| Dokumentenidentifikation |
DE19741515A1 15.04.1999 |
| Titel |
Verfahren zur Energiegewinnung mit plasmainduzierter, kontrollierter Kernfusion sowie Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens |
| Anmelder |
Andrä, Jürgen, Dr., 48153 Münster, DE |
| Erfinder |
Andrä, Jürgen, Dr., 48153 Münster, DE |
| DE-Anmeldedatum |
20.09.1997 |
| DE-Aktenzeichen |
19741515 |
| Offenlegungstag |
15.04.1999 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
15.04.1999 |
| IPC-Hauptklasse |
G21B 1/00
|
| IPC-Nebenklasse |
H05H 1/10
|
| Zusammenfassung |
Mit dem Verfahren zur Energiegewinnung mit plasmainduzierter, kontrollierter Kernfusion sowie Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens wird anders als in der Großfusionsforschung vorgeschlagen, nur selektiv die Ionen mit Ionen-Zyklotron-Resonanz durch ein dem Plasma aufgeprägtes elektrisches, resonantes Hochfrequenzfeld in einem großen Resonanzvolumen, das mindestens 0,4% des Gesamtplasmavolumens betragen soll, zu heizen, wobei im Resonanzvolumen der Betrag des Resonanz-Magnetfeldes bis auf Abweichungen von kleiner plus oder minus 1% konstant ist und vom Resonanzvolumen aus der Betrag des Magnetfeldes in alle Richtungen nach außen hin zunimmt. Dies gestattet effiziente, selektive Ionenheizung bei gleichzeitig kalten Elektronen, so daß im Gegensatz zu bisherigen und geplanten Fusionsplasmamaschinen mit technisch-wirtschaftlich kleinerem Aufwand in relativ kleinen Volumina eine Langzeitspeicherung der Ionen mit hoher kinetischer Energie im räumlichen Bereich des Minimums des Betrages der Magnetfeldstruktur möglich wird und damit dort eine stationäre, kontrollierbare Fusionsenergieausbeute erreicht wird, wobei die Ionenheizung durch Ioneneinschuß in die Magnetfeldstruktur verstärkt werden kann.
|
| Beschreibung[de] |
|
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Energiegewinnung mit plasmainduzierter,
kontrollierter Kernfusion gemäß Oberbegriff des Anspruches 1.
Plasmainduzierte, kontrollierte Kernfusion ist ein technologisch äußerst komplexes, bisher
ungelöstes Problem (siehe Referenz 1: U. Schumacher, "Fusionsforschung", Wissenschaftliche
Buchgesellschaft, Darmstadt, 1993, ISBN 3-534-10905-8). Der allgemeine Ansatz ist die
Zündung eines hochdichten Plasmas (Dichte n ≥ 1014 Deuteronen pro cm3), das in Bruchteilen
einer Sekunde auf Temperaturen zwischen 106 und 108 K geheizt wird und dann über einen
möglichst langen Zeitraum τ stabil gehalten wird, wobei heute typisch Sekunden erreicht
werden.
Die hohen Temperaturen sind notwendig, um Deuterium-Kernen ausreichende kinetische
Energie zu vermitteln, damit sie gegen die Coulomb-Abstoßung mit Tritium-Kernen
fusionieren können. Die Deuterium-Tritium- Fusion hat den größten Fusions-Wirkungsquerschnitt
und wird deshalb als Fusions-Brennstoff für künftige Fusionsreaktoren favorisiert.
Die dabei auftretenden hochenergetischen Neutronen (14 MeV) sind aber sowohl für die
Energiebilanz als auch aus der Sicht radioaktiver Langzeitnebenwirkungen von Nachteil. Die
saubere, neutronenfreie Fusion könnte mit der Reaktion p + 11B → 3 × 4He + 3 × 2.88 MeV
erreicht werden, die aber bei deutlich höherer p-Energie einen kleineren
Fusionswirkungsquerschnitt als die Deuterium-Tritium-Reaktion besitzt. Trotz dieses Problems sollte die Protonen-
Bor-Reaktion wegen des günstigen magnetischen Einschlusses von Protonen, wegen der
günstigen Energiebilanz ihrer Endprodukte und vor allem wegen fehlender radioaktiver
Nebenwirkungen in Betracht gezogen werden. Für alle für die kontrollierte Kernfusion relevanten
Ionen, wie z. B. positive Wasserstoff-, Deuterium-, Tritium-, 11Bor-Ionen, usw. wird deshalb
im folgenden der Begriff Ionen verwendet.
Um das Plasma stabil zu halten, werden hohe Magnetfelder (Größenordnung 1 bis 10 T)
benötigt, die vor allem die Ausbreitung des Plasmas zu den Plasma-Kammerwänden verhindern
soll, denn bei Plasmakontakt mit einer Wand verliert das Plasma seine Energie, d. h. es kühlt
sich ab, und erzeugt Verunreinigungen des Plasmas mit Wandmaterial, die ebenfalls zu
Energieverlusten des Plasmas führen. Trotz optimierter Magnetfeldkonstruktionen, wie z. B. in
Tokamaks oder Stelleratoren, können die Plasma-Wandwechselwirkungen prinzipiell nicht
vermieden werden.
Zur Erzeugung des hohen Magnetfeldes geht man heute von der Kupferspulentechnik (z. B.
Tokamak JET (Joint European Torus)) zu supraleitenden Spulen über, die vor allem für das
längere Aufrechterhalten des Plasmas die wirtschaftlichere Lösung darstellt (z. B. Stellerator
Wendelstein VIIX im Bau, Tokamak ITER (International Thermonuclear Experimental
Reactor) geplant).
Die Energieverluste des Plasmas müssen durch aktive Heizung des Plasmas kompensiert
werden. Dazu wird bisher in Tokamaks die Ohmsche Heizung beim Einschalten des
magnetischen Einschlußfeldes und die HF-EZRH
(Hoch-Frequenz-Elektronen-Zykiotron-Resonanz-Heizung) verwendet, die vor allem die Elektronen heizen. Für die direkte Ionenheizung wird
bisher die hochenergetische Neutralteilcheninjektion und die HF-IZRH
(Hoch-Frequenz-Ionen-Zyklotron-Resonanz-Heizung) verwendet. Letztere wird aber in bisherigen Fusionsmaschinen
nicht optimiert, d. h. das Volumen, in dem das Magnetfeld die IZR-Bedingung erfüllt, ist ein
sehr kleiner (< 10-4) Volumenanteil des Gesamtplasmavolumens. Außerdem hat sie den großen
Nachteil, daß sie bei Frequenzen arbeiten muß, die von großvolumigen Plasmen reflektiert
werden. Sie ist deshalb bei Verwendung von Einkoppelantennen nur in den Randzonen
großvolumiger Plasmen wirksam. Die Summe aller Heizmethoden reicht bisher nicht aus, um
das Plasma gegen alle Plasmaenergieverluste für die notwendigen Zeitdauern auf ausreichende
Temperaturen zu heizen.
Die Gesamtenergiebilanz dieser Zusammenhänge führt zu dem technologisch und
wirtschaftlich sehr fragwürdigen Resultat, daß nur eine Vergrößerung der bisher konzipierten
Plasmafusionsmaschinen zu einer positiven Energiebilanz führen kann, d. h. daß nur gigantisch
große Maschinen Aussicht darauf haben, mehr Energie zu produzieren als zu verbrauchen (z. B.
der geplante ITER).
Es stellt sich damit die Aufgabe,
die Gesamtenergiebilanz von Fusionsplasmen neu zu überdenken und Lösungen zu suchen, die
mit geringerem technologisch-wirtschaftlichem Aufwand und vor allem kleineren Dimensionen
zu Energie produzierenden Fusionsreaktoren führen.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß
- a) der magnetische Einschluß des Plasmas durch Permanentmagneten oder
Kupferspulensysteme oder supraleitende Magnetspulensysteme mit sog. MBM
(Minimum-B-Magnetfeldstrukturen) (B ist der Betrag des Magnetfeldes) erzeugt wird, wobei mehrere MBM entweder
geradlinig hintereinander angeordnet werden können oder mit einem Winkelversatz von 360/N
Grad und magnetischen Umlenkungen um 360/N Grad so angeordnet werden können, daß N
MBM eine geschlossene, N-eckige Gesamtstruktur ergeben,
- b) die Plasmaheizung permanent und sehr effizient durch HF-Wellenabsorption bei der
IZR-(Ionen-Zyklotron-Resonanz)-Frequenz in einem Resonanzvolumen erzielt wird, das einen
Bruchteil von mindestens 0.4% des Gesamtplasmavolumens ausfüllt und dabei selektiv nur die
Ionen heizt, wobei das Eindringen der HF-Welle in das Plasma entweder
- (i) durch das Plasma umfassende Elektrodenpaare entgegengesetzter, hochfrequent
wechselnder Polung
- (ii) oder durch ein räumlich strukturiertes, magnetisches HF-Wechselfeld erreicht wird, das der
MBM überlagert ist und in den räumlichen IZR-Bereichen des Plasmas die für die Heizung
notwendigen lokalen elektrischen HF-IZR-Felder induziert
- (iii) oder durch Einstrahlen je zweier Mikrowellen erzielt wird, deren Frequenzen über der
Plasmafrequenz liegen und deren Differenzfrequenz gleich der jeweiligen Ionen-Zyklotron-
Resonanzfrequenz ist, wobei die Differenzfrequenz im Plasma über nichtlineare
Plasmawechselwirkungen erzeugt wird, die vor allem bei dichten Plasmen wirksam werden.
- c) die Ionenheizung dadurch unterstützt wird, daß in Gegenrichtung zu den sog.
Fluchtrichtungen für Ionen aus der Magnetstruktur heraus positive oder negative Ionen in die
Magnetstruktur mit Energien eingeschossen werden, die der Größenordnung der optimalen Fusionsenergie
entsprechen.
Bei selektiver Ionen-Heizung bleibt die Elektronen-(Energie)-Temperatur gegenüber
bisherigen Fusionsmaschinen klein. Es kann damit ein thermisches Ungleichgewicht zugunsten
hoher Ionen-(Energie)-Temperatur gegenüber relativ kleiner Elektronen-(Energie)-Temperatur
erzielt werden. Die Ionen können dann nach Erreichen von Energien > 1 keV als stoßfrei in
Plasmadichten bis 2.1014 cm-3 des geplanten ITER angesehen werden, so daß
Ionen-Trajektorien-Berechnungen unter dem Einfluß eines elektrischen
IZR-(Ionen-Zyklotron-Resonanz)-HF-(Hoch-Frequenz)-Heizfeldes eine gute Beschreibung des Gesamtplasmas liefern. Solche
Rechnungen angewandt auf eine elektrische IZR-HF-Heizung in einer MBM ergeben eine
hohe, in räumlicher Nähe des B-Minimums lokalisierte Ionenenergiedichte, die über den Ionen-
Zyklotron-Radius nur durch die radiale räumliche Dimension des Plasmas und die Stärke des
magnetischen Einschlusses begrenzt ist. Durch die IZR-HF-Heizung mit elektrischen
Feldkomponenten senkrecht auf den Magnetfeldlinien gewinnen die Ionen vor allem Rotationsenergie
um die Magnetfeldlinien, so daß der Ionenverlust in sog. Fluchtrichtungen aus der MBM
heraus wegen ihres dann großen magnetischen Moments vernachlässigbar (!) wird, so daß sich
eine hohe, stabile, stationäre, lokalisierte Fusionsrate in räumlicher Nähe des Bmin
(B-Minimums) ergibt. Wenn im Resonanzvolumen die Magnetfeldstärke im Rahmen der oben
definierten Grenzen zu einer räumlichen Zone mit Bmin abfällt, führt das akkumulierte
magnetische Moment sogar dazu, daß die Ionen eine Kraft in Richtung der räumlichen Zone von
Bmin erfahren und dort in Gegenrichtung zum Feldgradienten komprimiert werden. Diese
Kompression wächst proportional zur Rotationsenergie der Ionen und führt damit zu einer
umso höheren Ionendichte je höher ihre Rotationsenergie ist, so daß gerade die Ionen mit den
für die Fusion interessanten Energien in räumlich gut definierten Bereichen zu höherer Dichte
komprimiert werden als der Dichte des umliegenden Plasmas. Dieses Verhalten liefert nicht nur
große Vorteile gegenüber bisherigen und geplanten Fusionsmaschinen, sondern zum ersten Mal
eine wirklich kontrollierte Plasma-Fusions-Maschine, bei der die Fusions-Energieerzeugung
kontinuierlich abläuft und bei der die Energieausbeute durch Regelung der Dichte der
energiereichen Reaktionspartner kontrolliert werden kann. Diese Regelung der Dichte kann durch
Erzeugung elektrischer Wechselfelder mehrerer, um Größenordnung Prozent unterschiedlicher
Frequenzen verbessert werden, da dann die Kompression der Ionen über größere
Resonanzvolumina erreicht werden kann, die sich durch eine stärkere Variation des Magnetfeldes als nur
plus und minus 1% auszeichnen und sich mit anderen Frequenzen trotzdem vollständig in IZR
bringen lassen.
Die effiziente, selektive Ionen-Heizung wird dadurch erreicht, daß der magnetische
Einschluß des Plasmas in einer MBM mit großem HF-IZR-Volumen erfolgt, wie sie z. B. von
Alton und Smithe für EZR-(Elektronen-Zyklotron-Resonanz)-Ionenquellen vorgeschlagen
(siehe Referenz 2: G.D. Alton und D.N. Smithe, Review of Scientific Instruments, Vol. 65,
S. 775-787 (1994)), und von mir zuerst in einer EZR-Ionenquelle realisiert wurde. Solche MBM
sind dadurch ausgezeichnet, daß das Resonanzvolumen, in dem Bmin bis auf Abweichungen von
plus oder minus 1% konstant ist, mindestens 0.4% des Gesamtvolumens der Plasmakammer
ausfüllt, während in bisherigen und geplanten Fusionsmaschinen das Resonanzvolumen
überhaupt nicht in Erwägung gezogen wurde und deshalb nur Resonanzoberflächen mit extrem
kleinem Resonanzvolumen existieren. In einem Plasmakammerzylinder der Länge l und des
Radius r wird z. B. 1% des Gesamtvolumens in einem Resonanzvolumen mit Länge 1/4 und
Radius r/5 erreicht, das z. B. mit Länge l/2 und Radius r/2 auf 12.5% und durch weitere
Vergrößerung dieser Werte noch weiter gesteigert werden kann, wenn der notwendige technische
Aufwand in Kauf genommen wird.
Da die Plasmafrequenz bei hoher Elektronendichte von etwa 2.1014 cm-3 die
Größenordnung 100 GHz erreicht und elektrische Wellen niedrigerer Frequenz nicht in ein solches
Plasma eindringen können, muß die HF-IZR-Einkopplung bei Frequenzen der Größenordnung
1-200 MHz entweder
- (i) durch das Plasma umfassende Elektrodenpaare entgegengesetzter, hochfrequent
wechselnder Polung
- (ii) oder durch räumlich strukturierte, magnetische HF-Wechselfelder erfolgen, die der MBM
überlagert sind und in den räumlichen IZR-Bereichen des Plasmas die für die Heizung
notwendigen lokalen elektrischen HF-IZR-Felder induzieren
- (iii) oder durch Einstrahlen je zweier Mikrowellen erzielt wird, deren Frequenzen f1 und f2 über
der Plasmafrequenz liegen und deren Differenzfrequenz f2-f1 gleich der jeweiligen
Ionen-Zyklotron-Resonanzfrequenz ist, wobei die elektrische Differenzfrequenzamplitude im Plasma über
nichtlineare Plasmawechselwirkungen erzeugt wird, die vor allem bei dichten Plasmen wirksam
werden,
so daß in diesen Fällen von EIIZRH (Elektrisch Induzierter-IZR-Heizung) gesprochen werden
kann. Die Arten (ii) und (iii) der selektiven Ionen-Heizung benötigen zwar große HF- bzw.
Mikrowellen-Leistungen, da nur das induzierte elektrische Feld bzw. die nichtlinear erzeugte
elektrische Differenzfrequenzamplitude wirksam werden. Die Gesamtbilanz der
Energieübertragung auf die Ionen ist aber wegen des Ausnützens der IZR in einem großen
Resonanzvolumen deutlich günstiger als bisherige Plasmaheizverfahren.
Für Bmin von etwa 2.8 (2.0) T können Deuteronen(Protonen) mit Energien von 100 keV bei
einem Plasmakammerdurchmesser von 400 mm sehr gut im räumlichen Bereich Bmin
konzentriert werden, wobei die Energieverteilung bei selektiver EIIZRH keineswegs einer Maxwell-
Boltzmann-Verteilung entspricht, wie sie bisher bei Fusionsmaschinen angenommen wird.
Diese Energieverteilung kann weiter zugunsten hoher Ionenenergien durch Einschuß von Ionen
hoher Energie verschoben werden.
Da jede MBM Fluchtrichtungen (-kegel) für Ionen aus der Magnetstruktur heraus besitzt,
können diese Richtungen auch umgekehrt werden und für den Einschuß von Ionen in die
MBM verwendet werden. So eingeschossene Ionen würden die MBM allerdings auf der
Gegenseite sofort wieder verlassen, es sei denn ein Stoß mit einem Plasmateilchen oder die
Wechselwirkung mit dem IZR-HF-Feld lenkt sie aus diesen Richtungen ab und führt so zum
Einfang der Ionen in das Plasma. Die Einfangwahrscheinlichkeit nimmt daher mit der
Plasmadichte, mit der IZR-HF-Feldstärke und mit abnehmender Ionenenergie zu. Schon wenige
Prozent Einfangwahrscheinlichkeit machen den Ioneneinschuß in eine MBM wesentlich
vorteilhafter als die technisch-wirtschaftlich sehr aufwendige Neutralteilcheninjektion in
bisherige und geplante Fusionsmaschinen. Die Effizienz der hier vorgeschlagenen IJMBM
(Ionen-Injektion in eine MBM) wird deutlich durch Verwenden negativer Ionen erhöht, da
diese wegen der Neutralisierung in den Außenbereichen des Plasmas als vorübergehende
Neutralteilchen vor ihrer weiteren Ionisierung in Plasmabereiche vordringen, aus denen keine
Fluchtmöglichkeiten mehr bestehen.
Eine mit EIIZRH und IJMBM ausgestattete MBM wird also zu so hoher
Ionenenergiedichte in räumlicher Nähe von Bmin führen, daß zum ersten Mal ein stationäre, EPFM (Energie
produzierende Fusions-Maschine) mit Dimensionen gebaut werden kann, die deutlich hinter
den geplanten Dimensionen von ITER zurückbleiben, und sogar berechtigte Aussicht bietet,
die saubere Protonen-Bor-Fusionsreaktion einzusetzen.
Als Ausführungsbeispiel für eine funktionsfähige EPFM kann eine quasi-axialsymmetrische
MBM mit supraleitenden Spulen wie in Fig. 1 aufgebaut werden. Supraleitende Ringspulen (1)
erzeugen ein axiales Spiegelfeld, dessen axiale Komponente Bz (2) auf der Symmetrieachse z
(3) relativ zur Ordinate (4) aufgetragen ist, wobei hier drei Minima (5) von Bz im
Resonanzvolumen (6) realisiert sind. Die Axialsymmetrie der Anordnung wird durch einen magnetischen
Multipol, hier z. B. durch einen supraleitenden magnetischen Dekapol gestört, der z. B. mit 10
supraleitenden Drahtbündeln (7) mit alternierenden Stromrichtungen ausgeführt werden kann,
und der notwendig ist, um die radiale Ausdehnung des Resonanzvolumens (6) und den radialen
Anstieg des Betrags des Magnetfeldes vom Resonanzvolumen (6) aus zu erzeugen. Für die
Erzeugung eines zur z-Achse transversalen elektrischen IZR-HF-Feldes im Resonanzvolumen
(6) ist hier z. B. entweder ein Teil der Plasmakammerwände (8) als Elektroden (9) ausgeführt,
die durch Isolatoren (10) vom Rest der Plasmakammer getrennt und so zusammengeschaltet
(11) sind, daß das Plasma umfassende, effektive Elektrodenpaare entstehen, oder es wird der
Magnetfeldstruktur mit zwei antiparallelen Magnetspulenpaaren (12) ein antiparalleles
magnetisches HF-Feld überlagert, welches das transversale elektrische IZR-HF-Feld im
Resonanzvolumen induziert. Die EIIZRH wird durch axialen Einschuß von Ionen (13) entgegen den sog.
Fluchtkegelrichtungen und durch radialen Einschuß von Ionen (14) entgegen radialen
Fluchtrichtungen ergänzt, wobei positive oder noch vorteilhafter negative Ionen Verwendung
finden. Die zylindrisch ausgeführte Plasmakammer (8) sollte zwecks verbesserter Reduktion
der Plasma-Wandwechselwirkung in der nur im Querschnitt A-A gezeigten gestrichelten Form
(15) ausgeführt werden, da dann die Maxima des Dekapolmagnetfeldes nicht von materiellen
Wänden geschnitten werden, wobei eine noch weitere radiale Entfernung der Wände wie z. B.
bei den radialen Ioneneinschußstutzen (16) anzustreben sind, wenn und wo immer die
Ringspulen (1) dies erlauben.
Die Effizienz des axialen Ioneneinschusses wird dadurch gesteigert, daß z. B. mehrere
MBM der Fig. 1 linear hintereinander angeordnet werden, wie in Fig. 2 schematisch gezeigt
wird. Dadurch werden die Ionen, die mangels eines Stoßes oder wegen zu geringer
IZR-HF-Wechselwirkung die erste MBM wieder auf der Gegenseite verlassen, in die zweite, dritte,
usw. MBM eingeschossen. Die Effizienz der IJMBM wird dadurch in erster Näherung
verdoppelt, verdreifacht, usw. Außerdem werden durch diese Anordnung eventuelle axiale
Plasmaverluste halbiert, gedrittelt, usw.
Solche axialen Plasmaverluste können z. B. durch Anordnung einer Zahl N von MBM der
Fig. 1 in Form eines N-Ecks mit N magnetischen Umlenkungen um 360/N Grad völlig
vermieden werden, wie in Fig. 3 schematisch gezeigt wird. Die axiale IJMBM ist dann zwar nicht
mehr möglich, kann aber durch radiale IJMBM ersetzt werden.
|
| Anspruch[de] |
- 1. Verfahren zur Energiegewinnung mit plasmainduzierter, kontrollierter Kernfusion durch die
Erzeugung eines elektronisch gezündeten und magnetisch eingeschlossenen Plasmas in einer
Plasmakammer, in der das für die Plasmaerzeugung notwendige Vakuum erzeugt wird und in
die die für die Kernfusion notwendigen Teilchen, wie z. B. Deuterium und Tritium für die
D + T → He + n Reaktion oder Wasserstoff und Bor für die p + 11B → 3 × He Reaktion, deren
positive Ionen im folgenden unter dem Begriff Ionen zusammengefaßt werden, mit
ausreichender Dichte eingelassen werden, in die elektromagnetische Hochfrequenzwellen eingekoppelt
werden und in die Neutralteilchenstrahlen mit Energien der Größenordnung bei dem Maximum
des Fusionswirkungsquerschnittes eingeschossen werden, damit die Plasmateilchen
elektromagnetisch oder durch Stöße bis zu so hohen Energien geheizt werden, daß sie ausreichende
Wirkungsquerschnitte für Energie freisetzende Fusions-Kernreaktionen erreichen,
dadurch gekennzeichnet,
daß der magnetische Einschluß des Plasmas in einer durch Permanentmagneten,
stromdurchflossene Kupferspulensysteme, supraleitende Spulensysteme oder durch eine Kombination
dieser drei Methoden erzeugten Magnetfeldstruktur erfolgt, die im Innern durch ein Minimum des
Betrages des Magnetfeldes Bmin ausgezeichnet ist, das seinerseits in einem sog.
Resonanzvolumen liegt, in dem Bmin bis auf Abweichungen von plus oder minus 1% konstant ist, das
mindestens 0.4% des Gesamtvolumens der Plasmakammer ausfüllt, wobei vom Resonanzvolumen
aus der Betrag des Magnetfeldes in alle Richtungen nach außen hin zunimmt, so daß in diesem
Resonanzvolumen für ein möglichst hohes Bmin die Ionen-Zyklotron-Resonanz-Bedingung mit
den genannten Abweichungen für dem Plasma aufgeprägte, hochfrequente, elektrische
Wechselfelder erfüllt ist, damit die Ionen durch die resonante Wechselwirkung mit diesen
Wechselfeldern im großen Resonanzvolumen sehr effizient und selektiv geheizt werden, so daß vor
allem die Ionen kinetische Energie gewinnen und nicht die Elektronen, wobei das somit
erzielte, große magnetische Moment der Ionen im Feldgradienten des Magnetfeldes die Ionen
in Richtung des Minimums des Magnetfeldes zu großer Dichte komprimiert.
- 2. Verfahren nach Anspruch 1 für die Energiegewinnung mit plasmainduzierter, kontrollierter
Kernfusion,
dadurch gekennzeichnet,
daß das hochfrequente elektrische Wechselfeld im Resonanzvolumen des Plasmas durch das
Plasma umfassende Elektrodenpaare entgegengesetzter und hochfrequent wechselnder Polung
erzeugt wird.
- 3. Verfahren nach Anspruch 1 für die Energiegewinnung mit plasmainduzierter, kontrollierter
Kernfusion,
dadurch gekennzeichnet,
daß das hochfrequente elektrische Wechselfeld im Resonanzvolumen des Plasmas durch
hochfrequente, mit Spulen realisierte magnetische Wechselfelder erzeugt werden, die im
Resonanzvolumen des Plasmas elektrische Wechselfelder induzieren.
- 4. Verfahren nach Anspruch 1 für die Energiegewinnung mit plasmainduzierter, kontrollierter
Kernfusion,
dadurch gekennzeichnet,
daß das hochfrequente elektrische Wechselfeld im Resonanzvolumen des Plasmas durch
Einstrahlen zweier Mikrowellen erzielt wird, deren Frequenzen f1 und f2 über der Plasmafrequenz
liegen und deren Differenzfrequenz f2-f1 gleich der Ionen-Zyklotron-Resonanzfrequenz ist,
wobei die elektrische Differenzfrequenzamplitude im Plasma über nichtlineare
Plasmawechselwirkungen erzeugt wird.
- 5. Vorrichtung geeignet für die Durchführung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß mehrere Ionen-Zyklotron-Resonanzfrequenzen eingestrahlt oder erzeugt werden, damit
gleichzeitig Ionen verschiedener Masse oder verschiedener Ladung oder bei verschiedenen
Magnetfeldstärken geheizt und komprimiert werden.
- 6. Vorrichtung geeignet für die Durchführung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Magnetfeldstruktur so ausgeführt ist, daß sich in ein und derselben Plasmakammer
mehrere Bmin-Zonen mit entsprechenden Resonanzvolumina befinden, in denen jeweils oder
gemeinsam hochfrequente elektrische Wechselfelder nach den in Ansprüchen 2 bis 5
angegebenen Methoden erzeugt werden.
- 7. Vorrichtung geeignet für die Durchführung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Magnetfeldstruktur so ausgeführt ist, daß sich in den jeweiligen Resonanzvolumina mit
sehr schwacher Abnahme des Betrages des Magnetfeldes zu Bmin hin kurz vor dem räumlichen
Erreichen des Bmin der Betrag des Magnetfeldes stärker als 1% abnimmt zu dem Wert Bmin'
eines zweiten räumlich kleineren Resonanzvolumens, das also im ersten, großen
Resonanzvolumen eingebettet ist, so daß bei Einstrahlen der Ionen-Zyklotron-Resonanzfrequenzen für
Bmin die Ionen im großen Resonanzvolumen geheizt und durch Akkumuliern von magnetischem
Moment räumlich zu Bmin getrieben werden, wo sie in das kleinere Resonanzvolumen mit Bmin'
fallen und dort in komprimierter Ionendichte durch Einstrahlen der
Ionen-Zyklotron-Resonanzfrequenzen für Bmin' weitergeheizt werden.
- 8. Vorrichtung geeignet für die Durchführung des Verfahrens nach Ansprüchen 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
daß die räumlichen Bereiche der Maxima des Magnetfeldes längs der Fluchtrichtungen von
Ionen aus den in den Ansprüchen 1, 6 und 7 definierten Magnetfeldstrukturen heraus von
materiellen Wänden freigehalten werden.
- 9. Vorrichtung geeignet für die Durchführung des Verfahrens nach Ansprüchen 1, 6 und 7,
dadurch gekennzeichnet,
daß Ionen mit kinetischen Energien, die von der Größenordnung der Energie beim Maximum
des ihnen entsprechenden Fusionswirkungsquerschnittes sind, in eine in den Ansprüchen 1, 6
und 7 definierte Magnetfeldstruktur in Gegenrichtung zu den Fluchtrichtungen aus einer
solchen Magnetfeldstruktur heraus eingeschossen werden.
- 10. Vorrichtung geeignet für die Durchführung des Verfahrens nach Ansprüchen 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß mehrere der in Ansprüchen 1, 6 und 7 definierten Magnetfeldstrukturen räumlich relativ
zueinander so angeordnet werden, daß ein Teil ihrer Fluchtrichtungen ineinander übergeführt
werden, wobei diese Überführung durch magnetische Zusatzfelder verbessert werden kann.
- 11. Vorrichtung geeignet für die Durchführung des Verfahrens nach Ansprüchen 1 bis 10,
dadurch gekennzeichnet,
daß mehrere der in den Ansprüchen 1, 6 und 7 definierten Magnetfeldstrukturen, die durch
eineaxialsymmetrische Magnetfeldachse in räumlichen Bereichen bei Bmin ausgezeichnet sind,
längs dieser Symmetrieachse hintereinander angeordnet werden, so daß Plasmateilchen, die
eventuell aus einer dieser Magnetfeldstrukturen im Winkelbereich ihres axialen Fluchtkegels
austreten, in eine der benachbarten Magnetfeldstrukturen eintreten.
- 12. Vorrichtung geeignet für die Durchführung des Verfahrens nach Ansprüchen 1 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
daß N der in Ansprüchen 1, 6 und 7 definierten Magnetfeldstrukturen, die durch eine
axialsymmetrische Magnetfeldachse im räumlichen Bereich bei Bmin ausgezeichnet sind, jeweils um
360/N Grad relativ zu dieser Symmetrieachse versetzt hintereinander angeordnet werden, so daß
die N Magnetfeldstrukturen eine geschlossene N-Eck-Struktur bilden, wobei an den Ecken
magnetische Zusatzfelder den eventuellen Übergang von Plasmateilchen zwischen
benachbarten Magnetfeldstrukturen verbessern können.
- 13. Vorrichtung geeignet für die Durchführung des Verfahrens nach Ansprüchen 1 bis 12,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Gesamtanlage zeitlich periodisch betrieben wird, wobei in einer ersten Heiz- und
Kompressionsphase die Ionen zunächst bei konstanter Magnetfeldstruktur in den
Resonanzvolumina geheizt und in in räumlichen Bereichen von Bmin komprimiert werden und dann in
einer zweiten Heiz- und Kompressionsphase die Magnetfeldstärke der gesamten
Magnetfeldstruktur oder nur die Magnetfeldstruktur des räumlichen Bereichs um Bmin gesteigert wird,
wobei die IZR-Frequenzen ebenfalls proportional zur Magnetfeldstärke gesteigert werden, um
so eine maximale Energiedichtesteigerung der Ionen und damit eine maximale
Fusionsenergieproduktion zu erreichen, die solange aufrechterhalten bleibt, bis die
Fusionsenergieproduktion unter eine wählbare Schwelle absinkt, und wieder zur ersten Heiz- und
Kompressionsphase zurückgekehrt wird.
|
|
Patent Zeichnungen (PDF)
|