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Dokumentenidentifikation DE4330832C2 04.04.1996
Titel Verfahren zur Optimierung der Eigenspannungsverteilung im Stabquerschnitt von Schraubendruckfedern
Anmelder Hoesch Federn GmbH, 58119 Hagen, DE
Erfinder Vondracek, Hans, 58339 Breckerfeld, DE
DE-Anmeldedatum 11.09.1993
DE-Aktenzeichen 4330832
Offenlegungstag 16.03.1995
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 04.04.1996
Veröffentlichungstag im Patentblatt 04.04.1996
IPC-Hauptklasse C21D 9/02
IPC-Nebenklasse C21D 7/04   

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.

Als optimal wird in diesem Zusammenhang eine Eigenspannungsverteilung angesehen, bei der in der fertigen Feder im höchstbelasteten Querschnitt die resultierende Lastspannung in keinem Punkt des Querschnittes die Druck- bzw. Zugfließgrenze erreicht und ein kritischer Zugspannungswert von 200 N/mm² im oberflächennahen Randbereich nicht überschritten wird.

Nach dem Stand der Technik kommen zur gezielten Beeinflussung der Eigenspannungen in Federelementen in erster Linie zwei Verfahren, das Setzen und das Kugelstrahlen zur Anwendung, welche die Eigenspannungsverteilung primär in bestimmten, den unterschiedlichen Verfahren zugeordneten Querschnittsbereichen verändern. Unter dem Setzen bzw. Plastizieren von Federn versteht man die Erstbelastung von Federn nach Formgebung und Vergütung, bei der die Fließgrenze des Werkstoffes, abhängig von Feder- und Beanspruchsart, in Teilbereichen des Federquerschnittes überschritten wird.

Das Verhältnis der plastizierten Querschnittsfläche zum Gesamtquerschnitt, auch als Plastizierungsgrad P bezeichnet, bestimmt in Verbindung mit der werkstoffspezifischen Fließgrenze Höhe und Verteilung der durch den Setzvorgang induzierten Eigenspannungen.

Während beim Setzen die Eigenspannungen über den gesamten Querschnitt, abhängig von der Beanspruchungsart, einachsig bei Biegung oder zweiachsig bei Torsion, und von der Beanspruchungsrichtung, Zug oder Druck, gerichteten Änderungen unterworfen sind, ist die Beeinflussungszone des Querschnitts beim Kugelstrahlen im wesentlichen auf die oberflächennahen Randbereiche beschränkt, wobei unabhängig von Feder- und Beanspruchungsart eine orthogonale Spannungsverteilung in der Randschicht erzeugt wird.

In der US-PS 2 608 752 wird am Beispiel einer Einblattfeder ein Verfahren beschrieben, bei welchem die Zugseite einer Blattfeder unter Vorspannung (60% bis 100% Re) kugelgestrahlt wird. Das Verfahren ist unter der Bezeichnung "Spannungsstrahlen" in der Praxis eingeführt und wird für Einblatt- und Parabelfedern heute weltweit in vielen Varianten angewendet.

Maschinen und Vorrichtungen zum Spannungsstrahlen von Blattfedern sowie einige Verfahrensvarianten sind in der US-PS 3 094 768 und GB-PS 959 801 beschrieben.

Als Alternative zum Spannungsstrahlen, mit vergleichbarer Wirkung ohne den Nachteil der relativ großen Formänderung, wird in der US-PS 3 205 556 ein Strahlverfahren beschrieben, bei dem die Blattfedern unbelastet (d. h. ohne Vorspannung), jedoch mit erhöhter Temperatur (150°C bis 350°C) kugelgestrahlt werden. Dieses im folgenden als "Warmstrahlen" bezeichnete Verfahren hat sich bisher in der Praxis nicht durchsetzen können. Begründet ist dies einmal dadurch, daß die größeren Formänderungen beim Spannungsstrahlen bei Neuentwicklungen einfach durch entsprechende Vorgaben für die Biegewerkzeuge kompensiert werden können und zum anderen, daß die lebensdauersteigernde Wirkung des Warmstrahlens in der Regel wesentlich niedriger ist als beim Spannungsstrahlen.

Gemeinsam ist allen zuvor genannten Druckschriften, daß die beispielhaft genannten Anwendungen ausschließlich Blattfedern als Federelemente, mit im wesentlichen einachsiger Beanspruchung betreffen.

Die hierfür gültigen Aussagen zur Verbesserung der Lebensdauer können, insbesondere im Hinblick auf die Reihenfolge der einzelnen Fertigungsschritte und eine Optimierung der Eigenspannungsverteilung, auf torsionsbeanspruchte Federelemente nicht übertragen werden, ohne die im wesentlichen zweiachsige Beanspruchung zu berücksichtigen.

Ferner ist zum Beispiel aus "Warmgeformte Federn", Hoesch Hohenlimburg AG, 1987, Seiten 189 bis 1991, das Setzen und nachfolgende Kugelstrahlen von Schraubendruckfedern bekannt.

Außerdem ist aus der DE 41 24 326 C1 ein Verfahren zur Herstellung einer Schraubendruckfeder bekannt, die im fertigen Zustand eine gewünschte Krümmung aufweisen soll, welches dadurch erzielt wird, daß Windungssektoren unterschiedlicher Temperaturbereiche erzeugt werden, indem ausgewählte Federwindungssektoren über die Federlänge gesehen partiell erwärmt werden. Dies trägt aber nicht zur Optimierung der Eigenspannungsverteilung im Stabquerschnitt der Schraubendruckfeder bei.

Der Erfindung liegt nunmehr die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zu schaffen, das eine weitere Verbesserung der Lebensdauer von Schraubendruckfedern mit Festigkeiten von Rm > 1800 N/mm² erlaubt.

Diese Aufgabe wird durch die im kennzeichnenden Teil des Patentanspruches 1 angegebenen Merkmale gelöst.

Durch lokal begrenzte Änderung der Fließgrenze, hervorgerufen durch die Vorgabe eines bestimmten Festigkeits- oder Temperaturprofiles im Querschnitt der Feder während des Setzvorganges, kann daher die Eigenspannung sowohl in ihrer Höhe als auch in ihrer Verteilung im Sinne einer Optimierung gezielt beeinflußt werden.

Vorteilhafte und zweckmäßige Verfahrensschritte des erfindungsgemäßen Verfahrens sind in den Ansprüchen 2 und 3 angegeben.

Die Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens liegen insbesondere darin, daß je nach Zielsetzung der Optimierung eine Erhöhung der Lebensdauer der Schraubendruckfedern oder eine Reduzierung des Federgewichts erreicht wird.

Anhand der schematischen Zeichnung wird das erfindungsgemäße Verfahren im folgenden näher erläutert.

Unabhängig davon, ob Federelemente warm, kalt oder halbwarm geformt werden, geht das vorliegende Verfahren davon aus, daß die Schraubendruckfedern mit einer aus den vorangehenden Fertigungsschritten 1 wie Härten, Anlassen bzw. Entspannen verbliebenen Restwärme einer Setzpresse 2 über eine Transportstrecke 3 zugeführt werden, von der die Schraubendruckfedern unmittelbar nach dem Setzvorgang über eine Transportstrecke 4 in eine Kugelstrahlanlage 5 weitertransportiert werden, wobei die Kugelstrahlanlage 5 aus mindestens zwei voneinander unabhängigen Strahlkammern 6 und 8, die über eine Transportstrecke 7 verbunden sind, besteht, wobei die Transportstrecken 3 und 4 vor und zwischen den Fertigungszonen Setzpresse 2 bzw. Kugelstrahlanlage 5 so ausgeführt sind, daß die Schraubendruckfeder auf eine vorgegebene Temperatur erwärmt bzw. abgekühlt werden kann. Entscheidend hierbei ist, daß durch die Art der Temperierung ein für den nachfolgenden Fertigungsschritt vorgeschriebenes Temperatur- bzw. Festigkeitsprofil im Stabquerschnitt der Schraubendruckfeder erzeugt wird.

Die Kugelstrahlbehandlung in der ersten Strahlkammer 6 erfolgt in der Regel als Vorkonditionierung der Schraubendruckfeder für die abschließende Kugelstrahlbehandlung in der zweiten Strahlkammer 8, welche mit allen notwendigen Einrichtungen für das Spannungsstrahlen von Schraubendruckfedern ausgerüstet ist.

Unter Vorkonditionierung sind hier alle Maßnahmen zu verstehen, die insbesondere die Tiefenwirkung der Kugelstrahlbehandlung erhöhen.

Nach der Kugelstrahlbehandlung in der zweiten Strahlkammer 8 werden die Schraubenfedern über eine Transportstrecke 9 der Endfertigung 10 zugeführt.

Neben den üblichen Standardmaßnahmen wie der Erhöhung der Strahlenergie (mV²/2) durch Vergrößerung der Strahlmittelgeschwindigkeit und/oder der Strahlmittelmasse, insbesondere des Korndurchmessers, wird das Federelement der ersten Strahlkammer 6 über die Transportstrecke 4 mit einem vom Werkstoff abhängigen Temperatur- bzw. Festigkeitsprofil zugeführt und der Strahlbehandlung unterzogen.

Das Kugelstrahlen wird hierbei, sofern es sich um ein Warmstrahlen handelt, nicht wie in der US-PS 3 205 556 beschrieben als Alternative zum Spannungsstrahlen, zur Minimierung der durch das Spannungsstrahlen hervorgerufenen Form- und Gestaltänderungen der Feder angewendet, sondern als sinnvolle Ergänzung und Vorbereitung des Spannungsstrahlens.

Die Schraubendruckfedern werden nach der Kugelstrahlbehandlung in der ersten Strahlkammer 6 über die Transportstrecke 7 der zweiten Strahlkammer 8 zugeführt, in der die Schraubendruckfedern auf eine vorgegebene Länge oder eine vorgegebene Last vorgespannt werden, und im vorgespannten Zustand einer Kugelstrahlbehandlung ausgesetzt.

Um eine allseitige, möglichst gleichmäßige Bestrahlung sicherzustellen, müssen die Schraubendruckfedern um ihre Mittelachse rotierend oder oszillierend in den "Hot-Spot"-Bereich des Kugelstrahls bewegt werden. Dies kann sowohl in einer zeitabhängigen Taktfolge als auch in einem kontinuierlichen Durchlauf geschehen.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zur Optimierung der Eigenspannungsverteilung im Stabquerschnitt von Schraubendruckfedern mit einer Festigkeit höher als 1800 N/mm², die als Fahrzeugtragfedern dienen, die gesetzt und kugelgestrahlt werden, dadurch gekennzeichnet, daß vor dem Setzen bzw. Kugelstrahlen durch Erwärmung oder Abkühlung ein Temperaturprofil im Stabquerschnitt erzeugt wird.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Temperaturprofil in dem Temperaturbereich erzeugt wird, der lediglich zu einer vorübergehenden Fließgrenzenerniedrigung führt.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Temperaturprofil in dem Temperaturbereich erzeugt wird, der zu einem bleibenden Festigkeitsprofil führt.
  4. 4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das durch das Temperaturprofil bewirkte Festigkeitsprofil vor dem Setzen durch eine zusätzliche Wärmebehandlung vor dem Kugelstrahlen unterschiedlich ausgebildet wird.
  5. 5. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das erzielte Festigkeitsprofil über die Stablänge nicht konstant ausgebildet wird.






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