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Dokumentenidentifikation DE19632092C2 27.07.2000
Titel Maschinenstickverfahren
Anmelder Madeira Asia Pte. Ltd., Singapur, SG
Erfinder Pang Kim Kwang, Ricky, Singapore, SG
Vertreter Prietsch, R., Dipl.-Ing., Pat.-Anw., 80687 München
DE-Anmeldedatum 08.08.1996
DE-Aktenzeichen 19632092
Offenlegungstag 12.02.1998
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 27.07.2000
Veröffentlichungstag im Patentblatt 27.07.2000
IPC-Hauptklasse D05C 17/00
IPC-Nebenklasse D06B 9/00   

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum maschinellen Versehen eines Artikels mit einer Reliefstickerei durch Auflegen eines wasserlöslichen Unterlagsmaterials auf diesen Artikel vor dem Sticken und Auflösen des Unterlagsmaterials in einem Wasserbad nach dem Sticken.

Es ist seit langem bekannt, Artikel aus textilem Gewebe, Leder, Kunststoff und dergleichen maschinell mit einem gestickten Motiv zu versehen. Das gestickte Motiv ist nur wenig erhaben über die Fläche des Artikels. Soll das Motiv besonders prägnant aus der Fläche des Artikels hervortreten, verwendet man hingegen ein Reliefstickverfahren.

Ein deutlich erhabenes, also reliefartig aus der Ebene des Artikels hervortretenden Motiv erhält man nach einem bekannten Verfahren dadurch, dass man auf den Artikel vor dem Sticken eine flächige Unterlage geeigneter Dicke, häufig einen dünnen Schaumstoff, auflegt. Beim anschliessenden Sticken wird zumindest längs der Konturen des Motivs die Folge der Stickstiche (entweder bereits während des Stickens oder in einem letzten Stickgang ohne Stickgarn) so eng gewählt, dass das über die Motivkonturen überstehende Unterlagsmaterial sich wegen seiner starken Perforierung anschliessend leicht abtrennen lässt. Dieses bekannte Verfahren zur Erzeugung einer Reliefstickerei ist jedoch zeitaufwendig, vor allem bei komplexen Motiven mit zahlreichen Konturen, denn das überstehende Unterlagsmaterial muss von Hand entfernt werden und fällt dabei auch in Form von kleinen und kleinsten Fragmenten an, dies jedoch bei der Serienproduktion solcher Reliefstickereien in großen Mengen, die zum Teil auch Entsorgungsprobleme bereiten.

Aus der DE 43 43 230 A1 ist es bekannt, als Unterlage eine oder mehrere Lagen Gelatinefolie zu verwenden. Zu deren Entfernung wird der bestickte Artikel dann in ein Wasserbad eingelegt. Dies ist jedoch keine für die Herstellung von Artikeln mit Reliefstickerei im industriellen Maßstab brauchbare Alternative zu dem zuvor geschilderten Verfahren, denn wie es in der genannten Druckschrift ausdrücklich heißt, dauert es schon bei Verwendung nur einer Lage Gelatinefolie etwa 36 Stunden, bis sich diese Gelatinefolie aufgelöst hat.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der einleitend angegebenen Gattung zu schaffen, das zeitsparender und kostengünstiger als das bisher bekannte Reliefstickverfahren ist.

Diese Aufgabe ist erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß das Unterlagsmaterial aus Papier (insbesondere Reispapier) oder Pappe besteht und daß das Auflösen des Unterlagsmaterials im Wasserbad mittels Ultraschall- und Wärmeeinwirkung unterstützt wird.

Die Erfindung stellt damit erstmals ein im industriellen Maßstab brauchbares Verfahren zur Erzeugung einer Reliefstickerei auf einem Artikel zur Verfügung. Gegenüber dem bekannten Verfahren, das mit Schaumstoff als Unterlagsmaterial arbeitet, hat das Verfahren nach der Erfindung den Vorteil, daß nahezu beliebig komplizierte Motive mit zahlreichen kleinen, jedoch reliefartig hervortretenden Motivelementen bestickt werden können. Ein weiterer Vorteil besteht darin, daß sich unter der fertigen Reliefstickerei keinerlei Unterlagsmaterial mehr befindet, während der bisher verwendete Schaumstoff unter der Reliefstickerei verblieb und sich im Laufe des Gebrauchs des Artikels, z. B. beim Waschen oder chemischen Reinigen, zersetzte und in Form von kleinen Partikeln die Reinigungsflotte und den Artikel selbst verschmutzte. Gegenüber dem mit Gelatinefolie arbeitenden, bekannten Verfahren hat das Verfahren nach der Erfindung den Vorteil, daß das Unterlagsmaterial preiswert und chemisch neutral ist, sowie sich - anders als aufgelöste Gelatine - aus dem Wasserbad mit physikalischen Methoden abscheiden läßt, so daß der Wasserverbrauch erheblich sinkt und kein belastetes Abwasser anfällt. Ggfs. kann bei dem Verfahren nach der Erfindung sogar mit einem geschlossenen Wasserkreislauf gearbeitet werden. Der Hauptvorteil des vorgeschlagenen Verfahrens besteht aber in dessen industrieller Anwendbarkeit, da sich die Zeit zum Herauslösen des Unterlagsmaterials unter der Reliefstickerei von 36 und mehr Stunden auf wenige Minuten verkürzt.

Das Auflösen und Ausspülen des Unterlagsmaterials läßt sich gemäß Anspruch 2 dadurch noch weiter beschleunigen, daß in dem Wasserbad eine Strömung, insbesondere eine turbulente Strömung, erzeugt wird.

Das Verfahren nach der Erfindung wird nachfolgend anhand der Zeichnung näher erläutert, die in schematisierter Form ein nicht beschränkendes Ausführungsbeispiel veranschaulicht. Es zeigt:

Fig. 1 eine Aufsicht auf ein Stoffstück mit einem in konventioneller Technik gestickten Motiv,

Fig. 2 dasselbe Stoffstück, jedoch mit auf einen Teil des Motivs aufgelegtem Unterlagsmaterial,

Fig. 3 dasselbe Stoffstück, jedoch nach dem Aufsticken des Buchstabens "D" im Bereich des Unterlagsmaterials,

Fig. 4 das in ein Ultraschallbad verbrachte Stoffstück,

Fig. 5 eine im Bereich der Reliefstickerei geschnittene, stark vergrösserte und vereinfachte Seitenansicht des Stoffstücks,

Fig. 6 eine geschnittene Seitenansicht eines nicht stickfesten Gewebes vor der Erzeugung der Reliefstickerei und

Fig. 7 dieselbe Seitenansicht wie Fig. 6, jedoch nach dem Erzeugen der Reliefstickerei.

Fig. 1 zeigt einen Artikel in Form eines stickfesten Stoffstücks 1, auf das maschinell ein aus einem quadratischen Rahmen und der Ziffer "3" bestehendes Motiv in konventioneller, "planer" Sticktechnik aufgestickt wurde.

Um dieses Motiv mit einem reliefartig hervortretenden Buchstaben "D" zu ergänzen, wird gemäss Fig. 2 auf den entsprechenden Flächenbereich ein Unterlagsmaterial 2 aufgelegt. Das Unterlagsmaterial kann aus Reispapier bestehen. In der Regel sind mehrere Lagen Reispapier erforderlich, um der Reliefstickerei die gewünschte Erhabenheit zu geben. Versuche haben ergeben, daß mit bis zu dreißig Lagen gearbeitet werden kann, wenn das Reliefmotiv z. B. um knapp einen Millimeter aus der Fläche des Artikels hervortreten soll. Mit anderen Unterlagsmaterialien wird analog verfahren.

Anschliessend wird an der vorgegebenen Stelle der Buchstabe "D" gestickt. Die Sticktechnik ist als solche bekannt. In der Regel wird mit entsprechend verringerter Spannung des Oberfadens gearbeitet. Übliche Stickmaschinen erlauben dann eine Erhabenheit bis zu rund einem Millimeter.

Der fertige Artikel, in diesem Fall das Stoffstück 1, wird in ein Wasserbad verbracht. Das Wasser löst das geeignet gewählte Unterlagsmaterial auf. Dieser Vorgang kann erheblich Unterstützt und beschleunigt werden, in dem man in dem Wasserbad eine Strömung, vorzugsweise eine turbulente Strömung, erzeugt. Besonders bewährt hat sich ein beheizbares und mit Ultraschall beaufschlagbares Wasserbad 5 wie in Fig. 4 angedeutet. Der Artikel verbleibt in dem Lösungsmittel so lange, bis das Unterlagsmaterial 2 vollständig aufgelöst und in Suspension gegangen ist. Die Badtemperatur richtet sich nach der Temperaturbeständigkeit des Artikels, die Behandlungsdauer wird am besten durch Versuch festgestellt und währt am besten so lange, bis das Unterlagsmaterial, zum Beispiel das Reispapier, vollständig aus dem Artikel herausgelöst ist. Anschliessend wird der Artikel getrocknet, z. B. zunächst geschleudert und dann an der Luft getrocknet.

Wie bereits erwähnt, muss der Artikel, nicht notwendigerweise aus einem Gewebe bestehen. Vielmehr kommen alle zum Besticken geeigneten Trägermaterialien in Betracht. Zu unterscheiden ist lediglich, ob es sich um einen stickfesten Artikel handelt oder ob die Festigkeit des Trägermaterials zum Besticken nicht ausreicht. Im ersteren Fall kann der Artikel unmittelbar bestickt werden. Es ergibt sich dann der in Fig. 5 ganz schematisch in einer vergrösserten Seitenansicht dargestellte Schlingenverlauf. Im Bereich der Reliefstickerei bildet der Oberfaden "stehende" Schlingen 6.

Handelt es sich hingegen um einen nichtstickfesten Artikel, z. B. ein Trägermaterial aus sehr dünnem und/oder weichem Gewebe, so wird der zu bestickende Bereich zunächst durch eine vollflächige Stickerei, z. B. in dem in Fig. 6 schematisch dargestellten sogenannten Tatamistich 7, verfestigt. Erst dann wird die Reliefstickerei aufgebracht, wie anhand der Fig. 2 bis 4 erläutert. Fig. 7 zeigt wiederum schematisch und in stark vergrösserter Darstellung den Schlingenverlauf mit den Tatamistichen 7 und den stehenden Schlingen 6 der Reliefstickerei.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zum maschinellen Versehen eines Artikels mit einer Reliefstickerei durch Auflegen eines wasserlöslichen Unterlagsmaterials auf diesen Artikel vor dem Sticken und Auflösen des Unterlagsmaterials in einem Wasserbad nach dem Sticken, dadurch gekennzeichnet, daß das Unterlagsmaterial aus Papier (Reispapier) oder Pappe besteht und daß das Auflösen des Unterlagsmaterials im Wasserbad mittels Ultraschall- und Wärmeeinwirkung unterstützt wird.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß in dem Wasserbad eine, insbesondere turbulente, Strömung erzeugt wird.






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