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Dokumentenidentifikation DE19602430C2 15.01.1998
Titel Verschluß für eine Schußwaffe
Anmelder J.P. Sauer & Sohn GmbH gegründet 1751, 24340 Eckernförde, DE
Erfinder Röh, Horst, 24340 Eckernförde, DE
Vertreter BOEHMERT & BOEHMERT, 28209 Bremen
DE-Anmeldedatum 24.01.1996
DE-Aktenzeichen 19602430
Offenlegungstag 28.08.1997
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 15.01.1998
Veröffentlichungstag im Patentblatt 15.01.1998
IPC-Hauptklasse F41A 3/36
IPC-Nebenklasse F41A 3/18   

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft einen Verschluß für eine Schußwaffe.

Bei Handfeuerwaffen für Jagd und Sport mit einem einzelnen, gezogenen Lauf (sogenannten Büchsen) findet man am häufigsten den Zylinderdrehverschluß; bei Jagdwaffen vorwiegend als Repetierer, d. h. Mehrlader, bei Sportwaffe vorwiegend als Einzellader ohne Magazin. Speziell bei der Drückjagd wird in geringem Umfang auch der mehrschüssige Selbstlader (Halbautomat) verwendet.

Ebenfalls bekannt ist eine Mehrladebüchse mit einem sogenannten Radialbundverschluß, bei der die Verriegelung nicht durch eine Drehbewegung des Verschlußzylinders, sondern durch axiale Verschiebung einer Mehrzahl radial angeordneter, separater Verriegelungselemente vorgenommen wird.

Bei Handfeuerwaffen für Jagd und Sport mit glattem Lauf (sogenannten Flinten) findet überwiegend im europäischen Raum der Kipplaufverschluß als Einzellader Anwendung. In Übersee speziell in den USA dagegen wird der einläufige Selbstlader als Mehrlader mit entsprechender Magazinkapazität benutzt. Bei den manuell betätigten Mehrladewaffen mit Zylinderdreh- und Radialbundverschluß ist die Magazinkapazität nicht beschränkt. Bei den mehrschüssigen Selbstladern (Halbautomaten) ist die Magazinkapazität in Deutschland dagegen durch das Jagdgesetz auf zwei Schuß begrenzt, so daß dem Schützen maximal drei Schuß in schneller Folge zur Verfügung stehen. Dadurch werden die Vorteile des Selbstladers (schnelle Schußfolge) wieder stark reduziert. Ein weiterer Nachteil bei den Selbstladebüchsen ist die deutlich schlechtere Schußleistung gegenüber den Zylinderverschluß-Büchsen, wodurch ihre Verwendung auf kurze bis mittlere Entfernungen begrenzt ist.

Bei Zylinderdrehverschlüssen erfolgt das Öffnen des Verschlusses, das Spannen des Zündmechanismus und das Losbrechen einer festgeschossenen Patronenhülse manuell, d. h. durch Einsatz entsprechender Handkräfte. Je nach Auslegung des Verschlusses sind diese Kräfte nicht unerheblich und behindern das schnelle Nachladen, das speziell bei Drückjagden verlangt wird. Die bei diesen Verschlüssen zum Nachladen erforderliche Dreh-Geradezug-Bewegung bedarf einer gezielten, intensiven Übung, um ein möglichst schnelles Nachladen zu erreichen. Diese Nachladebewegung wird speziell bei den älteren Verschlüssen mit nur zwei Verriegelungswarzen, die einen Öffnungswinkel von 90° erfordern, durch das heute allgemein verwendete Zielfernrohr stark behindert, da der Kammerstengel in geöffneter, oberer Stellung sehr dicht am Zielfernrohrkörper vorbeigeführt werden muß. Ein weiterer Nachteil des Zylinderdrehverschlusses im Vergleich zum Selbstlader ist, daß der Rückstoß ungedämpft in voller Stärke von der Schulter des Schützen aufgefangen werden muß. Der Rückstoß läßt sich bei diesem Waffentyp nur durch Erhöhen des Gewichtes reduzieren. Das läuft aber dem allgemeinen Bestreben zuwider, die Waffen so leicht wie möglich zu machen, um den Trage- und Handhabungskomfort zu verbessern. Der Wunsch nach leichten Waffen führt bei die sein Waffentyp auch zu mehr oder weniger schlanken und dünnen Läufen. Das wiederum führt zu verstärkten Laufschwingungen und dadurch zu einer Verschlechterung der Schußleistung.

Bei Zylinderdrehverschluß-Büchsen in Mehrladeausführung muß neben der auch bei Einzelladern notwendigen Patronen- Auswurföffnung noch eine zusätzliche Öffnung zur Aufnahme des Magazines und die Patronenzuführung aus dem Magazin in der Hülse vorgesehen werden. Diese zusätzliche Öffnung reduziert die Verwindungs- und Biegesteifigkeit der Hülse ganz wesentlich, was sich ebenfalls negativ auf die Schußleistung auswirkt. Waffen für das Präzisionsschießen werden deshalb bevorzugt als Einzellader ausgeführt.

Der sogenannte Radialbundverschluß mit radial angeordneten Verriegelungselementen, die die Verriegelung ohne Drehbewegung des Verschlußzylinders herstellen, ist beispielsweise in der deutschen Patentschrift 596649 und als fertigungs- und funktionstechnisch verbesserte Ausführungsform im deutschen Gebrauchsmuster 9208748 beschrieben.

Weiter ist aus der DD 1 33 465 ein Geradezug-Verschluß bekannt, bei dem die verschiedenen Funktionen beim Nachladen mittels einer geteilten Kammer nacheinander durchgeführt werden, z. B. Spannen der Schlagbolzenfeder, Entriegeln des Verschlusses und das Auswerfen der alten Hülse.

Mehrladebüchsen mit Radialbundverschluß haben zwar gegenüber dem Zylinderdrehverschluß den Vorteil, daß die kombinierte Dreh-Geradezug-Bewegung durch eine einfache Geradezugbewegung ersetzt worden ist. Aber auch bei diesem Verschluß müssen sämtliche, für die einzelnen Funktionen notwendigen Kräfte manuell aufgebracht werden. Zur Bedienungserleichterung hat man deshalb bei der einzigen, derzeit mit diesem Verschlußsystem auf dem Markt befindlichen Mehrladebüchse die Funktionen unterteilt, so daß das Spannen des Schlosses nicht gleichzeitig mit dem Entladen und Neuladen des Patronenlagers zusammenfällt. Die Reduzierung der Bedienungskräfte wird dabei mit einer längeren Bedienungsdauer erkauft.

Der Nachteil des Zylinderdrehverschlusses, daß die Rückstoßkräfte ungedämpft auf den Schützen übertragen werden und nur durch Erhöhung des Waffengewichtes reduziert werden können, besteht auch bei diesem System.

Aufgabe der Erfindung ist es, unter Vermeidung der genannten und weiterer Nachteile des Zylinderdreh- und Radialbundverschlusses einen Teil der Rückstoßenergie wie bei einem Selbstlader zur Vereinfachung und Erleichterung der Bedienung und Handhabung zu nutzen. Dies wird durch einen Verschluß gemäß Patentanspruch 1 erreicht, wobei mittels der Rückstoßenergie einerseits das Öffnen des Verschlusses, das Spannen des Schlosses und das eventuell erforderliche Losbrechen einer festsitzenden Patronenhülse bewerkstelligt wird, andererseits aber das Auswerfen der leeren Patronenhülse und das Zuführen einer neuen Patrone weiterhin manuell erfolgt.

Durch diese Trennung der Funktionen handelt es sich nicht um einen automatischen Selbstlader und unterliegt somit auch nicht der gesetzlichen Beschränkung der Magazinkapazität. Da das verbleibende manuelle Auswerfen und Nachladen einer neuen Patrone nur relativ niedrige Kräfte erfordert, kann dies erfindungsgemäß durch eine einfache, leicht und schnell auszuführende und geradlinige Hin- und Herbewegung des Verschußzylinders durchgeführt werden. Die Ausnutzung eines Teiles der Rückstoßenergie zur Ausführung einiger Funktionen führt auch zu einer merklichen Reduzierung des Rückstoßes.

Der Verschlußzylinder und die Kammerhülse können jeweils mit einem Steuerelement versehen sein, wodurch eine Steuerungseinrichtung gebildet wird, die dem Verschlußzylinder bei einer relativen axialen Verschiebung innerhalb der Kaininerhülse eine Drehbewegung erteilt, wobei der Verschlußzylinder mit dem Lauf bajonettverschlußartig ver- bzw. entriegelbar ist. Diese Bauweise entspricht dem bekannten Zylinderdrehverschluß.

Vorzugsweise wird bei einer Drehverriegelung eine dreiteilige Verteilung der Verriegelungsmittel auf dem Umfang gewählt, da dann zum öffnen des Verschlusses nur eine ca. 60°-Drehbewegung der Verschlußzylinders im Gegensatz zu einer 90°-Drehbewegung bei zwei gegenüberliegenden Verriegelungselementen notwendig ist.

Es sind auch zwei oder mehr hintereinanderliegende Reihen von Verriegelungselementen möglich, wenn für sehr starke Magnum-Patronen eine größere Verriegelungsfläche notwendig ist.

Ebenso können die Verriegelungselemente Segmente eines ein- oder mehrgängigen Gewindes sein, bei dem mit der Drehbewegung auch gleichzeitig eine zusätzliche axiale Bewegung erzeugt wird, die zum Losbrechen einer festgeschossenen Patronenhülse benutzt werden kann.

Bevorzugt ist auf dem Verschlußzylinder ein Zapfen gehalten, der längs einer an der Kammerhülse ausgebildeten Steuerfläche gleitet. Dadurch wird bei einer axialen Verschiebung der Kaminerhülse gegenüber dem Verschlußzylinder die für die Ver- und Entriegelung im Laufende notwendige Drehbewegung des Verschlußzylinders hervorgerufen. Alternativ wären hierbei gewindeartige Spiralnuten im Innern der Kammerhülse mit entsprechenden Ausnehmungen auf dem äußeren Umfang des Verschlußzylinders denkbar.

Bei einer Ausbildung als Radialbundverschluß umfaßt das Verriegelungsmittel bevorzugt mindestens ein Verriegelungselement, das mittels eines axial bewegbaren Betätigungselements in radialer Richtung in Eingriff mit dem ersten Verriegelungsmittel zu bringen ist.

Die Vorspanneinrichtung zum Vorspannen des Laufs ist bevorzugt als Feder ausgebildet.

Zweckmäßigerweise ist das Rastelement durch eine am Lauf ausgebildete Steuerfläche aktivierbar.

Das Bedienungselement für die Kammerhülse (Kammerstengel) ist vorteilhafterweise in einem axial verlaufenden Schlitz in der Verschlußhülse geführt.

Bei einer bevorzugten Ausführungsform sind mindestens zwei Lauflager vorgesehen, die über die Länge des Laufs verteilt angeordnet sind.

Diese besondere Lagerung des Laufes bewirkt eine Dämpfung der Laufschwingungen und verhindert dadurch eine Verschlechterung der Schußleistung bei leichten und dünnen Läufen. Sie hebt ebenfalls die bei konventionellen Zylinderverschlüssen für die Schußleistung negativen Wirkungen der Magazin- und Patronenauswurföffnungen in der Verschlußhülse auf.

Diese besondere Lagerung des Laufes ermöglicht weiterhin eine Zielfernrohrmontage mit besonders langem Abstand der beiden Montagefüße und reduziert dadurch ganz erheblich die Stoßempfindlichkeit der Montage und eine damit verbundene, ungewollte Treffpunktverlagerung.

Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels unter Bezugnahme auf eine Zeichnung im einzelnen beschrieben. Es zeigt:

Fig. 1 eine teilweise im Längsschnitt dargestellte Seitenansicht eines erfindungsgemäßen Verschlusses zusammen mit einem Teil des Laufs, wobei sich der Verschluß in einem Ausgangszustand (verriegelter, gespannter und geladener Zustand) befindet,

Fig. 2 eine Darstellung entsprechend Fig. 1, wobei sich der Verschluß in einem Rückstoßzustand (nach Zünden der Patrone) befindet,

Fig. 3 eine Darstellung entsprechend Fig. 1, wobei sich der Verschluß erneut in einer Ausgangsstellung (automatisch entriegelter Zustand) befindet.

Die folgende Beschreibung bezieht sich auf eine Ausführungsform des Verschlusses als Drehverriegelung, wie sie vom Zylinderdrehverschluß her bekannt ist, wobei sich diese - technisch schwierigere - Lösung selbstverständlich sinngemäß bei einem Radialbundverschluß anwenden läßt, wobei dann die axiale Verschiebung zwischen Kammerhülse und Verschlußkopf direkt ohne Umwandlung in eine Drehbewegung zur Steuerung der Verriegelungselemente genutzt werden kann.

Wie Fig. 1 zeigt, hat der Verschluß ein ein- oder mehrteiliges Grundgestell 10, auf dem die Verschlußhülse 1 und die beiden Lauflager 7a und 7b fest montiert sind. Dieses Grundgestell dient nicht nur zur Aufnahme und Positionierung der genannten Teile, sondern stellt auch die Verbindung zu dem für die Handhabung notwendigen Schaft her und nimmt die Abzugseinrichtung und bei einem Mehrlader auch das Magazin auf.

Der Lauf 6 ist nicht auf herkömmliche Art mittels eines Gewindes oder einer Klemmung fest mit der Verschlußhülse 1 verbunden, sondern in dieser Hülse und den beiden Lauflagern 7a und 7b axial gleitend gelagert. Der Lauf 6 hat im hinteren Bereich einen Absatz mit der Schulter 6a und davor in einem bestimmten Abstand ein Federwiderlager 9. Zwischen dem Federwiderlager 9 und dem hinteren Lauflager 7a ist die Vorholfeder 8 positioniert, die den Lauf 6 in Ruhelage mit der Schulter 6a gegen das Lauflager 7a drückt. Hinter dem Lauf 6 in der Verschlußhülse 1 ist die Kammerhülse 2 axial gleitend gelagert. Der Kammerstengel 4, der zur manuellen Betätigung des Verschlusses dient, ist fest mit der Kammerhülse 2 verbunden und kann dadurch begrenzt zusammen mit der Kammerhülse 2 in dem Schlitz 1a der Verschlußhülse 1 geradlinig hin- und herbewegt werden. In der Kammerhülse 2 ist der Verschlußzylinder 3 mit den Verriegelungswarzen 3a axial verschiebbar gelagert. Die Verriegelungswarzen 20, in die die Verriegelungswarzen 3a des Verschlußzylinders 3 einrasten, um das Patronenlager des Laufes 6 drucksicher zu verschließen, sind nicht wie allgemein üblich Bestandteil der Verschlußhülse 1, sondern bilden eine Einheit mit dem Lauf 6.

Es ist dabei für die Funktion des erfindungsgemäßen Verschlusses unerheblich, ob Lauf 6 und Verriegelungswarzen 20 aus einem zusammenhängenden Stück Material oder aus fertigungstechnischen Gründen aus zwei separaten Stücken gefertigt sind, die dann in geeigneter Art und Weise zu einem einheitlichen Funktionsteil zusammengefügt werden. Form und Anzahl der Verriegelungswarzen werden in bekannter Art auf die Stärke und Länge der zu verschießenden Patrone abgestimmt.

An dem Verschlußzylinder 3 ist ein Steuerzapfen 5 befestigt, der in der Steuerkurve 5a der Kammerhülse 2 geführt wird, die dadurch bei einer axialen Verschiebung der Kammerhülse 2 zum Verschlußzylinder 3 die für die Ent- und Verriegelung im Laufende 6 notwendige Drehbewegung des Verschlußzylinders hervorruft. Der gleiche Effekt kann aber auch mit gewindeartigen Spiralnuten bzw. -leisten im Inneren der Kammerhülse 2, die in entsprechende Ausnehmungen auf dem äußeren Umfang des Verschlußzylinders 3 greifen, erreicht werden.

Der Verschlußzylinder 3 enthält in bekannter Form die für die Zündung der Patrone notwendigen Teile wie Schlagbolzen und Schlagbolzenfeder und die zum Ausziehen jeder abgeschossenen Patronenhülse notwendigen Teile, wie Auszieher und Auswerfer, die hier nicht näher beschrieben werden müssen.

Die Kammerhülse 2 hat an geeigneter Stelle eine Rastkante 17, in die ein Rastelement 13 einrasten kann, um das unter Federdruck stehende Verschlußsystem Kammer - Lauf in einer bestimmten funktionsbedingten rückwärtigen Stellung (Rückstoßposition) zu halten. Das Rastelement 13 ist in der gezeigten Ausführung mit einem federnden Steuerelement 11 verbunden, das über eine schräge Fläche 18 am Laufende 6 durch den unter dem Einfluß des Rückstoßes nach hinten gleitenden Lauf vorgespannt wird, so daß das Rastelement 13 in die Rastkante 17 eintreten kann, sobald sich die Kammerhülse entsprechend weit zurückbewegt hat. Die Lage des Rastelementes 13 und der Rastkante 17 muß funktionsbedingt nicht zwangsläufig wie gezeichnet unten liegen. Es ist bei einem Mehrlader sogar zweckmäßig, diese Elemente an anderer geeigneter Stelle zu positionieren, da der Raum unten hinter dem Laufende 6 normalerweise zur Aufnahme des Magazins benötigt wird.

Nachfolgend sei auf die Funktionsweise des erfindungsgemäßen Verschlusses eingegangen. Im Falle der Zündung der Patrone erfolgt die Schußauslösung in bekannter Art und Weise über eine geeignete, hier nicht dargestellte Abzugseinrichtung. Nach der Zündung der Patrone (Ausgangsstellung nach Fig. 1) gleiten Kammerhülse 2, Verschlußzylinder 3 und Lauf 6 gemeinsam unter dem Druck der Rückstoßkräfte gegen den Druck der Vorholfeder 8 zurück bis in die Rückstoßposition bzw. geringfügig darüber hinaus, so daß die Kammerhülse 2 von dem Rastelement 13 in der Rastkante 17 gefangen und in dieser Stellung festgehalten wird (Fig. 2).

Das Rastelement 13 wird dabei über die Schräge 18 am Ende des Laufs 6 mittels einer Feder 11 bei der Zurückbewegung der Laufs nach oben geschwenkt, sobald die Rastkante 17 den Weg freigibt.

Sobald das Geschoß die Laufmündung verlassen hat, wird der den Rückstoß hervorrufende Gasdruck sehr schnell abgebaut und der Lauf 6 gleitet unter dem Druck der Vorholfeder 8 wieder nach vorn. Der Lauf 6 zieht dabei den mit diesem verriegelten Verschlußzylinder 3 ein Stück aus der Kammerhülse 2 heraus. Der fest mit dem Verschlußzylinder 3 verbundene Steuerzapfen 5 folgt dabei zwangsläufig der Steuerkurve 5a in der Kammerhülse 2 und dreht den Verschlußzylinder dabei aus der verriegelten in die entriegelte Stellung und hebt damit die axiale Verbindung zwischen Lauf 6 und Verschlußzylinder 3 auf. Steuerkurve 5a und Verriegelungswarzen 3a sind dabei so gestaltet, daß mit der Drehbewegung zum Entriegeln auch eine geringe, aber ausreichende axiale Bewegung zwischen Lauf 6 und Verschlußzylinder entsteht, die zum Losbrechen einer eventuell festgeschossenen Patronenhülse dient.

Die durch das Zusammenwirken von Steuerzapfen 5 und Steuerkurve 5a erzwungene Drehbewegung des Verschlußzylinders 3 bewirkt auch gleichzeitig das erneute Spannen des Schlagbolzens 14 über die in bekannter Ausführung am hinteren Ende des Verschlußzylinders vorgesehene Spannkurve 16. Wenn die Schulter 6a des Laufes 6 unter dem Druck der Vorholfeder 8 wieder am hinteren Lauflager 7a zur Anlage gekommen ist, ist der durch die Rückstoßkräfte verursachte automatische Funktionsablauf beendet (Fig. 3).

Nun müssen Kammerhülse 2 und Verschlußzylinder 3 manuell durch geradliniges Ziehen am Kammerstengel 4 über die Rückstoßposition hinaus in ihre rückwärtige Endstellung gebracht werden. Dabei wird die leere Patronenhülse mittels des Ausziehers 19 aus dem Patronenlager herausgezogen und mittels eines nicht dargestellten Auswerfers in bekannter Art ausgeworfen.

Werden Kammerhülse 2 und Verschlußzylinder 3 anschließend wieder manuell mittels des Kammerstengels nach vorne geschoben, so wird zuerst entweder beim Einzellader eine vorher eingelegte neue Patrone oder beim Mehrlader aus dem Magazin eine neue Patrone in das Patronenlager des Laufes 6 geführt. Wenn der Verschlußzylinder 3 seine vordere Endstellung im Laufende 6 eingenommen hat, bewegt sich die Kammerhülse 2 allein weiter nach vorn und zwingt den Verschlußzylinder 3 mittels der Steuerkurve 5a und des Steuerzapfens 5 in seine verriegelte Stellung. Damit ist wieder der Ausgangszustand erreicht.

Wird die Patrone nicht gezündet, muß die Waffe zu gegebener Zeit aus Sicherheitsgründen entladen werden. Da keine Rückstoßkräfte entstehen, bleibt der Lauf 6 in seiner (vorderen) Ausgangs- bzw. Ruhestellung.

Durch manuelles, geradliniges Zurückziehen des Kammerstengels 4 bewegt sich anfangs nur die Kammerhülse 2 nach rückwärts und verdreht dabei zwangsweise den Verschlußzylinder 3 mittels des Steuerzapfens 5 und der Steuerkurve 5a aus der verriegelten in die entriegelte Stellung. Nach vollständiger Entriegelung werden Kammerhülse 2 und Verschlußzylinder 3 gemeinsam weiter zurückbewegt. Der Verschlußzylinder 3 zieht dabei die Patrone mittels des Ausziehers 19 aus dem Patronenlager und wirft sie aus, so daß die Waffe entladen ist.

Der Funktionsablauf bei verriegeltem, ungespanntem und ungeladenem System ist grundsätzlich so wie oben für den Fall beschrieben, daß die Patrone nicht gezündet hat. Da der Schlagbolzen nicht gespannt ist, muß er beim Zurückziehen des Kammerstengels 4 gleichzeitig gespannt werden, was einen zusätzlichen Kraftaufwand erfordert.

Bezugszeichenliste

1 Verschlußhülse

2 Kammerhülse

3 Verschlußzylinder

3a Verriegelungswarzen (erstes Verriegelungsmittel)

4 Kammerstengel (Bedienungselement)

5 Steuerzapfen

5a Steuerkurve

6 Lauf

7a Lauflager

7b Lauflager

8 Vorholfeder

9 Federwiderlager

10 Grundgestell

11 Steuerelement

12 Rastlager

13 Rastelement

14 Schlagbolzen

15 Abzugstollen

16 Spannkurve

17 Rastkante

18 Schrägung

19 Auszieher

20 Verriegelungswarzen (zweites Verriegelungsmittel)


Anspruch[de]
  1. 1. Verschluß für eine Schußwaffe, beim dem die Rückstoßkräfte zum automatischen Entriegeln des Verschlusses, zum Spannen des Schlosses und zum Losbrechen einer festsitzenden Patronenhülse genutzt werden, gekennzeichnet durch folgende Merkmale:

    eine Verschlußhülse (1) und mindestens ein Lauflager (7a, 7b) sind auf einem Grundgestell (10) gehalten,

    ein Lauf (6) ist mit einem Endabschnitt in der Verschlußhülse (1) und mit seinem übrigen Teil in mindestens einem Lauflager (7a, 7b) zur Bewegung zwischen einer Ausgangsposition und einer Rückstoßposition axial verschieblich gelagert,

    der Lauf ist mittels einer Vorspanneinrichtung (8, 9) in axialer Richtung nach vorn bis in seine Ausgangsposition gegen einen Anschlag (6a, 7a) vorgespannt,

    in der Verschlußhülse (1) ist zur Bewegung zwischen einer Ausgangsposition, einer Rückstoßposition und einer rückwärtigen Endposition eine Kammerhülse (2) axial verschieblich gelagert,

    die Kammerhülse (2) ist mittels eines Bedienungselements (4) axial hin- und herbewegbar,

    in der Kammerhülse (2) ist axial begrenzt beweglich ein Verschlußzylinder (3) gelagert,

    mit dem Verschlußzylinder (3) ist ein erstes Verriegelungsmittel (3a) fest verbunden, das mit einem zweiten fest am Lauf gehaltenen Verriegelungsmittel (20) unmittelbar oder mittelbar in Eingriff bringbar ist, wobei durch eine relative axiale Verschiebung zwischen Kammerhülse und Verschlußzylinder der Verschlußzylinder mit dem Lauf in axialer Richtung ver- und entriegelbar ist,

    ein Rastelement (13), das durch eine axiale Bewegung des Laufs in dessen Rückstoßposition aktivierbar ist, hält im aktivierten Zustand die Kammerhülse in ihrer Rückstoßposition fest.
  2. 2. Verschluß nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Verschlußzylinder (3) und die Kammerhülse (2) jeweils mit einem Steuermittel (5, 5a) versehen sind, wodurch eine Steuerungseinrichtung gebildet wird, die dem Verschlußzylinder bei einer relativen axialen Verschiebung innerhalb der Kammerhülse eine Drehbewegung erteilt.
  3. 3. Verschluß nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß ein auf dem Verschlußzylinder gehaltener Zapfen (5) mit einer an der Kammerhülse ausgebildeten Steuerfläche (5a) zusammenwirkt.
  4. 4. Verschluß nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß gewindeartige Spiralnuten im Inneren der Kammerhülse mit entsprechenden Ausnehmungen auf dem äußeren Umfang des Verschlußzylinders zusammenwirken.
  5. 5. Verschluß nach einem der Ansprüche 2 bis 4, gekennzeichnet durch eine dreiteilige Verteilung der Verriegelungsmittel (3a, 20) auf dem Umfang.
  6. 6. Verschluß nach einem der vorangehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch zwei oder mehr hintereinanderliegende Reihen von Verriegelungselementen (3a, 20).
  7. 7. Verschluß nach einem der Ansprüche 2 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Verriegelungselemente (3a, 20) Segmente eines ein- oder mehrgängigen Gewindes sind.
  8. 8. Verschluß nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Verriegelungsmittel (20) mindestens ein Verriegelungselement umfaßt, das mittels eines axial bewegbaren Betätigungselements in radialer Richtung in Eingriff mit dem ersten Verriegelungsmittel (3a) zu bringen ist.
  9. 9. Verschluß nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Vorspanneinrichtung als Feder (8) ausgebildet ist.
  10. 10. Verschluß nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Rastelement durch eine am Lauf ausgebildete Steuerfläche (18) aktivierbar ist.
  11. 11. Verschluß nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Bedienungselement (4) für die Kammerhülse in einem axial verlaufenden Schlitz (1a) in der Verschlußhülse (1) geführt ist.
  12. 12. Verschluß nach einem der vorangehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch mindestens zwei Lauflager (7a, 7b), die über die Länge des Laufs verteilt angeordnet sind.






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