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Dokumentenidentifikation DE19732230A1 28.01.1999
Titel Verfahren und Vorrichtung zum Fibrillieren oder Defibrillieren von Cellulosefasern
Anmelder Eduard Küsters Maschinenfabrik GmbH & Co. KG, 47805 Krefeld, DE
Erfinder Harten, Günter von, 41564 Kaarst, DE;
Kurschatke, Wolfgang, 47807 Krefeld, DE
Vertreter Palgen und Kollegen, 40239 Düsseldorf
DE-Anmeldedatum 26.07.1997
DE-Aktenzeichen 19732230
Offenlegungstag 28.01.1999
Veröffentlichungstag im Patentblatt 28.01.1999
IPC-Hauptklasse D01D 5/42
IPC-Nebenklasse D01F 2/02   
Zusammenfassung Ein Verfahren zum Fibrillieren oder Defibrillieren von nach dem Lösungsspinnverfahren hergestellten Cellulosefasern, insbesondere von nach dem sogenannten NMMO-Verfahren hergestellten Cellulosefasern, umfaßt die Ausübung eines mechanischen Angriffs auf ein kontinuierlich in Breitlage gefördertes bahnförmiges Flächengebilde (10) in einer Flüssigkeit (15). Der mechanische Angriff kann durch in der Flüssigkeit angeordnete Treibmittel in Gestalt umlaufender, mit Längsrippen (11) versehener Stäbe (9) durchgeführt werden (Fig. 1).

Beschreibung[de]

Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren der dem Oberbegriff des Anspruchs 1 entsprechenden Art sowie eine dafür geeignete Vorrichtung.

Beim Lösungsspinnverfahren wird in einem Lösungsmittel gelöste, in der üblichen Weise aus Holz gewonnene Cellulose aus einer Düse mit sehr vielen feinen Öffnungen in ein Fällbad ausgepreßt, in welchem die einzelnen Flüssigkeitsfäden der gelösten Cellulose zu separaten sogenannten Regenerat-Cellulosefäden koagulieren. Bei dem seit langem bekannten Viskoseverfahren wird die Cellulose in Schwefelkohlenstoff gelöst, der wegen seiner Giftigkeit und Explosivität ein wenig erwünschter Reaktionspartner ist, sich aber wegen seiner guten Löse- und Spinneigenschaften über viele Jahrzehnte halten konnte.

Nach dem Lösungsspinnverfahren hergestellten Cellulosefasern haben von natürlichen Cellulosefasern verschiedene Eigenschaften. Insbesondere konnte festgestellt werden, daß eine Längsstruktur dadurch besteht, daß die Cellulose- Kristallite vorrangig in Faserlängsrichtung orientiert sind. Die Bindung dieser längsgerichteten Kristallite in Querrichtung ist schwächer als in Längsrichtung. Die Fasern lassen sich bei geeigneten Beanspruchungszuständen der Länge nach aufspleißen.

Besonders ausgeprägt ist diese Neigung bei Cellulosefasern, die nach dem sogenannten NMMO-Verfahren hergestellt worden sind. Es ist dies ein CS2-freies Verfahren, bei welchem dieses Lösungsmittel durch N-Methylmorpholin- N-Oxid ersetzt worden ist. Wenn derartige Fasern in nassem Zustand einer mechanischen Beanspruchung ausgesetzt werden, so zeigen sie eine deutliche Fibrillierneigung, d. h. es trennen sich an der Oberfläche der Faser feine Faserteile oder Mikrofasern einendig ab, so daß die Faser gewissermaßen eine haarige Oberfläche bekommt (s. Aufsatz von Nicolai, Nechwatal, Mieck in Textilveredlung 31 (1996), Nr. 5/6, Seiten 96 bis 100; Vortrag von Brauneis auf der VTCC-Tagung in Baden-Baden, Juni 1995, veröffentlicht in "LENZINGER-Berichte" 75/96, Seiten 105 bis 111).

Der Effekt kann dazu genutzt werden, einem aus den Fasern hergestellten Flächengebilde besondere mechanische Eigenschaften, insbesondere Oberflächeneigenschaften zu verleihen, z. B. einen pfirsichhautartigen Griff, der für bestimmte modische Anwendungen erwünscht ist.

Damit die Fibrillierung nicht zu einer Desintegration der Fasern führt, muß sie bei Erreichung eines bestimmten Fibrillierungsgrades angehalten werden können. Eine Beeinflussung des Fibrillierungsprozesses aus sich selbst heraus ist bisher noch nicht möglich. Es bedarf hierzu vielmehr eines separaten Prozesses, z. B. durch eine Schaffung von zusätzlichen Querbrücken zwischen den Fibrillen einer Faser durch Hochveredlungsprozesse oder aber durch eine Behandlung mit Enzymen, z. B. Cellulasen. Auch zur wirksamen Einbringung derartiger Defibrillierungsmittel in das Flächengebilde bedarf es einer mechanischen Beanspruchung desselben. Bei den bisherigen Vorgehensweisen zur Fibrillierung oder Defibrillierung von lösungsgesponnenen Cellulosefasern wurden die daraus hergestellten Flächengebilde nur in quasi kontinuierlichen Verfahren in Strangform erzeugt. Der Übergang aus der Breitlage in die Strangform in einer Kontinue-Anlage verringert die Arbeitsgeschwindigkeit und schafft das Risiko ungleichmäßiger Behandlung der Ware. Von der Behandlung in Breitform lenkte der bisherige Stand der Technik eher ab, weil die Auffassung bestand, daß die Fibrillierung dabei nicht ausgelöst wird (s. Aufsatz von Marini und Brauneis "Lenzing-Lyocell, Welche sind die wichtigen Unterschiede zu den anderen cellulosischen Fasern?", 17th IFVTCC Congress, 5. bis 7. Juni 1996 (Wien), insbesondere Seite 6 unter der Überschrift "Das Fibrillieren").

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, den Prozeß des Fibrillierens oder Defibrillierens gleichmäßiger und schneller auszuführen.

Diese Aufgabe wird in ihrem verfahrensmäßigen Aspekt durch die in Anspruch 1 wiedergegebene Erfindung gelöst.

Wesentlich ist hierbei einerseits das kontinuierliche Arbeiten in Breitlage, was der Integration der Fibrillierungs-/Defibrillierungs-Station in eine Kontinue-Anlage entgegenkommt und die Mißhelligkeiten eines zwischenzeitlichen Übergangs in die Strangform vermeidet. Versuche haben gezeigt, daß entgegen der im Stand der Technik vertretenen Meinung auch bei einem Arbeiten in Breitlage eine Fibrillierung oder Defibrillierung in ausreichendem Maß erreichbar ist, wenn nur dafür gesorgt wird, daß der mechanische Angriff zu einer ausreichend heftigen Relativbewegung der Flüssigkeit gegenüber den Fasern führt. Es ergibt sich hierdurch ein mechanischer Angriff an den Fasern, der bis in die Tiefe des Flächengebildes dringt und von der Flüssigkeit gewissermaßen vermittelt wird. Es ist durch die Erfindung möglich geworden, die Strukturbeeinflussung des Fibrillierens Inline mit der normalen Arbeitsgeschwindigkeit einer Kontinue-Anlage auszuführen.

Bei der bevorzugten Ausführungsform erfolgt der mechanische Angriff über die ganze Fläche des Flächengebildes gleichmäßig (Anspruch 2), doch ist es durch geeignete Ausrichtung des mechanischen Angriffs bzw. durch entsprechende Abdeckung von Oberflächenteilen des Flächengebildes auch möglich, den mechanischen Angriff über die Fläche mustermäßig unterschiedlich erfolgen zu lassen (Anspruch 3).

Das Flächengebilde muß bei der Fibrillierung/Defibrillierung nah sein. Dies kann sowohl dadurch realisiert werden, daß der mechanische Angriff an einem tropfnassen Flächengebilde erfolgt (Anspruch 4), welches sich außerhalb eines Flottenvorrats befindet und durch geeignete Maßnahmen wie Aufsprühen oder Aufgießen ständig mit soviel Flotte versehen wird, wie es überhaupt tragen kann (Anspruch 4). Die Alternative sieht vor, daß der mechanische Angriff unter Flotte vorgenommen wird (Anspruch 5), d. h. die Bahn des textilen Flächengebildes wird durch eine mit Flüssigkeit gefüllten Trog geleitet und unter dem Flüssigkeitsspiegel dem mechanischen Angriff ausgesetzt.

Dieser kann gemäß Anspruch 6 dadurch erzeugt werden, daß an den Oberflächen des bahnförmigen Flächengebildes Treibmittel für die Flotte mit hoher Relativgeschwindigkeit berührungslos vorbeigeführt werden. Die Treibmittel können z. B. Stäbe, Leisten, Stege oder dergleichen sein, die in der Flüssigkeit relativ zur Bahn bewegt werden und diese Bewegung den der Bahn benachbarten Flüssigkeitszonen mitteilen.

Es ist aber gemäß Anspruch 7 auch möglich, daß an der Oberfläche des bahnförmigen Flächengebildes Angriffselemente mit hoher Relativgeschwindigkeit berührend angreifen. Ein solcher Angriff wird durch die Flüssigkeit verteilt und vergleichmäßigt.

Eine wichtige Ausgestaltung der Erfindung besteht gemäß Anspruch 8 darin, daß das bahnförmige Flächengebilde vor der Einwirkung des mechanischen Angriffs quergedehnt wird.

Es hat sich gezeigt, daß eine derartige definierte Dehnung in Querrichtung der Bahn der anschließenden Fibrillierung bei der Einwirkung des mechanischen Angriffs sehr förderlich ist. Die Querdehnung kann beispielsweise in einer Vorrichtung nach der DE 41 22 121 C2 erfolgen, bei der die Bahn durch den Spalt zwischen ineinandergreifenden Rippenwalzen hindurchgeleitet wird.

Die Erfindung verwirklicht sich in ihrem apparativen Aspekt in einer Vorrichtung nach Anspruch 9.

Diese kann entsprechend Anspruch 10 ausgebildet sein, d. h. nach Art einer mit zusätzlichen Mitteln zur Ausübung des mechanischen Angriffs versehenen Rollenkufe.

Die Bahn des textilen Flächengebildes kann aber auch über eine Trommel geführt sein, wie es in Anspruch 11 wiedergegeben ist.

Diese Trommel kann insbesondere gemäß Anspruch 12 ausgebildet sein, wobei die drehbaren Stäbe an der Innenseite des bahnförmigen Flächengebildes abrollen und also einen berührenden mechanischen Angriff auf die Bahn ausüben.

Eine weitaus höhere Einwirkung ergibt sich in der alternativen Ausführungsform nach Anspruch 13, bei der die Stäbe undrehbar sind. Der mechanische Angriff erfolgt hierbei in dreifacher Weise:

  • - durch die erzeugte Flottenbewegung
  • - durch die Trommel, die an dem bahnförmigen Flächen gebilde um nahezu 325° umschlungen ist und ihrerseits noch eine Exzenterbewegung ausführen kann
  • - durch die peitschende Wirkung jedes einzelnen Stabes aufgrund seiner großen Relativgeschwindigkeit zum bahnförmigen Flächengebilde.

Dabei kann sich die Trommel in Laufrichtung des bahnförmigen Flächengebildes, aber schneller als dieses oder aber - bevorzugt - entgegen der Laufrichtung des bahnförmigen Flächengebildes drehen (Anspruch 14). Maßgeblich ist die Relativbewegung, die den mechanischen Angriff ergibt.

Gemäß Anspruch 15 können die Mittel zum Naßhalten des bahnförmigen Flächengebildes eine Einrichtung zum Aufdüsen oder Aufgießen der Flüssigkeit umfassen, während eine Alternative gemäß Anspruch 16 einen Flüssigkeitstrog vorsieht, durch den das bahnförmige Flächengebilde hindurchleitbar ist.

Die Mittel zum Ausüben des mechanischen Angriffs können gemäß Anspruch 17 in dem Flüssigkeitstrog angeordnet sein.

Die vorstehend geschilderten Merkmale einer Vorrichtung zum Fibrillieren/Defibrillieren sind an sich bei Waschvorrichtungen bekannt. Rollenkufen mit zusätzlichen Mitteln zur Ausübung eines mechanischen Angriffs zum Zwecke der Förderung des Flottenaustauschs gehen z. B. aus den DE-PS 6 90 530, 10 31 261 und 10 52 350 sowie der DE-OS 14 60 418 hervor. Eine Vorrichtung mit einer umlaufenden Trommel zur Erzeugung eines mechanischen Angriffs ergibt sich aus der DE-PS 11 13 201 und der DE 44 13 871 C1. Der Zweck ist hierbei aber die Förderung des Flottenaustauschs und die Durchbrechung der laminaren Flüssigkeitsschicht an der Oberfläche des Flächengebildes bzw. der Fasern. Bei der Erfindung steht kein Flottenaustausch im Vordergrund, sondern die mechanische Einwirkung, die den Strukturverbund der Faser auflockern soll.

Wie bereits erwähnt, hat die Vorschaltung einer Einrichtung zum Querdehnen des bahnförmigen Flächengebildes eine vorteilhafte Wirkung auf den angestrebten Effekt (Anspruch 18).

Die Erfindung verwirklicht sich auch in der Verwendung von Wascheinrichtungen, bei denen eine heftige Relativbewegung der Flüssigkeit gegenüber den Fasern erzeugt wird, zum Fibrillieren oder Defibrillieren von nach dem Lösungsspinnverfahren hergestellten Cellulosefasern (Anspruch 19).

In der Zeichnung sind Vorrichtungen zur Durchführung des Verfahrens schematisch wiedergegeben.

Fig. 1 zeigt einen vertikalen Längsschnitt durch eine Vorrichtung nach Art einer Rollenkufe;

Fig. 2 zeigt einen Querschnitt durch eine Vorrichtung entsprechend einer Trommelwaschmaschine;

Fig. 3 zeigt eine Teilansicht einer Vorrichtung zur Erzeugung einer Querdehnung in einer Bahn.

Die in Fig. 1 als Ganzes mit 100 bezeichnete Vorrichtung umfaßt einen Flüssigkeitstrog 1, in welchem in dem Ausführungsbeispiel zwei mit Abstand übereinander angeordnete Reihen 2, 3 von einander parallelen, mit ihren Achsen in horizontalen Ebenen gelegenen Umlenkrollen 4 bzw. 5 angeordnet sind. Das bahnförmige textile Flächengebilde 10 ist abwechselnd über eine obere Umlenkrolle und eine untere Umlenkrolle 5 und dann wieder über eine obere Umlenkrolle 4 geführt und bildet dementsprechend aufrechte Schleifen 6 mit aufrechten Abschnitten 6' des bahnförmigen Flächengebildes 10.

Dem jeweiligen Abschnitt 6' stehen auf beiden Seiten des bahnförmigen Flächengebildes 10 Mittel 20 zur Erzeugung eines mechanischen Angriffs an dem bahnförmigen Flächengebilde 10 gegenüber. In dem Ausführungsbeispiel der Fig. 1 bestehen die Mittel 20 aus in verschiedenen Höhen auf den beiden Seiten des bahnförmigen Flächengebildes 10 in Höhenrichtung versetzt angeordneten, entsprechend dem Pfeil 8 umlaufenden Stäben 9 oder Rohren, die am Umfang mit angenähert parallel zur Achsrichtung verlaufenden Rippen 11 versehen sind, die beim Umlauf der Stäbe 9 die benachbarte Flüssigkeit in Bewegung setzen, so daß sie eine kräftige Relativbewegung zu dem durchlaufenden bahnförmigen Flächengebilde 10 ausführt. Die Stäbe 9 könnten z. B. als sogenannte Flossenrohre ausgebildet sein. Sie bilden Treibmittel, die beim Umlauf der benachbarten Flüssigkeit eine Relativbewegung gegenüber der Oberfläche des bahnförmigen Flächengebildes 10 erteilen.

In dem in Fig. 1 dargestellten Ausführungsbeispiel berühren die Rippen 11 mit ihrer äußeren Stirnseite das bahnförmige Flächengebilde 10 und wirken auf diese Weise ähnlich wie sogenannte Schlägerwalzen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, die Stäbe 9 von dem bahnförmigen Flächengebilde 10 etwas weiter wegzurücken, so daß die Stirnseiten der Rippen 11 zwar nahe an dem bahnförmigen Flächengebilde 10 vorbeilaufen, dieses jedoch nicht berühren.

Die Stäbe 9 können aber teilweise oder alle auch anstatt im Gleichlauf mit dem bahnförmigen Flächengebilde 10 wie bei dem Drehsinn 8, in entgegengesetztem Drehsinn 8' umlaufen, wodurch sich die Relativgeschwindigkeit und die Intensität der Einwirkung erhöhen.

In Fig. 1 sind zwei alternative Mittel angedeutet, um das bahnförmige Flächengebilde 10 bei der Einwirkung der Stäbe 9 naß zu halten. Das eine Mittel umfaßt Düsen 12, die aus einer gemeinsamen Zuleitung 13 mit einer Flüssigkeit versorgt und sich jeweils oberhalb einer zugeordneten Umlenkrolle 4 der oberen Reihe 2 quer über die Breite des bahnförmigen Flächengebildes 10 erstrecken und auf dieses Flüssigkeit aufdüsen oder aufgießen, was dazu führt, daß das bahnförmige Flächengebilde 10 in den Abschnitten 6' tropfnaß ist. Der Trog 1 hat natürlich einen Auslaß, um die sich auf dem Boden ansammelnde abgetropfte Flüssigkeit abzuführen. Die andere Alternative besteht darin, daß der Trog 1 bis zu einem Spiegel 15' mit der Flüssigkeit 15 gefüllt ist, so daß die aufrechten Abschnitte 6' ganz unter Flotte verlaufen und die mit den Rippen 11 versehenen Rohre 9 ebenfalls unter Flotte arbeiten.

Bei der Vorrichtung 200 der Fig. 2 ist ein Trog 21 vorgesehen, der bis zu einem Spiegel 24 mit der Flüssigkeit 15 gefüllt ist. Der Trog 21 umschließt mit Abstand eine in ihm angeordnete Trommel 30, die aus zwei in einem der Breite des bahnförmigen Flächengebildes 10 entsprechenden Abstand vorgesehenen Endscheiben 31 und an deren Rand über den Umfang gleichmäßig verteilten Stäben 32besteht, deren Achsen parallel zueinander auf einer Zylinderfläche angeordnet sind. Bei der auf der rechten Seite der Fig. 2 durch die kleinen konzentrischen Kreise 32'' angedeuteten Alternative sind die Stäbe 32 um diese Achsen drehbar an den Endscheiben 31 gelagert. Auf der linken Seite der Fig. 2 fehlen die kleinen Kreise und sind die Stäbe 32' undrehbar an den Endscheiben 31 angebracht.

Die ganze Trommel 30 bzw. die beiden Endscheiben 31 sind auf einer angetriebenen Welle 33, die außerhalb des Troges 21 in dessen Maschinengestell gelagert ist, exzentrisch angeordnet, wie bei 34 angedeutet ist, so daß die ganze Trommel 30 um die Achse 33 eine Exzenterbewegung ausführt. Das bahnförmige Flächengebilde 10 wird durch zwei oberhalb der Trommel 30 feststehend angeordnete Leitrollen 25, 26 in der aus Fig. 2 ersichtlichen Weise mäanderförmig um die Trommel 30 geführt. Durch die Exzenterbewegung der Trommel 30 wird das bahnförmige Flächengebilde 10 in der Flüssigkeit 15 in dem Trog 21 hin- und herbewegt und erfährt dadurch einen kräftigen mechanischen Angriff.

Außerdem ist die Trommel 30 unabhängig von dem Exzenter 34 drehangetrieben, so daß sie am Umfang eine von der Vorlaufgeschwindigkeit des bahnförmigen Flächengebildes 10 verschiedene Umfangsgeschwindigkeit aufweist. Vorzugsweise erfolgt diese Antrieb entgegen der Laufrichtung des bahnförmigen Flächengebildes 10 im Sinne des Pfeiles 35, um eine möglichst hohe Relativgeschwindigkeit zu erzielen. Dabei rollen die Stäbe 32 an dem bahnförmigen Flächengebilde 10 ab, während die Stäbe 32' undrehbar an dem bahnförmigen Flächengebilde 10 entlangstreifen. Dieses unterliegt hierdurch einer komplexen mechanischen Einwirkung, die die Fibrillierungs- bzw. Defibrillierungswirkung hervorbringt.

Das bahnförmige Flächengebilde 10 besteht ganz oder im wesentlichen aus nach dem NMMO-Verfahren hergestellten Cellulosefasern. Das NMMO-Verfahren ist ein Lösungsspinnverfahren, bei welchem als Lösungsmittel N-Methylmorpholin-N-Oxid eingesetzt wird. Die auf diese Weise hergestellten Fasern zeigen eine deutliche Längsstruktur und eine Fibrillierneigung, die durch den mechanischen Angriff in der Flüssigkeit 15 ausgelöst wird. Das bahnförmige Flächengebilde 10 erfährt dadurch eine Strukturveränderung, die die mechanischen Eigenschaften vorteilhaft beeinflußt und der Ware einen pfirsischhautähnlichen Griff verleiht, der unter bestimmten modischen Aspekten erwünscht ist.

Die Flüssigkeit 15 ist eine wäßrige alkalische Flotte, wenn es um das Fibrillieren geht. Zum Defibrillieren kommt eine saure enzymatische Flotte in Betracht, wobei aber der mechanische Angriff an dem bahnförmigen Flächengebilde 10 in beiden Fällen erfolgt, z. B. mit Vorrichtungen 100 oder 200 nach den Fig. 1 bzw. 2.

Der durch die Stäbe 9 in Fig. 1 oder durch die Stäbe 32, 32' in Fig. 2 oder ähnliche Mittel hervorgerufene mechanische Angriff sollte so bemessen sein, daß in der unmittelbaren Nähe der Oberflächen des bahnförmigen Flächengebildes 10 Relativgeschwindigkeiten der Flüssigkeit 15 zu der Oberfläche von mindestens 200 m/min auftreten.

Es hat sich herausgestellt, daß die Wirkung der erfindungsgemäßen Behandlung gefördert werden kann, wenn den Vorrichtungen 100 bzw. 200 in Laufrichtung des bahnförmigen Flächengebildes 10 eine Breitdehnvorrichtung 40 entsprechend Fig. 3 vorgeschaltet wird. Das bahnförmige Flächengebilde 10 durchläuft hierbei den Spalt zwischen zwei zusammenwirkenden einander parallelen, quer zur Laufrichtung angeordneten Walzen 41, 42, die in axialen Abständen Umfangsrippen 43 bzw. 44 aufweisen. Die Umfangsrippen 43 der Walze 41 und die Umfangsrippen 44 der Walze 42 weisen gleichbleibende und bei beiden Walzen 41, 42 gleiche axiale Abstände voneinander auf und sind gegeneinander versetzt angeordnet, so daß die Umfangsrippen 43 der Walze 41 in der aus Fig. 3 ersichtlichen Weise in die Zwischenräume zwischen dem Umfangsrippen 44 der Walze 42 eingreifen können.

Die durch den Spalt 45 zwischen den Walzen 41, 42 hindurchgeleitete Warenbahn wird in der wiedergegebenen Weise wellenförmig verformt und erfährt durch die Reibung an den Stirnseiten der Umfangsrippen 43, 44 eine dosierbare Querdehnung, die von dem Grad des gegenseitigen Eingriffs der Umfangsrippen 43, 44 abhängt. Diese Querdehnung führt schon zu einer ersten Lockerung der Faserstruktur in dem bahnförmigen Flächengebilde 10, die die Fibrillierungswirkung durch den mechanischen Angriff in den Vorrichtungen 100, 200 fördert.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zum Fibrillieren oder Defibrillieren von nach dem Lösungsspinnverfahren hergestellten Cellulosefasern, insbesondere nach dem sogenannten NMMO-Verfahren hergestellten Cellulosefasern, unter mechanischer Beanspruchung im nassen Zustand, dadurch gekennzeichnet, daß ein aus den Fasern hergestelltes bahnförmiges Flächengebilde (10) kontinuierlich in Breitlage einen mechanischen Angriff unterzogen wird, der eine heftige Relativbewegung der Flüssigkeit (15) gegenüber den Fasern erzeugt.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der mechanische Angriff über die ganze Fläche des bahnförmigen Flächengebildes (10) gleichmäßig erfolgt.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der mechanische Angriff über die Fläche des bahnförmigen Flächengebildes (10) mustermäßig unterschiedlich erfolgt.
  4. 4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der mechanische Angriff an einem tropfnassen bahnförmigen Flächengebilde (10) erfolgt.
  5. 5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der mechanische Angriff an dem bahnförmigen Flächengebilde (10) unter Flotte erfolgt.
  6. 6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß an den Oberflächen des bahnförmigen Flächengebildes (10) Treibmittel (9, 11; 32) für die Flüssigkeit (15) mit hoher Relativgeschwindigkeit berührungslos vorbeigeführt werden.
  7. 7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß an den Oberflächen des bahnförmigen Flächengebildes (10) Angriffselemente (11, 32) mit hoher Relativgeschwindigkeit berührend angreifen.
  8. 8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß das bahnförmige Flächengebilde (10) vor der Einwirkung des mechanischen Angriffs quergedehnt wird.
  9. 9. Vorrichtung (100, 200) zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 7, gekennzeichnet durch folgende Merkmale:
    1. a) Führungsmittel (4, 5; 30) mittels deren das bahnförmige Flächengebilde (10) zumindest in einer Behandlungsstrecke kontinuierlich in ausgebreiteter Form in Längsrichtung des bahnförmigen Flächengebildes (10) förderbar ist:
    2. b) Mittel (1, 12, 21) zum Na-halten des bahnförmigen Flächengebildes (10) in der Behandlungsstrecke;
    3. c) Mittel (9, 11; 32) zum Ausüben eines mechanischen Angriffs, der eine heftige Relativbewegung der Flüssigkeit (15) gegenüber den Fasern des bahnförmigen Flächengebildes (10) erzeugt.
  10. 10. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Führungsmittel mindestens zwei Reihen (2, 3) mit Abstand übereinander angeordneter Umlenkrollen (4, 5) umfassen, über die das bahnförmige Flächengebilde (10) in aufrechten Schleifen (6) geführt ist, und daß die Mittel (9, 11) zum Ausüben eines mechanischen Angriffs an den aufrechten Abschnitten (6') des bahnförmigen Flächengebildes (10) einwirken.
  11. 11. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Führungsmittel mindestens eine umlaufende Trommel (30) umfassen, um die das bahnförmige Flächengebilde (10) geschlungen ist, und daß die Mittel (32) zum Ausüben eines mechanischen Angriffs in den Umschlingungsbereich auf das bahnförmige Flächengebilde (10) einwirken.
  12. 12. Vorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Trommel (30) auf einer Zylinderfläche angeordnete, zur Achse des Zylinders parallele, um ihre Achse drehbare Stäbe (32) umfaßt und die Trommel (30) mit einer von der Fördergeschwindigkeit des bahnförmigen Flächengebildes (10) verschiedenen Umfangsgeschwindigkeit angetrieben ist und im wesentlichen unter Flotte läuft.
  13. 13. Vorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Trommel (30) auf einer Zylinderfläche angeordnete, zur Achse des Zylinders parallele, um ihre Achse nicht drehbare Stäbe (32') umfaßt und die Trommel (30) mit einer von der Fördergeschwindigkeit des bahnförmigen Flächengebildes (10) verschiedenen Umfangsgeschwindigkeit angetrieben ist und im wesentlichen unter Flotte läuft.
  14. 14. Vorrichtung nach Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeichnet, daß die Trommel sich mit den Stäben (32, 32') an ihrem Umfang entgegen der Laufrichtung des bahnförmigen Flächengebildes (10) bewegt.
  15. 15. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 14, dadurch gekennzeichnet, daß die Mittel zum Na-halten des bahnförmigen Flächengebildes (10) eine Einrichtung (12, 13) zum Ausdüsen oder Aufgießen der Flüssigkeit (15) auf das bahnförmige Flächengebilde (10) derart umfassen, daß das bahnförmige Flächengebilde (10) in der Behandlungsstrecke tropfnaß ist.
  16. 16. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 15, dadurch gekennzeichnet, daß die Mittel zum Na-halten des bahnförmigen Flächengebildes (10) einen Flüssigkeitstrog (1, 21) mit Mitteln (4, 5; 30) zum Hindurchleiten des bahnförmigen Flächengebildes (10) durch die Flüssigkeit (15) umfassen.
  17. 17. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 16, dadurch gekennzeichnet, daß die Mittel zum Ausüben des mechanischen Angriffs in der Flüssigkeit (15) in dem Flüssigkeitstrog (1, 21) angeordnet sind.
  18. 18. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 17, dadurch gekennzeichnet, daß der Behandlungsstrecke eine Einrichtung (40) zum Querdehnen des bahnförmigen Flächengebildes (10) vorgeschaltet ist.
  19. 19. Die Verwendung von Wascheinrichtungen, bei denen eine heftige Relativbewegung der Flüssigkeit gegenüber den Fasern eines bahnförmigen Flächengebildes erzeugt wird, zum Fibrillieren oder Defibrillieren von Cellulosefasern, die nach dem Lösungsmittelspinnverfahren hergestellt sind, insbesondere nach dem NMMO-Verfahren.






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