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Dokumentenidentifikation DE4335934A1 27.04.1995
Titel Verfahren zum Schutz von Samen landwirtschaftlicher, gärtnerischer und forstwirtschaftlicher Pflanzenarten vor Schadorganismen
Anmelder Epperlein, Klaus, Dr., 06114 Halle, DE
DE-Anmeldedatum 21.10.1993
DE-Aktenzeichen 4335934
Offenlegungstag 27.04.1995
Veröffentlichungstag im Patentblatt 27.04.1995
IPC-Hauptklasse A01C 1/00
IPC-Nebenklasse A01N 25/00   
IPC additional class // A01N 47/24,43/50  
Zusammenfassung In den zu behandelnden Samen wird ein je nach Größe ein Loch in das Speichergewebe gebohrt. Danach wird das zu verwendende Pestizid in der amtlich anerkannten Aufwandmenge in das Loch verfüllt, gewartet bis die Füllung getrocknet ist und dann das Saatgut ausgesät.
Am Beispiel des Insektizides Imidacloprid wurde nachgewiesen, daß die Methode einen sicheren Schutz bei Befall durch die Große Getreidelaus Sitobion avenae (F.) gewährleistet.

Beschreibung[de]

Bei der Aussaat von Samen werden diese in der Regel im Keimmedium Erde nach der Quellung einer Vielzahl schädlicher Pilze, Bakterien oder Insekten ausgesetzt. Die sich der Keimpflanzenentwicklung anschließende Jugendphase stellt ebenfalls eine kritische Entwicklungsetappe dar, in der eine Reihe von Schadorganismen die Pflanzen schädigen oder vernichten.

Die bisherige Form des Schutzes vor Schaderregern war die Behandlung des Feldes oder der Saatfurche mit Pestiziden.

Eine zweite Möglichkeit des Schutzes des keimenden Samens und der Jungpflanze stellte die Saatgutumhüllung mittels eines geeigneten Beizmittels dar.

Alle Verfahren bergen ökologische und toxikologische Risiken, da es sich immer um einen mehr oder minder schweren Eingriff in das Agroökosystem handelt.

Aus diesen Zusammenhängen leitet sich die Aufgabe her, ein Verfahren zu entwickeln, welches bei optimalen Schutz der sich entwickelnden Pflanze keine oder eine sehr geringe Umweltkontamination von Pflanzenschutzmitteln aufweist.

Eigene Untersuchungen zur Schadwirkung des Bohnensamenkäfers Bruchus rufimanus Bohem. zeigten, daß im Gegensatz zur Lehrbuchmeinung der Fraß der Larven sich kaum keimungshemmend auswirkt (EPPERLEIN, 1992), sondern einige Eigenschaften des Saatgutes sogar verbessert werden. Die Larven bohren sich nach der Eientwicklung in ein Keimblatt des sich entwickelnden Samens ein und nagen hier eine zylinderförmige Höhlung. Da diese offensichtliche Beschädigung sich in der Regel nicht negativ auf das Keimverhalten und die Jungpflanzenentwicklung auswirkte, wurde getestet, was die Etablierung eines Pflanzenschutzmittels in ein solches Loch bewirkt.

In Versuchsreihen wurden zunächst am Beispiel Mais (Einkeimblättler) und Ackerbohne (Zweikeimblättler) die prinzipielle Eignung des ersten Schrittes, Anbringen eines Loches an geeigneter Stelle der Samen untersucht. Dabei erreichten Samen mit Loch ähnliche Keimfähigkeits- und Feldaufgangswerte wie Samen ohne Loch.

In einem zweiten Schritt zeigte es sich, daß geeignete Insektizide (Gaucho-Wirkstoff Imidacloprid und Promet-Wirkstoff Furathiocarb) im Loch, eingelagert in einer Menge a.i., die der amtlichen Empfehlung bzw. der des Herstellers entsprach, die o.g. Eigenschaften ebenfalls nicht negativ beeinflußten.

In sich anschließenden Prüfungen erwies sich der beschriebene Vorgehensweg auch gangbar bei der Bekämpfung von Schadinsekten der Jungpflanze (Blattläuse).

Dazu wurde unter kontrollierten Licht- und Klimabedingungen an unbehandelten und behandelte Ackerbohnen Läuse der Art Acyrthosiphon pisum (HARRIS) und an Mais Läuse der Art Sitobion (Macrosiphum) avenae (F.) angesetzt.

Während sich an den unbehandelten Pflanzen Kolonien der Tiere bildeten, mußten auf die behandelten Pflanzen alle 4 Stunden neue Blattläuse gesetzt werden. Die Mittelwirkung hielt über einen Zeitraum von 7 Tagen an.

Somit war nach der Ausbildung der Jungpflanze über einen längeren Zeitraum eine toxische Wirkung des Pflanzengewebes auf die genannten saugenden Schädlinge zu verzeichnen.

Eine vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung ist im Patentanspruch 2 angegeben. Es ist möglich, alle geeigneten pflanzenverträglichen Substanzen, die eine Schutzwirkung des Samens und der Keimpflanze bewirken, sowie auch Substanzen, die eine Verbesserung des Wachstums zur Folge haben, einzusetzen.

Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist für die Pflanzenart Mais angegeben.

Ausfürungsbeispiel Mais

Für die Untersuchungen wurde Mais der Sorte "Bercema" verwendet.

Die Samen sind mit einem Spiralbohrer (Durchmesser 0,8 mm) 3 mm tief angebohrt worden. Anschließend wurde mit einer Spritze 1,25 mg/Korn a.i. Imidacloprid in das Loch eingespritzt. Die dabei verwendete Formulierung trocknete sehr schnell, so daß der Samen weiter verwandt werden konnte.

Berechnet wurde die Menge wie folgt:

Die Maiskörner wogen im Schnitt 0,357 g.

Eine mögliche Dosis ist 350 g a.i./dt Saatgut.

Daraus ergibt sich 350 000 mg a.i. : 100 000 g = X : 0,375 g.

Die so vorbehandelten Maiskörner kamen dann in mit Erde gefüllte Blumentöpfe, die bei 20°C gelagert wurden.

Eine Kontrolle in Form unbehandelter Maiskörner wurde zum gleichen Zeitpunkt ausgesät. Nach dem Keimen des Maises wurden die Töpfe zum Zeitpunkt des Zweiblattstadiums der Pflanzen in Blattlauszuchtkäfige gesetzt und in eine Klimaprüfkammer gegeben. Das Regime war eingestellt auf 20°C, 12 h Licht/12 h Dunkelheit und 80% rel. Luftfeuchte.

Dann wurden täglich 2 mal (8.00 Uhr und 14.00 Uhr) 5 Blattläuse/Maispflanze auf nicht mit Blattläusen besetzte Pflanzen gegeben. Während auf den unbehandelten Kontrollpflanzen sich die Blattläuse gut entwickelten, fielen von den behandelten Pflanzen die Tiere immer wieder ab und starben.

Somit ist zu schlußfolgern, daß die beschrieben Methode eine Alternative zu "Klassischen Pflanzenschutzmaßnahmen" darstellt.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zum Schutz von Samen landwirtschaftlicher, gärtnerischer und forstwirtschaftlicher Pflanzenarten vor Schadorganismen, dadurch gekennzeichnet, daß in Speichergewebe der Samen Pflanzenschutzmittel eingelagert werden.
  2. 2. Verfahren nach Patentanspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Samen angebohrt und das entstandene Loch mit Pflanzenschutzmittel verfüllt wird, wobei die Wirkstoffmenge a.i. je nach Samenart so zu bemessen ist, daß sie die maximal amtlich zulässige Höchstmenge nicht überschreitet.






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