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Dokumentenidentifikation DE19536789A1 03.04.1997
Titel Gefäß für Flüssigkeiten
Anmelder Boehringer Mannheim GmbH, 68305 Mannheim, DE
Erfinder Treiber, Wolfgang, Dipl.-Chem.-Ing., 82362 Weilheim, DE;
Vogt, Bernd, Dipl.-Chem. Dr., 82327 Tutzing, DE;
Zielinski, Ralf, Dipl.-Chem.-Ing., 83673 Bichl, DE
DE-Anmeldedatum 02.10.1995
DE-Aktenzeichen 19536789
Offenlegungstag 03.04.1997
Veröffentlichungstag im Patentblatt 03.04.1997
IPC-Hauptklasse B65D 1/20
IPC-Nebenklasse B65D 8/02   B65D 25/52   B65D 85/84   B01L 3/02   
Zusammenfassung Gefäß zur Aufnahme von Flüssigkeiten, bei dem der Luftzutritt zur Flüssigkeit und die Verdampfung der Flüssigkeit durch eine Röhre, die sich in das Innere des Behältnisses erstreckt, vermindert wird. Die Röhre befindet sich innerhalb der Entnahmeöffnung oder erstreckt sich ausgehend von dieser in das Gefäßinnere. Ein Gasaustausch zwischen Umgebung und Flüssigkeit im Gefäß erfolgt über die Röhre. Bei einer bevorzugten Ausführungsform taucht die Röhre in die Flüssigkeit ein und reicht bis fast auf den Boden des Gefäßes herab, damit auch bei geringen Flüssigkeitspegeln im Gefäß die Austauschfläche zwischen Umgebung und Flüssigkeit auf den Röhrenquerschnitt beschränkt bleibt.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Gefäß für Flüssigkeiten mit einem Behältnis zur Aufnahme von Flüssigkeit, das eine Entnahmeöffnung besitzt und mit einer Röhre, die sich ausgehend von der Entnahmeöffnung in das Innere des Behältnisses erstreckt, so daß sie in die Flüssigkeit eintaucht, wobei sich die Röhre innerhalb der Entnahmeöffnung befindet oder sich direkt an die Entnahmeöffnung anschließt.

Im Gebiet der chemischen Analyse liegt häufig die Situation vor, daß aus einem Gefäß in zeitlichen Abständen wiederholt eine Flüssigkeit, wie beispielsweise ein Reagenz entnommen werden muß. Die bei der Analyse verwendeten Flüssigkeiten werden mehr oder minder durch Luft und die darin enthaltenen Gase, wie beispielsweise Kohlendioxid, Sauerstoff und Ammoniak in Mitleidenschaft gezogen. Weiterhin tritt eine Verdunstung der Flüssigkeiten auf; die die Analysenergebnisse beeinträchtigen kann.

Im Stand der Technik sind Gefäße mit Klappdeckeln bekannt, die nach einer Entnahme von Fluid geschlossen werden können, um den Luftzutritt und auch die Verdunstung der Flüssigkeit zu begrenzen. Eine Verwendung von Verschlüssen, wie Klapp- oder Schraubdeckel besitzt jedoch den Nachteil, daß zusätzliche Handhabungsschritte für das Öffnen und das Wiederverschließen notwendig sind. In automatischen Analysegeräten, die dem Anwender eine Benutzung soweit als möglich erleichtern, müssen daher recht aufwendige mechanische Vorrichtungen installiert werden.

Eine weitere im Stand der Technik bekannte Möglichkeit, um eine Kontamination der Flüssigkeit durch Luftzutritt und auch eine Verdunstung zu vermeiden, besteht darin, die Öffnung der Gefäße mit einem Septum zu versehen, das bei Entnahmeschritten durchstochen wird. Eine solche Vorrichtung stellt jedoch relativ hohe Anforderungen an die mechanische Stabilität der Pipettiernadel. Weiterhin ist es äußerst schwierig in eine solche Anordnung eine Vorrichtung zur Detektion der Flüssigkeitsoberfläche zu integrieren, da die Pipettiernadel, die für gewöhnlich auch als Detektor verwendet wird, mit dem Septum in mechanischem und elektrischem Kontakt steht.

Im Stand der Technik ist weiterhin ein Aufsatz bekannt, der zur Begrenzung der Verdunstung aus einem Flüssigkeitsbehältnis dient (C.A. Butis und J.S. Watson in Clinical Chemistry 38/5, 768-775, 1992). Die Autoren beschreiben einen Aufsatz, der einen relativ schmalen Kamin besitzt und der somit eine Verdunstung wirksam begrenzt. Die Autoren beschreiben auch, daß der Kamin zum Teil in das Innere des Gefäßes hineinragen kann, um die durch den Kamin notwendig werdende Vergrößerung des Gefäßes zu begrenzen. In der Publikation wird darauf hingewiesen, daß das Gefäß in diesen Fällen nur halb bis dreiviertel gefüllt sein darf in Fig. 1 ist der Aufsatz zum Verdunstungsschutz des Standes der Technik dargestellt. Die vorgeschlagene Ausführungsform ist vor allem dadurch charakterisiert, daß der obere Teil des Kamins weit über das Gefäß hinausragt und der untere Teil des Kamins, der sich innerhalb des Gefäßes befindet, nicht in die Flüssigkeit eintaucht.

Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es, Gefäße für Flüssigkeiten zu entwickeln, die Luftzutritt und Verdunstung begrenzen und die in ihrer äußeren Form mit gebräuchlichen Gefäßen identisch sind. Insbesondere sollen die neuen Gefäße gegenüber den bereits in Verwendung befindlichen keinen zusätzlichen Platzbedarf aufweisen. Ebenfalls war es Aufgabe der Erfindung Gefäße vorzuschlagen, die eine längere Haltbarkeit der Flüssigkeiten ermöglichen, ohne den Zugriff auf die Flüssigkeiten zu erschweren.

Erfindungsgemäß wurde ein Gefäß für Flüssigkeiten gefunden, das ein Behältnis zur Aufnahme von Flüssigkeit mit einer Entnahmeöffnung sowie eine Röhre besitzt, die sich ausgehend von der Entnahmeöffnung in das Innere des Behältnisses erstreckt, so daß sie in die Flüssigkeit eintaucht, wobei sich die Röhre innerhalb der Entnahmeöffnung befindet oder sich direkt an die Entnahmeöffnung anschließt.

Insbesondere im Bereich der Analyse ist es notwendig, wiederholt aus ein und demselben Gefäß Flüssigkeitsportionen zu entnehmen, um diese in der Analyse einzusetzen. Eine Vielzahl der Flüssigkeiten ist jedoch, zumindest in geringem Maße, gegen die Umgebungsluft und die darin enthaltenen Gase empfindlich. Weiterhin kann aus geöffneten Gefäßen Flüssigkeit verdampfen, was analytische Fehler nach sich zieht.

Flüssigkeiten im Sinne der Erfindung sind insbesondere Analyseflüssigkeiten oder auch andersgeartete Flüssigkeiten, die zur besseren Entnahme über einen längeren Zeitraum in geöffneten Gefäßen aufbewahrt werden, wie dies beispielsweise bei Farben, Lacken, Treibstoffen und dergleichen der Fall ist. Im Bereich der klinischen Analytik werden in geöffneten Gefäßen insbesondere Reagenzien aufbewahrt, wobei der Begriff Reagenz auch Hilfsflüssigkeiten wie Puffer, Waschlösung und dergleichen umfassen soll.

Das erfindungsgemäße Gefäß für Flüssigkeiten besitzt ein Behältnis zur Aufnahme der Flüssigkeit. Die Größe des Behältnisses richtet sich nach der aufzubewahrenden Flüssigkeitsmenge, wobei es ein Vorteil der Erfindung ist, daß das Totvolumen des Behältnisses aufgrund der erfindungsgemäßen Röhre nicht vergrößert werden muß, wie dies im Stand der Technik der Fall ist. Im Bereich der klinischen Analytik werden Reagenziengefäße mit einigen 10 bis zu einigen 100 ml eingesetzt. Die Behältnisse können aus einer Vielzahl von Materialien, wie beispielsweise Glas, Keramik oder Metallen gefertigt sein. Vorzugsweise werden als Material Kunststoffe wie z. B. Polyäthylen oder Polypropylen verwendet.

Zur Entnahme von Flüssigkeit besitzt das Behältnis eine Entnahmeöffnung an seiner Oberseite. In der Regel besitzt die Entnahmeöffnung einen kreisförmigen Querschnitt und mündet in einen Verschlußbereich, wie beispielsweise eine Verschraubung oder das Unterteil eines Klappdeckelverschlusses. Die Größe der Entnahmeöffnung wird zur Begrenzung des Luftzutrittes und auch der Verdunstung möglichst klein gewählt. In der Praxis kann der Querschnitt der Entnahmeöffnung nur mit hohem Aufwand unter 6 mm gedrückt werden, da kleinere Querschnitte einen sehr hohen Aufwand zur manuellen oder maschinellen Positionierung einer Entnahmevorrichtung, beispielsweise einer Pipette verursachen. In der Praxis übliche Querschnitte im Bereich der klinischen Analytik liegen daher zwischen 6 und 15 mm.

Für den Transport bzw. eine längere Phase in der keine Benutzung stattfindet, besitzt ein erfindungsgemäßes Gefäß vorzugsweise einen dicht schießenden Verschluß, wie z. B. eine Schraubkappe oder einen Klappdeckel.

Erfindungsgemäß entscheidend zur Verringerung der Verdunstung bzw. Kontamination der Flüssigkeit bei geöffnetem Behältnis ist eine Röhre, die sich ausgehend von der Entnahmeöffnung in das Innere des Behältnisses erstreckt. Die Röhre kann beispielsweise in die Entnahmeöffnung gesteckt sein, so daß Außenwandung der Röhre und Innenwandung bzw. Rand der Entnahmeöffnung dicht aneinander anliegen. Die Röhre kann sich auch direkt an die Entnahmeöffnung anschließen. Beispielsweise kann die Röhre an eine Innenseite des Behältnisses angespritzt sein, so daß die Entnahmeöffnung in die Röhre mündet. Wesentlich für die Erfindung ist es, daß ein Stoffaustausch, d. h. sowohl Luftzutritt als auch Wasserdampfaustritt durch die Röhre erfolgt.

Die erfindungsgemäße Röhre kann aus den bereits für das Behältnis genannten Materialien gefertigt sein. Bevorzugt sind wiederum Kunststoffe, da diese leicht zu bearbeiten sind und auch in den meisten Fällen keine Beeinträchtigung der in ihnen enthaltenen Flüssigkeiten verursachen. Die Länge der Röhre wird erfindungsgemäß so gewählt, daß sie sich bei gefülltem Behältnis in die Flüssigkeit erstreckt. Insbesondere ist es bevorzugt, wenn die Röhre fast bis zum Boden des Gefäßes herabreicht. Abstände zwischen Röhrenunterkante und dem darunter liegenden Boden des Behältnisses kleiner als 1 cm sind bevorzugt. Günstig sind weiterhin Ausführungsformen, bei denen die Röhre zumindest teilweise den Boden des Gefäßes berührt oder sogar mit diesem verbunden ist. In diesen Fällen müßten jedoch eine oder mehrere Öffnungen in der Röhre vorgesehen werden, die sich in Nähe des Gefäßbodens befinden.

Je tiefer die Röhre auf den Boden herabgeführt werden kann, desto ausgeprägter sind die erfindungsgemäßen Vorteile. Es muß jedoch gewährleistet sein, daß die Röhre nicht vom Flascheninnenraum abgetrennt ist, damit Flüssigkeit vom Flascheninnenraum in die Röhre einströmen kann. Die erfindungsgemäße Röhre stellt sicher, daß ein Kontakt zwischen Umgebung und Flüssigkeitsoberfläche auf den Querschnitt der Röhre beschränkt wird, während bei der im Stand der Technik bekannten Anordnung mit einem Kamin die Umgebung nach wie vor mit der gesamten Flüssigkeitsoberfläche im Behältnis in Kontakt treten kann. Da bei der Entnahme von Flüssigkeit der Pegel im Behältnis abnimmt, ist es wichtig, daß die Röhre möglichst tief in das Gefäß herabgeführt wird, um über einen weiten Bereich von Füllständen eine Begrenzung der Austauschfläche zwischen Flüssigkeit und Umgebung zu gewährleisten.

Die Erfindungsgemäße Röhre sollte einen Innenquerschnitt auf-weisen, der nicht kleiner ist als der um 20% verringerte Innenquerschnitt der Entnahmeöffnung, da bei einem zu kleinen Innenquerschnitt der Röhre ein Zugriff auf die Flüssigkeit erschwert wird. Bevorzugte Innenquerschnitte der Röhre liegen zwischen 7 und 20 mm. Es ist auch günstig, wenn die Röhre über ihre Länge einen kostanten Innenquerschnitt aufweist, da so die Anforderungen an den Pipettor bezüglich der Positioniergenauigkeit für die relevanten Füllstände gleich bleiben.

Erfindungsgemäß hat es sich weiterhin als vorteilhaft herausgestellt, wenn die Röhre in ihrer Mantelfläche mindestens eine Öffnung besitzt, die einen Druckausgleich zwischen dem Totraum oberhalb der Flüssigkeit und der Umgebung ermöglicht. Durch diese Vorkehrung wird erreicht, daß der Flüssigkeitspegel innerhalb der Röhre mit dem im übrigen Gefäß übereinstimmt. Da durch diese mindestens eine Öffnung natürlich ein Stoffaustausch mit der Umgebung stattfinden kann, sollte die Größe der Öffnung möglichst begrenzt werden. Es hat sich herausgestellt, daß bereits eine Öffnung mit einem Querschnitt von 1 mm ausreichend ist um den Pegelausgleich in angemessener Zeit zu ermöglichen.

Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Gefäßes wird dieses durch das Einschieben einer Röhre in die Öffnung eines konventionellen Reagenzgefäßes hergestellt. Bei dieser Ausführungsform ist es insbesondere von Vorteil, wenn die Röhre an ihrem einen Ende einen Flansch besitzt, der ein Hindurchrutschen durch die Öffnung des Behältnisses verhindert. Es ist mit dieser Ausführungsform möglich, bereits vorhandene Gefäße durch Nachrüstung zu verbessern.

Für alle genannten Ausführungsformen ist es vorteilhaft, wenn die Röhre nicht oder zumindest nicht wesentlich über die Öffnung des Gefäßes bzw. den Verschlußbereich hinausgeht, damit die Platzanforderungen eines erfindungsgemäßen Gefäßes im wesentlichen denen eines Gefäßes ohne Röhre entsprechen. Dies ist zum einen vorteilhaft, da der notwendige Platzbedarf nicht vergrößert wird. Entscheidend für den Bereich der klinischen Analytik ist jedoch vor allem, daß Analyseautomaten normalerweise auf einen bestimmten Gefäßtyp eingestellt sind, so daß eine Veränderung der Höhe des Gefäßes durch einen herausragenden Kamin eine Neuprogrammierung der automatisch arbeitenden Pipettiervorrichtung notwendig machen würde, oder sogar eine komplette Neukonstruktion des Analyseautomaten erforderlich machen würde. Es ist daher besonders vorteilhaft, wenn die bereits aus einem bestimmten Analyseautomaten gebräuchlichen Gefäße durch Einschieben einer erfindungsgemäßen Röhre verbessert werden können. Zur Erfindung gehört daher die Verwendung einer Röhre zum Einschieben in die Öffnung eines Gefäßes.

Weiterhin gehört ein Verfahren zur Analyse von Probeflüssigkeiten zur Erfindung, das eine Entnahme von Reagenzflüssigkeiten aus Reagenzgefäßen mit einem Pipettor beinhaltet. Bei diesem Verfahren besitzen die Reagenzgefäße eine Röhre, die sich ins Innere des Gefäßes erstreckt wobei sich die Röhre innerhalb der Entnahmeöffnung befindet oder sich direkt an die Entnahmeöffnung anschließt und der Innendurchmesser der Röhre größer als der Querschnitt der Pipettiernadel des Pipettors ist. Da sowohl die Entnahme von Reagenzflüssigkeit aus Reagenzgefäßen mit einem Pipettor, als auch der Pipettor selbst im Stand der Technik hinlänglich bekannt ist, wird an dieser Stelle auf nähere Ausführungen verzichtet. Bezüglich des bei diesem Verfahren verwendeten Reagenzgefäßes wird auf vorangehende Details dieser Beschreibung verwiesen.

Die Erfindung wird im Folgenden anhand von Figuren und Beispielen näher erläutert:

Fig. 1 Vorrichtung aus dem Stand der Technik.

Fig. 2 Erfindungsgemäßes Gefäß und seine Zusammensetzung aus Vorratsbehältnis und Röhre.

Fig. 3 pH-Wert Abnahme einer Reagenzflüssigkeit zur Bestimmung von alkalischer Phosphatase in konventionellen Reagenzgefäßen und in den gleichen Gefäßen, die mit einer erfindungsgemäßen Röhre versehen wurden.

Fig. 1 zeigt eine Vorrichtung aus dem Stand der Technik, die der Publikation Clinical Chemistry 38/5, Seiten 768-775 (1992) entnommen wurde. Innerhalb eines mit einer großen Öffnung versehenen Gefäßes (1) befindet sich eine Flüssigkeit, die gegen Verdunstung geschützt werden soll. Dies wird durch einen Aufsatz (2) erreicht, der einen Kamin (3) beinhaltet. Es ist aus der Figur zu erkennen, daß der Kamin nur teilweise in das Innere des Gefäßes (1) hineinragt. Insbesondere wird ein Kontakt zwischen Kamin und Flüssigkeit vermieden, so daß die Umgebungsluft über dem Kamin mit der gesamten Flüssigkeitsoberfläche in Kontakt steht. Der dargestellte Kamin (3) ragt weiterhin erheblich über die Oberkante des Gefäßes (1) hinaus, so daß der Aufsatz (2) mit dem Kamin die räumlichen Anforderungen gegenüber dem Gefäß allein stark vergrößert.

Fig. 2a zeigt, wie ein erfindungsgemäßes Gefäß durch Zusammenstecken einer Röhre (20) und eines Behältnisses (10) hergestellt werden kann. Die Röhre (20) wird hierzu in den Verschlußbereich (11) des Behältnisses (10) eingesteckt. Ein Hindurchrutschen der Röhre (20) durch die Öffnung des Verschlußbereiches (11) wird durch ein Flansch (21) an einem Ende der Röhre verhindert.

Fig. 2b zeigt die fertige Anordnung. Die Röhre (20) befindet sich so innerhalb des Verschlußbereiches (11), daß die Außenwandung der Röhre dichtend an der Innenwandung des Verschlußbereiches (11) anliegt. Die Röhre reicht bis auf einen Abstand von wenigen Millimetern bis auf den Boden (12) des Gefäßes hinab.

Fig. 2c zeigt eine Detailvergrößerung des oberen Endes der Röhre (20). Der Flansch (21) besteht im dargestellten Beispiel aus einem Kreisring mit einigen Ausnehmungen. Zum Druckausgleich zwischen Umgebung und der im Gefäß befindlichen Flüssigkeit dienen eine Reihe von Schlitzen (22), die längs der Röhrenachse angeordnet sind. Durch diese Maßnahme kann gewährleistet werden, daß der Flüssigkeitsstand innerhalb der Röhre (20) mit dem im übrigen Gefäß übereinstimmt. Die Länge der Schlitze (22) ist so bemessen, daß sie kurz unterhalb des Bereiches enden, in dem die Röhre (20) und der Verschlußbereich (11) eng aneinander anliegen.

Fig. 3 zeigt grafisch die pH-Wert Abnahme eines Reagenzgemisches zur Bestimmung von alkalischer Phosphatase über eine Dauer von 7 Tagen. Die in Fig. 3 verwendeten Buchstaben kennzeichnen die folgenden Kombinationen von Flaschentypen und Füllhöhen:

A: 100 ml Flasche vollständig gefüllt

B: 100 ml Flasche zur Hälfte gefüllt

C: 50 ml Flasche vollständig gefüllt

D: 100 ml Flasche mit 20 ml gefüllt

E: 50 ml Flasche mit 20 ml gefüllt

F: 20 ml Flasche vollständig gefüllt

Die im Diagramm verwendeten Balken besitzen die folgende Bedeutung:

Schwarz: Gefäß ohne Kamin mit einer Entnahmeöffnung von 6 ml Durchmesser

Weiß: Gefäß mit erfindungsgemäßer Röhre von 5 cm Länge

Die Funktionsweise wird auch anhand der folgenden Beispiele verdeutlicht:

Beispiel 1

Bedingt durch den alkalischen pH Wert ist die Methode zur Bestimmung alkalischer Phosphatase nach DGKCh hinsichtlich CO&sub2; Eintragung besonders anfällig. Dieses Reagenz, abgefüllt zu 50 ml in einer handelsüblichen 100 ml Systemflasche wurde jeweils mit und ohne Röhre gemäß Fig. 2 in einem Boehringer Mannheim/Hitachi 717 Reagenzkompartiment bei 10°C stehen gelassen und die tägliche pH Wert Änderung verfolgt. Die beobachtete pH Abnahme ist in der folgenden Tabelle zusammengefaßt:



Durch die erfindungsgemäße Röhre wird die zeitliche Abnahme des pH Wertes stark reduziert. Da im vorliegenden Beispiel die pH-Wert Änderung die wesentliche Ursache für die Reagenzienstabilität ist, wird die Stabilität des Reagenzes entsprechend verbessert.

Beispiel 2

Es wurde die Kalibrationsstabilität einiger Reagenzien am Boehringer Mannheim/Hitachi 717 Analysenautomaten in halbgefüllten, unverschlossenen 100 ml Reagenzflaschen untersucht. Kriterium für Kalibrationsstabilität war dabei eine erlaubte Abweichung der Wiederfindung bezogen auf die Ausgangskonzentration von maximal ± 5% für das eingesetzte Kalibrator- und Kontrollmaterial. Das Ergebnis ist in der folgenden Tabelle zusammengefaßt:



Durch die erfindungsgemäße Röhre wird auch hier die Kalibrationsstabilität um einen Faktor 2-3 verbessert. Besonders stark ausgeprägt ist die Verbesserung bei wenig stabilen Reagenzien wie ALP-DGKCh. Hier erhöht sich die Kalibrationsstabilität von 3 auf 9 Tage.

Beispiel 3

Ein Bicarbonatreagenz (Boehringer Mannheim Corporation, Indianapolis) in einer halbgefüllten 100 ml Flasche wurde jeweils mit und ohne Röhre entsprechend Fig. 3 in das Reagenzkompartiment eines Boehringer Mannheim/Hitachi 717 Analysenautomaten gestellt und die zeitliche Veränderung des Reagenzienwertes verfolgt. Das Ergebnis ist in der folgenden Tabelle zusammengefaßt:



Während ohne Röhre über 14 Tage eine kontinuierliche Zunahme des Reagenzleerwertes beobachtet wird, bleibt dieser in dem parallel durchgeführten Versuch mit erfindungsgemäßer Röhre über den gesamten Beobachtungszeitraum nahezu konstant.

Beispiel 4

Durch eine Röhre gemäß Fig. 2 wird auch die Verdunstung signifikant reduziert: mit Wasser halbgefüllte 100 ml Reagenzflaschen wurden 14 Tage bei Raumtemperatur auf der Laborbank stehengelassen und der Flüssigkeitsverlust anschließend durch Wiegen bestimmt: ohne Röhre verdunsteten bei diesem Versuch 6.9%, mit erfindungsgemäßer Röhre lediglich 3.1% der Flüssigkeit.

Bezugszeichenliste

1 Gefäß für Flüssigkeiten

2 Aufsatz zum Verdunstungsschutz

3 Kamin

10 Behältnis

11 Verschlußbereich

12 Boden des Gefäßes

20 Röhre

21 Flansch

22 Schlitze


Anspruch[de]
  1. 1. Gefäß für Flüssigkeiten mit
    1. - einem Behältnis zur Aufnahme von Flüssigkeit, das eine Entnahmeöffnung besitzt und
    2. - einer Röhre, die sich ausgehend von der Entnahmeöffnung in das Innere des Behältnisses erstreckt, so daß sie in die Flüssigkeit eintaucht, wobei sich die Röhre innerhalb der Entnahmeöffnung befindet oder sich direkt an die Entnahmeöffnung anschließt.
  2. 2. Gefäß gemäß Anspruch 1, bei dem die Röhre in ihrer Mantelfläche mindestens eine Öffnung besitzt, die einen Gasaustausch zwischen dem Totraum oberhalb der Flüssigkeit und der Umgebung ermöglicht.
  3. 3. Gefäß gemäß Anspruch 1, bei dem der Innenquerschnitt der Röhre nicht kleiner ist als der um 20% verringerte Innenquerschnitt der Entnahmeöffnung.
  4. 4. Gefäß gemäß Anspruch 1, bei dem die Länge der Röhre so bemessen ist, daß der Abstand zwischen Röhrenunterkante und dem darunter liegenden Boden des Behältnisses kleiner als 1 cm ist.
  5. 5. Gefäß gemäß Anspruch 1, bei dem Gefäß und Röhre separate Einzelteile sind, die zusammengefügt werden.
  6. 6. Gefäß gemäß Anspruch 1, bei dem der Innenquerschnitt der Röhre zwischen 7 und 20 mm liegt.
  7. 7. Gefäß gemäß Anspruch 1, bei dem die Röhre an ihrem einen Ende einen Flansch besitzt, der ein Hindurchrutschen durch die Öffnung des Behältnisses verhindert.
  8. 8. Gefäß gemäß Anspruch 1, bei dem die Röhre an ihrem einen Ende schlitzförmige Ausnehmungen besitzt, die in Richtung der Röhrenachse ausgerichtet sind.
  9. 9. Gefäß gemäß Anspruch 1, das einen Verschluß besitzt mit dem die Entnahmeöffnung verschlossen werden kann.
  10. 10. Gefäß gemäß Anspruch 1 mit der genannten Röhre, wobei der Innenquerschnitt der Röhre über die Länge der Röhre im wesentlichen konstant ist.
  11. 11. Verfahren zur Analyse von Probeflüssigkeiten, das die Entnahme von Reagenzflüssigkeiten aus Reagenzgefäßen mit einem Pipettor beinhaltet, wobei die Reagenzgefäße eine Röhre besitzen, die sich ins Innere des Gefäßes erstreckt wobei sich die Röhre innerhalb der Entnahmeöffnung befindet oder sich direkt an die Entnahmeöffnung anschließt und der Innendurchmesser der Röhre größer als der Querschnitt der Pipettiernadel des Pipettors ist.
  12. 12. Verwendung einer Röhre zum Einschieben in die Öffnung eines Gefäßes, wobei die Röhre in ihrem Außenumfang so bemessen ist, daß sie an der Innenwandung der Öffnung dichtend anliegt.
  13. 13. Röhre gemäß Anspruch 12, die an ihrem einen Ende einen Flansch besitzt.
  14. 14. Röhre gemäß Anspruch 12, die im Bereich ihres einen Endes mindestens eine Öffnung in ihrer Mantelfläche besitzt.






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