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Dokumentenidentifikation DE19531480C2 21.06.2000
Titel Verfahren zum Überziehen von Porzellan- oder Keramikgegenständen
Anmelder Graf, Michael, 95158 Kirchenlamitz, DE
Erfinder Graf, Michael, 95158 Kirchenlamitz, DE
Vertreter Götz, Küchler & Dameron, 90402 Nürnberg
DE-Anmeldedatum 25.08.1995
DE-Aktenzeichen 19531480
Offenlegungstag 27.02.1997
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 21.06.2000
Veröffentlichungstag im Patentblatt 21.06.2000
IPC-Hauptklasse C04B 33/34
IPC-Nebenklasse C04B 41/87   

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Überziehen von gebrauchsfertigen, handelsüblichen Porzellan- oder Keramikgegenständen, deren Außenfläche mit einer Glasur versehen ist.

Bei bekannten Gebrauchsgegenständen aus Porzellan oder Keramik dient die Glasur oder der glasige Überzug auf Keramik, der die natürliche Rauhigkeit des Scherbens beseitigt (vgl. Gustav Weiss: "Keramik-Lexikon" Frankfurt/Main, 1991), als gestalterisches Element zur Farbgebung und Oberflächenstrukturierung. Diese sind von wesentlicher Bedeutung für die Wertschätzung und den Kaufentschluß des potentiellen Kunden. Bekannt sind insbesondere von Rissen durchzogene Glasuren, sogenannte "Craquelée-Glasuren", die auf Spannungsunterschiede zwischen Glasur und Scherben zurückzuführen sind (vgl. Weiss aaO).

Darüber hinaus ist aus der deutschen Offenlegungsschrift 35 07 175 ein Dachziegel bekannt, bei dem auf einem Substrat aus Ziegelton eine wasserdichte Beschichtung aufgebracht ist, die aus einer glasartigen Zwischenschicht und einer darauf aufgetragenen Engobeschicht besteht. Hierbei ist darauf zu achten, daß die Engobeschicht etwa denselben Wärmeausdehnungskoeffizient aufweist wie der als Ziegelmaterial verwendete Ton, so daß sich während des Brennvorgangs keinerlei Risse od. dgl. bilden können, was sich einerseits günstig auf die Wasserundurchlässigkeit der Dachziegel auswirkt. Andererseits läßt sich demzufolge auch die Oberfläche der Engobeschicht nicht anders gestalten als die des Dachziegels selbst, so daß ein künstlerischer Effekt sich mit diesem Verfahren nicht erzielen läßt.

Nach alledem besteht ein beachtliches Bedürfnis nach weiteren Gestaltungsmöglichkeiten für die Oberflächenstrukturen von Keramik- und Porzellangegenständen, wobei ein großer Variationsreichtum mit möglichst für jeden Kunden individueller Formgebung ermöglicht sein soll.

Zur Lösung dieser Problematik wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art erfindungsgemäß vorgeschlagen, daß auf die Glasur Schlicker oder Tonbrei aufgebracht und das so beschichtete Erzeugnis gebrannt wird. Im Zuge des Brennens wird die aufgebrachte Masse in einen Scherben überführt. Mit der Erfindung wird also der bisher bekannte Weg, Spannungsunterschiede zwischen Glasur und Scherben auszunützen, verlassen. Statt dessen werden die Spannungsunterschiede zwischen der Glasur und der darauf aufgebrachten Schlicker-Masse ausgenutzt.

Mit der Erfindung lassen sich vorteilhaft dreidimensionale Oberflächenstrukturen - und topographien erzeugen, deren Risse für den Betrachter reizvolle Formkontraste und Konturen in mannigfaltigen Variationsmöglichkeiten ergeben. Vor allem läßt es sich erreichen, für jeden mit Schlicker beschichteten und danach gebrannten Gegenstand ein individuelles Oberflächenmuster zu erzeugen.

Weitere Einzelheiten, Vorteile und Merkmale auf der Basis der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung mit bevorzugten Ausführungsbeispielen der Erfindung sowie anhand der Zeichnungen. Diese zeigen in:

Fig. 1 in schematischer Seitenansicht ein glasiertes Erzeugnis mit einem Werkzeug zur Durchführung der Erfindung,

Fig. 2-Fig. 4 eine Vase bzw. Teller mit erfindungsgemäß hergestellten Oberflächenstrukturen.

Als Trägermaterial für den aufzubringenden Schlicker oder sonstigen Tonbrei dienen gebrauchsfertige, handelsübliche Porzellan- oder Keramikteile in verschiedenartigsten Formen, die glasiert oder mit einem glasurähnlichen Überzug versehen sind. Dieser beseitigt insbesondere auf Keramik die natürliche Rauhigkeit des Scherbens.

Gemäß Fig. 1 ist ein glasiertes Keramikgefäß 1 auf einer Drehscheibe 2 aufgesetzt, die um die senkrechte Achse 3 im Uhrzeigersinn 4 rotiert. Auf die Außenfläche des Keramikgefässes 1 ist eine Druckluft-Sprühpistole 5 gerichtet, in deren Sprühmaterial-Voratsbehälter 6 sich Schlicker, d. h. mit Wasser angemachter Tonbrei (Masse) ausreichender Viskosität befindet. Diese Masse ist eine gut verarbeitbare Tonmischung, die im Brand einen Scherben mit bestimmten Eigenschaften ergibt. Die Masse im Vorratsbehälter 6 kann nur aus einem einzigen Ton bestehen, sie kann aber auch aus mehreren Tonen und Magerungsmitteln zusammengesetzt sein. Die Druckluftpistole 5 stellt ein sogenanntes "Air-Brush-System" dar, das es ermöglicht, flüssigen oder zähflüssigen Porzellan- oder Keramikschlicker mittels Druckluft oder eines anderen Transportfluids auf das Keramikgefäß 1aufzubringen. Dem im Vorratsbehälter 6 befindlichen Schlicker 7 kann zusätzlich eine gebrauchsfertige Glasur zugemischt sein, um dem Keramikgefäß 1 nach dem Besprühen und Brennen eine glattere Oberfläche zu verleihen. Der Luftdruck, mit dem die Sprühpistole 5 arbeitet, muß so groß sein, daß der flüssige oder zumindest zähflüssige Schlicker 7 vom Strahl aus der Sprühpistole 5 auf der Außenfläche des Keramikgefässes 1 haftet.

Anschließend wird das Keramikgefäß 1 getrocknet und zum Brennen, d. h. Überführen der Schlickermasse auf der Außenfläche des Keramikgefässes 1 in einen Scherben, gegeben. Nach einer besonderen Ausbildung der Erfindung wird das Keramikgefäß 1 nach dem Brand erneut glasiert und nochmals gebrannt.

Die wesentliche Wirkung dieses erfindungsgemäßen Verfahrens besteht im Erzielen eines analogen "Craquelée-Effekts": Bei der Vase gemäß Fig. 2 oder dem Teller gemäß Fig. 3 ist nach dem Brennen eine von Rissen 8 durchzogene, dreidimensionale Oberflächenstruktur entstanden, die jedem erfindungsgemäß behandelten Erzeugnis ein eigenes bzw. individuelles Erscheinungsbild gibt. Gemäß Fig. 4 ist lediglich der Randbereich 9 eines Tellers 10 mit Schlicker beschichtet worden, so daß sich nach dem Brennen nur in diesem Randbereich 9 die Craquelée-Risse 8 bilden.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zum Überziehen von gebrauchsfertigen, handelsüblichen Porzellan- oder Keramikgegenständen (1), deren Außenfläche mit einer Glasur versehen ist, dadurch gekennzeichnet, daß auf die Glasur Schlicker (7) oder Tonbrei aufgebracht und das so beschichtete Erzeugnis gebrannt wird.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein Porzellan- oder Keramik-Schlicker (7) verwendet wird.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß zum Aufbringen des Schlickers (7) eine mit Druckluft arbeitende Sprühpistole (5) verwendet wird.
  4. 4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß als Schlicker (7) ein aus mehreren Tonen und/oder Magermitteln zusammengesetzter Tonbrei verwendet wird.
  5. 5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß ein Schlicker (7) mit Glasurzusatz verwendet wird.
  6. 6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem Schlicker-Aufbringen und vor dem Brennen der Auftrag getrocknet wird.
  7. 7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Erzeugnis (1) nach dem Brennen erneut glasiert und nochmals gebrannt wird.
  8. 8. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß vor dem Aufbringen des Schlickers (7) das Erzeugnis (1) farblich behandelt wird.






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