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Dokumentenidentifikation DE19808531C1 10.06.1999
Titel Verfahren zur Brunstinduktion von Schafen
Anmelder Schenk, Paul, 06118 Halle, DE
Erfinder Schenk, Paul, 06118 Halle, DE
Vertreter Voigt, W., Ing. Pat.-Ing., Pat.-Anw., 06108 Halle
DE-Anmeldedatum 28.02.1998
DE-Aktenzeichen 19808531
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 10.06.1999
Veröffentlichungstag im Patentblatt 10.06.1999
IPC-Hauptklasse A61D 19/00
IPC-Nebenklasse A01K 21/00   
IPC additional class // C07C 31/22  
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Brunstinduktion von Schafen außerhalb der natürlichen Zuchtsaison. Es wird ein saisonunabhängiges Verfahren vorgeschlagen, das den Schafhaltern eine ganzjährige kontinuierliche Schlachtlämmerproduktion erlaubt und sich durch geringe Aufwendungen sowie eine Unbedenklichkeit für Tier und Mensch auszeichnet. Die Brunstinduktion für Mutterschafe wird durch Wirkstoffe (Pheromone) erreicht, die sich aus der Schweißwolle von Schafböcken extrahieren lassen. Dieser Wirkstoff wird aus der Wolle geschorener Schafböcke gewonnen. Der Wollextrakt wird unter Verwendung von Glycerol zu einem pastösen Gemisch verarbeitet, welches den Mutterschafen auf den Nasenspiegel appliziert wird. Das Applizieren sollte am 8. Tag wiederholt werden.
Untersuchungen unter Praxisbedingungen führten zu einer nachgewiesenen Steigerung der Trächtigkeit von behandelten Herden um mehr als 30%.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Brunstinduktion von Schafen außerhalb der natürlichen Zuchtsaison, mit den Merkmalen des Oberbegriffs des Anspruches 1.

Ein solches Verfahren ist aus der DE 41 29 759 C2 bekannt. Das Schaf ist das vielseitigste Nutztier. Seitdem das Schaf den Menschen begleitet, liefert es Fleisch, Milch, Wolle und Pelze. Zudem leistet es nach wie vor durch Biß und Tritt wertvolle Dienste im Rahmen der Deichbewirtschaftung und Landschaftspflege.

Vom Schaf stammende tierische Nahrungsmittel entsprechen in hervorragender Weise den Forderungen der Verbraucher nach tiergerechten Produktionsmethoden, weitgehender Naturbelassenheit und gesundheitlicher Unbedenklichkeit.

Der überwiegende Teil der Einnahmen der Schafhaltung entstammen aus dem Lämmerverkauf. Die Rentabilität der Schafhaltung wird somit entscheidend durch die Anzahl aufgezogener Lämmer pro Mutterschaf und Jahr bestimmt. Somit ist nach Möglichkeiten zu suchen, die Produktionsorganisation und Kostenstruktur so zu gestalten, um ein ganzjähriges Angebot von frischem Lammfleisch zu gewährleisten.

Im Gegensatz zum Rind und Schwein besitzen die meisten Schafrassen ein saisonal polyöstrisches Reproduktionsverhalten mit einer begrenzten Paarungssaison im Spätsommer und Herbst. Während er übrigen Zeit des Jahres ruht die zyklische Ovarfunktion mehr oder weniger vollständig. Die im Verlauf der Evolution entwickelte Adaptation hat für wildlebende Vertreter dieser Spezies große Bedeutung für das Überleben in freier Wildbahn, da es Geburt und Aufzucht der Nachkommen unter günstigen Umweltbedingungen im Frühjahr ermöglicht.

Biotechnische Maßnahmen zur Überwindung der Saisonalität können grundsätzlich in Verfahren unterschieden werden, die auf der exogenen Applikation von Hormonen beruhen, oder solchen bei denen durch gezielte Beeinflussung von Umweltreizen physiologische Reaktionen beim weiblichen Tier stimuliert werden, die zum vorzeitigen Beginn der Ovarfunktion führen. Die zur Zeit üblichen zootechnischen und biotechnischen Methoden zur Brunstinduktion und -synchronisation sind sehr Zeit- und arbeitsaufwendig (z. B. Lichtprogramm). Der Einsatz exogener Hormongaben (progesteronhaltige Vaginalschwämmchen in Kombination mit PMSG oder Gn-RH) greift stark in das physiologische Geschehen ein und findet keine Akzeptanz durch den Verbraucher.

Aus Beobachtungen an domestizierten Schafrassen ist bekannt, daß sich durch die Zuführung von Böcken außerhalb der natürlichen Zuchtsaison Ovulationen induzieren lassen, bzw. während der Zuchtsaison die Herdenfruchtbarkeit erhöht werden kann ("ram-effect"). Ein bedeutender Teil dieses Effekts beruht auf der olfaktorischen brunstinduzierenden Wirkung von arteigenen Wirkstoffen (Pheromonen), welche sich aus der Schweißwolle von Schafböcken extrahieren lassen. Ihre bisherige Nutzung zur Brunstinduktion anöstrischer Schafe war durch individuelle und jahreszeitlich bedingte Unterschiede im Behandlungserfolg eingeschränkt.

Die Wirksamkeit der zu extrahierenden Pheromone auf die Mutterschafe ist abhängig von der Paarungsbereitschaft der Schafböcke. Daher wurde gemäß DE 41 29 759 C2 vorgeschlagen, ein zootechnisches Mittel für die Anwendung in der Schafzucht auf der Basis von Pheromonen herzustellen. Nach diesem Verfahren werden entsprechende Schafböcke mit einem hohen Testosteronspiegel im Blut ausgewählt. Nach Scheren der Tiere wird die Wolle mit Petrolether mehrfach ausgewaschen. Das somit enthaltene Wollfett wird unter Verwendung organischer Lösungsmittel homogenisiert, damit es als Spray zur Anwendung kommen kann. Das pheromonhaltige Wollfett kann damit als Aerosol in der Raumluft versprüht werden. Weiterhin wurde versucht, eine Brunstinduktion durch Verwendung von Atemmasken herbeizuführen.

Bei den bekannten Verfahren zur Brunstinduktion ist festzustellen, daß sie nur unter Versuchsbedingungen genutzt werden können, denn sie erlauben keine genaue Dosierung. Obwohl gemäß DE 41 29 759 C2 gesagt wird, wieviel Gramm extrahiertes Wollfett für das Versprühen in einem Raum mit einer bestimmten Anzahl von Tieren verwendet wurde, ist eine genaue Dosierung je Mutterschaf nicht möglich. Man kann lediglich von einem rechnerischen Mittel Wert ausgehen. Außerdem sind gesundheitliche Risiken durch die Verwendung von Petrolether durchaus gegeben. Im Fall der Anwendung von Atemmasken muß erst eine vorherige Gewöhnung der Tiere an diese Methode erfolgen. Ein hoher Arbeitsaufwand ist hierbei offensichtlich.

Zusammenfassend ist von folgender Situation auszugehen. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Untersuchungen zur physiologischen Wirkung und Isolierung von Schafbockpheromonen durchgeführt. Trotzdem ist bisher die Brunstinduktion anöstrischer Schafe durch Nutzung von Schafbockpheromonpräparaten nicht über das Versuchsstadium hinaus zum Einsatz gekommen, weil:

  • - Eine eindeutige chemischer Identifizierung der wirksamen Substanzen (Pheromone) erfolgte bisher nicht. Untersuchungsergebnisse lassen vermuten, daß es sich um einen Komplex von Fettsäuren, vorrangig kurzkettige, handelt.
  • - Es ist von einer androgenabhängigen Pheromonproduktion durch das männliche Tier auszugehen. Daraus wäre zu folgern, daß die Libido der Böcke und das Stadium der Zuchtsaison einen Einfluß auf die Wirkung haben.
  • - Bisher wurde auf die ovarielle Ansprechbarkeit der weiblichen Schafe auf eine Pheromonapplikation zu wenig Aufmerksamkeit gerichtet. Normalerweise ist der morphologische Ovarstatus vor Applikationsbeginn nicht bekannt. Es ließ sich somit nicht feststellen, ob durch die Pheromonanwendung eine Brunstinduktion, -stimulation oder -synchronisation herbeigeführt wurde. Der Behandlungserfolg war daher nicht immer sicher vorhersagbar und reproduzierbar.
  • - Die bisher zur Anwendung gekommenen Methoden der Applikation von Pheromonen, wie in DE 41 29 759 C2 beschrieben oder die mit Wolle gefüllten Atemmasken, können nur unter Versuchsbedingungen genutzt werden. Die weiteren Nachteile sind, wie schon gesagt, gesundheitliche Risiken, ein hoher Arbeitszeitaufwand und im Fall der Anwendung von Atemmasken, eine vorherige Gewöhnung der Tiere an diese Methode.

Somit existiert gegenwärtig kein in der Praxis anwendbares Behandlungsregime mit arteigenen Wirkstoffen für eine Brunstinduktion von Schafen außerhalb der natürlichen Zuchtsaison, welches eine synchrone Reaktion (Ovulation mit anschließender Entwicklung eines physiologischen, trächtigkeitserhaltenden Corpus luteum) an den weiblichen Gonaden zur Folge hat. Es ist daher die Aufgabe der Erfindung, nach einer schonenden Gewinnung des Wollextraktes durch ein praxisfähiges Verfahren eine Brunstinduktion/Synchronisation anöstrischer Mutterschafe auf der Basis arteigener Wirkstoffe (Pheromone) zu bewirken. Es soll nachweisbar eine beträchtliche Steigerung der Trächtigkeit von behandelten Herden erreicht werden. Erfindungsgemäß wird die Aufgabe wie folgt gelöst, wobei hinsichtlich der grundlegenden erfinderischen Gedanken auf den Patentanspruch 1 verwiesen wird. Die weitere Ausgestaltung der Erfindung ergibt sich aus den Patentansprüchen 2 bis 6.

Zur Beschreibung der Erfindung sind weitere Erläuterungen erforderlich.

Das Extrahieren des Wollfettes erfolgt vorzugsweise mit Methylenchlorid aus der Wolle, die durch Scheren der Schafböcke gewonnen wurde. Aus dem Wollfett-Methylenchlorid-Gemisch wird im weiteren das Methylenchlorid durch Destillieren wieder entfernt.

Damit liegt ein Extrakt vor, der von vornherein gesundheitliche Risiken ausschließt. Der gewonnene Wollextrakt wird anschließend mit Glycerol derart versetzt, daß ein Gemisch in pastöser Konsistenz entsteht. Durch die neu entwickelte Applikation, das Auftragen einer definierten Menge des in pastöser Konsistenz vorliegenden Wollextrakt- Glycerol-Gemisches auf den Nasenspiegel, erfolgt nunmehr eine gezielte Brunstinduktion von Schafen außerhalb der natürlichen Zuchtsaison.

Weiterhin wird vorgeschlagen, besonders den Ovarstatus vor der Applikation zu berücksichtigen. Die Behandlung sollte, entsprechend dem ovariellen Ausgangsstatus der Herde, am 8. Tag wiederholt werden. Es ist aus den Untersuchungen bekannt, daß ein Teil der Tiere mit einem verkürzten Zyklus reagiert. Dieser dauert etwa eine Woche. Durch eine zweite Behandlung erfolgt somit eine Verstärkung des Effektes.

Abschließend sei festgestellt, daß unter Praxisbedingungen durchgeführte Untersuchungen eine Steigerung der Trächtigkeit von behandelten Herden um mehr als 30% bei Anwendung des neuen Verfahrens zur Brunstinduktion aufweisen.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zur Brunstinduktion von Schafen außerhalb der natürlichen Zuchtsaison unter Verwendung von Pheromonen, welche aus der Schweißwolle von Schafböcken extrahiert werden, die sich in hoch aktivierter Paarungsbereitschaft befinden, dadurch gekennzeichnet, daß der gewonnene Wollextrakt mit Glycerol derart versetzt wird, daß ein Gemisch in pastöser Konsistenz entsteht und dieses Wollextrakt-Glycerol-Gemisch den Muttertieren auf den Nasenspiegel appliziert wird.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zur Gewinnung des Wollextraktes durch Scheren gewonnene Wolle vorzugsweise mit Methylenchlorid behandelt wird.
  3. 3. Verfahren zur Brunstinduktion nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der gewonnene Wollextrakt in einem Verhältnis mit Glycerol derart versetzt wird, daß eine pastöse Konsistenz des Wollextrakt-Glycerol-Gemisches entsteht.
  4. 4. Verfahren zur Brunstinduktion nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß den Muttertieren eine definierte Menge des Wollextrakt-Glycerol-Gemisches in der Größenordnung von ca. 2 ml auf den Nasenspiegel appliziert wird.
  5. 5. Verfahren zur Brunstinduktion nach Anspruch 1 und 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Applizieren am 8. Tag wiederholt wird.
  6. 6. Verfahren zur Brunstinduktion nach Anspruch 1, 4 und 5, dadurch gekennzeichnet, daß nach einer Ovardiagnose unter Berücksichtigung von Ergebnissen dieser Diagnose die Applikation erfolgt.






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