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Dokumentenidentifikation DE69702276T2 26.10.2000
EP-Veröffentlichungsnummer 0794167
Titel Optisch aktive 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol, Verfahren zu ihrer Herstellung, und diese enthaltendes Mittel zur optischen Spaltung
Anmelder Takasago International Corp., Tokio/Tokyo, JP
Erfinder Miyano, Sotaro, Sendai-shi, Miyagi, JP;
Sakurai, Kenta, Shiogama-shi, Miyagi, JP;
Koike, Nobuyuki, 3-chome, Miyagi, JP;
Hattori, Tetsutaro, Sendai-shi, Miyagi, JP
Vertreter Grünecker, Kinkeldey, Stockmair & Schwanhäusser, 80538 München
DE-Aktenzeichen 69702276
Vertragsstaaten CH, DE, FR, GB, IT, LI
Sprache des Dokument EN
EP-Anmeldetag 07.03.1997
EP-Aktenzeichen 973015472
EP-Offenlegungsdatum 10.09.1997
EP date of grant 14.06.2000
Veröffentlichungstag im Patentblatt 26.10.2000
IPC-Hauptklasse C07C 39/12
IPC-Nebenklasse C07B 57/00   

Beschreibung[de]

Diese Erfindung bezieht sich auf 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol, optisch aktives 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol, ein Verfahren zum Herstellen des optisch aktiven 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diols und ein Antipodentrennreagenz, das das optisch aktive 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol umfaßt. Das neue optisch aktive Biphenanthrolderivat gemäß der vorliegenden Erfindung ist als Antipodentrennreagenz, als Ausgangsmaterial einer optisch aktiven Phosphinverbindung oder als Ligand bei einer asymmetrischen Synthese brauchbar, wobei es einen Komplex mit einem Übergangsmetall oder einem Seltenerdmetall bildet, um einen brauchbaren Katalysator zu ergeben.

Ein optisch aktives Binaphthol ist als Ligand oder Ausgangsmaterial dafür in organischen Synthesereaktionen wie etwa einer asymmetrischen Hydrierung, einer asymmetrischen Isomerisierung, einer asymmetrischen Hydrosilylierung, einer asymmetrischen En-Reaktion, einer asymmetrischen Hetero-Diels-Alder-Reaktion, einer asymmetrischen Michael-Reaktion und einer asymmetrischen Nitroaldol-Reaktion bekannt. Es gibt eine große Anzahl von Berichten über die Metallkomplexkatalysatoren, die von dem optisch aktiven Binaphthol abgeleitet sind, wie etwa The Chemical Society of Japan (Hrsg.), KAGAKU SOSETSU, Bd. 32. Seiten 237-238, "YUKI KINZOKU SAKUTAI KAGAKU" (1982) Ryoji Noyori, Asymmetric Catalysis in Organic Synthesis, eine Wiley-Interscience Veröffentlichung, K. Mikami, M. Terada, S. Narisawa und T. Nakai, SYNLETT, Seiten 255-265 (1992), M. Terada, S. Matsukawa und K. Mikami, J. Chem. Soc., Chem. Commun., Seiten 327-328 (1993), M. Terada, K. Mikami und T. Nakai, Tetrahedron Letters, Bd. 32, Seiten 935-938 (1991), H. Sasai, T. Suzuki & M. Shibasaki, J. Am. Chem. Soc., Bd. 114, Seiten 4418-4420 (1992), H. Sasai, T. Suzuki &. M. Shibasaki, Tetrahedron Letters, Bd. 34, Seiten 851-854 (1993), H. Sasai, T. Suzuki & M. Shibasaki, Tetrahedron Letters, Bd. 35, Seiten 6123-6126 (1994), H. Sasai, T. Suzuki & M. Shibasaki, J. Am. Chem. Soc., Bd. 115, Seiten 10372-10373 (1993), H. Sasai, T. Arai & M. Shibasaki, J. Am. Chem. Soc., Bd. 116, Seiten 1571-1572 (1994), JP-A-5-17491 (der Begriff "JP-A" bedeutet eine "ungeprüfte veröffentlichte japanische Patentanmeldung") und D. Cai, J. Payack, D. Bender, D. Hughes, T. Verhoeven & P. Reider, J. Org. Chem., Bd. 59,. Seiten 7180-7181 (1994).

Es ist berichtet worden, daß ein Binaphthol ein ausgezeichneter optisch aktiver Ligand bei diesen asymmetrischen Synthesereaktionen ist und daß optisch aktive Phosphine, die von einem optisch aktiven Binaphthol abgeleitet sind, ähnliche Wirkungen ausüben.

J. Am. Chem. Soc., Bd. 115, S. 10372 (1993) supra berichtet, daß eine optisch aktive Nitroaldolverbindung aus einem Aldehyd und Nitromethan in Gegenwart eines Lanthanid-Binaphthol-Komplexes erhalten wird, welcher aus einem optisch aktiven Binaphthol und einem Lanthanidmetall hergestellt ist.

J. Am. Chem. Soc., Bd. 112, S. 3949 (1990) berichtet, daß die asymmetrische En- Reaktion zwischen einem Olefin und Glyoxylsäureester in Gegenwart eines optisch aktiven Binaphthol-Titan-Komplexes mit hoher asymmetrischer Ausbeute abläuft.

Ferner berichtet J. Org. Chem. Bd. 59, S. 7180 (1994) supra über die Synthese von optisch aktivem BINAP (2,2'-Bis(diphenylphosphino)-1,1'-binaphthyl) aus einem optisch aktiven Binaphthol.

Diese Liganden und Phosphinverbindungen lassen es jedoch immer noch an chemischer Selektivität, katalytischer Aktivität, Stereoselektivität und dergleichen in einigen asymmetrischen Reaktionen oder für einige Reaktionssubstrate fehlen.

ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG

Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist, einen neuen optisch aktiven Liganden bereitzustellen, welcher bei der Antipodentrennung von verschiedenen Racematen oder bei verschiedenen asymmetrischen Synthesen wirksam und für das Reaktionssubstrat geeignet ist.

Um das vorstehende Problem zu lösen, haben die Erfinder der vorliegenden Erfindung eine ausführliche Untersuchung über optisch aktive Ligandverbindungen durchgeführt und infolgedessen herausgefunden, daß optisch aktives 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol als Antipodentrennreagenz, als optisch aktiver Ligand und als Ausgangsmaterial für eine optisch aktive Phosphinverbindung ausgezeichnet ist. Die vorliegende Erfindung ist auf der Grundlage dieses Befundes zustandegebracht worden.

Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf:

(1) 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol, das durch Formei (I) wiedergegeben ist:

(2) optisch aktives 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol, das durch Formel (II) wiedergegeben ist:

(3) ein Verfahren zum Herstellen von optisch aktivem 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol, umfassend das Herstellen eines Komplexes aus einem Kupfersalz und einem Amin, das Umsetzen von 2-Phenanthrol in Gegenwart des Komplexes, um (±)-1,1'-Biphenanthryl- 2,2'-diol zu bilden, das Umsetzen des (±)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diols mit Thiophosphorylchlorid und optisch aktivem Phenylethylamin in Gegenwart von Pyridin, um N-(1- Phenylethyl)-1,1'-biphenanthryl-2,2'-diylthiophosphoramid zu bilden, das Antipodentrennen des N-(1-Phenylethyl)-1,1'-biphenanthryl-2,2'-diylthiophosphoramids durch Umkri stallisierung und das Hydrogenolysieren der sich dabei ergebenden optisch aktiven Verbindung, und

(4) ein Antipodentrennreagenz, das optisch aktives 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol umfaßt, das durch Formel (II) wiedergegeben ist

KURZE BESCHREIBUNG DER ABBILDUNGEN

Fig. 1 zeigt die ¹H-NMR-spektralen Daten von (±)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol.

Fig. 2 zeigt die ¹³C-NMR-spektralen Daten von (±)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol.

AUSFÜHRLICHE BESCHREIBUNG DER ERFINDUNG

Die vorliegende Erfindung wird ferner ausführlich beschrieben.

Das erfindungsgemäße 1,1'-Phenanthryl-2,2'-diol (I) schließt racemische Modifikationen und optisch aktive Verbindungen ein.

Optisch aktives (+)- oder (-)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol der Erfindung kann beispielsweise wie folgt hergestellt werden.

Phenanthren wird mit konzentrierter Schwefelsäure sulfoniert und anschließend mit Bariumchlorid behandelt, um Barium-2-phenanthrensulfonat zu erhalten. Das sich dabei ergebende Bariumsalz wird einer Alkalischmelze in einem elektrischen Ofen unterzogen und anschließend mit Chlorwasserstoffsäure behandelt, um 2-Phenanthrol zu erhalten. 2-Phenanthrol wird einer oxidativen Kupplung in Gegenwart eines Kupfer-Amin- Komplexes unterzogen, um racemisches 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol (I) zu synthetisieren. Das sich dabei ergebende Diol wird mit optisch aktivem Phenylethylamin und Thiophosphorylchlorid umgesetzt, um (±)-N((S)-1-phenylethyl)-1,1'-biphenanthryl-2,2'- diylthiophosphorylamid zu liefern. Die Umkristallisierung des Racemats ergibt eine optisch aktive Verbindung, welche dann mit einem Reduktionsmittel wie etwa Lithiumaluminiumhydrid hydrogenolysiert wird, um optisch aktives 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol mit einer optischen Reinheit zu ergeben, die nahe an 100% heranreicht.

In dem vorstehenden Verfahren wird, wenn (+)-Phenylethylamin verwendet wird, (+)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol erhalten. Wenn (-)-Phenylethylamin verwendet wird, erhält man (-)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol.

Der Schritt der oxidativen Kupplung in Gegenwart eines Kupfer-Amin-Komplexes erfolgt gewöhnlich durch Zugeben einer methanolischen oder ethanolischen Lösung von 2-Phenanthrol unter Rühren zu einem Kupfer-Amin-Komplex, welcher zuvor durch Umsetzen eines Kupfersalzes mit 2 bis 6 mol, vorzugsweise 3 bis 4 mol eines Amins pro mol des Kupfersalzes in einem Lösungsmittel, beispielsweise Methanol oder Ethanol, hergestellt wurde. Zu brauchbaren Kupfersalzen gehören Kupfernitrat, Kupfer(II)-chlorid, Kupfer(II)-acetat und. Kupfer(II)-nitrat und Hydrate von diesen Salzen. Zu brauchbaren Aminen gehören die in Tetrahedron, Bd. 41, S. 3313 (1985) beschriebenen, wie etwa Phenylethylamin, Benzylamin, Ethylamin und Naphthylamin. Der Kupfer-Amin-Komplex wird gewöhnlich in einer Menge von 1 bis 3 mol, vorzugsweise 1,0 bis 1,1 mol pro Mol des Substrates, d. h. Phenanthrol, verwendet. Das Lösungsmittel, das für die oxidative Kupplungsreaktion verwendet werden soll, umfaßt Methanol, Ethanol, Propanol, Isopropylalkohol, Butanol, Methylenchlorid und Dichlorethan.

Der Schritt der Überführung des resultierenden Diols in (±)-N((S)-1-Phenylethyl)-1,1'- biphenanthryl-2,2'-diylthiophosphorylamid (nachstehend als Verbindung A bezeichnet) wird gewöhnlich in gleichzeitiger Gegenwart einer Base und eines Lösungsmittels bei einer Temperatur von 20 bis 120ºC durchgeführt. Zu geeigneten Lösungsmitteln gehören Pyridin, Methylenchlorid, Tetrahydrofuran, Toluol und Benzol. Zu geeigneten Basen gehören Pyridin, Triethylamin und Diisopropylamin. Die Base wird in einer Menge von 2 bis 10 Äquivalenten zu dem Substrat, d. h., 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol (I) verwendet. Die Verwendung von Pyridin ist vorteilhaft, wobei es sowohl als Lösungsmittel als auch als Base dient.

Der Schritt der Antipodentrennung der Verbindung A kann durch Auflösen von 1 Gewichtsteil der Verbindung A in einem Volumenteil (1 ml pro Gramm des Substrats) eines Lösungsmittels und Zugeben von 3 bis 5 Volumenteilen eines Alkohols pro Gewichtsteil der Verbindung A durchgeführt werden, um dadurch eine gewünschte optisch aktive Verbindung auszufällen. Zu geeigneten Lösungsmitteln, die hier verwendet werden sollen, gehören Methylacetat, Ethylacetat und Butylacetat und zu geeigneten Alkoholen, die hier verwendet werden sollen, gehören Methanol, Ethanol und Isopropylalkohol. Alternativ dazu kann der Schritt durch Auflösen von einem Gewichtsteil der Verbindung A in 1 bis 3 Volumenteilen eines Lösungsmittels unter Erwärmen, und anschließend Abkühlen-lassen des Systems zum Ausfällen einer gewünschten optischen aktiven Verbindung durchgeführt werden.

Das neue optisch aktive 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol der Erfindung kann durch Herstellen von N((S)-1-Phenylethyl)-1,1'-biphenanthryl-2,2'-diylthiophosphorylamid unter Verwerdung von optisch aktivem Phenylethylamin, Umkristallisieren der Verbindung zu einer optisch aktiven Verbindung, gefolgt von einer Reduktion mit einem Reduktionsmittel erhalten werden. Diese neue Verbindung kann in eine optisch aktive Phosphinverbindung überführt werden, welche einen Übergangsmetallkomplex liefern kann, der als asymmetrischer Katalysator brauchbar ist. Ferner ist die optisch aktive Verbindung eine brauchbare Verbindung, die durch Veresterung mit beispielsweise 1,1'-Binaphthyl-2,2'- dicarbonsäure in ein Diastereomer überführt werden kann, die Antipoden des Diastereomers können durch Umkristallisieren getrennt werden, um eine optisch aktive Verbindung zu ergeben, welche anschließend einer Hydrogenolyse unterzogen wird, um ein optisch aktives Diol zu erhalten.

BEISPIELE

Die Erfindung wird nun unter Bezugnahme auf Beispiele ausführlicher erläutert. Sofern nichts anderes angegeben ist, sind alle Prozentsätze auf das Gewicht bezogen angegeben.

Die Messungen der verschiedenen physikalischen Eigenschaften der in den Beispielen erhaltenen Reaktionsprodukte erfolgten mit der folgenden Ausrüstung:

¹H-NMR: JMN-GX400 (hergestellt von Nihon Denshi K. K.)

³¹P-NMR: WEX-270 (hergestellt von Nihon Denshi K. K.)

GLC (Gaschromatographie):

GC-15A (hergestellt von Shimadzu Corp.)

HPLC (Hochleistungsflüssigchromatographie)

LC-4A (hergestellt von Shimadzu Corp.)

BEISPIEL 1 Synthese von (-)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol ((-)-4)

(-)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol ((-)-4) wurde gemäß dem nachstehend gezeigten Reaktionsschema synthetisiert:

1) Synthese von Barium-2-phenanthrensulfonat

In einen 300 ml-Dreihalskolben, der mit einem Tropftrichter, einem mechanischem Rührer und einem Thermometer ausgestattet war, wurden 50,0 g (0,284 mol) Phenanthren (1) gegeben und bei einer Badtemperatur von 110ºC geschmolzen. Zu der geschmolzenen Verbindung wurden 40,0 ml konzentrierte Schwefelsäure tropfenweise während ungefähr 20 Minuten zugegeben, wobei gerührt wurde und darauf geachtet wurde, daß die Temperatur des Reaktionsgemisches 120ºC nicht überschritt. Nach der Zugabe wurde die Reaktion während eines zusätzlichen dreistündigen Zeitraums fortgesetzt. Das Reaktionsgemisch wurde in 400 ml Wasser gegossen, solange es heiß war, und unmittelbar danach wurden 100 ml einer 10 N wäßrigen Natriumhydroxid-Lösung dazugegeben, gefolgt von Kühlen mit Eis. Es wurde bestätigt, daß das Gemisch alkalisch war. Der beim Kühlen gebildete Niederschlag wurde vollständig durch Filtration gesammelt und mit einer wäßrigen Natriumchloridlösung (90 g/l) gewaschen, um einen grauen tonartigen Feststoff zu erhalten. Der Feststoff wurde in 750 ml siedendem Wasser suspendiert, welches 10 ml konzentrierte Chlorwasserstoffsäure enthielt. Die Suspension wurde 20 Minuten lang gerührt und filtriert, solange sie heiß war. Das Filtrat wurde mit Natriumhydroxidkörnchen neutralisiert und durch Erwärmen gekocht und es wurden 10,0 g Bariumchlorid dazugegeben, woraufhin es abkühlen gelassen wurde. Nachdem das System über Nacht stehengelassen worden war, wurde der ausgefällte Feststoff durch Filtration gesammelt und getrocknet, um 210,1 g eines Bariumsalzes (2) als grauen Feststoff zu ergeben.

2) Synthese von 2-Phenanthrol

In einen 50 ml-Nickeltiegel wurden 50,0 g Kaliumhydroxid und 50,0 g Natriumhydroxid gegeben und in einem elektrischen Ofen bei 300ºC geschmolzen. Zu dem geschmolzenen Ätzalkali wurden 4,92 g (7,55 mmol) Barium-2-phenanthrensulfonat (2) zugegeben und jeweils 20,0 g Kaliumhydroxid und Natriumhydroxid wurden dazugegeben, gefolgt von einem weiteren Erwärmen auf 300ºC während 6 Stunden. Das Gemisch wurde in 800 ml Wasser gegossen, solange es heiß war, und mit konzentrierter Chlorwasserstoffsäure sauer gemacht. Das so freigesetzte Phenanthrol wurde mit vier 500 ml- Portionen Ethylacetat extrahiert und über wasserfreiem Natriumsulfat getrocknet. Das Lösungsmittel wurde durch Verdampfen entfernt und das sich dabei ergebende Rohprodukt wurde durch Silicagelsäulenchromatographie (n-Hexan/Ethylacetat = 3) gereinigt. Die Umkristallisierung aus Benzol ergab 1,51 g (5,7%) 2-Phenanthrol (3) als weiße Kristalle.

Schmelzpunkt = 165-167ºC.

3) Synthese von (±)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol ((±)-4)

In einen 300 ml-Zweihalskolben, der mit Stickstoff gespült worden war, wurden 2,10 g (17,3 mmol) Kupfernitrat gegeben und 30,0 ml Methanol wurden dazugegeben, um das Kupfernitrat aufzulösen. Zu der Lösung wurden 3,12 g (25,7 mmol) (±)-1-Phenylethylamin zugegeben, um einen Komplex herzustellen. Eine Lösung von 1,50 g (7,72 mmol) 2-Phenanthrol (3) in 20,0 ml Methanol wurde tropfenweise zugegeben, wobei gerührt wurde. Nach 24 Stunden wurde eine Lösung, die aus 2,08 g (8,6 mmol) Kupfernitrat, 2,71 g (22,4 mmol) (±)-1-Phenylethylamin und 20,0 ml Methanol hergestellt war, zugegeben, gefolgt von 6 Stunden langem Rühren. Zu dem Reaktionsgemisch wurden 100 ml verdünnte 2 N Salzsäure zugegeben und Methanol wurde durch Verdampfen entfernt. Der Rückstand wurde mit vier 50 ml-Portionen Ethylacetat extrahiert. Die organische Schicht wurde nacheinander mit zwei 100 ml-Portionen einer 2 N wäßrigen Chlorwasserstoffsäure-Lösung und drei 100 ml-Portionen Wasser gewaschen und über Magnesiumsulfat getrocknet. Das Lösungsmittel wurde abgedampft und ein brauner fester Rückstand (2,30 g) wurde durch Silicagelsäulenchromatographie (n-Hexan/Ethylacetat = 4) gereinigt, um 1,08 g (72%) (±)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol als weiße Kristalle zu ergeben.

Schmelzpunkt: 297,3-298,6ºC

IR (KBr) cm&supmin;¹: 3456, 1593, 1459, 1352, 1234, 1168, 1145, 815, 749

¹H-NMR: siehe Fig. 1

¹³C-NMR: siehe Fig. 2

Elementaranalyse für C&sub2;&sub8;H&sub1;&sub8;O&sub2;:

berechnet (%): C 87,42; H 4,70

gefunden (%): C 87,14; H 4,66

4) Synthese von (±)-N-((S)-1-Phenylethyl)-1,1'-biphenanthryl-2,2'-diylthiophosphoramid ((+)-5)

In einen mit Stickstoff gespülten Kolben wurden 400 mg (1,04 mmol) des in (3) vorstehend synthetisierten (±)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol ((±)4), 8,0 ml Pyridin und 0,115 ml (1,13 mmol) Thiophosphorylchlorid gegeben und mit Eis gekühlt. Zu dem Gemisch wurden 0,145 ml (1,12 mmol) (S)-(-)-1-Phenylethylamin zugegeben, gefolgt von 4 Stunden langem Erwärmen unter Rückfluß. Nachdem das Gemisch abkühlen gelassen worden war, wurde die Reaktion mit 15 ml 10% Schwefelsäure angehalten. Das Reaktionsgemisch wurde mit vier 15,0 ml-Portionen Dichlormethan extrahiert und die sich dabei ergebende organische Schicht wurde mit zwei 15 ml-Portionen von 10% Schwefelsäure gewaschen und über Natriumsulfat getrocknet. Das Lösungsmittel wurde durch Verdampfen entfernt und der Rückstand (604 mg) wurde durch Silicagelsäulenchromatographie (n-Hexan/Ethylacetat = 5) gereinigt, wobei 410 mg (70%) (±)-N-((S)-1- Phenylethyl)-1,1'-biphenanthryl-2,2'-diylthiophosphoramid als weiße Kristalle erhalten wurden.

¹H-NMR (CDCl&sub3;) δ: 1,54 (d, J = 6,75), 1,61 (d, J = 6,77), 3,48-3,75 (m, 1 H), 4,61-4,94 (m, 1H), 7,10-7,92 (m, 18H), 8,59-9,02 (m, 3H)

5) Antipodentrennung [Herstellung von (+)-N-((S)-1-Phenylethyl)-1,1'-biphenanthryl-2,2'- diylthiophosphoramid ((±)-5)]

In 0,4 ml Ethylacetat wurden 400 mg (±)-N-((S)-1-Phenylethyl)-1,1'-biphenanthryl-2,2'- diylthiophosphoramid ((±)-5) gelöst, solange dieses heiß war, und 1,6 ml Ethanol wurde langsam tropfenweise dazugegeben, um Kristalle auszufällen. Nachdem sie abkühlen gelassen worden waren, wurden die Kristalle durch Filtration gesammelt. Das Filtrat wurde konzentriert und der Rückstand wurde aus Acetonitril umkristallisiert. Die vereinigten Kristalle wurden in Acetonitril suspendiert und unter Rückfluß erwärmt, woraufhin sie abkühlen gelassen wurden, und die Kristalle wurden durch Filtration gesammelt, wobei 154 mg (77%) (+)-N-((S)-1-Phenylethyl)-1,1'-biphenanthryl-2,2'-diylthiophosphoramid ((+)-5) als weiße Kristalle erhalten wurden.

Schmelzpunkt: 170-171ºC

[α] = +443,8º (c = 0,64, CHCl&sub3;)

IR (KBr) cm&supmin;¹: 3385, 1455, 1233, 984, 876, 844, 814, 747

¹H-NMR (CDCl&sub3;) δ: 1,59 (d, J = 6,76, 3H), 3,66 (t, J = 9,44, 1H), 4,61-4,74 (m, 1H)

(6) Herstellung von (-)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol ((-)-4)

In einen mit Stickstoff gespülten Kolben wurden 30,1 mg (0,053 mmol) (+)-N-((S)-1- Phenylethyl)-1,1'-biphenanthryl-2,2'-diylthiophosphoramid ((+)-5) gegeben und in 4,0 ml Tetrahydrofuran gelöst. Zu der Lösung wurden 10,2 mg (0,266 mmol) Lithiumaluminiumhydrid unter Eiskühlung zugegeben und das Gemisch wurde bei Raumtemperatur 3 Stunden reagieren gelassen. Die Reaktion wurde durch Zugabe von 0,5 ml Ethylacetat beendet, und das Reaktionsgemisch wurde in 15 ml verdünnte 0,5 N Chlorwasserstoffsäure gegossen und mit vier 10 ml-Portionen Ethylacetat extrahiert. Die organische Schicht wurde nacheinander mit zwei 15 ml-Portionen verdünnter 0,5 N Chlorwasserstoffsäure und zwei 15 ml-Portionen Wasser gewaschen und über Natriumsulfat getrocknet. Das Lösungsmittel wurde durch Verdampfen entfernt und der Rückstand (39,5 mg) wurde durch Dünnschichtchromatographie (n-Hexan/Ethylacetat = 1) gereinigt, wobei 19,2 mg (94%) der in der Überschrift angegebenen Verbindung als weiße Kristalle erhalten wurden.

Schmelzpunkt: 244-245ºC

[α] = -34,0º (c = 0,95; CHCl&sub3;)

100% ee (gemessen mit einer Pirkle-Säule; 30% Isopropylalkohol in n-Hexan)

ANWENDUNGSBEISPIEL 1 Herstellung von (-)-1,1'-Binaphthyl-2,2'-dimethanol ((-)-8) durch Antipodentrennung

(-)-1,1'-Binaphthyl-2,2'-dimethanol ((-)-8) wurde durch Antipodentrennung gemäß dem folgenden Reaktionsschema erhalten:

1) Herstellung des cyclischen Diesters [(-)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'-yl-1,1'-binaphthyl-2,2'- dicarboxylat ((-)-7)] (Herstellung des Säurechlorids)

In einen mit einem Kühler ausgestatteten Kolben wurden 755 mg (2,20 mmol) (±)-1,1'- Binaphthyl-2,2'-dicarbonsäure ((±)-6) und 10,0 ml Thionylchlorid gegeben und das Gemisch wurde 3 Stunden lang unter Rückfluß erwärmt. Überschüssiges Thionylchlorid wurde verdampft und der Rückstand wurde unter vermindertem Druck 2 Stunden lang getrocknet.

(Veresterung)

In einen 500 ml-Dreihalskolben, der mit zwei Tropftrichtern und einem Rückflußkühler ausgestattet war, wurden 538 mg (4,40 mmol) 4-Dimethylaminopyridin (DMAP) gegeben. Nachdem die Atmosphäre mit Stickstoff verdrängt worden war, wurde DMAP in 160 ml getrocknetem Benzol und 5,0 ml getrocknetem Pyridin aufgelöst. Zu der sich dabei ergebenden Lösung wurde eine Lösung von 851 mg (2,20 mmol) (-)-1,1'-Biphenanthryl- 2,2'-diol ((-)-4) in 70 ml getrocknetem Benzol und eine Lösung des vorstehend hergestellten Säurechlorids in 70 ml Benzol mit der gleichen Zugabegeschwindigkeit über einen Zeitraum von 1 Stunde tropfenweise zugegeben, wobei das System unter Rückfluß erhitzt wurde. Nach der Zugabe wurde die Reaktion während eines zusätzlichen 2 Stunden-Zeitraums weiter fortgesetzt. Die Reaktion wurde mit 150 ml verdünnter 2N Chlorwasserstoffsäure angehalten und das Reaktionsgemisch wurde mit drei 100 ml- Portionen Ethylether extrahiert. Die organische Schicht wurde nacheinander mit 200 ml verdünnter 2 N Chlorwasserstoffsäure und drei 200 ml-Portionen Wasser gewaschen und über Magnesiumsulfat getrocknet. Das Lösungsmittel wurde durch Verdampfen entfernt und der zurückbleibende blassgelbe Feststoff wurde durch Silicagelsäulenchromatographie (n-Hexan/Methylenchlorid = 1) gereinigt, wobei 170 mg (11%) (-)-1,1'- Biphenanthryl-2,2'-yl-1,1'-binaphthyl-2,2'-dicarboxylat ((-)-7) als weiße Kristalle erhalten wurden.

[α] = -397º (c = 0,51, CHCl&sub3;)

IR (KBr) cm&supmin;¹: 1750, 1461, 1324, 1271, 1228, 1202, 1107, 1050, 820, 747

¹H-NMR (CDCl&sub3;) δ: 6,93-7,95 (m, 24H), 8,62-8,75 (m, 4H)

Elementaranalyse für C&sub5;&sub0;H&sub2;&sub8;O&sub4;:

berechnet (%): C 86,69; H 4,07

gefunden (%): C 86,79; H 4,32

FD-MS m/z: 694(8), 693(36), 693 (M&spplus;; 100), 346 (M²&spplus;; 2)

2) Herstellung von (-)-1,1'-Binaphthyl-2,2'-dimethanol ((-)-8)

In einem Kolben, der mit Stickstoff gespült worden war, wurden 62,4 mg (0,09 mmol) (-)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'-yl-1,1-binaphthyl-2,2'-dicarboxylat gegeben und in 10,0 ml Tetrahydrofuran aufgelöst. Zu der Lösung wurden 82,6 mg (2,18 mmol) Lithiumaluminiumhydrid zugegeben, wobei mit Eis gekühlt wurde, und das Gemisch wurde bei Raumtemperatur 6 Stunden lang reagieren gelassen, gefolgt von Kühlen mit Eis. Die Reaktion wurde durch Zugabe von 2,0 ml Ethylacetat angehalten. Nachdem einige Tropfen Wasser zugegeben worden waren, wurde das Reaktionsgemisch in 15 ml verdünnte 0,5 N Chlorwasserstoffsäure gegossen und mit vier 15 ml-Portionen Ethylacetat extrahiert. Die organische Schicht wurde mit zwei 15 ml-Portionen Wasser gewaschen und über Natriumsulfat getrocknet. Das Lösungsmittel wurde durch Verdampfen entfernt und der Rückstand (81,9 mg) wurde durch Dünnschichtchromatographie (n-Hexan/Ethylacetat = 2) gereinigt.

(-)-1,1'-Binaphthyl-2,2'-dimethanol:

Ausbeute: 25,6 mg (92%); weiße Kristalle

optische Reinheit: 98% ee

(+)-R-1,1'-Binaphthyl-2,2'-dimethanol (100% ee)

¹H-NMR (CDCl&sub3;) δ: 3,47 (br, 2H), 4,07 (d, J = 11,5 Hz, 2H), 4,35 (d, J = 11,5 Hz, 2H), 7,00 (d, J = 8,44 Hz, 2H), 7,21 (t, J = 7,55 Hz, 2H), 7,44 (t, J = 7,49 Hz, 2H), 7,66 (d, J = 8,45 Hz, 2H), 7,90 (d, J = 8,22 Hz, 2H), 7,93 (d, J = 8,46 Hz, 2H)

Zurückgewonnenes (-)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol:

Ausbeute: 31,1 mg (89%); weiße Kristalle

[α] = -32,0º (c = 1,60, CHCl&sub3;)


Anspruch[de]

1. 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol, das durch Formel (I) wiedergegeben ist:

2. Optisch aktives 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol, das durch Formel (II) wiedergegeben ist:

3. Verfahren zum Herstellen von optisch aktivem 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol, umfassend das Herstellen eines Komplexes aus einem Kupfersalz und einem Amin, das Umsetzen von 2-Phenanthrol in Gegenwart des Komplexes, um (±)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol zu bilden, das Umsetzen des (±)-1,1'-Biphenanthryl-2,2'- diols mit Thiophosphorylchlorid und optisch aktivem Phenylethylamin in Gegenwart von Pyridin, um N-(1-Phenylethyl)-1,1'-biphenanthryl-2,2'-diylthiophosphoramid zu bilden, das Antipodentrennen des N-(1- Phenylethyl)-1,1'-biphenanthryl- 2,2'-diylthiophosphoramids durch Umkristallisierung und das Hydrogenolysieren der sich dabei ergebenden optisch aktiven Verbindung.

4. Antipodentrennreagenz, umfassend optisch aktives 1,1'-Biphenanthryl-2,2'-diol, das durch Formel (II) wiedergegeben ist:

5. Verfahren nach Anspruch 3, wobei das Kupfersatz mindestens ein Kupfersalz, ausgewählt aus Kupfernitrat, Kupfer(II)-chlorid, Kupfer(II)-acetat und Kupfer(II)- nitrat, ist und das Amin mindestens ein Amin, ausgewählt aus Phenylethylamin, Benzylamin, Ethylamin und Naphthylamin, ist.

6. Ligand umfassend die Verbindung nach Anspruch 1 oder 2.

7. Katalysator umfassend die Verbindung nach Anspruch 1 oder 2.







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