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Dokumentenidentifikation DE19548009A1 13.06.1996
Titel Verfahren zur selektiven Entfernung anorganischer und/oder organischer Schwefelverbindungen
Anmelder Linde AG, 65189 Wiesbaden, DE
DE-Anmeldedatum 21.12.1995
DE-Aktenzeichen 19548009
Offenlegungstag 13.06.1996
Veröffentlichungstag im Patentblatt 13.06.1996
IPC-Hauptklasse B01D 53/14
IPC-Nebenklasse C01B 3/52   C01B 17/00   C10K 1/08   C07B 63/04   
IPC additional class // C07C 211/09,217/08,319/28  
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur selektiven Entfernung anorganischer und/oder organischer Schwefelverbindungen, insbesondere von H2S, COS, CS2 und/oder Mercaptanen, aus Gasen, die wenigstens eine weitere der Komponeten H2, N2, Ar, CO2, CO und aliphatische Kohlenwasserstoffe enthalten, durch Absorption mit einem physikalisch wirkenden Absorptionsmittel.
Erfindungsgemäß werden als Absorptionsmittel eines oder mehrere C,N,N-substituierte aliphatische tertiäre Oligo-Amine der allgemeinen Formel
<formula>
mit j = 2 bis 50 und mit nj = 1 bis 6 verwendet werden, die wenigstens zwei tertiäre organylsubstituierte Stickstoffatome pro Molekül enthalten, wobei Rc ein Wasserstoffatom oder, ebenso wie R1 und RJ, ausgewählt ist aus den Gruppen der Alkyl-, Dialkylaminoalkyl-, Acylalkyl-, Dialkylaminopolyetherpolyaminoalkyl-, Dialkylamidoalkyl-, Dialkylaminopolyaminoalkyl-, Alkylpolyether- und/oder Dialkylaminopolyetheralkylreste und wobei für j = 2 die Zahl der Alkylsubstituenten kleiner ist als die Gesamtzahl der Substituenten oder wenigstens einer der Substituenten Rc, Rj oder R1 mindestens eine tertiäre Aminogruppe enthält.
Besonders geeignet sind als Absorptionsmittel Pentamethyl-diethylen-triamin, Trimethyl-dimethylaminopropyl-diethylen-diamin und/oder Hexamethyl-triethylen-tetramin. Vorzugsweise wird ein physikalisch wirkendes Absorptionsmittelkomposit eingesetzt, in welchem wenigstens eine Hauptkomponente die Grundstruktur eines der ...

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur selektiven Entfernung anorganischer und/oder organischer Schwefelverbindungen, insbesondere von H&sub2;S, COS, CS&sub2; und/oder Mercaptanen, aus Gasen, die wenigstens eine weitere der Komponenten H&sub2;, N&sub2;, Ar, CO&sub2;, CO und aliphatische Kohlenwasserstoffe enthalten, durch Absorption mit einem physikalisch wirkenden Absorptionsmittel.

Für die selektive Entschwefelung von Gasen, die neben H&sub2;S weitere anorganische Schwefelverbindungen und/oder organische Schwefelverbindungen, wie beispielsweise COS, CS&sub2;, Mercaptane und dergleichen, enthalten können, werden sowohl physikalische als auch chemische Absorptionsverfahren eingesetzt.

Erläuterungen zu den unterschiedlichen Absorptionsverfahren sind zu finden bei:

  • - A.L. Kohl, F.C. Riesenfeld: "Gas Purification", 4th ed., Gulf Publishing Co., Houston/Texas (1985),
  • - S.A. Newman (Editor): "Acid and Sour Gas Treating Processes", Gulf Publishing Co., Houston/Texas (1985), sowie bei
  • - R.N. Maddox: "Gas Conditioning and Processing", Vol. IV, Campbell Petroleum Series, Norman/Oklahoma (1982).


Bei den physikalischen Absorptionsverfahren werden aufgrund unterschiedlicher spezifischer physikalischer zwischenmolekularer Wechselwirkungen zwischen einzelnen funktionellen Gruppen des Absorptionsmittels oder des Absorptionsmittelmoleküls in seiner strukturellen Zusammensetzung als Ganzem bevorzugt einzelne Gaskomponenten aus Gasgemischen ausgewaschen. Das spezifische Löslichkeitsverhalten wird auch durch die unterschiedliche Anordnung gleicher funktioneller Gruppen im Absorptionsmittelmolekül beeinflußt, da unterschiedliche Nachbarschaften der funktionellen Gruppen eine Elektronenkonfiguration bedingen. In diesen Prozessen werden die wichtigsten Verfahrensschritte, d. h. die Absorption der auszuwaschenden Stoffe und die Regenerierung des Absorptionsmittels, durch das spezifische physikalische Löslichkeitsverhalten der einzelnen Gaskomponenten bestimmt.

Als physikalisch wirkende Absorptionsmittel werden bei den bekannten Verfahren neben anderen beispielsweise Methanol, N-Methylpyrrolidon (NMP) und Polyethylenglykoldialkylether (PGE) eingesetzt.

Im Patent EP-B 0033401, sowie der Anmeldung EP-A 0 124835 sind darüber hinaus Verfahren zur Entfernung von H&sub2;S, COS und CO&sub2; aus Gasen mittels N-alkylierter Diamine beschrieben.

Die Sauergasentfernung mittels chemischer Absorption beruht auf einem vollkommen anderen Prinzip. So wird dort bei der Sauergasabtrennung ausgenutzt, daß zwischen einzelnen Lösungsmittelkomponenten und den auszuwaschenden Sauergasbestandteilen spezifische chemische bzw. elektrolytische Reaktionen ablaufen. Bei diesen Prozessen sind somit neben den physikalischen, chemischen und elektrolytischen Gleichgewichten die Kinetik und die Transportvorgänge die dominierenden Größen.

Bei selektiven chemischen Absorptionsverfahren werden bei den bekannten Verfahren für die selektive Entschwefelung bevorzugt tertiäre Amine, z. B. Methyldiethanolamin (MDEA), in wäßrigen Lösungen verwendet, wobei üblicherweise ein Wassergehalt größer als 40 Gew.-% vorliegt.

Es ist auch bekannt, die Schwefelkomponenten durch sowohl physikalische als auch chemisch wirkende Absorptionsverfahren, sog. Hybridwäschen, zu entfernen. Dieser Absorptionstyp macht sich die Vorteile der chemischen wie auch der physikalischen Absorption zunutze. So können beispielsweise durch die Anwesenheit rein physikalisch wirkender Absorptionsmittelkomponenten auch organische Schwefelverbindungen ausgewaschen werden, was bei einer rein chemischen Absorption nur bedingt möglich ist.

Zur Erhöhung der Selektivität zwischen CO&sub2; und H&sub2;S wird bei diesen Prozessen unter anderem die Tatsache spezifisch ausgenutzt, daß in wäßrigen Lösungen die elektrolytischen und chemischen Reaktionen von CO&sub2; teilweise kinetisch gehemmt sind und wesentlich langsamer ablaufen als die von H&sub2;S. Da jedoch H&sub2;S bis auf einen Restgehalt von wenigen ppm ausgewaschen werden muß, werden normalerweise 20 bis 30% des in Rohgas enthaltenen CO&sub2; mitausgewaschen.

Bei den bekannten physikalischen Absorptionsmitteln besteht ein wesentlicher Nachteil darin, daß neben H&sub2;S und schweren flüchtigen Schwefelkomponenten (beispielsweise Mercaptane, CS&sub2; etc.) ein beträchtlicher Teil des CO&sub2; sowie höhere Kohlenwasserstoffe mitausgewaschen werden. Eine wenigstens teilweise Abtrennung dieser mitausgewaschenen Stoffe von den Schwefelkomponenten ist meistens erforderlich, um eine schwefelreiche Fraktion zu erhalten, mit der die Umwandlungsreaktionen zu elementarem Schwefel problemlos durchgeführt werden können. Dies hat in vielen Fällen eine Komplizierung des Absorptionsprozesses und einen Anstieg der Verbrauchs- und der Investitionskosten zur Folge. Entsprechend dem Dampfdruck des Absorptionsmittels enthält sowohl das gereinigte Produktgas als auch die Schwefelkomponentenfraktion unerwünschte Absorptionsmittelbestandteile, die einerseits den Betriebsmittelbedarf erhöhen und andererseits eventuell störende Verunreinigungen im Produktgas darstellen.

Die wichtigsten Nachteile bei chemischen Absorptionsverfahren bestehen darin, daß die Selektivität zwischen H&sub2;S und CO&sub2; gering ist und der Energieverbrauch bei der Regenerierung des beladenen Absorptionsmittels verhältnismäßig hoch ist. Außerdem ist bei chemischen Absorptionsverfahren die Beladung des Absorptionsmittels vom chemischen Gleichgewicht abhängig. Da die chemischen Gleichgewichte nur wenig vom Druck abhängen, werden die chemischen Absorptionsverfahren bevorzugt bei niedrigen Drücken eingesetzt.

Bei schwefelhaltigen, unter Druck stehenden Synthesegasen mit einem höherem CO&sub2;- Gehalt, bei denen CO&sub2; im gereinigten Gas verbleiben kann oder soll und die Schwefelkomponenten bis auf wenige ppm entfernt werden sollen, ist der Einsatz physikalischer Absorptionsverfahren gegenüber chemischen Absorptionsverfahren wesentlich vorteilhafter.

Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, für die selektive Entschwefelung von Gasen ein Absorptionsmittel zur Verfügung zu stellen, welches einerseits eine gute Selektivität zwischen H&sub2;S und CO&sub2; aufweist und andererseits die Möglichkeit bietet, auch COS und organische Schwefelverbindungen zu entfernen, und das weiterhin einen niedrigen Dampfdruck besitzt, so daß die Absorption nahe an der Umgebungstemperatur betrieben werden kann.

Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß als Absorptionsmittel eines oder mehrere C,N,N-substituierte aliphatische tertiäre Oligo-Amine der allgemeinen Formel



mit j=2 bis 50 und mit nj = 1 bis 6 verwendet werden, die wenigstens zwei tertiäre organylsubstituierte Stickstoffatome pro Molekül enthalten, wobei Rc ein Wasserstoffatom oder, ebenso wie R&sub1; und Rj, ausgewählt ist aus den Gruppen der Alkyl-, Dialkylaminoalkyl-, Acylalkyl-, Dialkylaminopolyetherpolyaminoalkyl-, Dialkylamidoalkyl-, Dialkylaminopolyaminoalkyl-, Alkylpolyether- und/oder Dialkylaminopolyetheralkylreste und wobei für j=2 die Zahl der Alkylsubstituenten kleiner ist als die Gesamtzahl der Substituenten oder wenigstens einer der Substituenten Rc, Rj oder R&sub1; mindestens eine tertiäre Aminogruppe enthält.

Im Vergleich zu den bekannten Diaminen zeigen die Vertreter der erfindungsgemäßen Absorptionsmittel überraschenderweise eine erhöhte Selektivität gegenüber Schwefelkomponenten. Es hat sich gezeigt, daß die vergrößerte Anzahl der organylsubstituierten Stickstoffatome zu diesem Effekt wesentlich beitragen.

Da es sich bei den erfindungsgemäßen Absorptionsmittel um physikalisch wirkende Waschmittel handelt, müssen alle Stickstoffatome in tertiärer Form vorliegen. Dies ist insbesondere für Substituenten zu beachten, in denen Aminogruppen enthalten sind.

Die Zahl der Kohlenstoffatome in der Kette zwischen den tertiären Stickstoffatomen sollte erfindungsgemäß möglichst klein sein.

Für die möglichen Substituenten an den Ketten-Kohlenstoffatomen gelten die gleichen Bedingungen wie vorstehend erläutert.

Für den Spezialfall j=2 der allgemeinen Formel gilt, daß wenigstens einer der Organylsubstituenten Rj=2 oder R&sub1; eines Stickstoffatoms und/oder eines Kohlenstoffatoms Rc des Alkylrestes mindestens eine tertiäre Aminogruppe enthält oder die Anzahl an Alkylsubstituenten geringer ist als deren Gesamtzahl. Besonders günstig ist, wenn für die obige Bedingung keiner der möglichen Substituenten ein Alkylrest ist, sondern die Substituenten am Stickstoff aus den übrigen der vorgenannten Reste ausgewählt werden.

Durch gezielte Substitution an den Stickstoffatomen und/oder den Kohlenstoffatomen der Alkylkette können die Absorptionseigenschaften, ausgehend von der Grundstruktur, so verändert werden, daß sie an spezielle Randbedingungen des Absorptionsprozesses optimal angepaßt sind. Derartige Randbedingungen sind beispielsweise vorgegeben durch die Zusammensetzung des zu behandelnden Rohgases, dessen Temperatur, die Weiterverarbeitung der gewonnenen schwefelhaltigen Fraktion, oder beispielsweise die Temperatur der Regenerierung.

Demgemäß werden die Substituenten an den Kohlenstoffatomen und den Stickstoffatomen entsprechend den gewünschten Eigenschaften des Absorptionsmittels ausgewählt. Die Organylsubstituenten Rj, R&sub1;, sowie Rc können gleich oder unterschiedlich gewählt werden (vergleiche Tabellen 1 und 2).

Allgemein werden bei den Substituenten solche bevorzugt, die kurzkettig sind. Dies gilt insbesondere für die Alkyl-, Dialkylaminoalkyl- sowie Dialkylaminopolyaminoalkylreste, deren Polymethylen- und Alkylreste vorteilhaft drei Kohlenstoffatome nicht wesentlich übersteigen sollten.

Die nachfolgende Tabelle 1 zeigt die erfindungsgemäßen Organylsubstituenten Rj und/oder R&sub1; für die tertiären Stickstoffatome und Tabelle 2 die erfindungsgemäßen Organylsubstituenten Rc für die Kohlenstoffatome des Alkylrestes. Tabelle 1

Tabelle 2



Alle nach der allgemeinen Formel mit den erfindungsgemäßen Substituenten dargestellten Absorptionsmittel erbringen gegenüber dem Stand der Technik bessere Absorptionseigenschaften.

Mit besonderem Vorteil eignen sich jedoch folgende Verbindungen im Rahmen der Erfindung als Absorptionsmittel: I. N,N,N&min;,N&min;&min;,N&min;&min;-Pentamethyl-diethylen-triamin [N,N,N&min;-Trimethyl-N&min;-dimethylaminoethyl-ethylendiamin]



und II. N,N,N&min;-Trimethyl-N&min;-dimethylaminopropyl-ethylendiamin



und III. N,N,N&min;,N&min;&min;,N&min;&min;-Tetramethyl-N&min;&min;-dimethylamoniethyl-diethylentriamin [N,N,N&min;-Trimethyl-N&min;-methyl(dimethylaminoethyl)aminoethyl-diethylend-iamin; N,N,N&min;,N&min;&min;,N&min;&min;&min;,N&min;&min;&min;,-Hexamethyl-triethylen-tetramin]



Da die Nomenklatur der Oligo-Amine nicht eindeutig ist, werden zur Vereinfachung im weiteren folgende Bezeichnungen benutzt werden:

I. = Pentamethyl-diethylen-triamin,

II. = Trimethyl-dimethylaminopropyl-diethylen-diamin und

III. = Hexamethyl-triethylen-tetramin.

Gemäß einer besonderen Weiterbildung der Erfindung können die erfindungsgemäßen Absorptionsmittel nicht nur als Einzelkomponenten eingesetzt werden, sondern auch in einem physikalisch wirkenden Absorptionsmittelkomposit enthalten sein, in welchem wenigstens eine Komponente ein Absorptionsmittel des erfindungsgemäßen Typs ist.

Der Einsatz eines Absorptionsmittelkomposits bietet oft den Vorteil, daß die Eigenschaften des zur Anwendung kommenden Absorptionsmittelgemisches speziell auf die jeweiligen spezifischen Trennaufgaben abgestimmt werden können. Weiterhin besteht dadurch die Möglichkeit, jene als Absorptionsmittel klassifizierten Oligo-Amine, welche unter den Verfahrensbedingungen in fester oder hochviskoser Form vorliegen, in Lösung für die selektive Entschwefelung mittels physikalischer Absorption zu verwenden. Hierbei wird die Konzentration der festen Komponenten so gewählt, daß sie bei den Verfahrensbedingungen stets in Lösung verbleiben.

Die erfindungsgemäßen Absorptionsmittel sind anwendbar in allen physikalischen Absorptionsverfahren, die auf eine Auswaschung von Schwefelverbindungen, speziell von H&sub2;S, abzielen, während CO&sub2; im gewaschenen Produktgas verbleiben kann oder soll. Das bedeutet, daß die erfindungsgemäßen Absorptionsmittel eine gute Selektivität zwischen Schwefelverbindungen und CO&sub2; besitzen. Ebenso eignen sie sich dazu schwerer flüchtige Schwefelverbindungen wie Mercaptane oder CS&sub2; auszuwaschen, wobei dann die Regenerierung des beladenen Absorptionsmittels entsprechend angepaßt werden muß.

Gegenüber den bekannten Absorptionsmitteln ergeben die erfindungsgemäßen Absorptionsmittel verminderte Verbrauchszahlen.

Die auf der Basis der erfindungsgemäßen Grundstrukturen aufgebauten Absorptionsmittel und Absorptionsmittelkomposite enthalten, wie bei physikalischen Absorptionsmitteln üblich, vorzugsweise möglichst wenig Wasser. Der Wasseranteil sollte je nach Absorptionsmittel maximal 5 Gew.-% betragen, bevorzugt werden jedoch 0,1 bis 3 Gew.-%.

Da in den meisten Fällen die von Schwefelkomponenten zu reinigenden Gase Wasser enthalten, wird dieses bei einer Absorption mit den erfindungsgemäßen Absorptionsmitteln ebenfalls weitgehend entfernt. Eine vorherige, weitgehende Entfernung des Wasseranteils aus dem Rohgas ist daher nicht notwendig. In manchen Fällen ist diese sogar unerwünscht, da das im beladenen Absorptionsmittel mitgelöste Wasser in der Regenerierung als Strippgas wirkt.

Die erfindungsgemäßen Absorptionsmittel sind geeignet, um unter Druck stehende Schwefelkomponenten enthaltende Rohgase zu behandeln, wobei der Druck in der Waschsäule zwischen 10 und 120 bar absolut, mit Vorzug zwischen 15 und 60 bar absolut, liegt.

Um die erfindungsgemäßen Absorptionsmittel hierbei vorteilhaft einsetzen zu können, sollte die Temperatur der Absorption zwischen 0°C und 80°C, bevorzugt zwischen 0°C und 50°C, liegen.

Die erfindungsgemäßen Absorptionsmittel können zur Reinigung von Rohgasen mit beliebigem H&sub2;S-Gehalt herangezogen werden. Besonders günstig ist, wenn der H&sub2;S- Anteil zwischen 0,1 und 10 mol-% beträgt. Mit besonderem Vorzug sollte das Rohgas 0,3 bis 5 mol-% H&sub2;S enthalten.

Der Gehalt an CO&sub2; im Rohgas kann ebenfalls beliebige Werte annehmen, vorzugsweise sollte er jedoch zwischen 2 und 25 mol-% liegen.

Unter den genannten Voraussetzungen können mit den erfindungsgemäßen Absorptionsmitteln H&sub2;S-Gehalte im gereinigten Produktgas erreicht werden, die im Bereich weniger ppm liegen.

Im folgenden wird die Anwendung der erfindungsgemäßen Absorptionsmittel am Beispiel von Fig. 1 näher erläutert. Hierbei zeigt

Fig. 1 ein beispielhaftes Verfahrensschema zur Anwendung der erfindungsgemäßen Absorptionsmittel.

Bei dem Verfahren gemäß Fig. 1 wird beispielsweise ein H&sub2;S enthaltendes Rohgas von 30 bar und 40°C über Leitung 1 herangeführt und im Wärmetauscher E&sub1; gegen kaltes Produktgas in der Leitung 3 auf 20°C abgekühlt. Dabei auskondensierendes Wasser wird im Abscheider D&sub1; abgetrennt. Über Leitung 2 wird das zu reinigende Rohgas in die Absorptionssäule T&sub1; eingespeist, wo es in Kontakt mit dem Absorptionsmittel gebracht wird. Vor Eintritt in die Absorptionskolonne T&sub1; wird das regenerierte Absorptionsmittel im Wärmetauscher E&sub5; auf 0°C abgekühlt. Bei diesem Temperaturniveau ist auch gewährleistet, daß innerhalb der Absorptionskolonne T&sub1; Wasser nicht als Eis in fester Form ausfallen kann. Am Kopf der Absorptionskolonne T&sub1; wird über Leitung 3 ein Produktgas abgezogen, welches nahezu vollständig von H&sub2;S befreit ist. Das Produktgas wird mit einem spezifizierten Gehalt von 10 ppm H&sub2;S im Wärmetauscher E&sub1; gegen abzukühlendes Rohgas erwärmt und steht zu einer weiteren Verwendung zur Verfügung.

Das aus dem Sumpf der Absorptionssäule T&sub1; über Leitung 5 abgezogene beladene Absorptionsmittel enthält neben dem ausgewaschenen H&sub2;S auch andere Komponenten des Rohgases entsprechend deren physikalischen Löslichkeiten im Absorptionsmittel. Diese mitgelösten Gase werden nach einer Zwischenentspannung auf 3,3 bar im Abscheider D&sub2; weitgehend aus dem Absorptionsmittel entfernt (Flashverdampfung) und über Leitung 6 mit dem im Verdichter C&sub1; auf einen Druck von 3,3 bar verdichteten, hydrierten "Claus-Off-Gas" 13 vermischt und nach weiteren Kompressionen im Verdichter C&sub2; auf 10 bar und nach Abkühlung im Wärmetauscher E&sub9; bzw. nach einer weiteren Druckerhöhung im Verdichter C&sub3; auf den Rohgasdruck von 30 bar und nach Abkühlung im Wärmetauscher E&sub3; über Leitung 14 dem Rohgas in Leitung 1 zugeführt.

Das verbleibende beladene Absorptionsmittel wird aus dem Abscheider D&sub2; über Leitung 7 abgezogen und auf 1,5 bar entspannt, wobei bereits ein Teil des H&sub2;S sowie die Hauptmenge an noch gelöstem CO&sub2; ausgast und im Abscheider D&sub3; gasförmig über Leitung 9 abgetrennt wird.

Das noch schwach mit H&sub2;S beladene Absorptionsmittel wird im Wärmetauscher E&sub6; mit regeneriertem Absorptionsmittel aus Leitung 4 und im Wärmetauscher E&sub7; mit Dampf auf 11 5°C angewärmt und einem oberen Bereich der Regeneriersäule T&sub2; zugespeist. Im unteren Bereich der Regeneriersäule T&sub2; wird Stickstoff als Strippgas zugegeben und damit das restliche gelöste CO&sub2; und H&sub2;S abgestrippt, so daß am Sumpf der Regenerierkolonne T&sub2; über Leitung 4 ein von den gelösten Komponenten befreites Absorptionsmittel abgezogen werden kann. Dieses regenerierte Absorptionsmittel in Leitung 4 kann zur erneuten Auswaschung in die Absorptionskolonne T&sub1; zurückgeführt werden. Das am Kopf der Regenerierkolonne T&sub2; abgezogene Sauergas 10 wird mit dem aus dem Abscheider D&sub3; kommenden Flashgas in Leitung 9 vermischt und im Wärmetauscher E&sub8; auf 0°C abgekühlt, wobei die Hauptmenge des Absorptionsmitteldampfes auskondensiert. Im dem dem Wärmetauscher E&sub8; nachgeschalteten Abscheider D&sub4; wird das Kondensat über Leitung 11 abgezogen und dem beladenen Absorptionsmittel in Leitung 7 vor dem Abscheider D&sub3; zugemischt. Das von Absorptionsmittelanteilen befreite Sauergas der Leitung 12 wird in eine Claus-Anlage C geleitet, wo unter Zugabe von Sauerstoff elementarer Schwefel erzeugt wird. Das hydrierte "Claus-Off-Gas" (Abgas aus der Claus-Anlage C) aus Leitung 13, welches noch Schwefelanteile enthält, wird nach Verdichtung im Verdichter C&sub1; und nach Abkühlung im Wärmetauscher E&sub1;&sub0; dem Flashgas aus dem Abscheider D&sub2; in der Leitung 6 zugegeben.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zur selektiven Entfernung anorganischer und/oder organischer Schwefelverbindungen, insbesondere von H&sub2;S, COS, CS&sub2; und/oder Mercaptanen, aus Gasen, die wenigstens eine weitere der Komponenten H&sub2;, N&sub2;, Ar, CO&sub2;, CO und aliphatische Kohlenwasserstoffe enthalten, durch Absorption mit einem physikalisch wirkenden Absorptionsmittel, dadurch gekennzeichnet, daß als Absorptionsmittel eines oder mehrere C,N,N-substituierte aliphatische tertiäre Oligo-Amine der allgemeinen Formel



    mit j=2 bis 50 und mit nj = 1 bis 6 verwendet werden, die wenigstens zwei tertiäre organylsubstituierte Stickstoffatome pro Molekül enthalten, wobei Rc ein Wasserstoffatom oder, ebenso wie R&sub1; und Rj, ausgewählt ist aus den Gruppen der Alkyl-, Dialkylaminoalkyl-, Acylalkyl-, Dialkylaminopolyetherpolyaminoalkyl-, Dialkylamidoalkyl-, Dialkyl-aminopolyaminoalkyl-, Alkylpolyether- und/oder Dialkylaminopolyetheralkylreste und wobei für j=2 die Zahl der Alkylsubstituenten kleiner ist als die Gesamtzahl der Substituenten oder wenigstens einer der Substituenten Rc, Rj oder R&sub1; mindestens eine tertiäre Aminogruppe enthält.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß für j=2 keiner der Organylsubstituenten Rj=2 und R&sub1; eines Stickstoffatoms ein Alkylrest ist.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 11 dadurch gekennzeichnet, daß als Absorptionsmittel Pentamethyl-diethylen-triamin, Trimethyl-dimethylaminopropyl-diethylen-diamin und/oder Hexamethyl-triethylen-tetramin eingesetzt wird.
  4. 4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Absorptionsmittel als Absorptionsmittel bei einem Druck in der Absorptionssäule zwischen 10 bar und 120 bar absolut, bevorzugt zwischen 15 und 60 bar absolut, eingesetzt wird.
  5. 5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Absorptionsmittel bei einer Absorptionstemperatur zwischen 0°C und 80°C, bevorzugt zwischen 0°C und 50°C, eingesetzt wird.
  6. 6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß mit dem Absorptionsmittel Rohgase mit einem H&sub2;S-Gehalt von 0,1 bis 10 mol-%

    bevorzugt 0,3 bis 5 mol-%, gewaschen werden.
  7. 7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß der H&sub2;O-Gehalt im Absorptionsmittel bis zu 5 Gew.-%, bevorzugt zwischen 0,1 und 3 Gew.-%, beträgt.
  8. 8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß ein physikalisch wirkendes Absorptionsmittelkomposit eingesetzt wird, in welchem wenigstens eine Hauptkomponente die Grundstruktur eines der in den vorangehenden Ansprüchen genannten Oligo-Amins aufweist.






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