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Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft eine sauerstoffionen- und elektronenleitende damit sauerstoff- permeable dichte Keramikmembran, ein Verfahren zu deren Herstellung sowie deren Verwendung. Die Voraussetzung für eine solche Membran ist eine Leitfähigkeit für Sauerstoffionen, die in der Regel in Oxiden gegeben ist, die kristallographische Leerstellen im Sauerstoffteilgitter aufweisen.

Die Sauerstoff-Ionenleitung in Oxidkeramiken ist als Phänomen seit langem bekannt und wird in der Technik bereits in breitem Maße angewendet (O2-selektive Elektroden, O2-Sensoren, O2--leitende Festelektrolyte, Brennstoffzelle). Voraussetzung der O2--Ionenleitung in einer keramischen kristallinen Phase sind Leerstellen bzw. Vakanzen im Sauerstoff-Teilgitter der zugrundeliegenden Kristallstruktur. Das bekannteste Beispiel ist stabilisiertes Zirkonoxid (YZR, Yttrium Stabilized Zirconia), ein nahezu reiner O2--Ionenleiter mit unterhalb 1000°C vernachlässigbarer Elektronenleitung.

Der Ein- bzw. Austritt des molekularen Sauerstoff in das ionenleitende Material und die damit verbundene Bildung der Sauerstoff-Ionen ist mit der Aufnahme bzw. Abgabe von Elektronen verbunden. Ein Sauerstoff-Ionen leitendes Material ist deshalb nur dann für Sauerstoff permeabel, wenn Elektronen von der Seite mit dem niedrigen Sauerstoff-Partialdruck zur Seite mit dem höheren Sauerstoff-Partialdruck transportiert werden können. Dies kann bei vorwiegend ionisch leitenden Materialien durch Kontaktierung der Oberflächen und den Ladungsausgleich über einen externen Stromkreis erreicht werden.

Wenn das Membranmaterial selbst eine ausreichende Elektronenleitung besitzt, kann der Ladungsausgleich durch das Material selbst erfolgen (innerer Kurzschluß). Derartige ionisch und elektronisch leitende Materialien bezeichnet man als Mischleiter (mixed conductor). Sie ermöglichen den simultanen bzw. gekoppelten Durchtritt von Elektronen und Sauerstoff-Ionen (entgegengesetzte Richtungen) durch den kompakten, gasdichten Festkörper, was sich makroskopisch als Sauerstoff- Permeation durch die Keramik äußert. Stellvertretend seien hier die Arbeiten von Steele u. M. /Steele, B. C. H.: Sol. St. Ionics 63 (1992), 17/ sowie von Doshi u. M. /Doshi, R., Routbort, J. L., Alcock, C. B.: Defect Diffus. For. 127-128 (1995), 39/ genannt, die einen Überblick über den Stand der Technik zu geben versuchen.

Trennt man demnach zwei Gasräume mit unterschiedlichen O2-Konzentrationen durch ein gemischt leitendes Membranmaterial voneinander (gasdicht) ab, so tritt bei ausreichender Temperaturerhöhung aufgrund der temperaturbedingten Steigerung der O2--Diffusion eine O2-Permeation vom Gasraum mit der höheren zu demjenigen mit der niedrigeren O2-Konzentration ein. Da dieser Vorgang auf dem Transport des Sauerstoffs in ionischer Form (O2--Ionen) durch das Kristallgitter des Materials beruht, erlaubt er eine hoch selektive Gasseparation. Das geschilderte Prinzip der Sauerstoffabtrennung durch gemischt leitende Membranen wurde bereits im Jahr 1971 /Spacil et. al.: US 3,630,879/ patentiert, eine industrielle Anwendung scheiterte jedoch bislang an den zu geringen O2-Permeationsraten und der anlagentechnischen Umsetzung.

Potentielle Anwendungsgebiete sind derzeit die Abtrennung von Sauerstoff aus Gasgemischen (Herstellung von Reinstsauerstoff und Inertgasen), die in-situ-Umsetzung des erzeugten Sauerstoffs in elektrochemischen Membranreaktoren (Erdgas → Synthesegas, selektive heterogene Katalyse) sowie die Nutzung des Sauerstoffs für Verbrennungsprozesse (Totaloxidation).

Gegenüber den herkömmlichen kryogenen Verfahren der Reinstgas-Erzeugung werden von der Membranzerlegung erhebliche Einsparungen erwartet. Dies spiegelt sich in einer Vielzahl von Patenten wieder /Bauer, G., Krauss, H., Kuntz, M.: DE 39 21 390/ Lehmann, H.-D.: DE 44 16 134/ Harral, M. W., Ward, J. D: DE 42 21 593/ Lin, C.-Y., Kunkle, R. P., Feduska, W.: US 5,380,467/ Srinivasan, R. S., Thorogood, R. M.: US 5,447,555/ Prasad, R., Bonaquist, D. P.: EP 0 733 589 A2/ Prasad, R., Gottzmann, C. F.: EP 0 743 088 A2/ Strigl, R.: DE 40 27 600/ Thorogod, R. M., Srinvasan, R., Yee, T. F., Drake, M. P.: US 5,240,480/Carolan, M. F., Dyer, P. N.: EP 0 663 232 A2/. Vor allem für dezentrale Anlagen zur Erzeugung hochreiner Gase bieten sich die Membranverfahren an, da die Gase direkt vor Ort erzeugt werden können und die Komprimierung/Lagerung damit entfällt.

Synthesegas wird derzeit in großem Maßstab aus Erdgas (Dampf-Reforming-Prozeß) erzeugt, alternative Verfahrenkonzepte basieren auf der Umsetzung mit reinem Sauerstoff oder Luft. Sie sind derzeit gegenüber dem Dampf-Reforming-Prozeß unwirtschaftlich, da hohe Kosten für die O2-Erzeugung bzw. die kryogene N2-Abtrennung anfallen. Die Anwendung O2-permeabler Membranen/ Cable, T. L., Mazanec, T. J., Frye, J. G.: EP 0 399 833 B1/ Balachandran, U., Poeppel, R. B., Kleefish, M. S., Kobylinski, T. P., Udovich, C. A.: US 5,356,728/ in Verbindung mit Katalysatoren /Balachandran, U., Dusek, J. T., Mieville, R. L., Poeppel, R. B., Kleefish, M. S., Pei, S., Kobylinski, T. P., Udovich, C. A., Bose, A. C.: Appl. Catalysis 133 (1995), 19/ würde diese Umsetzung wirtschaftlich machen, da die in-Situ-Erzeugung von O2 nur geringe Kosten verursacht.

Bei der Verwendung fossiler Energieträger sucht man weltweit nach Möglichkeiten, Erdgas (Dichte ca. 0,7 g/l) besser nutzbar zu machen, weil die natürlichen Vorkommen wesentlich größer sind als beim Erdöl (Dichte 0,79 kg/l). Die Infrastruktur ist auf Erdöl ausgerichtet, deshalb wird nach Möglichkeiten zur preiswerten Verflüssigung des Erdgases gesucht. Im Labormaßstab und in Pilotanlagen wurden mit elektrochemischen Membranreaktoren (O2-permeable Membranen) Ausbeuten von mehr als >97% Methanol erreicht/ Balachandran, U., Poeppel, R. B., Kleefish, M. S., Kobylinski, T. P., Udovich, C. A.: US 5,356,728/.

Die Totaloxidation von Kohlenwasserstoffen in Abgasen bzw. deren Nachverbrennung unter Zuführung reinen Sauerstoffs wurde bislang in der Literatur nicht bearbeitet. Die Zuführung reinen Sauerstoffs erhöht die Effektivität von Verbrennungsprozessen beträchtlich. Abgesehen von der meist bereits vorhandenen katalytischen Aktivität der gemischt leitenden Oxidkeramiken können diese als sauerstoffpermeable Membran und gleichzeitig als Katalysatorträger eingesetzt werden. Die notwendige Prozeßtemperatur der keramischen Membran wird durch die freiwerdende Verbrennungswärme erzeugt und kann wie üblich energetisch genutzt werden (Wärmetauscher). Gegenüber der Zuführung von Verbrennungsluft (78 Vol% N2) sollte eine erhebliche Reduktion der NOx-Bildung erreicht werden, da dem Prozeß kein Luftstickstoff zugeführt wird. Die derzeit durch den NOx-Ausstoß limitierten Verbrennungstemperaturen könnten erhöht werden, woraus ein höherer Wirkungsgrad energietechnischer Anlagen resultiert. Da die verwendeten Materialien (Perowskite ABO3-y) über einen weiten Bereich der Sauerstoff-Stöchiometrie stabil sind, können sie kurzeitige Schwankungen des O2-Partialdrucks durch Abgabe/Aufnahme von materialeigenem Sauerstoff ausgleichen. Eine Erniedrigung des O2-Partialdrucks im Reaktionsraum führt über die Abgabe des materialeigenen Sauerstoffs zu einer deutlich erhöhten O2-Permeation (und umgekehrt), wodurch in gewissen Grenzen eine selbsttätige Regulierung erreicht wird.

Publikationen und Patente konzentrieren sich bis in die Gegenwart vorzugsweise auf die Steigerung der O2-Permeation. Neben der häufig im Vordergrund stehenden Materialoptimierung/ Strigl, R.: DE 40 27 600/ Cable, T. L., Mazanec, T. J., Frye, J. G.: EP 0 399 833 B1/ Balachandran, U., Kleefish, M. S., Kobylinski, T. P., Morisette, S. L., Pei, S.: WO 9424065 A/ Liu, M., Joshi, A. V., Shen, Y., Krist, K., Wirkar, A. V.: US 5,478,444/ ten Elshof, J. E., Bouwmeester, H. J. M., Verwej, H.: Sol. St. Ionics 89 (1996), 81/ wurden konstruktive Maßnahmen zur Verringerung des O2--Diffusionsweges (geringe Membrandicken)/ Gharbage, B., Henault, M., Pagnier, T., Hammou, A.: Mater. Res. Bull. 26 (1991), 1001/ Chen, C. H., Kruidhof, H., Bouwmester, H. J. M., Burggraaf, A. J.: Mater. Sc. Engeneer. B39 (1996), 129/ Yao, T.: WO 9628386 A1/ und zur Verbesserung der Austauschkinetik zwischen der Gasphase und der Keramikoberfläche (poröse Trägerschichten, große spezifische Oberfläche, Katalysatorbelegung) vorgeschlagen/ Carolan, M. F., Dyer, P. N.: EP 0 663 232 A2/ Bouwmester, H. J. M., Kruidhof, H., Burggraaf, A. J.: Sol. St. Ionics 72 (1994), 185/ Kilner, J. A., De Souza, R. A., Fullarton, I. C.: Sol. St. Ionics 86-88 (1996), 703/.

Die in der Literatur bislang beschriebenen gemischt leitenden Materialien erreichen bei Temperaturen von 700°C bis 800°C Sauerstoff-Diffusionskoeffizienten von maximal 10-6 cm2/s. In Verbindung mit relativ hohen Membrandicken von über 30 µm werden relativ geringe Permeationsraten erreicht, die eine technologische Anwendung bislang weitgehend verhindern. Bei den eingesetzten Verbindungen handelt es sich vorzugsweise um Perowskite mit hohen Anteilen an SE-Elementen (SE - seltene Erden). Obwohl der starke Einfluß der Vakanzkonzentration auf die ionische Leitfähigkeit von festen Ionenleitern bzw. die Ionendiffusion zum Grundwissen der Festkörperchemie und -physik gehört, wird nur in wenigen aktuellen Arbeiten der Einfluß der O2--Vakanzen diskutiert. Unabhängig von den Untersuchungen zur O2-Permeation wurde jedoch mehrfach gezeigt, daß hoch SE-haltige Perowskite nur sehr geringe Sauerstoffdefizite (ABO3-y; y ≤ 0,05), manchmal sogar Sauerstoffüberschuß aufweisen/ Petrov, A. N., Cherepanov, V. A., Kononchuk, O. F., Gavrilova, L. Y.: J. Sol. St. Chem. 87 (1990), 69/ Lankhorst, M. H. R., Bouwmester, H. J. M.: J. Elektrochem. Soc. 144 (1997), 1261/. Die in der Literatur bislang untersuchten SE-Perowskite erscheinen unter diesem Gesichtspunkt als wenig geeignet. Oxide mit hohen O2--Vakanzkonzentrationen sind relativ selten beschrieben worden. Die Untersuchung der Vakanzbildungs-Mechanismen wurde erst in den letzten Jahren wesentlich vorangetrieben und stützt sich vor allem auf thermogravimetrische Untersuchungen in Abhängigkeit von Temperatur und O2-Partialdruck/ Mizusaki, J., Mima, Y., Yamauchi, S., Fueki, K.: J. Sol. St. Chem. 80 (1989), 102/ Mizusaki, J., Tagawa, H.: Sol. St. Ionics 49 (1991), 111/. Die Konzentration der O2--Vakanzen beeinflußt sehr stark die O-Diffusionsgeschwindigkeit. Zusammen mit der partialdruckabhängigen Redoxstabilität der Verbindungen wird dadurch die optimale Einsatztemperatur der Materialien festgelegt.

Ein Verfahren zur Trennung von Sauerstoff aus sauerstoffhaltigen Gasen wird von Cable u. M. Cable, T. L., Mazanec, T. J.: EP 0 705 790 A1 beschrieben. Für die mischleitenden Schichten wird im Unterschied zur vorliegender Erfindung ein Kobaltat mit Perowskitstruktur der allgemeinen Zusammensetzung A1-xA'xCo1-y-zByB'zO3-δ verwendet. In DE 42 21 593 A1 wird ein manganfreier Perowskit der Zusammensetzung La1-xSrxCo1-yFe(Ni)yO3-δ verwendet, in EP 0 438 902 A die Zusammensetzung La0,2Sr0,8Fe0,8Cr0,1Co0,1Ox. In DE 44 06 276 wird Anspruch auf die Zusammensetzung (La1-x-yA1-xBy)z(Mn1-uCu)vOD-δ erhoben, wobei der Gesamtgehalt an Lanthaniden (La + A) mindestens 0,4 (y ≤ 0,6) betragen muß. In der vorliegenden Erfindung darf der Gehalt an Lanthaniden maximal x = 0,4 betragen, bevorzugt wird auf die Einführung von Lanthaniden verzichtet.

In EP 0 438 902 A2, EP 0 673 675 A und US 5,478,444 werden sauerstoffpermeable Membranen beschrieben, die aus einer oder mehreren ionisch leitenden Phasen und einer oder mehreren elektronisch leitenden Phasen bestehen. Im Gegensatz hierzu beschreibt die vorliegende Erfindung ein Membranmaterial, das einphasig vorliegt.

Thorogood u. M./ Thorogood, R. M., Srinivasan, R., Yee, T. F., Drake, M. P.: US 5,240,480/ beschreiben den mikroporösen Aufbau einer Mehrschichtmembran aus porösem Träger und dichter, dünner, gemischt leitender Schicht. Der Patentanspruch erstreckt sich auf den speziellen mikroporösen Aufbau, da dieser zu einer optimierten Permeation (Optimum zwischen kinetisch und diffusiv kontrolliertem Prozeß) bei allen gemischt leitenden Materialien führen soll. EP 0 732 139 A2 beschreibt einen modularen Aufbau von rohrförmigen sauerstoffpermeablen Membranen. Diese Ansprüche werden von der vorliegenden Erfindung nicht berührt.

EP 0 663 231 A2, EP 0 663 232 A2 und US 5,534,471 beschreiben die Kombination einer sauerstoffpermeablen Membran mit einem Katalysator, der aus einem Metall oder einem Metalloxid gebildet wird. Diese Offenbarung wird durch die vorliegende Erfindung nicht berührt.

Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, unter Beseitigung der Mängel des Standes der Technik bei einer Membran der eingangs beschriebenen Art, den Sauerstoffdiffusionskoeffizienten insbesondere bei niedrigen Temperaturen so zu steigern, daß Sauerstoffpermeationsraten erreicht werden, die eine technische Nutzung ermöglichen.

Diese Aufgabe wird durch die in den Patentansprüchen beschriebene Erfindung gelöst.

Die vorliegende Erfindung erhebt Anspruch auf ein Membranmaterial der Zusammensetzung (S1-xCax)1-yAyMn1-zBzO3-δ, in der A steht für Ba, Pb, Na, K, Y oder Elemente der Lanthanidengruppe oder eine Kombination dieser Elemente, in der B steht für Mg, Al, Ga, In, Sn oder Elemente der 3d-Periode oder der 4d-Periode oder eine Kombination dieser Elemente, mit Werten für x von 0,2 bis 0,8, Werten für y von 0 bis 0,4, Werten für z von 0 bis 0,6 und Werten für δ, die sich aus der Einhaltung des Elektroneutralitätsprinzips ergeben.

Das Membranmaterial ist abgeleitet von der bei Normalbedingungen metastabilen kubischen Hochtemperaturphase des Strontiummanganats β-SrMnO3-δ, die bereits bei niedrigen Temperaturen eine hohe Sauerstoff-Diffusion aufweist (220°C, D ≈ 10-7 cm2/s), jedoch unter Sauerstoffzutritt oberhalb 750°C in die Tieftemperatur- Modifikation α-SrMnO3 mit wesentlich geringerer Diffusionsgeschwindigkeit übergeht. Aufgrund der exponentiellen Zunahme der Diffusionsgeschwindigkeit mit steigender Temperatur werden im Vergleich zu den bislang bekannten Materialien bei den üblichen Anwendungstemperaturen (800 bis 1200°C) erhebliche höhere Diffusionskoeffizienten (10-5-10-3 cm2/s) bzw. eine Herabsetzung der Anwendungstemperatur erreicht, wenn die Stabilisierung der Hochtemperaturphase gelingt. Zusammen mit der Verringerung der Membranschichtdicke auf bis zu 1 µm sind damit erstmals Permeationsraten bis zu 10 l.m-2.s-1 möglich, die die Voraussetzung für eine technologische Anwendung bilden.

Die kubische Hochtemperaturphase mit Perowskitstruktur wird erfindungsgemäß durch die teilweise Substitution des Strontiums und/oder des Mangans stabilisiert und hinsichtlich der Diffusion optimiert. Erfindungsgemäß werden kubische Perowskitphasen erhalten, die von Raumtemperatur bis zum Schmelzpunkt keine Phasenumwandlung aufweisen und thermodynamisch stabil sind. Für die optimierten Materialien werden bei 1000°C Diffusionskoeffizienten von 10-5 cm2/s erhalten.

Die Erfindung wird nachstehend durch drei Ausführungsbeispiele für den Werkstoff der Keramikmembran und ein Ausführungsbeispiel für das Herstellungsverfahren dieser Keramikmembranen näher erläutert.

Die beigefügte Zeichnung zeigt die Wirksamkeit einer teilweisen Substitution von Strontium durch Calzium entsprechend dem nachfolgenden Beispiel 1 für den Werkstoff der Keramikmembran hinsichtlich des Sauerstoffdiffusionskoeffizienten.

Beispiele für den Werkstoff der Keramikmembran Beispiel 1 Strontium wird teilweise durch ein kleineres A-Kation ersetzt

Ca2+ wird zur Synthese von Sr1-xCaxMnO3-δ eingesetzt, wobei x zwischen 0,2 und 0,8 variiert werden kann. Ab einer Kalzium-Konzentration von x = 0,5 wird die oben beschriebene Phasenumwandlung β-SrMnO3 zu α-SrMnO3 unterdrückt. Als Rohstoffe werden die Carbonate entsprechend der angestrebten Zusammensetzung eingesetzt, vermahlen und bei 1200°C kalziniert. Anschließend wird erneut aufgemahlen und für die Bestimmung des O2--Diffusionskoeffizienten zu Tabletten verpreßt. Diese werden bei 1400°C im Argonstrom 4 Stunden gesintert, wobei eine Enddichte von >95% der Theorie erreicht wird. Abb. 1 zeigt die Abhängigkeit des Sauerstoff- Diffusionskoeffizienten von der Zusammensetzung und der reziproken Temperatur. Während die Sauerstoff-Diffusion an reinem β-SrMnO3 lediglich bis ca. 700°C gemessen werden kann, sind die stabilisierten Materialien bis 1000°C meßbar. Die Phasenstabilisierung kann durch alternative Ionen erreicht bzw. unterstützt werden, so daß eine Verbindung der allgemeinen Zusammensetzung (Sr1-xCax)1-yAyMnO3-δ gebildet wird, wobei A für Ba, Pb, Na, K, Y oder Elemente der Lanthanidengruppe steht.

Beispiel 2 Mangan wird teilweise durch ein größeres B-Kation, nämlich Cu, ersetzt

Zur Stabilisierung der kubischen Perowskitphase kann auf einen Teil des Kalziums verzichtet werden, wenn ein Teil des Mangan durch ein etwas größeres B-Kation wie beispielsweise Cu3+ ersetzt wird. Für die Zusammensetzungsreihe (Sr1-xCax)1-yAyMn1-zBzO3-δ mit einem Substituionsgrad von z = 0,3 wird bereits bei x = 0,4 die Stabilitätsgrenze der Hochtemperaturphase erreicht. Das Material der Zusammensetzung Sr0,6Ca0,4Mn0,7Cu0,3O3-δ wird analog zu Beispiel 1 aus den Rohstoffen hergestellt. Es entsteht eine stabile kubische Perowskitphase mit einem Sauerstoff-Diffusionskoeffizienten von 10-5 cm2/s bei 1000°C.

Beispiel 3 Strontium und Mangan werden gleichzeitig teilweise ersetzt

Es entsteht eine Verbindung der allgemeinen Formel (Sr1-xCax)1-yAyMn1-zBzO3-δ.

Ausführungsbeispiel für das Herstellungsverfahren

Als Beschichtungsverfahren für poröser Träger wird das slip-casting, alternativ die Elektrophorese angewendet. Zur Erzeugung mikro- und nanokristalliner Pulver für die vorgenannten Beschichtungsverfahren kann die Mischfällung aus der Lösung der Komponenten eingesetzt werden. Bevorzugt wird jedoch die Flammenpyrolyse der in organischen Lösungsmitteln gelösten Komponenten in der turbulenten Knallgasflamme und die anschließende Abtrennung im Elektrofilter angewendet. Es werden Pulver mit Teilchendurchmessern im Bereich von 20 bis 50 nm (BET-Messung) erhalten. Als direkte Beschichtungsverfahren können weiterhin die Sol-Gel-Technik, die Spray-Pyrolyse, das thermische Spritzen und die konventionellen PVD/CVD-Verfahren Anwendung finden.


Anspruch[de]
  1. 1. Eine sowohl Sauerstoffionen als auch Elektronen leitende und damit sauerstoffpermeable dichte Keramikmembran der Zusammensetzung (Sr1-xCax)1-yAyMn1-zBzO3-δ, in der A steht für Ba, Pb, Na, K, Y oder Elemente der Lantanidengruppe oder eine Kombination dieser Elemente, in der B steht für Mg, Al, Ga, In, Sn, oder Elemente der 3d-Periode oder 4d-Periode oder eine Kombination dieser Elemente, mit Werten für x von 0,2 bis 0,8, Werten für y von 0 bis 0,4, Werten für z von 0 bis 0,6 und Werten für δ, die sich aus der Einhaltung des Elektroneutralitätsprinzips ergeben.
  2. 2. Eine sauerstoffpermeable Membran aus einem Mehrphasengemisch elektronisch und/oder ionisch leitender Phasen, die mehr als 10 Vol% des Membranmaterials gemäß Anspruch 1 enthält.
  3. 3. Eine sauerstoffpermeable Membran gemäß Anspruch 1, die auf einem porösen Supportmaterial aufgebracht wird, dessen Porenanteil im Bereich von 10% bis 85% liegt.
  4. 4. Eine sauerstoffpermeable Membran gemäß Anspruch 1, deren Oberfläche einseitig oder beidseitig mit einem Katalysator belegt ist, um die Austauschkinetik mit der Gasphase oder die Umsetzung gasförmiger Stoffe in der Gasphase zu katalysieren.
  5. 5. Verfahren zur Herstellung einer sauerstoffpermablen Membran gemäß Anspruch 1 bis 4 aus den metallhaltigen Rohstoffen durch eine Temperaturbehandlung oberhalb 500°C sowie der Kombination einer solchen Temperaturbehandlung mit Verfahren zur Abscheidung dünner Schichten wie dem slip-casting, der elektrophoretischen Abscheidung, einem Sol-Gel-Prozeß, einem CVD- bzw. PVD-Verfahren oder einem Spray- bzw. Flammenpyrolyseverfahren.
  6. 6. Verfahren gemäß Anspruch 5 in Kombination mit reduzierender, oxidierender oder inerter Gasatmosphäre zur Optimierung des Sinterverhaltens der sauerstoffpermeablen Membran entsprechend Anspruch 1 bis 4.
  7. 7. Gewinnung von Sauerstoff aus sauerstoffhaltigen, stehenden oder strömenden Gasgemischen, indem die Sauerstoffpermeation aus einem Gasraum 1 mit einem höheren Sauerstoffpartialdruck p1 in einen Gasraum 2 mit einem niedrigeren Sauerstoffpartialdruck p2 im Temperaturbereich von 500°C bis 1500°C genutzt wird und beide Gasräume durch die sauerstoffpermeable Membran gemäß Anspruch 1 bis 4 separiert sind.
  8. 8. Einsatz einer sauerstoffpermeablen Membran gemäß Anspruch 1 bis 4 und die Verwendung des gemäß Anspruch 7 erzeugten Sauerstoffs für chemische Reaktionen in einem der Gasräume.
  9. 9. Einsatz einer sauerstoffpermeablen Membran gemäß Anspruch 1 bis 4 und die Verwendung des gemäß Anspruch 7 erzeugten Sauerstoffs für die Totaloxidation im Gasraum 2.
  10. 10. Verringerung des Sauerstoffpartialdruckes sauerstoffhaltiger, stehender oder strömender Gasgemische, indem die Sauerstoffpermeation aus einem Gasraum 1 mit einem höheren, zu erniedrigenden Sauerstoffpartialdruck p1 in einen Gasraum 2 mit einem niedrigeren Sauerstoffpartialdruck p2 im Temperaturbereich von 500°C bis 1500°C genutzt wird und beide Gasräume durch die sauerstoffpermeable Membran gemäß Anspruch 1 bis 4 separiert sind.
  11. 11. Einsatz der sauerstoffpermeablen Membran gemäß Anspruch 1 bis 4 und der Verringerung des Sauerstoffpartialdruckes gemäß Anspruch 10 für chemische Reaktionen in einem der Gasräume.
  12. 12. Einsatz der sauerstoffpermeablen Membran gemäß Anspruch 1 bis 4 und der Verringerung des Sauerstoffpartialdruckes gemäß Anspruch 10 zur Herstellung hochreiner sauerstoffarmer Gase.






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