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Dokumentenidentifikation DE19536827A1 03.04.1997
Titel Verfahren und Vorrichtung zur Trennung flüssiger eutektischer Mischungen durch Kristallisation an Kühlflächen
Anmelder BASF AG, 67063 Ludwigshafen, DE
Erfinder Borho, Klaus, Dr., 67122 Mutterstadt, DE;
Heilek, Jörg, 69245 Bammental, DE;
Schnabel, Gunter, Dr., 67136 Fußgönheim, DE
Vertreter Bardehle, Pagenberg, Dost, Altenburg, Frohwitter, Geissler & Partner Patent- und Rechtsanwälte, 81679 München
DE-Anmeldedatum 02.10.1995
DE-Aktenzeichen 19536827
Offenlegungstag 03.04.1997
Veröffentlichungstag im Patentblatt 03.04.1997
IPC-Hauptklasse B01D 9/02
IPC-Nebenklasse C07B 63/00   C07B 57/00   
IPC additional class // C07D 307/48,C07C 57/07,57/58,53/08,53/122,51/43,63/06,69/54,C07M 7:00  
Zusammenfassung In einem Verfahren zur Trennung flüssiger eutektischer Mischungen durch Kristallisation an Kühlflächen, auf die Impfkristalle aufgebracht werden, auf denen arteigene Eutektikumsbildner aufwachsen, welche nach Erwärmung der Flächen in flüssiger Form abgezogen werden, wird zunächst reine Schmelze, Lösung oder Suspension mindestens einer eutektikumsbildenden Substanz über eine Kühlfläche geführt und durch Abkühlung eine entsprechende Impfkristallschicht gebildet, und danach wird die Kühlfläche mit dem zu trennenden Eutektikumsgemisch in Berührung gebracht.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Trennung flüssiger eutektischer Mischungen durch Kristallisation an Kühlflächen, auf die Impfkristalle in Form einer Impfkristallschicht aufgebracht werden, auf denen arteigene Eutektikumsbildner aufwachsen, welche nach Erwärmung der Flächen in flüssiger Form abgezogen werden.

Die Stofftrennung durch Kristallisation ist von besonderem Interesse, wenn Enantiomerenmischungen d. h. Mischungen optisch aktiver Isomeren, getrennt werden sollen. In diesen Fällen weisen andere thermische Trennverfahren (Extraktion, Destillation) keine Selektivität auf; lediglich durch den aufwendigen Einsatz von Hilfsstoffen (chirale Substanzen) kann bei diesen Verfahren eine Trennwirkung erreicht werden.

In der Regel ist es erforderlich, die Stofftrennung mit einer möglichst großen, auf das Wertprodukt bezogenen Ausbeute durchzuführen. Hierin liegt ein wesentliches Problem der Kristallisation als Trennverfahren, da Wertstoff und unerwünschte Nebenkomponenten in den meisten Fällen eutektische Mischungen aufweisen, die ohne besondere Maßnahmen nicht weiter aufzutrennen sind. Demnach treten in diesen Fällen Wertstoff- Ausbeuteverluste entsprechend der eutektischen Zusammensetzungen auf. Im Falle von racemischen Enantiomerenmischungen, bei denen das Racemat gleichzeitig die eutektische Mischung darstellt (racemisches Konglomerat), ist ohne besondere Maßnahmen auch mittels Kristallisation keine Stofftrennung möglich.

Man hat daher bereits die Kristallisation als Trennverfahren eingesetzt, um auch eutektische Zusammensetzungen aufzutrennen. Hierzu ist bekannt, daß eutektische Mischungen getrennt werden können, indem man einzelne Impfkristalle der eutektikumsbildenden Substanzen (im folgenden auch EB = Eutektikumsbildner genannt) in Schmelzen oder Lösungen mit eutektischer Zusammensetzung (im folgenden eutektische Flüssigkeit genannt) vorlegt, die Impfkristalle unter definierten Bedingungen hinsichtlich Übersättigung (innerhalb des metastabilen Bereichs) durch selektives Aufwachsen der EB auf die arteigenen Impfkristalle weiterwachsen läßt und die einzelnen Kristalle nach dem Wachstum durch geeignete Maßnahmen weitgehend sortenrein aus der Schmelze oder Lösung abtrennt.

Bei bekannten Kristallisationsverfahren und -apparaten zur Trennung von eutektischen Mischungen, insbesondere zur Trennung von Enantiomeren werden die EB entweder selektiv in zwei gekoppelten Kristallisatoren (DE-PS 18 07 495, DE-PS 21 09 456) oder in einem gemeinsamen Kristallisator getrennt (US-PS 2,983,757) auskristallisiert. Allen beschriebenen Verfahren/Apparaturen ist gemeinsam, daß die eutektischen Flüssigkeiten mit einzelnen Kristallen der EB angeimpft werden, um selektiv die EB auskristallisieren zu können.

Durch die Vorlage von einzelnen Impfkristallen in die eutektische Flüssigkeit ergibt sich zwangsläufig, daß die EB entweder als disperses Massenkristallisat in einer Suspension (Kristallmaische) erhalten werden oder in speziellen Apparaturen als Einzelkristalle in definierten räumlichen Anordnungen erhalten werden.

Es ist daher eine insbesondere bei Schmelze-Systemen schwierige und technisch aufwendige Abtrennung der suspendierten Kristalle aus der eutektischen Flüssigkeit erforderlich (z. B. durch Zentrifugen, Filter, Schwerkraftabscheider) oder es zwingt die Forderung nach definierter räumlicher Anordnung zu einem aufwendigen Einbringen der einzelnen Impfkristalle in den Kristallisator und zu einem ebenso aufwendigen Sammeln der gewachsenen Kristalle.

Ein weiterer Nachteil der bekannten Verfahren/Apparate ist, daß zum Animpfen der eutektischen Flüssigkeit die Impfkristalle in Form einer Maische oder als Schüttgut gehandhabt werden müssen.

Die vorerwähnten Nachteile führten dazu, daß sich die beschriebenen Verfahren/Apparate in der großtechnischen Anwendung nicht durchsetzen konnten.

Der Erfindung lag daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Trennung eutektischer flüssiger Mischungen zu schaffen, die diese Nachteile vermeiden und die in einfacher und zuverlässiger Weise großtechnisch einsetzbar sind.

Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß Impfkristalle einer eutektikumsbildenden Substanz in Form einer Impfkristallschicht auf eine Kühlfläche aufgebracht werden und eine Kühlfläche mit einer Impfkristallschicht aus nur einer eutektikumsbildenden Substanz verwendet wird.

Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung wird die Kristallschicht auf einer Kühlfläche dadurch gebildet, daß die Kühlfläche mit einer reinen Schmelze, Lösung oder Suspension einer eutektikumsbildenden Substanz in Kontakt gebracht wird und durch Abkühlung eine Impfkristallschicht gebildet wird, und daß die Kühlfläche danach mit dem zu trennenden Eutektikumsgemisch in Kontakt gebracht wird. Zur Bildung der Impfkristallschichten wird die reine Schmelze, Lösung oder Suspension mindestens einer eutektikumsbildenden Substanz verwendet, vorzugsweise werden die reinen Schmelzen, Lösungen oder Suspensionen von zwei eutektikumsbildenden Substanzen verwendet. Die Begriffe "reine Schmelzen, Lösungen oder Suspensionen" oder "EB-Reinschmelzen" umfassen erfindungsgemäß nicht nur Schmelzen, Lösungen oder Suspensionen von Reinstoffen im herkömmlichen Sinne, sondern alle Schmelzen, Lösungen oder Suspensionen von Mischungen, die in bezug auf die EB reiner sind als das zu trennende, eutektische Gemisch.

Gemäß einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung wird beim Aufwachsen der Kristallschichten auf den Kühlflächen die eutektische Mischung im Umlauf gefahren, und nach dem Aufwachsen der Kristallschichten der Umlauf beendet und die eutektische Restflüssigkeit abgeführt.

Danach kann ein Wasch- oder Schwitzschritt durchgeführt werden. Beim Waschen werden die auf den Kühlflächen gewachsenen Kristallschichten mit einer Waschflüssigkeit in Kontakt gebracht und wieder von letzterer getrennt. Dadurch wird die auf den Kristallschichten verbleibende eutektische Restflüssigkeit durch die vorzugsweise reinere Waschflüssigkeit ausgetauscht. Insbesondere bei längerer Verweilzeit der Waschflüssigkeit auf den Kristallschichten erfolgt auch ein diffusiver Austausch von Verunreinigungen zwischen der reineren Waschflüssigkeit und weniger reinen Bereichen der Kristallschichten. Als Waschflüssigkeit werden vorzugsweise frische eutektische Mischung oder EB-Reinschmelze verwendet. Beim Schwitzen wird nach Abführen der eutektischen Restflüssigkeit die Temperatur der Kristallschicht auf einen Wert angehoben, der zwischen den Schmelzpunkttemperaturen der eutektischen Mischung und des EB-Reinstoffes liegt. Dadurch erfolgt ein partielles Abschmelzen von weniger reinen Teilen der Kristallschicht.

Danach werden die Kristallschichten durch Erwärmung verflüssigt und die Flüssigkeiten getrennt abgeführt.

Nach dem getrennten Abführen der mindestens einen eutektikumsbildenden Substanz wird erneut eine Kristallschicht aus nur einer eutektikumsbildenden Substanz auf einer Kühlfläche gebildet, indem die Kühlfläche mit einer reinen Schmelze, Lösung oder Suspension einer eutektikumsbildenden Substanz in Kontakt gebracht wird und nach Bildung einer Impfkristallschicht die eutektische Mischung der Kühlfläche erneut zugeführt wird.

Als Kühlflächen können ebene oder zylindrisch geformte Kühlflächen, z. B. Rohre, eingesetzt werden. Diese Kühlflächen können je mit einem Zulauf und einem Ablauf versehene Teile eines gemeinsamen Wärmetauschers sein.

Das erfindungsgemäße Kristallisationsverfahren arbeitet wie alle bekannten Verfahren/Apparate nach dem grundlegenden Prinzip, im metastabilen Bereich die Eutektikumsbildner (EB) an artgleicher kristalliner Oberfläche aufwachsen zu lassen. Im Gegensatz zu den bereits bekannten Verfahren zeichnet sich das erfindungsgemäße Verfahren jedoch dadurch aus, daß die Trennung der eutektischen Mischung durch Kristallisation an Kühlflächen erfolgt, die mit der eutektischen Flüssigkeit in Kontakt stehen und auf denen mindestens ein, vorzugsweise jedoch zwei EB selektiv als Schichten aufwachsen. Um selektives Kristallschichtwachstum zu erreichen, werden Kühlflächen vor dem eigentlichen Kristallisiervorgang zunächst mit der reinen Schmelze, Lösung oder Suspension mindestens eines EB, vorzugsweise jedoch mit den reinen Schmelzen, Lösungen oder Suspensionen zweier EB in Kontakt gebracht, danach werden die reinen Schmelzen, Lösungen oder Suspensionen der mindestens einen, vorzugsweise der zwei EB wieder von den Kühlflächen getrennt und die auf den benetzten Kühlflächen verbleibenden dünnen Flüssigkeitsfilme eines, vorzugsweise zweier EB werden dann durch Temperaturabsenkung an den Kühlflächen partiell oder vollständig zu Impfkristallschichten erstarrt.

Das Aufbringen einer Impfkristallschicht auf eine Kühlfläche durch Temperaturabsenkung kann auch dadurch erfolgen, daß man den nach Abschmelzen der Kristallschicht aus dem vorangegangenen Zyklus auf der Kühlfläche verbleibenden Flüssigkeitsfilm erstarrt. Sodann werden die mit Impfkristallschichten versehenen Kühlflächen mit eutektischer Flüssigkeit in Kontakt gebracht, und auf den Kühlflächen werden danach durch Temperaturabsenkung mindestens ein, vorzugsweise zwei EB selektiv zu dickeren Kristallschichten aufwachsen gelassen.

Wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren nur ein EB auf den Kühlflächen als kristalline Impfschicht vorgelegt und als Schicht wachsen gelassen, kann der zweite EB entweder wie in bekannten Verfahren mittels einzelnen Impfkristallen vorgelegt und als disperses Kristallisat erhalten werden oder ohne Animpfen durch spontane Massenkristallisation erhalten werden.

Die im erfindungsgemäßen Verfahren verwendbaren Kühlflächen unterliegen an sich keiner Beschränkung und können beliebiger Form sein. Vorzugsweise werden zylindrisch geformte Kühlflächen, z. B. Rohre, oder ebene Kühlflächen eingesetzt. Hierbei können die Kühlflächen entweder vollständig in eutektische Flüssigkeit eingetaucht sein oder nur von einem Rieselfilm eutektischer Flüssigkeit überströmt werden, z. B. vollständig durchströmtes oder von einem Rieselfilm durchströmtes Rohr.

Das Erstarren eines auf den Kühlflächen verbleibenden dünnen Flüssigkeitsfilms wurde zwar in der DE 17 69 123 und in der DE 37 08 709 zwecks Vorlage kristalliner Oberfläche bereits beschrieben. Dort sind jedoch der Flüssigkeitsfilm und damit auch die resultierende kristalline Phase auf allen Kühlflächen in ihrer Zusammensetzung gleich. Darüber hinaus ist das Vorhandensein einer weiteren kristallinen Phase nicht vorgesehen oder beschrieben. Die Möglichkeit des Vorhandenseins zweier kristalliner Phasen, vorzugsweise dadurch erreicht, daß Kühlflächen getrennt und mit in ihrer Zusammensetzung unterschiedlichen Impfkristallschichten versehen werden, wurde nicht erkannt. Entsprechend wurde auch nicht erkannt, daß das Aufbringen von Impfkristallen in Form einer Impfkristallschicht auf einer Kühlfläche zur Trennung von eutektischen Mischungen genutzt werden kann.

Werden durch das erfindungsgemäße Verfahren zur Eutektikumstrennung die EB nicht direkt in ausreichender Reinheit erhalten, können die aus dem erfindungsgemäßen Verfahren kommenden Reinschmelzen der EB mit bekannten Rekristallisationsverfahren weiter hochgereinigt werden.

Der Begriff Eutektikumsbildner umfaßt erfindungsgemäß nicht nur einen einzigen Bestandteil eines eutektischen Gemisches, sondern kann auch Gemische von zwei oder mehr eutektikumsbildenden Bestandteilen eines eutektischen Gemisches umfassen.

Das Verfahren eignet sich allgemein zur Trennung aller eutektischen Mischungen, deren einzelne Bestandteile Kristalle bilden können. Besonders vorteilhaft ist das erfindungsgemäße Verfahren zur Trennung von eutektischen Mischungen mit Schmelzpunkten der Mischungen im Bereich von -30°C bis +200°C, vorzugsweise im Bereich zwischen 20 und 150°C. Als Beispiel sei die Trennung einer eutektischen Mischung der Enantiomeren R(+)-2-Phenoxypropionsäure und S(-)-2-Phenoxypropionssäure mit einer Zusammensetzung von R/S = 96/4 und einem Schmelzpunkt von 61°C genannt. Die Kristallisationstemperatur der eutektischen Schmelze beträgt hierbei 61°C, so daß die Kühlflächentemperaturen beim Kristallisieren im Bereich von 61 bis etwa 30°C liegen. Als weiteres Beispiel sei eine eutektische Mischung der Enantiomeren R(+)-2-(4- Chlor-2-methylphenoxy)propionsäure und S(-)-2-(4-Chlor-2-methylphenoxy)propionsäure mit einer Zusammensetzung von R/S = 80/20 und einem Schmelzpunkt von 79°C genannt. Die Kristallisationstemperatur der eutektischen Schmelze liegt bei 79°C, weshalb die Kühlflächentemperaturen beim Kristallisieren im Bereich von 79 bis etwa 40°C liegen.

Daneben können mit dem erfindungsgemäßen Verfahren auch eutektische Mischungen von Acrylsäure und ihrer Nebenkomponenten, wie sie bei der Herstellung von Acrylsäure durch Propenoxidation entstehen können, getrennt werden, z. B. Mischungen mit Acrylsäure, Essigsäure, Propionsäure, Benzoesäure, Allylacrylat oder Furan-2-aldehyd als EB. Als Beispiel hierfür sei die eutektische Mischung der Komponenten Acrylsäure und Essigsäure mit einer Zusammensetzung von 55% Acrylsäure/45% Essigsäure und einem Schmelzpunkt von -27°C genannt.

Das erfindungsgemäße Verfahren zeichnet sich allgemein durch Einfachheit und Betriebssicherheit aus, da kein Massenkristallisat als Feststoff gehandhabt werden muß, also keine Abtrennung auf Filtern oder Zentrifugen und keine Feststofftransportvorgänge erforderlich sind. Speziell als Verfahren zur Trennung eutektischer Mischungen liegt der besondere Vorteil darin, daß die aufwendige Handhabung der Impfkristalle in Form einer Maische oder als Schüttgut entfällt. Statt dessen wird die zur selektiven Kristallisation erforderliche Vorlage kristalliner Oberfläche auf einfachste Weise über das Aufbringen einer Impfkristallschicht auf eine Kühlfläche, bevorzugt durch das Erstarren eines Flüssigkeitsfilms auf der Kühlfläche, realisiert.

Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung können dem in der Figur dargestellten und nachfolgend beschriebenen Ausführungsbeispiel, das eine bevorzugte Ausführungsform der Erfindung darstellt, entnommen werden.

Der in der Figur mit 1 bezeichnete Kristallisator ist baulich in die getrennten Kristallisierzonen 1a und 1b unterteilt. Im Beispiel ist dies ein 2-zügiger Rohrbündelwärmeübertrager. Drei Behälter 2, 3 und 4 dienen als Auffang- und Vorlagevolumen für die eutektische Flüssigkeit und die Reinschmelzen der EB. Vier Pumpen 5, 6, 7 und 8 dienen der Förderung der im System anfallenden Flüssigkeiten. Mit den Wärmeübertragern 14 und 15 kann man dem System zusätzlich Energie zuführen, sofern dies nicht ausschließlich über den Kristallisator 1 erfolgen soll.

Der Betriebsablauf des Verfahrens ist folgender:

Die Zonen 1a und 1b des Kristallisators 1 werden zunächst getrennt mit einer der eutektikumsbildenden Substanzen (EB) beaufschlagt. Im vorliegenden Falle wird der Zone 1a die mit EB A bezeichnete Substanz aus Behälter 2, der Zone 1b die mit EB B bezeichnete Substanz aus Behälter 4 zugeführt. Danach werden die Flüssigkeiten getrennt wieder abgelassen, und zwar A in den Behälter 2, B in den Behälter 4. Daraufhin werden die Kühlflächen abgekühlt, um die auf den Kühlflächen verbleibenden Flüssigkeitsfilme zu Impfkristallschichten zu erstarren. Die Abkühlung der Kühlflächen in den beiden Zonen des als Kristallisator dienenden Wärmeübertragers erfolgt über ein Kühlmittel, das durch die Rohrleitung 12 zugeführt und durch die Rohrleitung 13 abgeführt wird.

Danach wird die zu trennende eutektische Flüssigkeit mit ihren Bestandteilen A und B über die Zuleitung 9 in den Kristallisator 1 eingeleitet und über die Pumpe 5 durch die Rohre der Kristallisierzonen 1a und 1b kontinuierlich im Kreis gefahren. Dabei werden die Kühlflächen in den beiden Zonen des Kristallisators mit Hilfe des über die Leitungen 12 zugeführten und die Leitungen 13 abgeführten Kühlmittels in der Weise abgekühlt, daß die EB in den Kristallisierzonen 1a und 1b selektiv auf den vorhandenen Impfkristallschichten aufwachsen und keine neuen Kristallkeime entstehen.

Nach Erreichen einer gewünschten Schichtdicke wird der Abkühlvorgang abgebrochen, die Pumpe 5 außer Betrieb genommen und die im Kristallisator 1 verbliebene, eutektische Restflüssigkeit in den Behälter 3 abgelassen.

Die in den Kristallisierzonen 1a und 1b auf den Kühlflächen haftenden Kristallschichten werden durch Anheben der Kühlflächentemperaturen auf Temperaturen oberhalb der Schmelzpunkte der EB abgeschmolzen. Die abfließenden Schmelzen A und B werden getrennt in den Behältern 2 und 4 aufgefangen (A in Behälter 2, B in Behälter 4). Zur Beschleunigung des Abschmelzvorgangs können über die Pumpen 6 und 7 zusätzlich reine Schmelzen der EB aus den Behältern 2 und 4 herausgefahren und durch die jeweiligen Kristallisierzonen 1a und 1b geleitet werden. Hierbei kann zusätzlich Energie zum Aufschmelzen über die Wärmeträger 14 und 15 dem System zugeführt werden, wenn dies nicht ausschließlich über den Kristallisator 1 erfolgen soll.

Nach Ablassen der EB-Reinschmelzen aus den Kristallisierzonen 1a und 1b in die entsprechenden Auffangbehälter 2 und 4 werden durch Absenken der Kühlflächentemperaturen in den Kristallisierzonen die jeweils an den Kühlflächen anhaftenden Restfilme der EB-Reinschmelzen ausgefroren und dienen als Impfkristallschichten für den nächsten Kristallisationszyklus.

Zum erneuten Befüllen des Kristallisators wird frische eutektische Flüssigkeit über Leitung 9 zugeführt. Die in Behälter 3 befindliche eutektische Restflüssigkeit kann über Pumpe 8 ebenfalls zum Befüllen des Kristallisators verwendet werden oder sie wird ganz oder teilweise über Leitung 16 aus dem System abgezogen.

Das vorbeschriebene Verfahren wird dann zyklisch wiederholt. Bei ausreichendem Füllgrad in den Behältern 2 und 4 werden die jeweiligen Reinschmelzen A und B der EB über die Leitungen 10 und 11 aus dem System abgezogen.

Sofern die EB-Reinstoffe deutlich unterschiedliche Schmelztemperaturen aufweisen oder die eutektische Mischung in ihrer Zusammensetzung deutlich von einem Verhältnis 1 : 1 abweicht, kann dies bei der Zoneneinteilung der Kühlflächen berücksichtigt werden. Bei deutlich unterschiedlichen Schmelzpunkten der EB-Reinstoffe (vorzugsweise bei Temperaturdifferenzen > 10 °C) kann es sinnvoll sein, die EB-spezifischen Zonen unabhängig voneinander beheizen und kühlen zu können. Dies ist insbesondere beim Ausfrieren der Impfkristallschichten und Abschmelzen der Kristallschichten von Interesse. Bei eutektischen Zusammensetzungen mit deutlichen Abweichungen vom Verhältnis 1 : 1 (vorzugsweise ab Verhältnissen 60 : 40 und ungleicher) kann für den anteilmäßig überwiegenden EB ein entsprechend größerer Kühlflächenanteil vorgesehen werden, für den anderen EB ein entsprechend kleinerer Kühlflächenanteil. Unterschiedliche Kühlflächengrößen, Kühlflächenanzahlen und getrennte Temperierungsmöglichkeiten können durch Segmentierung eines gemeinsamen Wärmeübertragers oder durch Verwendung mehreren unterschiedlicher Wärmeübertrager geschaffen werden.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zur Trennung flüssiger eutektischer Mischungen durch Kristallisation an Kühlflächen, auf die Impfkristalle aufgebracht werden, auf denen arteigene Eutektikumsbildner aufwachsen, welche nach Erwärmung der Flächen in flüssiger Form abgezogen werden, dadurch gekennzeichnet, daß die Impfkristalle in Form einer Impfkristallschicht auf eine Kühlfläche aufgebracht werden und eine Kühlfläche mit einer Impfkristallschicht aus nur einer eutektikumsbildenden Substanz verwendet wird.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Kristallschicht auf einer Kühlfläche dadurch gebildet wird, daß die Kühlfläche mit reiner Schmelze, Lösung oder Suspension einer eutektikumsbildenden Substanz in Kontakt gebracht wird und durch Abkühlung eine entsprechende Impfkristallschicht gebildet wird, und daß die Kühlfläche danach mit dem zu trennenden Eutektikumsgemisch in Berührung gebracht wird.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die reine Schmelze, Lösung oder Suspension mindestens einer eutektikumsbildenden Substanz, vorzugsweise die reinen Schmelzen, Lösungen oder Suspensionen von zwei eutektikumsbildenden Substanzen, zur Bildung von Impfkristallschichten verwendet werden.
  4. 4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß beim Aufwachsen der Kristallschichten auf den Kühlflächen die eutektische Mischung im Umlauf gefahren wird, und nach dem Aufwachsen der Kristallschichten der Umlauf beendet und die eutektische Restflüssigkeit abgeführt wird.
  5. 5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß nach dem Abführen der eutektischen Restflüssigkeit ein Wasch- oder Schwitzvorgang mit den Kristallschichten durchgeführt wird.
  6. 6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß man nach Verflüssigung der Kristallschichten durch Erwärmung die Flüssigkeiten getrennt abführt.
  7. 7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß nach dem Abführen der mindestens einen eutektikumsbildenden Substanz erneut eine Kühlfläche mit einer Kristallschicht aus nur einer eutektikumsbildenden Substanz gebildet wird, indem die Kühlfläche mit reiner Schmelze, Lösung oder Suspension einer eutektikumsbildenden Substanz in Kontakt steht oder gebracht wird, und nach Bildung einer Impfkristallschicht die eutektische Mischung der Kühlfläche erneut zugeführt wird.
  8. 8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß als Kühlflächen ebene oder zylindrisch geformte Flächen eingesetzt werden.
  9. 9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß ebene oder zylindrische Kühlflächen, bevorzugt Rohre, von einem Flüssigkeits-Rieselfilm überströmt oder vollständig gefüllt mit Flüssigkeit durchströmt werden.
  10. 10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Verhältnis der Größe und/oder der Anzahl der Kühlflächen dem Verhältnis der auf ihnen zu kristallisierenden Anteile der mindestens einen eutektikumsbildenden Substanz entspricht.
  11. 11. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens zwei mit mindestens einer Zuleitung (12) und einer Ableitung (13) für ein Kühlmittel versehene Wärmeübertrager (1a, 1b) vorgesehen sind, deren getrennte Zuführungsleitungen mit einer gemeinsamen Zuführungsleitung (9) verbindbar sind, und deren Abführungsleitungen mit je einem getrennten (2, 4) oder mit einem gemeinsamen (3) Auffangbehälter verbindbar sind.
  12. 12. Vorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß der Wärmeübertrager (1) ebene oder zylindrisch geformte Kühlflächen aufweist.
  13. 13. Vorrichtung nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, daß die Wärmeübertrager (1a, 1b) eine Baueinheit (1) bilden.
  14. 14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß die Kühlflächen der einzelnen Wärmeübertrager (1a, 1b) unterschiedliche Größe oder unterschiedliche Anteile an der Gesamtkühlfläche aufweisen.






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