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Dokumentenidentifikation DE19522286A1 09.01.1997
Titel Läuteantrieb für eine Glocke
Anmelder Wölfel, Horst, Prof. Dr.-Ing., 97204 Höchberg, DE
Erfinder Böcking, Jörg, Dipl.-Ing., 64297 Darmstadt, DE
Vertreter U. Knoblauch und Kollegen, 60320 Frankfurt
DE-Anmeldedatum 20.06.1995
DE-Aktenzeichen 19522286
Offenlegungstag 09.01.1997
Veröffentlichungstag im Patentblatt 09.01.1997
IPC-Hauptklasse G10K 1/34
IPC-Nebenklasse H02P 5/00   F16F 15/00   
Zusammenfassung Es wird ein Läuteantrieb (1) für eine Glocke (2) mit einer Antriebseinrichtung (6) angegeben.
Mit einem derartigen Läuteantrieb soll verhindert werden, daß die Lagerkräfte der Glocke zu einem Aufschwingen des Glockenturmes führen.
Hierzu steuert die Antriebseinrichtung (6) die Glockenbewegung permanent.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft einen Läuteantrieb für eine Glocke mit einer Antriebseinrichtung.

Zum Läuten werden Glocken in eine pendelnden Bewegung versetzt. Im eingeschwungenen Zustand schlägt dann ein Klöppel, der inmitten der Glocke aufgehängt ist, an den Glockenmantel an. Die Glocken sind in der Regel in Türmen aufgehängt, damit sie möglichst weit gehört werden. Die wohl größte Verbreitung haben Glocken in Kirchtürmen gefunden.

Bei der Pendelbewegung entstehen horizontale und vertikale Lagerkräfte, die über die Glockenlagerung auf den Glockenturm übertragen werden. Diese Lagerkräfte wirken dementsprechend periodisch mit der Pendelfrequenz der Glocke auf den Turm. Dies führt dann zu einem kritischen Zustand, wenn die Biege-Eigenfrequenz des Glockenturms mit der Pendelfrequenz der Glocke oder einem Vielfachen davon übereinstimmt. Allerdings treten Fälle, in denen die Biege-Eigenfrequenz des Glockenturms mit der Grundfrequenz der Pendelbewegung der Glocke übereinstimmt, nur relativ selten auf.

Allerdings werden Glocken im allgemeinen mit einem relativ großen Läutewinkel geläutet, der in der Regel zwischen 60° und 90° liegt, in einzelnen Fällen sogar darüber. Aufgrund der geometrischen Nichtlinearität enthalten die Lagerkräfte auch Anteile mit Vielfachen der Pendelfrequenz, d. h. höhere Harmonische. Dabei sind in den horizontalen Lagerkräften ungeradzahlige Vielfache der Pendelfrequenz enthalten, während bei den vertikalen Lagerkräften nur geradzahlige Vielfach der Pendelfrequenz vorkommen. Neben den horizontalen Lagerkräften führen bei exzentrischer Glockenlagerung auch die vertikalen Lagerkräfte zu Horizontalverschiebungen am Turm. Im Resonanzfall einer Harmonischen der Lagerkraft mit der ersten Biegeeigenfrequenz des Turmes kann es zu starken Schwingungen kommen. Diese Schwingungen können zu Rißbildungen oder sogar zur Zerstörung des Turmes führen.

Diese Erscheinung an sich ist bekannt. Zur Behebung dieses Problems hat man eine Reihe von Lösungen vorgeschlagen. So ist aus DE-AS 12 11 517 eine Armatur für Turmglocken bekannt, die eine elastische Zwischenschicht zwischen Glocke und Joch, d. h. der Lagerung der Glocke, aufweist. Ferner kann man hier ein verstellbares Gegengewicht anbringen oder den Klöppel verstellen.

DE-OS 24 30 031 offenbart eine Vorrichtung zur Vermeidung der Übertragung von Horizontalschubkräften schwingender Kirchenglocken, bei der die Glockenaufhängung auf einem Wagen angeordnet ist, der auf einer Schiene verfahrbar ist, wobei die Schiene ihrerseits wiederum auf Rollen gelagert ist und sich seitlich bewegen kann.

DE-OS 23 41 878 zeigt ein Glockenjoch mit Beschleunigungsbremse und Schwingfederlagerung, bei der die Glockenpendelbewegung gebremst wird, wenn sich die Pendelfrequenz einem kritischen Wert nähert.

DE-AS 15 16 511 zeigt ein ähnliches Glockenjoch.

DE 33 23 936 C1 beschreibt ein Verfahren zur Begrenzung der Schwingungsbelastung eines eine Glocke oder ein aus mehreren Glocken kombiniertes Geläut enthaltenden Glockenturms und eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens, bei der der Antrieb abgeschaltet wird, sobald sich die Glockenpendelfrequenz einem kritischen Wert nähert.

Die Glocken sind im allgemeinen auf eine bestimmte Pendelfrequenz und auf einen bestimmten Läutewinkel hin ausgelegt. Auch die Klöppellänge und damit der Anschlagpunkt des Klöppels am Glockenmantel ist vom Glockenbauer vorherbestimmt, weil damit ein bestimmter Klangeffekt erzeugt werden soll. So beeinflußt beispielsweise die Pendelbewegung der Glocke den Dopplereffekt, der auf den Klang einer Glocke einen wesentlichen Einfluß hat. Jegliche Veränderung des Läutewinkels oder der Pendelfrequenz können sich daher nachteilig auf den Klang der Glocke auswirken.

Diese und die folgenden Betrachtungen gelten selbstverständlich auch für ein Geläut, das aus mehreren Glocken besteht. Gegebenenfalls muß hierbei jede Glocke einzeln analysiert werden.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Läuteantrieb so auszubilden, daß die Gefahr für den Glockenturm geringer wird.

Diese Aufgabe wird bei einem Läuteantrieb der eingangs genannten Art dadurch gelöst, daß die Antriebseinrichtung die Glockenbewegung permanent steuert.

Bei den bisher bekannten Glockenantrieben hat man die manuelle Läutetechnik nahezu unverändert übernommen. Wenn in früheren Zeiten die Glocke geläutet wurde, bekam sie etwa im Bereich ihres Nulldurchganges einen Impuls, der beispielsweise durch einen Zug am Läuteseil aufgebracht wurde. Die heute bekannten Glockenantriebe arbeiten ähnlich. Der Antriebsmotor tritt nur kurzzeitig in Aktion, nämlich dann, wenn die Glocke den Nulldurchgang ihrer Pendelbewegung durchläuft. Im eingeschwungenen Zustand reicht dieser kurze Impuls aus, um die Verluste, die beispielsweise durch Lagerreibung oder Luftwiderstand hervorgerufen werden, auszugleichen. Man war bisher der Auffassung, daß mit dieser kurzen Anregung der Glocke die ideale Glockenbewegung, d. h. ein freies Schwingen der Glocke, am besten nachgebildet werden kann. Messungen und Berechnungen haben jedoch ergeben, daß sich bei dieser Anregung ein freies Schwingen nicht ergibt.

Erfindungsgemäß wird nun die Glockenbewegung permanent gesteuert. Die Verluste durch Lagerreibung und Luftwiderstand, die sich während der gesamten Glockenbewegung ergeben, können damit unmittelbar ausgeglichen werden. Man kann daher die Pendelbewegung wesentlich besser einer Bewegung anpassen, deren störenden Oberwellen so verändert werden können, daß bereits hierdurch eine gewisse Verminderung der Oberwellen der Horizontalkraft erfolgt. Die Gefahr, daß sich der Glockenturm aufgrund dieser Oberwellen der Horizontalkraft aufschwingt und dadurch beschädigt wird, wird vermindert. Die Maßnahmen, die hierzu zu treffen sind, sind relativ einfach. Die Pendelbewegung der Glocke kann mit der gewünschten Frequenz und dem gewünschten Läutewinkel erfolgen, so daß das Klangbild der Glocke den Vorstellungen des Glockenmachers entspricht.

Besonders bevorzugt ist, daß die Antriebseinrichtung die Glocke innerhalb einer Pendelperiode sowohl antreibt als auch bremst. Im Gegensatz zu den bisher bekannten Antrieben, die die Glocke nur beschleunigt haben, ist die Antriebseinrichtung hierbei auch dazu ausgelegt, die Glocke innerhalb der Pendelperiode zu bremsen. Gegenüber einer Bremse, wie sie beispielsweise aus DE-AS 15 16 511 bekannt ist, hat diese Art der Bewegungssteuerung jedoch den Vorteil, daß die Bremsabschnitte auf bestimmte Bewegungsabschnitte innerhalb der Pendelbewegung begrenzt werden. Da die Glocke durch den gleichen Antrieb angetrieben wird, der auch die Bremsung verursacht, wird die Glocke also entweder nur angetrieben oder nur gebremst. Dies hält die Antriebsleistung gering und gestattet darüber hinaus auch, daß die Pendelfrequenz und der gewünschte Läutewinkel beibehalten werden kann.

Hierbei ist besonders bevorzugt, daß die Antriebseinrichtung der Glocke eine Winkelgeschwindigkeit entsprechend einer vorgegebenen Funktion aufzwingt. Diese Funktion kann nun so gewählt werden, daß die höhere kritische Harmonische oder die höheren kritischen Harmonischen der Lagerkraft ganz oder teilweise verschwinden. Die Gefahr, daß der Glockenturm durch Biegeschwingungen beschädigt wird, ist damit außerordentlich gering.

Vorteilhafterweise ist ein Winkelsensor vorgesehen, der die Winkellage der Glocke ermittelt und die Antriebseinrichtung weist einen Motor und einen Drehzahl-Regler auf, der mit dem Winkelsensor verbunden ist und die Drehzahl des Motors in Abhängigkeit von der Winkellage regelt. Damit läßt sich die Winkelgeschwindigkeit der Glocke, die proportional zur Drehzahl des Motors ist, in Abhängigkeit von der Winkellage der Glocke einstellen. Der Antrieb gleicht damit nicht nur Verluste aus, die durch die Glockenbewegung entstehen. Er nimmt in jeder Winkellage Einfluß auf die Bewegung der Glocke, d. h. auf ihre Winkelgeschwindigkeit. Wenn die Winkelgeschwindigkeit der Glocke auf diese Weise von ihrer Winkellage abhängig gemacht wird, läßt sich eine Pendelbewegung realisieren, die ihrerseits zu drastisch verminderten störenden oder kritischen Harmonischen bei der Lagerkraft führt. Bei einer optimalen Auslegung können diese Harmonischen sogar vollständig verschwinden.

Vorzugsweise ist der Winkelsensor über einen Kennfeldgeber mit dem Drehzahlregler verbunden. Der Kennfeldgeber ermittelt für jeden Winkel, der ihm vom Winkelsensor übermittelt wird, die Sollgeschwindigkeit der Glocke bzw. die Solldrehzahl des Motors und gibt diese als Sollwert an den Drehzahlregler weiter. Dieser regelt die Drehzahl des Motors so, daß die gewünschte Sollgeschwindigkeit der Glocke eingestellt wird.

Vorzugsweise vermindert die Antriebseinrichtung die Winkelgeschwindigkeit der Glocke im Bereich ihres Nulldurchgangs gegenüber einer freien Bewegung. Bei einer freien Bewegung ist die Winkelgeschwindigkeit der Glocke im Bereich des Nulldurchgangs am größten. Setzt man nun die Geschwindigkeit an dieser Stelle herab, kann man beobachten, daß sich die höheren Harmonischen, insbesondere die dritte Oberschwingung aber auch die fünfte Oberschwingung, der Horizontalkraft vermindert. Das gleiche gilt für die vierte und sechste Harmonische der Vertikalkraft.

Auch ist bevorzugt, daß die Antriebseinrichtung die Winkelgeschwindigkeit der Glocke in einem Bereich, der der maximalen Auslenkung der Glocke benachbart ist, gegenüber einer freien Bewegung erhöht. Man erreicht hiermit einen Ausgleich für die verminderte Geschwindigkeit der Glocke im Bereich des Nulldurchgangs, so daß trotz der Abbremsung der Glocke die gleiche Pendelfrequenz beibehalten werden kann.

Vorzugsweise vermittelt die Antriebseinrichtung der Glocke die größte Winkelgeschwindigkeit außerhalb des Nulldurchgangs. Man kann, insbesondere bei größeren Läutewinkeln, sogar zwei ausgeprägte Maxima der Winkelgeschwindigkeit beobachten, die in Schwingungsrichtung gesehen auf beiden Seiten des Nulldurchgangs symmetrisch angeordnet sind. Bei dieser Ausgestaltung ergibt sich dann im Nulldurchgang ein relatives Minimum der Winkelgeschwindigkeit der Glocke. Mit einem derartigen Geschwindigkeitsprofil kann man die höheren Harmonischen der Horizontalkraft stark vermindern oder sogar zu Null machen.

Bevorzugterweise überlagert die Antriebseinrichtung der Grundschwingung der Glockenbewegung eine dritte und/ oder fünfte Harmonische mit negativem Koeffizienten. Man kann die Koeffizienten der dritten und gegebenenfalls der fünften Harmonischen der Glockenbewegung so bestimmen, daß von der dritten und der fünften Harmonische der Horizontalkraft und der vierten und sechsten Harmonische der Vertikalkraft ein oder zwei Harmonische so reduziert werden, daß sie keine Rolle mehr spielen. Im Idealfall können sie sogar zu Null gemacht werden. Zur Bestimmung stellt man die Glockenbewegung als eine Reihe dar, die aus der Grundschwingung der Pendelfrequenz und höheren Harmonischen besteht. Die Koeffizienten dieser Reihe lassen sich für jeden Läutewinkel so bestimmen, daß die störenden Koeffizienten der Lagerkräfte in ausreichendem Maße vermindert werden. Die Bestimmung kann rechnerisch, durch Simulation oder experimentell erfolgen. Sobald die unbekannten Koeffizienten für die erste, die dritte und gegebenenfalls die fünfte Harmonische der Glockenbewegung gefunden worden sind, läßt sich hieraus ein Kennlinienfeld erzeugen oder dem Regler eine entsprechende Rechenvorschrift mitteilen.

Die Erfindung wird im folgenden anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels in Verbindung mit der Zeichnung beschrieben. Hierin zeigen:

Fig. 1 eine schematische Darstellung eines Läuteantriebs,

Fig. 2 ein Vergleich zwischen einer freien und einer erzwungenen Glockenbewegung für einen Läutewinkel von 90°,

Fig. 3 ein Kennlinienfeld zum Zusammenhang zwischen normierter Winkelgeschwindigkeit und Auslenkung der Glocke für den Läutewinkel von 90° und

Fig. 4 ein schematisches Amplitudenspektrum der Horizontalkraft.

Ein Läuteantrieb 1 für eine Glocke 2 weist einen Motor 3 auf, der die Glocke antreibt. Der Motor 3 versetzt die Glocke in eine pendelnde Bewegung. Die Position, in der die nicht angetriebene Glocke nach unten hängt soll im folgenden als Nulldurchgang bezeichnet werden. Der Motor 3 treibt nun die Glocke so an, daß sie auf beiden Seiten des Nulldurchgangs bis zu einem gewissen Winkel schwingt, dem sogenannten Läutewinkel. Die Frequenz, mit der die Glocke pendelt, wird als Pendelfrequenz bezeichnet. Sowohl der Läutewinkel als auch die Pendelfrequenz sind vom Glockenbauer vorgegeben. Sie bestimmen wesentlich den Klangeindruck der Glocke mit.

Der Läutewinkel liegt üblicherweise im Bereich zwischen 60° und 90° oder sogar darüber. Er ist also so groß, daß die Glocke nicht mehr als lineares Pendel betrachtet werden kann.

Die Glocke ist an einer nicht näher dargestellten Lagerung aufgehängt. Bei der pendelnden Bewegung der Glocke muß die Lagerung nicht nur Vertikalkräfte aufnehmen, sondern auch Horizontalkräfte. Die Horizontalkraft hat einen periodischen Verlauf, wobei die Grundfrequenz der Horizontalkraft der Pendelfrequenz entspricht.

Die Horizontalkraft weist höhere Harmonische auf, von denen insbesondere die dritte und gegebenenfalls auch die fünfte Harmonische eine Größe haben, die der Biege-Eigenfrequenz eines Glockenturmes entsprechen kann. In diesem Fall besteht die Gefahr, daß sich der Glockenturm aufschwingt und aufgrund der dann auftretenden Schwingungen beschädigt wird. Derartige Erscheinungen lassen sich bei einer Reihe von Glockentürmen, insbesondere an Kirchen, beobachten.

Um dieses Problem zu entschärfen, greift man nun in die Kinematik der Glocke ein. Der Motor 3 ist permanent mit der Glocke 2 verbunden. Der Motor steuert also laufend die Bewegung der Glocke. Hierbei treibt er die Glocke nicht nur an, um Verluste auszugleichen, die beispielsweise durch Lagerreibung oder Luftwiderstand entstehen, der Motor 3 setzt in bestimmten Abschnitten der Pendelbewegung die Winkelgeschwindigkeit der Glocke 2 herab, er bremst also die Glocke 2. Die Glocke 2 wird also so gesteuert, daß die Winkelgeschwindigkeit innerhalb einer Pendelperiode einer vorbestimmten Funktion folgt. Diese Funktion wird der Glocke aufgezwungen.

Diese Bewegung soll anhand der Fig. 2 und 3 näher erläutert, die Kenngrößen für einen Läutewinkel von 90° zeigen. Gestrichelt dargestellt sind die Kenngrößen für eine freie Glockenbewegung. Mit durchgezogenen Linien sind die Kenngrößen für die Glocke dargestellt, die vom Läuteantrieb 1 angetrieben wird.

Fig. 2 stellt den zeitlichen Verlauf der Glockenbewegung innerhalb einer Pendelperiode dar. Es läßt sich beobachten, daß die Abweichung der Glockenbewegung von der freien Schwingung nicht sehr groß ist. Dementsprechend wird auch der Glockenklang beim Läuten nicht nennenswert beeinträchtigt. Fig. 3 stellt den Zusammenhang zwischen dem Winkel φ der Glocke und der normierten Winkelgeschwindigkeit der Glocke dar, wobei die Winkelgeschwindigkeit auf die Kreisfrequenz ωo der Glocke für kleine Auslenkungen bezogen wird. Bei einer freien Glockenbewegung hat diese Funktion im wesentlichen die Form einer Ellipse. Bei der erzwungenen Glokkenbewegung verändert sich die Form der Funktion. Die einzige Gemeinsamkeit ist, daß die Winkelgeschwindigkeit der Glocke im Bereich ihrer maximalen Auslenkung Null wird. Im Gegensatz zu der Form der freien Schwingung wird die maximale Winkelgeschwindigkeit nicht im Bereich des Nulldurchgangs der Glocke erreicht. Dort befindet sich ein relatives Minimum der Winkelgeschwindigkeit , d. h. die Antriebseinrichtung vermindert die Winkelgeschwindigkeit der Glocke im Bereich des Nulldurchgangs gegenüber einer freien Bewegung. Dementsprechend schwingt die Glocke schneller in den beiden Bereichen, die der maximalen Auslenkung benachbart sind. Hier ist also die Winkelgeschwindigkeit höher. Mit dieser Maßnahme läßt sich erreichen, daß die Pendelfrequenz trotz der aufgezwungenen Kinematik der Glocke beibehalten werden kann.

Eine Kennlinie, wie sie in der Fig. 3 dargestellt ist, läßt die dritte Harmonische der Horizontalkraft bei einem Läutewinkel von 90° praktisch verschwinden, was anhand des Amplitudenspektrums von Fig. 4 ersichtlich ist.

Diese Kennlinie kann in einem Kennfeldgeber 4 abgelegt werden. Dies ist problemlos möglich, weil die Glocke in der Regel nur mit einem festen Läutewinkel geläutet wird. Falls ein von 90° abweichender Läutewinkel verwendet werden wird, muß eine entsprechend andere Kennlinie verwendet werden. Der Kennfeldgeber 4 ist mit einem Sensor 5 verbunden, der fortlaufend die Winkellage φ der Glocke 2 ermittelt. In Abhängigkeit von der Winkellage oder dem Winkel φ gibt der Kennfeldgeber 4 eine Winkelgeschwindigkeit aus. Diese Winkelgeschwindigkeit wird als Sollwert einer Antriebseinrichtung 6 zugeführt. Die Antriebseinrichtung enthält den Motor 3 und zusätzlich einen Drehzahlregler 7, der mit dem Motor 3 verbunden ist und dessen Drehzahl regelt. Die Drehzahl des Motors 3 wird unmittelbar umgesetzt in die Winkelgeschwindigkeit der Glocke 2. Dem Drehzahlregler 7 wird als Sollwert der Ausgang des Kennfeldgebers 4 zugeführt. Dementsprechend kann man mit dem in Fig. 1 dargestellten Läuteantrieb der Glocke 2 eine Kinematik aufzwingen, die dazu führt, daß die dritte Harmonische der Horizontalkraft verschwindet oder so klein wird, daß sie keine nennenswerten Schäden mehr verursacht. Insbesondere kann ein Aufschwingen des Glockenturms recht zuverlässig vermieden werden.

Der Läuteantrieb 1 läßt sich auch in bestehenden Glokkentürmen leicht nachrüsten. Die benötigten zusätzlichen Teile nehmen relativ wenig Platz in Anspruch. Wie aus Fig. 2 ersichtlich ist, wird die Kinematik der Glocke zwar verändert. Sie entspricht aber immer noch weitgehend der Kinematik einer freischwingenden Glocke, so daß der Klangeindruck der Glocke nur in einem sehr geringen Umfang, wenn überhaupt, verändert wird.

Wenn ein Geläut mehrere Glocken aufweist, kann man einen derartigen Läuteantrieb 1 für jede Glocke vorsehen.


Anspruch[de]
  1. 1. Läuteantrieb für eine Glocke mit einer Antriebseinrichtung, dadurch gekennzeichnet, daß die Antriebseinrichtung (6) die Glockenbewegung permanent steuert.
  2. 2. Läuteantrieb nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Antriebseinrichtung (6) die Glocke (2) innerhalb einer Pendelperiode sowohl antreibt als auch bremst.
  3. 3. Läuteantrieb nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Antriebseinrichtung (6) der Glocke (2) eine Winkelgeschwindigkeit () entsprechend einer vorgegebenen Funktion aufzwingt.
  4. 4. Läuteantrieb nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß ein Winkelsensor (5) vorgesehen ist, der die Winkellage (φ) der Glocke (2) ermittelt und die Antriebseinrichtung (6) einen Motor (3) und einen Drehzahl-Regler (7) aufweist, der mit dem Winkelsensor (5) verbunden ist und die Drehzahl des Motors (3) in Abhängigkeit von der Winkellage (φ) regelt.
  5. 5. Läuteantrieb nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Winkelsensor (5) über einen Kennfeldgeber (4) mit dem Drehzahlregler (7) verbunden ist.
  6. 6. Läuteantrieb nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Antriebseinrichtung (6) die Winkelgeschwindigkeit der Glocke (2) im Bereich ihres Nulldurchgangs gegenüber einer freien Bewegung vermindert.
  7. 7. Läuteantrieb nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Antriebseinrichtung (6) die Winkelgeschwindigkeit () der Glocke (2) in einem Bereich, der der maximalen Auslenkung (α) der Glocke benachbart ist, gegenüber einer freien Bewegung erhöht.
  8. 8. Läuteantrieb nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Antriebseinrichtung (6) der Glocke (2) die größte Winkelgeschwindigkeit () außerhalb des Nulldurchgangs vermittelt.
  9. 9. Läuteantrieb nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Antriebseinrichtung (6) der Grundschwingung der Glockenbewegung eine dritte und/oder fünfte Harmonische mit negativem Koeffizienten überlagert.






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