Wahrscheinlichkeit
korrekter Identifikation einer bestimmten Störung oder Situation (mit einer definierten
Streuung) erhöhen. Die algorithmischen Möglichkeiten umfangreicherer Simulationen
gestatten auch die Diversifizierung der Identifizierungskriterien Xk
(ereignis- und symptom-orientiert) und eine Zuordnung optimaler Gegenmaßnahmen
zu jeder identifizierten Störung oder unzulässigen Situation. Es kann damit gezielt
materialschonend sowohl der Stärke als auch dem zeitlichen Ablauf einer einsetzenden
Störung entsprechend entgegengearbeitet werden.
Gegenstand der Erfindung ist gemäß Anspruch 10 auch eine leittechnische
Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 10,
zum selbsttätigen Schutz einer Anlage, vorzugsweise zum Schutz eines Kraftwerks,
insbesondere eines Kernkraftwerks, mit einem Rechennetzwerk zur mehrfach redundanten
Verarbeitung von störungs-, störfall- und situations-relevanten Eingangssignalen,
welche als abfragbare Parameter der zu schützenden Anlage vorliegen und welche
vom Rechennetzwerk zur Abgabe von Ausgangssignalen in Form von Auslöse- oder Stellbefehlen
für Stellglieder verarbeitbar sind, wenn vorgegebene Kriterien erfüllt sind, welcher
sinngemäß die eingangs gestellte Aufgabe zugrundeliegt und welche zur Lösung dieser
Aufgabe die im Kennzeichen des Anspruchs 10 angegebenen Merkmale aufweist.
Vorteilhafte Weiterbildungen dieser leittechnischen Einrichtung nach
Anspruch 10 sind in den Ansprüchen 11 bis 15 angegeben.
Im folgenden werden anhand der Zeichnung, in welcher mehrere Ausführungsbeispiele
dargestellt sind, das Verfahren nach der Erfindung und leittechnische Einrichtungen
zu dessen Durchführung noch näher erläutert. In der Zeichnung zeigen in zum Teil
vereinfachter, schematischer Darstellungsweise:
- Figur 1 ein Schaltschema zur Erläuterung der Zwei-von-vier-Auswahl bei leittechnischen
Einrichtungen;
- Figur 2 in einem Diagramm das Erreichen eines Auslösegrenzwertes aufgrund einer
Zwei-von-Vier-Auswahl;
- Figur 3 ein erstes grundsätzliches Ausführungsbeispiel für eine leittechnische
Einrichtung nach der Erfindung unter Verwendung sowohl digitaler als auch analog
arbeitender leittechnischer Komponenten in einer Funktionsblock-Darstellung;
- Figur 4 in einem Diagramm die Bildung von (ggf. überbestimmten) Identifizierungskriterien
Xk aus Teilkriterien xi aufgrund einer Summenbildung von
Teilkriteriums-Signalen in Summiereinrichtungen;
- Figur 5 ein zweites grundsätzliches Ausführungsbeispiel für eine leittechnische
Einrichtung mit vorwiegend digital arbeitenden Rechensystemen, die sowohl ereignis-orientierte
als auch - diversitär dazu - symptom-orientierte, jeweils redundante Systeme zur
Bildung von Identifizierungskriterien Xk enthält, die ihrerseits auf
Maßnahmen-Auswahlstufen einwirken, die den Vorrang für die am besten geeigneten
Gegenmaßnahmen nach Maßgabe von Identifizierungs-Kennzahlen Yk ermitteln;
- Figur 6 einen Ausschnitt des Funktionsschemas nach Figur 3, vergrößert und
im Detail;
- Figur 7 einen Algorithmus zur Bildung von Kennzahlen Yk
für die Identifikations-Wahrscheinlichkeit
mit der Möglichkeit sicherheitsrelevanter Wichtung, welche dem jeweiligen Identifizierungskriterium
Xk beigeordnet werden;
- Figur 8 im Ausschnitt und im Detail mehrere Signalbewertungsstufen, welche
Auswahlstufen und/oder gesonderte Wichtungsstufen umfassen und welche binäre Signale
an nachgeschaltete (nicht näher dargestellte) Signalvorrangstufen liefern, und
- Figur 9 in entsprechender Darstellung zur Funktionsblock-Darstellung wie Figur
8 Kennzahlenbildungsstufen mit Auswahlstufen und/oder Wichtungsstufen, welche in
analoger Form vorliegende Signale für Teilkennzahlen yi an eine Summiereinrichtung
zur Bildung der Kennzahl liefern.
Die in Figur 1 dargestellte mehrkanalige, jedoch nur einkanalig dargestellte
leittechnische Überwachungseinrichtung L1 ist ein Teil einer Überwachungs- und
Schutzeinrichtung einer Anlage, z.B. eines Kernkraftwerks. Mit dem Rechensystem
1 (und vielen weiteren nicht dargestellten Rechensystemen) werden Eingangssignale,
z.B. a1 = korrigierter Neutronenfluß und a2 = ein gleitender Grenzwert für den
Neutronenfluß, mehrfach redundant verarbeitet. Das heißt, im vorliegenden Fall
wird laufend der korrigierte Neutronenfluß a1 mit einem gleitenden Grenzwert a2
verglichen, wobei ein vorgegebner Abstand des Wertes a1 zum Wert a2 eingehalten
werden muß. Die Werte a1 und a2 werden durch gesonderte analoge oder digitale Rechensysteme
berechnet. Die Soll/Istwert-Differenz wird mehrkanalig - dargestellt ist nur eine
Signalleitung 2 - dem Eingang eines Zwei-von-vier-Auswahl-Gatters 3 zugeführt,
an dessen Ausgangsleitung 4 ein Auslösesignal entsteht, wenn mindestens zwei von
vier (binären) Eingangssignalen dasselbe aussagen. Nimmt man an, daß das Gatter
3 ein Ausgangssignal "zulässiger Grenzwert redundant erreicht" durchläßt, dann
wird dieser Zustand durch den geschlossenen symbolischen Schalter 5 dargestellt,
welcher das Signal als Auslöse- oder Stellbefehl für Stellglieder über den Abschnitt
6 der Signalleitung 2 der Maßnahmenstufe 7 zuleitet. In diesem einfachen Fall
bilden Gatter 3 und Schalter 5 sowohl eine Signalbewertungs- als auch eine Signalvorrangstufe
SBS, SVS, und das vom Schalter 5 durchgelassene Signal des Teilkriteriums xi
ist zugleich Identifizierungskriterium zur Betätigung der Maßnahmenstufe 7 (hier:
ein Stellglied in Form eines Motors M), wobei das Stellglied M lediglich eine
Maßnahmenstufe, jedoch keine Maßnahmen-Auswahlstufe repräsentiert.
Figur 2 zeigt, daß dann, wenn bei der Zwei-von-vier-Auswahl des Gatters
3 zwei Grenzwertsignale g1 und g2 wirksam werden, beide Signale zu einem Summensignal
g3 addiert werden, welches den mit dem Signalpegel P = 1 bezeichneten Grenzwert
erreicht, der Regelungs- oder Schutzmaßnahmen in der Maßnahmenstufe 7 veranlaßt,
z.B. eine Vergrößerung der Eintauchtiefe von bestimmten Steuerstäben in den Reaktorkern,
um damit eine lokale oder die integrale Neutronenflußdichte im Kern zu verringern.
Wenn im folgenden von Rechensystemen die Rede ist, so können darunter
sowohl analog als auch digital arbeitende verstanden werden, wenn nicht ausdrücklich
die besondere Analog- oder Digital-Funktion hervorgehoben ist. So wird beim Ausführungsbeispiel
nach Figuren 3 und 4 überwiegend von Analogtechnik Gebrauch gemacht, zumal diese
Darstellung das Verständnis der Erfindung erleichtert. Dem weiteren Ausführungsbeispiel
nach Figuren 5 bis 7 ist dann weitgehend Digitaltechnik zugrundegelegt.
Figur 3 zeigt eine leittechnische Einrichtung L2 gemäß einer ersten
Ausführung nach der Erfindung mit drei, jeweils mehrkanaligen und zueinander diversitären
Rechensystemen C1, C2 und C3, welche verschiedene sogenannte "vollständige Berechnungen"
darstellen und verwirklichen, z.B. des DNB-Wertes (Departure of Nuclear Boiling
bzw. Abstand gegen Filmsieden - Rechensystem C1), zur Errechnung der Wärmebilanz
des Primärkreissystems und gegebenenfalls Sekundärkreissystems der Kernreaktoranlage
(Rechensystem C2) oder des Dampferzeugervolumens (Rechensystem C3). Die Rechensysteme
C1 bis C3 liefern vierkanalig - über ihre Hauptkanäle c1 bis c3 Eingangssignale,
z.B. C1 über c1, über eine Signalbewertungsstufe SBS an eine erste Signalvorrangstufe
SVS1 in Form einer Summiereinrichtung 8, welche - wie gezeigt - eine Summation
der Signale (Teilkriterien xi) durchführt und ein Ausgangssignal (Identifizierungskriterium
Xk) weitergibt. Jedes Signal wird z.B. in Wichtungsstufen WS mit einem
Wichtungsfaktor versehen; im Falle des Hauptkanals c1 beträgt dieser Wichtungsfaktor
0,8. Auch die übrigen Hauptkanäle c2, c3 der leittechnischen Einrichtung L2 sind
mit der Signalvorrangstufe SVS1 über Wichtungsstufen WS verbunden, wobei der Block
für die jeweilige Signalbewertungsstufe SBS (umfassend eine Auswahlstufe und/oder
eine Wichtungsstufe WS) nur im Zuge des Hauptkanals c1 dargestellt ist (die Wichtungsstufe
WS könnte auch Teil von SBS sein), bei den übrigen Hauptkanälen wurde von der
Darstellung der Signalbewertungsstufe SBS abgesehen. Die Teilkriterien werden allgemein
mit xi und - soweit ein einzelnes Teilkriterium behandelt wird - mit
x und einer Indexzahl bezeichnet.
Vom Hauptkanal c2 gelangt eine Prozeßvariable, multipliziert mit
dem Wichtungsfaktor 0,7 in der Wichtungsstufe WS, als gewichtete Prozeßvariable
bzw. Teilkriterium x&sub2; zu der als erste Signalvorrangstufe SVS1 dienenden Summiereinrichtung
8. Vom Hauptkanal c3 gelangt eine in der Wichtungsstufe WS mit dem Wichtungsfaktor
0,5 multiplizierte Prozeßvariable als weiteres Teilkriterium x&sub3; zur Summiereinrichtung
8, nachdem sie im Multiplikator 9 eine multiplikative Korrektur erfahren hat.
An den Multiplikator 9 ist die Ausgangsleitung c4 des der vollständigen Berechnung
einer Nebenbedingung dienenden Rechensystems C4 angeschlossen; dieses speist in
seine Leitungen c41 und c42 weitere analoge oder binäre Signale ein, welche im
Bedarfsfalle in eine Binär- bzw. Analogform umgewandelt werden und in die Summiereinrichtung
8 oder in die Summiereinrichtung 10 einer weiteren Signalvorrangstufe SVS2 eingespeist
werden (weitere Teilkriterien x&sub4;&sub1;, x&sub4;&sub2; als anomalie-signifikante
Prozeßvariable). Das Teilkriterium x&sub4;&sub1; ist mit einem Wichtungsfaktor
0,2 belegt. Des weiteren gelangt über die Signalleitung c31 ein Wichtungssignal
x&sub3;&sub1; als Teilkriterium an die Summiereinrichtung 10, welches mit einem
Wichtungsfaktor 0,9 belegt ist, und an die gleiche Summiereinrichtung 10 gelangt
über die Signalleitung c21 ein weiteres, mit dem Wichtungsfaktor 0,3 belegtes
Wichtungssignal als Teilkriterium x&sub2;&sub1;. Es ist also eine erste Signalvorrangstufe
SVS1 mit einer Summiereinrichtung 8 vorgesehen, welcher die Wichtungssignale oder
Teilkriterien x&sub4;&sub1;, x&sub3;, x&sub2; und x&sub1; (im Uhrzeigersinn betrachtet)
zugeführt werden. Der durch die Summiereinrichtung 10 gebildeten zweiten Signalvorrangstufe
SVS2 werden die Wichtungssignale bzw. Teilkriterien x&sub2;&sub1;, x&sub4;&sub2;
und x&sub3;&sub1; zugeführt. Die genannten Signalvorrangstufen SVS1, SVS2 verarbeiten
die ihnen zugeleiteten gewichteten Eingangssignale bzw. Teilkriterien xi
zu Identifizierungskriterien Xk, hier als X&sub1;, X&sub2;, ... X&sub6;
bezeichnet. Die Wichtungen der einzelnen Stellbefehle sind so gewählt, daß die
jeweiligen Stellgliedansteuerungen bei den Signalen X&sub1; = 0,75; X&sub2; = 1,0;
X&sub3; = 1,4; X&sub4; = 1,0; X&sub5; = 1,2 und X&sub6; = 1,4 erfolgen. Aus den
den einzelnen Stellbefehlen zugeordneten Richtungspfeilen ist erkennbar, daß die
Stellbefehle jeweils einer Maßnahmenauswahlstufe MAS zugeleitet werden, deren
einzelne Teilstufen mit M1 bis M5 bezeichnet sind. Jede der Maßnahmen-Auswahlteilstufen
M1 bis M5 ist zur Ansteuerung von Stellgliedern, z.B. Stellglied V8, vorgesehen,
und kann von anderen Signalvorrangstufen ebenfalls Signale erhalten (Beispiel:
die Teilstufe M3). Jedes der Stellglieder, also z.B. das dargestellte Ventil V8,
wird vorzugsweise über je eine Auswahlstufe AS angesteuert. Dargestellt ist eine
vierkanalige Auswahlstufe AS mit den Kanälen I bis IV, wobei der Stellbefehl erst
bei mindestens zwei übereinstimmenden Eingangssignalen weitergegeben wird (Zwei-von-vier-Auswahl).
Man erkennt, daß abhängig von den Signalpegeln der Stellbefehle (vgl.
dazu auch die Darstellung nach Figur 4) ganz bestimmte Maßnahmen oder Maßnahmenkombinationen
der Maßnahmen-Auswahlstufe MAS ausgelöst werden können. So wird bei einem Pegel
des Identifizierungskriteriums X&sub1; von 0,75 dieser Wert auf die Teilstufe M1
durchgeschaltet, bei X&sub2; = = 1,0 ein entsprechender Stellbefehl auf die Auswahlstufe
M2 und so weiter, wie im rechten Teil der Figur 3 und in Figur 4 schematisch dargestellt.
Maßnahmenkombinationen können nun bestimmten Ereignissen (Störfallereignissen)
oder Situationen/Symptomen zugeordnet werden. Zu Ereignissen zählen beispielsweise
Lastabwurf, Turbinenschnellabschaltung (TUSA), Reaktorschnellabschaltung (RESA),
Pumpenabschaltung HKP (PUMA) oder Pumpenabschaltung Speisewasserpumpe (PUMA SpWP),
Steuerstabfehleinfall (STA), Leistungsdichtenspitze im Kern oben (Peak oben),
Leistungsdichtespitze im Kern unten (Peak unten), Speisewasser-Vorwärmer-Ausfall
oder Dampferzeugerheizrohr-Leck, um nur einige Ereignisse bzw. Symptome zu nennen.
Die Identifizierungskriterien Xk lassen sich nun ganz
bestimmten Ereignissen oder Symptomen zuordnen, und mit Hilfe der speziellen Signale
der verschiedenen Signalpegel der jeweiligen Identifizierungskriterien lassen sich
wieder ganz bestimmte Abhilfemaßnahmen (im Beispiel die Abhilfemaßnahmen der Auswahlstufen
M1 bis M5) einleiten. Im Beispiel nach Figur 3 entsteht also an der Summiereinrichtung
8 ein erstes Identifizierungskriterium Xk, welches durch X&sub1;, X&sub2;
oder X&sub3; repräsentiert werden kann. An der Summiereinrichtung 10 entsteht ein
zweites Identifizierungskriterium Xk, welches durch X&sub4;, X&sub5;
oder X&sub6; repräsentiert werden kann.
Das zweite Ausführungsbeispiel ist in den Funktionsschemata nach
den Figuren 5 bis 9 dargestellt, wobei Figur 5 die Gesamtansicht zeigt und die
Figuren 6 bis 9 Details zeigen. Im Funktionsschema nach Figur 5 bedeuten:
Xe1, Xe2 ... Xe,n ereignis-orientierte Identifizierungskriterien,
Xs1, Xs2 ... Xs,n symptom-orientierte Identifizierungskriteren,
SV&sub1;, SVn sogenannte Sicherheitsvariable,
VR&sub1;, VRn berechnete Prozeßvariable,
A/B analoge oder binäre Signale, im besonderen ein in ein Binärsignal umgewandeltes
Analogsignal. Dementsprechend bedeutet A Analog-Information und B Binär-Information,
MI, MII und MN sind als Ganzes mit MAS bezeichnete Maßnahmen-Auswahlstufen,
Yk1, Yk2, Yk,n die Wahrscheinlichkeit korrekter Identifizierung angebende Kennzahlen,
Mk1, Mk,n aufgrund bestimmter Identifizierungskriterien an sich zu treffende Maßnahmen
und
Ma, Mb und Mn die resultierenden, letztendlich
zu treffenden Maßnahmen, die aufgrund der Signalverarbeitung in den Maßnahmen-Auswahlstufen
MAS bzw. im einzelnen MI, MII und MN ausgewählt werden.
Die Rechnereinheiten, welche zur Verarbeitung von analogen und/oder
binären Signalen geeignet sind und ereignis-orientierte Identifizierungskriterien
Xe1, Xe2 und Xen an ihrem Ausgang abgeben, sind mit CE1, CE2 und CEn bezeichnet.
Die system-orientierten Identifizierungskriterien Xs1, Xs2 und Xs,n werden von
den Rechnereinheiten CS1, CS2 und CSn geliefert. Durch schraffierte Felder ZI der
genannten Rechnereinheiten CE1 bis CEn sowie CS1 bis CSn ist eine Zusatzinformation
angedeutet, welche in diese Rechnereinheiten eingespeist oder darin generiert
werden kann. Diese Zusatzinformation ZI kann von Hilfsrechnern Re1 bis Re4 geliefert
werden, wobei die Hilfsrechner Re1 und Re2 zur Berechnung von Prozeßvariablen
dienen und durch Kreise dargestellt sind. Dagegen dienen die Hilfsrechner Re3 und
Re4 zur Berechnung von Sicherheitsvariablen und sind als abgerundete Vierecke
dargestellt. Bei der den Rechnereinheiten CE1 bis CEn sowie CS1 bis CSn zugeführten
Information kann es sich um Prozeßparameter oder abgeleitete Prozeßvariable handeln,
die alle mehr oder weniger anomalie-signifikant sein können und deshalb generell
die Funktion von Teilkriterien xi haben können, wie es Figur 5 zeigt.
Die Signalleitungen sind in Figur 5 nicht besonders bezeichnet, weil sie durch
die Signale, welche sie transportieren, identifizierbar sind.
Im rechten Teil der Figur 5 sind gestrichelte Pfeile für die Übermittlung
von Kennzahlen für die Wahrscheinlichkeit korrekter Identifikation Yk1,
Yk2 und Ykn dargestellt; diese können einigen oder allen
Identifizierungskriterien Xk zugeordnet werden, was später noch erläutert
wird. Durch die beispielhaften Bezeichnungen Mk1, Mk,n soll verdeutlicht werden,
daß über die einzelnen Signalleitungen die notwendigen Informationen zur Auslösung
der optimalen Maßnahmen gegen die von dem jeweiligen Identifizierungskriterium
Xk ermittelten Störungen oder unzulässigen Situationen gesendet werden.
Die Kombination mit den Kennzahlwerten Yk1, Yk2, Yk,n
für die Wahrscheinlichkeit korrekter Identifikation und deren Bewertung (z.B. Maximalwert-Auswahl)
innerhalb der Auswahlstufen MAS bzw. MI, ... MN ergibt die für die aktuelle Situation
zutreffendste Maßnahme (symbolisiert durch Maßnahmenpfeile Ma, Mb
und Mn. Im rechten Teil der Figur 5 ist außerdem angedeutet, daß die
resultierenden Maßnahmen Ma, Mb ... Mn mehrkanalig,
z.B. vierkanalig, über Auswahlstufen AS geleitet werden können und daß ein Plausibilitäts-Kriterium
zum Beispiel erfüllt ist, wenn zwei von vier Eingangssignale übereinstimmen, so
daß dann der Stellbefehl auf den Motor M, das Ventil V1 oder den Schalter S1 durchgeschaltet
wird.
Die in Figuren 5 und 6 dargestellten Sicherheitsvariablen SV (allgemein)
und SV&sub1;, SVn im einzelnen sind im allgemeinen komplexe und meist
nicht meßbare, jedoch errechenbare Variable, wie z.B. die Reaktivität, komplexere
Grenzwerte oder die Reaktorleistung. Letzter kann man auf verschiedene Weise ermitteln:
außen gemessene Leistung oder innen gemessene Leistung oder kaloriemetrisch gemessene
Leistung oder schließlich eine aus allen anderen synthetisch ermittelte Größe.
Sicherheitsvariable unterscheiden sich von Prozeßvariablen (in Figuren 5 und 6
mit VR&sub1;, VRn bezeichnet) darin, daß Sicherheitsvariable beliebig
definiert werden können, während Prozeßvariable meist einfache Meßgrößen sind,
aber auch durchaus in einigen Fällen als nicht meßbare Größen vorliegen können.
Figur 6 stellt einen Ausschnitt aus Figur 5 in detaillierter Form
dar, und zwar die Rechnereinheit CE2 zusammen mit den an sie angeschlossenen Hilfsrechnern
Re1, Re3 und eine nachgeschaltete Maßnahmenauswahlstufe MII. Figur 6 demonstriert
die Berechnung nicht meßbarer Prozeßvariabler VR&sub1; (Hilfsrechner Re1) und
einer Sicherheitsvariablen SV, z.B. die Reaktor-Leistung (Hilfsrechner Re3). Dem
Hilfsrechner Re1 wird die Prozeßvariable A/A zugeführt, von diesem gelangt die
(nicht meßbare) berechnete Prozeßvariable VR&sub1; zum einen zum Hilfsrechner Re3
und zum anderen zur Rechnereinheit CE2. Dem Hilfsrechner Re3 werden als Eingangsgrößen
die Prozeßvariablen A/B und A zugeführt; dieser berechnet die Reaktorleistung
auf dreierlei verschiedene Weise (wie bereits oben erläutert), was durch die Ausgangsgrößen
R1, R2 und R3 angedeutet ist. Nur der Ausgang R2 wird zusammen mit der Prozeßvariablen
VR&sub1; als Eingangs-Teilkriterium für die Rechnereinheit CE2 ausgenutzt. Dieser
werden die meßbaren Prozeßvariablen A/B als weitere Eingangsgrößen zugeführt,
ferner kann in diese Rechnereinheit CE2 die schon erwähnte Zusatzinformation ZI
generiert oder in diese eingespeist werden. In der Rechnereinheit CE2 wird also
aus mehreren binären und analogen Eingangsgrößen ein Identifizierungskriterium
Xe2 berechnet, in diesem Fall ein ereignis-orientiertes Identifizierungskriterium.
Die Funktion des Identifizierungskriterium Xe2 für die zu ergreifenden
Maßnahmen ist sinngemäß so, wie anhand des ersten Beispiels (Figuren 3 und 4)
erläutert.
Die Zusatzinformation ZI kann durch zusätzliches Einspeisen von z.B.
Meßgrößen vieler andersartiger oder Einzel-Prozeßvariabler oder von Binärsignalen
gewonnen werden. Diese reichert das Identifizierungskriterium Xe2 dadurch
an, daß sie zwar allein keine Maßnahmen auslösen kann, jedoch wird das Identifizierungskriterium
zusammen mit der Zusatzinformation stabiler in der Korrektheit der Identifikation
bzw. in der "Uberbestimmung" - hier angedeutet durch die Ausgangssignale M&sub2;&sub1;,
M&sub2;&sub2;, M&sub2;&sub3;. Die bei Zutreffen korrekter Identifikation optimalen
Gegenmaßnahmen sind sogar auch dann möglich, wenn Teilinformationen für das Identifizierungskriterium
Xe2 fehlerhaft sein sollten, woraus sich eine erhöhte Fehlertoleranz
oder Fehlerresistenz ergibt. Parallel zum Identifizierungskriterium Xe2
wird die Kennzahl für die Wahrscheinlichkeit korrekter Identifikation bestimmt,
welche mit Yk2 (in diesem speziellen Falle) bezeichnet ist und allgemein
mit Yk bezeichnet wird. Durch die gestrichelten Pfeile (nur einer der
Pfeile ist mit Yk2
bezeichnet) und die Funktionseinheit 20 ist verdeutlicht,
daß die durch das Identifizierungskriterium Xe2 an sich gegebene Maßnahmen-Anregung
jeweils aufgrund der Kennzahl Yk2 auf die Wahrscheinlichkeit ihrer Richtigkeit
überprüft wird. Durch Mb ist eine resultierende Maßnahme der Maßnahmen-Auswahlstufe
II symbolisiert, wobei das Signal für die resultierende Maßnahme Mb
mehrkanalig auf die Auswahlstufe AS gegeben wird, welche eine Zwei-von-vier-Auswahl
(allgemein: m-von-n-Auswahl) trifft, bevor z.B. der Motor M einer Pumpe oder eines
Stellglieds eingeschaltet wird.
Das Diagramm nach Figur 7 symbolisiert die Herleitung des Wertes
für Yk2: Analoge Informationen verschiedener Meßwerte A1, A2 bis An
werden aufgrund von Transientenstudien durch entsprechende Koeffizienten a&sub1;
... an gewichtet und addiert. Auch binäre Informationen B1, B2 bis Bn
werden mit entsprechenden Gewichtungen b&sub1; ... bn hinzugefügt und
sinnvoll addiert. Aus den vorliegenden Meßwerten können auch geeignete Rechenwerte
R&sub1;, R&sub2; ... Rn (Simulationen oder auch Gradienten zum Beispiel)
errechnet und wiederum mit Wichtungsfaktoren r&sub1;, r&sub2; ... rn
versehen und sinnvoll addiert werden. Die Menge der verwerteten Größen und ihre
Wichtungen werden in Transientenstudien ermittelt.
Jedem Maßnahmen-Anregungs-Befehl wird nun periodisch die entsprechende
gerade gültige Identifikations-Wahrscheinlichkeits-Kennzahl Yk beigegeben,
so daß in der Maßnahmen-Auswahlstufe MAS jedes Stellgliedes eine Maximalwert-Ermittlung
aller in sie eingespeister Kennzahlen den (auch zeit-veränderlichen) Vorrang einer
bestimmten Maßnahme festlegt. Durch diese Kennzahl- und Vorrangbildung wird erreicht,
daß der Vorrang ereignis- und situationsbedingt die optimale Gegenmaßnahme zu
treffen ermöglicht, aber geändert wird, wenn sich eine geänderte Situation mit
dazu anderer optimaler Gegenmaßnahme ergibt. Durch umfangreiche Analysen und Simulationsstudien
kann man den Koeffizienten der Identifikations-Wahrscheinlichkeits-Kennzahl Werte
zuordnen, die optimales Verhalten der gesamten Schaltung für alle Situationen,
Störungen und Störfälle ergibt.
Figur 8 verdeutlicht, wie innerhalb der jeweiligen Rechnereinheit
CE1 usw. bzw. CS1 usw. die Herleitung des jeweiligen Identifizierungskriteriums
erfolgen kann. In Figur 8 ist die zugehörige Rechnereinheit allgemein mit CE bezeichnet;
sie enthält mehrere Signalbewertungsstufen, die allgemein mit SBS und im einzelnen
mit SBS1 bis SBS4 bezeichnet sind. Allgemein läßt sich feststellen, daß innerhalb
der jeweiligen Signalbewertungsstufe SBS die Eingangssignale A&sub1;, A&sub2;
(vierkanalig), A&sub3; (zweikanalig), B&sub1; (vierkanalig), B&sub2;, B&sub3; (einkanalig),
eine Auswahlstufe AS jeweils zugeleitet werden und diese Auswahlstufe AS die Auswahl
nach einem Auswahlkriterium trifft (z.B. Zwei-von-vier-Auswahl) und/oder eine
gesonderte Wichtungsstufe (allgemein: WS, speziell: WS1, WS2, WS31, WS32) vorgesehen
ist, welche die Wichtung nach einem Wichtungskriterium trifft, und daß am Ausgang
der Signalbewertungsstufe SBS für den Fall, daß das Eingangssignal das Auswahlkriterium
und/oder das Wichtungskriterium erfüllt hat, ein binäres L-Signal als Teilkriterium
xi ansteht, im anderen Falle ein binäres O-Signal als Teilkriterium.
So trifft die Auswahlstufe AS der Signalbewertungsstufe SBS1 eine Auswahl derart,
daß von vier Eingangsgrößen A1I bis A1IV jeweils nicht das
größte Maximum, sondern das zweite Maximum ausgewählt wird. Dieses wird mit A&sub2;,M
bezeichnet und in einer Wichtungsstufe WS1 dann durchgelassen, wenn es mindestens
80% eines vorgegebenen Grenzwertes ausmacht. In diesem Falle wird das Signal als
Binärsignal B1M durchgelassen und steht dann als L-Signal bzw. als
Signal "1" zur Verfügung (bei Nichtdurchlaß als Null-Signal). Bei der Signalbewertungsstufe
SBS2 wird in der Auswahlstufe das Minimum aus vier Eingangsgrößen A2I
bis A2IV ausgewählt, und die so ausgewählte Größe A2M wird
in einer Wichtungsstufe WS2 nur dann durchgelassen, wenn die ausgewählte Größe
A2M größer ist als 60% eines Grenzwertes Y. In diesem Falle gelangt
das Binärsignal B2M als L-Signal an den Ausgang (im anderen Falle liegt
nur ein Null-Signal vor).
Bei der Signalbewertungsstufe SBS3 ist für die Eingangsgröße A3I
keine Auswahlstufe, sondern nur eine Wichtungsstufe WS31 vorgesehen mit einem Durchlaß,
wenn A3I kleiner ist als 30% eines Grenzwertes z. Die Eingangsgröße
A4I wird auf ihr Zeitverhalten untersucht, d.h. es wird der Gradient
ermittelt, wobei bei einer positiven Steigung ein binäres L-Signal am Ausgang
ansteht, bei negativer Steigung eine Null. In der Signalbewertungsstufe SBS4 wird
eine Zwei-vonvier-Auswahl in einer Auswahlstufe AS aus vier Eingangssignalen B1I
bis B1IV getroffen, und entsprechend steht am Ausgang ein L- oder O-Signal
an. Die Signale B&sub2;I und B&sub3;I liegen bereits als L- oder O-Signal auf ihren
Signalleitungen vor, so daß insoweit keine Auswahl- oder Wichtungsstufen erforderlich
sind. Die Potentialpunkte sind durch eingekreiste arabische Ziffern 1 bis 20 symbolisiert
(es ist nicht zu allen Potentialpunkten eine Beschaltung dargestellt, damit die
Darstellung nicht zu unübersichtlich wird). Die Summe der Potentialpunkte stellt
eine Signalvorrangstufe dar, denn anhand der Potentialpunkte, reprasentierend
m mögliche binäre Teilkriterien xi, kann man feststellen, bei wievielen,
z.B. n, der Potentialpunkte je ein L-Signal ansteht. Aus den m von n Teilkriterien
xi kann dann auch das Identifizierungskriterium Xk geschlossen
werden. In die m-von-n-Analyse der Teilkriterien xi kann auch deren
Art bzw. die Lage der n L-Signal führenden Potentialpunkte innerhalb der Menge
der m möglichen Potentialpunkte eingehen.
Figur 9 verdeutlicht detaillierter die Bildung der Kennzahl Yk
für die Identifikations-Wahrscheinlichkeit, welche gemäß Figur 6 z.B. in der Rechnereinheit
CE2 oder aber in einer gesonderten Rechnereinheit CK vorgenommen werden kann.
Allgemein läßt sich sagen, daß zur Bildung der Teilkennzahlen yi innerhalb
einer Kennzahlenbildungsstufe KBS die Eingangssignale A&sub1;, nämlich A1I
bis A6IV jeweils einer Auswahlstufe KAS (als Ganzes so bezeichnet) zugeleitet
werden und diese Auswahlstufe KAS selbst die Auswahl mittels eines Auswahlkriteriums
trifft und/oder eine gesonderte Wichtungsstufe KWS vorgesehen ist, welche die Wichtung
nach einem Wichtungskriterium trifft. Am Ausgang der jeweiligen Kennzahlenbildungsstufe
(als Ganzes: KBS und im einzelnen KBS1 bis KBS 6) steht für den Fall, daß das Eingangssignal
das Auswahlkriterium und/oder das Wichtungskriterium erfüllt, ein analoges Signal
bestimmter Pegelhöhe als Teilkennzahl yi an, im anderen Falle ein analoges
Signal, dessen Pegel Null ist. Es ist auch möglich, in diesem anderen Fall anstelle
des Null-Signals einen Wert der Teilkennzahl yi vorzusehen, der unterhalb
eines für die Berücksichtigung der betreffenden Teilkennzahl maßgebenden Grenzwerts
liegt. Die Eingangs- und Ausgangssignale der einzelnen Kennzahlenbildungsstufen
KBS1 bis KBS6 gehen aus der nachstehenden Tabelle hervor:
Stufe
Eingangssignale
Ausgangssignale (yi)
KBS1
A1I - A1IV
A&sub1;&sub0;&sub1;
KBS2
A2I, AxI
A&sub1;&sub0;&sub2;, A100 + x
KBS3
B1I - B1IV
A&sub1;&sub0;&sub3;
KBS4
B2I
A104I
KBS5
A3T, A4T
A105I
KBS6
A5I, A6I - A6IV
A106I
Bei der Kennzahlbildungsstufe KBS1 ist sowohl eine Auswahlstufe KAS
als auch eine Wichtungsstufe KWS vorgesehen, wobei z.B. ein Analogsignal A&sub1;&sub0;&sub1;
mit einem Wichtungsfaktor 0,5 multipliziert wird. Bei der Kennzahlenbildungsstufe
KBS2 sind innerhalb von zwei Kanälen, die je vier Unterkanäle I - IV haben, jeweils
Wichtungsstufen KWS vorgesehen, wobei die Wichtungsfaktoren 0,2 bzw. 0,3 betragen.
Bei der Kennzahlenbildungsstufe KBS3 sind innerhalb von vier Kanälen Auswahlstufen
KAS vorgesehen, die dann, wenn das Signal den Wert 1 hat, ein Analogsignal A =
0,1 ergeben. Bei der Kennzahlenbildungsstufe KBS4 beträgt dieses Analogsignal
A = 0,15. Bei der Kennzahlenbildungsstufe KBS5 wird zunächst eine Auswahlstufe
vorgesehen, welche z.B. die Mindestdifferenz zweier Signale unterschiedlichen Vorzeichens
durchläßt, anschließend ist eine Wichtungsstufe mit einem Wichtungsfaktor mit
k = 0,33 vorgesehen. Bei der Kennzahlenbildungsstufe KBS6 wird vierkanalig die
Differenz von Minus-Signalen zu einem Plus-Signal festgestellt und eine Mindest-
(oder Höchst-)differenz durchgelassen (Zwei-vonvier-Auswahl), die nachgeschaltete
Wichtungsstufe hat einen Wichtungsfaktor von k = 0,05. Durch Summation a11 dieser
yi-Teilkriterien für die Kennzahl kann man z.B. eine dreistellige resultierende
Kennzahl Yk erhalten, also eine dreistellige Kennzahl mit durch Analogwerte
besetzten Einer-, Zehner-und Hunderter-Positionen. Diese Kennzahl gibt dann die
Identifikations-Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Identifizierungskriteriums
Xk an. Von mehreren solchen Kriterien wird dann dasjenige Kriterium
Xk auf die Maßnahmenauswahlstufe MAS durchgeschaltet, das den höchsten
Grad der Wahrscheinlichkeit seiner Richtigkeit besitzt.
Mit anderen Worten: Jedem Maßnahmen-Anregungs-Befehl wird periodisch
die entsprechende, gerade gültige Identifikationswahrscheinlichekeits-Kennzahl
Yk beigegeben, so daß in der Maßnahmen-Auswahlstufe MAS jedes Stellgliedes
eine Maximalwertermittlung aller in sie eingespeister Kennzahlen den (auch zeitveränderlichen)
Vorrang einer bestimmten Maßnahme festlegt. Durch diese Kennzahl- und Vorrangbildung
wird erreicht, daß der Vorrang ereignis- und situationsbedingt die optimale Gegenmaßnahme
zu treffen ermöglicht, aber geändert wird, wenn sich eine geänderte Situation mit
dazu anderer optimaler Gegenmaßnahme ergibt. Durch umfangreiche Analysen und Simulationsstudien
kann man den Koeffizienten der Identifikations-Wahrscheinlichkeits-Kennzahl Yk
Werte zuordnen, die optimales Verhalten der gesamten Schaltung für alle Situationen,
Störungen und Störfälle ergibt. Im Rahmen der Erfindung kann auch vorgesehen sein,
daß ereignis-orientierte Teilkriterien xi und ein davon abhängiges
Identifizierungskriterium Xi mit Hilfe von Expert-Systems- und Fuzzy-Logic-Technik
ermittelt werden. Darüber hinaus können die Haßnahmenauswahlstufen in der Technik
künstlicher neuronaler Netze ausgeführt sein.
Die Vorteile nach der Erfindung seien im folgenden noch einmal kurz
zusammengefaßt: Bei digitaler Technik können nicht meßbare Prozeßvariable, komplexere
"Sicherheitsvariable" und die genannten Identifizierungskriterien mit Kennzahlen
korrekter Identifizierungs-Wahrscheinlichkeit in geeigneter Weise aus den verschiedensten
(digitalisierten) Informationen gebildet und korreliert werden. Letztere beide
werden durch Zusatz-Informationen, die für sich allein keine Maßnahmen auslösen
könnten, in der Wahrscheinlichkeit korrekten Erkennens einer bestimmten Störung
noch verbessert. Bei zeitabhängig verlaufenden Störungen werden auch alle Merkmale
des Transienten-Verhaltens mit in die "Sicherheitsvariablen" eingebracht, z.B.
auch "stabile Gradienten". Diese aufwendige, aber präzise Art der Identifikation
macht es möglich, mehrere vollständig diversitäre "Sicherheitsvariable" und Identifizierungskriterien
zur Erkennung desselben Störfalls zu bilden und zu nutzen: Analytische Redundanz.
Für die Funktionen der höchsten Anforderungsstufe in bezug auf (Reaktor-)Sicherheit
sollten mindestens zwei dieser diversitären Identifizierungskriterien je Störung
oder Störfall vorhanden sein. Manchmal besteht sogar die Möglichkeit, mehr als
drei Identifizierungskriterien zu bilden. Dazu kann man dann aber auch alle verwendeten
Eingangsinformationen (insbesondere die der Wahrscheinlichkeitserhöhung) in mehreren
Identifizierungskriterien gleichzeitig verwenden.
Die mit diesem Verfahren hohe Wahrscheinlichkeit korrekter Identifizierung
fast jeder Störung, jedes Störfalls und jeder unzulässigen Situation gestattet
es, die jeweils geeignetste Gegenmaßnahmenkombination zu ergreifen.