Aus der industriellen und kommunalen Abwasserreinigung fallen große
Klärschlammmengen an, meist als Mischung aus "Primärschlamm" (Vorklärschlamm VKS) und
"Sekundärschlamm" (Überschuß-Belebtschlamm ÜSS). Die Schlämme werden
teilweise - zwecks Verringerung/Nutzung des organischen Schlammanteils - einer
Faulung unterzogen und liegen auch nach ihrer Eindickung als sehr wasserreiche
Rohschlämme mit niedrigen Trockensubstanzgehalten von zum Beispiel nur 4 bis 5 Gew.-%
vor. In Deutschland handelt es sich um jährlich ca. 80 Mio t Rohschlämme,
entsprechend ca. 3,6 Mio t Trockensubstanz pro Jahr.
Die Erfindung zielt ab auf eine erhebliche Verbesserung der Entwässerung von
industriellen und kommunalen Klärschlämmen und betrifft speziell ein neues Verfahren
zur Klärschlammkonditionierung als wichtigem Verfahrensschritt vor der eigentlichen
Klärschlammentwässerung.
Eine jede Klärschlammkonditionierung - wie die herkömmliche organische
Konditionierung mit Polyelektrolyten oder auch die herkömmliche anorganische
Konditionierung mit Kalk - soll die Entwässerbarkeit der (auch nach Faulung noch immer
organicareichen) Klärschlämme sicherstellen bzw. verbessern, denn sie wären ohne
gezielte Konditionierung nur schlecht entwässerbar. Ziel der Erfindung ist eine neuartige
Klärschlammkonditionierung, die zu einer erheblichen Verbesserung der
nachfolgenden Klärschlammentwässerung führt.
Jede heutige Schlammbehandlung hat das Ziel der Verwertung oder Beseitigung und
führt i.a. über die verfahrenstechnischen Teilschritte Flockung/Eindickung,
Schlammminderung (wie z. B. Faulung, Hydrolyse) und/oder - direkt - Flockung/Eindickung,
Konditionierung, Entwässerung, Trocknung und Verbrennung.
Klärschlammverbrennungsanlagen umfassen meist die noch erforderliche Resttrocknung des mechanisch
entwässerten Klärschlamms (wie z. B. Wirbelschichtöfen und Etagenöfen). Finales Ziel
der Schlammbehandlung ist gemäß TA Abfall meist die Klärschlammineralisierung
durch Verbrennung.
Entscheidend für die Gesamtkosten einer Klärschlammineralisierung durch
Verbrennung sind neben den Kosten der sonstigen vorgeschalteten Stufen die
Verbrennungskosten. Wenn es gelänge, die Wasserfracht im Klärschlamm erheblich zu verringern,
ließen sich diese sowohl hinsichtlich Investition (z. B. kleinere Anlagengröße) wie
auch hinsichtlich Betriebskosten (z. B. verringerter Bedarf an Stützbrennstoff)
entsprechend senken.
Ziel vieler aktueller Arbeiten zur Konditionierung im Hinblick auf die Entwässerung
und zur Entwässerung selbst ist ein möglichst hoch entwässerter Schlamm (s. z. B.
[1]). Ein Hauptansatzpunkt für Verbesserungen der mechanischen Entwässerung ist
nach wie vor die vorgeschaltete Konditionierung der organicareichen Schlämme. Die
Konditionierung ist genau auf den im Einzelfall vorliegenden Schlamm selbst und
zugleich auch auf die angewandte Entwässerungstechnik (wie z. B. Dekanter,
Siebbrandpressen, Kammerfilterpressen, Membranfilterpressen) abzustimmen.
Eine herkömmliche Konditionierung erfolgt vorzugsweise mit organischen
Konditionierungshilfsmitteln wie z. B. Polyelektrolyten (PE), nicht selten aber auch mit
anorganischen Konditionierungshilfsmitteln wie Kalkhydrat und/oder anderen, die
Entwässerung fördernden Stoffen wie z. B. Kohlenstaub oder Flugasche aus der
Kohleverbrennung.
Speziell im Fall der anorganischen Konditionierung wird die Menge ursprünglich
vorhandener Schlammtrockensubstanz (STSo) spürbar um die zugesetzte Menge an
Konditionierungshilfsmitteln (KII) erhöht auf die dann vorliegende größere
Trockensubstanzmenge STS+ = STSo + KH. Die KH-Beladung der ursprünglichen
Schlammtrockensubstanz yKH (als das Verhältnis KH/STSo) wird z. B. auf Werte von 0,25 kg
KH/kg STSo eingestellt, häufig auch wesentlich höher. Diese Erhöhung der
ursprünglichen Schlammtrockensubstanzmenge um 25% und mehr ist ein (allerdings
nicht unbedingt stichhaltiger) Grund dafür, daß die organische Konditionierung mittels
PE in jüngerer Zeit häufig der anorganischen Konditionierung vorgezogen wurde.
Neben der beschriebenen organischen oder anorganischen Konditionierung wurden
schon früher auch andere Möglichkeiten der Schlammkonditionierung untersucht.
Eine der untersuchten Möglichkeiten betrifft den oxidativen Teilabbau organischer
Schlammkomponenten, insbesondere jener "schleimigen mikrobiellen
Schlammanteile", die die Schlammentwässerung offensichtlich stark behindern. Zu einer
derartigen oxidativen Behandlung von Klärschlämmen auf der Basis des Fenton-Reagenz
(Wasserstoffperoxid H2O2 und zweiwertiger Eisenionen Fe&spplus;&spplus; als Katalysator,
zugegeben z. B. in Form von FeCl2) oder auf Ozon-Basis liegen umfangreiche Arbeiten vor,
die im übrigen auch Nebenfragen wie den AOX-Abbau oder die Geruchsminderung
(als spezieller Teilabbau) berühren.
Ein wesentlicher Teil des Standes der Technik zur H2O2-Konditionierung wird in [2]
zusammenfassend beschrieben. Trotz vieler Arbeiten (vgl. z. B. [3], [4], [5]) wurden
mittels der H2O2-Konditionierung die erzielten Entwässerungsergebnisse auf
verschiedenen Entwässerungsmaschinen zwar etwas verbessert, aber nicht erheblich, d. h. die
Entwässerungsergebnisse blieben aus unserer Sicht noch immer unbefriedigend.
Das Entwässerungsergebnis wird normalerweise durch den erzielten
Trockensubstanz-Gehalt TS+ (Gew.-%) beschrieben, d. h. das Verhältnis TS+ = Wasser/(Wasser
+ STS+), welches das bei anorganischer Konditionierung in wechselnden Mengen
zugesetzte Konditionierungshilfsmittel KH mit umfaßt (STS+ = STSo + KH). Für
verfahrenstechnische Beurteilungen der Entwässerung weitaus besser geeignet
erscheint die sogenannte Wasserbeladung yH2O der ursprünglichen
Schlammtrockensubstanz, d. h. das Verhältnis yH2O = Wasser/STSo.
Die Konditionierung hat nicht nur positiven Einfluß auf die Höhe des erzielten
Entwässerungsgrads, sondern auch auf die Entwässerungsgeschwindigkeit (z. B.
Filtrationszeiten, Preßzeiten) und damit die Leistung einer verwendeten
Entwässerungsmaschine.
Der tendenziell positive Einfluß einer oxidativen Konditionierung auf die
Klärschlammentwässerung in z. B. Siebbandpressen und Kammerfilterpressen, speziell der
sauren oxidativen Konditionierung mittels des Fenton-Reagenz, ist also im Prinzip
bekannt. Man findet allerdings widersprüchliche Angaben, z. B. bzgl. der Art und
Menge des katalysierenden Eisens oder entsprechender Übergangsmetalle. Aus der
Vielzahl dieser Arbeiten zur sauren oxidativen Konditionierung von Klärschlämmen
mittels des Fenton-Reagenz sind die prinzipielle Vorgehensweise und beteiligte
Grundvorgänge aus früheren Arbeiten weitgehend bekannt:
- - Es erfolgt eine Ansäuerung bis zu Start-pH-Werten von 3 bis 4.
- - Vorzugsweise wird mit H2O2/Fe&spplus;&spplus;-Molverhältnissen ≤ 5 : 1 gearbeitet.
- - Am häufigsten verwendet wird das billig verfügbare Fe(II)SO4 × 7 H2O
(Grünsalz), was allerdings bei einer später nachfolgenden Neutralisation mit
Kalk den Nachteil einer erheblichen Gipsbildung hätte.
- - Der H2O2-Bedarf ist schlammabhängig; der minimale H2O2-Bedarf liegt bei 1,0
bis 1,5 Gew.-% H2O2 (bez. auf STSo).
- - Die Oxidationsreaktion erfolgt - temperaturabhängig - ziemlich schnell
(minimaler Zeitbedarf 10 min).
- - Erhöhte Temperaturen (z. B. 60 bis 90°C), die jedoch mit dem Nachteil einer
erheblichen Filtrat-Rückbelastung z. B. an CSB, BSB, NH4+ verbunden sind,
beschleunigen die Oxidation.
In einigen Arbeiten wurde eine gezielte Nachkonditionierung explizit angesprochen.
Die bisher gegebenen Hinweise zur Nachkonditionierung beziehen sich allerdings nur
auf:
- a) eine zusätzliche organische PE-Nachkonditionierung, wobei wiederholt auf die
hohe Druckempfindlichkeit von H2O2-vorkonditionierten und
PE-nachkonditionierten Schlämmen hingewiesen wird,
und/oder
- b) eine "Neutralisation" als Wiederanhebung des pH-Werts mit z. B. NaOH,
Mg(OH)2, oder Ca(OH)2 in die Nähe des Neutralisationspunktes (Vermeidung
von Korrosionen) und darüber hinaus auf einen End-pH-Wert von max. 8,5,
letzteres mit dem Ziel der Wiedereinbindung von im zuvor sauren Milieu
zwischengelösten Schwermetallen und/oder mit dem Ziel der Verringerung der
CSB-/BSB-Rückbelastung des späteren Filtrats.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, die bisher nur teilweise genutzten
positiven Effekte der sauren oxidativen Konditionierung voll nutzbar zu machen, um die
Entwässerungsergebnisse erheblich zu verbessern.
Ausgangspunkt war im vorliegenden Fall, daß in einer bestehenden
Klärschlamm-Verbrennungsanlage für industriellen Klärschlamm nur ca. 60% des (bisher nach Kalk-
Konditionierung auf Kammerfilterpressen (KFP) entwässerten)
Klärschlamm-Filterkuchens verbrannt werden konnten, wohingegen gemäß TA-Abfall ab April 1997 aller
Klärschlamm zu verbrennen war. Der bisher auf Kammerfilterpressen entwässerte
Klärschlamm-Filterkuchen hatte im Mittel ca. 34 Gew.-% TS+ bei einer
Kalkhydratbeladung yKH von etwa 0,25 bis 0,50 kg KH/kg STSo, entsprechend einer
Wasserbeladung yH2O von 2,4 bis 2,8 kg H2O/kg STSo. Ziel der Entwicklungsarbeiten war es
daher, die Wasserfracht im Klärschlamm-Filterkuchen etwa zu halbieren und damit die
Durchsatzleistung (t STSo/a) der bestehenden Klärschlamm-Verbrennungsanlage
annähernd zu verdoppeln.
Das neuartige Verfahren geht von einer sauren oxidativen Vorkonditionierung aus, in
der zunächst eine Säuerung des Klärschlamms und dann - bei einem pH-Wert ≤ 5 unter
Zugabe von zweiwertigen Eisenionen (Fe&spplus;&spplus;) und einer unterstöchiometrischen Menge
von Wasserstoffperoxid (Fenton-Reagenz) - eine katalytische Teiloxidation erfolgen:
dieser (im Prinzip bekannten) Vorkonditionierung schließt sich gemäß dem neuartigen
Verfahren eine definierte Nachkonditionierung mit Erdalkalien an, wonach im letzten
Schritt die mechanische Entwässerung erfolgt. Im einzelnen wird also - abgesehen von
weiter unten beschriebenen Modifikationen - von folgenden grundsätzlich bekannten
Verfahrensschritten Gebrauch gemacht:
- a) Zunächst wird der organicareiche Klärschlamm einer sauren oxidativen
Vorkonditionierung unterzogen, in der eine Ansäuerung des Klärschlamms mit
HCl und - bei einem pH-Wert < 5 - eine katalytische Teiloxidation unter
Zugabe zweiwertiger Eisenionen Fe&spplus;&spplus; und einer unterstöchiometrischen Menge
von Wasserstoffperoxid H2O2 erfolgt.
- b) Anschließend erfolgt eine anorganische Nachkonditionierung, in der der
gesäuerte und teiloxidierte Klärschlamm mit Erdalkali versetzt wird, und zwar
unter Anhebung des pH-Werts auf mindestens 9.
- c) Im letzten Schritt wird der so konditionierte Klärschlamm mit Hilfe bekannter
Entwässerungsvorrichtungen mechanisch entwässert.
Die Lösung der Aufgabe besteht im Hinblick auf die oben beschriebenen
Verfahrensschritte erfindungsgemäß darin, daß nach einer H2O2-Vorkonditionierung eine
anorganischen Nachkonditionierung mit Erdalkalioxiden erfolgt, vorzugsweise mit
Calciumhydroxid (Ca(OH)2), und dabei ein pH-Wert im Bereich von mindestens 9 bis
maximal 11 eingestellt wird.
Das Verfahren wird vorteilhaft so durchgeführt, daß zur Ansäuerung Salzsäure
verwendet wird und dabei die Zudosierung so eingestellt wird, daß der pH-Wert des
gesäuerten Klärschlamms zwischen 3 und 4 liegt.
Als Katalysator für die Teiloxidation wird vorzugsweise eine FeCl2-Lösung
verwendet, deren Zugabe schon zum gesäuerten und entgasenden Klärschlamm erfolgt,
wobei die zudosierte FeCl2-Menge in der Größenordnung von 0,75 kg FeCl2
(100%ig)/kg H2O2(100%ig), entsprechend einem H2O2/Fe&spplus;&spplus;-Molverhältnis 5 : 1, bis
1 kg FeCl2 (100%ig)/kg H2O2 (100%ig) eingestellt wird.
Das Verfahren wird bevorzugt in der Weise durchgeführt, daß bei der Teiloxidation
soviel Wasserstoffperoxid zudosiert wird, daß im oxidierenden Klärschlamm ein
Redoxpotential von 200 mV bis 500 mV, vorzugsweise von 350 mV bis 450 mV
aufrechterhalten wird.
Die so herbeigeführte Teiloxidation bei pH-Werten von 3 bis 4 verläuft auch bei
relativ niedrigen Temperaturen im Bereich von 15°C bis 40°C schnell und wird daher
vorzugsweise zwischen 20°C und 30°C durchgeführt, d. h. erhöhte Temperaturen sind
nicht erforderlich.
Eine bevorzugte Ausführung des Verfahrens besteht ferner darin, daß bei der
anorganischen Nachkonditionierung soviel Calciumhydroxid zudosiert wird, daß der pH-
Wert des nachkonditionierten Klärschlamms auf einem vorgegebenen Sollwert im
Bereich von mindestens 9 bis maximal 11 liegt.
Gemäß einer Weiterentwicklung der Erfindung erfolgt die Ansäuerung des
Klärschlamms in zwei in Reihe geschalteten Behältern, wobei der pH-Wert im zweiten
Behälter auf einem vorgegebenen Sollwert im Bereich von 3 bis 4 gehalten wird,
indem man die Salzsäure-Zudosierung zum ersten Behälter nachregelt.
Weiterhin kann auch die Teiloxidation vorteilhaft in zwei in Reihe geschalteten
Behältern durchgeführt werden, wobei das Redoxpotential im zweiten Behälter auf
einem vorgegebenen Sollwert im Bereich von 200 mV bis 500 mV gehalten wird,
indem man die Wasserstoffperoxid-Zudosierung zum Behälter nachregelt.
Schließlich kann auch die anorganische Nachkonditionierung vorteilhaft in zwei in
Reihe geschalteten Behältern durchgeführt werden, wobei der pH-Wert im zweiten
Behälter auf einem vorgegebenen Sollwert im Bereich von 9 bis 11 gehalten wird,
indem man die Zudosierung von Calciumhydroxid zum ersten Behälter nachregelt.
Mit der Erfindung werden folgende Vorteile erzielt:
- a) Erst die beschriebene spezielle Kombination einer oxidativen
Vorkonditionierung, bei der eine Teiloxidation des Klärschlamms erfolgt, mit einer
ausgesprochenen, d. h. stärker anorganischen, jedoch kalkminimierten
Nachkonditionierung führt - bei vergleichbar kurzen Filtrationszeiten wie im Fall einer
reinen Kalk-Konditionierung - zu einer drastischen Absenkung der
Wasserbeladung auf Werte von z. B. yH2O = 1,6 bis 1,2 kg H2O/kg STSo.
Dies bedeutet - im Vergleich zu den Entwässerungsergebnissen bei rein
anorganischer Kalk-Konditionierung oder organischer PE-Konditionierung - eine
erhebliche Verbesserung, auch unter Verwendung von herkömmlichen
Entwässerungsmaschinen wie z. B. Kammerfilterpressen, hochentwässernden
Dekantern. Eine optimale Entwässerung wird auf hochentwässernden
Entwässerungsmaschinen wie z. B. Membranfilterpressen erreicht.
- b) Die Kalk-Beaufschlagung yKH läßt sich - gegenüber der rein anorganischen
Kalk Konditionierung - erheblich verringern (etwa Halbierung).
- c) Durch das Verfahren wird die ursprüngliche Trockensubstanzmenge
beispielsweise um 20% verringert (STS+ < STSo) oder nur schwach erhöht (STS+
ungefähr gleich STSo), da bei der Ansäuerung der Schlämme häufig mehr
Karbonat-CO2 ausgetrieben wird, als nachfolgend an Calciumhydroxid
hinzukommt.
- d) Die Mehrkosten durch Salzsäure und Wasserstoffperoxid werden bei der
erfindungsgemäßen Fahrweise - im Vergleich zu einer reinen
Kalk-Konditionierung - durch die Minderung des Kalkverbrauchs weitgehend ausgeglichen.
Das neue Verfahren besteht aus folgenden Einzelschritten:
- - Ansäuern des voreingedickten Rohschlamms mit HCl unter Zugabe von
Eisenchlorid-Lösung, Klärschlammentgasung (CO2),
- - Teiloxidation der gesäuerten und mit dem Katalysator versetzten
Klärschlammischung mit Wasserstoffperoxid als Oxidationsmittel,
- - Kalk-Nachkonditionierung durch hinreichende Anhebung des pH-Werts,
- - Entwässerung des so vor- und nachkonditionierten Klärschlamms, vorzugsweise
mit Hilfe von Kammerfilterpressen oder Membranfilterpressen.
Das Verfahren wurde mit verschiedenen nicht ausgefaulten, industriellen
Klärschlämmen zweier Werke sowohl im Labor als auch langzeitig (3 Wochen zu 24 h/d)
auf einer vollkontinuierlich betriebenen Technikumsanlage (Durchsatz 70 kg
Rohschlamm/h) unter Nutzung von Technikumsfilterpressen (KFP und MFP mit 0,1 m2
Filterfläche) sowie über 3 Wochen täglich auf einer batchweise betriebenen
halbtechnischen Betriebsanlage (50 m3-Behälter) unter Nutzung einer Betriebspresse (KFP
mit 120 m2 Filterfläche) bzw. einer mobilen halbtechnischen Presse (KFP und MFP
mit 1,76 m2 Filterfläche) untersucht und erprobt.
Gegenüber den in den beiden Werken bisher benutzten Konditionier- und
Entwässerungsverfahren ergaben sich erheblich verbesserte Entwässerungsergebnisse, eine
verringerte Trockensubstanzfracht und u. a. eine deutliche Geruchsminderung.
Beispiele für die auf Kammerfilterpressen (KFP) und auf Membranfilterpressen (MFP)
erzielten Ergebnisse:
KFP-Entwässerung des Rohschlamms LEV (Glühverlust GV ca. 52%)
- a) bei herkömmlicher Kalk-Konditionierung: yH2O = 2,4 . . . 2,8 kg H2O/kg
STSo
- b) bei herkömmlicher PE-Konditionierung: yH2O = 2,2 kg H2O/kg STSo
(betrieblicher Großversuch)
- c) bei verfahrensgemäßer Konditionierung: yH2O = 1,5 . . . 1,6 kg H2O/kg
STSo
MFP-Entwässerung des Rohschlamms LEV (Glühverlust GV ca. 52%)
- a) bei herkömmlicher Kalk-Konditionierung: yH2O = 1,7 kg H2O/kg STSo
- b) bei verfahrensgemäßer Konditionierung: yH2O = 1,1 . . . 1,3 kg H2O/kg
STSo
KFP-Entwässerung des Rohschlamms DOR (Glühverlust GV ca. 70%)
- a) bei Kalk-Konditionierung (verringerte Kammertiefe): yH2O = 2 kg H2O/kg
STSo
MFP-Entwässerung des Rohschlamms DOR (Glühverlust GV ca. 70%)
- a) bei verfahrensgemäßer Konditionierung: yH2O = 1,2 kg H2O/kg STSo.
Die hohe Effizienz des Verfahrens beruht teils auf der Auflösung der im Schlamm
enthaltenen Carbonate, teils auf der oxidativen Lysis von Bakterienzellen und teils auf
der Auflösung schleimiger Gelstrukturen, die sonst die Filtration stark erschweren,
nicht zuletzt aber auf der Kombination der im Prinzip bekannten sauren oxidativen
Vorkonditionierung mit der definierten Kalk-Nachkonditionierung als zusätzlicher
Entwässerungshilfe.
Maßgebend ist schließlich auch die mehrstufige Gestaltung und Regelung des
Prozesses im Sinne einer jeweils vollständigen Durchführung der Teilschritte.
Eine maximale Steigerung des Entwässerungsergebnisses erreicht man bei Einsatz von
Membranfilterpressen.
Das komplette Verfahren besteht in seiner optimalen Form aus folgenden Schritten:
1. Voreindickung
Die zum üblichen Stand der Technik gehörende Voreindickung in Eindickern,
Separatoren oder Seihgeräten auf Trockensubstanz-Gehalte um oder über 50 g/l empfiehlt
sich, um die behandelten Suspensionsvolumina klein zu halten. Der Einsatz von
polymeren Flockungsmitteln in diesem Schritt sollte auf ein Mindestmaß beschränkt
bleiben, da dadurch die nachfolgenden Schritte beeinflußt werden.
2. Die pH-Absenkung auf pH = 3 bis 4 durch Ansäuerung
Die Ansäuerung erfolgt mit Salzsäure (HCl) anstelle der sonst üblichen
Schwefelsäure, um spätere Gipsausfallungen zu vermeiden. Der Säureverbrauch hängt vom
Carbonat- und Hydroxidgehalt des Rohschlammes ab. Für einen typischen
industriellen Rohschlamm werden ca. 100 g 100%ige HCl pro kg STSo benötigt. Bei höherem
Carbonatgehalt sind ca. 120 bzw. 150 g 100%ige HCl pro kg STSo erforderlich. In
einer technischen Anlage sollte die HCl-Zugabe in der Rohrleitung vor dem oder den
zur pH-Einstellung bei der Ansäuerung benötigten Behälter(n) erfolgen, um die
nachfolgende CO2-Entgasung zu erleichtern. Die zur Homogenisierung und
ausreichenden Carbonatauflösung erforderliche Verweilzeit beträgt - bei engem
Verweilzeitspektrum - etwa 20 min. Zur pH-Regelung hat sich hier - ebenso wie nach
der Peroxidzugabe - eine Behälterkaskadenschaltung bewährt, die eine ausreichende
Trägheit aufweist. Für die HCl-Zudosierung ist keine
Trockensubstanz-Fracht-Messung erforderlich. Statt dessen reicht eine pH-Regelung aus.
3. Ausgasung
Um sicherzustellen, daß bei der späteren Kalk-Nachkonditionierung nicht wieder
Calciumcarbonat rückgebildet wird, muß das bei der Säuerung freigesetzte CO2
möglichst vollständig aus der Suspension entfernt werden. Zu diesem Zweck werden
Entgasungsstutzen vorgesehen oder gesonderte Entgasungsvorrichtungen (z. B.
Entgasungszyklon in Rohrleitungssystem) eingesetzt, womit eine weitgehende
Entgasung stattfindet.
4. Zugabe des Katalysators in Form einer FeCl2-Lösung
Die erforderliche Fe&spplus;&spplus;-Menge entspricht in der Größenordnung der Zugabe von
0,75 kg FeCl2 (100%ig)/kg H2O2 (100%ig), entsprechend einem H2O2
/Fe&spplus;&spplus;-Molverhältnis von 5 : 1. Die Zugabe erfolgt bei der Ansäuerung. Die Mengendosierung
kann proportional zur geregelten Wasserstoffperoxid-Mengendosierung erfolgen, so
daß keine gesonderte Messung bzw. Regelung erforderlich ist.
5. Zugabe von Wasserstoffperoxid
Es werden ca. 1,5% Wasserstoffperoxid bezogen auf die zulaufende STSo-Fracht
benötigt. Bei der Durchführung der Reaktion in einer 2-Behälterkaskade mit 20 min
Verweilzeit/Behälter hat sich gezeigt, daß ein stabiler Redoxwert am Ausgang
auftritt und daß dieser zur Regelung der zudosierten Peroxidmenge benutzt werden
kann. Eine Messung der STSo-Fracht im Zulauf ist auch hier nicht erforderlich. Auch
bei großen Schwankungen in der Schlammzulaufkonzentration (g STSo/l) und in der
Schlammherkunft (Verhältnis ÜSS/VKS) ergibt sich durch die Regelung auf Basis
des Redoxpotentials automatisch eine STSo-Fracht-proportionale Peroxiddosierung.
Verwendet man nur einen Behälter, so sind (statt 2 × 20 min) Verweilzeiten in der
Größenordnung von 2 h je Behälter erforderlich, um die Reaktionen vollständig
ablaufen zu lassen.
6. Zugabe von Kalk
Bei der anschließenden Anhebung des pH-Werts auf pH-Werte von 9 bis 11 werden
yKH = 0,1 bis 0,12 kg Ca(OH)2/kg STSo benötigt, d. h. wesentlich weniger als bei
reiner herkömmlicher Kalk-Konditionierung (yKH ≥ 0,25 kg Ca(OH)2/kg STSo). Die
Kalkzugabe erfolgt pH-gesteuert. Bei dieser pH-Regelung muß berücksichtigt
werden, daß sich der pH-Wert erst nach einiger Verweilzeit einstellt. In der
Technikumsanlage wurde in der ersten Stufe der zweistufigen Kalkung ein Regel-pH-wert von 10
benutzt.
Für die technische Lösung ersetzt der vor dem Entwässern erforderliche
Schlammpuffer den zweiten Rührbehälter.
7. Entwässerung
Zur mechanischen Entwässerung wurden bei der Verfahrenserprobung sowohl
Kammerfilterpressen als auch Membranfilterpressen eingesetzt. Es hat sich gezeigt, daß
der nach dem beschriebenen Verfahren konditionierte Schlamm wesentlich weniger
druckempfindlich ist als konventionell mit Polymer nachgeflockte Schlämme. Dies
gilt sowohl für die direkten Auswirkung von Scherbeanspruchungen in Pumpen und
Rohrleitungen (geringe Empfindlichkeit bzgl. Flockengröße) als auch für das
Druckprogramm bei der Filtration (steilere Druckrampe möglich).
Die Verwendung von Membranpressen führt zu höheren Trockensubstanz-Gehalten
bzw. geringeren Wasserbeladungen yH2O im Filterkuchen und zu kürzeren und vor
allem genauer reproduzierbaren Filtrationszeiten.
Wesentlich ist dabei, daß die saure oxidative Vorkonditionierung unter folgenden
optimierten Bedingungen abläuft:
- a) Klare Trennung von Säuerung und oxidativer Reaktion mit H2O2, wobei das
zweiwertige Eisen (vorzugsweise als FeCl2) schon bei der Ansäuerung
zugegeben werden kann. Eine solche Trennung muß zugleich die Bereitstellung
jeweils ausreichender Verweilzeiten einschließen.
- b) Einhaltung eines pH-Wertes von 3 bis 4 während der oxidativen Teilreaktion,
d. h. entsprechende Vorabsenkung des pH-Wert durch die Ansäuerung mit HCl
auf Werte < 4, wobei sich durch die Zugabe von FeCl2 der pH-Wert noch
etwas weiter verringert.
- c) Einhaltung einer schlammabhängig optimalen H2O2-Beaufschlagung von z. B.
0,015 kg H2O2/kg STSo (bei geringerem ÜSS-Anteil am Rohschlamm) bis hin
zu 0,080 kg H2O2/kg STSo (im Fall ÜSS-reicher Rohschlämme). Diese H2O2-
Beaufschlagung stellt sich ein durch die Einhaltung eines schlammabhängig
optimalen Redox-Potentials von 200 bis 300 mV bei geringerem ÜSS-Anteil
am Rohschlamm bzw. bis 500 mV im Fall ÜSS-reicher Rohschlämme.
e) Wahl eines optimalen Molverhältnisses H2O2/Fe&spplus;&spplus; von z. B. 5 : 1.
Überraschenderweise konnten die guten Entwässerungsergebnisse an Rohschlämmen
bei Temperaturen von 20 bis 30°C, d. h. ohne eine gesonderte Temperaturanhebung
der oxidativen Reaktion erzielt werden. Die in den früheren Arbeiten (vgl. [2]) als
erforderlich angesehene Temperaturanhebung der Oxidationsstufe auf deutlich höhere
Temperaturen ist nicht erforderlich.
Weiterhin war zunächst überraschend, daß im Fall eines organicareichen
Klärschlamms mit Glühverlusten GV um 70% (hoher ÜSS-Anteil) vergleichbar gute, teils
sogar bessere Entwässerungsergebnisse erzielt werden konnten wie im Fall eines
Klärschlamms mit Glühverlusten um 50% (niedrigerer ÜSS-Anteil). Erfahrungsgemäß
sind die Entwässerungsergebnisse bei herkömmlichen Konditionierungen i.a. deutlich
schlechter, je größer der Glühverlust GV und damit der Organica-Gehalt der
Schlämme ist. Bei einer Konditionierung nach dem erfindungsgemäßen Verfahren dagegen
lassen sich auch organicareiche Schlämme optimal entwässern. Der Grund liegt darin,
daß mit der oxidativen Konditionierung im wesentlichen nur der mikrobielle ÜSS-
Anteil verändert wird, indem seine "Schleimhüllen" oxidativ zerstört werden; je höher
also der ÜSS-Anteil ist, desto wirkungsvoller kann sich der oxidative Teilabbau
(vergleichsweise) erweisen.
Der positive Teileffekt des oxidativen Teilabbaus ("Zerstörung von Schleimhüllen")
wird letzten Endes, d. h. bei der Entwässerung, nur dann hinsichtlich
Entwässerungsgrad und Entwässerungsgeschwindigkeit voll nutzbar, wenn auch eine hinreichende
anorganische Kalk-Nachkonditionierung erfolgt.
Bei der schrittweisen Führung der Vorkonditionierung in Batch-Reaktoren bzw. der
mehrstufigen selbstregelnden Führung als Durchlaufprozeß durch eine mehrstufige
Konti-Anlage war überraschend, daß die - laut Literatur selbst bei Raumtemperatur
schnelle - Oxidationsreaktion doch einen merklichen Zeitbedarf hat und es daher nicht
nur auf die mittlere Verweilzeit ankommt, sondern offenbar auch auf eine hinreichend
enge Verweilzeitverteilung. Diese Erfahrung führte zu der (mindestens) zweistufigen
Ausführung der eigentlichen Oxidation mit Vorgabe des schlammspezifischen Redox-
Potentials im zweiten Behälter als Führungsgröße für den Reglersollwert im ersten
Behälter.
Ähnliche Erfahrungen sprechen für eine (mindestens) zweistufige Gestaltung der
vorgeschalteten Säuerung mittels HCl mit Vorgabe des schlammspezifischen End-pH im
zweiten Behälter als Führungsgröße für den Reglersollwert im ersten Behälter.
Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich vor allem für die Entwässerung
organicareicher Schlämme, insbesondere für die Entwässerung von Klärschlämmen mit
mittleren und höheren mikrobiellen Schlammanteilen oder für Schlämme mit
Schlammanteilen anderen tierischen Ursprungs (z. B. Gelatine-haltige Abschlämme).
Das Hauptanwendungsfeld liegt im weiten Bereich der Klärschlämme aus der
industriellen und kommunalen Abwasserreinigung mittels aerober und/oder anaerober
Behandlungsstufen.
Literatur
[1] 3. GVC-Kongreß am 14.-16. Oktober 1996 in Würzburg:
"Verfahrenstechnik der Abwasser- und Schlammbehandlung", Band 1-3
Herausgeber: GVC VDI-Gesellschaft Verfahrenstechnik und
Chemieingenieurwesen, Postfach 101139, D-40002 Düsseldorf
[2] Patentschrift DE 28 38 386 C2:
"Verfahren zur Entwässerung von organischem Schlamm"
Kurita Water Industries Ltd., Osaka/JP (Offenlegung 3. 1. 1980)
[3] J. Pere. R. Alen, L. Viikari. L. Erikson
"Characterisation and Dewatering of Activated Sludge from the Pulp and
Paper Industry", Water Sci. Tech., Band 28, Nr. 1 (1993), S. 193-201
[4] A. Mustranta, L. Viikari
"Dewatering of Activated Sludge by an Oxidative Treatment", Water Sci.
Techn., Band 28, Nr. 1 (1993), S. 213-221
[5] J. Hermia. G. Gahier, E. Tamagniau, J.P. Wenseleers
"La fikrabilitè de boues urbaines condittionèes au peroxyde d'hydrogène",
Tri. Cebedeau, Band 33, Nr. 444 (1980), S. 469-477
Beispiele
Im Folgenden wird die Erfindung am Beispiel von vollkontinuierlich betriebenen
Anlagen für große Schlammdurchsätze näher beschrieben. Es zeigen:
Fig. 1 Schematisches Fließbild einer Anlage mit jeweils nur einem Mischbehälter in
der Ansäuerung, Oxidation und Kalk-Nachkonditionierung,
Fig. 2 Schematisches Fließbild einer Anlage mit jeweils zwei in Reihe geschalteten
Mischbehältern in der Ansäuerung und Oxidation,
Fig. 3 Prinzipschema einer möglichen Anlagenmodifizierung unter Verwendung von
statischen Mischern für die Ansäuerung sowie die (beginnende) Oxidation und
mit ansonsten nur einem Mischbehälter für die (restliche) Oxidation und für
die Kalk-Konditionierung.
Bei den Fig. 1 und 2 wurde darauf verzichtet, Entgasungsstutzen an den Behältern
zur Ableitung des bei der Ansäuerung freigesetzten Carbonat-CO2 gesondert
darzustellen. Entsprechend wurde in Fig. 3 auf die Darstellung eines Entgasungszyklons
im skizzierten Rohrleitung-Mischer-System verzichtet.
Die mittlere Verweilzeit in den einzelnen Behältern beträgt bei einer
Verfahrensgestaltung gemäß Fig. 1 jeweils ca. 2 h. Gemäß Fig. 1 wird der zuvor eingedickte
Rohschlamm (sogenannter Mischschlamm, bestehend aus VKS und ÜSS, von
beispielsweise 50 g STSo/kg Rohschlamm) in einer Menge von 100 t/h (entsprechend
5 t STSo/h) dem Rührwerksbehälter 1 kontinuierlich zugeführt, in dem die
Ansäuerung mit HCl erfolgt. Zu diesem Zweck wird aus dem HCl-Tank 2 dem zulaufenden
Mischschlamm kontinuierlich technische Salzsäure von 30 Gew.-% HCl zudosiert.
Die Dosierrate wird mittels der pH-abhängigen Regelung 3 so eingestellt, daß im
Behälter 1 ein mit der pH-Elektrode 4 gemessener pH-Wert = 4 aufrecht erhalten
bleibt. Der dafür selbstregelnd zudosierte HCl-Strom beträgt ca. 1500 kg 30%ige
HCl/h. In dem Reaktionsbehälter 5 erfolgt die mit Fe&spplus;&spplus; katalysierte Teiloxidation des
gesäuerten Klärschlamms durch H2O2 aus dem H2O2-Vorratsbehälter 10. Der dem
Behälter 5 zudosierte H2O2-Mengenstrom stellt sich aufgrund der Regelung 8a
selbstregelnd so ein, daß im Reaktionsbehälter 5 ein - dort mit der Meßelektrode 9
erfaßtes - Redoxpotential von z. B. 350 mV (im Fall eines Mischschlamms mittleren
ÜSS-Anteils) aufrechterhalten bleibt. Die zugehörige FeCl2-Katalysatorlösung wird aus
dem FeCl2-Vorratsbehälter 6 über die Leitung 7 bereits mit dem Rohschlammstrom,
d. h. vor dem Rührwerksbehälter 1, der Säuerungsstufe zudosiert. Zu diesem Zweck
ist eine Proportionalregelung 8a/8b vorgesehen, die den FeCl2-Mengenstrom
proportional zum zudosierten H2O2-Mengenstrom nachstellt. Der H2O2-Mengenstrom
beträgt ca. 150 kg H2O2-Lösung (50%ig)/h. Der FeCl2-Mengenstrom beträgt ca. 280 kg
FeCl2-Lösung (20%ig)/h. Die Oxidation im Reaktionsbehälter 5 findet bei
atmosphärischem Druck (1 bar) und einer Temperatur von 20 bis 30°C statt.
Der teiloxidierte Klärschlamm verläßt den Reaktionsbehälter 5 über die Leitung 12
und wird anschließend dem Behälter 13 für die Kalk-Nachkonditionierung zugeführt.
Die Kalkzudosierung in die Leitung 12 erfolgt aus dem Kalkmilch-Vorratsbehälter 14
mit einer pH-abhängigen Regelung 15, wodurch in Behälter 13 ein - mit der pH-
Elektrode 16 gemessener pH-Wert > 9 (z. B. pH = 10) eingehalten wird. Die Kalkmilch
(Calciumhydroxid-Suspension) hat z. B. eine Konzentration von 20 Gew.-% Ca(OH)2.
Die Dosierrate der Kalkmilch beträgt 3000 kg Ca(OH)2-Suspension/h, entsprechend
600 kg Ca(OH)2/h.
Der mit dem konditionierten Klärschlamm aus dem Behälter 13 ausgetragene STSo-
Mengenstrom beträgt - aufgrund der Ausgasungs-, Oxidations- und Lösungsvorgänge - nur
noch ca. 4 t /h. Allerdings ist die Reduktion an Schlammtrockensubstanz (hier
20%) stark schlammabhängig.
Der konditionierte Schlamm von ca. 104 t/h wird schließlich zur Entwässerung in
(hier nicht gezeigte) Filterpressen geleitet. Dabei kann es sich z. B. um
Kammerfilterpressen oder Membranfilterpressen handeln. Der KFP-entwässerte
Klärschlamm-Filterkuchen hat einen Trockensubstanzgehalt von ca. 45 Gew.-%. Im Fall einer MFP-
Entwässerung wird ein Trockensubstanzgehalt von ca. 48 Gew.-% erreicht.
Die Konditionierungsanlage gemäß Fig. 2 - ebenfalls für den vollkontinuierlichen
Betrieb ausgelegt - umfaßt im Gegensatz zur Anlage nach Fig. 1 in der Ansäuerung
und in der Oxidation jeweils zwei hintereinander geschaltete Behälter, d. h. die
Ansäuerung findet in den beiden Reaktionsbehältern 1a und 1b und die katalysierte
Teiloxidation in den beiden Behältern 5a und 5b statt. Die HCl-Zudosierung erfolgt
analog zu Fig. 1. Dabei führt der pH-Wert in Behälter 1b als Zielregelgröße (pH-
Elektrode 4b) den ph-Wert in Behälter 1a (pH-Elektrode 4a) als Zwischenregelgröße
der Dosierpumpe (nach Art einer Kaskadenregelung). Entsprechendes gilt für die
Teiloxidation in den Behältern 5a und 5b, d. h. die H2O2-Zudosierung erfolgt auch hier
analog zu Fig. 1. Dabei führt das Redox-Potential in Behälter 5b als Zielregelgröße
(Meßelektrode 9b) das Redox-Potential in Behälter 5a (Meßelektrode 9a) als
Zwischenregelgröße der Dosierpumpe. Die zugehörige FeCl2-Katalysatorlösung wird
wiederum der Ansäuerungsstufe (vor Behälter 1a) zugeführt; ihre Dosierung erfolgt
auch hier proportional zum selbstregelnd zudosierten H2O2-Mengenstrom
(Proportionalregelung 8a/8b).
Die erforderliche mittlere Verweilzeit in den Behältern 4a und 4b sowie 5a und 5b
beträgt bei einer Verfahrensgestaltung gemäß Fig. 2 nur jeweils ca. 20 min.
Die Kalk-Nachkonditionierung erfolgt in Fig. 2 wie in Fig. 1 in nur einem großen
Behälter 13 mit etwa 2 h mittlerer Verweilzeit. Auch diese Stufe sollte, wenn vor den
nachgeschalteten Filterpressen kein Stapelbehälter vorliegt, besser aus zwei
hintereinander geschalteten kleineren Behältern mit entsprechender Regelung der Kalkmilch-
Zudosierung bestehen.
In Fig. 3 ist eine sinngemäß modifizierte Konditionierungsanlage dargestellt, die
allerdings im Prinzip ähnlich wie eine Anlage gemäß Fig. 1 aufgebaut ist. Die
Ansäuerung des Rohschlamms erfolgt hier nicht in einem Behälter, sondern in einem
ersten statischen Mischer 19, entsprechend auch die FeCl2-Einmischung in einem
statischen Mischer 20. Anschließend wird Wasserstoffperoxid zudosiert und in dem
weiteren statischen Mischer 21 mit dem gesäuerten katalysatorhaltigen Klärschlamm
vermischt, wo die Teiloxidation einsetzt. Der Nachreaktionsbehälter 22 dient dazu,
daß die Teiloxidation gemäß dem bereitgestellten H2O2-Angebot zu Ende kommt. Der
teiloxidierte Klärschlamm wird anschließend im Behälter 23 (analog Fig. 1) mit
Kalkmilch versetzt und danach einer Entwässerungsmaschine zugeführt. Die vereinfachte
Verfahrensvariante in der modifizierten Ausführung gemäß Fig. 3, ggf. ohne
Regelungen in den einzelnen Stufen, d. h. gegebenenfalls mit fixen Dosiermengen betrieben,
kommt für Rohschlämme in Frage, die in Menge und Zusammensetzung (z. B.
Verhältnis ÜSS/VKS) kaum schwanken.