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Dokumentenidentifikation DE19945704A1 12.04.2001
Titel Verfahren zur Steuerung eines Bremsvorgangs und fluidgesteuerte Fahrzeugbremse
Anmelder Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH, 80809 München, DE
Erfinder Herges, Michael, 70825 Korntal-Münchingen, DE;
Röther, Friedbert, 74389 Cleebronn, DE
DE-Anmeldedatum 23.09.1999
DE-Aktenzeichen 19945704
Offenlegungstag 12.04.2001
Veröffentlichungstag im Patentblatt 12.04.2001
IPC-Hauptklasse B60T 1/06
Zusammenfassung Die Erfindung schafft ein Verfahren zur Steuerung eines Bremsvorgangs an einer fluidgesteuerten Fahrzeugbremse (1) bzw. eine fluidgesteuerte Fahrzeugbremse (1), bei welcher der zur Herstellung des Bremsmoments genutzte Fluiddruck auch zur Rückstellung der Fahrzeugbremse (1) in die Lösestellung genutzt wird. Hierzu wird das Fluid derart von der druckseitigen Kammer (21) in die druckabgewandte Kammer (22) des Bremszylinders (2) übergeführt und vor der Ableitung in die Atmosphäre gedrosselt, daß sich dort ein Staudruck bildet, der das Lösen der Bremse begünstigt. Damit kann das Bremsmoment z. B. im Falle eines Einbruchs der Raddrehzahl sehr schnell abgesenkt werden. Die erfindungsgemäße Fahrzeugbremse (1) eignet sich daher in hervorragender Weise zur Anwendung in Kombination mit ABS-, ASR- und/oder ESP-Systemen.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Steuerung eines Bremsvorgangs an einer fluidgesteuerten Fahrzeugbremse nach dem Oberbegriff des Anspruches 1 und ferner eine fluidgesteuerte Fahrzeugbremse nach dem Oberbegriff des Anspruches 5.

Derartige Fahrzeugbremsen werden insbesondere im Nutzfahrzeugbereich eingesetzt, wobei diese in der Regel pneumatisch gesteuert werden. Zur Einleitung eines Bremsvorgangs wird hierbei eine Betätigungseinrichtung wie z. B. ein Bremspedal durch den Benutzer gedrückt. Diese Betätigungseinrichtung wirkt mit einem Bremszylinder derart zusammen, daß der Kolben dieses Bremszylinders auf eine Bremsvorrichtung wie eine Radbremse einwirkt. Der Bremszylinder weist hierzu eine druckseitige Kammer und eine druckabgewandte Kammer auf, welche durch den Kolben voneinander getrennt sind. Hierbei ist der Kolben in der Regel derart durch eine Federeinrichtung vorgespannt, daß die Bremse gelöst ist, wenn die druckseitige Kammer nicht mit einem Druck beaufschlagt ist. Wird dagegen das Bremspedal betätigt, so tritt Druckluft in die druckseitige Kammer ein, wodurch der Kolben des Bremszylinders derart verschoben wird, daß auf die Radbremse ein vorbestimmtes Bremsmoment aufgebracht wird. Zum Lösen wird die Druckseite des Bremszylinders entlüftet, was in der Regel über ein Stellglied wie ein Fußbremsventil, Relaisventil, Drucksteuerventil oder Druckregelmodul und/oder einen Schalldämpfer geschieht.

Derartige Fahrzeugbremsen werden nun aufgrund der gestiegenen Anforderungen an die Fahrzeugsicherheit zunehmend an ABS-, ASR- und/oder ESP-Systemen angewandt. Damit diese Systeme richtig funktionieren können, ist es von Bedeutung, daß das Bremsmoment z. B. im Falle eines Einbruchs der Raddrehzahl sehr schnell sinkt.

Dies konnte mit den bisher bekannten Fahrzeugbremssystemen aufgrund ihrer Trägheit nur bedingt erreicht werden.

Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Fahrzeugbremse derart weiterzubilden, daß die Geschwindigkeit beim Absenken des Bremsmoments gegenüber herkömmlichen Systemen erhöht werden kann.

Diese Aufgabe wird verfahrenstechnisch durch die Merkmale des Anspruches 1 und vorrichtungstechnisch durch die Merkmale des Anspruches 5 gelöst.

So ist gemäß Anspruch 1 erstmals der weitere Verfahrensschritt vorgesehen, daß das Fluid aus der druckseitigen Kammer in die druckabgewandte Kammer geführt und von dort gedrosselt aus dem Bremszylinder abgeleitet wird. Erfindungsgemäß wurde nämlich erkannt, daß auf diese Weise ein gezielt einstellbarer Staudruck in der druckabgewandten Seite des Bremszylinders bereitgestellt werden kann, der das Zurückbewegen des Kolbens des Bremszylinders in die Löserstellung wesentlich unterstützt. Damit wird vorteilhafterweise erreicht, daß die der Radbremsbetätigungskraft entgegen wirkende Kraft wesentlich erhöht werden kann, da sich die aus dem Staudruck resultierende Kraftkomponente zur Vorspannkraft am Kolben hinzu addiert. Zudem strömt das Fluid aufgrund des vorliegenden Drucks in der druckseitigen Kammer in sehr kurzer Zeit auf die druckabgewandte Seite des Bremszylinders. Daher beschleunigt sich das Löseverhalten des Bremszylinders wesentlich.

Von weiterem Vorteil ist hierbei, daß keine zusätzliche Energiequelle erforderlich ist, um diesen Effekt zu erzielen. So wird erfindungsgemäß die für den Bremsdruckaufbau genutzte Energie, welche während der Bremsung sozusagen in der druckseitigen Kammer gespeichert ist, ein weiteres Mal genutzt.

Ferner ist von Vorteil, daß sich das Ansprechverhalten des Kolbens des Bremszylinders durch eine entsprechende Dimensionierung der Drosselstelle gezielt einstellen läßt. Damit erlaubt das erfindungsgemäße Verfahren mit einfachen Mitteln eine Anpassung an am Fahrzeug vorgesehene ABS-, ASR- und/oder ESP-Systeme. Die Funktionalität des Bremssystems und somit die Zuverlässigkeit an Sicherheit des Gesamtsystems verbessert sich dadurch wesentlich.

Vorteilhaft ist ferner, daß sich das erfindungsgemäße Verfahren durch sehr geringen baulichen Aufwand realisieren läßt. Daher läßt sich eine derartige Fahrzeugbremse kostengünstig bereitstellen und zeichnet sich durch eine hohe Zuverlässigkeit aus. Zudem ist auch eine Nachrüstung an bestehenden Systemen möglich.

Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.

Dadurch, daß das Fluid über eine Ventileinrichtung aus der druckabgewandten Kammer des Bremszylinders abgeleitet wird, kann eine Drosselung des Fluids mit verbesserter Einstell- und Steuerbarkeit erreicht werden. Zudem sind derartige Ventileinrichtungen in großer Auswahl auf dem Markt verfügbar, so daß diese auf einfache Weise bereitstellbar ist und eine hohe Zuverlässigkeit aufweist.

Alternativ oder ergänzend kann das Fluid auch über einen Schalldämpfer aus der druckabgewandten Kammer des Bremszylinders abgeleitet werden. Dies hätte den wesentlichen Vorteil, daß sich eine verbesserte schalldämpfende Wirkung ergibt. Zudem übt auch der Schalldämpfer üblicherweise eine Drosselwirkung aus, wodurch auf die Ventileinrichtung gegebenenfalls verzichtet werden kann.

Andererseits hat sich ergeben, daß sich auch durch die Hindurchführung des Fluids durch die druckabgewandte Kammer des Bremszylinders bereits eine schalldämpfende Wirkung ergibt, so daß der eigentliche Schalldämpfer in einfacherer Gestalt ausgebildet oder gar gänzlich entfallen kann.

Von weiterem Vorteil ist, wenn das Fluid über ein Stellglied in die druckabgewandte Kammer des Bremszylinders geleitet wird. Damit kann der Fluiddurchfluß und somit der Gegendruckaufbau in der druckabgewandten Kammer noch besser gesteuert werden.

Die Anpassungsfähigkeit der Fahrzeugbremse an ABS-, ASR- und/oder ESP-Systeme verbessert sich dadurch weiter. Das Stellglied kann hierbei z. B. als Fußbrems-, Relais-, Drucksteuerventil oder Druckregelmodul ausgebildet sein.

Gemäß einem weiteren Aspekt der Erfindung wird nach Anspruch 5 eine fluidgesteuerte Fahrzeugbremse bereitgestellt, welche sich dadurch auszeichnet, daß eine Leitung aus der druckseitigen Kammer in die druckabgewandte Kammer führt und daß das Fluid über eine Drosseleinrichtung aus der druckabgewandten Kammer des Bremszylinders ableitbar ist.

Mit dieser erfindungsgemäßen Fahrzeugbremse werden die oben anhand des Verfahrens erläuterten Vorteile gleichermaßen erzielt. Zudem sind die entsprechenden Weiterbildungen möglich, wie es sich aus den Unteransprüchen 6 bis 8 ergibt.

Die Erfindung wird nachfolgend in einem Ausführungsbeispiel anhand einer Figur erläutert, welche das Wesen der Erfindung schematisch darstellt.

Gemäß der Darstellung in dieser Figur weist eine Fahrzeugbremse 1 einen Bremszylinder 2, ein Stellglied 3 und einen Schalldämpfer 4 auf.

Der Bremszylinder 2 enthält hierbei eine druckseitige Kammer 21 und eine druckabgewandte Kammer 22, welche durch einen Kolben 23 voneinander getrennt sind.

Die Fahrzeugbremse 1 umfaßt ferner eine hier nicht dargestellte Betätigungseinrichtung wie ein Bremspedal, welche bei einer Aktivierung das Einströmen von Druckluft in die druckseitige Kammer 21 des Bremszylinders 2 bewirkt. Daher baut sich in der druckseitigen Kammer 21 zur Einleitung eines Bremsvorgangs ein Druck auf, der den Kolben 23 gemäß der Darstellung in Fig. 1 nach rechts drückt. Dies geschieht gegen eine federnde Vorspannung, die den Kolben 23 in die Lösestellung der Bremse vorspannt. Die hierzu vorgesehenen Mittel sind an sich bekannt und werden daher hier nicht näher erläutert. Der Kolben 23 ist ferner mit einer hier nicht dargestellten Radbremse verbunden und wirkt auf diese bei beaufschlagten Luftdruck derart ein, daß ein Bremsmoment auf ein Rad übertragen wird.

Ein derartiger Bremszylinder 2 kann einmal zentral im Fahrzeug angeordnet oder jeweils auch für einzelne Achsen oder alle Räder des Fahrzeugs vorgesehen sein.

Beim Lösen der Bremse veranlaßt das Stellglied 3 eine Ableitung der Druckluft aus der druckseitigen Kammer 21 über eine erste und zweite Leitung 5 und 6 zur Seite der druckabgewandten Kammer 22. Von dort wird die Druckluft über eine Ableitung 7 und den Schalldämpfer 4 in die Umgebung abgegeben. Die Pfeile in der Figur geben dabei die Richtung der Luftführung an.

Da der Schalldämpfer 4 nicht nur eine schalldämpfende Wirkung, sondern auch einen drosselnden Effekt bei der Hindurchführung der Druckluft herstellt, entsteht in der druckabgewandten Kammer 22 ein Staudruck. Die durch diesen Staudruck auf den Kolben 23 ausgeübte Kraft addiert sich hierbei zur Vorspannkraft des Kolbens 23, wodurch das Lösen der Bremse wesentlich unterstützt wird. Dadurch kann das durch den Bremszylinder 2 bereitgestellte Bremsmoment sehr schnell abgesenkt werden, was insbesondere im Falle eines Einbruchs der Raddrehzahl gewünscht ist. Damit kann das Blockieren eines Rades zuverlässiger vermieden werden.

Die Erfindung läßt neben der hier aufgezeigten Ausführungsform weitere Gestaltungsansätze zu.

So kann auf den Schalldämpfer 4 gänzlich verzichtet werden, da auch die Hindurchführung der Druckluft durch die druckabgewandte Kammer 22 bereits eine schalldämpfende Wirkung herstellt. Zur Erzielung der Drosselwirkung kann dann eine Ventileinrichtung im Bereich der Ableitung 7 angeordnet werden, oder der Übergang von der druckabgewandten Kammer 22 zur Ableitung 7 wird als eine derartige Engstelle ausgebildet, daß die gewünschte Drosselung des Luftstromes erzielt wird.

Das Stellglied 3 kann als komplexes Element ausgebildet sein, welches eine Steuerung der hindurch tretenden Luftmenge oder des zeitlichen Verlaufs des Luftdurchtritts ermöglicht oder auch als einfaches Ventil, welches lediglich den Luftdurchtritt ermöglicht oder sperrt.

Die Fahrzeugbremse 1 kann auch mit einem anderen Fluid als Druckluft betrieben werden. So ist bei entsprechender Anpassung der Bestandteile auch ein Betrieb mit einem Hydraulikfluid möglich, ohne daß vom Grundprinzip der Erfindung abgewichen wird.

Die Erfindung schafft somit ein Verfahren zur Steuerung eines Bremsvorgangs an einer fluidgesteuerten Fahrzeugbremse 1 bzw. eine fluidgesteuerte Fahrzeugbremse 1, bei welcher der zur Herstellung des Bremsmoments genutzte Fluiddruck auch zur Rückstellung der Fahrzeugbremse 1 in die Lösestellung genutzt wird. Hierzu wird das Fluid derart von der druckseitigen Kammer 21 in die druckabgewandte Kammer 22 des Bremszylinders 2 übergeführt und vor der Ableitung in die Atmosphäre gedrosselt, daß sich dort ein Staudruck bildet, der das Lösen der Bremse begünstigt. Damit kann das Bremsmoment z. B. im Falle eines Einbruchs der Raddrehzahl sehr schnell abgesenkt werden. Die erfindungsgemäße Fahrzeugbremse 1 eignet sich daher in hervorragender Weise zur Anwendung in Kombination mit ABS-, ASR-, EBS- und/oder ESP- Systemen.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zur Steuerung eines Bremsvorgangs an einer fluidgesteuerten Fahrzeugbremse (1) mit einer Betätigungseinrichtung, welche auf einen Bremszylinder (2) derart einwirkt, daß dieser eine Bremsvorrichtung betätigt,

    wobei der Bremszylinder (2) eine druckseitige Kammer (21) und eine druckabgewandte Kammer (22) aufweist, welche durch einen in Richtung zur druckseitigen Kammer (21) zur Rückstellung der Fahrzeugbremse (1) vorgespannten Kolben (23) getrennt sind, und

    wobei die druckseitige Kammer (21) zur Einleitung des Bremsvorgangs mit Fluid beaufschlagt und das Fluid zum Lösen der Fahrzeugbremse (1) aus der druckseitigen Kammer (21) abgeleitet wird, dadurch gekennzeichnet, daß das Fluid aus der druckseitigen Kammer (21) in die druckabgewandte Kammer (22) geführt und von dort gedrosselt aus dem Bremszylinder (2) abgeleitet wird.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Fluid über eine Ventileinrichtung aus der druckabgewandten Kammer (22) des Bremszylinders (2) abgeleitet wird.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Fluid über einen Schalldämpfer (4) aus der druckabgewandten Kammer (22) des Bremszylinders (2) abgeleitet wird.
  4. 4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Fluid über ein Stellglied (3) in die druckabgewandte Kammer (22) des Bremszylinders (2) geleitet wird.
  5. 5. Fluidgesteuerte Fahrzeugbremse (1) mit einer Betätigungseinrichtung, welche auf einen Bremszylinder (2) derart einwirkt, daß dieser eine Bremsvorrichtung betätigt,

    wobei der Bremszylinder (2) eine druckseitige Kammer (21) und eine druckabgewandte Kammer (22) aufweist, welche durch einen in Richtung zur druckseitigen Kammer (21) zur Rückstellung der Fahrzeugbremse (1) vorgespannten Kolben (23) getrennt sind, und

    wobei die druckseitige Kammer (21) zur Einleitung des Bremsvorgangs mit Fluid beaufschlagbar und das Fluid zum Lösen der Fahrzeugbremse (1) aus der druckseitigen Kammer (21) über eine Leitung (5, 6) ableitbar ist, dadurch gekennzeichnet, daß die Leitung (5, 6) aus der druckseitigen Kammer (21) in die druckabgewandte Kammer (22) führt, und daß das Fluid über eine Drosseleinrichtung aus der druckabgewandten Kammer (22) des Bremszylinders (2) ableitbar ist.
  6. 6. Fahrzeugbremse nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Drosseleinrichtung als Ventileinrichtung ausgebildet ist.
  7. 7. Fahrzeugbremse nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß stromab der druckabgewandten Kammer (22) des Bremszylinders (2) ein Schalldämpfer (4) angeordnet ist.
  8. 8. Fahrzeugbremse nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen der druckseitigen Kammer (21) und der druckabgewandten Kammer (22) des Bremszylinders (2) ein Stellglied (3) zum Steuern des Fluidflusses angeordnet ist.






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