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Dokumentenidentifikation EP0759657 03.04.1997
EP-Veröffentlichungsnummer 0759657
Titel Verfahren zur Resonanzkreisabstimmung durch Veränderung der Speisespannung einer Kapazitätsdiode
Anmelder TEMIC TELEFUNKEN microelectronic GmbH, 74072 Heilbronn, DE
Erfinder Forstner, Hans-Peter, 85643 Steinhöring, DE;
Mann, Ulrich, 96352 Wilhelmstahl, DE;
Stump, Simon, 85098 Grossmehring, DE
Vertragsstaaten DE, ES, FI, GB, SE
Sprache des Dokument De
EP-Anmeldetag 02.08.1996
EP-Aktenzeichen 961125002
EP-Offenlegungsdatum 26.02.1997
Veröffentlichungstag im Patentblatt 03.04.1997
IPC-Hauptklasse H03J 3/18
IPC-Nebenklasse H03B 5/12   

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft eine Resonanzkreisabstimmung durch Veränderung der Speisespannung einer Kapazitätsdiode gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1 sowie dessen Verwendung.

Die kapazitive Wirkung von Dioden, bedingt durch die Ladungsträgerübersättigung im Durchlaßbereich (Durchlaßkapazität) und die Ladungsträgerausräumung im Sperrbereich (Sperrschichtkapazität), ist seit langem bekannt und wird technisch bei Kapazitätsdioden genutzt.

Die Veränderung der Speisespannung der Kapazitätsdiode in Sperrichtung stellt dabei insbesondere für mikroelektronische Schaltungen die wohl bekannteste Abstimmungsmethode für Schwingkreise dar.

Es wird die Abhängigkeit der Sperrschichtkapazität von der Speisespannung ausgenutzt und so die Gesamtkapazität im Schwingkreis sowie damit dessen Resonanzfrequenz gesteuert und abgestimmt. Dies findet in allen elektronischen Schwingkreisen mit LC-Wirkung auf der Grundlage von Reihen- oder Parallelschwingkreisen, eingesetzt in Empfängern, Filtern u. ä., Anwendung.

Es ist bekannt, daß hierzu die Kapazitätsdiode in Sperrichtung betrieben werden muß. Die Grenzen der Veränderbarkeit der Resonanzfrequenz, also der Durchstimmbereich des Schwingkreises, sind dabei durch die maximal zulässige Sperrspeisespannung sowie die Minimalvorspannung in Sperrichtung begrenzt.

Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zur Resonanzkreisabstimmung mit einem vergrößerten Durchstimmbereich zu zeigen.

Die Aufgabe ist durch die kennzeichnenden Merkmale des Patentanspruchs 1 gelöst, indem im Gegensatz zur allgemeinen Lehrmeinung die Kapazitätsdiode auch in den Durchlaßbereich gesteuert wird.

Grundgedanke ist dabei, daß der imaginärteil der impedanz der Kapazitätsdiode in guter Näherung dargestellt werden kann als IM {Z} = jfL - 1 / (2 π fC (u D )), wobei die Variablen Z den komplexen Widerstand; L die parasitäre Induktivität und C (UD) die von der Spannung UD abhängige Kapazität der Kapazitätsdiode D und f die Frequenz des Signals symbolisieren. Während in Sperrichtung die Kapazität der Diode immer kleiner wird und somit aufgrund der reziproken Wirkung der komplexe Widerstand Z immer stärker kapazitiv imaginär wird, so wird mit zunehmender Spannung in Durchlaßrichtung die Kapazität C sehr groß und ihre Wirkung auf den komplexen Widerstand Z derart klein, daß die Induktivität L, entsprechend durch parasitäre Eigenschaften, insbesondere die Anschlußinduktivität, den komplexen Widerstand Z immer mehr beeinflußt und schließlich Z sogar induktiv imaginär werden kann.

Trotz der Tatsache, daß bereits im Jahre 1975 [vgl.

Kapazitätsdioden, Schalterdioden, PIN-Dioden: Grundlagen und Anwendungen", ITT Intermetall GmbH Freiburg; Ausgabe 1975/8, S.15] eindeutig die kapazitive und induktive Wirkung von Dioden, insbesondere Kapazitätsdioden bekannt war, ist es auch dem Fachmann bisher nicht gelungen, unter Ausnutzung dieser Erkenntnis, auf derart einfache Weise ein komplexes Widerstandselement mit kapazitiv imaginärer und induktiv imaginärer Wirkung zu realisieren. Grund dafür dürfte wohl das Vorurteil des Fachmannes sein, daß Kapazitätsdioden sinnvoll nur in Sperrichtung für Schwingkreise einsetzbar sind, während deren Wirkung im Durchlaßbereich, nur der wissenschaftlichen Vollständigkeit wegen erwähnt, normalen Dioden gleichgesetzt und nie in Verbindung mit ihrer Verwendung in Schwingkreisen gesehen wurde.

Der Vorteil der Erfindung beruht einerseits auf dem deutlich vergrößerten Durchstimmbereich für Schwingkreise und andererseits auf der derart einfachen Realisierbarkeit. Letzteres ermöglicht den Einsatz in nahezu allen elektronischen Schaltungen mit Schwingkreiswirkung, ob in Reihen- oder Parallelschwingkreisen, Doppel-T-Brückenkreisen sowie in Filterschaltungen, Tunern u. ä., wo diese als Grundelemente zum Einsatz kommen.

In nahezu allen Schaltungen läßt sich auf einfache Weise die zur Ansteuerung notwendige, nun zweipolige Speisespannung für die Kapazitätsdiode gewinnen.

Der Patentanspruch 5 zeigt eine bevorzugte Verwendung der erfindungsgemäßen Resonanzkreisabstimmung in abstimmbaren Empfängern (Tunern), wodurch der Abstimmbereich der empfangbaren Frequenzen deutlich erweitert wird. Dies erweist sich insbesondere dadurch als äußerst vorteilhaft, da mit ständig zunehmender Verwendung funkgebundener Kommunikation, Bild- und Datenübertragung neue Frequenzbänder erschlossen werden müssen und eine derart einfache Lösung ein wettbewerbsentscheidendes Kostensenkungspotential eröffnet, da es diese neuen Frequenzbänder ohne zusätzliche, höchstentwickelte und damit teure Bauelemente, insbesondere Kapazitätsdioden, erschließen kann.

Die Erfindung soll nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen bezugnehmend auf die Figuren erläutert werden. Es zeigen:

Figur 1
eine Kapazitätsdiode D als Ausführungsbeispiel in einer Reihenschwingkreisschaltung mit einem Kondensator Co und einer Induktivität Lo sowie das Kleinsignalersatzschaltbild der Kapazitätsdiode D nach dem Stand der Technik,
Figur 2
Funktionsverlauf der resultierenden Gesamtkapazität C gemäß der Schaltung in Figur 1,
Figur 3
Funktionsverlauf des komplexen Widerstands Z bzgl. der Spannung UD im Durchlaß- und Sperrbereich,
Figur 4
Durchstimmbereich der Resonanzfrequenz in Abhängigkeit von der Spannung UD der Reihenschwingkreisschaltung nach Figur 1,
Figur 5
Ausführungsbeispiel einer einfachen Tunerschaltung auf der Basis des erfindungsgemäßen Verfahrens,
Figur 6
Ausführungsbeispiel eines einfachen Parallelschwingkreisfilters.

Das Ausführungsbeispiel in Figur 1 ermöglicht eine anschauliche Erläuterung der Wirkungsweise des Verfahrens, dessen Grundlagen bereits oben ausführlich erläutert wurden. Er soll im folgenden nur kurz zusammengefaßt werden.

Die Kapazitätsdiode D, hier als hyperabrupte Kapazitätsdiode ausgeführt, kann gemäß Figur 1 schaltungstheoretisch in folgende Bestandteile zerlegt werden:

  • eine spannungsgesteuerte Kapazität C(UD),
  • einen parallel zur Kapazität C(UD) geschalteten hochohmigen Widerstand R, welcher den Leckstrom veranschaulicht und vernachlässigbar groß ist,
  • einen in Reihe zum Widerstand R und der Kapazität C(UD) liegenden Leitungswiderstand RL und
  • parasitäre Anschlußinduktivitäten Lpar.

Das Ausführungsbeispiel wird gemäß Figur 1 durch eine Spule mit fester Induktivität L0 und einem Kondensator C0 zu einem Reihenschwingkreis ergänzt.

Für diesen Reihenschwingkreis wurde die Gesamtkapazität (Tuning Capacity) in Figur 2 in Abhängigkeit von der Speisespannung UD der Kapazitätsdiode D - die sich aus der Differenz der Spannungen U1 und U2 ergibt - dargestellt. Dabei ist der durch das erfindungsgemäße Verfahren gewonnene Bereich der Speisespannung, der von 0 Volt bis zur maximal zulässigen Diodendurchlaßspannung (hier 1 V gewählt) geht, eigentlich recht klein. Dies dürfte auch ein Grund dafür sein, daß der Fachmann nicht in der Lage war, den Nutzen einer Ansteuerung der Diode für Verfahren der Resonanzkreisabstimmung zu erkennen. Betrachtet man jedoch den dabei erzielbaren, immensen Kapazitätshub, der im Ausführungsbeispiel von 7 pico Farad (pF) bis ca. 15 pF gegenüber 1-7 pF im Sperrbereich (UD < 0 V) liegt, so wird dies klarer. Unter Berücksichtigung der parasitären Anschlußinduktivitäten ergibt sich dabei für den Imaginärteil des komplexen Widerstands Z , wie in Figur 3 dargestellt, der für hyperabrupte Kapazitätsdioden typische, lineare Verlauf bei einer Resonanzfrequenz von fRes = 1,50 GHz. Es ist deutlich zu erkennen, wie der kapazitive Anteil von Z in Sperrichtung mit größer werdender Speisespannung immer mehr verschwindet, bis schließlich der Imaginärteil von Z positiv, also induktiv imaginär wird.

Dieses Phänomen einer spannungsgesteuerten Impedanz mit Vorzeichenwechsel kann für viele Anwendungen in der Elektrotechnik eingesetzt werden. Betrachtet man in Figur 4 basierend darauf den Verlauf der Resonanzfrequenz fres des Reihenschwingkreises aus Figur 1 über die Speisespannung UD, so kann eine Vergrößerung des Durchstimmbereiches um ca. Δf = 200 MHz, also von 610 MHz bis 410 MHz nachgewiesen werden.

In einem zweiten Ausführungsbeispiel gemäß Figur 5 ist ein einfacher Tunerkreis gezeigt, welcher mittels einer Steuerspannung US über einen Vorwiderstand Rl gespeist wird. Der Widerstand Rl verbindet also den Schaltungseingang, an dem die Steuerspannung US angeschlossen ist mit einer Kapazitätsdiode D. Der Eingang der Kapazitätsdiode ist dabei mittels einem Vorkondensator C0 auf Masse geschlossen. Die Polung der Kapazitätsdiode D ist entsprechend der Steuerspannung US gewählt. In Reihe zur Kapazitätsdiode D befindet sich noch eine Spule mit einer Induktivität L0, welche mit ihrem zweiten Anschluß an den Basiseingang einer Verstärkerstufe geschaltet ist, welche aus einem Netzwerk von Widerständen R1 und R2 sowie von Kondensatoren C2 und C3 um einen Transistor T gebildet wird. Dabei handelt es sich um einen npn-Transistor, dessen Kollektor an eine Betriebsspannungsquelle A angeschlossen und über den Widerstand R1 mit der Basis B verbunden ist. Ferner stellt der weitere Widerstand R2 einen Emitterwiderstand dar, wobei der Emitter über den Kondensator C3 mit der Basis B und mit dem weiteren Kondensator C2 verbunden ist, der seinerseits auf Masse liegt.

Eine Gesamtkapazität Cers am Basiseingang B der Verstärkerstufe wird dabei als Zusammenfassung von den Kondensatoren C2 und C3 sowie den kapazitiven Anteilen des Transistors T gebildet.

Mittels der Verstärkerstufe wird das Basispotential U2 an der Basis B des Transistors T konstant gehalten, so daß über eine Regelung der Steuerspannung US die Speisespannung UD der Kapazitätsdiode D exakt einstellbar ist.

Durch Wahl eines geeigneten Vorwiderstandes Rl entsteht ein Spannungsteiler, der es ermöglicht, eine Ansteuerspannung US mit einem deutlich größeren Bereich zu wählen, so daß auch mittels einer einfachen Steuereinheit sehr präzis die gewünschte Spannung an der Diode und damit deren Kapazität eingestellt werden kann.

Die Steuerspannung US wird dabei vorzugsweise aus einem Phasenregelkreis gewonnen, da dieser die geforderte Zweipoligkeit der Steuerspannung US ohne schaltungstechnische Veränderungen liefern kann.

Der damit eingestellte komplexe Widerstandswert Z der Kapazitätsdiode D bestimmt zusammen mit der Vorkapazität C0 und der Gesamtkapazität Cers am Basiseingang B der Verstärkerstufe sowie der Spuleninduktivität L0 die Resonanzfrequenz des Schwingkreises.

Basierend auf einer solchen Schaltungsanordnung und dem erfindungsgemäßen Verfahren kann auf einfache Weise eine Tunerschaltung mit einem gesicherten Durchstimmbereich von 920 - 2150 MHz mit entsprechenden, zusätzlichen Sicherheitspuffern, welche Temperaturdrifteffekte ausgleichen, aufgebaut werden, wie er in künftigen SAT-Tunern Einsatz finden wird.

Figur 6 zeigt einen einfachen Parallelschwingkreis, welcher analog zum erfindungsgemäßen Verfahren auch im Durchlaßbereich der Kapazitätsdiode betrieben wird. Auch hier läßt sich mit den in Figur 3 dargestellten, erzielbaren komplexen Widerstandswerten Z eine Erweiterung des Durchstimmbereichs nachweisen.

In Figur 6 besteht der Parallelschwingkreis aus zwei parallelgeschalteten Reihenschaltungen, nämlich einer Kapazitätsdiode D mit einer Resonanzkreiskapazität C(UD) und einem Kondensator C01 bzw. einer Resonanzkreisinduktivität L0 und einem weiteren Kondensator C02. Ein Anschluß der Parallelschaltung ist über ein Widerstand R1 auf ein betimmtes Spannungspotential gelegt, während der andere Anschluß auf Masse liegt.

Eine Steuerspannung US wird über einen weiteren Widerstand R2 dem Verbindungspunkt der Kapazitätsdiode D mit dem Kondensator C01 der Schaltung zugeführt.

Die Resonanzkreisfrequenz fRes ergibt sich aus fRes = 1/(L0 &peseta; C(UD)S, wobei L0 der Wert der Resonanzkreisinduktivität und C(UD) der Wert der Resonanzkreiskapazität der Kapazitätsdiode bei deren Speisespannung UD darstellen.

Die beiden Kondensatoren C01 und C02 mit dem Kapazitätswert C0 dienen der Gleichstromentkopplung und erfüllen die Bedingungen C0 » C(UD)   und   1 / (ωC0) « ωL0.

Für die Steuerspannung US gilt US = U1 - UD - l(R1 + R2), wobei UD die Speisespannung der Kapazitätsdiode D, l der über die Kapazitätsdiode D fließende Strom und R1 bzw. R2 der Widerstandswert der beiden Widerstände R1 und R2 darstellt.

Mit den beiden Widerständen R1 und R2 kann der Steuerspannungsbereich erhöht werden, bei dem die Diode in Flußrichtung gepolt ist. Die Speisespannung UD und damit der zusätzlich gewonnene Durchstimmbereich bleiben gleich, der jedoch über den eingestellten Strom l in Abhängigkeit der Steuerspannung US höher aufgelöst werden kann.


Anspruch[de]
  1. Verfahren zur Resonanzkreisabstimmung eines Schwingkreises, bestehend aus wenigstens einer Spule (Lo), einem Kondensator (Co) und einer Kapazitätsdiode (D) mit einem komplexen Widerstand (Z), durch Veränderung einer Speisespannung (UD) über der Kapazitätsdiode (D), dadurch gekennzeichnet, daß die Speisespannung (UD) Werte sowohl im Sperrbereich (UD < 0 V) als auch im Durchlaßbereich (UD > 0 V) der Kapazitätsdiode (D) annimmt.
  2. Verfahren gemäß Patentanspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Resonanzkreis einen Reihenschwingkreis bildet.
  3. Verfahren gemäß Patentanspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Resonanzkreis einen Parallelschwingkreis bildet.
  4. Verfahren gemäß Patentanspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Resonanzkreis in Form einer T-Brücke gebildet wird.
  5. Verwendung des Verfahrens gemäß einem der vorhergehenden Patentansprüche in Empfängerkreisen (Tunern) zum Hochfrequenzsignalempfang, insbesondere in SAT-Tunern.
  6. Verwendung des Verfahrens gemäß der Patentansprüche 1 bis 4 für durchstimmbare Filterkreise.






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