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Dokumentenidentifikation DE19527902A1 30.01.1997
Titel Auftragsystem für eine Vorrichtung zum Beschichten einer Papier- oder Kartonbahn
Anmelder Jagenberg Papiertechnik GmbH, 41468 Neuss, DE
Erfinder Becker, Ingo, 40591 Düsseldorf, DE;
Wohlfeil, Gerhard, 40789 Monheim, DE;
Knop, Reinhard, 45279 Essen, DE
Vertreter Thul, H., Dipl.-Phys., 40476 Düsseldorf
DE-Anmeldedatum 29.07.1995
DE-Aktenzeichen 19527902
Offenlegungstag 30.01.1997
Veröffentlichungstag im Patentblatt 30.01.1997
IPC-Hauptklasse D21H 23/58
IPC-Nebenklasse D21H 23/38   B05C 1/08   B05C 11/02   B05D 1/28   
Zusammenfassung Zum Beschichten einer Papier- oder Kartonbahn (2) sind Auftragsysteme bekannt, die eine mittels eines Antriebs drehbare Auftragwalze (8) mit glatter Mantelfläche enthalten. Die Auftragwalze (8) bildet mit einer weiteren Walze (5) einen Auftragspalt, dem Beschichtungsmaterial aus einer in Kontakt mit der Auftragwalze (8) stehenden Farbkammer (10) zugeführt wird.
Nach der Erfindung ist die Auftragwalze (8) in einer der Walze (5) zugewandten Öffnung der Farbkammer (10) vom Flüssigkeitsdruck in der Farbkammer (10) in Richtung zur Walze (5) bewegbar angeordnet.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Auftragsystem für eine Vorrichtung zum Beschichten einer Papier- oder Kartonbahn gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.

Zum Beschichten von Papier- oder Kartonbahnen werden Vorrichtungen mit einem Auftragsystem eingesetzt, von dem das Beschichtungsmaterial direkt auf die Bahn oder zunächst auf eine Walze aufgetragen wird, die anschließend den Film an Beschichtungsmaterial an die Bahn übergibt.

Zum direkten Beschichten von Papier- oder Kartonbahnen werden Vorrichtungen verwendet, die eine die Bahn umlenkende Gegenwalze und ein im von der Bahn umschlungenen Bereich der Gegenwalze angeordnetes Auftragsystem mit einer Auftragwalze aufweisen. Die mit der Gegenwalze einen Auftragspalt bildende Auftragwalze steht in Kontakt mit einer an eine Zufuhr für Beschichtungsmaterial angeschlossene Farbkammer und führt das Beschichtungsmaterial im Auftragspalt an die Bahn. Bevorzugt wird das Beschichtungsmaterial im Überschuß aufgetragen, der Überschuß wird von dem Rakelelement eines in Bahnlaufrichtung nachfolgend angeordneten Dosiersystems bis auf das gewünschte Strichgewicht wieder abgerakelt.

Die als Filmpressen bezeichneten Beschichtungsvorrichtungen weisen zwei gegeneinander schwenkbare Preßwalzen auf, die einen Preßspalt bilden, durch den die Bahn geführt wird. An einer oder beiden Preßwalzen sind Auftragsysteme angeordnet, die einen dosierten Film von Beschichtungsmaterial auf die Mantelfläche auftragen, der anschließend im Preßspalt an die Bahn übergeben wird. Die DE-A 40 33 521 beschreibt eine derartige Beschichtungsvorrichtung mit einer als Übergabewalze dienenden Preßwalze, an der ein Auftragsystem mit einer Düsenkammer angeordnet ist.

Ebenso ist es bei Beschichtungsvorrichtungen mit einem Luftmesser als Dosierelement bekannt, das Beschichtungsmaterial zunächst auf eine Übergabewalze aufzutragen, die es anschließend an die Bahn übergibt (DE-A 40 14 463).

Die DE-PS 36 23 402 beschreibt ein gattungsgemäßes Auftragsystem zum direkten Beschichten mit einer aus einer Farbkammer schöpfenden Auftragwalze, die ortsfest gelagert ist. Es besteht ein fester Auftragspalt zwischen der Auftragwalze und der Gegenwalze, dem das Beschichtungsmaterial über einen von der Mantelfläche der Auftragwalze und einem Leitblech gebildeten Förderspalt zugeführt wird.

Bei sehr großen Bahnbreiten (8 m und mehr) und hohen Produktionsgeschwindigkeiten (800 m/min und mehr) ist es schwierig, geringe Auftragsmengen gleichmäßig aufzutragen. Da die Geometrie des von der Mantelfläche der Auftragwalze begrenzten Auftragspalts die Menge und Qualität des Auftrags entscheidend beeinflußt, wird nach der WO 94/23126, die Auftragwalze an ihrer der Gegenwalze abgewandten Rückseite gegen Durchbiegung abgestützt. Der Durchmesser der Auftragwalze kann so zur Optimierung der hydrodynamischen Verhältnisse im Auftragspalt und zur Verminderung von negativen Effekten (z. B. Filmsplitting) gewählt werden.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein gattungsgemäßes Auftragsystem so zu verbessern, daß mit geringem konstruktiven Aufwand Beschichtungsmaterial mit unterschiedlichen rheologischen Eigenschaften gleichmäßig und mit einstellbarer Menge direkt auf die Bahn oder auf eine Übergabewalze aufgetragen werden kann.

Diese Aufgabe wird mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 gelöst.

Bei der erfindungsgemäßen Vorrichtung kann ohne zusätzlichen konstruktiven Aufwand mit dem Flüssigkeitsdruck in der Farbkammer als Stellgröße die hydrodynamische Kraft im Auftragspalt zwischen der Gegenwalze und der Auftragwalze beeinflußt werden. Von der hydrodynamischen Kraft im Auftragspalt wird die Benetzung der Bahn oder Übergabewalze und die Farbpenetration in die Bahn entscheidend beeinflußt. Eine Erhöhung des Flüssigkeitsdrucks in der Farbkammer wirkt der hydrodynamischen Kraft im Auftragspalt entgegen, von der die Auftragwalze von der Gegen- oder Übergabewalze weggedrückt wird.

Weiterhin läßt sich der Volumenstrom des Beschichtungsmaterials in den Auftragspalt weitgehend unabhängig vom Flüssigkeitsdruck variieren, um bei verschiedenen Arbeitsgeschwindigkeiten, Auftragsmengen und Bahn- und Beschichtungsmaterialien jeweils das Beschichtungsmaterial in ausreichender Menge gleichmäßig verteilt mit der Bahn oder einer Übergabewalze in Kontakt zu bringen.

Als weitere Vorteile treten hinzu, daß sich die Beschichtungsvorrichtung einfach auf geänderte Radien der Auftrag-, Gegen- oder Übergabewalze einstellen läßt. Die Walzen verschleißen im Betrieb, so daß sie gelegentlich nachgeschliffen werden müssen, wodurch sich ihr Radius vermindert. Weiterhin ermöglicht eine Messung des Drucks in der Farbkammer die indirekte Bestimmung des hydrodynamischen Drucks im Auftragspalt. Dies kann zur Überwachung oder Regelung des Beschichtungsvorgangs genutzt werden.

Die Unteransprüche enthalten bevorzugte, da besonders vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung.

Die Zeichnung dient zur Erläuterung der Erfindung anhand vereinfacht dargestellter Ausführungsbeispiele.

Fig. 1 zeigt grob schematisch und nicht maßstabsgetreu die Seitenansicht einer Beschichtungsvorrichtung zum direkten Auftragen auf die Bahn mit einer erfindungsgemäßen Auftragvorrichtung.

Fig. 2 zeigt in vergrößerter Darstellung die Auftragvorrichtung nach Fig. 1.

Fig. 3 zeigt eine Ausführungsform mit einem schwenkbaren Stützelement für die Auftragwalze.

Nachfolgend wird eine Beschichtungsvorrichtung beschrieben, bei der das Auftragsystem das Beschichtungsmaterial direkt auf die Bahn aufträgt. Die Verwendung zum direkten Auftragen auf die Bahn ist besonders vorteilhaft, da sich mit dem Auftragsystem der hydrodynamische Druck im Auftragspalt beeinflussen läßt, von dem die Penetration des Beschichtungsmaterials in die Bahn entscheidend abhängt.

Die Verwendung des erfindungsgemäßen Auftragsystems ist jedoch nicht auf das direkte Auftragen beschränkt. Es läßt sich auch zum Auftragen von Beschichtungsmaterial auf die Preßwalze einer Filmpresse, eine Übergabewalze einer Luftmessermaschine oder andere Walzen vorteilhaft einsetzen, um auf der Walze einen Film gewünschter Stärke und Gleichmäßigkeit zu erzeugen, der anschließend an die Papier- oder Kartonbahn abgegeben wird.

Die Beschichtungsvorrichtung weist eine Auftragsvorrichtung 1 und in Laufrichtung der Papier- oder Kartonbahn 2 mit Abstand dahinter angeordnet ein Dosiersystem 3 mit einem Rakelelement, bevorzugt ein Schabermesser 4, auf. Die Auftragvorrichtung 1 trägt Streichfarbe als Beschichtungsmaterial im Überschuß auf die Papier- oder Kartonbahn 2 auf, anschließend wird vom Schabermesser 4 der Überschuß bis auf das gewünschte Strichgewicht wieder abgerakelt. Auftragvorrichtung 1 und Dosiersystem 3 sind an einer die Bahn 2 umlenkenden, angetriebenen Gegenwalze 5 angeordnet, von der die Bahn 2 beim Auftragen und beim Dosieren über ihre gesamte Breite abgestützt wird.

Die Anordnung eines zusätzlichen Dosiersystems 3 im Anschluß an die Auftragvorrichtung 1 ist die bevorzugte Ausführungsform der Erfindung, da es erfahrungsgemäß beim Beschichten von Papier- oder Kartonbahnen 2 für die geforderte Strichqualität erforderlich ist, zunächst Streichfarbe im Überschuß aufzutragen, der anschließend wieder abgerakelt wird. Falls die geforderte Qualität und Menge der Beschichtung auf der Bahn 2 bereits beim Auftragen mit der Auftragsvorrichtung 1 erreicht werden kann, erübrigt sich das zusätzliche Dosiersystem 3.

Das Dosiersystem 3 ist auf bekannte Weise aufgebaut: Das Schabermesser 4 ist mit seinem Fuß in einem Klemmbalken 6 festgeklemmt, der in Richtung zur Gegenwalze 5 verschiebbar in einem Schaberbalken 7 gelagert ist. Der Schaberbalken 7 ist um die Schabermesserspitze schwenkbar zwischen zwei Seitenteilen im Gestell der Vorrichtung aufgehängt, so daß sich die Anpreßkraft des Schabermessers 4 und der Bladewinkel (= Winkel des Schabermesser 4 zur Tangente an die Gegenwalze 5) einstellen lassen.

Die an ihren Stirnseiten im Gestell der Vorrichtung drehbar gelagerte Gegenwalze 5 ist auf ihrer Mantelfläche mit einem elastischen Bezug beschichtet, auf dem die Bahn 2 aufliegt. Während des Betriebs wird die Gegenwalze 5 so angetrieben, daß ihre Umfangsgeschwindigkeit der Geschwindigkeit der Bahn 2 entspricht.

Die Auftragvorrichtung 1 enthält eine mit einem Drehantrieb verbundene Auftragwalze 8 mit glatter Mantelfläche, die sich über die gesamte Arbeitsbreite, i. e. die maximale Bahnbreite, erstreckt und mit der Gegenwalze 5 im von der Bahn 2 umschlungenen Bereich einen Auftragspalt 9 bildet. Die Auftragwalze 8 weist einen Durchmesser von 40 mm bis 300 mm, bevorzugt von ca. 150 mm, auf und wird gegensinnig zur Gegenwalze 5 gedreht, so daß sich ihre Mantelfläche im Auftragspalt 9 in gleiche Richtung wie die Mantelfläche der Gegenwalze 5 bewegt. Die Auftragwalze 8 ist in einer der Gegenwalze 5 zugewandten Öffnung einer Farbkammer 10 so angeordnet, daß diese bis auf einen Farbaustrittsspalt 11 an der Bahneinlaufseite verschlossen ist. Die Farbkammer 10 erstreckt sich über die gesamte Arbeitsbreite und ist zwischen zwei seitlichen, am Boden abgestützten Schwenkarmen 12 befestigt, die jeweils mittels einer Kolben-Zylinder-Einheit 13 hoch- und niederschwenkbar sind. Die Farbkammer 10 kann so von einer abgesenkten Wartungsposition in ihre Arbeitsposition an der Gegenwalze 5 hochgeschwenkt werden. Die Schwenkbewegung der Schwenkarme 12 zur Gegenwalze 5 wird durch einen einstellbaren Anschlag 14 begrenzt, der die Arbeitsposition relativ zur Gegenwalze 5 festlegt. In die Farbkammer 10 münden an der Unterseite mehrere, über die Arbeitsbreite verteilte Farbzuführkanäle 15, über die Streichfarbe unter Druck zugeführt werden kann. Um die Streichfarbe in die Farbkammer 10 zu pumpen, werden Verdrängerpumpen, bevorzugt Mohnopumpen, eingesetzt, deren Volumenstrom von der Pumpendrehzahl abhängig ist und bei Druckänderungen annähernd konstant bleibt.

Wesentlich für die Erfindung ist, daß die mit ihrer unteren Mantelfläche teilweise in der Farbkammer 10 angeordnete Auftragwalze 8 radial in Richtung zur Gegenwalze 5 beweglich gelagert ist und durch den Flüssigkeitsdruck in der Farbkammer 11 in Richtung zur Gegenwalze 5 gedrückt werden kann.

Um eine radiale Bewegung in Richtung zur Gegenwalze 5 zu ermöglichen, ist die Auftragwalze 8 an ihren beiden Enden im Gestell der Vorrichtung entweder radial und zugleich tangential zur Gegenwalze 5 frei bewegbar und nur gegen axiales Verschieben gesichert gelagert, oder sie ist in seitlichen Kulissen geführt, die eine radiale Bewegung zulassen. Um eine Beschädigung durch Verbiegen der Auftragwalze 8 bei fehlendem Flüssigkeitsdruck in der Farbkammer 10 zu vermeiden, können in der Farbkammer 10 Stützelemente angeordnet sein, von denen die Auftragwalze 8 aufgefangen wird.

Bevorzugt wird die Farbkammer 10 an ihrer Unterseite von einer Bodenplatte 16 gebildet, die an den Schwenkhebeln 12 befestigt ist und Öffnungen für die angeschlossenen Farbzuführkanäle 15 aufweist. An der Bahneinlaufseite wird die Farbkammer 10 von einer Kammerwand 17 begrenzt, die auf der Bodenplatte 10 befestigt ist und an ihrer Oberseite eine Verlängerung 18 aufweist, die der Mantelfläche der Auftragwalze 8 angepaßt gekrümmt sich bis in den Bereich des Auftragspalts 9 erstreckt. Zwischen der Verlängerung 18 und der Mantelfläche im ersten Quadranten der Auftragwalze 8 wird so der Austrittspalt 11 an der in Drehrichtung der Gegenwalze 5 vorderen Seite kanalförmig über die gesamte Arbeitsbreite bis in den Bereich des Auftragspalts 9 verlängert. Um die Breite des Austrittspalts 11 beeinflussen zu können, ist in den Ausführungsformen nach den Fig. 1 und 2 die Verlängerung 18 an der Kammerwand 17 um eine Achse parallel zur Drehachse der Auftragwalze 8 schwenkbar befestigt. Bei der Ausführungsform nach Fig. 3 ist zwischen der Kammerwand 17 und der Verlängerung 18 eine Drosselleiste 19 angeordnet, die in Richtung zur Auftragwalze 8 in den Ablaufspalt 11 bewegt werden kann, um den Ablaufquerschnitt zu verändern.

Um die auf die Auftragwalze 8 wirkenden Kräfte nach Art einer 3-Punkt-Lagerung ins Gleichgewicht zu bringen, ist die Auftragwalze 8 an der zum Auftragspalt 11 entgegengesetzten Seite von einem reibungsarm anliegenden weiteren Stützelement abgestützt. Bevorzugt wird als Stützelement eine über die Arbeitsbreite reichende Stützstange 20 verwendet, die im dritten Quadranten dichtend an der Auftragwalze 8 anliegt. Alternativ kann als Stützelement auch eine sich über die Arbeitsbreite erstreckende Leiste eingesetzt werden, wie sie in der DE-OS 33 38 323 beschrieben ist. Die Stützstange 20 oder Stützleiste ist in einem Halter 21 gelagert, der radial zur Auftragwalze 8 verstellbar an dem entsprechend abgeschrägten auslaufseitigen Ende der Bodenplatte 16 befestigt ist. Der Halter 21 mit der Stützstange 20 oder Stützleiste bildet so die auslaufseitige Begrenzungswand der Farbkammer 10.

Bevorzugt ist die Stützstange 20 drehbar in einem Bett aus Kunststoff oder Gummi gelagert. Damit sie in der Lage ist, die Drehung der Auftragwalze 8 zu unterstützen, ist es vorteilhaft, sie mit einem Drehantrieb anzutreiben.

Bei Verwendung von Auftragwalzen 8 mit relativ geringem Durchmesser bei großer Länge ist das Lagerbett der Stützstange 20 oder einer Stützleiste bevorzugt annähernd starr, z. B. aus einem harten Kunststoff gefertigt. Eine starre Abstützung der Auftragwalze 8 an der Stützstange 20 oder Stützleiste ermöglicht es, etwaige Ungeradheiten der Auftragwalze 8 zu beseitigen, indem diese gegen die beiden starren Abstützungen an der Gegenwalze 5 und der Stützstange 20 oder Stützleiste gedrückt wird. Die Auftragwalze 8 wird so vom Flüssigkeitsdruck ausgerichtet. So werden auch bei hohen Drehzahlen Schwingungen der Auftragwalze 8 vermieden.

Alternativ ist es möglich, die Stützstange 20 oder Stützleiste in einem Bett aus einem elastischen Material (Elastomer, Gummi etc.) zu lagern, das radial zur Auftragwalze 8 expandieren kann. Die Expansion kann beispielsweise mit einem an der Rückseite des Betts angeordneten Druckschlauch bewirkt werden oder durch Stellelemente, die das Bett in Richtung zur Auftragwalze 8 bewegen. Bei dieser Ausgestaltung läßt sich die Stützstange 20 oder Stützleiste mit einstellbarer Kraft gegen die Auftragwalze 8 drücken, um zu gewährleisten, daß sie bei jeder Position der Auftragwalze 8 dichtend an deren Mantelfläche anliegt.

Bei der freien Lagerung der Gegenwalze 8 ohne seitliche Führung in einer Kulisse ist es wichtig, daß die vom Flüssigkeitsdruck in der Farbkammer 10, der Gegenwalze 5 und dem Stützelement 20 auf die Auftragwalze 8 wirkenden Kräfte sich gegenseitig kompensieren, also in der Summe Null ergeben.

Um die Richtung der vom Stützelement auf die Auftragwalze 8 wirkenden Abstützkraft verändern zu können, ist nach einer Ausgestaltung der Erfindung das Stützelement um eine in etwa koaxial zur Achse der Auftragwalze 8 verlaufenden Achse schwenkbar gelagert. Bei der Ausführungsform nach Fig. 3 ist dazu der Halter 21 der Stützstange 20 an einem schwenkbaren Träger 22 gelagert, der in Umfangsrichtung der Auftragwalze 8 relativ zur Bodenplatte 16 um einen Winkel a verschwenkt werden kann. Eine am Träger 22 befestigte Dichtleiste 23 gleitet abdichtend über die Oberseite der angepaßt gekrümmten Bodenplatte 16, um in jeder Position eine sichere Abdichtung der Farbkammer 10 zu gewährleisten.

Vor dem Beginn der Beschichtung wird zunächst die Auftragvorrichtung 1 mittels der Kolben-Zylinder-Einheit 13 in ihrer Arbeitsposition an der Gegenwalze 5 hochgeschwenkt, wobei die Auftragwalze 8 zunächst nur mechanisch abgestützt in einem geringen Abstand von z. B. 5 mm von der Bahn 2 gehalten wird. Anschließend wird Streichfarbe unter Druck der Farbkammer 10 zugeführt. Der Flüssigkeitsdruck hebt die Auftragwalze 8 an, bis sich ein Gleichgewicht zwischen den vom hydrodynamischen Druck im Auftragspalt bewirkten Kräften, den Abstützkräften des Stützelements 20 und der resultierenden Kraft aus dem Flüssigkeitsdruck in der Farbkammer 10 einstellt. Die Auftragwalze 8 wird mitläufig, also im entgegengesetzten Drehsinn, zur Gegenwalze 5 gedreht, so daß sich im Austrittspalt 11 eine Schleppströmung ausbildet, die die Streichfarbe in den Auftragspalt 9 transportiert, wo sie an die Bahn 2 übergeben wird.

Um einen gleichmäßigen Auftrag in der gewünschten Menge auf der Bahn 2 und die Penetrationstiefe des Beschichtungsmaterials in die Bahn 2 einstellen zu können, stehen folgende Parameter zur Verfügung:

  • 1. Der Volumenstrom der zugeführten Streichfarbe läßt sich über die Drehzahl der die Streichfarbe in die Farbkammer 10 pumpenden Verdrängerpumpen und über die Drehzahl der Auftragwalze 8 einstellen.

    Der Volumenstrom wird so eingestellt, daß einerseits der Auftragspalt 9 vollständig mit Streichfarbe gefüllt ist und andererseits das Wegspritzen der Farbe gegen Bahnlaufrichtung minimiert ist.
  • 2. Der Flüssigkeitsdruck in der Farbzuführkammer läßt sich zum einen über die Pumpendrehzahl, zum anderen ohne Veränderung des Volumenstroms durch den Querschnitt des Austrittsspalts 11 verändern. Der Querschnitt des Austrittspalts 11 kann durch Verschieben der vorderen Begrenzungswand 17 in und gegen Bahnlaufrichtung und zusätzlich durch Verschwenken der Verlängerung 18 (Fig. 1 und Fig. 2) oder durch Verschieben der Drosselleiste 19 (Fig. 3) verstellt werden.

    Eine Änderung des Flüssigkeitsdrucks in der Farbkammer 10 bewirkt eine Änderung des hydrodynamischen Drucks im Auftragspalt 9, von dem die Penetration der Streichfarbe in die Papier- oder Kartonbahn 2 entscheidend beeinflußt wird. Die Dicke der aufgetragenen Schicht läßt sich ebenfalls über den Flüssigkeitsdruck beeinflussen. Dieser Beeinflussungsmöglichkeit sind Grenzen gesetzt, da eine Steigerung zugleich eine Bewegung der Auftragwalze 8 in Richtung zur Gegenwalze 5 bewirkt und somit die Weite des Auftragspalts 9 verringert.
  • 3. Die Strömungsgeschwindigkeit des Beschichtungsmaterials zum Auftragspalt 9 läßt sich über den Querschnitt des Austrittspalts 11 verändern, ohne den Flüssigkeitsdruck in der Farbkammer 10 wesentlich zu beeinflussen.

    Die Strömungsgeschwindigkeit ist so einzustellen, daß einerseits der Volumenstrom ausreichend groß ist und andererseits das Wegspritzen der Streichfarbe gegen Bahnlaufrichtung aus dem Auftragspalt 9 nicht zu stark wird.


Das so von der Auftragvorrichtung 1 im Überschuß gleichmäßig aufgetragene Beschichtungsmaterial wird von dem Schabermesser 4 des nachfolgend angeordneten Dosiersystems 3 bis auf das gewünschte Strichgewicht wieder abgerakelt und in die Farbkammer 10 zurückgeführt.


Anspruch[de]
  1. 1. Auftragsystem für eine Vorrichtung zum Beschichten einer Papier- oder Kartonbahn (2) mit einer Auftragwalze (8) mit glatter Mantelfläche, die
    1. - mit einer Walze (5) einen Auftragspalt bildet, dem Beschichtungsmaterial zugeführt wird,
    2. - mit einem Drehantrieb verbunden ist und
    3. - die in Kontakt mit einer an eine Zufuhr (15) für Beschichtungsmaterial angeschlossene Farbkammer (10) steht, dadurch gekennzeichnet, daß die Auftragwalze (8) in einer der Walze (5) zugewandten Öffnung der Farbkammer (10) vom Flüssigkeitsdruck in der Farbkammer (10) in Richtung zur Walze (5) bewegbar angeordnet ist.
  2. 2. Auftragsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß an der in Drehrichtung der Walze (5) vorderen Seite zwischen der Auftragwalze (8) und der Begrenzungswand der Farbkammer (10) ein kanalförmiger Austrittsspalt (11) zur Führung von Beschichtungsmaterial in den Auftragspalt (9) vorhanden ist.
  3. 3. Auftragsystem nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Ablaufquerschnitt des Austrittsspalts (11) mittels einer Drosselleiste (19) veränderbar ist.
  4. 4. Auftragsystem nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Auftragwalze (8) an der zum Auftragspalt (11) entgegengesetzten Seite von einem Stützelement (20) abgestützt wird.
  5. 5. Auftragsystem nach Anspruch 4, gekennzeichnet durch eine dichtend an der Auftragwalze (8) anliegende, drehbar gelagerte Stange (20) als Stützelement.
  6. 6. Auftragsystem nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Stützelement (20) in einem Halter (21) gelagert ist, der radial zur Auftragwalze (8) verstellbar ist und die Farbkammer (10) begrenzt.
  7. 7. Auftragsystem nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Stützelement (20) in einem Bett aus elastischem Material mit einstellbarer Kraft gegen die Auftragwalze (8) andrückbar gelagert ist.
  8. 8. Auftragsystem nach einem der Ansprüche 4 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Stützelement (20) um eine in etwa koaxial zur Achse der Auftragwalze (8) verlaufenden Achse schwenkbar gelagert ist.
  9. 9. Auftragsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß die in Drehrichtung der Walze (5) vordere Begrenzungswand (17) der Farbkammer (11) eine Verlängerung (18) aufweist, die parallel zur Mantelfläche der Auftragwalze (8) verläuft und mit geringem Abstand von der Walze (5) endet.
  10. 10. Auftragsystem nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Verlängerung (18) um eine Achse parallel zur Achse der Auftragwalze (8) schwenkbar an der Begrenzungswand (17) befestigt ist.
  11. 11. Auftragsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Auftragwalze (8) einen Durchmesser von 40 mm bis 300 mm, bevorzugt etwa 150 mm, aufweist.
  12. 12. Vorrichtung zum Beschichten einer Papier- oder Kartonbahn (2) mit
    1. - einer die Bahn (2) umlenkenden Gegenwalze (5),
    2. - einem im von der Bahn (2) umschlungenen Bereich der Gegenwalze (5) angeordneten Auftragsystem (1), das Beschichtungsmaterial im Überschuß auf die Bahn (2) aufträgt, und
    3. - einem in Bahnlaufrichtung mit Abstand hinter dem Auftragsystem (1) angeordneten Dosiersystem (3) mit einem Rakelelement (4),
  13. gekennzeichnet durch ein Auftragsystem (1) nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 11, wobei die Auftragwalze (8) mit der Gegenwalze (5) den Auftragspalt (9) bildet.
  14. 13. Vorrichtung zum Beschichten einer Papier- oder Kartonbahn mit einer Walze und einem der Walze zugeordneten Auftragsystem, das auf die Mantelfläche der Walze einen Film von Beschichtungsmaterial aufträgt, der anschließend von der Walze an die Bahn übergeben wird, gekennzeichnet durch ein Auftragsystem nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 11.






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