Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Ethin
durch Pyrolyse von Ethan.
Das Konzept der Ethanpyrolyse zur Herstellung von Ethin ist
wohlbekannt. In der britischen Patentschrift Nr. 1,335,892 wird
ein Verfahren zur Herstellung von Ethin durch Pyrolyse von
Ethan offenbart, das die Erhitzung einer vorgewärmten Mischung
aus Ethan und Dampf mit einem Gewichtsverhältnis von 1 : 2-3
(d. h. einem molaren Verhältnis von Dampf/Ethan von 3 1/3 zu 5)
auf eine Temperatur von 1000 bis 1100ºC für eine Zeitdauer von
weniger als 0,1 s, beispielsweise 0,07 s, in einem Rohrreaktor
umfaßt, der einen Innendurchmesser von höchstens 5 cm aufweist.
Nach diesem Dokument darf der Innendurchmesser 5 cm nicht
übersteigen, da sonst die erforderliche Temperatur nicht
erreicht werden kann, während das beanspruchte Verhältnis von
Ethan zu Dampf wesentlich für die Begrenzung der Koksbildung
ist. Wegen der Koksbildung sollte die Mischung vielmehr während
der vorhergehenden Erwärmung Dampf enthalten. Das Beispiel
zeigt die Erzeugung von Ethin mit einer Ausbeute von 13,5
Gew.-% (bezogen auf das Gesamtprodukt nach der Trocknung).
In dem älteren US-Patent Nr. 3,116,344 wird ein Verfahren zur
Erzeugung von Ethin durch Pyrolyse von Ethan mit
ausgezeichneter Ethin-Selektivität beschrieben, wobei eine
vorgewärmte Mischung unter Ausschluß von Sauerstoff oder eines
sauerstoffhaltigen Dissoziationsprodukts (z. B. Dampf) unter
Verwendung eines Vortex-Röhrenreaktors pyrolisiert wird. Die
Massengleichung erwähnt jedoch nicht die Koksmenge und es ist
naheliegend, daß (im Hinblick auf die Lehre des britischen
Patents Nr. 1,335,892) die Koksbildung (die eine Senke für die
zugeführten Rohstoffe und einen Schadstoff für den Reaktor
darstellt) erheblich sein wird. Das (beste) Beispiel II zeigt
die Erzeugung von Ethin mit einer Ausbeute von 50,1 Gew.-%
(bezogen auf das Gesamtprodukt), wobei jedoch keine Korrektur
durch Berücksichtigung der Koksbildung vorgenommen wurde.
Obwohl die Bedingungen bekannt sind, die eine Erzeugung von
Ethin durch Pyrolyse von Ethan begünstigen, wobei letzteres für
eine Zeitdauer von weniger als 0,5 s auf eine Temperatur von
beispielsweise 950 bis 1500ºC erhitzt wird, besteht dennoch
ein Bedürfnis, Ethin mit noch besserer Selektivität und
Ausbeute, d. h. unter Vermeidung von Koksbildung, zu erzeugen.
Es wurde nun ein Verfahren gefunden, mit dem Ethin mit hoher
Selektivität und hoher Ausbeute durch Pyrolyse von Ethan
erzeugt werden kann. Die Erfindung stellt daher ein Verfahren
zur Erzeugung von Ethin durch Pyrolyse von Ethan zur Verfügung,
wobei letzteres für eine Zeitdauer von weniger als 0,5 s bei
einer Temperatur im Bereich von 950 bis 1500ºC unter
Verwendung von Dampf als Verdünnungsgas in einem
Pyrolysereaktor erhitzt wird, das dadurch gekennzeichnet ist,
daß der Dampf in einem molaren Verhältnis von Dampf/Ethan von
zumindest 3 verwendet wird.
Die Reaktion wird vorzugsweise bei einer Temperatur im Bereich
von 1000 bis 1200ºC ausgeführt. Oberhalb von 1000ºC ist die
Selektivität zugunsten von Ethin ausreichend hoch für eine
kommerzielle Verwendung, während unterhalb von 1500ºC die
Reaktion noch problemlos beherrscht werden kann. Die gesamte
Verweilzeit im Pyrolysereaktor (ggf. einschließlich der
Verweilzeit in der Vorwärmzone) wird vorzugsweise im Bereich
von 0,05 bis 0,3 s, besonders bevorzugt im Bereich von 0,1 bis
0,25 und insbesondere bevorzugt im Bereich von 0,15 bis 0,2 s
gewählt.
Die Reaktion wird vorzugsweise in einem Pyrolysereaktor
ausgeführt, der eine keramische Reaktionszone aufweist.
Siliciumkarbid ist dafür bekannt, die Koksbildung im
Pyrolysereaktor zu vermindern und stellt daher die bevorzugte
Wahl für das Keramikmaterial dar. Weiterhin weist der
Pyrolysereaktor vorzugsweise eine Kaskade von Heizzonen auf, um
die Mischung aus Dampf und Ethan auf die erwünschte Temperatur
zu bringen ohne daß das Ethan getrennt vorgewärmt werden muß
(und damit vorzeitig umgewandelt wird). Ein Pyrolysereaktor,
der diese Bedingungen erfüllen kann, ist im US-Patent Nr.
4,973,777 beschrieben. Dieser Pyrolysereaktor besitzt eine
keramische Reaktionszone, die eine Reihe von nebeneinander
angeordneten, in Reihen gruppierten Kanälen umfaßt, die die
Reaktionszone parallel zu ihrer Achse zumindest teilweise ihrer
Länge nach bedecken, wobei die Reihen von Kanälen nicht
aneinander angrenzen, die Reaktionszone weiter einerseits eine
Heizzone aufweist, welche die Kanalreihen entweder auf diesem
Teil der Reaktionszone oder, wenn die Kanäle die gesamte Länge
der Reaktionszone bedecken, auf einem Längsabschnitt der
Reaktionszone umschließt und andererseits eine Kühlzone, die
auf die Heizzone folgt.
Es wird darauf hingewiesen, daß der in dem US-Patent Nr.
4,973,777 offenbarte Pyrolysereaktor für die Umwandlung von
Methan in Kohlenwasserstoffe mit höherem Molekulargewicht
verwendet wird. Obwohl Dampf als Verdünnungsgas bei einem
Dampf/Methan Gewichtsverhältnis im Bereich von 1 : 1 bis 10 : 1
verwendet wird, wird dessen vorteilhafte Wirkung weder erwähnt
noch erkannt. Weiter sind die Ergebnisse, die bei einer
Verwendung von Methan als Ausgangsstoff erreicht wurden, sehr
entmutigend. Es wird nur eine teilweise Umwandlung von Methan
erreicht (50%), wobei in der Hauptsache Ethen (15 Mol; 420 g)
erzeugt wird. Die Selektivität zugunsten von Ethin (162,5 g
bzw. 8,3 Gew.-% bezogen auf die gesamten Produkte,
einschließlich nicht umgewandeltes Wasserstoffgas und Methan)
ist lediglich vergleichbar mit der von Benzol (117 g) und
derjenigen der flüssigen Phase außer Benzol (104 g). Weiter
wird, wie dies aus der Pyrolyse von Methan bekannt ist, Ethan
als Zwischenprodukt gebildet (vgl. Revue de l'institute
Français du Pétrol, 1993, Bd. 48, S. 115-125), man würde daher
dieselben Ergebnisse bei einem Wechsel vom Methan zu Ethan als
Ausgangsstoff erwarten. Es ist daher überraschend, mit dem
erfindungsgemäßen Verfahren (weit) bessere Ergebnisse zu
erhalten.
Neben Ethan kann der Ausgangsstoff auch Ethen in jedem
Molverhältnis enthalten, da Ethen auf die gleiche Weise in
Ethin umgewandelt wird. Aus wirtschaftlichen Überlegungen
(Ethen ist ein wertvolles Produkt, das gewöhnlich aus der C-
Fraktion abgetrennt wird) enthält das Ausgangsprodukt
normalerweise nicht mehr als 5 Mol-%, gewöhnlich etwa 1,5 Mol-%
oder weniger Ethen. Der Ausgangsstoff kann geringe Mengen
anderer Kohlenwasserstoffe enthalten, beispielsweise bis zu
1 Mol-%, ohne daß die Wirksamkeit und die Selektivität des
Verfahrens beeinflußt wird. Vorzugsweise besteht der
Ausgangsstoff aus reinem Ethan.
Das Molverhältnis von Dampf/Ethan bewegt sich vorzugsweise im
Bereich von 1,5 bis 2,5. Entgegen der Lehre des oben genannten
britischen Patents Nr. 1,335,892 ist die Koksbildung bei dem
beanspruchten Dampf/Ethan-Verhältnis noch sehr gering, während
-überraschenderweise- die Selektivität zugunsten von Ethin
durch die Anwesenheit von Dampf im beanspruchten Molverhältnis
positiv beeinflußt wird. Dieses Ergebnis steht offensichtlich
in klarem Gegensatz zu dem, was auf der Basis der Lehre des
US-Patents 3,116,344 erwartet werden würde.
Die Erfindung wird durch die folgenden Beispiele weiter
erläutert.
Vorrichtung
Ein elektrisch beheizter Pyrolysereaktor wurde wie im US-Patent
Nr. 4,973,777 beschrieben verwendet. Er wurde bei 12 kW mit
einer maximalen Fließrate von 10 Nm³ pro Stunde betrieben und
wies drei mit Siliciumkarbid ausgekleidete Heizzonen auf.
Ausgangsstoffe
Es wurde Ethan mit einem Gehalt von ungefähr 1,5 mol-% Ethen
verwendet, was einem Ethan aus einem Ethen/Ethan-Abscheider in
einer Anlage für niedrige Olefine entspricht.
Beispiele 1 und 2 sowie Vergleichsbeispiel A
Alle 4 Experimente wurden mit einer Fließrate von 4,2 Nm³ pro
Stunde und einer Gesamtverweilzeit von 0,1 s ausgeführt. In den
Beispielen 1 und 2 wurde Dampf als Verdünnungsmittel
(Molverhältnis von 2) bei steigenden Temperaturen verwendet.
Vergleichsbeispiel A wurde mit Stickstoff als Verdünnungsgas
ausgeführt. Die Ergebnisse und die Verfahrensbedingungen sind
in Tabelle 1 aufgeführt. Beispiel 2 mit einer
Reaktionstemperatur von 1002ºC ergibt das höchste Verhältnis
Ethin/Ethen. Obwohl das Vergleichsbeispiel A bei einer
Temperatur ausgeführt wurde, welche die der Beispiele 1 und 2
übertraf, ist sein Ethin/Ethen-Verhältnis am niedrigsten.
Beispiele 3 und 4
Beide Experimente wurden unter Verwendung von Dampf als
Verdünnungsgas (Molverhältnis von 2) bei einer
Reaktionstemperatur von 986ºC ausgeführt. Beispiele 3 und 4
unterscheiden sich in der Fließrate und der Gesamtverweilzeit;
einer Fließrate von 4,2 Nm³ pro Stunde bzw. 2,2 Nm³ pro Stunde
und einer Gesamtverweilzeit von 0,1 s bzw. 0,16 s. Der
Vergleich zeigt einen Vorteil zugunsten einer etwas längeren
Verweilzeit. Die Ergebnisse und die Verfahrensbedingungen sind
in Tabelle 2 aufgeführt.
Beispiele 5 und 6 und Vergleichsbeispiel B
Alle 3 Experimente wurden unter Verwendung einer Fließrate von
2,2 Nm³ pro Stunde und einer Gesamtverweilzeit von 0,16 s
ausgeführt. Beispiele 5 und 6 verwenden Dampf als
Verdünnungsgas während im Vergleichsbeispiel B Stickstoff
verwendet wurde (Molverhältnis von 2). Die Ergebnisse und die
Verfahrensbedingungen sind in Tabelle 3 aufgeführt. Der
Vergleich von Beispiel 5 und Vergleichsbeispiel B zeigt, daß bei
der Verwendung von Dampf als Verdünnungsgas ein höheres
Ethin/Ethen-Verhältnis erreicht wird. Die vorteilhafte Wirkung
der Temperatur wird durch Beispiel 6 gezeigt.
Tabelle 1Tabelle 2Tabelle 3
Anspruch[de]
1. Verfahren zur Herstellung von Ethin durch Pyrolyse von
Ethan durch Erwärmen desselben über einen Zeitraum von weniger
als 0,5 Sekunden in einem Pyrolysereaktor bei einer Temperatur
im Bereich von 950 bis 1500ºC, unter Verwendung von
Wasser(dampf) als Verdünnungsgas, dadurch gekennzeichnet, daß der
Wasser(dampf) in einem (Wasser)dampf/Ethan-Molverhältnis von
höchstens 3 verwendet wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem die Reaktion bei einer
Temperatur im Bereich von 1000 bis 1200ºC durchgeführt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, bei dem die Verweilzeit
im Pyrolysereaktor im Bereich von 0,05 bis 0,3 Sekunden,
bevorzugt in einem Bereich von 0,1 bis 0,25 Sekunden und noch
bevorzugter im Bereich von 0,15 bis 0,2 Sekunden beträgt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, bei dem die
Reaktion in einem Pyrolysereaktor mit einer keramischen
Reaktionszone durchgeführt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, bei dem das keramische Material
Siliciumkarbid ist.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, bei dem der
Pyrolysereaktor mit einer Kaskade von Heizzonen versehen ist.
7. Verfahren nach Anspruch 6, bei dem der Pyrolysereaktor
eine keramische Reaktionszone hat, die eine Reihe von
nebeneinander angeordneten in Reihen gruppierte Kanäle umfaßt und
wenigstens einen Teil der Länge dieser Reaktionszone parallel zu
ihrer Achse abdeckt, wobei diese Kanalreihen einander nicht
benachbart sind und die Reaktionszone auch auf der einen Seite
eine Heizzone umfaßt, welche diese Kanalreihen entweder auf
diesem Teil der Reaktionszone oder auf einem Teil der Länge
dieser Reaktionszone umschließt, wenn diese Kanäle die gesamte
Länge der Reaktionszone abdecken und auf der anderen Seite eine
Kühlzone umfaßt, die dieser Heizzone folgt.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, bei dem Ethan
enthaltendes Ethylen in einem Molverhältnis von nicht mehr als
5 Mol%, bevorzugt etwa 1,5 Mol% oder geringer, Verwendung
findet.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, bei dem das
Dampf(wasser)/Ethan-Molverhältnis im Bereich zwischen 1,5 und
2,5 beträgt.