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Dokumentenidentifikation DE19621966A1 04.12.1997
Titel Verwendung von natürlichen oder naturidentischen synthetischen Farbstoffen zur vorübergehenden Markierung oder Einfärbung von festen und flüssigen Materialien
Anmelder BASF AG, 67063 Ludwigshafen, DE
Erfinder Gaus, Günter, Dr., 68647 Biblis, DE;
Sambale, Clemens, Dr., 67459 Böhl-Iggelheim, DE;
End, Lutz, Dr., 68199 Mannheim, DE
DE-Anmeldedatum 31.05.1996
DE-Aktenzeichen 19621966
Offenlegungstag 04.12.1997
Veröffentlichungstag im Patentblatt 04.12.1997
IPC-Hauptklasse C09B 61/00
IPC-Nebenklasse C09B 67/42   C09D 11/00   C09D 11/02   D06P 1/34   D21H 21/28   B27K 5/02   
Zusammenfassung Verwendung von natürlichen oder naturidentischen synthetischen Farbstoffen ausgewählt aus der Gruppe Chlorophyll, Flavonoide, Retinoide, Betalaine, Carotinoide oder diese Farbstoffe enthaltende Pflanzenextrakte, deren natürliche oder synthetische Derivate, oder Mischungen aus den Farbstoffen, den Farbstoff enthaltenden Pflanzenextrakten oder deren natürlichen oder synthetischen Derivaten zur vorübergehenden Markierung oder Einfärbung von festen oder flüssigen Materialien, ausgenommen Nahrungsmittel.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft die Verwendung von natürlichen oder naturidentischen synthetischen Farbstoffen oder Pigmenten zur vorübergehenden Markierung oder Einfärbung von festen oder flüssigen Materialien. Weiterhin betrifft die Erfindung Tinten, Tuschen, backe und Anstrichfarben, enthaltend Farbstoffe ausgewählt aus der Gruppe Chlorophyll, Flavonoide, Retinoide, Betalaine, Carotinoide oder diese Farbstoffe enthaltende Pflanzenextrakte, deren natürliche oder synthetische Derivate, oder Mischungen aus den Farbstoffen, den Farbstoff enthaltenden Pflanzenextrakten oder deren natürlichen oder synthetischen Derivaten.

Natürliche Farbstoffe wie Carotinoide, Chlorophyll, Anthocyane, Retinoide, Betalaine oder Flavonoide sind in der Natur weit verbreitet. Sie färben in der Natur z. B. Früchte, Antheren, Pollen, Wurzeln, Sproß, Blätter und Blüten. Carotinoide finden breite Anwendung bei der Färbung von Lebensmitteln wie Butter, Margarine, Käse, Lachs und Fruchtsäften.

Besonders naturidentische synthetische Carotinoide wie β-Carotin, β-Apo-8-Carotinal, Cantaxanthin, Citranaxanthin oder Astaxanthin werden im Lebensmittelbereich in Form spezieller Formulierungen zur dauerhaften Färbung verwendet.

Synthetische Farbstoffe oder Pigmente kommen wegen ihren Gebrauchsechtheiten wie beispielsweise ihrer Lichtechtheit für eine temporäre Markierung oder Einfärbung nicht in Frage. Sie sind in der Regel auch nicht ohne weiteres biologisch abbaubar oder haben allergene Wirkung.

Die hohe Lichtechtheit der synthetischen Farbstoffe ist in einigen Bereichen ein Problem. Malen Kinder beispielsweise mit Filzstiften auf Papier, so kommt es immer wieder zu unerwünschtem Verschmutzen von anderen Gegenständen wie Tischdecken, Tischen, Stühlen, Sitzpolstern, Teppichen oder der Kinderbekleidung durch die Filzstiftfarben. Eine Reinigung der verschmutzten Gegenstände oder Kleidung ist aufwendig und meist nicht vollständig möglich, so daß Flecken bleiben. Da die Filzstifte außerdem häufig in den Mund gesteckt werden, müssen die Farben ungiftig sein.

In der Medizin wird das Operationsfeld mit einer farbigen Desinfektionslösung mehrfach hintereinander desinfiziert und dabei markiert. Die tief in die Haut eingedrungene Färbung verschwindet erst nach mehreren Tagen bis zu Wochen durch allmähliches Abschilfern der Haut. Darüberhinaus ist von Nachteil, daß die Farbstoffe in der Regel nicht unbedenklich sind.

Es bestand daher die Aufgabe einen Farbstoff zur temporären Markierung oder Einfärbung zur Verfügung zu stellen, der ungiftig, ökologisch unbedenklich, biologisch abbaubar ist sowie keine allergene Wirkung aufweist.

Es wurde nun gefunden, daß natürliche oder naturidentische synthetische Farbstoffe die gewünschten vorteilhaften Eigenschaften haben und für eine vorübergehende Markierung oder Einfärbung von festen oder flüssigen Materialien geeignet sind.

Erfindungsgemäße natürliche oder naturidentische synthetische instabile Farbstoffe sind beispielsweise folgende Farbstoffe:

  • - Chlorophyll wie Chlorophyll a, b, c, d, Bacteriochlorophyll a und ihre verschiedenen Chlorophyll-Protein-Komplexe;
  • - Flavonoide sind z. B. Anthocyanidine, Chalkone, Flavanone, Flavone, Flavonole, Isoflavonoide, deren Glycoside und Erdalkali- oder Alkalisalze wie Pelargonidin, Cyanidin, Delphinidin, Päonidin, Petunidin, Malvidin, Hirsutidin, Tuberidin, Apigenidin, Aurantinidin, Luteolinidin, Rosinidin, Muningin, Biochanin, Prunetin, Promiferin, Cladrin, Chrysin, Galangin, Gossypetin, Apigenin, Myricetin, buteolin, Kämpferol, Morin, Robinetin, Durmillone, Derrusnin, Chrysin, Baicalein, Primetin, Wogonin, Aluetin, Sericetin, Acacetin, Populin, Dactylin, Tamarixetin, Spiraloside, Gardenin, Kanngin, Naringin, Ficinin, Hesperidin, Diosmin, Quercetin, Primuletin, Fisetin, Rhoifolin oder Selinon (siehe Handbook of Naturally Occurring Compounds Vol. I, Eds. Devon, T.K, Scott A.J., Academic Press Inc. 1975: Flavone S. 117-170, Isoflavonoide S. 179-189, Biflavonoide S. 191-205, Anthocyanidine S. 207-213);
  • - Retinoide wie Retinol, Retinal, Retinsäuren, Retrovitamin A, ihre Doppelbindungsisomere, ihre Ester (bevorzugt Acetat, Propionat, Palmitat), ihre Glycoside, ihre Galactoside, ihre Ether, ihre Amide oder ihre synthetischen Derivate (D.L. Newton, W.R. Henderson und M.B. Sporn, Cancer Research 40, 3413-3425);
  • - Betalaine wie Betacyane, Betaxanthine, Betanin und ihre freien Aglyca;
  • - Carotinoide wie Carotine oder Xanthophylle. Als Beispiel seien β-Carotin, Lycopin, Lutein, Astaxanthin, Citranaxanthin, Canthaxanthin, Zeaxanthin, Bixin, Narbixin, Capsorubin, Neurosporaxanthin, β-Apo- 8-Carotinal, Violaxanthin, Cryptoxanthin, Neoxanthin, Zeinoxanthin, Myxoxanthin, Echinenon, Fucoxanthin, Capsanthin, β-Apo-8-Carotinsäureethylester, α-Carotin, γ-Larotin, δ-Carotin, ξ-Carotin, Rubixanthin, Plectaniaxanthin, Flavoxanthin, Phytofluen, Azafrin, Crocetin, Crocin, Neurosporin, α-Zeacarotin, β-Zeacarotin, Bakteriorubin, Decaprenoxanthin, Diadinoxanthin, Adonirubin. In Carotenoids as Colorants and Vitamin A Precursors (Ed. J.C. Bauernfeind, Academic Press, 1981: 883-916) oder Carotenoids (Vol. 1A, Eds. Britton G., Liaaen-Jensen S., Pfander H., 296-316, Vol. 1B, 47-61, 1995) werden weitere Carotinoide beschrieben, die erfindungsgemäß verwendbar sind.


Bevorzugt werden zur erfindungsgemäßen Markierung oder Einfärbung Carotinoide wie Carotine oder Xanthophylle verwendet. Besonders bevorzugt werden β-Carotin, β-Apo-8-Carotinal, Citranaxanthin, Canthaxanthin, Astaxanthin, bycopin, Zeaxanthin, Bixin, Norbixin, butein, Capsorubin, Capsanthin oder Neurosporaxanthin verwendet. Ganz besonders bevorzugt werden synthetisch hergestellte Carotinoide wie β-Carotin, β-Apo-8-Carotinal, β-Apo-8-Carotinsäureester, Citranaxanthin, Canthaxanthin, Astaxanthin und Zeaxanthin. In J. Paust (Chimia, 48, No. 11, 1994: 494-498) wird eine Übersicht über die verschiedenen Carotinoidesynthesen gegeben.

Für die erfindungsgemäße Markierung und Einfärbung können vorteilhafterweise Pflanzenextrakte, direkt nach dem Aufschluß der entsprechenden Pflanzen oder Pflanzenteilen ohne weitere Reinigung oder aber nach Aufreinigung der natürlichen Farbstoffe oder Pigmente verwendet werden. Die Farbstoffe können in Form ihrer Kristalle oder natürlichen Derivate z. B. als Glycoside oder gebunden an Proteine und/oder Lipide oder aber als freie Farbstoffe nach Abspaltung z. B. der Zuckerreste oder nach chemischer Modifikation oder Derivatisierung, beispielsweise in Form von synthetischen Isomeren, Glycosiden, Estern, Ethern oder Amiden oder sonstigen Derivaten, verwendet werden.

Pflanzenextrakte können beispielsweise durch Extraktion des Pflanzenmaterials mit heißem Wasser oder Lösungsmittel hergestellt werden oder aber mörsern des Pflanzenmaterials mit Quarzsand oder homogenisieren des Materials mit einem Mixer und anschließender Extraktion mit Wasser oder Lösungsmittel z. B. Aceton, Ethanol, Ether, Essigester oder MTB.

Für die erfindungsgemäße Verwendung eignen sich auch naturidentische synthetische Farbstoffe oder Pigmente wie Flavonoide, Retinoide, Betalaine oder Carotinoide und/oder ihre Kristalle oder Derivate wie ihre Ester, Diester, Ether, Thioether, Polyether, Amide, Amine, Glycoside, Lipide, Proteinkonjugate, Phosphate, Carbonate, Urethane, Sulfoxide, Sulfone, Sulfate, Nitrile, Acrylate, Harnstoff-, Seleno- oder Halogenderivate oder Einschlußverbindungen z. B. in Dextrinen.

Die Farbstoffe oder Pigmente aus der chemischen Synthese oder aus Pflanzenextrakten können direkt oder nach Formulierung verwendet werden. Unter Formulierungen sind für die erfindungsgemäße Verwendung optimale Anwendungsformen wie beispielsweise Mikronisate, die z. B. durch Fällungsverfahren hergestellt wurden (EP-A-0 065 193) und Farbstoffpartikel im Größenbereich kleiner 1 µm enthalten, oder Solubilisate, die nach z. B. EP-A-0 055 817 hergestellt wurden, zu verstehen. Sie sind vorzugsweise für eine Anwendung in wäßrigen Systemen geeignet, da sie wasserlöslich bzw. wassermischbar sind. Sie eignen sich deshalb vorteilhafterweise für wäßrige Beizen, Dispersionsfarben, Lacke auf Wasserbasis oder wäßrige Pestizidformulierungen. Die Haltbarkeit der Farbstoffe wird dabei weniger von der Formulierung als vielmehr von der Anwendung beeinflußt. Ohne eine Formulierung können die Farbstoffe direkt oder in organischer Lösung in lösemittelhaltigen Systemen wie in backen oder Beizen verwendet werden.

Die formulierten Farbstoffe oder Pigmente enthalten vorteilhafterweise Hilfsstoffe wie pulver- oder granulatförmige Trägerstoffe, Schutzkolloide wie Pektine, Lipide, Gelatine, Lecethin, Gummi Arabicum, Dextrine, teilhydrolysiertes Sojaprotein oder Casein, Emulgatoren, Lösungsmittel, Dispergiermittel, Netzmittel, Stabilisatoren, Entschäumer, Viskositätsregulatoren, Hydrophobierungsmittel, Antioxidantien wie 2-Aminobenzenethiol, t-Butylhydroxyanisol, t-Butylhydroxytoluol, p-Toluidin, 1,8-Diaminonaphthalin, Phenyl-α-naphthylamin, 4-Aminodiphenylamin, N,N&min;- Diphenyl-p-phenylendiamin, 6-Ethoxy-2,2,4-trimethyl-1,2-dihydrocuinolin, 1-Phenylsemicarbazid, Phenothiazin, Vitamin E oder Vitamin C, sowie gegebenenfalls weitere Formulierungshilfstoffe.

Durch die geeignete Wahl der Hilfsstoffe bzw. deren Kombination läßt sich die Instabilität der Farbstoffe bzw. Pigmente sowie ihr Farbton in gewünschter Weise beeinflussen, d. h. verstärken oder gegebenenfalls abschwächen. So kann beispielsweise durch Zugabe von Antioxidantien die Dauer der Färbung verlängert werden. Auch durch die Zugabe von Filmbildnern beispielsweise in Tinten kann die Dauer der Färbung verlängert werden.

Besonders eignen sich Formulierungen, in denen der Farbstoff oder das Pigment in wäßriger Phase in sehr fein verteilter Form vorliegt. Formulierungen dieser Art werden beispielsweise für Carotinoide in EP-A-0 055 817 und EP-A-0 065 193 beschrieben.

Bei der Formulierung nach EP-A-0 055 817 stellt man ein Solubilisat von β-Carotin in Wasser her, indem man eine Dispersion von β-Carotin in einem nichtionogenen Emulgator erhitzt, so daß sich eine molekulare disperse Lösung bildet, die durch Zugabe von Wasser Mischmizellen von β-Carotin und dem Emulgator ergibt.

Nach EP-A-0 065 193 wird β-Carotin in einem mit Wasser mischbaren Lösungsmittel in Gegenwart eines Schutzkolloids gelöst und einer Mischkammermikronisierung unterzogen. Es entsteht eine kolloiddisperse Carotinoidformulierung.

Ebenfalls vorteilhafterweise geeignet sind Formulierungen, wobei die Carotinoide zunächst in Öl gelöst werden und anschließend in eine Emulgator/Wassermischung eingerührt werden und so in feinemulgierter Form vorliegen.

Alle Formulierungsarten können anschließend sprühgetrocknet und danach vor Anwendung z. B. in Wasser redispergiert werden.

Durch geeignetes Mahlen der Farbstoffpartikel oder Kristalle lassen sich, wie bei den verschiedenen Formulierungsarten, ebenfalls für eine Markierung oder Einfärbung vorteilhafte Partikel- oder Kristallgrößen erzeugen. Vorteilhafte Partikelgrößen liegen im Bereich </= 10 µm, besonders vorteilhaft unter 1 µm, ganz besonders vorteilhaft unter 0,1 µm.

Die erfindungsgemäß verwendeten Farbstoffe sind deshalb so gut für eine vorübergehene Markierung oder Einfärbung geeignet, weil sie gegenüber äußeren Einflüssen wie Temperatur, Strahlungseinwirkung, beispielsweise UV-Licht oder Tageslicht oder Einwirkung von Oxidationsmitteln wie beispielsweise Luftsauersoff empfindlich sind und vollständig verblassen.

In der Regel sind sie ja nachdem ob sie als freie oder formulierte Farbstoffe verwendet werden, innerhalb von wenigen Stunden bis zu einigen Tagen oder Wochen vollständig verblaßt.

So bleichen beispielsweise die Farbstoffe in Dispersionsfarben innerhalb weniger Stunden unter Tageslichtbestrahlung aus.

Werden die Farbstoffe in backen verwendet, so bleichen sie beispielsweise auf Holz je nach Lichteinfall und Lichtintensität innerhalb von 1 bis 7 Tagen aus. Farbstoffe, die in Tinten für Boardmarker verwendet werden, entfärben sich an der weißen, wiederbeschreibbaren Tafel innerhalb weniger Stunden bis zu einem Tag. Die Farbstoffstriche können dabei jederzeit ohne Spuren zu hinterlassen mit einem Tuch oder Schwamm entfernt werden.

Erfindungsgemäß werden Materialien vorübergehend markiert oder eingefärbt, die sonst nicht zu diesem Zweck gefärbt werden.

Zur Färbung können die synthetischen Farbstoffe und Pigmente oder die Farbstoff oder Pigment enthaltenden Pflanzenextrakte direkt, nach Derivatisierung oder Formulierung oder aber in beliebigen Mischungen zwischen den unterschiedlichen synthetischen Farbstoffen, Pigmenten, Pflanzenextrakten und/oder Derivatisierungen oder Formulierungen verwendet werden. Bevorzugt sind kolloiddisperse Formulierungen der Farbstoffe. Diese Formulierungen haben sich besonders bei Carotinoiden bewährt.

Erfindungsgemäß verwendet man die Farbstoffe oder Pigmente in Tinten, d. h. in Schreibflüssigkeiten, die neben dem wäßrig gelösten Farbstoff sehr wenig oder kein Bindemittel enthalten, für Füllhalter, Tintenstifte, Kugelschreiber, Ball Pentalschreiber, Faser- oder Filzschreiber oder für Tintenstrahldrucker, oder in Tuschen, d. h. in Schreibflüssigkeiten, die eine Pigmentaufschwemmung oder eine größere Menge Bindemittel enthaltende Farblösung enthalten. Wachsmalkreiden können mit Farbstofformulierungen in Pulverform gefärbt werden.

Weitere zweckmäßige Verwendungen der instabilen Farbstoffe und Pigmente sind backe, die zum backieren oder elektrophoretischen Beschichten von Metall, Keramik, Porzellan, Stein, Holz oder Plastik geeignet sind; Anstrichfarben wie z. B. Wasser, Dispersions-, Öl-, Kunstharz- oder Silikatfarben zum Streichen, Spritzen, Tauchen, Fluten oder elektropheretischem Beschichten; Stempelfarben für beispielsweise Stempelkissen, Farbbänder, Kopierpapier oder Farbtücher; Druckfarben für beispielsweise Hoch-, Flach-, Tief- und Durchdruck im Buch-, Offset-, Sieb-, Flexo- und Tiefdruckbereich.

Erfindungsgemäß verwendet man weiterhin die instabilen Farbstoffe oder Pigmente zum Markieren oder Einfärben in der Leder-, Textil-, Holz-, Papier- oder Tapetenfabrikation.

Vorteilhafterweise werden die Farbstoffe oder deren Mischungen dort zur Färbung verwendet, wo die Eigenfarbe den Materialien eine deutliche Markierung durch die erfindungsgemäßen Farbstoffe zuläßt.

Weitere erfindungsgemäße Verwendungsbeispiele sind die kurzzeitige Markierung von Operationsfeldern mittels Farbstoff enthaltender Desinfektionslösung oder Farbstiften auf der Haut oder die vorübergehende Einfärbung von Pflanzenschutzmittel oder Dünger zur Kontrolle des schon behandelten Gebiets, die Markierung im verpackungsmittelbereich von Etiketten, der Verpackungsfolie eines leicht verderblichen Produkts, so daß eine Qualitätskontrolle des Produktes durch das Verblassen des instabilen Farbstoffes oder Pigmentes in den Etiketten, der Folie oder des Produktes bei einer unsachgemäßen Lagerung (z. B. lange Licht- oder Temperaturexposition) möglich ist.

Die Farbstoffe in den Etiketten, Folien oder im Produkt zeigen so die integrale Belastung des Produktes durch den Grad ihres Verblassens an. Ebenso kann man solche Etiketten dazu verwenden, um den Lichteinfall auf eine Pflanzung über einen längeren Zeitraum einfach zu messen. Zu diesem Zweck wird das gefärbte Etikett gegen Wasser imprägniert und an geeigneter Stelle innerhalb der Pflanzung angebracht.

Eine weitere Anwendungsmöglichkeit besteht in der Mischung mit weiteren instabilen oder stabilen echten Farben. Bei echten Farben erhält man dann eine Farbänderung durch das Ausbleichen der Farbstoffe.

Wie die Formulierungen kann man je nach anzufärbender Matrix auch beispielsweise Carotinoide direkt zur Erzielung einer vorübergehenden Färbung verwenden. Die Lichtinstabilität der Carotinoide kann vorteilhaft genutzt werden, um die Belastung von Materialien anzuzeigen, die gegenüber Sonnenlicht empfindlich sind und verwittern. Solch ein Material ist beispielsweise Spinnakernylon, das nach einer gewissen Verwendungszeit versprödet und zum Reißen neigt. Durch Anfärben der Nylonfaser mit Carotinoiden läßt sich eine Färbung erzielen, die die Belastung des Materials durch ihr langsames Ausbleichen anzeigt.

Der Effekt der Bleichung kann für weitere Anwendungen vorteilhaft genutzt werden. So ist es möglich, Schreiber zur Beschriftung von Tafeln herzustellen, die zu Präsentationszwecken nur kurzzeitig beschrieben werden und mit einem trockenen Vlies gesäubert werden können. Bei Verwendung von beispielsweise β-Carotin als Pigment wird der störende, dauerhaft färbende Abrieb von Pigmenten vermieden. Des weiteren kann β-Carotin in Folienstiften verwendet werden, die zur erläuternden Beschriftung von Folien während einer Präsentation verwendet werden können. Nach kurzer Lagerzeit ist die zusätzliche Beschriftung wieder verschwunden und der Anwender hat wieder seine professionell aussehende Originalfolie.

Die oben beschriebenen kolloiddispersen Carotinoidformulierungen lassen sich nach Trocknung in ein wasserdispergierbares Pulver überführen. Aus diesem Pulver läßt sich durch Ansteigen mit Wasser eine Tinte herstellen, die viskos genug für den Einsatz in Kugelschreibern ist.

Weitere erfindungsgemäße Verwendungen der Farbstoffe sind Kennzeichnungen des Schnittmusters im Textil- und Lederbereich mit beispielsweise entsprechenden Kugelschreibern oder Filzstiften anstelle der üblichen Schneiderkreide, die erst durch eine Nachbehandlung entfernt werden muß, der Zusatz der Farbstoffe zu Reinigungs-, Hygiene- oder Imprägniersprays zur vorübergehenden Markierung und damit Kontrolle des behandelten oder gereinigten Gebiets oder die Markierung von Wildtieren zur Studie ihrer Lebensgewohnheiten. Die Farbstoffe können auch für Strömungsstudien in Flüssen, Bächen oder der Luft oder zur Markierung von unterirdischen Wasserläufen oder Gletschern und damit Aufklärung ihres Verlaufes und ihrer Wanderung verwendet werden.

Die folgenden Beispiele dienen der weiteren Veranschaulichung der Erfindung, ohne sie in irgendeiner Weise einzuschränken.

Beispiele Beispiel 1

Ein handelsüblicher Filzstift wird mit β-Carotinsolubilisat einer Gewichtskonzentration von 4% gefüllt. Das Solubilisat weist eine mittlere Teilchengröße der β-Carotinpartikel von ca. 20 nm auf. Durch diese geringe Partikelgröße wird der Farbstoff gleichmäßig von dem Saugvlies aufgenommen, das die Tinte bevorratet. Der so gefüllte Filzstift ergibt einen gleichmäßigen orange-gelben Strich. Zum Nachweis der Bleichung wird mit diesem Filzstift eine Fläche von ca. 30 mm mal 30 mm gleichmäßig bestrichen und die Farbe dieser Fläche als Funktion der Belichtungszeit gemessen.

Als Belichtungsquelle dient eine Abmusterungskammer mit der Lichtart D65, als Referenz wird dasselbe Stück Papier, jedoch eine ungefärbte Stelle verwendet.

Die so erhaltenen Farbwerte werden in Farbabstände ΔE* (CIELAB-System) umgerechnet und als Funktion der Zeit aufgetragen. Die Ergebnisse dieser Auftragung sind in Fig. 1 (Ausbleichung von Filzstiftstrichen auf Papier unter Beleuchtung mit D65-Licht) dargestellt.

Beispiel 2

Eine handelsübliche weiße Tafel wird mit dem Filzstift nach Beispiel 1 beschrieben. Der Strich verschwindet über Nacht. Es verbleibt auf der Tafel ein dünner, farbloser Belag des verwendeten Solubilisators, der bei der weiteren Beschriftung nicht stört, sondern bei der Reinigung von Vorteil ist, weil es sich um einen nichtionogenen Emulgator handelt. Zusätzlich kann der erhaltene Strich sofort wieder mit dem zu der Tafel gehörenden Vlies entfernt werden.

Beispiel 3

Wie in Beispiel 1 wird β-Carotinsolubilisat verwendet. Das Solubilisat wird jedoch auf Papier aufgerakelt, um eine gleichmäßige, äußerst intensive Färbung zu erhalten. Das angefärbte Papier wird wieder unter D65-Licht gebleicht und der Farbabstand zu einer unbehandelten Papierfläche als Funktion der Zeit notiert (siehe Fig. 2). Man beobachtet zu Beginn der Bleichung eine Verzögerung, die dadurch begründet ist, daß die Anfärbung schon im Sättigungsfarbwert des Solubilisates lag. Danach erhält man wie bei dem Filzstiftstrich wieder eine zügige Bleichung, bis kein Farbunterschied zu dem unbehandelten Papier mehr vorliegt.

Beispiel 4

Ein handelsüblicher Ball Pen wird entleert und die Tinte durch β-Carotinsolubilisat ersetzt. Man erhält einen gleichmäßigen Strich ohne Verlauf auf dem Papier, so daß man mit dem Stift sehr gut schreiben kann. Die dunkelgelbe Schrift verblaßt über Nacht.

Beispiel 5

100 g handelsüblicher Dispersionsfarbe für Rauhfasertapeten werden mit 0,06 g eines 4%igen β-Carotinsolubilisates angefärbt (24 ppm β-Carotin in der Farbe). Man erhält eine deutlich gelbe Färbung. Die so erhaltene Farbe wird auf Rauhfasertapete aufgetragen und anschließend der Farbunterschied zwischen dieser Fläche und einer Vergleichsfläche ohne β-Carotinfärbung bestimmt. Zur Bestimmung des Farbunterschiedes wird in Reflexion gemessen und der ΔE* nach CIELAB berechnet. Die erhaltenen Werte sind in der untenstehenden Tabelle aufgeführt sowie in Fig. 3 (Ausbleichung von mit β-Carotinsolubilisat angestrichener Rauhfasertapete) dargestellt.

Zeit [Stunden] ΔE* 1 5,96 2 2,94 3 1,65 4 1,05 5 0,86 6 0,82 7 0,82 8 0,85 9 0,83


Der verbleibende Restfarbabstand von 0,8 liegt im Bereich der Reproduzierbarkeit des Farbauftrages und ist im wesentlichen auf die grobe Struktur der Rauhfasertapete zurückzuführen.

Beispiel 6

Handelsübliche Desmodur/Desmophenlacke oder säurehärtende PV-Lacke wurden mit β-Carotinsolubilisat, wie in Beispiel 5 beschrieben, gefärbt. Zur Färbung von Polyurethanlack wurde das β-Carotinsolubilisat vorher mit einem Lösungsvermittler verdünnt (Färbung wie Beispiel 5). Mit den backen wurden Holzknöpfe angestrichen. Die Farbe verblaßt innerhalb einer Woche auf das Niveau der nicht gestrichenen Kontrollknöpfe.


Anspruch[de]
  1. 1. Verwendung von natürlichen oder naturidentischen synthetischen Farbstoffen ausgewählt aus der Gruppe Chlorophyll, Flavonoide, Retinoide, Betalaine, Carotinoide oder diese Farbstoffe enthaltende Pflanzenextrakte, deren natürliche oder synthetische Derivate, oder Mischungen aus den Farbstoffen, den Farbstoff enthaltenden Pflanzenextrakten oder deren natürlichen oder synthetischen Derivaten zur vorübergehenden Markierung oder Einfärbung von festen oder flüssigen Materialien ausgenommen Nahrungsmittel.
  2. 2. Verwendung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man als Farbstoff Carotinoide verwendet.
  3. 3. Verwendung nach den Ansprüchen 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man als Carotinoide Carotine oder Xanthophylle verwendet.
  4. 4. Verwendung nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß man die Farbstoffe in Form ihrer Kristalle, Lösungen oder wäßrigen Lösungen ungebunden oder gebunden an Proteine, Lipide oder Zucker verwendet.
  5. 5. Verwendung nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß man die Farbstoffe in kolloiddispersen Formulierungen mit Partikelgrößen im Bereich von kleiner oder gleich 10 µm verwendet.
  6. 6. Verwendung nach Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß man die Farbstoffe in der Medizin, im Pflanzenschutz, im Textil-, Leder-, Hygiene-, Kunststoff-, Holz-, Papier- oder Verpackungsmittelbereich verwendet.
  7. 7. Verwendung nach Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß man die Farbstoffe in Tinten, Tuschen, Lacken, Anstrich-, Stempel- oder Druckfarben verwendet.
  8. 8. Tinten oder Tuschen, enthaltend Farbstoffe ausgewählt aus der Gruppe Chlorophyll, Flavonoide, Retinoide, Betalaine, Carotinoide oder diese Farbstoffe enthaltende Pflanzenextrakte, deren natürliche oder synthetische Derivate, oder Mischungen aus den Farbstoffen, den Farbstoff enthaltenden Pflanzenextrakten oder deren natürlichen oder synthetischen Derivaten.
  9. 9. Lacke, enthaltend Farbstoffe ausgewählt aus der Gruppe Chlorophyll, Flavonoide, Retinoide, Betalaine, Carotinoide oder diese Farbstoffe enthaltende Pflanzenextrakte, deren natürliche oder synthetische Derivate, oder Mischungen aus den Farbstoffen, den Farbstoff enthaltenden Pflanzenextrakten oder deren natürlichen oder synthetischen Derivaten.
  10. 10. Anstrichfarben, enthaltend Farbstoffe ausgewählt aus der Gruppe Chlorophyll, Flavonoide, Retinoide, Betalaine, Carotinoide oder diese Farbstoffe enthaltende Pflanzenextrakte, deren natürliche oder synthetische Derivate, oder Mischungen aus den Farbstoffen, den Farbstoff enthaltenden Pflanzenextrakten oder deren natürlichen oder synthetischen Derivaten.
  11. 11. Verwendung nach den Ansprüchen 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß man die Farbstoffe in Klarlacken verwendet.
  12. 12. Verwendung nach den Ansprüchen 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß man die Farbstoffe zum Einfärben von Dispersionsfarben verwendet.
  13. 13. Verwendung nach den Ansprüchen 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß man die Farbstoffe als Tinten oder Tuschen verwendet.
  14. 14. Verwendung nach den Ansprüchen 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß man Etiketten oder Verpackungsmaterialien von verderblichen Produkten anfärbt.






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