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Dokumentenidentifikation DE19936492A1 15.02.2001
Titel Kaltgepresstes Traubenkernöl
Anmelder VITIS Ölmühlen KG, 54349 Trittenheim, DE
Erfinder Eckert, Peter, 53127 Bonn, DE;
Heinen, Winfried, 54340 Leiwen, DE;
Knaudt, Carola, 53125 Bonn, DE
Vertreter Patentanwälte von Kreisler, Selting, Werner et col., 50667 Köln
DE-Anmeldedatum 05.08.1999
DE-Aktenzeichen 19936492
Offenlegungstag 15.02.2001
Veröffentlichungstag im Patentblatt 15.02.2001
Addition 10015006.3
IPC-Hauptklasse C11B 1/06
IPC-Nebenklasse A23L 1/36   A23L 1/29   A23K 1/14   A61K 35/78   C05F 5/00   
Zusammenfassung Die vorliegende Anmeldung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von kaltgepreßtem Traubenkernöl, eine hierzu geeignete Vorrichtung, Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Tiernahrungsmittel und Arzneimittel, umfassend ein Gemisch aus gemäß dem Verfahren hergestelltem kaltgepreßtem Traubenkernöl und Kernschrot sowie die Verwendung eines solchen Gemisches zur Behandlung von Hauterkrankungen.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Anmeldung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von kaltgepreßtem Traubenkernöl, eine hierzu geeignete Vorrichtung, Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Tiernahrungsmittel und Arzneimittel, umfassend ein Gemisch aus gemäß dem Verfahren hergestelltem kaltgepreßten Traubenkernöl und Kernschrot sowie die Verwendung eines solchen Gemisches zur Behandlung von Hauterkrankungen.

Schon im Mittelalter war bekannt, daß aus Traubenkernen durch kalte Pressung hochwertiges Speiseöl gewonnen werden kann. Dieses Öl wurde weiterhin als wirksames Mittel in der Kosmetik und als Mittel zur Behandlung von kleineren Wunden wie Verbrennungen und Hautabschürfungen und zur Behandlung von rissiger Haut eingesetzt (W. Heinen, in "Das deutsche Weinmagazin", 14, Juli 1997). Dieses althergebrachte Verfahren geriet vollständig in Vergessenheit und wurde durch moderne Preß/Extraktionsverfahren ersetzt.

Andererseits ist bekannt, daß Traubenkerne einen extrem hohen Gehalt an zyklischen Polyphenolen wie Procyanidine (Epigallocatechin-3-gallate) und andere Verbindungen des Catechins und Epicatechins enthalten. Diesen Stoffen wird seit Jahrzehnten aufgrund ihrer herausragender antioxidativen Potenz eine hohe biologische Aktivität zugemessen. Wie jüngste Untersuchungen zeigen, hemmen polycyclische Phenole wichtige Rezeptoren der menschlichen Zellmembran, die den 1-Helix-Oberflächenrezeptoren zuzurechnen sind und zur Bildung und Steuerung von verschiedenen Wachstumshormonen, aber auch dem Insulin beitragen. Dieser Rezeptortyp wird von Proteinkinasen gebildet. Die Proteinkinasen nehmen eine zentrale Aufgabe bei der intrazellulären Signalvermittlung wahr. Sie bewirken durch Phosphorylierung von Proteinen eine Veränderung der biologischen Aktivität. Hauptvertreter sind die Tyrosinkinasen, die aktiv bei der Over- und Down-Regulierung des Epithel Growth Factors, EGF, über die Tyrosinkinase, TRKE, den Platelet Derived Groth Factor, TRKP, und den Fibroblasten Growth Factor, FGFF, mitwirken. Diese Rezeptoren können durch "Überfunktion", Overexpression, ihre Zelle schädigen und eine bestimmte Krankheit herbeiführen.

Überraschenderweise wurde gefunden, daß der Anteil der biologisch wirksamen Verbindungen, insbesondere der Polyphenolverbindungen in Traubenkernölen äußerst abhängig ist von der Art des Preßverfahrens, insbesondere der Preßtemperatur und dem Grad der Verunreinigung des Ausgangskernmaterials. So ist der Gehalt von solchen Polyphenolen in durch Heißextraktionsverfahren gewonnene Traubenkernöl deutlich geringer als in einem herkömmlichen, "klassischen" Kaltpreßverfahren, wie es von W. Heinen in "Das deutsche Weinmagazin", 14, Juli 1997, beschrieben wurde.

Es konnte nun gefunden werden, daß durch eine sorgfältigere Reinigung der Traubenkerne, insbesondere eine Abtrennung von Metall- (d. h. Eisen-)Bestandteilen sowie die Entfernung von Haut- und Gewebebestandteilen einerseits als auch die Kontrolle von Preßdruck und Preßtemperatur andererseits, der Polyphenolgehalt des kaltgepreßten Traubenkernöls deutlich erhöht werden kann.

Weiterhin wurde gefunden, daß die Reinigung des kaltgepreßten Traubenkernöls möglichst durch Sedimentation erfolgen sollte, da hierbei die in dem kaltgepreßten Traubenkernöl vorhandenen Wirksubstanzen am besten erhalten werden können.

Schließlich wurde gefunden, daß bei diesem Preßverfahren der Anteil der in dem Kernschrot (dem Rückstand bei Pressen des Traubenkernöls) verbleibenden Polyphenolverbindungen recht hoch ist. Ein Gemisch aus dem gemäß dem Preßverfahren erhältlichen Kernschrot und dem Traubenkernöl erwies sich als äußerst effektives Nahrungsmittel bzw. Nahrungsmittelergänzung für Mensch und Tier und als wirksames Arzneimittel. Insbesondere erwies sich ein solches Gemisch als geeignet zur Behandlung von Hauterkrankungen. Schließlich wurde gefunden, daß der bei dem genannten Preßverfahren erhältliche Kernschrot ein wirksames Düngemittel, insbesondere für Blumen und Gemüse ist.

Gegenstand der vorliegenden Anmeldung ist somit

  • 1. ein Verfahren zur Herstellung von kaltgepreßtem Traubenkernöl (nachfolgend auch "Traubenkernöl" und "KTK"), umfassend
    • a) schonendes Trocknen der Traubenkerne,
    • b) Reinigen der getrockneten Traubenkerne, das Sieben und Abtrennung der Metallteile mittels Dauermagneten umfaßt und
    • c) Pressen der gereinigten Traubenkerne bei einem Preßdruck im Preßkopf von 50 bis 100 kN unter Erhalt von kaltgepreßtem Traubenkernöl und Kernschrot (nachfolgend auch "KS");
  • 2. eine Vorrichtung zum Herstellen von kaltgepreßtem Traubenkernöl und Kernschrot mit

    einer ersten Fördereinrichtung, die Traubenkerne enthaltendes Kerngut einer Siebeinrichtung zuführt, die die Traubenkerne vom Ausputz, Metallteilen und Staub trennt,

    einer zweiten Fördereinrichtung zum Transport der Traubenkerne von der Siebeinrichtung zu einem Beschickersilo für mindestens eine Ölpreßeinrichtung, die Traubenkernöl einer Ölauffangwanne und Kernschrot einer Kernschrotauffangwanne zuführt;
  • 3. Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Tiernahrungsmittel und Arzneimittel in allen Darreichungsformen, umfassend ein Gemisch aus dem gemäß dem vorstehenden Verfahren (1) hergestellten Traubenkernöl und Kernschrot;
  • 4. Verwendung des in (3) definierten Gemisches zur Behandlung von Hauterkrankungen, insbesondere Psoriasis; und
  • 5. Verwendung des in dem Verfahren (1) erhaltenen Kernschrots als Düngemittel.

Die vorliegende Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die Zeichnungen näher beschrieben:

Es zeigen:

Fig. 1 eine erfindungsgemäße Vorrichtung von kaltgepreßtem Traubenkernöl und Kernschrot, und

Fig. 2 eine Draufsicht auf die Vorrichtung gemäß Fig. 1.

In dem erfindungsgemäßen Verfahren erfolgt das Trocknen vorzugsweise im Luftstrom bei einer Lufttemperatur von 50 bis 70°C, vorzugsweise bei 55 bis 60°C (das Kerngut wird dabei nicht merklich erwärmt). Durch diese Trocknung wird noch an den Kernen haftendes Gewebematerial des Tresters getrocknet und durch den Luftstrom von den Kernen getrennt. Der gewählte Temperaturbereich hat sich dabei als vorteilhaft für den Gehalt an Polyphenolverbindungen in dem Endprodukt (in dem gepreßten Öl) erwiesen.

Das Sieben gemäß der vorliegenden Erfindung umfaßt vorzugsweise mehrere Siebschritte bzw. die Verwendung von handelsüblichen Siebmaschinen (wie Getreidesiebmaschinen), die mehrere Siebdecks mit unterschiedlicher Lochung aufweisen. Darüber hinaus kann eine solche Siebvorrichtung mit einer Absauganlage ausgerüstet sein, um durch Absaugen die leichten Teile im Kerngut (Traubenhäute, getrocknetes Gewebematerial) abzusaugen. Es werden einer oder mehrere Dauermagneten in der Reinigungsstrecke eingesetzt, um gegebenenfalls vorhandene Metallreste aus dem Kerngut zu entfernen. Durch die Reinigung sollte eine Reinheit des Kernguts von größer als 97%, vorzugsweise größer als 99% (bezogen auf das Gewicht des zu pressenden Kernguts) erzielt werden, da Verunreinigungen die Zersetzung der Wirksubstanzen zur Folge haben bzw. die Ausbeute an erzieltem Öl reduzieren.

Das Pressen erfolgt, wie vorstehend ausgeführt, bei einem Preßdruck im Preßkopf (gemessen als Axiallast der Preßspindel) von 50 bis 100 kN, vorzugsweise bei einem Preßdruck von kleiner als 80 kN, jedoch so, daß die Preßtemperatur des Kernschrots im Seiherkorb 50-80°C, vorzugsweise 50 bis 60°C beträgt (bei Spindelpressen wird diese Preßtemperatur vor der Düse des Preßkopfs bestimmt). Neben dem Preßdruck hängt die Preßtemperatur dabei auch noch von dem Feuchtigkeitsgrad und dem jeweiligen Kerngut ab. Für einen möglichst hohen Gehalt an Polyphenolen in dem kaltgepreßten Traubenkernöl ist es jedoch erforderlich, daß die Preßtemperatur möglichst niedrig ist, jedoch keinesfalls über 80°C liegt. Abhängig von der Preßtemperatur ist ebenfalls die Temperatur des austretenden Öls, die in dem erfindungsgemäßen Verfahren beim Austritt am Seiherkorb weniger als 50°C, vorzugsweise 40°C betragen sollte. Das austretende Öl kühlt dann in dem Sedimentationsbehälter (siehe unten) innerhalb weniger Sekunden auf Temperaturen von unter 30°C ab.

Weiterhin wurde gefunden, daß durch normales Filtern der Gehalt an Polyphenolverbindungen in dem gepreßten Öl reduziert wird. Gemäß der vorliegenden Erfindung ist es daher bevorzugt, daß das kaltgepreßte Öl in einem zusätzlichen Sedimentationsschritt von Trubstoffen befreit wird. Dieser Sedimentationsschritt findet vorzugsweise in lichtundurchlässigen Behältern (vorzugsweise aus Edelstahl) statt. Sie finden vorzugsweise in geschlossenen Behältern statt, um weitgehend Sauerstoffausschluß zu gewährleisten.

Die vorliegende Erfindung betrifft weiterhin Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Tiernahrungsmittel und Arzneimittel, die ein Gemisch aus kaltgepreßtem Traubenkernöl und Kernschrot enthalten, das gemäß dem vorstehend beschriebenen Verfahren hergestellt wurde. Das dabei verwendete Kernschrot kann sowohl aus dem erfindungsgemäßen Verfahren stammen (d. h., der Preßrückstand oder Preßkuchen sein), als auch Kernschrot sein, das durch normales "Schroten" von Traubenkernen erhalten wurde. Nahrungsmittel/Tiernahrungsmittel im Sinne der vorliegenden Erfindung sind dabei Nahrungsmittel/Tiernahrungsmittel im herkömmlichen Sinne, die mit dem Gemisch aus KTK und KS versetzt wurden. Nahrungsergänzungsmittel (auch "Nahrungsergänzungsfaktor" genannt) sind Supplemente (z. B. in Form von Tabletten) für Mensch und Tier, die zu einem wesentlichen Teil aus dem Gemisch aus KTK und KS bestehen. Das Gewichtsverhältnis von KTK zu KS in dem Nahrungsmittel, dem Nahrungsergänzungsmittel, Tiernahrungsmittel und dem Arzneimittel der vorliegenden Erfindung liegt vorzugsweise im Bereich von 30 : 70 bis 70 : 30 und insbesondere im Bereich von 40 : 60 bis 60 : 40.

Die in dem erfindungsgemäßen Verfahren durch Sedimentation abgetrennten Trubstoffe (nachfolgend auch "Trub") haben eine wachsartige, pastöse Konsistenz und weisen einen sehr hohen Gehalt an Polyphenolverbindungen auf. In einer besonderen Ausführungsform enthält das erfindungsgemäße Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Tiernahrungsmittel und Arzneimittel in allen bekannten Darreichungsformen ebenfalls noch einen gewissen Anteil an diesem Trub. Bevorzugt ist dabei, daß das Arzneimittel/Nahrungsmittel/Nahrungsergänzungsmittel/Tiernahrungsmittel jeweils mindestens 10 Gew.-%, besonders bevorzugt mindestens 30 Gew.-%, an kaltgepreßtem Traubenkernöl, Kernschrot und Trub enthält.

Die erfindungsgemäßen Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Tiernahrungsmittel und Arzneimittel können weiterhin handelsübliche Mineral-, Träger- und Zusatzstoffe sowie weitere Nahrungs- und Arzneistoffe enthalten. Bevorzugt ist der Zusatz von physiologisch verträglichen Mineralsalzen, so z. B. der in der DE-A-41 27 469.5 beschriebenen Lithiumsalze wie Lithiumchlorid und Lithiumcarbonat.

Das Nahrungsergänzungsmittel/Arzneimittel kann je nach Konsistenz (die von dem Ölanteil des Gemisches und der Beschaffenheit der Zusatzstoffe abhängt) gegebenenfalls mit einer nahrungsmittel-/arzneimittelgerechten Beschichtung (Coating) versehen sein, um die orale Applikation zu erleichtern.

Eine weitere bevorzugte Applikationsform des erfindungsgemäßen Arzneimittels ist die kutane Applikation, insbesondere zur Behandlung von Hauterkrankungen. Hierbei liegt das erfindungsgemäße Arzneimittel in Salbenform oder in Form eines Pflasters vor, das mit dem erfindungsgemäßen Gemisch aus KTK und KS versehen ist. Solch ein Pflaster eignet sich insbesondere zur Behandlung von Hauterkrankungen wie Psoriasis, Verbrennungen, Hautirritationen wie Sonnenbrand und Insektenstichen und kleinerer Hautverletzungen wie Schnitte und Hautabschürfungen. Die vorliegende Erfindung betrifft daher ebenfalls ein Verfahren zur Behandlung von Hauterkrankungen, umfassend das Auftragen des vorstehend beschriebenen Gemisches aus KTK und KS auf den befallenen Hautbereich. Das vorstehend beschriebene Gemisch aus KTK und KS kann ebenfalls Bestandteil von Kosmetika wie Hautpflegemittel und Sonnenschutzmittel sein.

Die Wirkung des erfindungsgemäßen Nahrungsmittels bzw. Arzneimittels ergibt sich aus der Tatsache, daß die cyclischen Polyphenole verschiedenen Typus aus KTK und KS die Aktivierung der Rezeptoren TRK, PDGF und FTF hemmen. Diese Polyphenole besitzen außerdem einen zweiten Angriffspunkt im intrazellulären Konzept durch die Hemmung von zwei "early genes" (c-myc und c-fos-proteine) im Nucleolusdes (Phosphorylierung) der Zellen, die zum Beispiel der Synthese von DNA (Phosphorylierung der Flavin-Coenzyme) dienen. Damit steuern sie Zellwachstum und Zelldifferenzierung. Dadurch können folgende krankheitshemmende Funktionen der cyclischen Polyphenole aus KTK und KS erklärt werden:

  • - Hemmung von Krebswachstum (Magen/Speiseröhre/Lunge) (s. GAO et al., 1994, J. Natl. Cancer Inst. 86 : 855, 1994),
  • - detoxifizierende Enzymaktivierung und Aktivierung des programmierten Zelltodes (Apoptose) (Levitzki et al., Science 1995, 267 : 1782),
  • - Hemmung onkogener Genexpressionen (Proto-Onkogen-Produktion) (Sanchinidis et al., Mol Biol of the Cell 1999, 10 : 1093),
  • - Hemmung durch spezifische Proteinkinasen der TNF-α und IL-1-Synthesen, die vom Bakterientoxin, dem LPS (Lipopolysaccharid) über die Tyrosinkinasen inhibiert wird (Weinstein et al., Natl., Acad. Sci. USA 1991, 88 : 4148) und dadurch bei de Sepsis und rheumatischen Arthritis beeinflussen könnte und
  • - lange bekannter antioxydativer Zusatzeffekt, der größer als der des Vitamin C ist und das Vitamin E übertrifft und als "Radikalenfänger" allgemein gültig akzeptiert wird.

Schließlich wurde gefunden, daß der bei dem erfindungsgemäßen Verfahren anfallende Kernschrot ein ausgezeichneter Dünger für Pflanzen (sowohl Blumen als auch Gemüse) darstellt. Der Kernschrot kann dabei mit oder ohne zusätzliche Düngestoffe wie Mineralsalze und Bindemittel eingesetzt werden. Geeignete Mineralsalze sind z. B. die vorstehend genannten Lithiumsalze.

Die vorliegende Erfindung wird anhand des folgenden Beispiels näher erläutert:

Beispiel 1. Pressen

Das Pressen erfolgt mittels einer in Fig. 1 und 2 abgebildeten Vorrichtung.

1.1. Fördern zur Siebmaschine

Das Kerngut wird durch eine erste und zweite Förderschnecke 1, 2 in den Annahmetrichter 4 der Siebmaschine 6 gefördert. Zwischen der ersten und der zweiten Förderschnecke 1, 2 ist eine erste Dauermagneteinrichtung 3 zum Abscheiden von Metallteilen angeordnet. Am Ende der Förderschnecke 2 fällt das Kerngut durch ein etwa 1 m langes Rohr 8 in den Annahmetrichter 4. 50 cm über dem Auslauf dieses Rohres 8 in den Annahmetrichter befindet sich ein Sensor, der immer dann die Förderung sowohl der ersten Förderschnecke 1 als auch der zweiten Förderschnecke 2 ausschaltet, wenn das Kerngut den Annahmeschacht 4 der Siebmaschine 6 gefüllt hat und dann bis zur Höhe des Sensors im Rohr 8 hochsteigt.

An dem zu dem Annahmetrichter 4 führenden Rohr 8 der Siebmaschine (6) befindet sich eine zweite Dauermagneteinrichtung 5, die die Aufgabe hat, Metallteile (Drahtstückchen, Nägel etc.) aus dem Kerngut auszusondern.

1.2. Siebmaschine

Als Siebmaschine 6 wird eine handelsübliche Getreidesiebmaschine verwendet. Sie weist zwei Siebeinrichtungen auf, wobei ein oberes Siebblech 7 eine Lochung von 6 mm Durchmesser hat, und ein unteres Siebblech 9 eine Lochung von 3 mm. Weiterhin ist die Siebmaschine 6 mit einer Absauganlage 10 für leichte Teile im Kerngut (Traubenhäute) ausgerüstet, die auch den ausgesiebten Staub über Dach oder seitlich ausbläst (sehr geringer Staubanfall).

Das obere und das untere Siebbleck 7, 9 sind in Richtung auf ein Ausgangsrohr 13 der Siebmaschine 6 geneigt. Auf dem unteren Siebblech 9 sammeln sich die zur Pressung vorgesehenen Traubenkerne und beispielsweise mit Hilfe der Rüttel- oder Vibrationseinrichtung zum Ausgangsrohr 13 befördert.

Am Ausgangsrohr 13 der Siebmaschine 6 ist eine weitere Magneteinrichtung 11 angebracht. Mit dem Ausgangsrohr 13 erfolgt die Übergabe der gesiebten Traubenkerne in einen Elevator 12.

Die Siebmaschine 6 hat drei Abgabeschächte für den Ausputz (ausgesiebtes Material):

  • a) Grobteile, die auf der Oberfläche des ersten Siebblechs 7 (Hochsiebes) abgerüttelt werden. Diese Teile (Steinchen, Holzstückchen etc.) werden als Müll entsorgt.

    Erfahrungsgemäß fällt hier nur eine äußerst geringe Menge an, die in einen Stoffsack entsorgt werden kann.
  • b) Der Ausputz von zwei weiteren Ausgabeschächte wird in einer Auffangwanne 24 mit einer kleinen Förderschnecke 26 gesammelt. Die Förderschnecke 26 wird durch einen Sensor gesteuert, der im oberen Teil der Auffangwanne etwa 20 cm unter dem oberen Rand angebracht wird und jeweils die Förderschnecke 26 dann in Betrieb setzt, wenn der Ausputz-Schüttkegel diesen Sensor erreicht hat.
  • c) Das ausgesiebte Material wird von der Schnecke auf eine weitere Schnecke übergeben, von dieser auf einen Abwurfhaufen gefördert.
  • d) Um für diese zweite Schnecke (Schrägförderung) ausreichend Bodenfreiheit zu haben, ist auf eine entsprechende Montagehöhe der Siebmaschine 6 zu achten. Notwendig sind etwa zusätzlich 50 cm Bodenfreiheit, die durch Unterlegen der Stützfüße der Siebmaschine 6 mittels Leimbindern erreicht werden kann.

1.3. Beschicken

Das endgereinigte Kernmaterial wird über den Elevator 12 und ein am Elevator anschließendes Fallrohr 14 an dessen Ende sich wiederum ein Festmagnet 15 befindet (letzte Magnetstation zur Aussiebung etwaiger metallischer Restteile), in das Beschickersilo 16 übergeben.

Der Auslauf des Fallrohrs 14 wird so hoch angebracht, daß sich über dem Beschickersilo 16 ein Schüttkegel bilden kann, um die volle Lagerkapazität dieses Silos ausnutzen zu können.

Das Beschickersilo 16 steht über Ölpreßeinrichtungen 20, so daß die Kerne im natürlichen Gefälle in den Verteilerkasten 18 unmittelbar zu den Aufnahmetrichtern 22 der Ölpressen gelangen können. Es hat sich in der Praxis herausgestellt, daß der Winkel der Tirchterwände 17 des Trichters 19 am Boden des Beschickersilos 16 55° sein sollte, um ein glattes Rutschen der Kerne zu ermöglichen. Bei geringerem Winkel, z. B. 44°, kann es vorkommen, daß ein Teil der Kerne auf den schrägen Trichterwänden 17 liegenbleibt.

Die Kerne rutschen durch das per Schieber 21 schließbare Auslaufrohr 30 des Beschickersilos 16 in den Verteilertrog 18, der mit seinen vier Fallrohren 32(Plastikrohre von 100 mm Durchmesser und etwa 150 mm Länge) in die Aufnahmetrichter 22 der vier Ölpreßeinrichtungen 20 hineinragt. Die Ölpreßeinrichtungen 20 bestehen aus Spindelpressen.

Da die Kerne in den Aufnahmetrichtern 22 wiederum kleine Schüttkegel bilden, wird der Fluß des Kernmaterials automatisch geregelt, und eine Gefahr des Überfließens der Aufnahmetrichter 22 ist auch dann nicht gegeben, wenn der Auslauf der senkrechten Fallrohre 32 des Verteilertrogs 18 in einer Höhe mit der Kante der Aufnahmetrichter 22 liegt.

1.4. Pressen

Eingesetzt werden zwei Komet-Doppelschneckenpressen vom Typ DD85G mit vier modifizierten Preßschnecken vom Typ R8 und modifizierten Düsen mit einem Durchmesser von 15 mm.

Ölausbeute und Ölqualität werden von zwei Faktoren bestimmt:

a) Reinheit des Preßguts (Kerne)

Je reiner das Kerngut (also frei von Traubenhäuten und Stengelchen etc.), um so besser ist die Ölqualität und um so besser auch die Ausbeute, da die Fremdstoffe für höheren Trubanteil sorgen, der ähnlich wie ein Schwamm das gepreßte Öl aufnimmt.

b) Preßdruck

Der Preßdruck entscheidet über die Ölqualität (Preßtemperatur), ebenso über die Höhe der Ausbeute.

Der Preßdruck wird beeinflußt durch die Steigung der Spindel, durch die Geschwindigkeit (Umdrehungszahl) und durch den Düsenquerschnitt (je größer die Düsenöffnung, um so geringer der Preßdruck).

In der durch praktische Versuche erarbeiteten optimalen Konstellation dieser Faktoren haben sich die oben erwähnten modifizierten Preßspindeln und Düsen bewährt, ebenso eine über die Reibkupplung einzustellende Umdrehungsgeschwindigkeit der Spindeln, die auf der Einstellskala bei dem Wert 3,5 liegt.

1.5. Pelletieren

Die ausgepreßten Kerne treten als Strang mit einem Durchmesser, der etwa der Düsenöffnung entspricht (15 mm) aus und würden ohne weitere mechanische Bearbeitung in unregelmäßigen Strangabschnitten von 10 bis 80 cm abbrechen. Im Transport des Kernschrots würden mit diesen Strängen größere Hohlräume entstehen, so daß die Gesamtladung geringer angesetzt werden müßte. Ebenso sind die Stränge in der Weiterverarbeitung z. B. in Schrotmühlen weniger geeignet.

Aus diesem Grund werden die Stränge auf Abschnitte von etwa 3 cm Länge pelletiert. Dazu wurde eine Pelletiereinrichtung 42 konstruiert, die mit einem stark untersetzten Getriebe (niedrige Umdrehungszahl), das von einem kleinen Elektromotor angetrieben wird, mit Hilfe eines stumpfen Schlagmessers die Stränge unmittelbar nach dem Austreten aus den Düsen der Ölpreßeinrichtungen 20 abschneidet. Die länge der Strangabschnitte ist einstellbar, indem die Pelletiereinrichtung 42 auf zwei Schienen, die an den Ölpreßeinrichtungen 20 montiert sind, verschoben werden kann, so daß das Schlagmesser näher oder weiter entfernt zum/vom Ende der Düsen auf den Preßstrang trifft.

Die Pellets des Kernschrots fallen über einen Auffangwanne 44 in eine Schneckenfördereinrichtung 46, die das Schrotmaterial auf einen Abwurfhaufen oder in einen Container fördern. Die Schnecke 46 ist zeitgesteuert: Etwa alle 40 min schaltet die Automatik die Schnecke 46 für 30 s ein. Diese Zeit reicht aus, um das im Auffangtrichter 44 angesammelte Kernschrotmaterial komplett abzufördern. Durch diese Zeitschaltautomatik werden gegenüber einem Dauerbetrieb der Schnecke 46 erhebliche Energiekosten (Stromverbrauch) gespart, und der Verschleiß wird niedrig gehalten.

2. Öl 2.1. Auffangwanne

Unter den Seiherkörben der Ölpreßeinrichtungen 20 steht eine Auffangwanne 34 aus Edelstahl mit einem dreieckigen Querschnitt und einem Gefälle zum Auslauf hin. So ist gewährleistet, daß das frischgepreßte Öl immer über einen Kunststoffschlauch 36 abfließt.

2.2. Trubwanne

Das Öl fließt in eine Edelstahltrubwanne 40 mit rechteckigem Querschnitt und einem Fassungsvermögen von 500 l. Die Trubwanne 40 ist abgedeckt, um eine Verunreinigung durch Staub oder Hineinfallen von Fremdteilen zu vermeiden.

Die Trubwanne 40 hat die Funktion, dem Öl über das natürliche Absetzen den Trub weitgehend zu entziehen. Folgerichtig ist der Auslauf aus der Trubwanne 40 in Form eines Rohres 48 vorzusehen, das über eine Manschette durch Befestigungsschrauben festgestellt werden kann und dadurch in der Höhe verschiebbar ist, also unterschiedlich tief in die Trubwanne 40 hineinragt. So kann durch Absaugen der obersten Ölschicht vermieden werden, daß ein größerer Trubanteil mit dem Öl in einen Container, der als weitere Stufe des Trubabsetzens vorgesehen ist, hineinfließt.

Die Ölförderung kann von einer kleinen Impellerpumpe mit 200 bis 400 W-Motor ausreichend bewältigt werden (Schlauchmaterial: Kunststoff).

Um ein gefiltertes, aber klares Öl zu erhalten, das in dieser Form marktfähig ist, muß das Öl nach dem Umpumpen von der Trubwanne 40 in den ersten Container mindestens noch einmal umgepumpt werden, besser zweimal, so daß es erst aus einem dritten Container zur Abfüllung kommt. Da das kaltgepreßte Traubenkernöl zwar weder hitze- noch kälteempfindlich und auch gegen die Oxidation weitgehend resistent, jedoch stark lichempfindlich ist, sollten die Ölcontainer ständig mit schwarzer Folie abgedeckt werden.

2.3. Filtration

Bei dem oben beschriebenen Trubabsetzverfahren bleibt ein Öltrubrest von etwa 20% der Gesamtmenge. Dieses Öl mit einem hohen Trubanteil muß über Tuchfilter (Kammerdruckpressen) filtriert werden. Dazu ist jede Filterpresse dieses Typs geeignet.

Zur Unterstützung der Filtrationswirkung wird Kieselgur in das zu filtrierende Öl (Öltrubmischung) eingerührt.

Das so erzeugte Öl ist noch klarer und brillianter als das unfiltrierte, hat jedoch einen etwas geringeren Anteil an Wertstoffen und Geschmacksstoffen.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zur Herstellung von kaltgepreßtem Traubenkernöl, umfassend
    1. a) schonendes Trocknen der Traubenkerne,
    2. b) Reinigen der getrockneten Traubenkerne, das Sieben und Abtrennung der Metallteile mittels Dauermagneten umfaßt und
    3. c) Pressen der gereinigten Traubenkerne bei einem Preßdruck im Preßkopf von 50 bis 100 kN unter Erhalt von kaltgepreßtem Traubenkernöl und Kernschrot.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei das Trocknen im Luftstrom bei 50 bis 70°C, vorzugsweise 55 bis 60°C Lufttemperatur, erfolgt.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei das Sieben mehrere Siebschritte umfaßt und durch die Reinigung ein Reinheitsgrad des Kernguts von größer als 97%, vorzugsweise größer als 99% erzielt wird.
  4. 4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1-3, wobei der Preßdruck im Preßkopf kleiner als 80 kN ist und/oder der Preßdruck so eingestellt ist, daß die Preßtemperatur des Kernschrots im Seiherkorb 50 bis 80°C, vorzugsweise 50 bis 60°C, beträgt.
  5. 5. Verfahren nach Anspruch 4, wobei die Temperatur des auslaufenden Öls weniger als 50°C, vorzugsweise 40°C, beträgt.
  6. 6. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5, wobei das Verfahren weiterhin mindestens einen Sedimentationsschritt (d) zum Abtrennen von Trubstoffen umfaßt.
  7. 7. Verfahren nach Anspruch 6, wobei der Sedimentationsschritt Stehenlassen des gepreßten Öls in lichtundurchlässigen Behältern umfaßt.
  8. 8. Vorrichtung zum Herstellen von kaltgepreßtem Traubenkernöl und Kernschrot mit

    einer ersten Fördereinrichtung (1, 2), die Traubenkerne enthaltendes Kerngut einer Siebeinrichtung (6) zuführt, die die Traubenkerne vom Ausputz, Metallteilen und Staub trennt,

    einer zweiten Fördereinrichtung (12) zum Transport der Traubenkerne von der Siebeinrichtung (6) zu mindestens einer Ölpreßeinrichtung (20) mit einem Beschickersilo (16), wobei Traubenkernöl einer Ölauffangwanne (34) und Kernschrot einer Kernschrotauffangwanne (44) zugeführt wird.
  9. 9. Vorrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß mehrere Magnetabscheider (3, 5, 11, 15) einlaßseitig und/oder auslaßseitig an der Siebeinrichtung (6) und/oder der ersten und zweiten Fördereinrichtung (1, 2, 12) angeordnet sind.
  10. 10. Vorrichtung nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, daß eine Trocknungseinrichtung vor der Siebeinrichtung (6) angeordnet ist.
  11. 11. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens eine Sedimentationseinrichtung (40) hinter der Ölauffangwanne (34) angeordnet ist.
  12. 12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Siebeinrichtung (6) eine Windsichteinrichtung (10) aufweist, die staubartige Bestandteile des Kerngutes entsorgt.
  13. 13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß hinter der Ölpreßeinrichtung (20) eine Pelletiereinrichtung (42) für Kernschrot angeordnet ist.
  14. 14. Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Tiernahrungsmittel und Arzneimittel in allen Darreichungsformen, umfassend ein Gemisch aus dem gemäß Ansprüchen 1 bis 7 erhältlichen Traubenkernöl und Kernschrot.
  15. 15. Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Tiernahrungsmittel und Arzneimittel in allen Darreichungsformen nach Anspruch 14, wobei das Verhältnis Traubenkernöl zu Kernschrot 40 : 60 bis 60 : 40 beträgt.
  16. 16. Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Tiernahrungsmittel und Arzneimittel in allen Darreichungsformen nach Anspruch 14, weiterhin enthaltend die gemäß Anspruch 6 oder 7 erhältlichen Trubstoffe.
  17. 17. Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Tiernahrungsmittel und Arzneimittel in allen Darreichungsformen nach Anspruch 16, wobei das Gemisch wenigstens 30 Gew.-% Öl, wenigstens 30 Gew.-% Kernschrot und wenigstens 30 Gew.-% Trubstoffe enthält.
  18. 18. Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Tiernahrungsmittel und Arzneimittel in allen Darreichungsformen nach einem oder mehreren der Ansprüche 14 bis 17, weiterhin enthaltend Li-Salze.
  19. 19. Verwendung des gemäß Ansprüche 14 bis 17 definierten Gemisches zur Behandlung von Hautkrankheiten, insbesondere von Psoriasis.
  20. 20. Verwendung des gemäß Anspruch 1 erhältlichen Kernschrots als Düngemittel.






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