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Dokumentenidentifikation DE19912316A1 28.09.2000
Titel Mehrachsaggregat mit mindestens drei Achsen
Anmelder DaimlerChrysler AG, 70567 Stuttgart, DE
Erfinder Herffurth, Rainer, 34233 Fuldatal, DE
DE-Anmeldedatum 19.03.1999
DE-Aktenzeichen 19912316
Offenlegungstag 28.09.2000
Veröffentlichungstag im Patentblatt 28.09.2000
IPC-Hauptklasse B60T 1/06
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft ein Mehrachsaggregat für einen von einem Zugfahrzeug gezogenen Sattelauflieger mit mindestens drei Achsen, wobei mindestens eine der Achsen des Mehrachsaggregats als Liftachse und/oder Lenkachse ausgebildet sein kann. Am Mehrachsaggregat sind bis auf mindestens eine Achse alle Achsen mit Scheibenbremsen ausgestattet, wobei die Bremsscheiben der bremsbaren Achsen des Mehrachsaggregats zumindest den gleichen wirksamen Reibradius wie die Bremsscheiben des Zugfahrzeugs haben.
Mit der vorliegenden Erfindung wird ein Mehrachsaggregat für Sattelauflieger geschaffen, das aufgrund einer besonderen Gestaltung der Bremsanlage eine geringere ungefederte Masse hat, mit weniger Wartungsaufwand auskommt und zudem kostengünstiger zu beschaffen und zu unterhalten ist.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Mehrachsaggregat für einen von einem Zugfahrzeug gezogenen Sattelauflieger mit mindestens drei Achsen, wobei mindestens eine der Achsen des Mehrachsaggregats als Liftachse und/oder Lenkachse ausgebildet sein kann.

Sattelzüge mit Mehrachsaggregaten sind u. a. aus der DE 196 32 515 A1 bekannt. Liftachsen sind u. a. in der DE 41 14 861 A1 vorbeschrieben. Bei Sattelzügen bis beispielsweise 40 t zulässigem Gesamtgewicht werden in der Regel Sattelauflieger mit Dreiachsfahrgestellen verwendet. Die einzelnen Achsen haben eine Einzelradbereifung. Bei diesen bekannten Mehrachsaggregaten werden generell alle Räder der Achsen mit Radbremsen ausgestattet. Die Bremsen von mindestens zwei Achsen der Mehrachsaggregate sind mit Federspeicherbremszylindern für die Nutzung als Feststellbremse ausgerüstet.

Die in der DE 196 32 515 A1 beschriebene Achse eines Sattelaufliegers hat pro Rad eine Scheibenbremse. Die verwendeten Scheibenbremsen sind erheblich kleiner dimensioniert als die Scheibenbremsen der Zugmaschine. Schließlich sind zumindest die dynamischen Radlasten des Zugfahrzeugs erheblich größer als die des Sattelaufliegers, wodurch sich dort ein geringerer Bremskraftbedarf ergibt.

Der vorliegenden Erfindung liegt die Problemstellung zugrunde, ein Mehrachsaggregat für Sattelauflieger zu entwickeln, das aufgrund einer besonderen Gestaltung der Bremsanlage eine geringere ungefederte Masse hat, mit weniger Wartungsaufwand auskommt, ein sicheres Fahrverhalten aufweist und zudem kostengünstiger zu fertigen, zu montieren und zu warten ist.

Das Problem wird mit den Merkmalen des Hauptanspruchs gelöst. Am Mehrachsaggregat sind bis auf mindestens eine Achse alle Achsen mit Scheibenbremsen ausgestattet, wobei die Bremsscheiben der bremsbaren Achsen des Mehrachsaggregats zumindest den gleichen wirksamen Reibradius wie die Bremsscheiben des Zugfahrzeugs haben.

Für die Fahrzeugklasse 04 liegt die Mindestanforderung an die Bremsverzögerung bei 5,5 m/s2. Um diese Bremsverzögerung beispielsweise in einem Sattelauflieger mit Dreiachsfahrgestell zu erreichen, reicht es aus, nur zwei von drei Achsen mit Scheibenbremsen auszustatten. Die dritte, ungebremste Achse hat die Funktion einer reinen Tragachse.

Bei dem Dreiachsaggregat können die gebremsten Achsen mit den kompletten Radbremsen eines Zugfahrzeugs ausgestattet werden, da die Bremsscheiben des Zugfahrzeugs und des Sattelaufliegers den gleichen wirksamen Reibradius aufweisen. Am Sattelauflieger übernehmen die beiden gebremsten Achsen die gesamte Bremsarbeit. In der Regel sind das die beiden vorderen Achsen des Dreiachsaggregats. Diese Gestaltung spart am Dreiachsaggregat zwei Radbremsen ein, wodurch die ungefederte Masse hier um ca. 250 kp gegenüber herkömmlichen Aggregaten verringert wird.

Zusätzlich ist der Wartungsaufwand kleiner, da zum einen zwei Bremsen weniger gewartet werden müssen und zum anderen am gesamten Fahrzeug - also bei der Zugmaschine und dem Sattelauflieger - alle Bremsen baugleich sind. Die Mechaniker können mit dem gleichen Wissen, den gleichen Handgriffen und den gleichen Werkzeugen die Bremsen überprüfen, warten oder Teile austauschen. Das wirkt sich auch positiv auf die Zuverlässigkeit der Prüf- und Wartungsarbeiten aus. Bei kürzeren Prüf- und Wartungszeiten erhöht sich sogar die Sicherheit der Bremsanlagen.

Zudem ergibt sich im Falle einer Störung in der Bremskraftregelung eine höhere Fahrsicherheit als bei Sattelzügen, deren Sattelauflieger konventionelle Mehrachsaggregate haben. Bei einem fehlerbedingten Überbremsen des Mehrachsaggregats führt beispielsweise bei einer ungebremsten Tragachse letztere den Sattelauflieger. Während die blockierten Räder der gebremsten Achsen rutschen, hält die Tragachse die Seitenführung, so daß der Sattelauflieger bzw. der Sattelzug in der Spur bleibt.

Da neben den Ersatzteilen auch die regulären Verschleißteile, wie zum Beispiel die Bremsbeläge und Bremsscheiben, bei allen Bremsen eines Sattelzuges baugleich sind, reduziert sich der Aufwand in der Lagerhaltung bei den Fuhrunternehmen, den Werkstätten und den Herstellern.

Die ungebremste Tragachse kann als Liftachse ausgebildet werden. Diese Achse kann bei sogenannten Leer- oder Volumentransportfahrten angehoben werden, um den Reifenverschleiß zu mindern und die Lenkbarkeit des Mehrachsaggregats zu verbessern. Wird die Liftachse ohne Radbremsen ausgestattet, so kann ihr Hub- und Verriegelungsmechanismus kleiner dimensoniert werden, da die ungebremste Liftachse gegenüber einer gebremsten um ca. 250 kp leichter ist. Die Liftachse ist hierbei die hintere Achse des Sattelaufliegers.

Die reine Tragachse kann auch als Lenkachse ausgebildet werden. In der Regel ist dazu nicht, wie bisher bei einer gebremsten Achse, die Rahmenbreite des Sattelaufliegers im Bereich dieser Achse zu ändern. Der Verzicht auf einen großvolumigen Bremszylinder ermöglicht u. a. auch einen vergleichsweise großen Radschwenkbereich. Die Lenkachse kann hierbei selbst- oder fremdgesteuert ausgeführt werden. Der Konstruktionsaufwand für die Herstellung der sonst so komplizierten Lenkachsen verringert sich durch das Weglassen der Scheibenbremsen erheblich.

Die Tragachse kann auch eine kombinierte Lenk- und Liftachse sein. Zumindest die Tragachsen haben keine Zwillingsbereifung.

Die Scheibenbremsen werden im allgemeinen pneumatisch betätigt. Alternativ können sie auch hydraulisch oder über einen hydropneumatischen Druckübersetzer betätigt werden.

Mindestens eine der mittels Scheibenbremsen bremsbaren Achsen ist mit Federspeicherbremszylindern ausgestattet, um die entsprechenden Räder zum Feststellen des Sattelaufliegers benutzen zu können. Bei einem Dreiachsaggregat werden beispielsweise zwei Achsen mit Feststellbremsen versehen.


Anspruch[de]
  1. 1. Mehrachsaggregat für einen von einem Zugfahrzeug gezogenen Sattelauflieger mit mindestens drei Achsen, wobei mindestens eine der Achsen des Mehrachsaggregats als Liftachse und/oder Lenkachse ausgebildet sein kann, dadurch gekennzeichnet,
    1. - daß bis auf mindestens eine Achse alle Achsen des Mehrachsaggregats mit Scheibenbremsen ausgestattet sind und
    2. - daß die Bremsscheiben der bremsbaren Achsen des Mehrachsaggregats zumindest den gleichen wirksamen Reibradius wie die Bremsscheiben des Zugfahrzeugs haben.
  2. 2. Mehrachsaggregat gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zumindest die Bremsscheiben und die Bremssattel der bremsbaren Achsen des Mehrachsaggregats baugleich mit den Bremsscheiben und Bremssatteln des Zugfahrzeugs sind.
  3. 3. Mehrachsaggregat gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß nur eine Achse eines dreiachsigen Mehrachsaggregats ungebremst ausgeführt ist.
  4. 4. Mehrachsaggregat gemäß Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß die von der Zugmaschine am weitesten entfernt liegende Achse des Mehrachsaggregats ungebremst ausgeführt ist.
  5. 5. Mehrachsaggregat gemäß Anspruch 1, 2, 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß beim Vorhandensein einer Liftachse, letztere ungebremst ist.
  6. 6. Mehrachsaggregat gemäß Anspruch 1, 2, 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß beim Vorhandensein einer Lenkachse, letztere ungebremst ist.
  7. 7. Mehrachsaggregat gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß alle Teile der Betriebsbremsen des Mehrachsaggregats den Bauteilen der Betriebsbremsen der Zugmaschinen entsprechen.
  8. 8. Mehrachsaggregat gemäß Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Scheibenbremsen pneumatisch betätigt sind.
  9. 9. Mehrachsaggregat gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens eine der gebremsten Achsen zusätzlich als Feststellbremse ausgebildet ist.
  10. 10. Mehrachsaggregat gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es einzelradbereift ist.






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